{"id":12845,"date":"2017-11-15T09:24:35","date_gmt":"2017-11-15T08:24:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=12845"},"modified":"2017-11-15T09:24:35","modified_gmt":"2017-11-15T08:24:35","slug":"die-im-altertum-bekannten-elemente","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2017\/11\/15\/die-im-altertum-bekannten-elemente\/","title":{"rendered":"Die im Altertum bekannten Elemente"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe mir mal wieder einen Chemieblog vorgenommen, und zwar einen grundlegenden. Wie bekannt gibt es ja rund 100 Elemente. Davon kommen 91 auch in der Natur vor. Sie wurden zu unterschiedlichen Zeiten entdeckt. Schaut man sich die Zeiten an, so gibt es zum einen Elemente f&uuml;r die kann man kein Datum oder Entdecker nennen. Dann einige wenige, die im Mittelalter und der Renaissance entdeckt wurden. Richtig viele wurden erst im 19 Jahrhundert entdeckt. Das ebbte dann im 20-sten langsam ab und dann gab es noch eine Welle nach Entdeckung der Kernspaltung, als man in Kernreaktoren neue Elemente erzeugte.<\/p>\n<p>Ich will mal auf die schon im Altertum bekannten Elemente eingehen, also die ohne Datum. Das sind die Elemente Blei, Eisen, Gold, Kohlenstoff, Kupfer, Quecksilber, Schwefel, Silber und Zinn.<!--more--><\/p>\n<p>Die meisten Elemente haben eine Gemeinsamkeit: Sie kommen als Element in der Natur vor. Bei Gold ist das klar. Das Element ist so edel, das es fast keine Verbindungen eingeht. Das gleiche gilt f&uuml;r Silber, auch wenn der gr&ouml;&szlig;te Teil des Silbers in Erzen vorkommt. Auch Kupfer ist noch ein edles Metall, das gediegen in der Natur vorkommt. Erstaunlicherweise gilt das auch f&uuml;r den Schwefel, der an sich sehr reaktionsf&auml;hig ist. Man findet ihn aber in der unmittelbaren Umgebung von Vulkanen, wo er freigesetzt wird. Daneben auch in Form von Lagerst&auml;tten, wo er durch bakterielle Reduktion entstand.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/612f836c0b234858a78f887903118503\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Eisen ist zu unedel als das es in der Erdkruste als Element vorkommt, obwohl es um Gr&ouml;&szlig;enordnungen h&auml;ufiger als Kupfer, Silber und Gold ist: die braune Farbe von Lehm oder Ton beruht auf dem Eisengehalt. Es gibt fast keinen Boden ohne Eisen. Es gibt aber Eisen-Nickelmeteoriten, das sind relativ seltene Meteoriten, die zum Gro&szlig;teil aus Eisen bestehen und die hat man schon im Altertum gesammelt. Eisen ist so lang bekannt gewesen, war aber lange Zeit nur Schmuckmetall, aufgrund des seltenen Vorkommens. Erst mit der Reduktion von Eisenerz mit Kohle in der Eisenzeit wurde es ein weitverbreitetes Metall, denn Eisen ist relativ h&auml;ufig in der Erdkruste, viel h&auml;ufiger als Kupfer und Zinn die vorher f&uuml;r Metallgegenst&auml;nde genutzt wurden.<\/p>\n<p>Kohlenstoff kommt in der Natur an und f&uuml;r sich auch nicht elementar vor, wenn man von Diamanten absieht. Doch durch Reduktion von Pflanzenstoffen &uuml;ber Jahrmillionen werden diese zu Kohlenstoff, den man als Kohle schon im Altertum abbaute. Daneben kann man Kohlenstoff leicht erzeugen, wenn man organisches Material unter Luftabschluss verbrennt. Dann wird der Sauerstoff vordringlich mit dem Wasserstoff, mit dem es die gr&ouml;&szlig;ere Elektronegativit&auml;tsdifferenz gibt, eine Verbindung eingehen. &Uuml;brig bleibt der Kohlenstoff.<\/p>\n<p>Auch Blei tritt elementar vor, aber relativ selten. Es ist auch nicht wie Eisen ein sehr h&auml;ufiges Element, sondern kommt in etwa so oft wie Zinn vor, aber lange nicht so h&auml;ufig wie Kupfer. Trotzdem wurde es schon im Altertum breit verwendet. Die R&ouml;mer machten Abwasserrohre aus Blei, weil das Metall sehr leicht verformbar ist, und brauchten dazu enorme Mengen. Das ist insofern erstaunlich, weil man f&uuml;r die Herstellung von Blei zwei Schritte ben&ouml;tigt: Zuerst muss man die sulfidischen Erze in Bleioxid umwandeln. Dazu erhitzt man die Erze (\u201eR&ouml;sten\u201c). Dann wie Eisen mit Kohle reduzieren. Ich vermute man hat, nachdem man die Eisenherstellung entdeckt hatte, einfach den Prozess der Reduktion mit Kohlenstoff auf andere Mineralien &uuml;bertragen. Erstaunlicherweise hat man das bei Zinn wesentlich fr&uuml;her durchgef&uuml;hrt. Wahrscheinlich, weil es technisch einfacher ist \u2013 die Temperaturen sind viel niedriger.<\/p>\n<p>Es wundert nicht, das die meisten ersten so entdeckten Elemente Metalle waren \u2013 sie waren schlicht und einfach die einzigen n&uuml;tzlichen f&uuml;r die sich eine aufwendige Aufarbeitung von Erz &uuml;berhaupt lohnte. Selbst heute kommen die meisten von uns mit reinen Elementen nur in Ber&uuml;hrung, wenn es Metalle sind. Zugegeben, das sind auch die meisten Elemente.<\/p>\n<p>Was ich vielmehr interessant finde, ist das viele Elemente der Entdeckung lange Zeit entgingen. Ich will nicht von Elementen reden, die man nicht leicht gewinnen kann, f&uuml;r die man forschen muss \u2013 der Antrieb f&uuml;r die Metalle war ja das man sie praktisch nutzen konnte. So besteht die Luft aus einigen Elementen. Man muss nur einige davon abtrennen und hat eines in fast reiner Form. Mir fiel beim Durchsehen der Entdeckungstabelle auf, das die Gruppe der Platinmetalle erst sehr sp&auml;t entdeckt wurden. Die Platinmetalle, das sind die Elemente Platin, Iridium, Osmium, Rhodium, Ruthenium und Palladium. Sei haben viele Eigenschaften, die auch Gold hat (das kein Platinmetall ist sondern zur Kupfergruppe geh&ouml;rt): Sie sind chemisch weitestgehend inert und kommen daher elementar vor. Wie Gold h&auml;tte man sie also einfach aufsammeln k&ouml;nnen. Zumindest Platin als erstes entdecktes Element ist auch in etwa so h&auml;ufig wie Gold. Palladium und Osmium kommen sogar noch h&auml;ufiger vor. Ich vermute es liegt einfach an der Farbe. Die Platinmetalle sind von silber bis silbergrauer Farbe. Es fehlt der warme Farbton des Goldes. Die dazu gef&uuml;hrt hat, dass man es schon im Altertum gesammelt und zu Schmuck verarbeitet hat. Man hat das auch mit Platin gemacht, wie man inzwischen wei&szlig;. Es gibt &auml;gyptische und s&uuml;damerikanische Schmuckst&uuml;cke mit Platin. Aber wahrscheinlich haben es die Leute nur f&uuml;r Silber gehalten und das ist viel h&auml;ufiger und damit weniger wertvoll als Gold. Zeitweise hat man sogar Tonnen von Platin im Meer versenkt, nachdem es &uuml;blich wurde, mit dem Metall Gold zu strecken \u2013 anders als bei Silber kann man das n&auml;mlich nur schwer feststellen. Silber hat eine niedrigere Dichte als Gold. Man kann durch Volumenbestimmung eines Schmuckst&uuml;cks leicht bestimmen, ob es mit Silber gestreckt wurde, wie schon Archimedes 200 v. Chr. feststellte. Platin hat aber nahezu die gleiche Dichte wie Gold.<\/p>\n<p>Das die Nachfrage den Wert ausmacht sieht man auch an F&ouml;rdermengen und Preis. Auch wenn alle Platinmetalle nicht billig sind, ist ihr Preis doch niedriger als der Goldpreis und die F&ouml;rdermenge ebenfalls, obwohl einige bis zu f&uuml;nfmal seltener als Gold sind. Das man die anderen Platinmetalle nicht fr&uuml;her entdeckt hat wundert mich eher weniger, sie gibt es selten in Form von Nuggets, sondern eher in erzen und sie kommen meist gemeinschaftlich vor, also nicht in Reinform. Gewonnen werden sie heute meist nicht sondern fallen beim Abbau von anderen Erzen, vor allem Silber und Kupfer mit an.<\/p>\n<p>Falls ihr die Platinmetalle nicht kennt. Keine Bange, die werden auch selten eingesetzt. Platin hat noch eine gewisse Bedeutung im Alltag fr&uuml;her war es das Material f&uuml;r Schmuck f&uuml;r Leute, die Understatement betrieben: es sieht aus wie Silber, kostete aber lange fast genauso viel wie Gold (bevor der Goldpreis so in die H&ouml;he schoss) und l&auml;uft auch nicht an. Daneben wird es als Katalysator genutzt. In unserem Praktikum wurden Elektrolysen mit Platinelektroden durchgef&uuml;hrt. &Uuml;brigens das einzige Laborger&auml;t, das vor und nach dem Abgeben jeweils penibel aufs Milligramm gewogen wurde. Auch die anderen Platinelemente werden oft als Katalysator also um Reaktionen leichter durchf&uuml;hren zu k&ouml;nnen eingesetzt.<\/p>\n<p>Palladium wird f&uuml;r katalytische Legierungen in der organischen Chemie genutzt. Osmium ist wichtig f&uuml;r die Herstellung von Stereoisomeren, ich glaube f&uuml;r eine Methode, bei der man Osmium einsetzte, gab vor einigen Jahren einen Nobelpreis. Rhodium wurde mal in der Anfangszeit in Autokatalysatoren eingesetzt, ist inzwischen aber glaube ich durch Billigeres ersetzt. Iridium kenne ich nur vom Urmeter und als auff&auml;lliges Element in der Kreide-Terti&auml;rgrenze. Und Ruthenium? Ohne Nachschlagen w&uuml;sste ich nicht, wozu man es braucht. Ein Kommolitone wusste das damals in einem Kolloquium auch nicht und ist deswegen aus dem Labor geflogen. Ich hatte mehr Gl&uuml;ck und wurde nur &uuml;ber \u201enormale\u201c Nebengruppenelemente wie Chrom und Vanadium befragt.<\/p>\n<p>Das leitet mich zu anderen \u201e&uuml;bersehenen\u201c Elementen &uuml;ber. Es gibt ja noch viele andere Metalle. Selbst wenn man die seltenen oder mit den damaligen Mitteln nicht aus ihren Verbindungen isolierbaren ausklammert, (wie Aluminium und Titan) bleiben etliche &uuml;brig. Die man wohl &uuml;bersehen hat \u2013 nun ja nicht ganz. Wolframerz, Nickelerz und Cobalterz kannte man schon im Mittelalter. Den Namen erhielten die Elemente nach den Erzen, die von den Berggeistern &#8222;Nickel&#8220; oder Kobolden verhext wurden oder die man als \u201eWolfschaum\u201c ansah \u2013 die Erze sehen aus wie Silbererze, enthalten aber kein Silber. Dar&uuml;ber &auml;rgerten sich die Bergleute nicht wenig.<\/p>\n<p>Die meisten Elemente hat man erst entdeckt, als in der Neuzeit die Menschen Wissenschaft betrieben. F&uuml;r mich ein echtes R&auml;tsel: W&auml;hrend Kunst, Himmelsbeobachtung oder Mathematik sich bis in die Antike zur&uuml;ckverfolgen lassen, kann man das erforschen, untersuchen erst ab die Zeit ab 1600 festmachen. Die Griechen kamen zwar auch zu einigen Erkenntnissen, aber nur durch nachdenken, was auch zu ziemlich falschen Theorien f&uuml;hrte (das Gehirn ist eine Klimaanlage des K&ouml;rpers, die Sonne dreht sich um die Erde). Die meisten Elemente hat man im 18 und 19 Jahrhundert entdeckt. Zuerst die, die man durch chemische Reduktion aus ihren Elementen befreien konnte, dann als es Elektrizit&auml;t gab auch die, die man nur durch Elektrolyse oder &auml;hnlichen Verfahren isolieren kann. So wurde Aluminium das dritth&auml;ufigste Element der Erdkruste (7,6%) erst 1827 entdeckt. Napoleon der III hatte Geschirr aus Aluminium, das war damals wertvoller als Gold.<\/p>\n<p>Soviel f&uuml;r heute. Ich habe, nachdem mich Elendsoft informiert hat, das er gut mit dem Korrekturlesen des ersten Bandes vorankommt an den zweiten Band gemacht. Eigentlich wollte ich ja ein bisschen Pause machen und wieder was programmieren. Derzeit bin ich bei 1998 (Cassini) und komme mit 1-2 Missionen pro Tag vorw&auml;rts, sodass es mit etwas Gl&uuml;ck bis Ende Dezember an die Korrekturleser gehen kann, aber sicherlich Mitte Januar. Mir auch recht, wenn ein Projekt mal schnell abgeschlossen ist und sich nicht &uuml;ber Jahre hinzieht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe mir mal wieder einen Chemieblog vorgenommen, und zwar einen grundlegenden. Wie bekannt gibt es ja rund 100 Elemente. Davon kommen 91 auch in der Natur vor. Sie wurden zu unterschiedlichen Zeiten entdeckt. Schaut man sich die Zeiten an, so gibt es zum einen Elemente f&uuml;r die kann man kein Datum oder Entdecker nennen. 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