{"id":12643,"date":"2017-07-13T20:57:38","date_gmt":"2017-07-13T18:57:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=12643"},"modified":"2017-07-13T20:57:38","modified_gmt":"2017-07-13T18:57:38","slug":"die-druckgefoerderte-wasserstoff-oberstufe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2017\/07\/13\/die-druckgefoerderte-wasserstoff-oberstufe\/","title":{"rendered":"Die druckgef&ouml;rderte Wasserstoff-Oberstufe"},"content":{"rendered":"<p>Immer wieder kommt bei meinen Ideen f&uuml;r neue Raumfahrtprojekte mir ein Problem unter: dass die Oberstufe der Ariane 5 nicht wiederz&uuml;ndbar ist. Ideal w&auml;re es, wenn die ESA f&uuml;r ihre Planetenmissionen einen Doppelstart nutzen k&ouml;nnte. Man w&uuml;rde dann die Nutzlast mit einer Transferstufe in einem GTO mit einem kommerziellen Satellit aussetzen und sp&auml;ter auf die Zielbahn bringen. Die ECA ist wegen des nicht wiederz&uuml;ndbaren Triebwerks dazu nicht in der Lage. Bei der Ariane 6 wird es nicht viel besser werden, denn die Oberstufe ist dort wahrscheinlich schwer und wird schwerer als die Nutzlast selber sein, wodurch die Masse der Nutzlast stark absinkt, man sieht dies auch an der geringen Direkt-GEO Nutzlast, die in etwa der Nutzlast einer Marstransferbahn entspricht. Beide Bahnen haben in etwa den gleichen Geschwindigkeitsbedarf.<!--more--><\/p>\n<p>Ben&ouml;tigt man bei anderen Projekten eine kleine Stufe, so greift man entweder auf einen Feststoffantrieb zur&uuml;ck oder eine druckgef&ouml;rderte Stufe. Die ESA hat leider nie viele Feststoffantriebe im Programm gehabt. Viele entstanden als Perig&auml;ums oder Apog&auml;umsantrieb in den USA und die ESA setzte schon fr&uuml;hzeitig auf den direkten Transfer in den GTTO (Perig&auml;umsantrieb entf&auml;llt) und den Einsatz von Fl&uuml;ssigtreibstoffen bei Apog&auml;umanstrieben \u2013 der deutsch-franz&ouml;sische Satellit <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/deutsche-satelliten.shtml\">Symphonie<\/a> war der erste Satellit weltweit der diese Antriebstechnologie nutzte.<\/p>\n<p>Bleiben druckgef&ouml;rderte Stufen. Diese haben den Vorteil, dass die Triebwerksentwicklung relativ einfach ist und auch diese Triebwerke sehr zuverl&auml;ssig funktionieren. Bei einer druckgef&ouml;rderten Stufe stehen die Tanks unter hohem Druck, typisch 10-20 Bar. Der Tankdruck ist h&ouml;her als im Triebwerk und f&ouml;rdert so den Treibstoff in die Brennkammer. Es gibt einen einfachen Zusammenhang zwischen Wandst&auml;rke der Tanks und Druck, formuliert in der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kesselformel\">Kesselformel<\/a>:<\/p>\n<p>s = p * d \/ (4 * E-Modul)<\/p>\n<p>s = Wandst&auml;rke in mm<\/p>\n<p>d = Durchmesser in mm<\/p>\n<p>p : Druck<\/p>\n<p>E-Modul: E-Modul des Werkstoffs, z.B. 200 Gpa bis 260 f&uuml;r Stahl, 110 f&uuml;r Aluminium<\/p>\n<p>Das Obige gilt f&uuml;r kugelf&ouml;rmige Tanks, die nicht nur das gr&ouml;&szlig;tm&ouml;gliche Verh&auml;ltnis von Volumen\/Fl&auml;che haben, sondern auch die kleinstm&ouml;gliche Wandst&auml;rke. Bei zylinderf&ouml;rmigen Tanks ist sie doppelt so hoch.<\/p>\n<p>Aus der Kesselformel folgt ein linearer Zusammenhang zwischen Tankdicke und Durchmesser. Da die Fl&auml;che quadratisch mit dem Durchmesser zunimmt, steigt so die Masse des Mantels (aus Fl&auml;che x Dicke x spezifischer Dichte) in der dritten Potenz zum Durchmesser, w&auml;hrend das Volumen nach der Formel f&uuml;r das Kugelvolumen auch in der dritten Potenz zum Durchmesser ansteigt. Daraus folgt: Bei druckgef&ouml;rderten Stufen macht es keinen Unterschied, ob es eine kleine oder gro&szlig;e Stufe ist \u2013 zumindest was die Tanks angeht. Nat&uuml;rlich spielen andere Systeme auch eine Rolle beim Gewicht. Immerhin erreichte eine Delta 2 Zweitstufe mit rund 6 t Startmasse einen Strukturfaktor von 8, die 12 t schwere EPS Stufe mit g&uuml;nstiger Tankgeometrie sogar einen von 10.<\/p>\n<p>Bei Wasserstoff\/Sauerstoff ist nun die geringe spezifische Dichte des Wasserstoffs von Nachteil. Er braucht sehr gro&szlig;volumige Tanks. Ich habe mal die mittlere Dichte einiger Kombinationen bestimmt:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"128*\" \/>\n<col width=\"128*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"50%\">Kombination<\/th>\n<th width=\"50%\">Dichte<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">LOX\/LH2 5:0<\/td>\n<td width=\"50%\">0,32<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">LOX\/LH2 5,5 : 1<\/td>\n<td width=\"50%\">0,34<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">LOX\/LH2 6: 1<\/td>\n<td width=\"50%\">0,35<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">NTO:MMH 1,9:1<\/td>\n<td width=\"50%\">1,32<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Dichte von LOX\/LH2 ist selbst unter g&uuml;nstigen Umst&auml;nden rund dreieinhalbmal leichter als die g&auml;ngige Kombination NTO\/MMH. Eine einfache Berechnung zeigt das bei 20 Bar und Stahl als Werkstoff (Dichte 8, E-Modul 260 N\/mm\u00b2) das Voll\/Leermasseverh&auml;ltnis bei LOX\/LH2 zwischen 4,45 und 4,86 und bei NTO\/MMH bei 14,45 liegt. In der Praxis noch darunter, weil die Tanks nicht auf den Betriebsdruck, sondern den Berstdruck ausgelegt sind, der etwa 50% h&ouml;her ist. So kommt man dann auf einen Strukturfaktor von 3. Das ist inkazeptabel. Man m&uuml;sste also im Betriebsdruck heruntergehen. Will man einen Sicherheistfaktor von 50% beim Druck haben so m&uuml;ssste man auf einen Druck von 5 bis 5,5 Bar senken, wenn man einen Strukturfaktor von 10 erreichen will.<\/p>\n<p>So w&auml;re ein einfacher Ansatz den Brennkammerdruck zu senken und in der Tat sieht es gar nicht so schlecht aus, mit der Effizienz von LOX\/LH2. Nach FCEA kommt ein Triebwerk mit 5 Bar Eingangsdruck und einem Expansionsverh&auml;ltnis von 20 bei der Mischung 6:1 auf einen spezifischen Impuls von 4075 (Mittel aus eingefrorenem und freiem Gleichgewicht). Das ist immerhin um 1000 m\/s h&ouml;her als bei NTO\/MMH-Antrieben. Es kommt noch besser: Senkt man den Brennkammerdruck auf 1 Bar ab, so sind es immer noch 3996 m\/s.<\/p>\n<p>Das Problem kommt nun aus einer anderen Richtung: die Gr&ouml;&szlig;e der Brennkammer. Den es gilt auch: Schub ~ Brennkammerstirnfl&auml;che * Brennkammerdruck. Ein 20-kN-Triebwerk br&auml;uchte bei 5 Bar Brennkammerdruck eine Stirnfl&auml;che von 400 cm\u00b2 und bei 1 Bar schon von 2000 cm\u00b2. Die D&uuml;sen und Brennkammern werden dann ziemlich gro&szlig;, bei dem obigen Expansionsverh&auml;ltnis von 20 w&auml;re der D&uuml;sendruchmesser dann 100 bzw. 226 cm. Das ganze Triebwerk w&auml;re dann riesig, typisch ist die Brennkammer etwa dreimal l&auml;nger als der Durchmesser. Die D&uuml;se ist noch l&auml;nger. Man kann zwar wegen des geringen Drucks die Wandst&auml;rke reduzieren, doch nicht zu stark, denn au&szlig;er dem Druck gibt es ja noch die Temepratur als Stre&szlig;faktor.<\/p>\n<p>Es bietet sich an, ein vorhandenes Triebwerk als Referenz zu nehmen. Das HM-7B. Es wiegt 140 kg, hat einen Brennkammerdruck von 35 Bar und einen Schub von 65 kN. Auf 5 Bar Brennkammerdruck reduziert sinkt der Schub dann auf 9 kN. Das Expansionsverh&auml;ltnis von 83 bleibt erhalten. Mit diesen Daten kommt man beim Mischungsverh&auml;ltnis des HM-7B von 5,2:1 auf einen spezifischen Impuls von 4041 m\/s.<\/p>\n<p>Es gibt aber noch ein anderes Problem, wenn auch kleineren Ausma&szlig;es. Die Tanks m&uuml;ssen dauernd unter Druck stehen. Wenn sie sich entleeren, so sinkt der Druck ab. Damit sinkt auch der Triebwerksschub ab und auch der spezifische Impuls. Das Letztere ist noch zu verschmerzen, doch durch den absinkenden Schub steigen die Gravitationsverluste an und die Betriebsdauer steigt an. Daher gibt es f&uuml;r das Problem einige L&ouml;sungen. Bei Satellitenantrieben f&uuml;llt man den Tank nur teilweise und lebt mit dem absinkenden Druck. Wenn der Tank zu zwei Drittel gef&uuml;llt ist sinkt er auf ein Drittel ab. Das ist bei 20 Bar Anfangsdruck tolerierbar. Doch bei den niedrigen Dr&uuml;cken, die man f&uuml;r einen Betrieb mit LOX\/LH2 braucht, nicht, zumal dann auch der Schub absinkt.<\/p>\n<p>Bei gr&ouml;&szlig;eren Stufen nutzt man daher Heliumdruckgas in Druckgasflaschen um den Druck aufrecht zu erhalten. Eine moderne CFK-Flasche f&uuml;r die Ariane 5 hat 300 l Volumen, wiegt 93 kg und fasst Helium unter 400 Bar Druck. Das reicht aus, um 24 m\u00b3 Volumen unter 5 Bar Druck zu halten. Das Helium als F&uuml;llung wiegt dann weitere 22 kg. Pro Kubikmeter Volumen sind dies 4,8 Kg Mehrgewicht.<\/p>\n<p>Die Alternative dazu ist es, den Treibstoff selbst als Druckgas zu nehmen. Den Wasserstoff kann man aus dem K&uuml;hlmittel der Brennkammer nutzen, den Sauerstoff kann man &uuml;ber eine Leitung am oberen Rand der D&uuml;se erhitzen. Bei 5 Bar wiegt der Sauerstoff in einem Kubikmeter Volumen 7,14 kg und der Wasserstoff 0,9 kg. Bei dem Mischungsverh&auml;ltnis von 6:1 sind es 2,57 kg\/m\u00b3, da der Sauerstoff nur ein Drittel des Volumens des Wasserstoffs ausmacht. Deis ist also vom Gewicht g&uuml;bstiger.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Ein durchgerechnetes Beispiel<\/h3>\n<p>Ich will eine Stufe f&uuml;r die Ariane 5 konstruieren. Sie kann auf dem oberen Platz untergebracht werden, dann betr&auml;gt der maximale Durchmesser 4,80 m. Alternativ im unteren Teil innerhalb der Sylda. Dann ist der Durchmesser auf unter 4 m beschr&auml;nkt. Um einen m&ouml;glichst geringen Strukturanteil zu erreichen, sind die Tanks kugelf&ouml;rmig. Bei dem maximalen Durchmesser der Nutzlastverkleidung von 5,40 m ist der Durchmesser der Stufe auf 4,80 m beschr&auml;nkt. Ich habe mich f&uuml;r LH2-Tanks von 1,9 m Durchmesser entscheiden das l&auml;sst noch 1,0 m f&uuml;r das Triebwerk &uuml;brig. Das HM-7B hat einen Maximaldurchmesser von 0,99 m, allerdings wird dieser an der D&uuml;se erreicht. Die Brennkammer ist viel kleiner, etwa 25 cm Durchmesser. Das E-Modul ist 110 und die Dichte 2,8, typische Werte f&uuml;r Aluminium.<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"105*\" \/>\n<col width=\"75*\" \/>\n<col width=\"75*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"41%\">Parameter<\/th>\n<th width=\"29%\">Wert Durchmesser 5,40 m<\/th>\n<th width=\"29%\">Wert Durchmesser 4,50 m<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"41%\">LH2-Tank Durchmesser:<\/td>\n<td width=\"29%\">1,90 m<\/td>\n<td width=\"29%\">1,40 m<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"41%\">LH2-Tank Masse:<\/td>\n<td width=\"29%\">96,2 kg<\/td>\n<td width=\"29%\">38,4 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"41%\">LH2-Tank Treibstoff:<\/td>\n<td width=\"29%\">240 kg, nutzbar: 236 kg<\/td>\n<td width=\"29%\">98 kg, nutzbar: 96,7 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"41%\">LOX-Tank Durchmesser:<\/td>\n<td width=\"29%\">1,36 m<\/td>\n<td width=\"29%\">1,00 m<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"41%\">LOX-Tank Masse:<\/td>\n<td width=\"29%\">35,2 kg<\/td>\n<td width=\"29%\">14,1 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"41%\">LOX-Tank Treibstoff:<\/td>\n<td width=\"29%\">1.490 kg, nutzbar: 1480 kg<\/td>\n<td width=\"29%\">595 kg, nutzbar 591 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"41%\">Tankdruck:<\/td>\n<td width=\"29%\">5 Bar, ausgelegt auf 7 bar Maximaldruck<\/td>\n<td width=\"29%\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"41%\">Brennkammerdruck:<\/td>\n<td width=\"29%\">4 bar<\/td>\n<td width=\"29%\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"41%\">Brennkammerinnendurchmesser:<\/td>\n<td width=\"29%\">21 cm<\/td>\n<td width=\"29%\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"41%\">Schub:<\/td>\n<td width=\"29%\">13,85 kN<\/td>\n<td width=\"29%\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"41%\">D&uuml;sendurchmesser:<\/td>\n<td width=\"29%\">130 cm<\/td>\n<td width=\"29%\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"41%\">Expansionsverh&auml;ltnis:<\/td>\n<td width=\"29%\">38<\/td>\n<td width=\"29%\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"41%\">Spezifischer Impuls<\/td>\n<td width=\"29%\">3903 m\/s<\/td>\n<td width=\"29%\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"41%\">Triebwerksgewicht:<\/td>\n<td width=\"29%\">165 kg<\/td>\n<td width=\"29%\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"41%\">Schubrahmen:<\/td>\n<td width=\"29%\">135 kg<\/td>\n<td width=\"29%\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"41%\">Thermalschutz<\/td>\n<td width=\"29%\">24 kg<\/td>\n<td width=\"29%\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"41%\">Leitungen:<\/td>\n<td width=\"29%\">10 kg<\/td>\n<td width=\"29%\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"41%\">Betriebsdauer:<\/td>\n<td width=\"29%\">969 s<\/td>\n<td width=\"29%\">389 s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"41%\">Startmasse:<\/td>\n<td width=\"29%\">4056,8 kg<\/td>\n<td width=\"29%\">1825 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"41%\">Brennschlussmasse:<\/td>\n<td width=\"29%\">624,8 kg, Trockenmasse: 596,8 kg<\/td>\n<td width=\"29%\">450,6 kg, Trockenmasse: 439 kg<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Man erh&auml;lt kein ausgezeichnetes, aber brauchbares Strukturverh&auml;ltnis von 6,5 zu 1. Die Stufe ist relativ kompakt, wenn man das Triebwerk in die Mitte nach oben verschiebt, 1,90 m hoch. Den 2,624 m durchmessenden Adapter zur Sylda kann man als Schubrahmen unten und oben als Strukturbestandteil nutzen.<\/p>\n<p>F&uuml;r ein dV von 4000 m\/s, typisch f&uuml;r eine Jupiterbahn, errechnet sich so eine Nutzlast von 1350 kg. Das w&auml;re dann eine Gesamtmasse von rund 5,4 t, was noch rund 5 t f&uuml;r den unteren Passagier &uuml;brig l&auml;sst.<\/p>\n<p>F&uuml;r Fl&uuml;ge zum Mars k&ouml;nnte man die Tanks verkleinern und in der Sylda unterbringen. Beim gleichen Triebwerk sinkt hier der Strukturfaktor auf einen Wert von 4,05, trotzdem w&auml;ren f&uuml;r ein dV von 1400 m\/s noch 2,7 t Nutzlast bef&ouml;rderbar, bei einer Gesamtmasse von 4,6 t also einer typischen Masse f&uuml;r einen unteren Passagier. Ich halte das aber f&uuml;r besser, als noch etwas Gewicht zu sparen, indem man ein zweites, kleineres Triebwerk nutzt<\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich m&uuml;sste man die Stufe nicht voll ausnutzen. <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/exomars.shtml\">Exomars<\/a> wog z.B. beim Start 4332 kg. Er w&auml;re mit einer auf 2,8 t Startmasse reduzierten Stufe startbar \u2013 aber leider wiegt die ganze Kombination mit Sylda dann rund 7,9 t, was nur noch 3 t f&uuml;r den oberen Passagier &uuml;brig l&auml;sst. Doch f&uuml;r kleine Mars- und Venussonden von bis zu etwa 3,5 t Masse w&auml;re diese Kombination nutzbar. Dar&uuml;ber hinaus bleibt zu wenig Masse f&uuml;r den oberen Passagier. <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/bepicolombo.shtml\">BepiColombo<\/a> w&auml;re aus einer Parkbahn heraus direkt zur Venus startbar (2,4 t Stufenmasse, entsprechend 3,5 t f&uuml;r den zweiten Passagier &uuml;brig lassend) was mindestens ein Jahr der Mission einsparen w&uuml;rde.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Vergleich mit lagerf&auml;higen Treibstoffen<\/h3>\n<p>Nat&uuml;rlich k&ouml;nnte man auch mit NTO\/MMH eine solche Stufe konstruieren. Wegen der h&ouml;heren Dichte sogar viel leichter und kompakter. Mit 1,2 m Tankdurchmesser f&uuml;r MMH und NTO kommt man unter Verwendung eines Triebwerks mit 50% des Schubs und der Masse des Aestus und 20 Bar Tankdruck auf eine Vollmasse von 4718 kg bei 590 kg Leermasse. Hier wird der Tankdruck durch Helium gew&auml;hrleistet, da nur NTO leicht in ein Gas umwandelbar ist, aber gerade NTO eine sehr hohe Molekularmasse hat, die dies unwirtschaftlich erscheinen l&auml;sst. Diese Stufe k&ouml;nnte 6900 kg auf Marskurs beschleunigen (w&auml;re dann allerdings zu schwer f&uuml;r einen GTO) oder 1050 kg zum Jupiter.<\/p>\n<p>Gerade das zeigt das Dilemma \u2013 f&uuml;r niedrige dV kommt man bei beiden Stufen auf sehr gro&szlig;e Nutzlasten, die dann einen Einzelstart n&ouml;tig machen \u2013 dann braucht man die Stufe aber nicht. Die Missionen mit hohem dv sind dagegen begrenzt. M&ouml;glich w&auml;re f&uuml;r beide Stufen ein Transfer in den GEO. Die rund 1500 m\/s dV entsprechen bei Verwendung der Stufen (LOX\/LH2): gro&szlig;e Stufe): einer Nutzlast von 6300 kg (lagerf&auml;hig) bzw. 6700 kg LOX-LH2. Die Nutzlast liegt also sehr nahe zusammen, weswegen sich kaum eine Entwicklung lohnt (man k&ouml;nnte die lagerf&auml;hige Stufe z.B. mit dem Aestus ausr&uuml;sten \u2013 macht sei zwar um 100 kg schwerer aber spart Entwicklungsarbeit. Man m&uuml;sste aber die sehr lange D&uuml;se k&uuml;rzen.<\/p>\n<p>Nur eine h&auml;ufige Anwendung sehe ich: der Transfer in einen Galileo Orbit. Auch hier sind es rund 1450 m\/s, die aufzubringen sind. Ich komme auf 6.550 kg (lagerf&auml;hig) bzw. 6.900 kg (LOC\/Lh2) Nutzlast bei einer Gesamtmasse von 10.956 kg (LOX\/LH2) bzw. 11.268 kg (lagerf&auml;hig). Das w&auml;re in beiden F&auml;llen startbar, zumal ein Galileo Transferorbit in etwa die gleiche Geschwindigkeit wie ein GTO hat. Da ein Galileosatellit je nach Angabe 680 bis 740 kg wiegt, kann man so acht Satelliten anstatt vier transportieren. Selbst wenn dies r&auml;umlich nicht geht und man es auf sechs Satelliten begrenzt, w&auml;re es ein Gewinn gegen&uuml;ber den vier Satelliten, die derzeit mit einer Ariane 5 ES gestartet werden.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Ausblick<\/h3>\n<p>Derzeit werden CFK-Werkstoffe untersucht, auch f&uuml;r kryogene Tanks. Mit einem E-Modul von 120 Gpa und einer Dichte von nur 1,74 kann man die Masse um 43 % senken oder \u2013 as ich bevorzugen w&uuml;rde, den Druck um 43 % auf 7 Bar im Triebwerk erh&ouml;hen. Man kann dieses dann verkleinern, was ebenfalls Gewicht einspart, den spezifischen Impuls erh&ouml;ht und es vor allem einfacher machte die Stufe in der H&ouml;he zu verk&uuml;rzen. Dabei sind die 120 Gpa die Angabe von Wikipedia f&uuml;r \u201enormale\u201c CFK-Werkstoffe. Deutlich teurer, aber noch belastbarer sind Hochleistungswerkstoffe mit sehr langen Graphitfasern.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Fazit:<\/h3>\n<p>Eine druckgef&ouml;rderte Stufe mit LOX\/LH w&auml;re eine denkbare Erg&auml;nzung, die in vielen F&auml;llen Sinn macht, so f&uuml;r Galileo Orbits, Marsmissionen, Bepicolombo.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/eb8f2263bb1c4ed891bf299585485ebe\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder kommt bei meinen Ideen f&uuml;r neue Raumfahrtprojekte mir ein Problem unter: dass die Oberstufe der Ariane 5 nicht wiederz&uuml;ndbar ist. Ideal w&auml;re es, wenn die ESA f&uuml;r ihre Planetenmissionen einen Doppelstart nutzen k&ouml;nnte. 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Mai 2026","format":false,"excerpt":"W\u00e4hrend ich f\u00fcr den Artikel recherchiere, gibt es noch keinen Starttermin f\u00fcr das erste Starship V3, der Start wurde mehrfach von M\u00e4rz bis Mai verschoben. SpaceX k\u00fcndet immer kurzfristig an, sodass sich das mit dem Schreiben des Blogs \u00fcberlappen kann. Es ist klar, das mit V3 vieles besser werden muss.\u2026","rel":"","context":"In &quot;SpaceX&quot;","block_context":{"text":"SpaceX","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/spacex\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/dc51ed97a0f548b6bea1f689ca456c33","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18449,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/10\/16\/das-v4-wirds-schon-richten-2\/","url_meta":{"origin":12643,"position":5},"title":"Das V4 wirds schon richten (2)","author":"Bernd Leitenberger","date":"16. Oktober 2025","format":false,"excerpt":"So, heute der zweite Teil des Artikels von gestern. Nachdenken hilft Bei den Vers-Sprechen von Elon Musk hilft Nachdenken. Ich habe in der Tabelle auch die Gesamttreibstoffmenge angegeben: Parameter Starship V1 (2023\/24) Starship V2 (2025) Starship V3 (2026-) Starship V4 Nutzlast (wiederverwendbar) 15 t 35 t 100+ t 200+ Gesamtmasse\u2026","rel":"","context":"In &quot;SpaceX&quot;","block_context":{"text":"SpaceX","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/spacex\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/d193ca8d21b14074b04b39cfcfcae20f","width":350,"height":200},"classes":[]}],"jetpack_sharing_enabled":true,"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12643","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/169"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12643"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12643\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12643"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12643"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12643"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}