{"id":13427,"date":"2018-07-09T19:06:21","date_gmt":"2018-07-09T17:06:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=13427"},"modified":"2018-07-09T19:06:21","modified_gmt":"2018-07-09T17:06:21","slug":"die-loesung-fuer-ein-ueberfluessiges-problem-wo-benoetige-ich-mehr-energie-fuer-eine-mars-oder-mondlandung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2018\/07\/09\/die-loesung-fuer-ein-ueberfluessiges-problem-wo-benoetige-ich-mehr-energie-fuer-eine-mars-oder-mondlandung\/","title":{"rendered":"Die L&ouml;sung f&uuml;r ein &uuml;berfl&uuml;ssiges Problem: Wo ben&ouml;tige ich mehr Energie \u2013 f&uuml;r eine Mars oder Mondlandung?"},"content":{"rendered":"<p>Hallo Miteinander, ich bin noch immer beim Kunden am Programmieren, sodass es auch diese Woche nur einen Blog gibt, vielleicht n&auml;chste Woche mehr, da m&uuml;sste ich fertig werden. Es geht in dem heutigen Blog um &#8211; wie der Titel schon sagt \u2013 &uuml;berfl&uuml;ssige Frage, wof&uuml;r man mehr Energie ben&ouml;tigt: f&uuml;r eine Marsmission oder eine Mondmission. Normalerweise scheibe ich ja Geschwindigkeit, weil die ein Raumschiff erreichen muss und sie nach e=<sup>1<\/sup>\/<sub>2<\/sub> mc\u00b2 mit der Energie zusammenh&auml;ngt. Aber weil man zwischendurch Bremsen und Beschleunigen muss, fand ich das etwas verwirrend.<\/p>\n<p>Die Frage ist deswegen &uuml;berfl&uuml;ssig, weil man die Missionen nicht vergleichen kann. Man kann zum Mars nicht mit einer Kommandokapsel wie bei Apollo fliegen und dort nicht mit einem Lunar Module landen. F&uuml;r die Reise wird man mehr als einige Kubikmeter Platz brauchen und eine andere Versorgung mit Verbrauchsg&uuml;tern und Energie. Und das Lunar Module w&uuml;rde den Atmosph&auml;reneintritt nicht &uuml;berleben. Aber ich denke es ist eine ganz sch&ouml;ne Aufgabe f&uuml;r einen Blog.<!--more--><\/p>\n<h3 class=\"western\">Annahmen<\/h3>\n<p>Fangen wir mal mit den Annahmen an. Beide K&ouml;rper haben elliptische Bahnen, der Abstand von der Erde schwankt also. F&uuml;r den Mond habe ich 384.400 km vom Erdzentrum (378.000 km von der Erdoberfl&auml;che) angenommen. F&uuml;r den Mars 227,7 Millionen km, das ist der mittlere Abstand des Mars von der Sonne.<\/p>\n<p>F&uuml;r beide Himmelk&ouml;rper gibt es mehrere Missionsablaufm&ouml;glichkeiten. Will man nur die Gesamtenergie vergleichen, so bleibt nur die direkte Landung &uuml;brig. Bei jedem anderen Szenario haben wir zwei Raumfahrzeuge, wobei die Endmasse dann von der genauen Gewichtsverteilung zwischen diesen beiden abh&auml;ngt. Die direkte Landung beim Mond gab es bei <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/surveyor.shtml\">Surveyor<\/a>. Beim Mars w&auml;re der <a href=\"https:\/\/www.nasa.gov\/pdf\/376589main_04 - Mars Direct Power Point-7-30-09.pdf\">Mars-direct Plan<\/a> von Zubrin ein Gegenst&uuml;ck.<\/p>\n<p>Der spezifische Impuls der Raketenantriebe soll 3200 m\/s betragen, leicht im Vakuum mit lagerf&auml;higen Treibstoffen erreichbar. Der Strukturfaktor 10, ebenfalls ein konservativer Wert.<\/p>\n<p>Die Mission beginnt in einem Erdorbit mit einer Startmasse von etwa 140 t bei 20 t Leermasse der letzten Stufe.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Geschwindigkeiten<\/h3>\n<p>Beide Missionen m&uuml;ssen zuerst in eine Transferbahn zum Mond. Beim Mars ist dies eine Sonnenumlaufbahn<\/p>\n<p>mit einem Aphel in 227,7 Millionen km Entfernung. Zugleich muss man die Inklination der Bahn &auml;ndern. Um wie viel h&auml;ngt ab, wo der Mars bei der Ankunft ist. Ich habe 0,92 Grad als die halbe Inklinationsdifferenz angenommen. Der Zusatzaufwand betr&auml;gt f&uuml;r diese Sonnenumlaufbahn 3200 m\/s. Da man aber von einer Gravitationsmulde aus startet, ist er kleiner. In einer 200-km-Erdumlaufbahn betr&auml;gt die Fluchtgeschwindigkeit 11.018 m\/s. Mit 11.473 m\/s, also nicht mal 500 m\/s mehr, ist man schon zum Mars unterwegs.<\/p>\n<p>Beim Mond ist es etwas anders. Man muss ihn gar nicht erreichen. Es reicht bis zu dem Punkt zu gelangen, in dem die Mondgravitation die Erdgravitation &uuml;berwiegt. Da die Kraft im Quadrat zum Abstand abnimmt und der Mond <sup>1<\/sup>\/<sub>81<\/sub> der Erde wiegt, ist dies in <sup>1<\/sup>\/<sub>10<\/sub> des Abstands der Fall, also 38.440 km vom Mondmittelpunkt oder 339.600 km von der Erdoberfl&auml;che entfernt. Die Geschwindigkeit in einer Ellipse mit einem Perig&auml;um von 200 km Entfernung betr&auml;gt dann 10.914 m\/s, etwa 100 m\/s unter der Fluchtgeschwindigkeit.<\/p>\n<p>Bei den K&ouml;rpern angekommen, werden die Raumschiffe von den K&ouml;rpern angezogen. Sie haben schon beim Erreichen der &Uuml;bergangszone, wo die Gravitation von Mond bzw. Mars &uuml;berwiegt, eine Geschwindigkeit, die der Geschwindigkeitsdifferenz zwischen Raumschiff und K&ouml;rper entspricht und fallen dann, erreichen dann die Fluchtgeschwindigkeit plus einem &Uuml;berschuss, der von der Ankunftsgeschwindigkeit abh&auml;ngt. Man kann die Geschwindigkeiten nicht addieren, weil man sonst den Energieerhaltungssatz verletzt, sondern, muss die Zielgeschwindigkeit &uuml;ber die Gesamtenergie berechnen. Beim Mond hat die Sonde eine Restgeschwindigkeit von 1.074 m\/s, beim Mars sind es 2.648 m\/s. Beim Mond betr&auml;gt dann die Landegeschwindigkeit ohne Abbremsung 2.612 m\/s. Beim Mars w&auml;ren es 5.695 m\/s.<\/p>\n<p>Nur wird eine Sonde beim Mars zuerst durch einen Hitzeschutzschild abgebremst und dann ein Fallschirm eingesetzt. Selbst wenn es keinen Fallschirm gibt, erreicht ein K&ouml;rper beim freien Fall nur eine Geschwindigkeit von etwa 100 m\/s. Diese Geschwindigkeit m&uuml;ssen dann Raketentriebwerke abbauen.<\/p>\n<p>In beiden F&auml;llen kommen noch Verluste hinzu. W&auml;hrend die Triebwerke arbeiten, zieht der K&ouml;rper das Raumschiff weiter an, so erh&ouml;ht sich der Geschwindigkeitsbedarf um mindestens die Brennzeit der Triebwerke mal der lokalen Gravitationskonstante. Bei Surveyor waren so 350 m\/s mehr veranschlagt. Bei Marsmissionen sind es typischerweise 250 m\/s.<\/p>\n<p>Der R&uuml;ckstart ist dann eigentlich eine Umkehrung der Landung. Beim Mond ist es ganz einfach \u2013 bei derselben Brenndauer erh&auml;lt man denselben Geschwindigkeitsaufwand. Es kann sogar etwas weniger sein, weil man nicht zum Ende hin die Geschwindigkeit reduzieren muss. 250 m\/s m&uuml;ssten ausreichen, das reicht f&uuml;r eine Brennzeit von 156 s, bei einer Beschleunigung mit 17 m\/s erreicht man so die Endgeschwindigkeit.<\/p>\n<p>Beim Mars ist es komplizierter. Neben der schon ermittelten Geschwindigkeit von 5695 m\/s gibt es ebenfalls Gravitationsverluste und den Luftwiderstand. Die Gravitationsverluste sind h&ouml;her wegen der viel l&auml;ngeren Brennzeit und der Luftwidderstand zwar klein aber nicht vernachl&auml;ssigbar. Beim Mars ermittelte ich in einer Simulation bei einer Beschleunigung von anfangs 1 g Gravitationsverluste von 707 m\/s. Bei 1,5 g sind es 419 m\/s. Nehmen wir den h&ouml;heren Wert von 700 m\/s, so w&auml;ren 6.395 m\/s zu erreichen.<\/p>\n<p>Beide Raumschiffe kommen mit hyperbolischen Geschwindigkeiten bei der Erde an. Man wird nicht erst in eine Erdumlaufbahn eintreten, sondern direkt landen, dann wird aber rein durch Fallschirme abgebremst, das hei&szlig;t, f&uuml;r den Rest ergibt sich kein Bedarf eines Antriebs.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Bilanz<\/h3>\n<p>Fast man alle Daten zusammen, so kommt man auf folgende Tabelle.<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"85*\" \/>\n<col width=\"85*\" \/>\n<col width=\"85*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"33%\">Parameter<\/th>\n<th width=\"33%\">Mond<\/th>\n<th width=\"33%\">Mars<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">&Uuml;bergangsbahn aus 200 km Erdumlaufbahn<\/td>\n<td width=\"33%\">3.124 m\/s<\/td>\n<td width=\"33%\">3.683 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Landung<\/td>\n<td width=\"33%\">2.962 m\/s<\/td>\n<td width=\"33%\">250 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">R&uuml;ckstart<\/td>\n<td width=\"33%\">2.862 m\/s<\/td>\n<td width=\"33%\">6.395 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Summe<\/td>\n<td width=\"33%\">8.948 m\/s<\/td>\n<td width=\"33%\">10.328 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Eine Marsmission w&auml;re nach der Rechnung nur um 1.400 m\/s \u201ekostspieliger\u201c als eine Mondmission \u2013 wenn man denn die Kapsel auf dem Mond landen w&uuml;rde, wof&uuml;r man eine Rakete in der Gr&ouml;&szlig;e der Nova (200 t Nutzlast in einen Erdorbit) gebraucht h&auml;tte.<\/p>\n<p>Freilich ist auch das nicht ganz korrekt. Denn anders als beim Mond muss man die Landestufe in eine aerodynamische H&uuml;lle verpacken. Die Kapsel selbst k&ouml;nnte wohl direkt landen, doch aus praktischen Gesichtspunkten wird sie auf der Raketenstufe stehen, die man braucht, um den Mars zu verlassen. Bisherige Marslander hatten nach der Landung noch etwa die H&auml;lfte der Masse, die sie beim Atmosph&auml;reneintritt hatten. Der Rest ist Treibstoff f&uuml;r die Endphase, Fallschirme, vor allem aber die H&uuml;lle und der Hitzeschutzschild. Bei einer Raketenstufe mit Kapsel mit viel gr&ouml;&szlig;erer Masse und kleinerem Volumen (hohe Dichte der Treibstoffe) denke ich, sind <sup>2<\/sup>\/<sub>3<\/sub> der Startmasse als Landemasse ohne Probleme erreichbar.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Massenbilanz<\/h3>\n<p>Damit kann man eine Rechnung anstellen. Ich gehe mal von 60 t in die Mondtransferbahn aus, das entspricht, wenn die letzte Stufe LOX\/LH2 einsetzt, 50 t zum Mars (bei 20 t Trockenmasse und einem spezifischen Impuls von 4400 m\/s). Daraus errechnet sich dann folgende Tabelle:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"85*\" \/>\n<col width=\"85*\" \/>\n<col width=\"85*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"33%\">Parameter<\/th>\n<th width=\"33%\">Mond<\/th>\n<th width=\"33%\">Mars<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">&Uuml;bergangsbahn aus 200 km Erdumlaufbahn<\/td>\n<td width=\"33%\">60 t<\/td>\n<td width=\"33%\">50 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Landung<\/td>\n<td width=\"33%\">23,77 t<\/td>\n<td width=\"33%\">36,7 t (2\/3 der Startmasse)<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">R&uuml;ckstart<\/td>\n<td width=\"33%\">8,07 t<\/td>\n<td width=\"33%\">4,97 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Nettomasse ohne Stufe<\/td>\n<td width=\"33%\">6,77 t<\/td>\n<td width=\"33%\">1,45 t<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Der Unterschied ist deutlich. Das liegt an der hohen Trockenmasse der Marsstufe. Beim Mond kann man ja die Abstiegsstufe auf dem Mond zur&uuml;cklassen. Modelliert man das Gef&auml;hrt zweistufig, Startbeschleunigung jeweils 1,5 g Startbeschleunigung, so komme ich bei 36,3 t Startmasse auf eine Nutzlast von 3,8 t immerhin halb so viel wie beim Mond und nahe an der Trockenmasse der Apollokapsel.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Fazit<\/h3>\n<p>K&ouml;nnte man die Astronauten monatelang in einer kleinen Kapsel einsperren, man k&auml;me mit einer Schwerlastrakete f&uuml;r die Marsmission aus. Da es aber nicht so ist, gehen die meisten Pl&auml;ne von mindestens drei Starts aus, oft auch vier bis f&uuml;nf, das h&auml;ngt auch von der Nutzlast der Rakete ab.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/eeb6dbbc4d3a45019044182e6895760d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo Miteinander, ich bin noch immer beim Kunden am Programmieren, sodass es auch diese Woche nur einen Blog gibt, vielleicht n&auml;chste Woche mehr, da m&uuml;sste ich fertig werden. Es geht in dem heutigen Blog um &#8211; wie der Titel schon sagt \u2013 &uuml;berfl&uuml;ssige Frage, wof&uuml;r man mehr Energie ben&ouml;tigt: f&uuml;r eine Marsmission oder eine Mondmission. 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