{"id":12931,"date":"2018-01-05T10:57:54","date_gmt":"2018-01-05T09:57:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=12931"},"modified":"2018-01-05T16:51:20","modified_gmt":"2018-01-05T15:51:20","slug":"was-lief-schief-bei-schiaparelli","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2018\/01\/05\/was-lief-schief-bei-schiaparelli\/","title":{"rendered":"Was lief schief bei Schiaparelli?"},"content":{"rendered":"<p>So, da offensichtlich nur mich die M&auml;ngel im Raumsondenbau interessieren, schiebe ich mal ein Thema ein, zu dem jeder zumindest eine Meinung hat: Dem Verlust von Schiaparelli. Der Teil 3 kommt dann noch. Mal ne R&uuml;ckfrage: Sind die Blogs zu technisch? Sie entstehen eben, wenn ich wie jetzt &uuml;ber Raumsonden schreibe, praktisch als Abfallprodukt beim Recherchieren und Nachdenken.<\/p>\n<p>Ich habe bei der Gelegenheit auch den Artikel &uuml;ber die Mission der 2016-er Exomars aktualisiert. Da wurde schon im Mai der Bericht der Kommission ver&ouml;ffentlicht. Ich habe ihn erst mal ignoriert, schlussendlich waren schon genug Details vorher bekannt gewesen, die ich aufgenommen und verarbeitet habe.<\/p>\n<p>So ganz bin ich beim Durchlesen des <a href=\"http:\/\/exploration.esa.int\/science-e\/www\/object\/doc.cfm?fobjectid=59175\">offiziellen Textes<\/a> auch nicht schlau geworden. Aber damit wir mal alle auf dem selben Stand sind, hier meine Zusammenfassung aus dem Artikel:<!--more--><\/p>\n<p>Am 17.5.2017 wurde der Bericht der Untersuchungskommission ver&ouml;ffentlicht. Hier eine Tabelle der wesentlichen Ereignisse:<\/p>\n<table width=\"513\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"2\">\n<colgroup>\n<col width=\"379\" \/>\n<col width=\"127\" \/> <\/colgroup>\n<tbody>\n<tr>\n<th width=\"379\">Ereignis<\/th>\n<th width=\"127\">Zeitpunkt [UTC]<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"379\">Abtrennung vom Trace Gas Orbiter<\/td>\n<td width=\"127\">16.10.2016 14:42:00<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"379\">Erwachen<\/td>\n<td width=\"127\">19.10.2016 13:19:48<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"379\">Erste Verz&ouml;gerung durch Atmosph&auml;re registriert ~ 125 km H&ouml;he<\/td>\n<td width=\"127\">14:42:22<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"379\">Fallschirm ge&ouml;ffnet<\/td>\n<td width=\"127\">14:45:23<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"379\">Hitzeschutzschild abgetrennt<\/td>\n<td width=\"127\">14:46:03<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"379\">Radarh&ouml;henmesser aktiviert<\/td>\n<td width=\"127\">14:46:19<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"379\">Fallschirm mit Backshell abgetrennt<\/td>\n<td width=\"127\">14:46:49<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"379\">Start der Triebwerke<\/td>\n<td width=\"127\">14:46:51<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"379\">Brennschluss der Triebwerke<\/td>\n<td width=\"127\">14:46:54<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"379\">Aufschlag auf der Oberfl&auml;che<\/td>\n<td width=\"127\">14:47:28<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"379\">Gesch&auml;tzte Landezeit, wenn alles normal gelaufen w&auml;re<\/td>\n<td width=\"127\">14:48:05<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Der Ablauf war mit der &uuml;ber den Trace Gas Orbiter &uuml;bertragenen Daten rekonstruierbar. Die schon kurz nach dem Ungl&uuml;ck aufgekommene Vermutung wurde best&auml;tigt.<\/p>\n<p>Als sich der Fallschirm &ouml;ffnete, das war noch bei hoher Geschwindigkeit, &uuml;ber Mach 2, kam es zu starken Bewegungen von Schiaparelli, er bewegte sich sowohl in der Vertikalen und rotierte um die eigene Achse. Schiaparelli hat eine IMU, eine Inertialeinheit an Bord. Sie stellt die r&auml;umliche Lage fest. Das ist wichtig, weil der Lander horizontal landen soll und nicht schr&auml;g. Durch diese abrupten Bewegungen kam es zu einer kurzzeitigen S&auml;ttigung der IMU. Sie setzte deswegen ein Flag, das dies signalisierte. Dieses Flag, so nahmen die Ingenieure der ESA an, w&uuml;rde maximal 15 ms lang gesetzt sein. Kommuniziert mit dem Hersteller der Inertialeinheit wurde das aber nicht. In der Praxis wurde es viel l&auml;nger gesetzt. Solange es gesetzt war, gab die IMU nicht die reale Lage wieder, sondern maximal m&ouml;glichen H&ouml;chstwert, selbst als die Schwankungen sich nach einigen Sekunden legten.<\/p>\n<p>Mit diesem Wert berechnete der Bordcomputer nach &Ouml;ffnung des Fallschirms die Ausrichtung der Sonde und berechnete einen Korrekturfaktor f&uuml;r die Radardaten. In der Endphase wird mit diesem Korrekturfaktor die Distanz verrechnet. Schaut das Radar schr&auml;g, so ist die H&ouml;he viel kleiner als die aus der Laufzeit bestimmte Distanz. Dazu wird der Cosinus berechnet, entsprechend einem rechtwinkeligen Dreieck, bei der Berechnung der Ankathete, wenn die Hypotenuse bekannt ist. Nun ist der Cosinus bei Winkeln &uuml;ber 90 Grad negativ und der &uuml;bermittelte Winkel war 165 Grad.<\/p>\n<p>Benutzt wurde der Korrekturfaktor erst, als der Fallschirm abgel&ouml;st wurde und die Triebwerke aktiviert werden sollten. Dann wurde die vom Radar gelieferte H&ouml;he mit dem Korrekturfaktor multipliziert, und da dieser negativ war, nahm der Bordrechner an, Schiaparelli w&auml;re gelandet und stellte die Triebwerke ab. So zerschellte der Lander auf der Oberfl&auml;che.<\/p>\n<p>Nach dem Board ist daher die prim&auml;re Ursache S&auml;ttigungsflag und es kommt zum Schluss, dass wenn es wie von der ESA-Seite angenommen nur 15 ms lang gesetzt gewesen w&auml;re, es nicht zu dem Fehlverhalten gekommen w&auml;re. Nur war diese Annahme nicht zum Hersteller kommuniziert worden und es gab auch keine Tests. Das so extreme Schwingungen auftreten konnten, war zwar nicht bei den Simulationen vorhergesehen worden, doch sie war nicht so au&szlig;ergew&ouml;hnlich. &Auml;hnliche Erfahrungen machte schon die NASA bei ihren Landungen.<\/p>\n<p>Das Ganze ist aber nur ein Teilaspekt. Die GNC (Guidance-Navigation-Control) Software hat mit diesem Wert ja gerechnet, ohne ihn zu hinterfragen. Es ist nun mal physikalisch unm&ouml;glich, das Schiaparelli\u00a0165 Grad zum Boden geneigt am Fallschirm h&auml;ngt &#8211; dann m&uuml;sste der Fallschirm Richtung Oberfl&auml;che zeigen. Ebenso erfolgte keine Pr&uuml;fung, ob der Korrekturfaktor negativ ist, auch das ist physikalisch unm&ouml;glich und zuletzt hinterfragte die Software die Daten nicht, wie pl&ouml;tzlich die Sonde in einem Sekundenbruchteil von 3,7 km H&ouml;he &uuml;ber dem Boden auf 2,5 km unterhalb des Bodens ankam.<\/p>\n<p>In der Software Welt war die Software nicht &#8222;robust&#8220; genug. Vieles erinnert an den Fehlstart der ersten Ariane 5, als durch eine zu hohe horizontale Beschleunigung in einem von der Ariane 4 &uuml;bernommenen Programm, es bei der Konvertierung einer Zahl einen &Uuml;berlauf kam und der Bordcomputer diesen &Uuml;berlauf als reale Position nahm und die Rakete abrupt schwenkte, wodurch sie auseinanderbrach.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Diskussion<\/h3>\n<p>Soweit der Text aus der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/exomars-mission.shtml\">Webseite<\/a>.<\/p>\n<p>Ich verstehe selbst nach Lesen des Berichtes einiges nicht. So wurde der Korrekturfaktor f&uuml;r die Ausrichtung berechnet, als der Fallschirm ge&ouml;ffnet wurde. Warum? Verwendet wurde dieser Wert erheblich sp&auml;ter, n&auml;mlich erst als die untere Abdeckung abgeworfen wurde und der Radarh&ouml;henmesser aktiv wurde, denn dessen Daten sollten ja korrigiert werden. Das istfast eine Minute sp&auml;ter. Der Sinn erschlie&szlig;t sich mir nicht. Schlussendlich muss die Ausrichtung bei Ausl&ouml;sung des Fallschirms ja nicht die gleiche sein wie beim Abwerfen der Abdeckung. Vor allem h&auml;tten sich da ja alle Schwingungen abgebaut.<\/p>\n<p>Der einzige Grund, den ich kenne, f&uuml;r eine solche Vorgehensweise w&auml;re, dass die Berechnung eines Korrekturfaktors sehr lange dauert, sodass man ihn sehr fr&uuml;hzeitig berechnen muss. Doch nach der Lekt&uuml;re des Berichts scheint es eine einfache Cosinus-Berechnung zu sein. Das kann es also nicht sein.<\/p>\n<p>Das n&auml;chste ist, dass dem Bordcomputer &uuml;ber ein \u201eS&auml;ttigungsflag\u201c signalisiert wurde, dass die IMU ges&auml;ttigt ist. Der Tatbestand weicht hier von dem Ariane 501 Versagen ab, wo man den Fehlercode als Messwert interpretierte. Der Bordcomputer wurde &uuml;ber das Flag informiert, das die IMU keinen korrekten Wert liefert. Warum benutzt er dann die Ausrichtung welche die IMU liefert? Bevor ich falsche Daten nehme, nehme ich lieber gar keine Daten. (Nein liebe FDP, diesen Sachverhalt, kann man nicht aufs Regieren &uuml;bertragen). Dann gibt es eben keine Korrektur einer Schr&auml;glage und Schiaparelli kommt schr&auml;g auf. Vielleicht scheitert dann die Landung, aber dann zu einem sp&auml;teren Zeitpunkt, wo man noch mehr Teile der Landung erprobt hat. Die ESA wurde ja nicht m&uuml;de zu betonen, man habe die Daten, die man f&uuml;r die Landung 2020 braucht, gewonnen und das w&auml;re der eigentliche Sinn der Mission.<\/p>\n<p>Wie der Report auch schreibt, gab es \u201econsistency checks\u201c. Der Bordcomputer &uuml;berpr&uuml;ft H&ouml;he und Geschwindigkeit. Irgendwie komisch. Er &uuml;berpr&uuml;ft also, ob er in der richtigen H&ouml;he ist, aber erst nachdem er diese durch den Korrekturfaktor ver&auml;ndert hat. Sollte er nicht die Rohdaten aus Plausibilit&auml;t pr&uuml;fen?.<\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich muss eine Software \u201erobust\u201c sein, also mit Ausf&auml;llen zurecht kommen. In diesem Falle geht das weiter sie muss auch physikalisch korrekte Inhalte &uuml;berpr&uuml;fen. Es ist nun mal nicht m&ouml;glich das man sich pl&ouml;tzlich weit unterhalb der Oberfl&auml;che befindet oder verkehrt herum am Fallschirm h&auml;ngt. Etwas schwerer ist es, mit den Folgen fertig zu werden. Hier war ja die Ursache, dass man den Wert abgefragt hatte, als er ung&uuml;ltig war. Aber was w&auml;re passiert, wenn es wirklich einen Ausfall der IMU gegeben h&auml;tte? Man k&ouml;nnte mit dem letzten Wert arbeiten. Da das Landeradar die Daten &uuml;ber H&ouml;he und Geschwindigkeit liefert, w&auml;re noch eine Landung m&ouml;glich, aber sie war riskanter. Man wei&szlig; nicht, wie Schiaparelli orientiert ist, also senkrecht unter dem Fallschirm h&auml;ngt oder leicht schr&auml;g. Das birgt nicht nur die Gefahr, das Schiaparelli beim Aufsetzen umkippt. Die H&ouml;hendaten stimmen auch nicht. Denn wenn das Radar dann auch leicht schr&auml;g zur Seite schaut, so ist die Distanz zum Boden kleiner, als die gemessene. In der Folge w&uuml;rde Schiaparelli mit h&ouml;herer als geplanter Geschwindigkeit aufsetzen. Wobei die Endphase ja ein Sinken mit konstanter Geschwindigkeit ist, daher w&auml;ren die Auswirkungen nicht so hoch.<\/p>\n<p>Es gibt f&uuml;r mich auch andere offene Punkte. Der Report listet, dass man um 14:47:22 den Funkkontakt verloren hat. Das war aber schon 6 Sekunden vor der Landung. Was ist da passiert?<\/p>\n<p>Vor allem, wie kommt die ESA auf die &Uuml;berzeugung, die Mission w&auml;re erfolgreich? Nach meiner &Uuml;berzeugung ist ab der Fallschirmabl&ouml;sung alles schief gegangen. Die Backshell wurde verfr&uuml;ht abgeworfen, die gesamte Endphase der Landung, also das Abbremsen auf langsame Geschwindigkeit in 4 m H&ouml;he wurde nicht erprobt.<\/p>\n<p>Peinlich finde ich dann auch die Ausreden, die fielen. Zusammengefasst liefen die so: \u201eEs ist unsere erste Mission zum Mars, deswegen haben wie die Landung ja auch vor dem Rover der 2020 abgesetzt wird erprobt. Wegen der d&uuml;nnen Luftschicht ist das riskant und es sind ja schon so viele Missionen verloren gegangen\u201c.<\/p>\n<p>Na ja. Nat&uuml;rlich ist es schwieriger als auf der Erde und dem Mond. Auf der Erde reicht fast eine alleinige Fallschirmlandung aus, auf dem Mond muss man mit Triebwerken landen. Die Problematik ist, dass es anders als beim Mond mehr St&ouml;reinfl&uuml;sse gibt. Verschiedene Temperaturen, verschiedene Druckwerte und Seitenwind, je nach Landegebiet und aktuellen Wetter. Doch das Grundprinzip das alle Landungen einsetzen ber&uuml;cksichtigt das.<\/p>\n<p>Es ist seit Viking eigentlich unver&auml;ndert: Der Fallschirm bremst die Sonde soweit ab, bis man eine Referenzh&ouml;he erreicht bei der die Triebwerke arbeiten, die ein Programm haben, das die Sonde nahe der Oberfl&auml;che auf niedrige Geschwindigkeit abbremst. Gesteuert wird das durch einen Radarh&ouml;henmesser der Distanz und Geschwindigkeit misst. Die Treibstoffvorr&auml;te sind gro&szlig; genug ausgelegt um auch Abweichungen vom Soll abzufangen und der Fallschirm so gro&szlig; dimensioniert, dass man eine Geschwindigkeit beim Start der Triebwerke hat, die man sicher abfangen kann. Die Referenzh&ouml;he ist so hoch, dass es gen&uuml;gend Zeit zum Abbremsen gibt. Bei Schiaparelli z. B. wurde der Fallschirm in 7 km H&ouml;he entfaltet und schon in 1,2 km H&ouml;he begann der Triebwerksstart. Das l&auml;sst gen&uuml;gend Zeit, um die Restgeschwindigkeit abzubauen.<\/p>\n<p>Dazu braucht man keine ausgekl&uuml;gelte Software. Viking landete 1975 mit einer Feedback-Steuerung, &uuml;berwacht durch den Bordcomputer mit der Leistung eines C64. Die gr&ouml;&szlig;ten Risiken, die es damals gab, lagen nicht bei der Landung, sondern dem Landegebiet. Vergleicht man die ersten Aufnahmen nach dem Aufsetzen von Viking, Pathfinder einerseits und den beiden MER, Phoenix und Curiosity so f&auml;llt auf das die Letzteren in weitestgehend \u201eleerem\u201c Gebiet, also fast ohne Steine niedergingen. Das ist das Ergebnis, das man bei den ersten beiden Sonden Bilder mit maximal 40 m Aufl&ouml;sung des Landegebietes hatte und bei den folgenden dann von 2 m und sp&auml;ter 0,3 m Aufl&ouml;sung. Auf den grob aufl&ouml;senden Aufnahmen konnte man keine Felsen ausmachen, die in einer Gr&ouml;&szlig;e sind, wo ein Lander umkippen kann, wenn er auf ihnen aufkommt oder zumindest in der Funktion beeintr&auml;chtigt ist. Viking Lander 1 kam wenige Meter neben einem 1,5 m hohen Felsbrocken \u201eBig Joe\u201c auf. 7 m weiter und er w&auml;re auf ihm gelandet und umgekippt. Ebenso landete Pathfinder nur wenige Meter neben einem 1 m gro&szlig;en Felsbrocken \u201eYogi\u201c. Eine Landung auf ihm w&auml;re auch das aus der Mission gewesen.<\/p>\n<p>Ich finde insgesamt, das das Exomarsprogramm kein Ruhmesblatt f&uuml;r die ESA ist. Siehe dazu auch der <a href=\"http:\/\/exploration.esa.int\/science-e\/www\/object\/doc.cfm?fobjectid=59175\">letzte Blog<\/a>. Die Frage, die ich mir stelle ist, wof&uuml;r man 1,5 Milliarden Euro ausgibt. Ein Orbiter, der nur wenige Instrumente tr&auml;gt und bei der Software f&uuml;r die eh schon kastrierte Mission (warum hat man nicht wenigstens die Oberfl&auml;che mit Solarzellen bedeckt, um eine l&auml;ngere Betriebszeit zu erm&ouml;glichen. Per se ist es aber ein Witz einen Lander abzusetzen der nur einige Tage arbeitet. Wenn man f&uuml;r 2020 eine Landeplattform baut, die dauerhaft arbeitet, warum setzt man die nicht 2016 ein. Das w&auml;re dann auch eine realistische Generalprobe. Den komplexen Rover kann man dann 2020 hinzunehmen. Ich war stolz darauf, dass die ESA es mit Venus- und Marsexpress hinbekam, preiswerte Missionen zu designen, die trotzdem wissenschaftlich wertvoll sind. Derzeit l&auml;uft es darauf hinaus, dass man nur teure Missionen designt, die wissenschaftlich nicht so wertvoll sind. Klar, auch bei den USA ist die Zeit der preiswerten Missionen vorbei. Insight ist im Prinzip von der Sonde her ein Nachbau des Mars Polar Landers. Der kostete 234 Millionen Dollar (inflationskorrigiert) Insight 838 Millionen Dollar. Aber dort sind es wenigstens nicht Sonden, die einige Tage lang wenige Messwerte liefern. Es setzt sich ja fort: 2020 gibt es trotz eines Proton-Starts (Nutzlast zum Mars rund 5,2 t) nur eine Cruise Stage. Ich glaube nicht das die Landeplattform so schwer ist, als das man da nicht noch einen Orbiter mitnehmen k&ouml;nnte. Vielleicht nicht so ein Monster wie der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/exomars.sonde.shtml\">TGO<\/a>, aber einen in der Gr&ouml;&szlig;e von Mars Express in jedem Fall. Auch hier: gespart aber am falschen Ende.<\/p>\n<p>Mein Res&uuml;mee: Das war kein Ruhmesblatt.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/dfa65162dc384c9cb3389adcf215fe86\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<p>[Edit]<\/p>\n<p>Nachdem ich mir die <a href=\"https:\/\/scilogs.spektrum.de\/go-for-launch\/untersuchungsbericht-zu-schiaparelli-absturz-veroeffentlicht\/\">Diskussion bei Michael Khan<\/a> angesehen habe und auch hier jeder einen anderen Gesichtspunkt hat, will ich meinen Standpunkt noch mal erl&auml;utern. Ich w&uuml;rde mich nicht auf die S&auml;ttigung der IMU fokussieren. Die zeigte (mit Einschr&auml;nkungen) ein \u201enormales\u201c Verhalten &#8211; wenn ein Messwert aus dem zul&auml;ssigen Messbereich kommt, dann gibt es den Maximalwert des Messbereichs und eine Fehlanzeige an das System zur&uuml;ck. Das w&uuml;rde ich in der Programmierung, wo ich ja auch firm bin, als korrekte Behandlung einer Exception ansehen.<\/p>\n<p>Die IMU reicht die Verantwortung weiter an die n&auml;chste Schicht, in dem Fall den Bordcomputer. Hier liegt das Versagen. Er erkennt die Exception nicht, beachtet also gar nicht das Flag. Er m&uuml;sste nun den Wert ignorieren, die IMU erneut abfragen. Das ist der erste Fehler.<\/p>\n<p>Ich habe ja mal eine Wetterstation programmiert (inzwischen leider durch Sensorausfall nicht mehr aktiv). Da gab es nachts auch ab und an Helligkeitswerte &uuml;ber 5 Lux, wahrscheinlich durch Fenster bei den Nachbarn, die angingen und auf den Sensor reflektiert wurden. Da ich den Sonnenaufgang detektiere, wenn es heller als 5 Lux wird, musste man diese einzelnen Ausreiser ignorieren. Dazu muss die Software nur schauen, wie die Werte verlaufen. Wenn es Tag wird, dann wird es langsam heller und nicht pl&ouml;tzlich hell und dann wieder dunkel. Auch dies findet man in der Software von Schiaparelli nicht. Sie hat kein \u201eGed&auml;chtnis\u201c, was frappierend an <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/ariane-fehlstarts.shtml\">Verlust der Ariane 501<\/a> zwanzig Jahre fr&uuml;her erinnert. Auch hier hat der Bordcomputer nicht hinterfragt, dass die Rakete urpl&ouml;tzlich von einem Zyklus (0,04 s) auf den n&auml;chsten ihre Ausrichtung massiv ge&auml;ndert hat. Ebenso wie die Software des Bordcomputers von Schiaparelli den Wert nicht hinterfragte.<\/p>\n<p>Noch schlimmer: Sie hat mit dem Wert 5 Sekunden lang \u201econtingency Checks\u201c gemacht, die nat&uuml;rlich alle negativ waren, ohne sich jemals in den 5 Sekunden den aktuellen Wert der IMU zu holen.<\/p>\n<p>Dazu kommt, wie schon erw&auml;hnte, das ich es den Zeitpunkt f&uuml;r Bl&ouml;dsinn halte den Wert so fr&uuml;h zu nehmen. Er wird ja erst gebraucht, wenn der Radarh&ouml;henmesser aktiv ist. Dann ist aber:<\/p>\n<ul>\n<li>Schiaparelli von Mach 1700 auf 320 km\/h abgebremst<\/li>\n<li>5 km tiefer in dichterer Atmosph&auml;re<\/li>\n<li>Um 80 kg (den Hitzeschutzschild) leichter.<\/li>\n<\/ul>\n<p>F&uuml;r mich sieht das alles Grund genug den Wert neu berechnen. Vor allem werden die Triebwerke ja die Schiaparelli, selbst wenn sie schr&auml;g orientiert ist, in die richtige Lage drehen, man will ja Schiaparelli nicht schr&auml;g landen. Alleine deswegen m&uuml;sste die IMU dauernd abgefragt werden.<\/p>\n<p>Wenn man sich die Vers&auml;umnisse anschaut (es sind ja nicht wenige). Dann stellt sich mir die Frage, welcher Programmier- und Qualit&auml;tssicherungsstandard bei der ESA herrscht.<\/p>\n<p>Michael Khan moniert ja auch die fehlende Redundanz. Die hilft aber nur etwas, wenn man zwei Systeme hat, die voneinander unabh&auml;ngig erstellt wurden, also unabh&auml;ngig programmiert wurden. Ansonsten passiert das Gleiche wie bei Ariane 501, da fiel ja aufgrund desselben Programmfehlers in zwei unabh&auml;ngigen, redundanten Modulen das zweite Modul einen Zyklus sp&auml;ter aus.<\/p>\n<p>Das w&uuml;rde implizieren das die ESA neben einem St&uuml;mper-Programmierteam auch eines hat das programmieren kann. Doch wenn dem so w&auml;re, dann h&auml;tte das sicher die Fehler des ersten bemerkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So, da offensichtlich nur mich die M&auml;ngel im Raumsondenbau interessieren, schiebe ich mal ein Thema ein, zu dem jeder zumindest eine Meinung hat: Dem Verlust von Schiaparelli. Der Teil 3 kommt dann noch. Mal ne R&uuml;ckfrage: Sind die Blogs zu technisch? 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Februar 2026","format":false,"excerpt":"Ich habe mich ja schon mal mit diesem Thema besch\u00e4ftigt, in dem es vor allem um die Kosten und den wirtschaftlichen Unsinn ging - warum sollte ich ein Rechenzentrum in den Orbit bringen, wenn ich es billiger auf der Erde bauen kann und es auch gen\u00fcgend Gegenden gibt in denen\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/78014052fde04012a2be60bd108cd4bb","width":350,"height":200},"classes":[]}],"jetpack_sharing_enabled":true,"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12931","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/169"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12931"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12931\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12931"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12931"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12931"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}