{"id":12645,"date":"2017-07-15T09:41:45","date_gmt":"2017-07-15T07:41:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=12645"},"modified":"2017-07-15T09:46:06","modified_gmt":"2017-07-15T07:46:06","slug":"der-hyperbolische-exzess-teil-2-praktische-berechnungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2017\/07\/15\/der-hyperbolische-exzess-teil-2-praktische-berechnungen\/","title":{"rendered":"Der hyperbolischer Exzess, Teil 2: praktische Berechnungen"},"content":{"rendered":"<p>Da ich das Ph&auml;nomen des Hyperbolischen Exzesses ausgiebig in meinem Blog &uuml;ber die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2017\/07\/11\/zum-kuiper-belt-und-in-die-heliopause\/\"> Heliosph&auml;rensonde<\/a> genutzt habe, hier eine Fortsetzung eines schon sieben Jahre alten <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2009\/06\/08\/der-hyperbolische-exzess\/\"> Blogs<\/a>. Es geht um den hyperbolischen Exzess. Auf die mathematische Behandlung der Grundlagen verweise ich auf diesen alten Blogeintrag. Dieser Blog geht auf einige praktische Anwendungen des Ph&auml;nomens ein.<\/p>\n<p>Die Formel, die ich verwende, ist diese:<!--more--><\/p>\n<p>V = \u221a (V<sub>flucht<\/sub>\u00b2 + V<sub>unendlich<\/sub>\u00b2)<\/p>\n<p>V<sub>flucht<\/sub> ist lokale Fluchtgeschwindigkeit bei einem Planeten bei einem bestimmten Abstand x, berechenbar nach<\/p>\n<p>V<sub>flucht <\/sub>=\u221a 2*\u03b3*M\/x (\u03b3: Allgemeine Gravitationskonstante (6,67&#8230;x 10<sup>-11<\/sup>) und M Masse des Planeten.<\/p>\n<p>V<sub>unendlich<\/sub> ist die Geschwindigkeit, die der K&ouml;rper im \u201eUnendlichen\u201c also nach Verlassen der Gravitationsph&auml;re hat oder haben soll.<\/p>\n<p>V ist die zu erreichende Geschwindigkeit. Der Term V<sub>x<\/sub>\u00b2 ist eine Energie. Wo ich ihn benutze, habe ich den Faktor 2 und die Masse, die man in der Formel eigentlich findet, (E=\u00bd mv\u00b2) weggelassen, weil beides Konstanten sind, k&uuml;rzt es sich so in allen Berechnungen heraus. Man k&ouml;nnte also auch es als die spezifische Energie pro Kilogramm ansehen.<\/p>\n<h3>Anwendung 1: Fl&uuml;ge von einem Planeten zu einem anderen.<\/h3>\n<p>Nehmen wir mal einen Flug zum Mars bzw. zur Venus. Die Venus ist im Mittel 108,4 Millionen km von der Sonne entfernt. Beim Mars schwankt der Abstand stark, f&uuml;r das Rechenbeispiel habe ich die maximale Entfernung, 249 Millionen km angenommen. Mittels der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vis-Viva-Gleichung\">Vis-Viva Gleichung<\/a> kann man in einer Hohmannbahn bei gegebener Halbachse die Geschwindigkeit bei einem bestimmten Punkt errechnen. Die Halbachse w&auml;re in diesem Falle der Mittelwert aus Erdentfernung und Zielentfernung, bei einer Erdentfernung von 150 Mill. Km bei einer Bahn zur Venus also (108.4+150)\/2 = 129,2 Mill. km. und beim Flug zum Mars (249+150)\/2 = 199,5. In Erdentfernung (Startpunkt) errechnet man eine Geschwindigkeit bei der Transferbahn zur Venus von 27.250 m\/s und zum Mars 33.236 m\/s. Die Kreisbahngeschwindigkeit der Erde betr&auml;gt in beiden F&auml;llen 29.750 m\/s (eine kreisf&ouml;rmige Bahn angenommen, in der Realit&auml;t ist sie nat&uuml;rlich nicht kreisf&ouml;rmig).<\/p>\n<p>Zur Venus muss man also 2500 m\/s abbauen und zum Mars 3486 m\/s gewinnen.<\/p>\n<p>Eine M&ouml;glichkeit w&auml;re nun zuerst auf Fluchtgeschwindigkeit beschleunigen, um die Erde zu verlassen. Dann, wenn man in sicherer Entfernung auf einer Umlaufbahn um die Sonne ist, um weitere 3,5 km\/s beschleunigen oder, wenn man zur Venus will, um 2,5 km\/s abbremsen. Ich kann aber auch gleich den Vektor so legen das ich die richtige Richtung habe und nach obiger Gleichung (Fluchtgeschwindigkeit zu 11 km\/s) angenommen) berechnen:<\/p>\n<p>V = \u221a(11\u00b2+3,486\u00b2) = 11,539 km\/s<\/p>\n<p>V = \u221a(11\u00b2+2,5\u00b2) = 11,280 m\/s<\/p>\n<p>Das hei&szlig;t weniger als 300 m\/s reichen aus um 2,5 km\/s \u201eeinzusparen\u201c und weniger als 600 m\/s \u201esparen\u201c rund 3,5 km\/s ein. Der Gewinn wird immer kleiner je h&ouml;her die Geschwindigkeitsdifferenz ist. Bei Jupiter sind es noch 3,2 km\/s anstatt &gt;8 km\/s und bei der Flucht aus dem Sonnensystem 5,7 anstatt 12,3 km\/s. Ohne diesen netten Tatbestand w&auml;ren Fl&uuml;ge zu den Planeten praktisch unm&ouml;glich. Ein Flug zum Mars h&auml;tte dann den gleichen Geschwindigkeitsbedarf wie einer zum Jupiter ohne hyperbolischem Exzess. Daher nutzt man dies selbst bei Ionenantrieben aus \u2013 warum soll man mit einem Ionenantrieb &uuml;ber 3 km\/s aufbauen wenn man mit 0,3 km\/s mehr chemischer Energie das Gleiche erreicht?<\/p>\n<p>Das gilt nat&uuml;rlich auch in der Gegenrichtung. Nehmen wir an, wir sind in einer 24-Stunden-Umlaufbahn um den Mars (200 x 33.173 km) und wollen zur&uuml;ck zur Erde. Die Fluchtgeschwindigkeit beim Mars betr&auml;gt in 200 km Entfernung 4881 m\/s, in 33.173 km Entfernung noch 1531 m\/s. Es gibt nun die M&ouml;glichkeit das Man&ouml;ver am marsn&auml;chsten oder marsfenrsten Punkt durchzuf&uuml;hren. Die reale Geschwindigkeit betr&auml;gt 4.657 m\/s in 200 km Entfernung und 458 m\/s in 33.173 km. Die Differenzgeschwindigkeit zur Transferbahn zur Erde betr&auml;gt bei derselben Umlaufbahn wie beim Start (150 x 249 Mill. km) 1911 m\/s.<\/p>\n<p>So kann man die aufzubringende Geschwindigkeit berechnen. Man erh&auml;lt f&uuml;r 200 km Entfernung 5241 m\/s und in 33.173 km Abstand sind es 2448 m\/s. Zu ber&uuml;cksichtigen ist aber die Ausgangsgeschwindigkeit, die man von der Zielgeschwindigkeit abziehen muss, um die Differenz zu berechnen. Das sind 4657 m\/s in 200 km Entfernung, also nur 584 m\/s weniger. Dagegen sind es in 33.173 km Entfernung 2448 m\/s die man ausgehend von einer aktuellen Geschwindigkeit von 458 m\/s erreichen muss also 1990 m\/s mehr.<\/p>\n<p>Das ist eine allgemeine Regel. Will man den hyperbolischen Exzess nutzen, so macht man Bahnman&ouml;ver (Abbremsungen oder Geschwindigkeitssteigerungen) m&ouml;glichst nahe an dem Planeten. Das ist so bedeutend, das es beim Mars z.B. energetisch g&uuml;nstiger ist, wenn man in eine Umlaufbahn um Phobos (rund 6600 km &uuml;ber der Oberfl&auml;che) gelangen will, nicht dort die Geschwindigkeit abbaut, sondern in 150-200 km Entfernung (tiefer kann man wegen der Atmosph&auml;re) nicht gehen. Diese 200 x 6600 km Bahn zirkularisiert man dann in einem zweiten Schritt in 6600 km Entfernung. Das kostet zwar weitere Energie, in der Summe ist es aber energiesparender als der \u201edirekte\u201c Weg.<\/p>\n<h3>Anwendung 2: Einschwenken in eine Umlaufbahn in einen Planeten.<\/h3>\n<p>Das Einschwenken in eine Umlaufbahn ist relativ einfach: Es ist nur die zeitliche Umkehrung des Verlassens eines Planeten. &Uuml;blicherweise ist eine Zielbahn vorgegeben. Dann berechnet man nach der Vis-Viva Gleichung zuerst einmal die Geschwindigkeit in dieser Bahn, an dem Punkt, wo man die Abbremsung durchf&uuml;hren will. Weiterhin braucht man die Fluchtgeschwindigkeit an diesem Punkt. Als V<sub>unendlich<\/sub> nimmt man die Geschwindigkeitsdifferenz zwischen der Erde in ihrer Umlaufbahn und der Bahn der Sonde an dem Punkt, wo sie die Erdbahn ber&uuml;hrt. (Das gilt leider nur f&uuml;r Hohmannbahnen, bei kreuzenden Bahnen muss man den Absolutwert der Differenz der Geschwindigkeitsvektoren bestimmen, was den Umfang dieses Blogs eindeutig sprengt)<\/p>\n<p>Dies wurde schon. oben f&uuml;r zwei Bahnen berechnet. Man kann dann zuerst V errechnen, welche die maximale Geschwindigkeit an dem Punkt x ist. Zieht man nun die momentane Geschwindigkeit der Zielbahn am Punkt x ab, so herh&auml;lt man die Differenz, die aufzubringen ist. Eine Berechnung erspare ich mir, denn wir haben das schon berechnet: oben beim Mars. Um aus einer 150 x 249 Mill. km Sonnenumlaufbahn in eine 200 x 33173 km Marsbahn abzubremsen, brauche ich 584 m\/s, wenn ich dies in 200 km Entfernung tue. Das Einbremsen in den Orbit ist das gleiche wie das Verlassen, nur der zeitliche Ablauf ist ein anderer \u2013 man kann es sich verdeutlichen, wenn man einfach das Verlassen eines Orbits r&uuml;ckw&auml;rts anschaut \u2013 dann ist es das Einbremsen in den Orbit aus dem unendlichen kommend.<\/p>\n<p>In der Realit&auml;t wird der Mars sich bei Ankunft und R&uuml;ckkehr in unterschiedlichen Entfernungen befinden, wenn der R&uuml;ckstart erfolgt, trotzdem liegt der Geschwindigkeitsbedarf auf diesen Bahnen meist unter 1 km\/s. Es zeigt &uuml;brigens auch, dass es sinnvoll ist, in einer elliptischen Bahn zu bleiben, denn will ich in eine 200 km Kreisbahn einschwenken, so betr&auml;gt die Zielgschwindigkeit schon 3451 m\/s anstatt 4657 m\/s, kurzum man braucht dann nicht 584 m\/s, sondern 1790 m\/s. Bei der R&uuml;ckkehr hat man genau die gleiche Problematik. W&auml;hrend so rund 1200 m\/s reichen k&ouml;nnten, um in eine stark elliptische Marsumlaufbahn einzuschwenken und diese zu verlassen, k&ouml;nnen es bei einer 200-km-Kreisbahn 3600 m\/s sein.<\/p>\n<h3>Anwendung 3: Das omin&ouml;se C3<\/h3>\n<p>Besucht man Webseiten wie den <a href=\"https:\/\/trajbrowser.arc.nasa.gov\/index.php\">Trajectory Browser der NASA<\/a> oder liest Presskits zum Start von Planetensonden so st&ouml;&szlig;t man oft auf den Begriff C3 mit der komischen Dimension km\u00b2\/s\u00b2. Dabei handelt es sich um die Geschwindigkeit im Unendlichen (hier: V<sub>unendlich<\/sub>) und zwar damit man es leichter zum Rechnen hat als das Quadrat, hier also der Term V<sub>unendlich <\/sub>\u00b2. Es ist von der Dimension her eine Energie. Warum dies? Nun die Fluchtgeschwindigkeit ist abh&auml;ngig von der H&ouml;he. Zwar hat eine Sonde nach dem Start zuerst auch eine erdnahe Umlaufbahn, aber die Fluchtgeschwindigkeit ist in jeder H&ouml;he eine andere. In 170 km H&ouml;he betr&auml;gt sie 11036 m\/s, in 300 km H&ouml;he nur noch 10928 m\/s. Daher ist es schlau, die Energie im Unendlichen als Kriterium zu nehmen. Diese Energie ben&ouml;tigt man, auch wenn man in eine Zielbahn abbremsen will, w&auml;hrend die Parameter der Zielbahn je nach Anwendungsfall vielleicht unterschiedlich sind. C3 zu Venus und Mars liegen bei 7-10 km\u00b2\/s\u00b2, zu Jupiter bei rund 80 km\u00b2\/s\u00b2. Von C3 auf die ben&ouml;tigte Geschwindigkeit kommt man einfach nach:<\/p>\n<p>V = \u221a (V<sub>flucht<\/sub>\u00b2 + C3)<\/p>\n<h3>Anwendung 4: Der Raketenantrieb, der beim Vorbeiflug gez&uuml;ndet wird.<\/h3>\n<p>Im Normalfall wird man meist den hyperbolischen Exzess nutzen, um in eine Bahn abzubremsen. Es ist aber auch das genaue Gegenteil m&ouml;glich. Man kann, wenn man am planetenn&auml;chsten Punkt angekommen ist, beschleunigen. Ich m&ouml;chte drei Anwendungen beleuchten:<\/p>\n<p>Galileo h&auml;tte, wenn der Start 1982 erfolgt w&auml;re, den Mars nahe passiert. Der Mars dient prim&auml;r als Swing-By Ziel, um Geschwindigkeit aufzunehmen. Man k&ouml;nnte aber auch ein Triebwerk beim Vorbeiflug z&uuml;nden. Ich habe es mal simuliert. Startet man von der Erde aus mit 36 km\/s relativ zur Sonne, so hat man eine 150 x 410 Mill. Km Bahn. Ein naher Marsvorbeiflug in 394 km Entfernung (Mars in 225 Millionen km Entfernung) hebt diese schon auf 168 x 520 Mill km an. Z&uuml;ndet man nun ein Raketentriebwerk in 400 km Entfernung und beschleunigt um 1900 m\/s so resultiert eine 176 x 772 Mill. km Bahn \u2013 man erreicht Jupiter. Das Beispiel ist jetzt nicht so sinnvoll, weil der Mars ein kleineres Gravitationspotenzial hat als die Erde und weiter von der Sonne entfernt ist \u2013 auch bei der Sonne gilt, je n&auml;her man eine Geschwindigkeits&auml;nderung durchf&uuml;hrt, desto besser. Hier kommt man auf ein Gesamt dV f&uuml;r die Sonde von 14,55 km\/s, damit h&auml;tte man auch direkt zum Jupiter fliegen k&ouml;nnen. F&uuml;r eine Low-Energiebahn zu Jupiter betr&auml;gt das dV &uuml;blicherweise etwa 14.150 m\/s.<\/p>\n<p>Den Effekt k&ouml;nnte man aber bei mehrfachen Swing-Bys nutzen, wenn es mindestens zwei gibt. Das erste k&ouml;nnte z.B. an der Venus erfolgen, welche die Sonde schon um etwa 3 km\/s beschleunigt, das ist bei einer Venuspassage drin. Passiert nun die Sonde die Erde, so hat sie im Unendlichen keine Geschwindigkeitsdifferenz von 3 km\/s wie beim Start sondern 6 km\/s, und erreicht bei einer Passage in 200 km Entfernung eine Spitzengeschwindigkeit von 12,53 km\/s. Addiert man nun 1,6 km\/s, so kommt man auf 14,15 km\/s \u2013 ausreichend f&uuml;r eine Jupiterbahn. Man spart so einen zus&auml;tzlichen Vorbeiflug ein und damit Zeit.<\/p>\n<p>Richtig lohnend wird es aber bei einem gravitationsstarken Himmelsk&ouml;rper. Eine 1000 km Kreisbahn um Jupiter hat eine Geschwindigkeit von 41.839 m\/s. Die Fluchtgeschwindigkeit in dieser H&ouml;he betr&auml;gt dann 59.169 m\/s. Bei so hohen Werten ist es nun egal, ob die Sonde im Unendlichen 5 oder 10 km\/s schnell ist . Man erreicht eine Maximalgeschwindigkeit beim Passieren des Abstandes von &uuml;ber 60 km\/s.<\/p>\n<p>Addiert man nun 1 km\/s mehr so ist der Gewinn enorm, denn es gilt:<\/p>\n<p>Zuerst errechnet man die Maximalgeschwindigkeit auf herk&ouml;mmlichen Wege. Ich gehe von 7 km\/s Relativgeschwindigkeit zu Jupiter aus, ein typischer Wert f&uuml;r eine Transferbahn:<\/p>\n<p>V = \u221a((59,169\u00b2+7\u00b2) = 59.707 m\/s<\/p>\n<p>Diese Geschwindigkeit wird nun um 1000 m\/s gesteigert:<\/p>\n<p>V = 59,707 + 1000 = 60,707 m\/s<\/p>\n<p>Im Unendlichen angekommen betr&auml;gt die Energie dann V \u2013 die urspr&uuml;ngliche Geschwindigkeit:<\/p>\n<p>E = 60,707\u00b2-59,707\u00b2<\/p>\n<p>und die Geschwindigkeit kann man nach V = \u221a(60,707\u00b2-59,707\u00b2) bestimmen<\/p>\n<p>V = \u221a(60,707\u00b2-59,707\u00b2) = 10973 m\/s<\/p>\n<p>Es wird die Geschwindigkeit also um &uuml;ber 10 km\/s gesteigert. Dazu kommt noch der Gewinn durch das Swing-By, der ja auch (bei geeigneter Geometrie) eine Beschleunigung bewirkt. Jupiter kann eine Sonde soweit beschleunigen, dass sie nach Verlassen des Sonnensystems noch mindesten 10 km\/s hat. Mit Addierung von 1 km\/s bei der Passage in 1000 km H&ouml;he kann man den Weert glatt verdoppeln und dies erreicht man nicht durch weitere Vorbeifl&uuml;ge, da alle anderen Planeten auf dem Weg nach drau&szlig;en energiearmer sind.<\/p>\n<h3>Anwendung 5: Sun-Gazer<\/h3>\n<p>W&uuml;rde man sich ganz nahe der Sonnenoberfl&auml;che n&auml;hern k&ouml;nnen, so w&auml;re sie als \u201eBeschleuniger\u201c noch reizvoller. Die Sonne k&ouml;nnen wir nur &uuml;ber Jupiter erreichen, da wir sonst rund 26 km\/s abbauen m&uuml;ssen. In 1 Million km Entfernung betr&auml;gt die Geschwindigkeit einer Bahn mit dem Aphel in 778 Mill. km Entfernung (Jupiter) 514.944 m\/s, die Kreisbahngeschwindigkeit 364.354 m\/s und die Fluchtgeschwindigkeit 515.274 m\/s. Das hei&szlig;t der eine Kilometer pro Sekunde mehr hievt das Vehikel auf die Fluchtgeschwindigkeit aus dem Planetensystem. Mehr noch, im Unendlichen bleiben 26.278 m\/s &uuml;brig \u2013 mehr als bei Jupiter. 24 Jahre nach dem Man&ouml;ver h&auml;tte die Sonde Voyager 1 &uuml;berholt, die f&uuml;r diese Distanz 40 Jahre brauchte. Dabei ist sie immer noch 9 km\/s schneller, wird also weiter den Abstand vergr&ouml;&szlig;ern.<\/p>\n<p>Leider ist diese M&ouml;glichkeit nur theoretisch gut, denn der Hitzeschutzschild macht die Sonde so schwer, das wir genauso gut auch einen leistungsf&auml;higeren Antrieb bei Jupiter z&uuml;nden k&ouml;nnen und schon wenige Millionen Kilometer weiter von der Sonne entfernt, sinkt der Gewinn rapide ab. N&auml;hert man sich der Sonne maximal auf 43 Millionen km, das ist die geringste Distanz, die bisher erreicht wurde, (Helios) so muss man schon um 3 km\/s beschleunigen um nur eine Hyperbel zu erreichen (die man bei Jupiter \u201eumsonst\u201c erh&auml;lt) um mindestens Voyagers Geschwindigkeit zu erreichen, m&uuml;sste man um 4 km\/s beschleunigen.<\/p>\n<p>Was ich f&uuml;r vertretbar halte, w&auml;re ein einfacher Aluminiumschild, der relativ d&uuml;nn ist und die Sonde abschirmt. Aluminium erreicht, wenn es als Spiegelbeschichtung verwendet wird, einen Reflexionsgrad von 95%. F&uuml;r einen Abstand von 11 Millionen km von der Sonne ergibt sich bei einem Reflexionsgrad von 95% eine <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gleichgewichtstemperatur\"> Gleichgewichtstemperatur<\/a> von 485 K oder 220\u00b0C. N&auml;her w&uuml;rde ich ohne weitere Ma&szlig;nahmen mich nicht der Sonne n&auml;hern, weil man zwar Aluminium weiter erhitzen k&ouml;nnte, es schmilzt erst oberhalb 600\u201cC, aber es nun mit 220 Grad Celsius selbst eine W&auml;rmequelle und die Sonde ist ja direkt hinter dem Schild angebracht. Doch auch in dieser Entfernung reichen 1000 m\/s nicht aus, um das Sonnensystem zu verlassen. Man erh&auml;lt eine Ellipse mit einem Aphel etwas &uuml;ber 10 Mrd. Kilometer Entfernung. Um im unendlichen mindestens 17 km\/s (Voyager 1) zu haben, m&uuml;sste man um 2058 m\/s beschleunigen.<\/p>\n<p>Wenn man in der Zukunft mal einen geeigneten Hitzeschutzschild hat (die Distanz zwischen 1 und 11 Millionen km, also ertr&auml;glichen 220 \u00b0C und hei&szlig;en hei&szlig;en 1337\u00b0C wird in 15 Stunden durchlaufen \u2013 der Hitzeschutzschild muss also wesentlich l&auml;nger halten als z.B. bei dem Atmosph&auml;reneintritt bei dem er nur wenige Minuten dem Plasma ausgesetzt ist) dann w&auml;re dies eine M&ouml;glichkeit Sonden extrem stark zu beschleunigen. Da dies aber nur f&uuml;r Fluchtsonden aus dem Sonnensystem interessant ist (selbst in den Kuiperg&uuml;rtel kommt man schneller &uuml;ber Jupiter, weil man noch 4 Jahre f&uuml;r den Weg zur Sonne und wieder bis zu Jupiters Entfernung hinzurechnen muss) und solche Projekte nur eine niedrige Priorit&auml;t im Raumfahrtprogramm haben denke ich werde zumindest ich dies nicht mehr erleben.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/fccddd2a885342fab0ea7ee8e0773fb4\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da ich das Ph&auml;nomen des Hyperbolischen Exzesses ausgiebig in meinem Blog &uuml;ber die Heliosph&auml;rensonde genutzt habe, hier eine Fortsetzung eines schon sieben Jahre alten Blogs. Es geht um den hyperbolischen Exzess. Auf die mathematische Behandlung der Grundlagen verweise ich auf diesen alten Blogeintrag. Dieser Blog geht auf einige praktische Anwendungen des Ph&auml;nomens ein. 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