{"id":13312,"date":"2018-04-01T08:45:28","date_gmt":"2018-04-01T06:45:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=13312"},"modified":"2018-04-01T08:47:20","modified_gmt":"2018-04-01T06:47:20","slug":"die-digitalisierung-kommt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2018\/04\/01\/die-digitalisierung-kommt\/","title":{"rendered":"Die Digitalisierung kommt!"},"content":{"rendered":"<p>Es muss wohl ein bisschen zu oft kritisiert worden sein: Merkels Versprechen der Digitalisierung. Schon das Wort &#8222;Digitalisierung&#8220; zeigt ja die Unkenntnis der Materie: Gemeint ist ja nicht die &Uuml;berf&uuml;hrung von analogen Inhalten in digitale Formate, sondern der Ausbau von Internetverbindungen mit mittlerer Datenrate (von einer hohen ganz zu schwiegen). Merkel hat das seit 2005 bei jeder Regierungserkl&auml;rung und in jedem Koalitionsvertrag versprochen, immer mit Zeiten in der Zukunft (bei dieser Koalition: 2025). <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7Xz4Qi0kexs\">Satiresendungen<\/a> wie die Heute-Show haben die alten Ausschnitte herausgekramt, die sich bis auf die versprochenen Megabitzahlen und Daten bis wann man diese hat (aktuell. 25 MBit) gleichen.<\/p>\n<p>Es ist auch wirklich schlimm. Selbst L&auml;nder mit einem viel niedrigeren Lebensstandard wie Rum&auml;nien haben uns in der Verf&uuml;gbarkeit von Breitbandanschl&uuml;ssen &uuml;berholt. Dazu muss man nicht mal weit weg von den Metropolen gehen. Ein Kollege in der Firma, bei der ich ab und an arbeite, wohnt am Ortsrand und hat eine Leitung die zwar nominell 16 MBit hat, der sich aber teilen mit den anderen Mietern im Haus muss, sodass es real um die 2 MBit sind. Kabelanschluss als Alternative wird nat&uuml;rlich auch nicht verlegt. Unser Nachbarort \u2013 immerhin auch nur ein Dutzend Kilometer von Stuttgart entfernt, hatte bis vor wenigen Jahren zu 2\/3 der Fl&auml;che nur 1 Megabit, bis die Stadt zusammen mit einer Firma auf eigene Kosten das Netz ausbaute, da sie es als Standortnachteil sah.<!--more--><\/p>\n<h4>Merkel zieht die Notbremse bei der Digitailisierung<\/h4>\n<p>Nun hat Merkel die Notbremse gezogen und ein Aktionsprogramm f&uuml;r die Digitalisierung auf den Weg gebracht. An einem hat sich nichts ge&auml;ndert: Die Verantwortung f&uuml;r die verlegte Breitbandverbindungen liegt beim Verkehrsministerium. Das gl&auml;nzte in den vergangenen Jahren durch Beh&auml;bigkeit und B&uuml;rokratie. So sollen in der letzten Legislaturperiode Milliardenbetr&auml;ge f&uuml;r den Ausbau nicht abgerufen worden sein, weil das Ministerium zu viele H&uuml;rden aufgebaut hatte. Aber bis 2025 hat man ja noch sieben Jahre Zeit. Nur ist das keine L&ouml;sung f&uuml;r die aktuellen Probleme. Die L&ouml;sung: ein anderes System zur &Uuml;berbr&uuml;ckung. Vielleicht hat sich Merkel an die Zeit nach der Wiedervereinigung erinnert: Da gab es in den neuen Bundesl&auml;ndern 1 Million Telefonanschl&uuml;sse, aber Antr&auml;ge f&uuml;r 5 Millionen. Die DDR hatte kein Interesse an einer Versorgung aller mit Telefonanschl&uuml;sse (der Aufwand die alle abzuh&ouml;ren, w&auml;re wohl zu gro&szlig; gewesen) und auch die Infrastruktur war marode. Die Bundespost startete damals zur &Uuml;berbr&uuml;ckung drei Telekommunikationssatelliten (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/DFS-Kopernikus\">Kopernikus DFS 1-3<\/a>) : Es war einfacher die Telefongespr&auml;che &uuml;ber regionale Satellitenstationen zu leiten bis Ende der Neunziger das Telefonnetz am Boden geschlossen war.<\/p>\n<p>Nun ist ja ein neues Satellitensystem im Aufbau und das k&ouml;nnte die L&ouml;sung f&uuml;r die &#8222;Digitalisierung&#8220; sein. Netterweise ist dann auch das CSU-gef&uuml;hrte Verkehrsministerium f&uuml;r Funkverbindungen zust&auml;ndig sonder das CDU-Gef&uuml;hrte Bundesministerium f&uuml;r Bildung und Forschung. Schon seit Monaten verhandelte dieses hinter den Kulissen mit OneWeb &uuml;ber eine schnelle L&ouml;sung mit Internet f&uuml;r alle. Nun wurde eine Einigung getroffen. Oneweb erh&auml;lt daf&uuml;r dieses Jahr 500 Millionen Euro und n&auml;chstes Jahr 1500 Millionen Euro. Die Gegenleistung: Deutsche Kunden bezahlen erheblich weniger. Ziel soll es sein, das eine Internetverbindung &uuml;ber Satellit nicht teurer als eine terrestrische Verbindung ist. Angeblich sollen 10 MBit 29,99 Euro anstatt 49,99 Dollar, 25 MBit 49,99 Euro anstatt 99,99 Dollar kosten. H&ouml;here Datenraten (OneWeb bietet bis 100 Mbit\/s an. Die kosten dann aber den regul&auml;ren Tarif. Klar. Merkel hat ja nur 25 Mbit\/s versprochen).<\/p>\n<p>Oneweb hat im Gegenzug zugesagt, ihr Netz schneller aufzubauen. Insbesondere soll die Finanzspritze es erm&ouml;glichen die zweite Generation mit weiteren 1972 Satelliten um ein Jahr vorzuziehen,<\/p>\n<h4>Warum findet sich kein deutscher Anbieter?<\/h4>\n<p>Es gab nicht wenige Bedenken gegen die Vergabe des Auftrags an eine ausl&auml;ndische Firma. Man hat auch die europ&auml;ische Raumfahrtindustrie kontaktiert. Airbus baut ja die Satelliten f&uuml;r OneWeb. Doch das Problem ist, das man die Fertigung erst mal aufbauen muss. OneWeb hat drei Jahre Vorsprung. Vor der n&auml;chsten Bundestagswahl w&auml;re, wenn man von der gr&uuml;nen Wiese aus startet, kein einziger Satellit im Orbit. Doch auch f&uuml;r die deutsche Industrie f&auml;llt etwas ab. Sie bekommt den Auftrag f&uuml;r die Phased-Array Empfangsantennen. Nicht nur f&uuml;r Deutschland, sondern f&uuml;r ganz Europa. Das war die Kr&ouml;te die OneWeb schlucken musste. Siemens soll angeblich einer der Hauptauftragnehmer sein. Als zweite Bedingung wird Oneweb die zweite Genration mit Ariane starten \u2013 das viel leicht. Startet die erste schon mit Sojus vom CSG aus und die werden sobald die<a href=\"\/ariane5.shtml\"> Ariane 6<\/a> fliegt, ausgemustert.<\/p>\n<p>Parallel hatte man auch mit den Anbietern von Mobilfunk verhandelt, ob ein weiterer Netzausbau eine Alternative w&auml;re. Doch das Problem ist: Da wo es keine schnellen Internetverbindungen gibt, ist meist auch das Mobilfunknetz schlecht ausgebaut. Es gab zwar die Bereitschaft der Telekom, O2 und Vodaphone ihr Mobilfunknetz auszubauen. Doch das w&auml;re deutlich teuerer geworden, 5 Milliarden Euro f&uuml;r nur 2,5 Mbit\/s im Mittel. Die Branche ging auch nicht mit den Preisen runter, als durchsickerte, dass der Auftrag nun ins Ausland geht. Im Gegenteil: Millionen von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Phased-Array-Antenne\">Phased-Array<\/a> Antennen, die Satellitensignale aus 1000 km Entfernung empfangen k&ouml;nnen \u2013 das weckte Begehrlichkeiten. Denn eine solche Antenne kann auch Mobilfunksignale aus k&uuml;rzerer Distanz empfangen und Millionen davon w&uuml;rden die Netzabdeckung enorm verbessern. Die Antennen f&uuml;r den Satellitenfunk werden daher mit Sendern und Empf&auml;nger f&uuml;r das GSM-Netz ausgestattet werden. Die Kosten tragen die Mobilfunkanbieter, wobei in jeder Antenne aber nur ein Empf&auml;nger ist. &Uuml;ber welches Netz es nach dem Satelliten weiter geht, h&auml;ngt von dem Vertrag ab den der Anrufer auf seinem Handy hat.<\/p>\n<h4>Fl&auml;chendeckender Mobilfunk?<\/h4>\n<p>Die Masse soll es machen. Es gibt mindestens 7 Millionen Haushalte, die Anspr&uuml;che auf einen Breitbandanschluss haben. Jede Antenne hat je nach Geografie und H&ouml;he einen Empfangsbereich von 50 bis 200 m Radius. Damit w&auml;ren dann auch die meisten L&uuml;cken im Mobilfunknetz geschlossen.<\/p>\n<p>Leider hat man bei der Regierung geschlafen und nicht die Gelegenheit genutzt sich diesen Service bezahlen zu lassen: Zwar bezahlen die Mobilfunkbetreiber f&uuml;r die Integration ihrer Hardware in die Sender\/Empf&auml;nger f&uuml;r das Satellitennetz, die Antenne ist also nicht teurer als eine normale. Doch das tun sie gerne, denn Funkmasten um das Netz auszubauen sind viel teurer und man h&auml;tte eigentlich f&uuml;r den Service Moibilfunk zu erm&ouml;glichen. Die Antennen selbst werden nicht subventioniert. OneWeb sprach von 199 Dollar f&uuml;r eine Antenne, bei uns wahrscheinlich eher 199 Euro.<\/p>\n<p>Die ersten Satelliten f&uuml;r das Oneweb-Netz sollen dieses Jahr starten. Bis Mitte 2019 sollen es so viele sein, dass 6 MBit fl&auml;chendeckend m&ouml;glich sind, auch bei dem erwarteten Benutzerzustrom durch den subventionierten Tarif. Ab Ende 2020 dann 25 MBit. Die zweite Generation soll ab 2022 starten und dann 100 MBit fl&auml;chendeckend erm&ouml;glichen.<\/p>\n<p>Bis dahin hofft die Regierung aber das diese Datenrate (100 Mbit) auch terrestrisch m&ouml;glich ist. Nachdem die Informationen &uuml;ber den Deal herausgeleakt sind, tat man einiges um ihn herunterzuspielen. Es sei nur eine Zwischenl&ouml;sung &#8211; Priorit&auml;t h&auml;tte der Breitbandausbau mit Hochgeschwindigkeitsleitungen und der neue Verkehrsminister Scheuer hat zugesagt, dass das Ministerium schneller und eifriger bei dem Thema sei. Ich halte das aber eher f&uuml;r eine beScheuerte Ausrede.<\/p>\n<h4>Probleme<\/h4>\n<p>Eigentlich sollte die frohe Nachricht (Digitalisierung schon 2020 anstatt 2025 abgeschlossen) ja zu Ostern verk&uuml;ndet werden, doch obwohl die Regierung f&uuml;r ihre Verh&auml;ltnisse sehr schnell und flexibel reagierte, ist der Deal noch nicht unter Dach und Fach. Als Knackpunkt entpuppt sich die Zuordnung wer den verbilligten Tarif erh&auml;lt. Beim OneWeb Netzwerk gibt es pro Bahnebene 32 Satelliten. Diese haben also einen mittleren Abstand von 1.250 km, wenn man den Weg &uuml;ber den Boden projiziert. Innerhalb dieses Kreises ist ein Satellit f&uuml;r eine Bodenstation die st&auml;rkste Sendequelle. Schon der Kreis w&auml;re gr&ouml;&szlig;er als die BRD. Deutschland ist aber keine Punktquelle sondern erstreckt sich 800 km in Nord-S&uuml;d und 600 km in Ost-West Richtung. Kurzum: W&uuml;rde man den Standort nur an den Koordinaten festmachen, die der Satellit gerade &uuml;berfliegt, dann w&uuml;rde ein Gro&szlig;teil von Europa in Genuss des subventionierten Tarifes kommen \u2013 das m&ouml;chte OneWeb verst&auml;ndlicherweise nicht. Die naheliegende L&ouml;sung, die sowieso beim Kommunikationsaufbau genutzte MAC-Adresse der Antenne als Identifizierungsmerkmal zu nutzen, scheitert in Zeiten des Internets: Niemand hindert einen K&auml;ufer in Frankreich, &Ouml;sterreich, Schweden oder Polen in Deutschland eine Antenne zu ordern. Die hat dann eine deutsche MAC-Adresse (erste 24 Bit stammen vom Hersteller). Der von OneWeb vorgeschlagene GPS-Sensor, dessen Standortdaten mit &uuml;bertragen werden, wurde von der deutschen Industrie abgelehnt, das w&uuml;rde die Fertigung signifikant verteuern. Zudem hoffen die Hersteller auf einen Absatz innerhalb von Europa und wollen keine zwei Linien mit\/ohne Sensor aufbauen. Das Mobilfunkmodem sei dagegen leicht wegzulassen. Auch Datensch&uuml;tzer lehnten den GPS-Sensor ab. Damit k&ouml;nne man mit den im Prinzip mobilen Antennen genaue Bewegungsprofile erstellen. Der derzeitige Stand ist das der Ausschuss vorschl&auml;gt ,eine Datenbank aller K&auml;ufer von Antennen aufzubauen und diese regelm&auml;&szlig;ig mit OneWeb abzugleichen. Kaufen kann man die Antenne dann nur mit Vorlage des Personalausweises. So k&ouml;nne man auch die St&uuml;ckzahl pro Person begrenzen und einen Handel mit den Antennen verhindern. Nat&uuml;rlich gibt es auch gegen diesen Vorschlag Bedenken des Datenschutzbeauftragten, wenn auch nicht so gravierende. OneWeb h&auml;lt den Vorschlag f&uuml;r zu aufwendig. Alternativ k&ouml;nnte man auch das Routing &uuml;ber Empfangsantennen festmachen, was f&uuml;r OneWeb aber weitere kosten f&uuml;r zus&auml;tzliche Empfangsanlagen bedeutet. Eigentlich wollte das Unternehmen nur wenige Empfangskomplexe aufbauen. In Europa waren nur einer in England und Italien geplant.<\/p>\n<p>So ist man sich zwar prinzipiell einig, aber eben noch nicht richtig. Vielleicht klappt es ja mit der frohen Nachricht bis Pfingsten.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/fb7fa9933ef0486bba7678f5da0aeb1f\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es muss wohl ein bisschen zu oft kritisiert worden sein: Merkels Versprechen der Digitalisierung. Schon das Wort &#8222;Digitalisierung&#8220; zeigt ja die Unkenntnis der Materie: Gemeint ist ja nicht die &Uuml;berf&uuml;hrung von analogen Inhalten in digitale Formate, sondern der Ausbau von Internetverbindungen mit mittlerer Datenrate (von einer hohen ganz zu schwiegen). 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