{"id":12704,"date":"2017-08-10T08:39:46","date_gmt":"2017-08-10T06:39:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=12704"},"modified":"2017-08-10T08:39:46","modified_gmt":"2017-08-10T06:39:46","slug":"die-venus-als-sprungbrett-zu-den-planeten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2017\/08\/10\/die-venus-als-sprungbrett-zu-den-planeten\/","title":{"rendered":"Die Venus als Sprungbrett zu den Planeten"},"content":{"rendered":"<p>In meiner losen Reihe der Untersuchungen der M&ouml;glichkeiten eines Swing-By komme ich heute zur Venus. Die Venus war der erste Planet, den man f&uuml;r ein Swing-By nutzte. Mariner 10 flog vor 43 Jahren &uuml;ber die Venus zu Merkur. Seitdem gab es einige Vorbeifl&uuml;ge an der Venus: von <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/galileo.shtml\">Galileo<\/a>, Cassini, <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/messenger.shtml\">Messenger<\/a> und bald von Bepi Colombo. Nat&uuml;rlich braucht man die Venus, um zu Merkur zu gelangen. Sie wird aber auch genutzt, um ins &auml;u&szlig;ere Sonnensystem zu gelangen, wobei ein Vorbeiflug meistens nicht reicht. Mindestens zwei m&uuml;ssen es sein, oft drei. Ich will auch in dem Artikel untersuchen, ob meine Faustregel &#8211; bei einem Swing-By liegt die maximale Geschwindigkeits&auml;nderung in der gew&uuml;nschten Richtung in der Gr&ouml;&szlig;enordnung der Differenz der Fluchtgeschwindigkeit zur Kreisbahngeschwindigkeit in der Bahn &#8211; stimmt. Das w&auml;ren bei der Venus rund 3 km\/s.<!--more--><\/p>\n<h3>Ansatz 1: Minimalbahn<\/h3>\n<p>Man kann bei einem <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/swingby.shtml\">Vorbeiflug<\/a> viel variieren, minimaler Abstand am Planeten, Anfluggeschwindigkeit, Winkel. In meinem Programm kann ich immer nur eine Gr&ouml;&szlig;e variieren, daher nehme ich als ersten Ansatz eine Minimalbahn zur Venus (Perihel in 108 Millionen km Entfernung, Venusentfernung 108,4 Millionen km) und suche nach der neuen Bahn mit dem kleinsten Perihel bzw. h&ouml;chsten Aphel. Minimale erlaubte Vorbeiflugdistanz ist 200 km. Bei dem \u0394v ist bei der Ausgangsbahn die Geschwindigkeit relativ zum Erdboden (aus einer 186-km-Kreisbahn aus berechnet).<\/p>\n<p>Ich erhalte folgende Tabelle:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<thead>\n<tr>\n<th>Bahn<\/th>\n<th>Vorbeiflugabstand<\/th>\n<th>Perihel<\/th>\n<th>Aphel<\/th>\n<th>\u0394v<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Ausgangsbahn<\/td>\n<td><\/td>\n<td>108,0 Mill. km.<\/td>\n<td>150,0 Mill. km.<\/td>\n<td>11.300 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Perihelabsenkung<\/td>\n<td>200 km<\/td>\n<td>82,1 Mill. km.<\/td>\n<td>109,2 Mill. km.<\/td>\n<td>2.198 + 2.751 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Aphelanhebung<\/td>\n<td>~117.000 km<\/td>\n<td>108,25 Mill. km.<\/td>\n<td>152,46 Mill. km.<\/td>\n<td>128,3 + 18,3 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Bei der Geschwindigkeitsbegrenzung habe ich die &Auml;nderung des Perihels und Aphels getrennt angegeben. Das liegt daran, dass ich immer nur an einer Komponente interessiert bin, also entweder der Absenkung der Bahn nach innen oder Anhebung des Aphels. Darauf beziehe ich auch meinen Sch&auml;tzwert von \u201eetwa 3 km\/s\u201c.<\/p>\n<p>Jeder Swing-By ver&auml;ndert die Geometrie der Bahn. Das bedeutet, man kann nicht selektiv einen Bahnpunkt anpassen und die anderen f&uuml;nf Parameter einer Bahn unver&auml;ndert lassen. Hier, nahe des Perihels kann man kaum nur das Aphel anheben, dazu muss man die Venus in verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig hohem Abstand passieren. Daf&uuml;r kann man durch Drehen des Geschwindigkeitsvektors nach innen praktisch die Bahn so umgestalten, dass das neue Aphel in der H&ouml;he das alten Perihels liegt und man so ins innere Sonnensystem kommt. Daher als weitere Ans&auml;tze Bahnen mit einem niedrigeren Perihel, stufenweise um je 4 Millionen km gesenkt berechnet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<thead>\n<tr>\n<th>Bahn<\/th>\n<th>Vorbeiflugabstand<\/th>\n<th>Perihel<\/th>\n<th>Aphel<\/th>\n<th><span style=\"font-family: 'Arial Narrow', sans-serif;\">\u0394v<\/span><\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Ausgangsbahn<\/td>\n<td><\/td>\n<td>104,0 Mill. km.<\/td>\n<td>150 Mill. km.<\/td>\n<td>11.370 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Perihelabsenkung<\/td>\n<td>203 km<\/td>\n<td>68,9 Mill. km.<\/td>\n<td>109,4 Mill. km.<\/td>\n<td>3.312 + 2.772 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Aphelanhebung<\/td>\n<td>~8.000 km<\/td>\n<td>108,39 Mill. km.<\/td>\n<td>193,10 Mill. km.<\/td>\n<td>327,8 + 1.900 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<thead>\n<tr>\n<th>Bahn<\/th>\n<th>Vorbeiflugabstand<\/th>\n<th>Perihel<\/th>\n<th>Aphel<\/th>\n<th>\u0394v<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Ausgangsbahn<\/td>\n<td><\/td>\n<td>100,0 Mill. km.<\/td>\n<td>150 Mill. km.<\/td>\n<td>11.452 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Perihelabsenkung<\/td>\n<td>230 km<\/td>\n<td>63,04 Mill. km.<\/td>\n<td>110,3 Mill. km.<\/td>\n<td>3.772 + 3.068 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Aphelanhebung<\/td>\n<td>416 km<\/td>\n<td>108,40 Mill. km.<\/td>\n<td>233,6 Mill. km.<\/td>\n<td>522 + 3.204 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<thead>\n<tr>\n<th>Bahn<\/th>\n<th>Vorbeiflugabstand<\/th>\n<th>Perihel<\/th>\n<th>Aphel<\/th>\n<th>\u0394v<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Ausgangsbahn<\/td>\n<td><\/td>\n<td>96,0 Mill. km.<\/td>\n<td>150 Mill. km.<\/td>\n<td>11.545 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Perihelabsenkung<\/td>\n<td>203 km<\/td>\n<td>59,2 Mill. km.<\/td>\n<td>111,3 Mill. km.<\/td>\n<td>4.473 + 2.314 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Aphelanhebung<\/td>\n<td>200 km<\/td>\n<td>108,0 Mill. km.<\/td>\n<td>268 Mill. km.<\/td>\n<td>967 + 4.030 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<thead>\n<tr>\n<th>Bahn<\/th>\n<th>Vorbeiflugabstand<\/th>\n<th>Perihel<\/th>\n<th>Aphel<\/th>\n<th>\u0394v<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Ausgangsbahn<\/td>\n<td><\/td>\n<td>92,0 Mill. km.<\/td>\n<td>150 Mill. km.<\/td>\n<td>11.652 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Perihelabsenkung<\/td>\n<td>200 km<\/td>\n<td>56,4 Mill. km.<\/td>\n<td>112,8 Mill. km.<\/td>\n<td>3.943 + 2.469 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Aphelanhebung<\/td>\n<td>200 km<\/td>\n<td>106,7 Mill. km.<\/td>\n<td>285,4 Mill. km.<\/td>\n<td>1.186 + 4.426 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Da nun man der Gewinn in beiden Richtungen kleiner wird, aber die Startgeschwindigkeit h&ouml;her, habe ich nun die Simulation beendet.<\/p>\n<p>Nun offensichtlich ist, dass man so Merkur erreichen kann. Kein Wunder das wurde schon mit <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/mariner10.shtml\">Mariner 10<\/a> beweisen. Wichtiger ist die Reise nach au&szlig;en. Es bietet sich an, diese mit einem direkten Start nach \u201eau&szlig;en\u201c zu vergleichen, also einer <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/erreichbarkeit-der-planeten.shtml\"> Hohmannbahn<\/a>, die ihren entferntesten Punkt am Aphel der Bahnen hat:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<thead>\n<tr>\n<th>Aphel<\/th>\n<th>Bahn &uuml;ber Venus<\/th>\n<th>Bahn direkt<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td>152,49 Mill km.<\/td>\n<td>11.300 m\/s<\/td>\n<td>11.018,8 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>193,10 Mill. km<\/td>\n<td>11.370 m\/s<\/td>\n<td>11.169,7 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>233,60 Mill km.<\/td>\n<td>11.452 m\/s<\/td>\n<td>11.442,4 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>268,0 Mill km.<\/td>\n<td>11.545 m\/s<\/td>\n<td>11.708,1 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>285,4 Mill. Km<\/td>\n<td>11.652 m\/s<\/td>\n<td>11.840,1 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Man sieht: Ist das Perihel der Ausgangsbahn niedrig genug, so hat man einen realen Gewinn, wenn auch nur im Bereich von 150 m\/s. Das Perihel wird, da die Venus die Bahn umlenkt, nie durchlaufen, die Thermalabschirmung ist also nur bis Venusentfernung auszulegen.<\/p>\n<p>Alleine deswegen lohnt es sich nicht, denn es dauert 160 Tage, bis man wieder die Erdbahn erreicht hat, 360 Tage, bis man das Aphel erreicht \u2013 beim Start von der Erdbahn aus sind es 319 Tage. F&uuml;r den Mars lohnt es sich nicht, weil man durch die elliptischere Bahn die Geschwindigkeitsdifferenz bei der Ankunft, die abgebaut werden muss h&ouml;her ist. Es wurde bei dem R&uuml;ckweg bei klassischen Oppositionsfl&uuml;gen diskutiert.- Bei diesen gibt es himmelsmechanisch nur eine kurze Aufenthaltsdauer auf dem Mars, typisch 3-4 Wochen. Mit einem Umweg &uuml;ber die Venus ist dies auf etwa 100 Tage steigerbar. Der Preis ist aber das man mit sehr hoher Geschwindigkeit bei der Erde ankommt, was die Hitzeschutzschilde st&auml;rker beansprucht. Auch das gesamte Design muss auf eine Ann&auml;herung auf 0,7 AE ausgelegt werden. Zudem ist die Fluggelegenheit viel seltener.<\/p>\n<p>In der Realit&auml;t wird die Venus heute bei Raumsonden so genutzt, um die Bahn so zu drehen, dass man danach wieder die Erde passiert. So hat man in weniger als einem Jahr zwei Vorbeifl&uuml;ge an einem ungef&auml;hr erdgro&szlig;en Planeten. Dies war bei Galileo so, wie auch bei <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/cassini.shtml\">Cassini<\/a>. Die Alternative ist der \u201enormale\u201c Erdvorbeiflug, den es wesentlich h&auml;ufiger gibt. Man startet dazu die Sonde in eine Umlaufbahn mit einem Jahr Dauer, die nur leicht zur Erdbahn geneigt ist. Ziemlich genau ein Jahr nach dem Start passiert die Sonde, die Erde erneut. Weniger als ein Jahr geht aus himmelsmechanischen Gr&uuml;nden nicht. Das wurde sehr h&auml;ufig eingesetzt so bei <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/near.shtml\">Near<\/a>, Stardust, Contour (geplant), Messenger, Juno, OSIRIS-REX, Rosetta, <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/bepicolombo.shtml\">Bepicolombo<\/a>. Bei einem Gro&szlig;teil dieser Missionen diente dieser Erdvorbeiflug, bei dem man nicht mehr Geschwindigkeit aufnimmt, als wenn man gleich mit einigen 100 m\/s &Uuml;berschuss startet, aber vor allem der Angleichung der Inklination: Bei<a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/osiris-rex.shtml\"> Osiris Rex<\/a> ist das Ziel der Asteroid Bennu was das Aphel und Perihel angeht, relativ leicht erreichbar \u2013 das Aphel liegt bei 1,356 AE, das Perihel bei 0,897 AE \u2013 das ist weniger als die Entfernung des Mars beim Aphel bei einer nur leichten Absenkung des Perihels. Aber die Bahn ist um 6 Grad zur Ekliptik geneigt, was bei rund 30 km\/s Bahngeschwindigkeit der Erde ein \u0394v von 3,1 km\/s bedeutet.<\/p>\n<p>So wird der Vorbeiflug an der Venus selten lohnen, au&szlig;er sie liegt gerade g&uuml;nstig.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/8f0fbc1dc5f4474a834727cc14595fec\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meiner losen Reihe der Untersuchungen der M&ouml;glichkeiten eines Swing-By komme ich heute zur Venus. Die Venus war der erste Planet, den man f&uuml;r ein Swing-By nutzte. Mariner 10 flog vor 43 Jahren &uuml;ber die Venus zu Merkur. Seitdem gab es einige Vorbeifl&uuml;ge an der Venus: von Galileo, Cassini, Messenger und bald von Bepi Colombo. 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