{"id":12660,"date":"2017-09-10T08:06:26","date_gmt":"2017-09-10T06:06:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=12660"},"modified":"2017-09-10T08:25:46","modified_gmt":"2017-09-10T06:25:46","slug":"volkswirtschaftliche-betrachtung-der-energiewende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2017\/09\/10\/volkswirtschaftliche-betrachtung-der-energiewende\/","title":{"rendered":"Volkswirtschaftliche Betrachtung der Energiewende"},"content":{"rendered":"<p>Eine Reduktion von Treibhausgasen und Luftverschmutzung ist sicherlich im Interesse der meisten. Betrachten wir zus&auml;tzlich die Energiewende auf volkswirtschaftlicher Basis, und begrenzen wir das ganze nicht auf Deutschland. Zur Zeit werden in Deutschland energieintensive Unternehmen von der EEG-Umlage befreit. Sie tragen also nicht die Kosten f&uuml;r eine Verringerung von Treibhausgasen und f&uuml;r die Umweltverschmutzung. Untersuchen wir im Folgenden volkswirtschaftlich, ob das &uuml;berhaupt Sinn macht.<!--more--><\/p>\n<p>Wir bedienen uns bei der Untersuchung volkswirtschaftlicher Ans&auml;tze wie des &#8222;Absoluten Kostenvorteils&#8220; nach Adam Smith. Wir erweitern dabei die rein monet&auml;re Betrachtung und beziehen uns auch auf Umweltaspekte.<\/p>\n<h2>Theorie<\/h2>\n<p>Beim absoluten Kostenvorteils wird davon ausgegangen, dass es Vorteile bietet, wenn alle L&auml;nder jeweils die Produkte herstellen, die sie am kosteng&uuml;nstigsten herstellen k&ouml;nnen, und dann werden zu Wohle aller die Produkte ausgetauscht.<\/p>\n<p>Also Land A produziert Strom finanziell und &ouml;kologisch g&uuml;nstiger als Land B, daf&uuml;r produziert Land B meinetwegen W&uuml;rstchen g&uuml;nstiger. Wenn also jetzt Land A und B jeweils die Produkte herstellen, die sie g&uuml;nstiger herstellen k&ouml;nnen als das andere Land, dann haben beide einen Vorteil beim Austausch.<\/p>\n<h2>Historie<\/h2>\n<p>Im vorletzten Jahrhundert lagen die Ressourcen f&uuml;r die Produktion in Mitteleuropa dicht beieinander. Es war Kohle oder Holz und Eisenerz nebeneinader verf&uuml;gbar. Daraus resultierte der Bergbau und die Stahlindustrie in einigen Regionen. Auf Basis des vorhandenen Stahls kam dann andere Industrie hinzu.<\/p>\n<p>Im Laufe der Zeit wurden die Rohstoffe und die Produkte immer mehr gehandelt, und erreichten auch Regionen, die nicht &uuml;ber die Ressourcen verf&uuml;gten. Als Produktionsvorteil gab es aber immer noch das Wissen, und die verf&uuml;gbaren Produktionsmittel (z.B. Stahlwerke, Zementfabriken etc.).<\/p>\n<p>Fr&uuml;her hat sich die energieintensive Industrie an Standorten angesiedelt, an denen diese Energie in hohem Umfang verf&uuml;gbar war. Das war neben Kohleminen, oder neben Kraftwerken. Damit blieben Transportwege kurz, und man brauchte auch nur kurze Leitungen f&uuml;r den Strom.<\/p>\n<h2>Heute<\/h2>\n<p>Heute werden sowohl Rohstoffe als auch die Produkte weltweit gehandelt. Das Eisenerz f&uuml;r die D Stahlproduktion kommt z.B. aus Norwegen und die Kohle aus &Uuml;bersee. F&uuml;r bestimmte Produktionsverfahren (Aluminiumherstellung, Stahlherstellung etc.) ist auch das Wissen frei verf&uuml;gbar oder in Form von Schl&uuml;sselfertigen Produktionsanlagen verf&uuml;gbar. Strom wird per Hochspannungs-leitung &uuml;ber gro&szlig;e Distanzen &uuml;bertragen.<\/p>\n<p>Betrachtet man die Herstellung energieintensiver Produkte aus &ouml;kologischer und volkswirtschaftlicher Sicht, so stellt sich die Frage nach dem Sinn der jetzigen Produktionsweise. Muss man Rohstoffe &uuml;ber weite Strecken transportieren, um sie dann unter hohem Energieaufwand an konventionellen Energietr&auml;gern in Basisprodukte umzuwandeln? Macht es nicht vielmehr Sinn diese Umwandlung entweder an Ort und Stelle, oder an Pl&auml;tzen mit einem hohen Energieangebot durchzuf&uuml;hren? Mu&szlig; die Allgemeinheit daf&uuml;r aufkommen, um dieser Produktionsweise durch Subvention eine Wirtschaftlichkeit zu verschaffen?<\/p>\n<h3>Situation in Deutschland<\/h3>\n<p>Im Rahmen der Energiewende entfallen mehr und mehr AKW-Standorte. Der Standortvorteil f&uuml;r die energieintensiven Unternehmen in deren Nachbarschaft verschwindet. An anderen Standorten baut man neue Kraftwerke auf regenerativer Basis. Nach der Regel des absoluten Kostenvorteils m&uuml;sste man jetzt auch die Produktion zu den neuen Standorten verlagern, um den Vorteil der kurzen Verbindungswege und des hohen Energieangebotes wahrzunehmen. Man k&ouml;nnte im Wettbewerb auch stattdessen in verbrauchssenkende Ma&szlig;nahmen investieren.<\/p>\n<p>Hier aber versagt die Politik.<\/p>\n<ol>\n<li>Es werden mit hohen Kosten Leitungen gebaut, die haupts&auml;chlich f&uuml;r die energieintensive Industrie ben&ouml;tigt werden. Diese Industrie wird aber von den Netzentgelten (also den Kosten) befreit, so dass nur Kleinbetriebe und die Haushalte die Kosten tragen.<\/li>\n<li>Die energieintensive Industrie kann den Strom (der durch die regenerativen Kraftwerke rechnerisch billiger geworden ist) billig auf dem Markt kaufen. Von der EEG Umlage, die den Unterschied zur tats&auml;chlichen Verg&uuml;tung ausgleicht, ist sie befreit. Auch hier tragen Kleinbetrieben und Haushalte die Kosten.<\/li>\n<li>Die Schieflage bei der Belastung ist mittlerweilen so hoch, dass sogar eine Begrenzung der regenerativen Stromerzeugung beschlossen wurde.<\/li>\n<li>Jeglicher Kostendruck wird von den Uternehmen genommen, und damit die Motivation in Verbrauchssenkungen zerst&ouml;rt.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Politik in D stellt sich protektionistisch gegen volkswirtschaftliche Regeln, und verteuert und bremst die &ouml;kologisch sinnvolle Energiewende f&uuml;r die Allgemeinheit.<\/p>\n<h2>Vorschlag<\/h2>\n<p>Bei Desertec wurden Pl&auml;ne entwickelt, den Strom Solar in der W&uuml;ste zu erzeugen, und ihn dann per HG&Uuml; nach Europa zu schicken. Man propagiert eine aufw&auml;ndige L&ouml;sung, nur damit sich in Deutschland nichts zu &auml;ndern braucht. Die Aluminiumh&uuml;tten und Zementwerke bleiben weiterhin in z.B. Bayern.<\/p>\n<p>Jetzt modifizieren wir das Ganze nach absolutem Vorteil und betrachten nicht nur die Stromproduktion, sondern auch die Erzeugung energieintensiver Produkte. In der W&uuml;stenregion in Nordafrika gibt es ein hohes Angebot an Solarenergie, und in einigen Bereichen Windenergie. Das ist ein Standortvorteil (Strom Prozessw&auml;rme), der z.B. die energieintensive Industrie anlocken sollte. Abw&auml;rme lie&szlig;e sich zur Meerwasserentsalzung verwenden (Zusatznutzen). Die Produkte k&ouml;nnen weltweit verkauft werden. Damit erwirtschaftet sich diese Region die Einnahmen, mit denen sie in anderen L&auml;ndern z.B. Deutschland deren jeweil g&uuml;nstigen Produkte erwerben k&ouml;nnen.<\/p>\n<h3>Vorteile:<\/h3>\n<ol>\n<li>Es sind keine teueren langen Leitungen mit HG&Uuml; n&ouml;tig.<\/li>\n<li>Stromproduktion und Produktion der energieintensiven G&uuml;ter kann aufeinander abgestimmt werden<\/li>\n<li>Produktion unabh&auml;ngig vom Strombedarf in.<\/li>\n<li>Transport der Produkte mit verschiedenen Transportmitteln z.B. per LKW, Bahn oder Schiff m&ouml;glich.<\/li>\n<li>Entfall unn&ouml;tiger Subventionen.<\/li>\n<li>Die Nordafrikastaaten k&ouml;nnten ihre Handelsbilanz gegen&uuml;ber anderen Industriel&auml;ndern ausgleichen, im Gegenzug k&ouml;nnten wir mehr unserer Produkte dorthin exportieren.<\/li>\n<\/ol>\n<h3>&Auml;nderungen:<\/h3>\n<ol>\n<li>In D entf&auml;llt die Befreiung von den Netzentgelten und von der EEG Umlage.<\/li>\n<li>Die Unternehmen, die noch andere Standortvorteile in D haben werden bleiben oder zu den Windparks umziehen.<\/li>\n<li>Die Bev&ouml;lkerung zahlt weniger Netzentgelte und weniger EEG-Umlage.<\/li>\n<li>Der Bedarf an Speicher sinkt, und ist eher bereitstellbar.<\/li>\n<li>Es gibt weniger Bedarf an Netzausbau.<\/li>\n<li>Es gibt weniger Bedarf an Reservekraftwerken.<\/li>\n<li>Die Mitarbeiter in der energieintensiven Industrie m&uuml;ssen in andere Industriezweige wechseln.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Bei der Globalisierung wird nach Standortvorteilen gesehen wird, und aufgrund niedrigerer L&ouml;hne wandern ganze Branchen ins Ausland ab. Da stellt sich mir die Frage, warum wir uns hier auf Kosten der Allgemeinheit leisten energieintensive Industrie an alten Standorten zu f&ouml;rdern, wenn die doch nur einen geringen Anteil der Arbeitskr&auml;fte besch&auml;ftigt. Kleinbetriebe mit wesentlich mehr Mitarbeitern werden dagegen belastet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Reduktion von Treibhausgasen und Luftverschmutzung ist sicherlich im Interesse der meisten. Betrachten wir zus&auml;tzlich die Energiewende auf volkswirtschaftlicher Basis, und begrenzen wir das ganze nicht auf Deutschland. Zur Zeit werden in Deutschland energieintensive Unternehmen von der EEG-Umlage befreit. Sie tragen also nicht die Kosten f&uuml;r eine Verringerung von Treibhausgasen und f&uuml;r die Umweltverschmutzung. 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