{"id":1293,"date":"2007-06-12T12:34:10","date_gmt":"2007-06-12T10:34:10","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/2009\/06\/10\/1293\/"},"modified":"2009-06-10T12:35:16","modified_gmt":"2009-06-10T10:35:16","slug":"1293","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2007\/06\/12\/1293\/","title":{"rendered":"Fast ein Jahr Web-Log"},"content":{"rendered":"<p>Nicht ganz ein Jahr, das ist erst &uuml;bermorgen, aber ich habe mir vor einem \tJahr vorgenommen. so alle 2 Wochen ein Log zu ver&ouml;ffentlichen (ich sage \tbewusst nicht Blog, weil ich nicht vorhabe mein Leben hier &ouml;ffentlich zu \tmachen, sondern es mir mehr um meine Gedanken geht). Mit Nr. 27 habe ich das \tgeschafft, obwohl mir stellenweise &uuml;ber Wochen nix eingefallen ist.<\/p>\n<p>Beginnen wir mit dem zweiten Jahr mit einem Raumfahrtthema &#8211; Was auch \tsonst, denn es ist mein Hobby und die alten Logs enthalten dazu massig viel. \tEs ist viel einfacher hier aktuelle Ereignisse aufzugreifen anstatt dauernd \tAufs&auml;tze zu editieren, die dann nach einem Jahr nicht mehr aktuell sind.<\/p>\n<p>Heute geht es um die n&auml;chste Mars Sonde Phoenix.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left\" src=\"\/img\/phoenix3.jpeg\" alt=\"Phoenix\" width=\"600\" height=\"554\" \/>Phoenix ist derzeit im Cape Kennedy und soll am 3.8.2007 starten. An und \tf&uuml;r sich ist dies nichts soo aufregendes, seit 1997 starten die USA in jedem \tStartfenster zum Mars 1-2 Sonden, auch 2009 ist eine geplant. Das besondere \tist, dass Phoenix keine neue Sonde ist. Phoenix hatte urspr&uuml;nglich den \tProjektnamen &#8222;Mars 2001 Surveyor Lander&#8220; und war wie der Name verr&auml;t f&uuml;r \teinen Start im Jahre 2001 vorgesehen.<\/p>\n<p>Der Verlust des Polar Landers, auf dessen Technologie Phoenix basiert im \tJahre 1999 f&uuml;hrte zu einem Strategiewechsel. Im Jahre 1999 gingen beide \tMarssonden der NAS verloren. Ursachen waren, wie man sp&auml;ter feststellte \tM&auml;ngel im Projekt. Die neuen Marssonden sollten viel preiswerter als die \talten werden und trotzdem die gleiche Leistung bringen und dadurch gab es \tFehler. Beim Mars Climate Orbiter war das Team zu unerfahren und klein um \teinen Navigationsfehler verursacht durch eine ungen&uuml;gende Abstimmung mit \tdem Hersteller der Software nicht zu bemerken und beim Mars Polar Lander \tlieferte ein Sensor beim Aktiveren zuerst verwirrende Signale, die man durch \tein Softwareupdate h&auml;tte erkennen k&ouml;nnen. Ein Test des Sensors unterblieb \taus Kostengr&uuml;nden und die Ursache erkannte man erst als man den baugleichen \tSensor bei Phoenix testete.<\/p>\n<p>Als Folge investierte man die Mittel die man f&uuml;r den 2001 vorgesehenen \tLander zur Verf&uuml;gung stellte in den Orbiter um hier M&auml;ngel im Management \tabzustellen und die Sonde besser durchzuchecken. Der Lander wurde fertig \tgebaut, dann eingelagert und erst mal vergessen. Als f&uuml;r 2007 die n&auml;chste \tMission ausgeschrieben wurde war unter den Vorschl&auml;gen auch der den Lander \tnun zu starten, nat&uuml;rlich general&uuml;berholt und teilweise mit verbesserten \tInstrumenten (so hat die Kamera nun z.B. CCD Sensoren mit 1 MPixel Fl&auml;che \tanstatt 0.128 MPixel).<\/p>\n<p>Die Mission ist wie beim Mars Polar Lander nahe des Pols zu landen um \tdort Untersuchungen anzustellen. Der Lindert wurde so gew&auml;hlt, weil man \tdort zum einen Eis unterhalb des Bodens erwartet und zum anderen im Sommer \tman sehr viel Sonne &uuml;ber 120-150 Tage hat, so lange soll die Prim&auml;rmission \tdauern.<\/p>\n<p>Doch Phoenix ist auch ein Beispiel wie teuer eine Mission werden kann \twenn man sie verschiebt. Urspr&uuml;nglich sollte der Lander in etwa genauso \tteurer werden wie ein Vorg&auml;nger Mars Polar Lander. Er wurde aber erheblich \tteurer. Das zeigt dieser Vergleich:<\/p>\n<table id=\"table1\" border=\"1\">\n<tbody>\n<tr>\n<th><\/th>\n<th>Mars Polar Lander<\/th>\n<th>Phoenix<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Raumsonde<\/td>\n<td>110 Millionen US-$<\/td>\n<td>154 Millionen US-$<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Instrumente<\/td>\n<td>(mit dabei)<\/td>\n<td>54 Millionen US-$<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Start<\/td>\n<td>54 Millionen US-$<\/td>\n<td>79 Millionen US-$<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Missionsdurchf&uuml;hrung<\/td>\n<td>10 Millionen US-$<\/td>\n<td>98.3 Millionen US-$<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Nun muss man nat&uuml;rlich die Inflation ber&uuml;cksichtigen und dass zus&auml;tzliche \tKosten angefallen sind durch das Einlagern. Die Kosten von Tr&auml;gerrakete und \tRaumsonde sind daher nicht so viel h&ouml;her als man meint. Das weitere Kosten \tanfielen um die Experimente zu verbessern ist auch klar, erh&ouml;ht aber auch \tden Nutzen der Mission. Der Hauptunterschied sind die \tMissionsdurchf&uuml;hrungskosten. Hier stecken zum einen die Erfahrungen er NASA \tbeim Verlust der Raumsonden 1999, nun verf&uuml;gt man &uuml;ber mehr Personal und \tmehr Kapazit&auml;ten, dieser enorme Anstieg repr&auml;sentiert aber auch, dass man \tpraktisch zwischen 2003 und 2007 nochmals die Ausgaben f&uuml;r die Teams hatte \tdie man bis 2001 schon hatte, weil diese nun die Sonde reaktivieren mussten, \tdie &Auml;nderungen die seitdem anfielen umsetzen mussten und und und&#8230;.<\/p>\n<p>Das ist etwas sehr typisches f&uuml;r Raumfahrtprogramme: Das Fachpersonal \tmuss erhalten werden. Man kann es nicht einfach entlassen und damit sein \tFachwissen verlieren. Also fallen Kosten an, auch wenn sich nichts am \tProjekt tut. Noch wirksamer ist es mehrfach um zu planen, dann braucht man \tsogar noch zus&auml;tzliches Personal. Bei dem Vorl&auml;ufer der ISS, der Raumstation \tFreedom, sp&auml;ter Alpha hat man &uuml;ber 10 Jahre Planung (die laufend ge&auml;ndert \twurde) mehr als 8 Milliarden Dollar ausgeben. Soviel sollte die Raumstation \turspr&uuml;nglich mal kosten, doch dies war zu teuer. Ein anderes Beispiel ist \tdie Raumsonde Galileo. Galileo wurde aus zwei Gr&uuml;nden recht teuer: Zum \teinen die st&auml;ndigen Ver&auml;nderungen des Startplanes (Verschiebung des Starts \tum Jahre, mehrfacher Wechsel der Oberstufe und Tr&auml;gerrakete) und dann die \tdurch den Verlust des Space Shuttles Challenger bedingte Ver&auml;nderung der \tReiseroute (6 Jahre Flugzeit anstatt 2) und die Verschiebung des Starts um 3 \tJahre.<\/p>\n<p>Hierzu auch einige Daten:<\/p>\n<table id=\"table2\" border=\"1\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><strong>Zeit<\/strong><\/td>\n<td><strong>Startzeitpunkt<\/strong><\/td>\n<td><strong>Kosten [Mill $]<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Nov. 1977<\/td>\n<td>4.1.1982<\/td>\n<td>285<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>1979<\/td>\n<td>5\/1984 und? 7\/1985<\/td>\n<td>395-485<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Feb. 1982<\/td>\n<td><\/td>\n<td>700<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Mai 1985<\/td>\n<td>5\/1986<\/td>\n<td>865<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Oktober 1989<\/td>\n<td>Oktober 1989<\/td>\n<td>1354<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Der Ankunftstermin am Jupiter verschob sich entsprechend von Juni 1984 \tauf Dezember 1995. Nat&uuml;rlich gab es bei Galileo wie in anderen Projekten \tauch Kosten&uuml;berschreitungen. Die ISS kostet heute wegen der Verz&ouml;gerungen \tdie entstanden sind zum einen durch nicht rechtzeitig fertiggestellte \tBauelemente wie auch den Verlust der Columbia bis heute weitaus mehr , als \tman f&uuml;r die Raumstation urspr&uuml;nglich &uuml;ber die gesamte Betriebsdauer von 15 \tJahren ausgeben wollte.<\/p>\n<p>Was zieht man als Lehre daraus: Ein Raumfahrtprojekt sollte man m&ouml;glichst \t&#8222;durchziehen&#8220; &#8211; Jede Verz&ouml;gerung verteuert es nur unn&ouml;tig. Es ist nun mal \tnicht wie bei einem Ratenkauf wo man f&uuml;r die doppelte Laufzeit nur \tunerheblich mehr zahlt als f&uuml;r die einfache. Doch diese Erkenntnis ist \tleider nicht bei den Politikern angekommen. Insbesondere in den USA werden \tgerne mal die Gelder f&uuml;r Missionen gek&uuml;rzt, was im Endeffekt immer eine \tVerteuerung bedeutet hat.<\/p>\n<p>Wie kann man die Kosten f&uuml;r Missionen senken? Nun es geht eigentlich \trecht einfach. Bei Satelliten handelt es sich in der Regel um \tEinzelexemplare. Die entwicklungskosten sind sehr hoch und die \tFertigungskosten dann relativ gering. Ideal w&auml;re also wenn man ein und \tdenselben Satelliten oder Raumsonde mehrfach nutzen k&ouml;nnte. Bei Satelliten \tist dies der Fall. Meteorologische Satelliten werden in Kleinserien von 3-6 \tExemplaren gefertigt, dann eingelagert und &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum \tgestartet. Kommunikationssatelliten bestehen aus einem gemeinsamen Bus und \tindividueller Kommunikationsnutzlast. Ab und an wird auch ein Satellit nach \teinem Verlust nachgebaut, so z.B. Cluster II und Cryosat II. Dann fallen nur \t33-50 % der Kosten f&uuml;r das erste Exemplar an.<\/p>\n<p>Bei Planetensonden ging dies in der Regel noch nicht. Es gab jedoch \teinige Ausnahmen: Mariner 5 war ein umgebautes Mariner 4 Reserve-Exemplar \tf&uuml;r die Reise zur Venus, Mariner 8+9 basierten weitgehend auf Mariner 6+7 \tund waren trotz anspruchsvollerer Mission preiswerter. Pioneer Venus \tbenutzte einen gemeinsamen Bus f&uuml;r den Orbiter und die Proben.<\/p>\n<p>Im Normalfall verhindern spezifische Missionsanforderungen das einfache \tbenutzen einer schon existierenden Sonde. Man erhoffte sich vom Space \tShuttle eine solche Reduzierung der Startkosten, dass man jedoch einen \tgemeinsamen, nicht optimierten Bus f&uuml;r viele Missionen einsetzen k&ouml;nnte und \tso man trotz h&ouml;herer Startmasse (gleichbedeutend mit h&ouml;heren Kosten) einen \tGewinn vorweisen kann. Doch wie wir alle wissen kam es anders.<\/p>\n<p>Was immer m&ouml;glich ist, ist mehrere Sonden zu bauen und diese zu starten: \tDie zweiet oder dritte bekommt man dann zu einem Bruchteil der Kostend er \tersten. Solange die Technologie nicht so zuverl&auml;ssig war wie heute und \tRaketenstarts relativ preiswert, etwa bis Mitte der 70 er Jahre tat man dies \tauch. Heute ist der Vorteil gering. Bei den Gesamtkosten des Phoenix macht \tdie Raumsonde nur einen kleinen Anteil aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht ganz ein Jahr, das ist erst &uuml;bermorgen, aber ich habe mir vor einem Jahr vorgenommen. so alle 2 Wochen ein Log zu ver&ouml;ffentlichen (ich sage bewusst nicht Blog, weil ich nicht vorhabe mein Leben hier &ouml;ffentlich zu machen, sondern es mir mehr um meine Gedanken geht). 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