{"id":12718,"date":"2017-08-20T16:37:18","date_gmt":"2017-08-20T14:37:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=12718"},"modified":"2017-08-20T16:40:54","modified_gmt":"2017-08-20T14:40:54","slug":"die-loesungen-fuer-ein-ueberfluessiges-problem-ueberlegungen-fuer-einen-erderkundungssatelliten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2017\/08\/20\/die-loesungen-fuer-ein-ueberfluessiges-problem-ueberlegungen-fuer-einen-erderkundungssatelliten\/","title":{"rendered":"Die L&ouml;sung f&uuml;r ein &uuml;berfl&uuml;ssiges Problem &#8211; &Uuml;berlegungen f&uuml;r einen Erderkundungssatelliten"},"content":{"rendered":"<p>Heute ein komplexeres Thema, ich erspare es mir auch alles vorzurechnen und verweise nur auf die Stellen in der Wikipedia, wo man die entsprechenden Formeln findet.<\/p>\n<p>Wenn man einen Erdbeobachtungssatelliten designt, gibt es viele Dinge zu beachten, ich will mich auf die folgenden konzentrieren:<\/p>\n<ol>\n<li>In welchem Orbit soll er landen?<\/li>\n<li>Wie schwer wird die Optik?<\/li>\n<li>Kann ich die gew&uuml;nschte Datenmenge gewinnen und speichern?<\/li>\n<li>Kann ich die Daten auch an den Boden &uuml;bertragen, bevor ich neue Daten gewinne?<\/li>\n<\/ol>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Alle Teile h&auml;ngen zusammen und um das zu veranschaulichen will ich zwei fiktive Projekte untersuchen, die es so nicht gibt und wahrscheinlich auch nicht geben wird. Bei beiden bin ich an der maximalen Aufl&ouml;sung die technisch m&ouml;glich ist interessiert.<\/p>\n<ul>\n<li>Projekt 1 ist ein Erderkundungssatellit, der farbige Bilder der Erde anfertigt \u2013 allerdings t&auml;glich, das hei&szlig;t, er muss die ganze Erdoberfl&auml;che in einem Tag abtasten.<\/li>\n<li>Projekt 2 ist ein multispektraler Satellit mit 256 Spektralkan&auml;len, der alle 14 Tage die ganze Erdoberfl&auml;che abdeckt.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Der Orbit<\/h3>\n<p>Das Erste festzulegende ist der Orbit. Man wird meist nicht einen genauen Orbit bestimmen k&ouml;nnen, weil es ja noch andere Einschr&auml;nkungen gibt. Aber man wird Randbedingungen setzen k&ouml;nnen bzw. die Auswahl auf einen bestimmten Bereich einschr&auml;nken k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Bei hochaufl&ouml;senden Satelliten ist es relativ einfach: Die Aufl&ouml;sung diktiert die Gr&ouml;&szlig;e der Optik und wenn diese gewichtsbestimmend, wird den Orbit. Worldview 3 und 4 haben 0,31 m theoretische Aufl&ouml;sung. Sie brauchen daher in ihren Orbit schon ein Teleskop mit mehr als 1 m Durchmesser das so gro&szlig; ist, das man den Satellit dann um es herum baut. Umgekehrt kann man aus H&ouml;he der ISS mit einer normalen Spiegelreflexkamera Aufnahmen mit unter 40 m Aufl&ouml;sung gewinnen.<\/p>\n<p>Man wird den erdn&auml;chsten nutzbaren Orbit nehmen. Nutzbar hei&szlig;t: die Orbith&ouml;he sollte mit den verf&uuml;gbaren Treibstoffvorr&auml;ten &uuml;ber die geplante Betriebsdauer aufrechterhalten blieben. Durch die Atmosph&auml;re wird der Satellit dauernd abgebremst. Immerhin: Schon in 500 km H&ouml;he betr&auml;gt die Lebensdauer mindestens ein Jahrzehnt. Eine weitere Einschr&auml;nkung (bei hochaufl&ouml;senden Satelliten) ist dann nur noch die Revisitzeit, siehe unten.<\/p>\n<p>Bei dem global abbildenden Satelliten gibt es eine andere Einschr&auml;nkung: Die Erdoberfl&auml;che sollte unverzerrt abgebildet werden. Da gibt es zuerst Einschr&auml;nkungen bei der Optik. Jeder der ein extremes Weitwinkelobjektiv sein eigen nenn kennt das \u2013 es gibt das Problem der Bildfeldw&ouml;lbung. Ausgehend von der Bildmitte wird das Bild mehr und mehr zum Rand hin verzerrt. Gerade Linien wie Regalb&ouml;den werden zu B&ouml;gen. Mit der Formel f&uuml;r den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bildwinkel\">Bildwinkel<\/a> kann man den Winkel einer Optik berechnen, deren Brennweite und Sensordurchmesser bekannt ist. In der normalen Fotografie sind 35 mm Brennweite (Durchmesser des KB-Formates: 43 mm) der h&ouml;chste Bildwinkel, der tolerierbar ist ohne Verzeichnungen. Das entspricht 63 Grad. Bei der Erdbeobachtung wird man einen kleineren Winkel anstreben, denn die Erdoberfl&auml;che ist ja nicht flach. Bedingt durch die Kugelform ist schon alleine deswegen der Blick um so verzerrter je weiter man vom Nadirpunkt wegr&uuml;ckt. Der Nadirpunkt ist definiert als die k&uuml;rzeste Verbindung von Erdboden und Satellit, es ist eine Linie, die direkt zum Erdmittelpunkt geht. Das ist der Fu&szlig;punkt, den der Satellit gerade &uuml;berfliegt, wenn er senkrecht nach unten auf die Erdoberfl&auml;che schaut. Ich habe hier mal 30 Grad als das Maximum angesehen. Das ist f&uuml;r den global in einem Tag kartierenden Satelliten eine Grenzbedingung.<\/p>\n<p>Dazu eine Erl&auml;uterung: jeder Satellit umkreist n-mal pro Tag die Erde. Gleichzeitig dreht sie such um ihre eigene Achse. Bei einem niedrigen Orbit kommt man auf 15 bis 16 Uml&auml;ufe pro Tag. Pro Umlauf hat sich die Erde (bei 15 Uml&auml;ufen) um 24 Grad weiter gedreht, wenn der Satellit den &Auml;quator &uuml;berquert. Das sind rund 5000 km. Es kommt noch schlimmer: Da der Satellit ja pro Umlauf einmal um die Erde fliegt, hat er beim ersten Umlauf nicht nur den 0 ten, sondern auch den 180-sten Breitengrad &uuml;berflogen \u2013 wobei allerdings eine Seite immer auf der Nachtseite liegt. Er kann zumindest im Infraroten so theoretisch die gesamte Erde in 12 Stunden erfassen. So der Sachverhalt bei einem Satelliten, der eine Umlaufszeit hat, die einem ganzzahligen Bruchteil der Erdrotation (86164 s) betr&auml;gt. Bei jedem anderen ist n eine gebrochene Zahl z. B. 14,875 Uml&auml;ufe\/Tag. Beim letzten Umlauf fehlen dann noch 0,125 Uml&auml;ufe f&uuml;r eine gerade Zahl, das sind am &Auml;quator 334 km. Um diese Strecke verschiebt sich der Fu&szlig;punkt jeden Tag. Nach genau 8 Tagen hat man wieder den einen fehlenden Umlauf aufgeholt. Mit dieser Strategie kann man so die Erde in 8 Tagen komplett erfassen, in 626 km breiten Streifen. Bei 14 Tagen w&auml;re der Bruchteil 1\/14 und die Streifenbreite 191 km.<\/p>\n<p>F&uuml;r den ganzt&auml;gig operierenden Satelliten streben wir daher einen ganzzahligen Teiler von Erdrotation und Umlaufszeit an. Beim zweiten Satelliten betr&auml;gt die Abweichung von der ganzen Zahl 1\/14. Damit sind schon eine Menge Orbits ausgeschlossen. Das N&auml;chste ist es dann das man die Erde weitestgehend verzerrungsfrei sehen muss. Wer auf einen Globus blickt, sieht das durch die Kr&uuml;mmung der Erdoberfl&auml;che man rasch einen verzerrten Blick bekommt. Experimentell ermittelt man schnell, dass wenn der Blickwinkel unter 20 Grad ist, die Verzerrung ignorierbar (um 5-6 %) ist. F&uuml;r den alle 14 Tage abbildenden Satelliten ist das kein Problem, denn selbst aus einem nur 450 km hohen Orbit (darunter hat man eine zu geringe Lebensdauer) &uuml;berschaut man einen Streifen von 2200 km bei 20 Grad &Ouml;ffnung. Anders sieht es beim Satelliten aus der jeden Tag den ganzen Planeten erfassen muss. Der kleinste Orbit oberhalb von 450 km H&ouml;he mit genau n Uml&auml;ufen ist in 562 km H&ouml;he, dann betr&auml;gt die Streifenbreite 2674 km bei 22 Grad &Ouml;ffnung, ausreichend \u2013 es m&uuml;ssen 2671 km sein. Alternativ kann man bei 14 Uml&auml;ufen pro Tag auf 889,2 km H&ouml;he gehen. Bei dem kleinen Winkel &auml;ndert das aber kaum was an der Streifenbreite. Nur bei Weitwinkelaufnahmen nimmt diese drastisch zu.<\/p>\n<p>F&uuml;r kommerzielle Satelliten, die vor allem der Aufkl&auml;rung dienen ist, die Revisitzeit wichtig. Die Revisitzeit ist der zeitliche Abstand zwischen zwei Daten, bei denen ein Ziel unter guten Bedingungen erneut &uuml;berfolgen werden kann. Ganz genau wird es erst nach einem Zyklus &uuml;berflogen, aber wenn man einen kleinen Versatz von wenigen Hundert Kilometern toleriert so kann, man es fr&uuml;her beobachten. Nehmen wir Worldview 3+4 die, sind in rund 612,5 km hohen Orbits. Man kommt in der H&ouml;he auf 14,84 Uml&auml;ufe pro Tag mit einem Bahnversatz von 431 km pro Tag. Nach einem Tag sieht man das Ziel daher schr&auml;g, etwa um 8 Grad von der Seite. Das nimmt dann mit jedem Tag zu bis nach 6 Tagen ein Zyklus durchlaufen ist. Der Satellit hat also eine Revisitzeit von einem Tag. Worldview kann bis zu 20 Grad aus dem Nadirpunkt nach rechts oder links blicken, somit kann man an 4 von 6 Tagen ein Gebiet noch von der Seite erfassen. Im Allgemeinen kann man die Revisitzeit bei einem gegebenen tolerierbaren Winkel ausdehnen, wenn man die H&ouml;he der Umlaufbahn erh&ouml;ht. F&uuml;r milit&auml;rische Unternehmungen setzt man heute eher auf mehrere Satelliten in zueinander versetzen Bahnebenen. Gerade f&uuml;r die ist auch die Revisitzeit sehr wichtig. Im zivilen Bereich ben&ouml;tigt man meist nicht so kurze Zeitabst&auml;nde, wenn dann vor allem bei Katastrophenf&auml;llen wie &Uuml;berschwemmungen.<\/p>\n<p>Die Breite des Streifens bei einem gegebenen Winkel ist &uuml;ber den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kosinussatz\">Cosinussatz<\/a> berechenbar, wenn man &Ouml;ffnungswinkel der Kamera, Bahnh&ouml;he und Erdradius kennt. Man kann dann zuerst die dritte Seite berechnen und dann &uuml;ber den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sinussatz\">Sinussatz<\/a> den gegen&uuml;berliegenden Winkel zwischen den Seiten am Erdmittelpunkt berechnen und dann &uuml;ber Multiplikation mit 2 x <span style=\"font-family: 'Arial Narrow', sans-serif;\">\u03c0<\/span> * Erddurchmesser die Strecke auf der Erdoberfl&auml;che.<\/p>\n<h3>Die Optik<\/h3>\n<p>Ale Satelliten brauchen eine Optik um Aufnahmen zu machen. Zwei Dinge sind wichtig: Der Durchmesser der Optik definiert das Aufl&ouml;sungsverm&ouml;gen, also wie feine Details man theoretisch noch aus einer vorgegebenen H&ouml;he erkennen kann. Diese ist <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dawes-Kriterium\">physikalisch<\/a> begrenzt. F&uuml;r Linsenteleskope ist bei einem gegebenem Durchmesser die Aufl&ouml;sung am h&ouml;chsten. F&uuml;r Spiegelteleskope ist sie je nach Gr&ouml;&szlig;e des Fangspiegels etwas kleiner, weshalb man in solchen Satelliten auch Konstruktionen findet, die bei irdischen Teleskopen eher selten sind wie Schiefspiegler mit gefaltetem Strahlengang. Dadurch vermeidet man einen Fangspiegel im Strahlengang.<\/p>\n<p>Das Zweite ist die Brennweite, welche die Vergr&ouml;&szlig;erung angibt. Bei gleichem Optikdurchmesser wird mit zunehmender Brennweite ein Element auf der Bildebene immer gr&ouml;&szlig;er. Sie sollte, wenn man die physikalische Aufl&ouml;sung auch voll ausnutzen will, auf die Gr&ouml;&szlig;e eines Pixels im Sensor abgestimmt werden. Beide Parameter stehen &uuml;ber die Blende in Beziehung f&uuml;r die gilt: Blende = F\/D<\/p>\n<p>F&uuml;r Linsenfernrohre gilt:<\/p>\n<p>Blende f&uuml;r maximale Aufl&ouml;sung = 1,661 * Pixelgr&ouml;&szlig;e in \u00b5m.<\/p>\n<p>Pixelgr&ouml;&szlig;e bei Sensoren f&uuml;r Satelliten liegen meist zwischen 6 und 14 \u00b5m so kommt man auf Blenden von 10 bis 23. Ist die Brennweite bzw. Blende kleiner so verschenkt man Aufl&ouml;sung, erh&auml;lt aber mehr Licht pro Pixel, was die Belichtungszeit f&uuml;r ein ideales Bild reduziert oder bei einer vorgegebener Belichtungszeit das Signal\/Rauschen verbessert. Es ist nicht ratsam eine Blende zu verwenden, die gr&ouml;&szlig;er als die ideale ist, dann verschmiert man nur ein Detail &uuml;ber zwei Pixel und hat st&auml;rker verrauschte Bilder.<\/p>\n<p>Der Durchmesser der Optik legt die Aufl&ouml;sung fest. Auch diese kann man &uuml;ber optische Gesetze leicht berechnen. F&uuml;r kleine Winkel (Brennweite&gt;Sensordurchmesser) gilt folgende Faustformel:<\/p>\n<p>Eine Optik von 1mm Durchmesser kann im sichtbaren Licht (550 nm Zentralwellenl&auml;nge) aus 1661 m Entfernung ein Detail von 1 mm aufl&ouml;sen. &Uuml;ber Dreisatz kann man so den Durchmesser f&uuml;r jede beliebige Gr&ouml;&szlig;e aus jeder Entfernung errechnen.<\/p>\n<p>Worldview 3+4 haben z.B. ein Teleskop von 1,1 m Durchmesser, eine Pixelaufl&ouml;sung von 0,31 m und eine Bahnh&ouml;he von 612,5 km. Aus obigem Satz errechnet man f&uuml;r diese Bahnh&ouml;he und dieses Teleskop eine theoretische Aufl&ouml;sung von 33,5 cm. Hier ist also das Detektorelement etwas kleiner als die theoretische Aufl&ouml;sung, bzw. bei 508 nm Wellenl&auml;nge hat ein Pixel genau die theoretische Aufl&ouml;sung.<\/p>\n<p>Die Konstruktion des Teleskops legt auch fest, wie gro&szlig; der Bereich ist, in dem man eine scharfe Abbildung erh&auml;lt. Bei allen Teleskopen gibt es eine Aufhellung des Zentralbereiches, je nach Typ auch noch Bildfehler wie eine Verzerrung zum Rand hin oder Farbfehler.<\/p>\n<h3>Sensor<\/h3>\n<p>Es gibt zwei m&ouml;gliche Sensortypen, die eingesetzt werden. Fast ausschlie&szlig;lich werden heute TDI-Sensoren eingesetzt, das sind Zeilensensoren mit mehreren Scanzeilen. Dabei wird das elektrische Signal integriert. Hat ein Sensor 16 Zeilen, so wird nach einer vorgegebenen Zeit jeweils ein Pixel in Zeile 1 ausgelesen und die Ladung in das dar&uuml;berliegende Pixel von Zeile 2 verschoben. Dort erzeugt Licht noch mehr Elektronen und dies setzt sich fort, bis es in der letzten Zeile angelangt ist. Der Vorteil ist, dass man so die Belichtungszeit von 16 Zeilen summiert hat. Dies ist n&ouml;tig, wenn man den Sensor nicht zur Bewegungskompensation drehen will (meist m&uuml;sste man dazu das ganze Teleskop drehen). Eine Bewegungskompensation ist aber notwendig, wenn die theoretische Belichtungszeit kleiner ist, als die Zeit, die man hat, bevor ein Detail durch die Bewegung verschmiert.<\/p>\n<p>In einem erdnahen Orbit bewegt sich ein Satellit mit typisch 7 km\/s relativ zur Erdoberfl&auml;che. W&uuml;rde man mit eine Tausendstel Sekunde belichten, dann verschmiert die Bewegung alle Details die kleiner sind als 7 m. F&uuml;r Aufl&ouml;sungen von 0,3 m wie bei Worldview k&auml;me man so auf extrem niedrige Belichtungszeiten, die sehr dunkle und verrauschte Bilder ergeben. Mit den TDI-Sensoren kann man so praktisch das Licht von n Pixeln addieren.<\/p>\n<p>Ist die Belichtungszeit nicht ausschlaggebend, kann man normale Fl&auml;chen-CCD nehmen. Diese haben weniger Rauschen als die TDI das durch das Kopieren der Ladung entsteht. Zudem kann man in Frame Transfer-CCD den Inhalt schnell von einer benutzten H&auml;lfte des Chips in eine abgedeckte nicht benutzte kopieren und dort langsam auslesen.<\/p>\n<h3>Datenverarbeitung<\/h3>\n<p>Die Daten m&uuml;ssen dann auch noch ausgelesen und gespeichert werden. Das Letztere ist heute kein Problem. Schnelle Speicher auf Basis von Flash-Speichern oder sogar RAM gibt es heute ebenso wie Schnittstellen mit hoher Datenrate. Derzeit sind eher die Ausleseraten de Sensoren limitierend, schnelle Sensoren gibt es f&uuml;r niedrige Aufl&ouml;sungen, astronomische Sensoren mit gro&szlig;en Pixelgr&ouml;&szlig;en und gro&szlig;er Fl&auml;che m&uuml;ssen im Normalfall nicht schnell ausgelesen werden.<\/p>\n<p>Heute begrenzend ist dann eher die Daten&uuml;bertragung zur Bodenstation. Die meisten Satelliten umkreisen die Erde auf sonnensynchronen Bahnen in denen sie bei jedem Umlauf den Nord- und S&uuml;dpol passieren. Mit drei Empfangsstationen rund um die Pole hat man dann bei jedem Umlauf zwei M&ouml;glichkeiten die Daten zu &uuml;bertragen. Typisch hat man dazu selbst bei erdnahen Bahnen 6 bis 10 Minuten Zeit je nach Bahnh&ouml;he. Doch selbst im besten Fall hat man so &uuml;ber \u00be der Umlaufdauer keinen Funkkontakt. Weitere Bodenstationen auf den Kontinenten k&ouml;nnen die L&uuml;cke f&uuml;llen, aber kein Satellit hat dauernd Funkkontakt.<\/p>\n<p>Wordview 3+4 senden ihre Daten mit 800 und 1.200 Mbit\/s, zusammen also 2.000 MBit\/s. Der Sensor hat 35.000 Pixel bei 11 Bits\/Pixel. Bei 0,31 m Aufl&ouml;sung und 6890 m\/s Bodengeschwindigkeit m&uuml;ssen pro Sekunde 22.245 Zeilen ausgelesen werden, was dann 8,56 GBit\/s sind, also mehr als &uuml;bertragen werden kann und dies auch nur bei Kontakt mit der Bodenstation. Ein Satellit kann so nicht dauernd die Erde erfassen.<\/p>\n<p>F&uuml;r beide Satelliten, die in einem bzw. 14 Tagen die ganze Erde abbilden, wird man daher eine Bodenaufl&ouml;sung festlegen m&uuml;ssen, die mit den &Uuml;bertragungsm&ouml;glichkeiten korrespondiert.<\/p>\n<p>Eine L&ouml;sung ist es, Laserkommunikation zus&auml;tzlich einzusetzen. Der deutsche Satellit <a href=\"http:\/\/www.dlr.de\/kn\/desktopdefault.aspx\/tabid-4307\/6939_read-40702\/admin-1\/\"> BIROS<\/a> kann damit 1 GBit\/s zu einem Bodenterminal &uuml;bertragen, mit Funk nur 2,2 Mbit\/s. Da Laserkommunikation zu irdischen Bodenstationen stark wetterabh&auml;ngig erfordert diese L&ouml;sung zumindest das Zwischenspeichern an Bord und erst nach Empfang wird man die belegten Bl&ouml;cke wieder freigeben k&ouml;nnen. F&uuml;r ganz schnellen Zugriff, innerhalb eines Umlaufs eignet sich das nicht, auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, dass man &uuml;ber mehrere Uml&auml;ufe keine einzige Bodenstation findet, die keinen klaren Himmel hat. Laserkommunikation kann auch um ein Laserterminal an Bord eines geostation&auml;ren Satelliten erfolgen. Man braucht hier wegen der gr&ouml;&szlig;eren Entfernung (36.000 km anstatt &lt; 1000 km) etwas gr&ouml;&szlig;ere Teleskope und\/oder h&ouml;here Leistung, aber auch hier wurden Datenraten im Bereich von Gbit\/s schon realisiert. Regierungen nutzen dies f&uuml;r ihre Erdbeobachtungssatelliten. Die <a href=\"http:\/\/www.esa.int\/Our_Activities\/Observing_the_Earth\/Copernicus\/Overview4\"> Sentinels<\/a> &uuml;bertragen so z.B. ihre Daten. Private Unternehmen scheuen die Kosten f&uuml;r einen weiteren Satelliten nur zur Daten&uuml;bertragung. Der k&ouml;nnte dann nat&uuml;rlich auch die Daten per Radiowellen empfangen und senden. Daf&uuml;r br&auml;uchte man aber bei den geforderten hohen Datenraten sehr hohe Sendeleistung bzw. sehr gro&szlig;e Sendeantennen.<\/p>\n<h3>Umsetzung<\/h3>\n<p>Ich fange mit dem Satelliten, an der die Erde global kartieren soll. Eine erste Absch&auml;tzung gilt der Aufl&ouml;sung. Wenn ich annehme, dass der Satellit 2 GBit\/s &uuml;bertragen kann (so viel wie Worldview 3+4) und pro Umlauf es zwei Kontakte von 600 s Dauer gibt (typische Zeit 20 Grad &uuml;ber dem Horizont f&uuml;r einen etwa 600 km hohen polaren Orbit), so kann ich pro Umlauf rund 2,4 Tbit &uuml;bertragen. Ich muss pro Umlauf einen 2700 km breiten und 40.000 km langen Streifen erfassen, dies in 3 Farben zu je 12 Bit, mit einem verlustlosen Komprimierungsfaktor von 2. Das sind dann 18 Bit pro Pixel, was 133 GPixel pro Umlauf erlaubt oder 1234 Pixel pro Quadratkilometer, was einer Bodenaufl&ouml;sung von nur rund 30 m entspricht.<\/p>\n<p>Bei dieser groben Aufl&ouml;sung ist ein erdnaher Orbit dann nicht mehr so wichtig. Meine APS-C <a href=\"http:\/\/amzn.to\/2wtvSF8\">Einsteigerkamera<\/a> mit einem 300-mm-Objektiv k&ouml;nnte aus 600 km H&ouml;he noch Aufnahmen von 8 m Aufl&ouml;sung machen, kleine Satelliten wie ProbeA, Rapideye oder Dove k&ouml;nnen Bilder in einer Aufl&ouml;sung von einigen Metern machen. Daher w&uuml;rde ich f&uuml;r den Satelliten einen hohen Orbit anstreben, z.B in 1256 km H&ouml;he mit 13 Uml&auml;ufen pro Tag. Das maximiert die Kontaktdauer zu den Bodenstationen. Zudem ist die Verzerrung der Erdoberfl&auml;che bei der geforderten Streifenbreite kleiner. Bei einem stabilen Signal 10 Grad &uuml;ber dem Horizont gibt es so 1481 s lang Kontakt, macht bei zwei Kontakten pro Orbit 2962 s, was die &uuml;bertragene Pixelmenge erh&ouml;ht, sodass man auf eine Aufl&ouml;sung von 20 m erreicht. Ein Linsenobjektiv mit 40 mm Druckmesser h&auml;tte die ben&ouml;tigte beugungsbegrenzte Aufl&ouml;sung.<\/p>\n<p>Die Geschwindigkeit &uuml;ber dem Boden betr&auml;gt 6,04 km\/s, das ergibt eine Belichtungszeit von 1\/300 s, ausreichend, wenn man bedenkt, das im Weltall ohne die filternde Atmosph&auml;re die Sonne um ein Drittel st&auml;rker scheint als auf der Erde und da ben&ouml;tigt man, wenn die Sonne bei klarem Himmel im Zenit steht, keine 300-stel Sekunde f&uuml;r ein Foto, wenn die Blende klein ist und das ist bei so einem kleinen Objektiv ohne Problem m&ouml;glich.<\/p>\n<p>Der Satellit hat ein anderes Problem. Bei 13 Uml&auml;ufen pro Tag muss der Streifen, der abgebildet werden soll, 3100 km breit sein. Das sind &uuml;ber 150,000 Pixel in der Breite. So gro&szlig;e Scanzeilen gibt es nicht. Selbst wenn man eine Scanzeile aus mehreren (bis 40.000 Pixel gibt es) zusammensetzt gibt es keine Kamera ertr&auml;glicher Gr&ouml;&szlig;e mit einem solchen Blickfeld. Eine Mittelformatkamera hat rund 50 MPixel bei einer Sensorfl&auml;che von 44 x 33 mm. Das sind 8.200 Pixel in der langen Seite bei 5,4 \u00b5m\/Pixel. 20 Kameras, parallel geschaltet, jede mit einem Objektiv von 350 mm Brennweite (163,5 km Streifenbreite) w&uuml;rden den Job tun. Das hat auch den Vorteil, das man jede Kamera an einen eigenen Datenspeicher anschlie&szlig;en kann. Das Auslesen ist dann zeitlich kein Problem, man hat f&uuml;r jedes Bild rund 20 s Zeit. 350 mm ist die Brennweite eines Apochromats mit 44 mm Linsendurchmesser mit einer Blende von 8. Standardobjektive erreichen 300 mm Brennweite bei Blende 5,6. Man ben&ouml;tigt bei dieser Technologie mindestens ein Objektiv von 40 mm Durchmesser. Jede Kamera h&auml;tte ein Gewicht von einigen Kilogramm, alle zusammen sicher unter 50 kg. Damit w&auml;re auch das Gesamtgewicht des Satelliten nicht zu hoch, ich sch&auml;tze etwa 300 kg bei einem typischen Nutzlastanteil von einem Sechstel.<\/p>\n<p>Alternativ kann man Zeilensensoren einsetzen, die sind breiter jedoch muss man diese auch auf das Bildfeld abstimmen. Bei nicht zu gro&szlig;en Optiken, die ann aber auch sehr schwer werden ist aber das Mittelformat schon die Grenze. Wer eine 70-mm-Filmkamera mit einer Mittelformatkamera in Bezug auf Gewicht vergleicht, dem wird klar sein, dass die Mittelformatkamera die leichtere L&ouml;sung ist, auch wenn man mehrere ben&ouml;tigt.<\/p>\n<p>Der zweite Satellit, der multispektrale Aufnahmen macht, wird auf jeden Fall einen Fl&auml;chensensor einsetzen. Er schaut mit der langen Seite quer zur Bewegungsrichtung. In dieser Richtung ist auch ein Spalt in der Optik, der l&auml;sst nur Licht einer Zeile durch. Dahinter bricht ein Beugungsgitter das Licht in seine Spektralfarben auf die dann &uuml;ber die Breite des Chips fallen. Jede Spalte enth&auml;lt so das Spektrum eines Bildpunktes einer Zeile. Durch die Bewegung der Satelliten erh&auml;lt man dann ein Bild.<\/p>\n<p>Das Grundproblem der Gewinnung eines Spektrums ist, dass man so einen Datencube bekommt: n Pixel in der L&auml;nge x n Scanzeilen x n Pixels pro Spektrum. Nimmt man nur 256 Pixel f&uuml;r ein Spektrum, was noch relativ grob ist, dann hat man verglichen mit 3 Farben beim ersten Satelliten die 83-fache Datenmenge. Ber&uuml;cksichtigt man das man 14 anstatt einen Tag zeit hat, so ist es immer noch die 6,1-fache Datenmenge. Bei gleicher Daten&uuml;bertragungsrate, die ja schon beim ersten Satelliten das Limit setzte, ist so die Aufl&ouml;sung pro Pixel um den Faktor 2,5 h&ouml;her \u2013 sie erreicht nur 50 m\/Pixel.<\/p>\n<p>Bei 50 m\/Pixel und einer Bahnh&ouml;he von 889 km ergibt sich so eine Breite von 205 km pro Streifen und 4.100 Pixel pro Zeile. Das ist mit einem herk&ouml;mmlichen CCD-Sensor in einer Kamera zu machen. Man w&uuml;rde einen relativ gro&szlig;en Sensor w&auml;hlen, da durch die Aufspreizung des Spektrums jedes Pixel weniger Photonen bekommt. Im Mittelformat w&auml;ren so 11 \u00b5m\/Pixel m&ouml;glich etwa doppelt so gro&szlig;e Pixel wie bei normalen Kameras..Es werden nur 256 Pixels in der zweiten Dimension gebraucht. Daf&uuml;r g&auml;be es zwei L&ouml;sungen. Das eine ist zwei Scanzeilen-CCD. die es mit bis zu 128 Zeilen. gibt zu kombinieren oder man fasst bei einem Fl&auml;chen-CCD einfach mehrere Pixel zusammen (Binnen). Beim Typischen 4\/3 Format m&uuml;sste man so 12 Pixel binnen.<\/p>\n<p>Aufgrund der niedrigen Aufl&ouml;sung gibt es noch weniger Anforderungen an das Objektiv. Ein 190 mm Objektiv, das ist eine g&auml;ngige Telebrennweite eines Linsenobjektives, w&uuml;rde ausreichen. Die Datenrate m&uuml;sste 127 Mpiuxel\/s erreichen, eine Datenmenge, die man heute kontinuierlich auf eine einzelne SSD schreiben kann.<\/p>\n<h3>Optimierungen<\/h3>\n<p>Man kann noch etwas verbessern. Das Offensichtlichste ist, das die Breite des Streifens nur am &Auml;quator so breit sein Muss. In 45 Grad Breite reichen 70,7% der Breite und beim Pol sind es theoretisch 0 Pixel. Integriert man dies, so kommt man auf 63,7% der Datenmenge als wie, wenn man immer die gleiche Breite &uuml;bertr&auml;gt. Eine Routine muss nur anhand der aus GPS-Koordinaten berechneten geografischen Breite den Cosinus berechnen und mit der Streifenbreite multiplizieren, davon l&auml;sst man dann links und rechts jeweils die H&auml;lfte im Vergleichen zur Maximalbreite weg. Das erh&ouml;ht die Aufl&ouml;sung um rund 25% auf 16 bzw. 40 m.<\/p>\n<p>Zwei Drittel der Erdoberfl&auml;che bestehen aus Ozeanen. &Uuml;ber denen muss man nicht Bilder gewinnen. In der Praxis ist der Gewinn aber kleiner, denn man erfasst rund um Inseln zwangsl&auml;ufig bei einem Streifen auch das Meer mit. Ich denke aber das liefert eine weitere Reduktion der Datenmenge um 50 %, oder 24 % h&ouml;here Aufl&ouml;sung. Wenn man den t&auml;glich abbildenden Satelliten aber zur Kontrolle der Umwelt, wie z.B. abgeleitetes &Ouml;l im Wasser nutzt, kann man diese Optimierung nicht nutzen.<\/p>\n<p>Das Naheliegende w&auml;re es die Datenrate zu erh&ouml;hen. Neben der \u201egro&szlig;en\u201c L&ouml;sung n&auml;mlich mehr Empfangsstationen weltweit hinzuzunehmen oder einen geostation&auml;ren Satelliten, bei dem dann dauernder Funkkontakt m&ouml;glich ist, sehe ich in der Laserkommunikation das h&ouml;chste Potenzial. &Uuml;bertragungen mit 10 GBit\/s zwischen ISS und Bodenstationen wurden schon demonstriert. W&uuml;rde man Laserkommunikation nur w&auml;hrend 30% der Zeit mit dieser Datenrate nutzen k&ouml;nnen, so w&auml;ren es im Mittel 5 anstatt 2 GBit\/s was die Aufl&ouml;sung um den Faktor 1,57 steigern w&uuml;rde. Da dies stark wetterabh&auml;ngig ist, m&uuml;ssten beide Satelliten gro&szlig;e Datenmengen an Bord speichern. Doch dank gro&szlig;en SSD ist das kein Problem. F&uuml;r Server gibt es SSD mit bis zu 4 Tbyte Kapazit&auml;t, die man dann noch b&uuml;ndeln kann zu einem Massenspeicherarray. 16 St&uuml;ck, so als kommerziell verf&uuml;gbares Subsystem f&uuml;r Server haben dann 64 TeraByte Kapazit&auml;t was theoretisch bei 5 GBit\/s im Mittel als Datenrate f&uuml;r 3,6 Tage ohne Kontakt zu einem optischen Teleskop reichen w&uuml;rde.<\/p>\n<p>Klar ist, dass man nat&uuml;rlich bei so h&ouml;heren Aufl&ouml;sungen das optische System neu konzipieren muss. Aufgrund der nun schon gro&szlig;en L&auml;nge des Artikels habe ich darauf verzichtet.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/323e97be0d7f4529a23b1fb975995093\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ein komplexeres Thema, ich erspare es mir auch alles vorzurechnen und verweise nur auf die Stellen in der Wikipedia, wo man die entsprechenden Formeln findet. Wenn man einen Erdbeobachtungssatelliten designt, gibt es viele Dinge zu beachten, ich will mich auf die folgenden konzentrieren: In welchem Orbit soll er landen? Wie schwer wird die Optik? [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-12718","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-raumfahrt","entry"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack-related-posts":[{"id":18504,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/01\/25\/die-glorreichen-10-satellitenrekorde\/","url_meta":{"origin":12718,"position":0},"title":"Die glorreichen 10 &#8211; Satellitenrekorde","author":"Bernd Leitenberger","date":"25. 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