{"id":12727,"date":"2017-08-24T00:05:15","date_gmt":"2017-08-23T22:05:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=12727"},"modified":"2017-08-23T09:09:37","modified_gmt":"2017-08-23T07:09:37","slug":"corona-oder-gambit-zum-mond","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2017\/08\/24\/corona-oder-gambit-zum-mond\/","title":{"rendered":"Corona oder Gambit zum Mond?"},"content":{"rendered":"<p>Beim Apolloprogramm hatte man auch mal die Planung einer Apollo I Mission. Wie der Buchstabe verr&auml;t, war diese zwischen den ersten bemannten Mondlandungen (Apollo H: Apollo 11-14) und den erweiterten Mondlandemissionen (Apollo J: Apollo 15 \u2013 17) geplant. Als man diese plante, ging man auch davon aus, dass es einen gr&ouml;&szlig;eren zeitlichen Abstand zwischen der letzten Apollo H und der ersten Apollo J Mission geben w&uuml;rde. Das war durch Verz&ouml;gerungen im Programm nicht der Fall. Zudem f&uuml;hrte die Reduktion ab 1970 von vier auf zwei Missionen pro Jahr dazu, dass es keine L&uuml;cke gab. Programmtechnisch w&auml;re es am besten gewesen die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2010\/04\/18\/die-apollo-i-missionen\/\">Apollo I<\/a> vor den H durchzuf&uuml;hren, man h&auml;tte dann mehr Erfahrung mit dem CSM im Mondorbit gehabt, inklusive Einfl&uuml;sse durch die Mascons unter den Mare, die ja bei Apollo 11 dazu f&uuml;hrten, dass Apollo 11 den geplanten Landeplatz um mehrere Kilometer verpasste und in der Endphase der Landung dann wegen des Landens in einem felsen&uuml;bers&auml;ten Gebiet recht spannend wurde.<!--more--><\/p>\n<p>Es waren eine Reihe von Experimenten f&uuml;r diese Missionen vorgesehen: Gammastrahlen- und Neutronenspektrometer, Laserh&ouml;henmesser. Die damals wohl interessanteste Nutzlast w&auml;re ein Kamerasystem gewesen. Mit fotografischem Film erreichte man damals eine Aufl&ouml;sung, dank der Bestrebungen zur Aufkl&auml;rung gute Fotos zu machen, so gute Aufl&ouml;sungen wie mit CCD-Sensoren erst Jahrzehnte sp&auml;ter. Auf dieses Experiment will ich mich konzentrieren, auch weil man zwar eine Karte der Mondr&uuml;ckseite von den <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/lunar-orbiter.shtml\">Lunar Orbitern<\/a> hatte, aber diese wegen der begrenzten Bildmenge dieser Orbiter (212 Bilder pro Mission) und der prim&auml;ren Aufgabe die Apollo-Landepl&auml;tze auf der Vorderseite zu untersuchen, relativ grob war.<\/p>\n<p>Man hat f&uuml;r die Apollomission schon die Lunar Orbiter konstruiert. Sie nutzten die Erfahrungen, die man mit dem Einsatz von Film im Corona und Samos-Programm gewonnen hatte. Es gab hier einige Probleme zu l&ouml;sen wie den Transport des Films, das Vermeiden der Belichtung durch kosmische Strahlen, vor allem aber die Bewegungskompensation. Die Lunar Orbiter Kameras waren Neukonstruktionen, aber sie nutzten diese Erfahrungen. Sie basierten vor allem auf dem <a href=\"http:\/\/www.nro.gov\/foia\/docs\/foia-samos.pdf\">SAMOS System<\/a>, bei dem man schon mit der elektrooptischen Abtastung von Film experimentiert hatte, das man zugunsten der Bergung des Films mit Kapseln und Bodenentwicklung unter besseren Bedingungen und besseren M&ouml;glichkeiten der Auswertung aufgab.<\/p>\n<p>Eine Mission, die den Mond kartieren soll und das in einer hohen Aufl&ouml;sung, muss aber erheblich mehr leisten als die Lunar Orbiter, die einige Hundert Bilder machten, auch mehr als die Mapping-Kameras, die bei Apollo 15 bis 17 eingesetzt wurden und fast 1 km Film hatten. Die Spionagesatelliten des Coronaprogramms waren ausgelegt sehr gro&szlig;e Gebiete abzulichten und Gambit konnte das in noch gr&ouml;&szlig;erem Detail. Meine Idee: warum nicht ein Reserveexemplar eines Satelliten dieser Programme zum Mond schicken, anstatt eine Apollo I Mission durchzuf&uuml;hren.<\/p>\n<h3 class=\"western\">N&ouml;tige Modifikationen<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/kh-1.shtml\">Corona<\/a> und Gambit waren beide f&uuml;r kurze Betriebsdauern ausgelegt und batteriebetrieben. Hier w&uuml;rde sich die Mission &uuml;ber mindestens einen Monat hinziehen, bei der gro&szlig;en Oberfl&auml;che des Mondes wahrscheinlich mehrere Monate.<\/p>\n<ul>\n<li>Dazu braucht man eine Hochgewinnantenne um die Daten zur Erde zu &uuml;bermitteln.<\/li>\n<li>Der Film w&uuml;rde an Bord entwickelt werden. Dazu gab es schon ein Verfahren, das man bei Lunar Orbiter einsetzte, indem man den Film gegen einen Zweiten presste, der Entwickler enthielt. Das anschlie&szlig;ende Abtasten ist relativ einfach und geschah mit einer Photodiode und einem Lichtstrahl.<\/li>\n<li>Der Orbiter braucht einen Treibstoffvorrat, da Mondumlaufbahnen nicht stabil sind. St&ouml;rungen durch Erde, Sonne und Massekonzentrationen unter der Mondoberfl&auml;che beeinflussen sie, au&szlig;er man strebt eine bestimmte Umlaufbahn an, bei der sich die St&ouml;rungen weitestgehend egalisieren, wie dies <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/lro.shtml\">Lunar Reconnaissance Orbiter<\/a> tut. LRO\u2018s Orbit hat nur einen Geschwindigkeitsbedarf von 5 m\/s pro Jahr, w&auml;hrend ein kreisf&ouml;rmiger 50 km Orbit einen Geschwindigkeitsbedarf on 139,7 m\/s pro Jahr hat. Trotzdem ist das wegen der kurzen Betriebszeit kein Problem.<\/li>\n<li>Der Orbiter muss in eine Mondumlaufbahn gebracht werden. Dazu reicht ein geringes dV von maximal 900 m\/s. Dies kann durch die letzte Stufe erfolgen oder einen eigenen Antrieb.<\/li>\n<\/ul>\n<h3 class=\"western\">Vergleich der Kamerasysteme<\/h3>\n<p>An erster Stelle steht der Vergleich der Kamerasysteme von KH-4 (letzte Corona Generation) und KH-7 (erste Gambit Generation). Obwohl es zum Zeitpunkt von Apollo schon die zweite Generation von <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/kh-2.shtml\">Gambit<\/a> gab, habe ich diese nicht ber&uuml;cksichtigt, da sie zu schwer ist.<\/p>\n<p>Die Tabelle f&uuml;hrt die Daten der Systeme von Corona und Gambit auf:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"43*\" \/>\n<col width=\"43*\" \/>\n<col width=\"43*\" \/>\n<col width=\"43*\" \/>\n<col width=\"43*\" \/>\n<col width=\"43*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"17%\"><\/td>\n<td width=\"17%\">Corona Detailkamera<\/td>\n<td width=\"17%\">Corona Panoramakamera<\/td>\n<td width=\"17%\">Gambit KH-7 Detailkamera<\/td>\n<td width=\"17%\">Gambit KH-8 Detailkamera<\/td>\n<td width=\"17%\">Lunar Orbiter<\/td>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"17%\">Objektivdurchmesser:<\/td>\n<td width=\"17%\">16,4 cm<\/td>\n<td width=\"17%\">4 cm<\/td>\n<td width=\"17%\">49,5 cm<\/td>\n<td width=\"17%\">110,5 cm<\/td>\n<td width=\"17%\">10,9 cm<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"17%\">Brennweite:<\/td>\n<td width=\"17%\">61 cm<\/td>\n<td width=\"17%\">3,8 cm<\/td>\n<td width=\"17%\">195,6 cm<\/td>\n<td width=\"17%\">444,5 cm<\/td>\n<td width=\"17%\">61 cm<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"17%\">Blende F\/D<\/td>\n<td width=\"17%\">3,5<\/td>\n<td width=\"17%\">1<\/td>\n<td width=\"17%\">4<\/td>\n<td width=\"17%\">4<\/td>\n<td width=\"17%\">5,6<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"17%\">Bildabmessungen (150 km H&ouml;he)<\/td>\n<td width=\"17%\">14,4 x 217,9 km<\/td>\n<td width=\"17%\">308 x 308 km<\/td>\n<td width=\"17%\">17,67 km x variabel<\/td>\n<td width=\"17%\"><\/td>\n<td width=\"17%\">19,9 x 54,1 km<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"17%\">Bodenaufl&ouml;sung:<\/td>\n<td width=\"17%\">1,8 m<\/td>\n<td width=\"17%\">162 m<\/td>\n<td width=\"17%\">0,6 bis 0,9 m<\/td>\n<td width=\"17%\"><\/td>\n<td width=\"17%\">1 m<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"17%\">Blickwinkel:<\/td>\n<td width=\"17%\">5,12 Grad<\/td>\n<td width=\"17%\">70 Grad<\/td>\n<td width=\"17%\">6,4 Grad<\/td>\n<td width=\"17%\"><\/td>\n<td width=\"17%\">5 x 20 Grad<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"17%\">Film:<\/td>\n<td width=\"17%\">2 ASA, 160 Linienpaare\/mm<\/td>\n<td width=\"17%\">2 ASA, 160 Linienpaare\/mm<\/td>\n<td width=\"17%\"><\/td>\n<td width=\"17%\"><\/td>\n<td width=\"17%\">SO-243, 500 Linienpaare\/mm<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"17%\">Filml&auml;nge:<\/td>\n<td width=\"17%\">70 mm Breite x 7.500 m<\/td>\n<td width=\"17%\"><\/td>\n<td width=\"17%\">240 mm Breite, 7620 m L&auml;nge<\/td>\n<td width=\"17%\">12,7 und 24,1 cm Breite, bis 3733 m L&auml;nge<\/td>\n<td width=\"17%\">70 mm Breite, 63 m L&auml;nge, 212 Aufnahmen<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"17%\">Framegr&ouml;&szlig;e<\/td>\n<td width=\"17%\">54,5 x 745 mm<\/td>\n<td width=\"17%\"><\/td>\n<td width=\"17%\">221,4 mm x 900 mm<\/p>\n<p>300 \u2013 600 Stereopaare pro Rolle<\/td>\n<td width=\"17%\"><\/td>\n<td width=\"17%\">51,7 x 297.6 mm<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"17%\">Belichtungszeit:<\/td>\n<td width=\"17%\">2,11 bis 3,82 ms (1\/500 bis 1\/250 s)<\/td>\n<td width=\"17%\"><\/td>\n<td width=\"17%\"><\/td>\n<td width=\"17%\"><\/td>\n<td width=\"17%\">1\/25 bis 1\/100 s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"17%\">Theoretische Bodenaufl&ouml;sung aus 150 km Entfernung.<\/td>\n<td width=\"17%\">0,80 m<\/td>\n<td width=\"17%\"><\/td>\n<td width=\"17%\">0,20 m<\/td>\n<td width=\"17%\">0,09 m<\/td>\n<td width=\"17%\">3,26 m<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"17%\">Abmessungen:<\/td>\n<td width=\"17%\">172, 7 x 157,5 x 165,1 cm<\/td>\n<td width=\"17%\"><\/td>\n<td width=\"17%\"><\/td>\n<td width=\"17%\"><\/td>\n<td width=\"17%\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"17%\">Gewicht:<\/td>\n<td width=\"17%\">514,8 kg<\/td>\n<td width=\"17%\"><\/td>\n<td width=\"17%\">500 kg + 23,6 kg Film<\/td>\n<td width=\"17%\">1.873 kg (Kamera mit Film)<\/td>\n<td width=\"17%\">64 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"17%\">Kamerahersteller:<\/td>\n<td width=\"17%\">ITEK<\/td>\n<td width=\"17%\">ITEK<\/td>\n<td width=\"17%\">KODAK<\/td>\n<td width=\"17%\">KODAK<\/td>\n<td width=\"17%\">KODAK<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zuerst mal eine Erkl&auml;rung. Es &uuml;berrascht, dass die KH-7 Kamera bei doppelt, bis dreifach h&ouml;herer Aufl&ouml;sung nur wenig mehr als die Corona Kamera wiegt. Das liegt daran, dass die Optik den kleinsten teil des Systems ausmacht. Ein Volltubus eines Schmidt-Cassegrains in dieser Gr&ouml;&szlig;e wiegt 30 kg, der kleinere beim Corona dann rund 8 kg. Die 22 kg Mehrgewicht ist vernachl&auml;ssigbar bei 500 kg Gesamtgewicht.<\/p>\n<p>Die Kameras waren damals technologische Spitzenprodukte gegen die die heutigen Detailaufkl&auml;rer primitiv wirken: Sie erfassten nicht ein Bild, sondern einen Streifen von bis zu 70 Grad quer zur Flugrichtung. Die Kamera wurde also gedreht, gleichzeitig musste synchron zur Bewegung der Film transportiert werden, sodass der Streifen ein Bild ergab, dass bei Corona bis 745 mm lang war. Gleichzeitig musste die Kamera aber die Bewegung des Satelliten relativ zur Erdoberfl&auml;che (rund 7,5 km\/s) kompensieren. Bei Belichtungszeiten von rund 1\/250 bis 1\/500 s w&auml;ren sonst alle Details kleiner als 15 bzw. 30 m verschwommen. Diese Bewegungskompensation wurde immer besser. Beim Corona-System stieg der Durchmesser des Objektivs z.B. &uuml;ber vier Generationen nur von 12,2 auf 16,5 cm, aber die Bodenaufl&ouml;sung von 12 auf 1,8 m. Auch Gambit erzeugte bei gleicher Kamera am Schluss Bilder mit 50% h&ouml;herer Aufl&ouml;sung.<\/p>\n<p>Das Erste daher mal das R&uuml;ckrechnen, wie gro&szlig; die globale Aufl&ouml;sung sein kann. Dazu ist die Filmmenge ausschlaggebend. Ich habe quadratische Aufnahmen angenommen, 20 % unbelichteter Film zwischen zwei Aufnahmen und 20 % Reserve um Aufnahmen zu wiederholen. Dann kann man leicht berechnen, wie gro&szlig; ein Bild sein muss, damit man mit dem ganzen Film den Mond einmal erfassen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"51*\" \/>\n<col width=\"77*\" \/>\n<col width=\"128*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"20%\"><\/td>\n<td width=\"30%\">Corona Detailkamera<\/td>\n<td width=\"50%\">Gambit KH-7 Detailkamera<\/td>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"20%\">Bilder:<\/td>\n<td width=\"30%\">95.565<\/td>\n<td width=\"50%\">23.896<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"20%\">Bildgr&ouml;&szlig;e: 10 % &Uuml;berlappung:<\/td>\n<td width=\"30%\">27,5 km<\/td>\n<td width=\"50%\">55 km<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"20%\">Pixel\/Bild<\/td>\n<td width=\"30%\">304 MPixel<\/td>\n<td width=\"50%\">5.019 MPixel<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"20%\">Bodenaufl&ouml;sung:<\/td>\n<td width=\"30%\">3,43 m<\/td>\n<td width=\"50%\">1,12 bis 1,68 m<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"20%\">Orbith&ouml;he:<\/td>\n<td width=\"30%\">287 km<\/td>\n<td width=\"50%\">311 km<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Alleine mit einer Rolle Film (die Satelliten hatten mehrere Rollen an Bord, KH-4 z.B. 72 km reicht f&uuml;r Aufnahmen von 1-3 m Aufl&ouml;sung, eine Aufl&ouml;sung, die man von der Erde nur von wenigen Regionen damals hatte. Dabei gibt es berechtigte Hoffnung das die erzielte Aufl&ouml;sung noch h&ouml;her gewesen w&auml;re: Die Aufl&ouml;sung war begrenzt durch die Bewegungskompensation, die zwar immer besser wurde, aber noch lange nicht die theoretische Aufl&ouml;sung der Optik beim gegebenen Film erreichte und durch die Unsch&auml;rfe aufgrund des Funktionsweise als \u201eStripkamera\u201c &#8211; es wurde nur durch einen Schlitz ein Streifen belichtet, w&auml;hrend der Film sich bewegte. Das erzeugte zus&auml;tzliche Unsch&auml;rfe. In einem Mondorbit bewegt sich der Satellit aber f&uuml;nfmal langsamer als in einem Erdorbit.<\/p>\n<p>Man kann als Vergleich den Lunar Orbiter nehmen. Er erreichte 1\/3.6-tel der theoretischen Aufl&ouml;sung des Objektivs als nutzbare Aufl&ouml;sung bei demselben Prozess. Das entspr&auml;che 3,8 m bei der Corona-Kamera und 1,36 m bei Gambit.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Daten&uuml;bertragung<\/h3>\n<p>Ein Problem ist die &Uuml;bertragung der Datenmenge. Schon Lunar Orbiter brauchte 43 Minuten um eine Aufnahme, die allerdings nicht quadratisch war, zu &uuml;bertragen. Nimmt man zwei Abtastungen pro Detail \/entsprechend der Definition von Linienpaaren\/mm) so kommt man auf die oben stehenden Pixelmengen. Lunar Orbiter &uuml;bertrug analog (indem man die Helligkeitswerte einem 10-MHz-Tr&auml;gersignal aufmodulierte) mit 32.000 Zeichen pro Sekunde. Das damals schnellste Magnetbandlaufwerk von IBM, das IBM 2420 hatte eine Schreibgeschwindigkeit von 320.000 Zeichen\/s. Nimmt man konservative 250.000 Zeichen\/s an, so br&auml;uchte die &Uuml;bertragung einer Aufnahme 1.216 bzw. 20.076 s. F&uuml;r alle Aufnahmen dann 1.345 bzw. 5.552 Tage. Das ist viel zu lange. Beschr&auml;nkt man sich auf 4 m Aufl&ouml;sung\/Pixel (nicht Linienpaar) so sind es noch 163 Tage. Da ein Funkkontakt nur &uuml;ber 60% des Orbits m&ouml;glich ist, erreicht man, wenn man als Missionszeit 1 Jahr ansetzt, so kann man eine Aufl&ouml;sung von 3,44 m erreichen, die Corona liefert.<\/p>\n<p>Die Daten&uuml;bertragung zur Erde ist kein Problem. Aus 100 Millionen km Entfernung &uuml;bertrugen <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/mariner67.shtml\">Mariner 6+7<\/a> 16.200 Bits\/s zu der 64-m-Antenne von Goldstone. Heruntergerechnet auf maximale Monddistanz (400.000 km) und die kleineren, aber in gr&ouml;&szlig;erer Zahl vorhandenen 26 m Antennen sind dies 167 Mbit\/s. Da sind die 2 Mbit\/s die man f&uuml;r die Daten mit 250.000 Pixel\/s braucht, relativ wenig. Die &Uuml;bertragung w&uuml;rde analog erfolgen, so wie damals beim Fernsehen auch, bei dem schon normale Telekommunikationssatelliten 4-5 Millionen Pixel pro s &uuml;bertrugen.<\/p>\n<p>Eine h&ouml;here Datenrate w&auml;re m&ouml;glich wenn man die Daten nach dem Empfang erst auf Magnetplatte speichert, und ein Magnetplattenlaufwerk dann mehrere Magnetbandlaufwerke ansteuert, also die Magnetplatte als Zwischenpuffer nimmt. So was setzte man bei der Wandlung der TV-Aufnahmen von Apollo ein. Ein direktes Abspeichern im Hauptspeicher ist bei den Datenrate damals nicht m&ouml;glich. Die gr&ouml;&szlig;ten Rechner hatten damals 1-2 MByte Speicher, die w&auml;ren bei 250.000 Zeichen\/s in 4-8 s voll. Ein CDC-6638 Plattenlaufwerk hat eine Datenrate von 1,68 MByte\/s, 25% Sicherheit und Teilen durch 2 (lesen und schreiben parallel) f&uuml;hrt dann zu einer Datenrate von 672.000 Zeichen\/s \u2013 korrespondierend mit 2,1 m Aufl&ouml;sung. Das w&auml;re, wenn man mehrere Plattenlaufwerke parallel einsetzt noch steigerbar.<\/p>\n<p>Lunar Orbiter las nur ein Pixel aus, durch eine Photodiode. Es ist leicht die Ausleserate zu erh&ouml;hen, wenn man einfach ein Array von Photodioden einsetzt. Es empfiehlt sich aber noch ein zweites System einzubauen. Da man nicht sicher sein kann, ob der Film so belichtet ist wie gew&uuml;nscht und die gew&uuml;nschte Szene zeigt (daf&uuml;r wurden ja auch 20% des Films reserviert) sollte man Bilder schnell begutachten k&ouml;nnen. Daher w&auml;re ein TV-System mit einer normalen Aufl&ouml;sung, z.B. 625 Zeilen zus&auml;tzlich n&ouml;tig. Es nimmt ein Bild auf und erlaubt eine schnelle Vorschau, da man nur einen Bruchteil des Informationsgehaltes &uuml;bertragen muss.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Alternative R&uuml;ckkehrkapsel<\/h3>\n<p>Anstatt wie bei Lunar Orbiter die Bilder zu scannen kann man nat&uuml;rlich auch den Weg beschreiten den man bei Corona und Gambit machte \u2013 der Film wird in eine R&uuml;ckkehrkapsel umgespult und diese zur Erde geschickt. Man k&ouml;nnte dann den Satelliten unver&auml;ndert einsetzen, denn dann reduziert sich die Missionsdauer auf einen Monat. Modifiziert muss nur die R&uuml;ckkehrkapsel werden. Man w&uuml;rde sie auf einen kleinen Satelliten setzen, der einen integrierten Antrieb hat. Der m&uuml;sste nicht viel leisten. Ein Sender erlaubt es von der Erde aus die Position zu bestimmen, mit einem Kommandoempf&auml;nger w&uuml;rde er dann die von der Bodenstation berechnete Ausrichtung und Z&uuml;ndzeit empfangen. Zur korrekten Ausrichtung reicht wie bei anderen Raumsonden ein Sonnen- und Kanopus-Sternsensor. Damit liegen zwei Punkte im Raum fest. Nimmt man 100 kg Trockenmasse (ohne antrieb) daf&uuml;r an, 900 m\/s Geschwindigkeits&auml;nderung und die 170 kg f&uuml;r die Kapsel von Gambit, so ist man bei einer Startmasse von rund 390 kg. Daher w&auml;re es zu pr&uuml;fen, ob dies vom Gesamtgewicht her m&ouml;glich ist.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Startm&ouml;glichkeiten<\/h3>\n<p>Mit der geringen Aufl&ouml;sung braucht man nicht die letzte Generation der Coronas. 4 m Bodenaufl&ouml;sung aus 166 km H&ouml;he erreichte auch schon KH-3, wobei es beim Mond anders als auf der Erde, auch die M&ouml;glichkeit gibt, sich n&auml;her der Oberfl&auml;che zu n&auml;hern. Die KH-3 Satelliten wogen 1.1.50 kg. Die Gambits 2.000 kg.<\/p>\n<p>Beide brauchen mindestens eine Titan 3C um zum Mond zu gelangen. Diese kann 3.150 kg zum Mond transportieren. Ausreichend f&uuml;r einen Corona-Satelliten, beim Gambit wird es wegen des noch ben&ouml;tigten Antriebs knapp. Wesentlich sinnvoller ist es aber die Agena Oberstufe einzusetzen, da sie mit den Satelliten \u201everbandelt\u201c ist. Diese kann auch das Einschwenken in den Mondorbit durchf&uuml;hren. Wegen der geringen Leermasse der Agena ist die Nutzlast einer Titan 3D Agena h&ouml;her: 3823 kg, wenn sie anstatt der Transtage eingesetzt wird. Zudem &uuml;bernimmt dann die Agena auch die Bahnkorrekturen und das Einschwenken in die Mondumlaufbahn. Nimmt man eine Geschwindigkeits&auml;nderung von 1050 m\/s an (900 m\/s einbremsen, 150 m\/s f&uuml;r Orbitkorrekturen &uuml;ber 1 Jahr) so setzt die Agena 2.471 kg in einen Mondorbit ab. Das ist mehr als ausreichend f&uuml;r einen Gambit, es w&uuml;rde sogar f&uuml;r die Option mit der Kapselbergung reichen.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Kostenabsch&auml;tzungen<\/h3>\n<p>Das Ganze lohnt sich nur wenn man einen Gambit oder Corona &uuml;brig hat. Das d&uuml;rfte der Fall sein, einige stehen ja in Museen rum. Dann k&auml;me noch der Start mit 23,2 Millionen f&uuml;r einen <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/titan34.shtml\">Titan 3C<\/a>, mit der Agena wahrscheinlich billiger, hinzu. Die Alternative ist Lunar Orbiter. Er lieferte ja schon Aufnahmen von 1 m Aufl&ouml;sung, wenn auch aus 50 km H&ouml;he. Nur war sein Filmvorrat auf 212 Bilder beschr&auml;nkt. Das sollte kein Problem sein, mit einem entsprechenden Vorrat an Film, st&auml;rkeren Sendern f&uuml;r eine gr&ouml;&szlig;ere Datenmenge sollte auch der Lunar Orbiter den Job erledigen. Der originale Lunar Orbiter wog 380-375 kg. Eine Atlas SLV3-C Centaur brachte 1135 kg auf Fluchtgeschwindigkeit, das w&auml;ren im Mondorbit noch rund 750 kg, ohne Antriebssystem etwa 670 kg. Das ist ein komfortables Polster f&uuml;r mehr Film. Das gesamte Lunar Orbiter Programm hat bei 5 Orbitern 200 Millionen Dollar gekostet, die Fertigung eines weiteren Exemplars 13 Millionen Dollar, dazu der Start mit der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/atlas-centaur.shtml\">Atlas Centaur<\/a>: 14 Millionen Dollar. Man spart also nicht viel ein. Es wird noch weniger wenn man auf die ab 1968 verf&uuml;gbare <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/atlas.shtml\">SLV-3A Agena D<\/a> &uuml;bergeht, die auch 650 kg zum Mond bef&ouml;rdern konnte \u2013 bei ihr kostete die Rakete (ohne Startoperationen ) nur 4 Millionen Dollar. Dann ist sogar gar keine Einsparung mehr vorhanden. So verwundert es nicht das die NASA ihre Lunar Orbiter entwickelte, anstatt sich eines Spionagesatelliten zu bedienen \u2013 es war die g&uuml;nstigere L&ouml;sung,<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/9b74627725c04f42877bcb9f82242901\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim Apolloprogramm hatte man auch mal die Planung einer Apollo I Mission. Wie der Buchstabe verr&auml;t, war diese zwischen den ersten bemannten Mondlandungen (Apollo H: Apollo 11-14) und den erweiterten Mondlandemissionen (Apollo J: Apollo 15 \u2013 17) geplant. 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