{"id":12854,"date":"2017-11-21T10:45:09","date_gmt":"2017-11-21T09:45:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=12854"},"modified":"2017-11-21T10:45:09","modified_gmt":"2017-11-21T09:45:09","slug":"up-up-and-away","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2017\/11\/21\/up-up-and-away\/","title":{"rendered":"Up, Up and Away"},"content":{"rendered":"<p>Eine zweite M&ouml;glichkeit f&uuml;r eine Venuslandesonde l&auml;nger zu senden w&auml;re folgende: Sobald die Landesonde gelandet ist, macht sie die Aufnahmen, bl&auml;st gleichzeitig einen Ballon auf und der tr&auml;gt sie dann ganz schnell wieder in eine sichere H&ouml;he. Dort hat man gen&uuml;gend Zeit die Daten zu &uuml;bertragen und k&ouml;nnte dann den Ballon ablassen und wieder sinken, so bek&auml;me man zwei Landepl&auml;tze untersucht, ja bei gen&uuml;gend Gas sogar mehrere. Doch geht das? Zeit dem Mal nachzugehen.<\/p>\n<p>Der Mechanismus ist relativ einfach. Bei gegebenem Druck und Temperatur nimmt jedes Gas ein bestimmtes Volumen ein. Gase aus unterschiedlichen Molek&uuml;len wiegen aber unterschiedlich viel. Die Atmosph&auml;re der Venus besteht aus 96,4 % Kohlendioxid mit kleinen Spuren anderer Gase. Die mittlere Molmasse betr&auml;gt 43,5. Wir w&uuml;rden f&uuml;r einen Ballon Wasserstoff (Molmasse 2) oder Helium (Atommasse 4) als Gas nehmen. Wie viel Gas wir ben&ouml;tigen, l&auml;sst sich dann leicht berechnen. 1 Mol Venusatmosph&auml;re wiegt 43,5 g. 1 Mol Helium nur 4. Damit unsere Sonde nur schwebt, kann pro Mol Helium also 39,5 g angehoben werden. Oder pro Kilogramm Helium 9,75 kg Sonde. Damit kann man eine erste Absch&auml;tzung machen. Nehmen wir an wir setzen 60 kg Helium ein. Die Gr&ouml;&szlig;e ist nicht willk&uuml;rlich gew&auml;hlt, das ist in etwa die Menge, die in 3 <a href=\"http:\/\/www.dtic.mil\/get-tr-doc\/pdf?AD=ADA445482\">Heliumflaschen<\/a> f&uuml;r die Ariane 5 stecken \u2013 die fassen bei 300 l und 400 Atmosph&auml;ren 21,4 kg Helium pro Flasche. Leider wiegt eine Flasche aber auch 93 kg, sodass wir von den rund 585 kg die wir anheben, k&ouml;nnen schon mal 279 kg f&uuml;r die drei Flaschen abziehen k&ouml;nnen. In der Praxis sogar mehr, da man sie bei 90 Bar Au&szlig;endruck nur zu \u00be leer machen kann. Man k&ouml;nnte zwar im Druck h&ouml;her gehen (der Pr&uuml;fdruck ist um den Faktor 1,5 h&ouml;her, der Berstdruck um den Faktor 2), aber sie wird ja auch w&auml;rmer, wenn auch wegen der dicken H&uuml;lle nicht so schnell und damit steigt der Druck an.<!--more--><\/p>\n<p>Das N&auml;chste ist der Auftrieb. Der Auftrieb entspricht der verdr&auml;ngten Luft. Am Boden hat die nach Venera eine Dichte von 0,0635 g\/cm\u00b3. W&uuml;rde nun unser Gef&auml;hr genauso viel wiegen wie die verdr&auml;ngte Luft, so schwebt es. Damit es aufsteigt, muss es weniger wiegen und die Geschwindigkeit ist dann einfach F\/m. Bei Venusbedingungen w&uuml;rden so schon 10,1 m\u00b3 Volumen ausreichen, damit die Sonde schwebt. Bei 12 m\u00b3 beschleunigt der Lander mit 0,18 m\/s. Dehnt sich der Ballon auch simultan zur Druckabnahme aus, der Au&szlig;endruck nimmt ja ab, so w&uuml;rde man nach 730 s 48 km H&ouml;he erreichen, in denen eine Temperatur von etwa 80 Grad herrschen. Das halte ich f&uuml;r langfristig tolerierbar f&uuml;r eine Sonde. Mann k&ouml;nnte das innere dann auf 40-60 Grad mit vertretbarem Aufwand k&uuml;hlen.<\/p>\n<p>Das Problem: Die Dichte ist dort 34-mal kleiner, der Ballon muss sich also um die gleiche Menge ausdehnen. Bei der Erde erreichen aber Ballone 50 km H&ouml;he, da betr&auml;gt das Druckverh&auml;ltnis sogar 1:875.<\/p>\n<p>Das leitet zum letzten Punkt &uuml;ber \u2013 das Material f&uuml;r den Ballon. Er m&uuml;sste elastisch sein, da bei Entfalten ein Druck von 90 Bar herrscht, beim Aufstieg geht er auf unter 3 Bar zur&uuml;ck. Das Problem: ich kenne keinen Kunststoff der 460 bis 480 Grad aush&auml;lt und auf die Temperatur kommt die H&uuml;lle, die ja d&uuml;nn ist recht schnell. Teflon als best&auml;ndigster Kunststoff auf Kohlenstoffbasis kommt lange nicht hierhin. Silikone erreichen den Temperaturbereich doch, ob sie so elastisch sind?<\/p>\n<p>Immerhin bei einem <a href=\"http:\/\/www.kelux-hochleistungswerkstoffe.de\/kelutherm\/\">Hersteller<\/a> steht drin, woraus seine Kunststoffe bestehen: Glimmerpapier mit Silikonharz. Die abgebildeten Werkst&uuml;cke sind aber alle in einer festen Form, also nicht in einer Folie. Wenn dies m&ouml;glich w&auml;re, so k&ouml;nnte man einen solchen Kunststoff einsetzen. Wenn man die leeren Heliumflaschen abtrennt, die muss man ja nicht mitschleppen, dann w&uuml;rde man f&uuml;r einen Ballon von 70 m\u00b3 Volumen einen Ballon von etwa 5,2 m Durchmesser, bei 1 mm St&auml;rke und Dichte 2,2 wiegt der alleine 152 kg, was dann nicht mehr viel f&uuml;r die Landesonde &uuml;brig l&auml;sst.<\/p>\n<p>Eine Alternative w&auml;re Metallfolie. Sie ist nur kaum elastisch. Man wird sicher einen Ballon aus Aluminiumfolie bauen k&ouml;nnen, aber ob dieser es aush&auml;lt aufgeblasen zu werden ohne Leck?<\/p>\n<p>Rein theoretisch k&ouml;nnte auch die ganze Kapsel schweben. Nehmen wir nochmals obige Gasflasche f&uuml;r Helium von EADS. Da nach der Kesselformel, die Masse eines Beh&auml;lters nur vom Druck, nicht aber Volumen abh&auml;ngt, w&uuml;rde sie bei 90 Bar (nun Au&szlig;en, nicht Innendruck) nur noch 21 kg wiegen. Die 300 l die sie fasst wiegen (als Venusatmosph&auml;re) 19,1 kg, also nur wenig darunter. Wenn man nun die Kapsel intern unter Druck setzt, kann man die Wanddichte verkleinern \u2013 das Equipment m&uuml;sste das nat&uuml;rlich aushalten. Ein Massenspektrometer w&auml;re so au&szlig;en vor, aber Temperatur + Drucksensoren aber auch Kameras und Elektronik h&auml;tten wohl kein Problem damit (bei Kameras m&uuml;sste man eben Bel&uuml;ftungsl&ouml;cher in die Tuben einbringen). Dann k&ouml;nnte man eine Kapsel mit einer d&uuml;nnen H&uuml;lle fertigen uns m&uuml;sste die nur beim Abstieg unter Druck setzen, immer etwas h&ouml;her als der Au&szlig;endruck, damit sie f&auml;llt. Der Fall dauert dann nat&uuml;rlich auch sehr viel l&auml;nger. Am Boden angekommen wirft man die verbrauchte Gasflasche ab, entl&auml;sst eventuell etwas Gas, aber nicht zu viel, dass die H&uuml;lle noch standh&auml;lt, und steigt auf. W&auml;hrend des Aufstiegs muss man dann laufend weiter Gas ablassen, bis man in Zielh&ouml;he gekommen ist. Da man nun leichter ist als am Anfang geht das nur einmal, au&szlig;er man l&auml;sst Venusatmosph&auml;re ein, was aber dann die Kapsel beim Sinken recht schnell aufheizen w&uuml;rde.<\/p>\n<p>Als Res&uuml;mee: Vielleicht klappt es theoretisch, praktisch w&uuml;rde ich mich nicht drauf verlassen. Was ich f&uuml;r m&ouml;glich halte, w&auml;re eine Pendelsonde, die zwischen einer H&ouml;he die einen l&auml;ngeren Betrieb erm&ouml;glicht und einer H&ouml;he pendelt, in der man den Boden sieht. Wann man den Boden sieht, wei&szlig; man nicht. Es gibt nur Daten &uuml;ber die Aerosole, die unterhalb der Wolken drastisch abnehmen. Aber selbst kleine Mengen reichen bei der dichten Atmosph&auml;re aus, um die Sicht zu tr&uuml;ben. Ein Beispiel habe ich direkt vor der Haust&uuml;r. Ich kann die etwa 50 km entfernte schw&auml;bische Alb sehen. Doch selbst nach Regen, wenn die Luft klar ist, sieht man da nur wenige Details und das bei nur 1 Bar Druck. Wenn man ein Temperaturniveau von 260 \u00b0C nicht &uuml;berschreitet, kann man Teflon als Ballonmaterial nehmen. 260\u00b0C entsprechen bei der Venus etwa 25 km H&ouml;he bei 14,2 Bar Au&szlig;endruck und 0,0139 g\/cm\u00b3 Dichte. Aufgrund der hohen Dichte w&auml;re ein Ballon klein, die H&uuml;lle m&uuml;sste aber nur 15 Bar anstatt 90 Bar aushalten, was sie bedeutend leichter macht. Ich habe mal gesucht und dieser <a href=\"https:\/\/ntrs.nasa.gov\/archive\/nasa\/casi.ntrs.nasa.gov\/20110016033.pdf\">Artikel<\/a> nimmt eine H&ouml;he von 16 km an. Das w&auml;re ein 340\u00b0C Temperaturniveau, also deutlich h&ouml;her. Auf der anderen Seite, wenn dies nicht als absolute H&ouml;he gilt, sondern H&ouml;he &uuml;ber Grund dann w&auml;ren zumindest die h&ouml;chsten berge (Maxwell Montes) mit 10,4 km H&ouml;he noch abbildbar.<\/p>\n<p>Solange man aber das nicht mal pr&uuml;ft, z.B. mit einer Sonde die beim Abstieg Bilder macht und &uuml;bertr&auml;gt wird man auch diesen zweiten Schritt nicht angehen. Dabei w&auml;re dann eine Sonde bei gen&uuml;gend Helium m&ouml;glich, die einige Zyklen absolviert, zwischen Aufnahme und Erreichen einer sicheren H&ouml;he.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/612f836c0b234858a78f887903118503\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine zweite M&ouml;glichkeit f&uuml;r eine Venuslandesonde l&auml;nger zu senden w&auml;re folgende: Sobald die Landesonde gelandet ist, macht sie die Aufnahmen, bl&auml;st gleichzeitig einen Ballon auf und der tr&auml;gt sie dann ganz schnell wieder in eine sichere H&ouml;he. 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