{"id":12751,"date":"2017-09-09T00:30:24","date_gmt":"2017-09-08T22:30:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=12751"},"modified":"2017-09-08T16:33:27","modified_gmt":"2017-09-08T14:33:27","slug":"die-evolution-von-planetenatmosphaeren-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2017\/09\/09\/die-evolution-von-planetenatmosphaeren-teil-1\/","title":{"rendered":"Die Evolution von Planetenatmosph&auml;ren \u2013 Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Anstatt zu begr&uuml;nden, warum mein vorletzter Blog in der Rubrik &#8222;M&uuml;nchhausens Kolumne&#8220; gelandet ist, will ich mal erkl&auml;ren, wie die Planeten zu ihren Atmosph&auml;ren gekommen sind und wie wir von den heutigen Atmosph&auml;ren r&uuml;ckrechnen k&ouml;nnen was passiert.<\/p>\n<p>Fangen wir mal ganz vorne an, n&auml;mlich beim Urknall. Auch wenn die Vorg&auml;nge im Einzelnen komplex sind, verlief der Urknall im Prinzip so: Das Universum wurde immer k&uuml;hler, sprich die kinetische Energie der Teilchen, wie auch die Energie pro Volumeneinheit wurde immer kleiner. Das f&uuml;hrte dazu, dass nach und nach die heutigen Elementarteilchen entstanden. Irgendwann war die Temperatur so niedrig, dass Protonen und Neutonen stabil waren. Nun begannen Neutronen mit Protonen zu Atomkernen zusammenzutreffen. Bei viel Gl&uuml;ck konnten auch Atomkerne mit zwei Protonen entstehend und zu einem ganz kleinen Teil mit drei Protonen. Wenige Minuten nach dem Urknall war die Temperatur aber schon soweit abgesunken das neue Kernteilchen die gegenseitige Absto&szlig;ung, die zwischen Teilchen herrscht, bis sie sich ganz nahe sind, nicht mehr &uuml;berwinden konnten. Es entstanden keine neuen Atomkerne mehr. Freie Neutronen zerfallen mit einer Halbwertszeit von etwas &uuml;ber 9 Minuten. So waren wenige Stunden nach Ende des Urknalls nur noch die Atomkerne von Wasserstoff, Helium und ganz kleinem Teil auch Lithium &uuml;brig. Der Wasserstoff machte dabei den gr&ouml;&szlig;ten Teil, etwa 75% Gewichtsprozent oder 90 % der Atome aus. Rund 100.000 Jahre nach dem Urknall sank die Temperatur soweit ab, das auch Elektronen stabile Bahnen um die Atome einnehmen konnten und es entstanden Atome.<!--more--><\/p>\n<p>Aus diesem Material: Wasserstoff und Helium entstanden dann die ersten Sterne und aus ihm besteht auch das Gas zwischen den Sternen. Die folgenden Sterne erbr&uuml;teten dann in ihren Fusionsprozessen die h&ouml;heren Elemente. Es gibt mehrere Fusionsprozesse, die jeweils bei immer h&ouml;heren Temperaturen und Dr&uuml;cken einsetzen und die jeweils auf dem Endprodukt des vorherigen Fusionsprozesses aufbauen. Die Sonne fusioniert derzeit nur Wasserstoff zu Helium. Die auf die Heliumfusion folgenden Prozesse erzeugen Kohlenstoff, dann Sauerstoff, Magnesium, Neon Natrium. Der n&auml;chste Prozess erzeugt Schwefel, Phosphor, Silizium und der letzte Prozess Eisen, Aluminium, Silizium, Nickel, Kobalt.<\/p>\n<p>Jeder Prozess braucht extreme Bedingungen und l&auml;uft nur bei einer immer gr&ouml;&szlig;eren Masse des Sterns ab. Ein sehr massereicher Stern hat am Schluss seiner Lebenszeit einen Aufbau, der einer Zwiebelschale gleicht: ganz innen einen kleinen Kern der vornehmlich Eisen als Fusionsprodukt liefert, dann eine Schale, die Phosphor, Schwefel und Silizium erzeugt, dar&uuml;ber eine Schale, die Sauerstoff bis Magnesium erzeugt und dar&uuml;ber eine, die Kohlenstoff erzeugt. Es folgt als letzet schale die Heliumfusion und der Mantel aus Wasserstoff ohne Fusionsprozesse. Nur massive Sterne haben alle Schalen und explodieren dann auch am Ende ihres Lebens als Supernovae. Nur so werden die Schalen &uuml;berhaupt freigesetzt (bei der Sonne kommt das z. B. nicht vor). Bei der Supernova gibt es dann kurzzeitig Energie im &Uuml;berfluss, sodass dann auch noch in kleinen Mengen die anderen Elemente entstehen. Im Prinzip entstehen alle Elemente ab Ordnungszahl 4 in den Sternen. Neben den Fusionsprozessen gibt es auch noch einige Nebenreaktionen.<\/p>\n<p>Warum ist das wichtig? Nun es legt die Zusammensetzung der Gaswolke fest, aus der dann unser Sonnensystem entsteht. Der Gro&szlig;teil d&uuml;rfte immer noch aus Wasserstoff bestehen. Zum einen fusioniert nur ein kleiner Teil der Materie des Sterns, in den &auml;u&szlig;eren Schichten gibt es nicht die Temperatur und den Druck f&uuml;r Fusionsreaktionen. Zum anderen wird sich die bei der Supernova freigesetzte Materie mit schon existierendem Gas vermischen, das noch die urspr&uuml;ngliche Zusammensetzung hat. Die H&auml;ufigkeit der Elemente sinkt mit jedem Reaktionsprozess ab. Es gibt also mehr Kohlenstoff als Silizium und davon mehr als Eisen. Um Gr&ouml;&szlig;enordnungen kleiner ist die Menge der Elemente, die erst bei der Supernova entstehen. Das sind zum einen die Elemente in den Nebengruppen wie auch die Aktiniden. Aber auch innerhalb der Hauptgruppe ist die Verteilung unterschiedlich. So wird mehr Silizium als Chlor gebildet, obwohl beide Elemente direkt nebeneinanderliegen.<\/p>\n<p>Die Gaswolke wird dann durch die Supernova zum Kollaps gebracht, wobei in der Regel sehr viele Sterne gleichzeitig entstehen. Das Material str&ouml;mt zum Zentrum, aber auch jenseits des Zentrums fangen Staubteilchen an sich zu verklumpen, ab einer bestimmten Gr&ouml;&szlig;e fangen sie an andere Teilchen anzuziehen und wachsen weiter. Schlie&szlig;lich wachsen die K&ouml;rper durch gegenseitige Kollisionen und sehr gro&szlig;e Protoplaneten haben auch gen&uuml;gend Gravitationskraft um gasf&ouml;rmige Substanzen zu binden.<\/p>\n<p>Was gasf&ouml;rmig ist, h&auml;ngt im Prinzip von der Temperatur ab. Schon vor dem Z&uuml;nden der Fusion in der Sonne gibt es einen Temperaturgradienten durch die Reibung der nach innen str&ouml;menden Materie. Im inneren Sonnensystem ist Wasser gasf&ouml;hnig, im &auml;u&szlig;eren dagegen ein Feststoff (Eis). Daher haben die K&ouml;rper im &auml;u&szlig;eren Sonnensystem viel gr&ouml;&szlig;ere Chancen zu wachsen, weil sie das Wasser als festes \u201eBaumaterial\u201c nutzen k&ouml;nnen bevor sie so gro&szlig; sind das Sie Wasserdampf gravitativ binden k&ouml;nnen. So finden wir im &auml;u&szlig;eren Sonnensystem auch vor allem K&ouml;rper, die vor allem aus Wasser bestehen.<\/p>\n<p>Die Situation ver&auml;ndert sich entscheidend, wenn die Sonne ihre Fusion beginnt. Von nun an sendet sie einen Strom von Protonen aber auch Photonen aus. Sie &uuml;bertragen Energie auf die Atome, Molek&uuml;le und gr&ouml;&szlig;eren K&ouml;rper der Gaswolke. Das f&uuml;hrt dazu das alle Atome und Molek&uuml;le durch die Energiezufuhr in relativ kurzer Zeit die Fluchtgeschwindigkeit erreichen und \u201eweggeblasen\u201c werden. Selbst Staub wird heute noch durch den <a href=\"http:\/\/www.spektrum.de\/lexikon\/physik\/strahlungsdruck\/13995\">Strahlungsdruck<\/a> von der Sonne weggeblasen. Der Effekt ist um so st&auml;rker je n&auml;her man der Sonne ist. Weiter drau&szlig;en haben die Planeten also mehr Zeit Gas zu sammeln.<\/p>\n<p>So erkl&auml;rt sich zwanglos, dass wir im inneren Sonnensystem vor allem K&ouml;rper aus Verbindungen mit hohem Schmelzpunkt finden, n&auml;mlich alle Arten von Gesteinen oder Metallen. Im &auml;u&szlig;eren Sonnensystem entf&auml;llt ein Gro&szlig;teil der Masse auf Verbindungen niedriger Molek&uuml;lmasse wie Wasser, Ammoniak, Stickstoff, Methan. Die ganz gro&szlig;en K&ouml;rper konnten auch den Wasserstoff und das Helium aus dem solaren Nebel gravitativ binden.<\/p>\n<p>Neben der Zusammensetzung speilt auch die Masse der Wolke in jeder Entfernung eine Rolle. Die Masse nimmt zwar zur Sonne hin zu, aber auch die Temperatur, sodass fl&uuml;chtige Verbindungen in der inneren Zone leicht nach au&szlig;en diffundieren konnten. Nahe der Sonne konnten die erd&auml;hnlichen Planeten nicht schnell genug wachsen. Der gr&ouml;&szlig;te Planet ist Jupiter, er liegt nicht umsonst als n&auml;chster der Gasriesen hinter dem letzten erd&auml;hnlichen Planeten, denn nach au&szlig;en hin nimmt die Dichte ab, die Planeten konnten also immer weniger Masse aufsammeln, so werden die folgenden Gasriesen auch kleiner und jenseits von Neptun konnte kein gro&szlig;er Planet mehr entstehen, dazu war die Dichte zu gering. F&uuml;r die M&ouml;glichkeit der Entstehung von Gasriesen spricht auch, das die Regionen, die sie leerr&auml;umen k&ouml;nnen, viel gr&ouml;&szlig;er sind: Zwischen Erde und Mars oder Venus liegen rund 42 bis 80 Millionen km. Zwischen Jupiter und Mars \/ Saturn sind es 550 bzw. 660 Millionen km.<\/p>\n<p>Kommen wir zur Entstehung der Planeten, speziell der erd&auml;hnlichen Planeten. In der Endphase, als schon sehr viele gro&szlig;e K&ouml;rper entstanden waren, stie&szlig;en diese letzten K&ouml;rper zusammen. Die Oberfl&auml;che des Mondes zeigt noch das Ausma&szlig; des Bombardements, obwohl dieser erst nach dem Zusammensto&szlig; der Erde mit einem anderen Protoplaneten entstand. Dei Protoplaneten verlodern dabei einen Teil ihrer fl&uuml;chtigen Substanzen, die bei der Temperatur beim Aufprall freigesetzt wurden. Ein Teil blieb erhalten. Sehr gro&szlig;e K&ouml;rper werden nicht beim Zusammenprall komplett zerst&ouml;rt, sondern der innere Kern verschmilzt mit dem Kern des anderen Protoplaneten. Damit auch die dort gebunden fl&uuml;chtigen Substanzen. Noch heute setzt die Erde bei Vulkanausbr&uuml;chen Wasser, Stickstoff, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid und Schwefelwasserstoff frei. Ab einer bestimmten Gr&ouml;&szlig;e kann der Protoplanet dann auch Gase selbst binden. Die kleineren verloren wieder die Gase, so sind Asteroiden weitestgehend frei von fl&uuml;chtigen Substanzen. Sp&auml;ter lieferten noch Kometen, die aus dem &auml;u&szlig;eren Sonnensystem durch St&ouml;rungen nach innen gelenkt werden, vor allem fl&uuml;chtige Verbindungen.<\/p>\n<p>Doch entscheidend f&uuml;r die heutige Atmosph&auml;re ist, wie hoch die Gravitationskraft des Planeten ist. Gase haben gem&auml;&szlig; der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Maxwell-Boltzmann-Verteilung\">Stefan-Boltzmannverteilung<\/a> bei jeder Temperatur eine bestimmte Energieverteilung, die einer Geschwindigkeitsverteilung entspricht. Ein kleiner Teil der Molek&uuml;le hat eine so hohe Energie, das die daraus resultierende Geschwindigkeit ausreicht, das Gravitationsfeld des Planeten zu verlassen. So hat keiner der erd&auml;hnlichen Planeten eine gr&ouml;&szlig;ere Menge an freiem Wasserstoff (Atommasse 2) und Helium (Atommasse 4), obwohl diese Elemente die h&auml;ufigsten im Urnebel waren. Jupiter besteht aber zum gr&ouml;&szlig;ten Teil aus diesen Elementen. Er ist aber 318-mal schwerer und hat die 5-fache Fluchtgeschwindigkeit der Erde an der Oberfl&auml;che. Selbst Wasser verliert die Erde noch in gro&szlig;er Menge, allerdings im Verh&auml;ltnis zur vorhandenen Menge ist es wenig. Eine &auml;hnliche Atommasse wie Wasser haben auch Methan (16) und Ammoniak (18). Schwerer und daher weniger fl&uuml;chtig sind Kohlenmonoxid und Stickstoff (beide 28) und Kohlendioxid (44).<\/p>\n<p>So verwundert es nicht das man in den Atmosph&auml;ren von Venus vor allem Stickstoff und Kohlendioxid findet. Beim Mars als kleinsten erd&auml;hnlichen Planeten ist die Atmosph&auml;re sehr d&uuml;nn. Er verliert bis heute mehr Masse als freigesetzt wird. Mond und Merkur waren zu klein, um auch diese schweren Molek&uuml;le zu binden, zumal sie n&auml;her an der Sonne sind als der Mars, die Temperatur also h&ouml;her ist.<\/p>\n<p>Man vermutet, dass die urspr&uuml;nglichen Atmosph&auml;ren aller erd&auml;hnlichen Planeten &auml;hnlich waren. Wasser ist die h&auml;ufigste fl&uuml;chtige Verbindung im inneren Sonnensystem gewesen. Aus ihr wird ein Gro&szlig;teil der Atmosph&auml;re bestanden haben. Dazu kommt Kohlendioxid. &Uuml;ber die Menge der anderen Bestandteile wie Schwefelwasserstoff, Stickstoff, Ammoniak, Kohlenmonoxid und Wasserstoff wird noch diskutiert. Sie heutigen Atmosph&auml;ren entstanden dann durch chemische Reaktionen, aber auch durch Interaktion der Planeten mit der solaren Strahlung. Darum geht es im zweiten Teil des Blogs.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/1a38783109064157b1b938b114188808\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anstatt zu begr&uuml;nden, warum mein vorletzter Blog in der Rubrik &#8222;M&uuml;nchhausens Kolumne&#8220; gelandet ist, will ich mal erkl&auml;ren, wie die Planeten zu ihren Atmosph&auml;ren gekommen sind und wie wir von den heutigen Atmosph&auml;ren r&uuml;ckrechnen k&ouml;nnen was passiert. Fangen wir mal ganz vorne an, n&auml;mlich beim Urknall. 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