{"id":135,"date":"2008-03-26T10:25:25","date_gmt":"2008-03-26T08:25:25","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/2008\/03\/26\/die-crux-mit-der-wiederverwendbarkeit\/"},"modified":"2010-05-23T18:23:57","modified_gmt":"2010-05-23T16:23:57","slug":"die-crux-mit-der-wiederverwendbarkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2008\/03\/26\/die-crux-mit-der-wiederverwendbarkeit\/","title":{"rendered":"Die Crux mit der Wiederverwendbarkeit"},"content":{"rendered":"<p>Das Space Shuttle wird ausgemustert und kein Ersatz ist geplant. Eigentlich sollte es nach der   Shuttle Pleite doch einfacher sein, schlie&szlig;lich wei&szlig; man wie es <strong>nicht<\/strong> geht. Doch   so einfach ist es nicht. Ich will mal das Problem grunds&auml;tzlich erl&auml;utern.<\/p>\n<p>Zuerst einmal die L&ouml;sung, die ohne eine zweite Stufe auskommt. Das ist &auml;u&szlig;ert schwierig. Selbst   wenn man den besten Treibstoff nimmt, denn man heute hat, Wasserstoff, mit einem spezifischen   Impuls von 4400 (nicht der h&ouml;chste heute erreichte, aber dies tr&auml;gt der Tatsache Rechnung, das er   beim Start bei einem Au&szlig;endruck von 1 bar geringer ist, als sp&auml;ter im Vakuum) so wird die Nutzlast   klein. Eine Rakete mit 750 t Startmasse, etwa die Gr&ouml;&szlig;e einer Ariane 5, bringt dann noch eine   Gesamtmasse von 84 t in einen Orbit &#8211; das erscheint zuerst viel, doch das ist das Gesamtgewicht.   Eine konventionelle Rakete dieser Gr&ouml;&szlig;e wiegt leer etwa 66 t, woraus sich dann nur 18 t Nutzlast   errechnen &#8211; weniger als eine Ariane 5, die 23 t transportiert.<\/p>\n<p>Doch das ist eine konventionelle Rakete. Diese muss aber nun wieder verwendet werden. Man   braucht also einen Hitzeschutzschild, weiteren Treibstoff f&uuml;r den Wiedereintritt und die Struktur   muss so steif sein, dass sie dies &uuml;bersteht (Die Tanks bei einer Ariane 5 sind z.B. nur etwa 1-2   mm dick und durch Druck von Innen versteift, sie w&uuml;rden nie einen Wiedereintritt &uuml;berstehen). Die   NASA hat solche Berechnungen f&uuml;r ein einstufiges Gef&auml;hrt gemacht und ist zu dem Schluss geklommen,   dass es einstufig nicht geht &#8211; nicht einmal ohne Nutzlast w&uuml;rde das Gef&auml;hrt einen Orbit erreichen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Also bleibt noch die zweistufige L&ouml;sung. von dieser gibt es nun wieder viele Varianten. Ich   will zuerst einmal die Problematik zeigen wenn man es wirtschaftlich machen will.<\/p>\n<p>Es gibt 3 Treibstoffarten mit Vor- und Nachteilen: Fester Treibstoff, fl&uuml;ssige Sauerstoffe die   recht einfach handelbar sind wie UDMH, Stickstofftetroxid, Kerosin und fl&uuml;ssiger Sauerstoff und   fl&uuml;ssiger Wasserstoff als Treibstoff.<\/p>\n<p>In dieser Reihenfolge nimmt die Energieausbeute zu, ich brauche also immer weniger Treibstoff.   In gleichem Ma&szlig;e steigt die technologische Komplexizit&auml;t. Feste Treibstoffe kann ich in Stahlrohre   gie&szlig;en, mit einer einfachen hydraulisch bewegten D&uuml;se versehen, und ich habe die fertige Rakete.   Fl&uuml;ssige Treibstoffe ben&ouml;tigen eine Turbopumpe, einen Gasgenerator, eine Turbine und die   Brennkammer muss aktiv gek&uuml;hlt werden. Dieser Aufwand steigt, wenn das K&uuml;hlungsmittel selbst   leicht verdampft, wie es bei dem Wasserstoff der Fall ist und dieser zudem wegen er geringen   Dichte von 0.07 enorme Volumina braucht &#8211; wodurch sehr gro&szlig;e Tanks resultieren, die heute in   Leichtbauweise hergestellt werden, aber keinen Wiedereintritt &uuml;berleben w&uuml;rden.<\/p>\n<p>Bei zwei Stufen stellt sich nun die Frage: Was berge ich &#8211; die erste, die zweite oder beide   Stufen?<\/p>\n<p>Logischerweise w&uuml;rde man die erste Stufe bergen. Zumindest als ersten Schritt. Sie ist die   gr&ouml;&szlig;ere von beiden. Wenn ich nun feste Treibstoffe nehme, so spare ich eigentlich kaum etwas am   Gef&auml;hrt ein. Diese Raketen sind so preiswert, dass man bei der Ariane 5 auf eine Wiederverwendung   verzichtet, weil sie zu teuer ist. Weiterhin liefern mir Feststofftriebwerke so wenig an   Geschwindigkeit, dass die zweite Stufe dann sehr gro&szlig; sein muss, was wiederum diese verteuert.<\/p>\n<p>Wenn ich Wasserstoff als Treibstoff nehme kann ich entweder f&uuml;r die gleiche Geschwindigkeit mit   wesentlich weniger Treibstoff auskommen oder bei gleicher Startmasse eine h&ouml;here Geschwindigkeit   erreichen. Im letzteren Fall k&ouml;nnte ich dann eine preiswertere Oberstufe (mit festen Treibstoffen)   einsetzen. Das Problem sind die Volumina. Gegen&uuml;ber Feststoff braucht Wasserstoff\/Sauerstoff in   etwa das 6-7 fache Volumen, immer noch mehr als das vierfache gegen&uuml;ber Sauerstoff\/Kerosin. Ich   habe also eine enorm gro&szlig;e erste Stufe. Bei einem ersten Shuttle Entwurf war die Unterstufe von   der Gr&ouml;&szlig;e einer Boeing 747 (von der Fl&uuml;gelspannweite), aber ungleich dicker. Das gro&szlig;e Volumen   bedeutet, dass man einen gro&szlig;en, schweren und teuren Hitzeschutzschild braucht und die   leichtgewichtigen Tanks die man bisher einsetzte sind so auch nicht mehr m&ouml;glich. Das alles macht   das Leergewicht h&ouml;her und ich habe ein enorm gro&szlig;es Gef&auml;hrt.<\/p>\n<p>Ein K&ouml;nigsweg k&ouml;nnte es sein, normale Treibstoffe wie Kerosin\/Sauerstoff zu nehmen. Der   spezifische Impuls ist war kleiner, doch die Tanks sind dicker und stabiler, trotzdem ist das   Voll\/Leermasse Verh&auml;ltnis g&uuml;nstiger weil die Tanks viermal kleiner sind.<\/p>\n<p>Die zweite Stufe ist nun noch problematischer. Auch hier habe ich die Wahl zwischen allen 3   Treibstoffarten. Feststoff scheint die beste L&ouml;sung zu sein, die Stufe wird am preiswertesten und   muss nicht geborgen werden. Doch die Nutzlast ist auch am kleinsten. Nehmen wir an die Oberstufe   muss noch 4000 m\/s (die H&auml;lfte der Orbitalgeschwindigkeit) aufbringen und die Unterstufe kann 30 t   transportieren, dann bleiben von den 30 t noch &uuml;brig als Nutzlast, bei<\/p>\n<ul>\n<li>Verwendung von Feststoff: 5.0 t<\/li>\n<li>Verwendung von Sauerstoff\/Kerosin: 6.9 t<\/li>\n<li>Verwendung von Sauerstoff\/Wasserstoff: 10.1 t<\/li>\n<\/ul>\n<p>De Fakto m&uuml;sste also die Feststoffl&ouml;sung sehr viel preiswerter sein. Wasserstoff hat aber auch   seine Nachteile. Selbst wenn ich die Stufe nicht berge, bleibt immer noch das Volumenproblem:   Diesmal geht es um das begrenzte Volumen in der Nutzlastbucht der Unterstufe, von dem die   Wasserstoff\/Sauerstoff Stufe viel Platz weg nimmt. Zudem sind diese Stufen teuer.<\/p>\n<h3>L&ouml;sungen?<\/h3>\n<p>Nun, man hat es noch nicht verwirklicht, aber es spricht eigentlich nichts dagegen es zu   versuchen: Einen Niederdruckantrieb mit Wasserstoff als Treibstoff. Bei kleinen Antrieben wie in   Satelliten wird dies schon genutzt, jedoch mit anderen Treibstoffen. Anstatt einer komplexen   Turbopumpe wird der Treibstoff mit Druck gef&ouml;rdert, die Tanks m&uuml;ssten also den Druck aushalten der   dann in der Brennkammer herrscht. Derzeitige Konstruktionen wie bei der Ariane 5 sind nur auf   einige Bar ausgelegt, doch selbst dies ergibt einen spezifischen Impuls von etwa 4100 m\/s &#8211;   weniger als die 4500 m\/s die ein Hochdrucktriebwerk bringen kann, doch erheblich mehr als   Kerosin\/Sauerstoff. Wenn der Antrieb dann preiswert wird, dann muss man ihn nicht mehr bergen   sondern kann ihn als Verlustger&auml;t ausf&uuml;hren. Das w&auml;re eine &Uuml;berlegung die Kosten f&uuml;r die Oberstufe   zu denken. Als Nebeneffekt nimmt die Nutzlast f&uuml;r h&ouml;here Geschwindigkeiten, z.B. eine   geostation&auml;re &Uuml;bergangsbahn nicht so stark ab und man kann auf eine weitere, dritte Stufe   verzichten.<\/p>\n<p>Es spricht viel daf&uuml;r dass die zweite Stufe ein Verlustger&auml;t sein wird, wenn man das Thema   Wiederverwendung nochmals angehen sollte. Folgendes spricht gegen eine Wiederverwendung der   zweiten Stufe<\/p>\n<ul>\n<li>Bei der zweiten Stufe geht jedes Kilo, welches sie schwerer macht, voll von der Nutzlast ab<\/li>\n<li>Die Belastungen sind h&ouml;her &#8211; h&ouml;herer Geschwindigkeiten beim Wiedereintritt, mehr Energie      die auf den Hitzeschutzschild einwirkt<\/li>\n<li>Sie ist viel kleiner als die erste Stufe &#8211; das Einsparpotential ist geringer<\/li>\n<li>Wenn ich h&ouml;here Orbits erreichen will (geostation&auml;re Orbits), dann kann ich sie sowieso      nicht mehr bergen, oder ich brauche eine weitere, dritte Stufe.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Interessant f&uuml;r die erste Stufe (vielleicht auch gangbar f&uuml;r die zweite) ist eine &Uuml;berlegung:   Warum muss man die ganze Stufe bergen? Der gr&ouml;&szlig;te Teil besteht aus Tanks, das kostenintensive sind   jedoch die Triebwerke, die ein relativ kleines Volumen ausmachen. Warum also trennt man diese   nicht sauber ab und birgt nur die Triebwerke, oder (das w&uuml;rde wahrscheinlich Probleme die bei   einer Absprengung auftreten mindern) den Nutzlastraum mit Triebwerken, aber nicht den Tank.<\/p>\n<p>Merken sie was? Wir haben nun ein zweistufiges Gef&auml;hrt, wir bergen nur den Nutzlastraum mit   Triebwerken und nicht den Tank &#8211; Wir haben das Space Shuttle Konzept vor uns, nur eben unbemannt   und vielleicht mit der Variation, dass man andere Treibstoffe nimmt.<\/p>\n<p>Das Grundkonzept scheint also nicht so falsch zu sein (schlie&szlig;lich haben die Russen das gleiche   gemacht), nur die Umsetzung als bemanntes Gef&auml;hrt mit den Folgen die ein Fehlstart haben kann, und   die dadurch anfallenden Kosten, waren wohl das, was das Shuttle Konzept nicht wirtschaftlich   machte. Doch wie sagte schon ein NASA Manager: &quot;You don&#8217;t get Bucks without Bucks Rogers&quot;, will   hei&szlig;en, man bekommt nicht Milliarden f&uuml;r ein neues Raumfahrzeug, wenn es nicht bemannt ist. Und   das hat schlussendlich die Space Shuttles scheitern lassen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Space Shuttle wird ausgemustert und kein Ersatz ist geplant. Eigentlich sollte es nach der Shuttle Pleite doch einfacher sein, schlie&szlig;lich wei&szlig; man wie es nicht geht. Doch so einfach ist es nicht. Ich will mal das Problem grunds&auml;tzlich erl&auml;utern. Zuerst einmal die L&ouml;sung, die ohne eine zweite Stufe auskommt. Das ist &auml;u&szlig;ert schwierig. 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