{"id":13217,"date":"2018-01-30T11:54:57","date_gmt":"2018-01-30T10:54:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=13217"},"modified":"2018-01-30T11:54:57","modified_gmt":"2018-01-30T10:54:57","slug":"die-loesung-fuer-ein-ueberfluessiges-problem-was-passiert-wenn-man-kerosin-durch-methan-ersetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2018\/01\/30\/die-loesung-fuer-ein-ueberfluessiges-problem-was-passiert-wenn-man-kerosin-durch-methan-ersetzt\/","title":{"rendered":"Die L&ouml;sung f&uuml;r ein &uuml;berfl&uuml;ssiges Problem: Was passiert wenn man Kerosin durch Methan ersetzt?"},"content":{"rendered":"<p>Derzeit ist Methan en Vogue. Es verspricht einen etwas h&ouml;heren spezifischen Impuls als Kerosin, erfordert aber keine so starken &Auml;nderungen an der Rakete, als wenn man von Kerosin auf Wasserstoff wechselt.<\/p>\n<p>Da es viele F&auml;lle gab in denen man nur in einer Rakete das Triebwerk austauschte, bei der Atlas z. B. dreimal habe ich mir gedacht, was w&auml;re wenn man nur das Triebwerk tauscht, die Tanks aber so l&auml;sst wie sie sind, lediglich die Gr&ouml;&szlig;e anpasst. Das w&auml;re denkbar in der Atlas, aber auch Antares. Auch SpaceX w&auml;re es zuzutrauen.<\/p>\n<p>Also Vorgabe: Tankvolumen bleibt gleich, Volumen von LOX \/ Kerosin und LOX \/ Methan kann aber unterschiedlich sein, schon alleine wegen der unterschiedlichen St&ouml;chiometrie.<!--more--><\/p>\n<p>Zuerst ohne Rechnung meine Einsch&auml;tzung nur mit logischem Denken verfasst:<\/p>\n<p>Be<a href=\"\/raktreib2.shtml\">i LOX\/Kerosin<\/a> liegt das Mischungsverh&auml;ltnis meist bei 2,6 bis 2,8. Es wird bei Methan h&ouml;her sein, da dieses 4 Wasserstoffatome pro Kohlenstoffatom hat, bei Kerosin erwarte ich bei einem Gemisch von Aliphaten und Aromaten ein Verh&auml;ltnis von unter 2. Das hei&szlig;t man braucht weniger Methan als Kerosin. Das f&auml;ngt einen Hautnachteil des Methans auf \u2013 seine niedrige Dichte von 0,42 g\/cm\u00b3 im fl&uuml;ssigen Zustand. Kerosin liegt bei 0,82 bis 0,85. Trotzdem wird die Treibstoffzuladung kleiner sein. Das wird den Zugewinn an spezifischem Impuls, der bei maximal 300 m\/s liegt senken, den so steigt der Strukturfaktor an. So wird die -nutzlast nicht so viel h&ouml;her sein als gedacht. Bei einer ersten Stufe ist zudem der Effekt nicht so hoch, nur gibt es sehr wenige LOX\/Kerosin Oberstufen, bei denen dann der Gewinn recht hoch w&auml;re. Ich sch&auml;tze daher den Gewinn klein ein.<\/p>\n<p>Nachgerechnet<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/89b90b4605884c3d8be530a579612d6c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><br \/>\nAls Rechenbeispiel habe ich mir die Atlas Erststufe ausgesucht mit diesen technischen Daten:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"128*\" \/>\n<col width=\"128*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"top\">\n<th width=\"50%\">Parameter<\/th>\n<th width=\"50%\">Wert<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"50%\">Startmasse:<\/td>\n<td width=\"50%\">305.143 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"50%\">Trockenmasse;<\/td>\n<td width=\"50%\">21.053 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"50%\">Mischungsverh&auml;ltnis LOX\/Kerosin<\/td>\n<td width=\"50%\">2,72<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"50%\">Spezifischer Impuls Vakuum<\/td>\n<td width=\"50%\">3315 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"50%\">Expansionsverh&auml;ltnis:<\/td>\n<td width=\"50%\">38,9<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"50%\">Brennkammerdruck:<\/td>\n<td width=\"50%\">266,8 bar<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Schritt 1 ist die Simulation des Antriebs mit FCEA. FCEA liefert f&uuml;r eingefrorenes und freies Gleichgewicht Vakuumimpulse von 3527 und 3308 m\/s. Da der Wert des eingefrorenen Verh&auml;ltnisses fast gleich zum realen ist, nehme ich diesen als Ma&szlig;stab. Er muss f&uuml;r Methan dann nur um 2 % erh&ouml;ht werden.<\/p>\n<p>Verbrannt wird die Mischung in einem &Uuml;berschuss von 1,252. Das soll auch f&uuml;r Methan so gelten. Bei der Gleichung:<\/p>\n<p>CH<sub>4<\/sub> + 2 O<sub>2<\/sub> \u2192 2 H<sub>2<\/sub>O + CO<sub>2<\/sub><\/p>\n<p>ben&ouml;tigt man 2 Mole O<sub>2<\/sub> um ein Mol Methan umzusetzen. Bei den Atommassen von 32 bzw. 16 betr&auml;gt das st&ouml;chiometrische Mischungsverh&auml;ltnis 4 zu 1. Reduziert um 1,25 wird es dann im Verh&auml;ltnis 3,2 verbrannt.<\/p>\n<p>FCEA berechnet f&uuml;r diese Mischung nur spezifische Impulse von 3454 \/ 3615 m\/s. Also wenn ich die Faktoren des RD-180 &uuml;bernehme real 3461 m\/s. Das ist nicht viel mehr. Schaut man sich die Bilanz an, so sieht man dass noch viel Energie nicht umgesetzt ist. Es gibt viel freien Wasserstoff. Bei gr&ouml;&szlig;erem Expansionsverh&auml;ltnis sieht es besser aus, doch das ist bei einer Rakete die vom Erdboden aus startet nicht m&ouml;glich, da ist schon das Sponsorenverh&auml;ltnis von fast 40 ein Rekord.<\/p>\n<p>Wie sieht es nun mit den Massen aus? Nimmt man eine mittlere Dichte von 0,835 f&uuml;r RP-1 an, so sieht die Bilanz f&uuml;r die Atlas CCB-Stufe so aus:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"128*\" \/>\n<col width=\"128*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"top\">\n<th width=\"50%\">Parameter<\/th>\n<th width=\"50%\">Wert<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"50%\">Treibstoffmasse<\/td>\n<td width=\"50%\">284.090 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"50%\">Davon LOX<\/td>\n<td width=\"50%\">207.222 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"50%\">Davon Kerosin<\/td>\n<td width=\"50%\">76.368 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"50%\">Volumen LOX (Dichte 1,14)<\/td>\n<td width=\"50%\">182,2 m\u00b3<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"50%\">Volumen Kerosin (Dichte 0,835)<\/td>\n<td width=\"50%\">91,5 m\u00b3<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"50%\">Gesamtvolumen:<\/td>\n<td width=\"50%\">273,7 m\u00b3<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"50%\">Mittlere Dichte:<\/td>\n<td width=\"50%\">1,038<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>F&uuml;r Methan sieht es so aus: Bei dem Verh&auml;ltnis von 3,2 zu 1 ben&ouml;tigt man f&uuml;r 1 t LOX 0,877 m\u00b3 Volumen und 313 kg Methan 0,745 m\u00b3 Volumen. Zusammen sind das 1,313 t Masse bei 1,623 m\u00b3 Volumen. Die mittlere Dichte betr&auml;gt nur 0,809. Im gleichen Volumen kann man so, leicht durch Dreisatz errechenbar 221,4 t Treibstoff mitf&uuml;hren, oder 28,3 % weniger.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Die Methan Atlas<\/h3>\n<p>Ich habe nun die kleinste Atlas Version, die Atlas V 401 damit neu berechnet. Bei ihr ist ohne Feststoffbooster der Einfluss der ersten Stufe am gr&ouml;&szlig;ten. Bei gleichen Aufstiegsverlusten komme ich auf folgende Werte:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"64*\" \/>\n<col width=\"64*\" \/>\n<col width=\"64*\" \/>\n<col width=\"64*\" \/> <\/colgroup>\n<tbody>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"25%\">Parameter<\/td>\n<td width=\"25%\">Atlas 401<\/td>\n<td width=\"25%\">Methan Atlas 401<\/td>\n<td width=\"25%\">Methan Atlas 401, 1600 m\/s Verluste<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"25%\">Nutzlast Fluchtbahn<\/td>\n<td width=\"25%\">3.300 kg<\/td>\n<td width=\"25%\">2.703 kg<\/td>\n<td width=\"25%\">3.557 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"25%\">Nutzlast GTO<\/td>\n<td width=\"25%\">4.750 kg<\/td>\n<td width=\"25%\">3.962 kg<\/td>\n<td width=\"25%\">4.831 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"25%\">Nutzlast LEO<\/td>\n<td width=\"25%\">9.797 kg<\/td>\n<td width=\"25%\">8.380 kg<\/td>\n<td width=\"25%\">12.040 kg<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Methan-Atlas liegt wegen der niedrigeren Treibstoffzuladung schlechter. Allerdings w&auml;re sie in der Realit&auml;t nicht so viel schlechter. So hat die Atlas 401 sehr hohe Aufstiegsverluste bei der hohen LEO-Nutzlast (2600 m\/s gegen&uuml;ber 2090 m\/s bei GEO). Aufgrund der kleineren Treibstoffzuladung sollten diese viel kleiner sein, so wie bei der alten Atlas. Die Atlas III hatte bei gleichem Triebwerk nur eine Stufe mit 197 t Startmasse, aber auch Verluste von nur 1350 m\/s. Nimmt man 1.600 m\/s Verlust an, ein typischer Wert f&uuml;r eine zweistufige Tr&auml;gerrakete, dann kommt man beim LEO wo der Einfluss am gr&ouml;&szlig;ten ist auf deutlich h&ouml;here Werte, beim GTO und Fluchtgeschwindigkeit auf nur wenig h&ouml;here Werte. Der LEO-Wert ist aber hypothetisch, die Centaur kann so schwere Nutzlasten nicht transportieren, dazu braucht man die DEC-Centaur mit Verst&auml;rkungen, was die Nutzlast dann wieder etwas reduziert.<\/p>\n<p>In der Summe ist der Gewinn gering. Nat&uuml;rlich bringt der &Uuml;bergang zu Methan etwas, aber dazu muss man dann die ganze Stufe neu konstruieren, inklusive neuer Tanks. Bei der Atlas kommt noch dazu dass die Rakete einen sehr hohen Strukturfaktor von 15 hat. Die alte Atlas in der D\/G Version kam auf einen von 19. Die ganz fr&uuml;hen Exemplare, allerdings auch nicht ausgelegt auf schwere Oberstufen, auf noch bessere Werte. Der hohe Strukturfaktor wirkt sich ebenfalls negativ aus, weil die Tanks nicht leichter werden wenn Methan reingef&uuml;llt wird. Ihre Festigkeit ist auf den maximalen Innendruck ausgelegt und der bleibt gleich (sonst w&auml;ren es auch unterschiedlich dicke Tanks bei Kerosin und LOX, denn LOX ist ja heute schon dichter als Kerosin, es sind aber identische Tanks f&uuml;r beide Treibstoffe). Bei Strukturfaktoren wie 25 bis 30 wie sie SpaceX reklamiert f&auml;llt dann der Nachteil, das die Faktoren durch die niedrigere Dichte um 28,3 % sinken nicht so ins Gewicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Derzeit ist Methan en Vogue. Es verspricht einen etwas h&ouml;heren spezifischen Impuls als Kerosin, erfordert aber keine so starken &Auml;nderungen an der Rakete, als wenn man von Kerosin auf Wasserstoff wechselt. Da es viele F&auml;lle gab in denen man nur in einer Rakete das Triebwerk austauschte, bei der Atlas z. 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