{"id":13359,"date":"2018-04-24T00:09:32","date_gmt":"2018-04-23T22:09:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=13359"},"modified":"2018-04-23T17:11:28","modified_gmt":"2018-04-23T15:11:28","slug":"spektrometer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2018\/04\/24\/spektrometer\/","title":{"rendered":"Spektrometer"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin derzeit in meinem Ferienhaus in Nesselwang, wie immer zweimal im Jahr Gro&szlig;reinemachen und nach dem Rechten schauen. Bisher hattet ihr Blogs aus der Konserve, also vorgeschrieben und dann in die Zukunft datiert. Der heutige Blog ist mehr oder weniger \u201elive\u201c, na ja er entsteht am Sonntag und wird am Montag fertig.<!--more--><\/p>\n<p>Auf das Thema kam ich, weil ich einen Tag vor der Abreise das Manuskript zum zweiten Band der Raumsonden zur&uuml;ckbekam. Ich habe es auf den USB-Stick kopiert und lese es gerade auf dem Raspbery Pi durch und bearbeite immer wieder zwischendurch eine Raumsonde. Wahrscheinlich kann ich es Ende Aril abschlie&szlig;en und es erscheint dann Anfang Mai, diesmal hoffentlich ohne verrutschte Seite. In beiden B&uuml;chern ist relativ deutlich die Entwicklung von Instrumenten zu erkennen. Den gr&ouml;&szlig;ten Fortschritt gab es meiner Ansicht nach bei den Spektrometern. Ich werde euch in dem Blog nicht erkl&auml;ren k&ouml;nnen wof&uuml;r man alles Spektrometer nutzen kann, das w&uuml;rde den Rahmen eines Blogs sprengen, aber ich will mal die Fortschritte bei den Spektrometern im Visuellen und Infrarotbereich erl&auml;utern.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/10269a6ffcbd4b7494c16f704210841d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><br \/>\nSeit Beginn der Spektoskopie hat sich am Grundprinzip nicht viel ge&auml;ndert: Hinter einer Optik die vergr&ouml;&szlig;ert, steht zuerst eine Einschr&auml;nkung des Gesichtsfelds, meist nur ein Spalt. Warum? Nun ein Spektrum f&auml;chert das Licht auf, das Spektrum ist eindimensional, das Licht f&uuml;r ein Spektrum stammt aber von einem Punkt, also sozusagen nulldimensional. W&uuml;rde man das Gesichtsfeld nicht einschr&auml;nken so erh&auml;lt man die Spektren vieler Punkte &uuml;bereinander, sie w&uuml;rden sich &uuml;berlagern und die Aussagekraft w&auml;re gleich Null. Bei einem Spalt bekommt man ein zweidimensionales Spektrum. In einer Richtung (quer zum Spalt) das Spektrum und in der Spaltrichtung dann das Spektrum von verschiedenen Punkten entlang des Spalts, wobei bei den klassischen Spektrometer man nicht die ganze L&auml;nge ausnutzt, sondern nur die H&ouml;he die der Detektor hat,<\/p>\n<p>Dann braucht man eine Vorrichtung die Licht in einzelne Wellenl&auml;ngen zerlegt. Das kann ein optisches Element wie ein Prisma sein, aber schon bei den ersten Spektrometern war es ein optisches Gitter: F&auml;llt licht auf eine Oberfl&auml;che mit Furchen unter einem flachen Winkel so werden die einzelnen Wellenl&auml;ngen unterschiedlich gebrochen und das Licht in sein Spektrum aufgespalten. Das Prinzip kennt man von einer CD, die auch viele Vertiefungen hat, H&auml;lt man sie flach gegen das Licht, so sieht man ein Spektrum.<\/p>\n<p>An dem Ort wo das Spektrum ist, im einfachsten Fall wird es einfach projiziert, braucht man nun einen Detektor, der einfach die Lichtintensit&auml;t misst. Bewegt man den Detektor &uuml;ber das Spektrum, z.b. mit einem Schrittmotor oder alternativ, man schwenkt durch einen Spiegel das Spektrum &uuml;ber den Detektor, so kann man es abtasten und man erh&auml;lt eine Kurve, die wenn man sie plottet, in der Y-Achse die Lichtintensit&auml;t wiedergibt und in der X-Achse die Wellenl&auml;nge. Ich gebs zu: wer nicht in der Materie drin ist, f&auml;ngt mir der Kurve nicht viel an, doch die Einbr&uuml;che beruhen auf Absorption von Sonnenlicht und je nach Form und Position kann man so R&uuml;ckschl&uuml;sse &uuml;ber die chemische Natur, dessen worauf die Optik gerichtet ist machen. Relativ einfach ist das bei Atmosph&auml;ren, wo es nur eine Handvoll Gase gibt die aborbieren k&ouml;nnen, deutlich komplexer bei Oberfl&auml;chen weil es viel mehr Minerale und andere anorganische und organische Verbindungen als Gase gibt.<\/p>\n<p>So einfache Spektrometer wurden schon in den Sechziger Jahren eingesetzt. Mit ihnen konnte man die Hauptbestandteile der Atmosph&auml;ren der Planeten erfassen.<\/p>\n<p>Wenn man die Bestandteile kennt, dann muss man nicht immer ein komplettes Spektrum aufnahmen. Bei Mariner 9 und Viking setzte man Spektrometer ein, die nur beim Absorptionsmaximum von Kohlendioxid und Wasser ma&szlig;en. Mit dem letzteren konnte man den Waserdampfgehalt in der Atmosph&auml;re absch&auml;tzen, der zeitlich und r&auml;umlich stark variiert. Doch wozu den Kohlendioxidgehalt bestimmen? Das Gas macht &uuml;ber 90 % der Atmosph&auml;re aus und hier gibt es keine r&auml;umlichen und zeitlichen Variationen. Nun eben, weil aus dem Gas die gesamte Atmosph&auml;re besteht, kann man &uuml;ber die St&auml;rke der Absorption den Oberfl&auml;chendruck bestimmen, sprich die Schichtdicke, die absorbiert. Mit einer &auml;hnlichen Technik versuchte Russland Leben nachweisen, indem sie bei der C-H Bande a&szlig;en, die jedes organische Molek&uuml;l hat. Allerdings auch Methan, das nun beim Mars gefunden wurde und bei dem man sich sicher ist, das es nichtbiologische Ursachen gibt. Das Messen bei einer Wellenl&auml;nge ist aber gef&auml;hrlich. So vertreten amerikanische Wissenschaftler die Ansicht, das der Methansensor an Bord der indischen Raumsonde MOM nicht funktioniert. Er misst bei 1,65 \u00b5m, einer Absorptionsbande des Methans, aber nur dort. Wer einmal ein Spektrum auswertet wei&szlig;, das die Form nicht immer gleich ist, zudem k&ouml;nnen sich Spektren &uuml;berlagern. Dann wei&szlig; man nicht, wenn man nur bei einer Wellenl&auml;nge misst, ob man Methan misst oder etwas anderes. Dazu m&uuml;sste man dicht neben dem 1,65 \u00b5\u00b5 Messpunkt, wo Methan kaum absorbiert eine zweite Messung als Referenz haben, das leistet der Sensor von MOM aber nicht.<\/p>\n<p>Klassische Spektrometer, wie sie bis Ende der Achtziger Jahre eingesetzt wurden, bestimmen zwar die Zusammensetzung, aber die r&auml;umliche Aufl&ouml;sung war relativ grob. Bei Voyagers Infrarotspektrometer IRIS, eines der ausgekl&uuml;gelsten klassischen Spektrometer betrug die Gr&ouml;&szlig;e eines Messpunktes 0,25 Grad, das ist ein halber Vollmonddurchmesser. Die Telekamera der gleichen Sonde bildete ein Feld von 0,42 Grad ab, l&ouml;ste dieses aber in 800 x 800 Punkte auf. Kurz: Man erhielt die Zusammensetzung der Atmosph&auml;re, es war aber nur sehr schwer eine \u201eKarte\u201c eines Himmelsk&ouml;rpers anzufertigen.<\/p>\n<p>In den Neunzigern kamen abbildende Spektrometer auf. Ein Zwischenschritt war das NIMS von Galileo: Es hatte 20 anstatt einen Detektor, die &uuml;ber einen Schrittmotor &uuml;ber das Spektrum gefahren werden konnten und so Spektren von 20 Pixeln gleichzeitig aufnahmen. Die heutigen abbildenden Spektrometer arbeiten nach einem anderen Prinzip. Sie wurden m&ouml;glich, weil es gelang CCD-Sensoren zu entwickeln, die im infraroten empfindlich sind, vor allem Quecksilbercadmiumtellurid-CCD (HgCdTe). Man machte eigentlich nur eines: Anstatt einem Detektor oder einer Reihe von Detektorelementen l&auml;ngs des Spektrums, setzte man einen solchen CCD dorthin, wo das Spektrum aufgenommen wurde. Das Spektrum stammt von einem Spalt, der in Y-Richtung verlaufen soll. Das Spektrum eines Punkts im Spalt wird in X-Richtung aufgespalten und landet so beim CCD auf einer Zeile. Jede Zeile sieht das Licht eines anderen Punktes des Spalts und man erh&auml;lt so ein Spektrum des Spalts. Bei den ersten HgCdTe die oft 256 x 256 Pixel hatten also 256 Pixel in der Spalte und 256 Pixel pro Spektrum, was die spektrale Aufl&ouml;sung festlegt. Diese Linie kann nun einen Querschnitt z.b. vom Nordpol zum S&uuml;dpol von Jupiter abbilden. Bewegt man nun das Spektrometer oder (im Falle eines Orbiters) bewegt sich der Himmelsk&ouml;rper relativ zur Raumsonde, so kann man aus vielen diese Spalten ein zweidimensionales Bild erzeugen.<\/p>\n<p>Der gro&szlig;e Nachteil solcher abbildenden Spektrometer sind die enormen Datenmengen. Cassini hatte z. B. einen solchen 256 x 256 HgCdTe-Sensor. Ein \u201eBild\u201c von 256 x 256 Pixel Gr&ouml;&szlig;e hat aber, weil jedes Pixel 256 Einzelmessungen f&uuml;r das Spektrum beinhaltet 256 x 256 x 256 Pixel = 16 Mpixel. Daher hat man bei Cassini die Pixel immer zusammengefasst und so auf 64 x 64 x 64 = 0,25 MPixel reduziert. Aufgrund dieses Nachteils kann ein abbildendes Spektrometer auch kein klassisches, das eine h&ouml;here spektrale Aufl&ouml;sung erreicht, ersetzen. Cassini hatte daher beide Typen an Bord. Das Klassische Spektrometer suchte nach Molek&uuml;len und Spurenbestandteilen, das Abbildende wurde genutzt, um Karten zu erstellen, in den denen man die Hauptmolek&uuml;le hervorhob.<\/p>\n<p>Eine zweite Methode zur Datenreduktion ist, dass man gar nicht mehr das ganze Spektrum &uuml;bertr&auml;gt, sondern nur die Spalten rund um interessante Molek&uuml;le wie Wasserdampf, Ammoniak und Methan. Beschr&auml;nkt man sich auf wenige Molek&uuml;le und ordnet man diesen Farbkan&auml;le zu so kann man dann Falschfarbenbilder erstellen in denen das Vorkommen bestimmter Molek&uuml;le farblich hervorgehoben ist. In diesem Modus kann man dann ein abbildendes Spektrometer als eine Kamera mit sehr vielen engbandigen Filtern ansehen.<\/p>\n<p>Spektrometer mit sehr hoher spektraler Aufl&ouml;sung haben noch ein zweites Problem: Dann braucht man einen Detektor mit sehr kleinen Pixeln. Da auf jedes Pixel aber nur ein Bruchteil des Lichts des Urspungspunktes f&auml;llt und dieser Anteil immer kleiner wird, je h&ouml;her aufl&ouml;send das Instrument sein soll, desto l&auml;nger muss die Belichtungszeit sein, und in dieser sollte sich die Szene nicht bewegen.<\/p>\n<p>Es gibt mehrere L&ouml;sungsans&auml;tze f&uuml;r das Problem. Eines sind Michelson-Spektrometer. Bei ihnen gibt es kein optisches Gitter, sondern das Licht wird durch einen Strahlenteiler aufgeteilt und nach zwei unterschiedlichen Wegen wieder vereinigt. Dabei l&ouml;scht sich das Licht je nach Wegl&auml;nge aus wenn Amplitude auf ein Tal trifft oder verst&auml;rkt sich. Da die Amplitude bei jeder Wellenl&auml;nge woanders liegt, kann man durch Variation der Laufl&auml;nge &uuml;ber Bewegen eines Spiegels f&uuml;r jede Wellenl&auml;nge die Intensit&auml;t messen. Ein Michelson-Spektrometer erstellt kein klassisches Spektrum, aber aus den Messdaten kann eines rekonstruiert werden. Michelson-Spektrometer sind sehr fein aufl&ouml;send. Das PFS bei Mars 96, Mars und Venus Express konnte bis zu 16.384 Messpunkte pro Spektrum erstellen.<\/p>\n<p>Eine zweite Variante ist das Echelle-Spektrometer, das durch zwei optische Elemente das Spektrum in zwei Dimensionen aufspaltet, indem in der zweiten Dimension die Spektren h&ouml;herer Ordnung leicht versetzt abgebildet werden. Nimmt man dieses Spektrum mit einem 2D-Sensor auf, so f&auml;ngt es oben links mit rot an und endet unten rechts mit blau. Auch Echelle Spektrometer kommen auf 10.000 bis 40.000 Messpunkte pro Spektrum. Venus Express, Rosetta und der TGO setzen Echelle Spektrometer ein.<\/p>\n<p>Gerade beim Mars ist man heute nicht nur an einem kompletten Spektrum interessiert. Es gab unz&auml;hlige Raumsonden, alle haben Spektren gewonnen. Was neues zu entdecken ist daher recht unwahrscheinlich. Inzwischen ist man bei den Untersuchungen mehr daran interessiert, wie sich die Atmosph&auml;re ver&auml;ndert hat. Dazu ist das Isotopenverh&auml;ltnis wichtig. Nun gibt es kleine Unterschiede, wo das Absorptionsmaximum liegt, wenn im h&auml;ufigsten Molek&uuml;l Kohlendioxid anstatt den h&auml;ufigsten Isotopen C<sup>12<\/sup> und O<sup>16<\/sup> die schwereren C<sup>13\/<\/sup><sup>14<\/sup> oder O<sup>17\/18<\/sup> verbaut sind. Und es gibt in der Tat Spektrometer die diese minimalen Unterschiede messen k&ouml;nnen. Dazu werden akustischoptische Modulatoren eingesetzt, welche die Frequenz eines Laserstrahls modulieren und damit ein spezifisches Interferenzmuster einer bestimmten Frequenz erzeugen. Misst man nun, wie stark dieses Frequenzmuster durch eine Messung ver&auml;ndert wird, so kann man die Isotope mit leicht unterschiedlichem Absorptionsmaximum unterscheiden. Derartige Instrumente kommen sowohl bei Landesonden wie auch Marsorbitern zum Einsatz z.B. Phoenix, Curiosity, Exomars Trace Gas Orbiter.<\/p>\n<p>In der Summe haben sich Spektrometer enorm ver&auml;ndert und wurden in der Leistung viel st&auml;rker gesteigert als Kameras. IRIS von Mariner 6\/7 hatte eine spektrale Aufl&ouml;sung, die rund 800 Messpunkten pro Spektrum entspricht, bei einem Gesichtsfeld von 4,5 Grad. NOMAD als neuestes nicht abbildendes Spektrometer hat zwar auch nur 2,6 Grad Gesichtsfeld, aber eine spektrale Aufl&ouml;sung von 1\/10000. Abbildende Spektrometer haben h&ouml;here r&auml;umliche Aufl&ouml;sungen, das M3 von Chandrayaan z.b. eine von 0,04 Grad bei 280 Me&szlig;punkte pro Spektrum.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin derzeit in meinem Ferienhaus in Nesselwang, wie immer zweimal im Jahr Gro&szlig;reinemachen und nach dem Rechten schauen. Bisher hattet ihr Blogs aus der Konserve, also vorgeschrieben und dann in die Zukunft datiert. Der heutige Blog ist mehr oder weniger \u201elive\u201c, na ja er entsteht am Sonntag und wird am Montag fertig.<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[138],"tags":[72,70],"class_list":["post-13359","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-chemie","tag-abbildende-spektrometer","tag-spektrometer","entry"],"a3_pvc":{"activated":false,"total_views":535,"today_views":0},"jetpack_featured_media_url":"","jetpack-related-posts":[{"id":18423,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/10\/04\/die-schwere-landung-des-starships-auf-dem-mars-2\/","url_meta":{"origin":13359,"position":0},"title":"Die schwere Landung des Starships auf dem Mars (2)","author":"Bernd Leitenberger","date":"4. 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