{"id":13502,"date":"2018-09-20T15:48:46","date_gmt":"2018-09-20T13:48:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=13502"},"modified":"2018-09-20T15:49:28","modified_gmt":"2018-09-20T13:49:28","slug":"die-loesung-fuer-ein-ueberfluessiges-problem-der-direkte-aufstieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2018\/09\/20\/die-loesung-fuer-ein-ueberfluessiges-problem-der-direkte-aufstieg\/","title":{"rendered":"Die L&ouml;sung f&uuml;r ein &uuml;berfl&uuml;ssiges Problem &#8211; der direkte Aufstieg"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt zwei Methoden eine h&ouml;here, kreisf&ouml;rmige, Umlaufbahn zu erreichen (\u201ehoch\u201c kann man ab etwa 300 km Erdabstand ansehen). Das eine ist der direkte Aufstieg und das zweite ist der Zweiimpuls, oder Hohmann-&Uuml;bergang. In der heutigen Reihe will ich mal erkl&auml;ren, warum eine Methode besser ist als die andere, und welche Auswirkungen dies auf die Nutzlast hat.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/970f32121dde4e6fad393982147858ea\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><!--more--><\/p>\n<p>Beim direkten Aufstieg erreicht man \u2013 wie der Name schon sagt die Bahn direkt. Das hei&szlig;t, die letzte Stufe der Rakete wird genau einmal gestartet, hat irgendwann Brennschluss und dann hat sie die Zielbahn erreicht. Es ist leicht zu &uuml;berlegen, das wegen der begrenzen Gesamtbetriebszeit aller Stufen eine Rakete, selbst wenn sie senkrecht aufsteigen w&uuml;rden bei Brennschluss nur eine bestimmte Maximalh&ouml;he erreichen kann. Die liegt bei einigen Tausend Kilometern. Die Bahnen von Navigationssatelliten (20.000 bis 24.000 km H&ouml;he) oder geostation&auml;ren Satelliten (etwa 36.000 km) erreicht man so nicht. Doch viele Erdbeobachtungssatelliten und auch alle Raumstationen sind in erdnahen Bahnen unterhalb 800 km H&ouml;he, heute meist zwischen 400 und 600 km H&ouml;he, fr&uuml;her wegen der damals niedrigeren Aufl&ouml;sung, daf&uuml;r aber besseren &Uuml;bersicht meist h&ouml;her. Wettersatelliten erreichten sogar 1.300m km H&ouml;he. Die erreicht man direkt.<\/p>\n<p>Der Zweiimpulstransfer sieht wie der Name schon sagt zwei Z&uuml;ndungen vor. Die Erste bringt die Nutzlast mit letzter Stufe in eine stabile Umlaufbahn. Ihr Perig&auml;um liegt in einer H&ouml;he, die so hoch ist, dass die Bahn stabil ist, z.B. 200 km H&ouml;he. Das Apog&auml;um liegt dagegen in der sp&auml;teren Zielh&ouml;he, meist etwas niedriger, denn die sp&auml;tere Z&uuml;ndung hebt es noch an. Es schlie&szlig;t sich nun eine Freiflugphase an. Sie dauert knapp einen halben Umlauf. Dann ist die Nutzlast auf der Apog&auml;umsh&ouml;he angekommen. Dort wird die Rakete erneut gez&uuml;ndet. Sie hebt damit das Perig&auml;um an. F&uuml;r eine 800 km hohe Bahn sieht das bei einem Perig&auml;um von 200 km z.B. so aus:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<th>Bahn<\/th>\n<th>Parameter<\/th>\n<th>v-Kreisbahn Peri<\/th>\n<th>v-Kreisbahn Apo<\/th>\n<th>v-real Peri<\/th>\n<th>v-real Apo<\/th>\n<th>?V<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Ausgangsbahn [km]<\/td>\n<td>200,00 \u00d7 200,00 \u00d7 0,00 \u00b0<\/td>\n<td>7.790,9<\/td>\n<td>7.790,9<\/td>\n<td>7.790,9<\/td>\n<td>7.790,9<\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Anpassung Apo<\/td>\n<td>200,00 \u00d7 800,00 \u00d7 0,00 \u00b0<\/td>\n<td>7.790,9<\/td>\n<td>7.457,8<\/td>\n<td>7.959,1<\/td>\n<td>7.293,2<\/td>\n<td>168,26<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Anpassung Peri<\/td>\n<td>200,00 \u00d7 800,00 \u00d7 0,00 \u00b0<\/td>\n<td>7.790,9<\/td>\n<td>7.457,8<\/td>\n<td>7.959,1<\/td>\n<td>7.293,2<\/td>\n<td>164,63<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Anpassung Inklination<\/td>\n<td>800,00 \u00d7 800,00 \u00d7 0,00 \u00b0<\/td>\n<td>7.457,8<\/td>\n<td>7.457,8<\/td>\n<td>7.457,8<\/td>\n<td>7.457,8<\/td>\n<td>0,000<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Zielbahn:<\/td>\n<td>800,00 \u00d7 800,00 \u00d7 0,00 \u00b0<\/td>\n<td>Summe:<\/td>\n<td>332,89<\/td>\n<td>332,89<\/td>\n<td>332,89<\/td>\n<td>332,89<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Umlaufdauer: Ausgangsbahn<\/td>\n<td>1 h 28 m 19 s<\/td>\n<td>1 h 28 m 19 s<\/td>\n<td>1 h 28 m 19 s<\/td>\n<td>1 h 28 m 19 s<\/td>\n<td>1 h 28 m 19 s<\/td>\n<td>1 h 28 m 19 s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Umlaufdauer: Zwischenbahn<\/td>\n<td>1 h 34 m 26 s<\/td>\n<td>1 h 34 m 26 s<\/td>\n<td>1 h 34 m 26 s<\/td>\n<td>1 h 34 m 26 s<\/td>\n<td>1 h 34 m 26 s<\/td>\n<td>1 h 34 m 26 s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Umlaufdauer: Endbahn<\/td>\n<td>1 h 40 m 41 s<\/td>\n<td>1 h 40 m 41 s<\/td>\n<td>1 h 40 m 41 s<\/td>\n<td>1 h 40 m 41 s<\/td>\n<td>1 h 40 m 41 s<\/td>\n<td>1 h 40 m 41 s<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" style=\"float: right;\" src=\"\/img\/sso-ariane-vergleich2.png\" alt=\"\" width=\"1003\" height=\"600\" \/>Es wird ein dV von knapp 333 m\/s ben&ouml;tigt. Wie man sieht, hat die Nutzlast in der Zwischenbahn (200 x 800 km) in 800 km H&ouml;he eine geringere Geschwindigkeit als die Kreisbahngeschwindigkeit. Umgekehrt ist im Perig&auml;um die Geschwindigkeit h&ouml;her als die Kreisbahngeschwindigkeit. Diese beiden Differenzen muss man jeweils aufbringen und aus ihnen errechnet sich die Gesamtgeschwindigkeit. Vergleicht man diese 333 m\/s mit der Geschwindigkeitsdiffernez zwischen den Kreisbahnen (7791 und 7457 m\/s) so ist der Gewinn gering \u2013 n&auml;mlich gleich Null. Selbst bei h&ouml;heren Bahnen ist der Gewinn gering. Beim GSO sind es 3936 m\/s gegen&uuml;ber 4715 m\/s.<\/p>\n<p>Doch das hat mit dem direkten Aufstieg nichts zu tun. Es ist vielmehr die Antwort auf die Fragestellung, ob kurze Impulse im Perig&auml;um\/Apog&auml;um g&uuml;nstiger sind, als wenn ein Antrieb dauernd arbeitet, wie z.B. bei Ionentriebwerken, aber auch Kommunikationssatelliten die heute bei mehreren Tonnen Masse nur einen 400 N Antrieb haben.<\/p>\n<p>Das beteifft aber nur Bahn&auml;nderungen im Orbit. Beim direkten Aufstieg ist die Problemstellung eine andere. Sie wird klar, wenn man sich vergegenw&auml;rtigt, wie der Aufstieg verl&auml;uft. Die Rakete beschleunigt zuerst senkrecht. Sie wird dann langsam in die Waagerechte umgelenkt. Wann und wie schnell das h&auml;ngt von der Bahn ab. Die senkrechte Komponente legt fest, wie hoch die Aufstiegsbahn mqximal von der erde wegf&uuml;hrt. Wenn diese nun in 800 km H&ouml;he liegen soll, dann muss die Rakete viel l&auml;nger senkrecht aufstiegen oder sich langsamer neigen. Es wird noch komplizierter. Die horizontale Geschwindigkeit sollte die Rakete m&ouml;glichst nahe der Zielbahnh&ouml;he aufbringen. Sonst ist das Perig&auml;um zu niedrig, Das bedeutet man kann, sich auch nicht viel Zeit daf&uuml;r lassen. Daher ist es energetisch ung&uuml;nstig. Es ist immerhin eine Absch&auml;tzung machbar.<\/p>\n<p>Die Arbeit im Gravitationsfeld berechnet sich nach:<\/p>\n<p>E = GM * (1\/r1-\/1\/r2) * M2<\/p>\n<p>GM ist das Produkt aus Gravitationskonstante und Masse des Himmelsk&ouml;rpers und r1 und r2 die jeweiligen Entfernungen vom Erdmittelpunkt aus. M2 das Gewicht der Masse die bewegt wird. Steigt jemand z.B. auf einen 100 m hohen Turm, ausgehend vom mittleren Erdradius (6731 km) aus, so errechnet sich eine Arbeit von 982 J\/kg. Jemand der 75 kg wiegt bringt also dann 73,7 kJ auf.<\/p>\n<p>F&uuml;r den Unterschied einer 200 und 800 km Kreisbahn sind es dann 5,0775 MJ pro Kilogramm.<\/p>\n<p>Die Energie kann man nach<\/p>\n<p>E = \u00bd Mv\u00b2<\/p>\n<p>in eine Geschwindigkeit &uuml;bersetzen, in diesem Falle die Zusatzgeschwindigkeit die man ben&ouml;tigt, wenn man ein Geschoss aus 200 km H&ouml;he senkrecht nach oben abfeuert, damit es 800 km H&ouml;he erreicht. Das w&auml;ren 3187 m\/s. W&uuml;rde ein K&ouml;rper frei von 800 auf 200 km H&ouml;he fallen, so w&uuml;rde er 3187 m\/s schnell werden.<\/p>\n<p>Muss man nun 3187 m\/s zus&auml;tzlich zur Geschwindigkeit f&uuml;r eine 200 km Bahn aufbringen?<\/p>\n<p>Zum Gl&uuml;ck nicht, denn es wird auch in die Horizontale umgelenkt und beide Geschwindigkeiten addieren sich vektoriell. Trotzdem ist es deutlich mehr. Ich habe dies an zwei Raketen simuliert. Zuerst bei der Ariane 5 ECA. Deren Oberstufe ist nicht wiederz&uuml;ndbar.<\/p>\n<h3>Die Einstellungen f&uuml;r die Simulation<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" style=\"float: left;\" src=\"\/img\/sso-sim.png\" alt=\"\" width=\"248\" height=\"424\" \/>Bei allen Simulationen gilt: Azimut 0 Grad, also Start nach Norden, man erh&auml;lt dann je nach Brenndauer eine Bahn mit einer Bahnneigung von 86 bis 87 Grad, also eine nahezu polare Bahn. Da ich das mit meiner Aufstiegssimulation gemacht habe. Hier mal eine kleine Erkl&auml;rung wie man Zweiimpulsman&ouml;ver mit dem Programm modelliert. Da es hier erheblich mehr Parameter einstellen kann, macht man das in mehreren Schritten. Zuerst deaktiviert man den Haken \u201eFreiflugphase aktiv\u201c und modelliert eine &Uuml;bergangsbahn mit einem stabilen Perig&auml;um (z. B. 200 km) und einem Apog&auml;um in der sp&auml;teren Kreisbahnh&ouml;he oder leicht darunter. Die Nutzlast sollte so gemessen sein, dass man noch ausreichende Treibstoffreserven f&uuml;r die sp&auml;tere Anhebung hat. Wie viel man dazu braucht, kann man &uuml;ber eine Hohmanntransferberechnung und die Raketengleichung herausfinden. Hat man die Bahn mit der richtigen Nutzlast modelliert so &auml;ndert sich von nun an an den Umlenkpunkten nichts mehr. Ab jetzt sind die Verstellparameter der Beginn und das Ende der Freiflugphase.<\/p>\n<p>Dann aktiviert man die Freiflugphase bei den Einstellungen Parkbahn und begrenzt zuerst die Zeitdauer, ab der die eintreten kann. Dazu muss man nur den Wert von \u201eSim-end\u201c in der Tabelle &uuml;bernehmen. Man kann ihn sp&auml;ter noch modifizieren, wenn die Zielbahn nicht genau getroffen wird. Dann gibt man noch die Zielbahnh&ouml;he an, ab der die Stufe gez&uuml;ndet werden soll. Bei einem schubstarken Triebwerk kann dies durchaus die Apog&auml;umh&ouml;he sein. Die folgenden Werte sind die f&uuml;r eine Ariane 1 f&uuml;r einen 700 km SSO-Orbit. Man kann beide Parameter ver&auml;ndern, indem man Sie durch die Men&uuml;punkte &#8222;Beginn Freiflugphase&#8220; und &#8222;Ende Freiflugphase programmgesteuert ver&auml;ndert. Aus der Tabelle sucht man bei \u201eBeginn Freiflugphase\u201c die Bahn heraus die mindestens ein stabiles Perig&auml;um hat und bei \u201eEnde Freiflugphase\u201c die Bahn, bei der Perig&auml;um und Apog&auml;um nahe den Zielen liegen. Systembedingt wegen der einfachen Simulation ist es sehr schwierig, nahezu kreisf&ouml;rmige Bahnen zu erhalten. Ich habe daher als Ziel auch 680 x 700 km hohe Bahnen angestrebt.<\/p>\n<p>F&uuml;r eine 800 km hohe Bahn errechne ich f&uuml;r die Ariane 5 ECA im direkten Aufstieg 14,900 kg. Bei einem (theoretisch m&ouml;glichen) Zweiimpulstransfer sind es 17.500 kg. Das ist schon ein deutlicher Unterschied. Dabei hat die Ariane 5 ECA eine relativ lange Brenndauer \u2013 Brennschluss ist nach 1505 s. Wie ich schon erl&auml;utert habe, ist es g&uuml;nstig, wenn die Rakete m&ouml;glichst viel der Geschwindigkeit in Orbith&ouml;he aufbringt, also die 800 km H&ouml;he schnell erreicht und dann lange betrieben wird. Das hei&szlig;t der Nutzlastverlust ist geringer, wenn die Rakete eine hohe Startbeschleunigung, aber trotzdem lange Brennzeit hat.<\/p>\n<p>Ich habe als Kontrast die Ariane 1 modelliert. F&uuml;r sie wurde eine Nutzlast von nur 2.500 kg in eine 700 km hohe SSO-Bahn angegeben, das ist nur wenig mehr als f&uuml;r die GTO-Bahn und knapp die H&auml;lfte, die in eine LEO-Bahn transportiert wird. Der Verlust ist also recht deutlich. Ich errechne 2.600 zu 4.000 kg. Der prozentuale Unterschied ist also noch weitaus h&ouml;her. Deutlich wird dies auch bei dem Diagramm der Aufstiegsbahnen. Die Ariane 1 verbringt wegen der kurzen Brennzeit (Brennschluss nach 861 s) nur kurze Zeit in Orbith&ouml;he. Die Ariane 5 ECA deutlich mehr. Bei den Kurven mit Freiflugphase ist zu beachten, dass mein Programm nur die angetriebene Phase protokolliert. Dadurch gibt es eine Gerade zwischen erstem Brennschluss und zweiter Z&uuml;ndung. Trotzdem wird deutlich das die erste angetriebene Phase in niedriger H&ouml;he stattfindet und dann in Zielh&ouml;he eine kurze zweite Brennzeit.<\/p>\n<h3>Off Perigree<\/h3>\n<p>Erg&auml;nzend dazu gibt es noch eine Besonderheit: Zahlreiche milit&auml;rische Satelliten, die mit der Titan 3C gestartet wurden, hatten eine \u201eoff-perigree\u201c Bahn. Das ist eine Bahn, bei der das Perig&auml;um so niedrig ist, das der Satellit vergl&uuml;hen w&uuml;rde. Rein theoretisch k&ouml;nnte es beim Erdmittelpunkt liegen. In der Praxis geht das nicht. Schon alleine um die dichte Atmosph&auml;re zu &uuml;berwinden muss man vertikal beschleunigen, was es anhebt. Die Beschleunigung muss so hoch sein, dass auch sp&auml;ter, wenn der Winkel, zur Horizontalen 0 Grad betr&auml;gt, die Rakete niemals so tief sinken wird \u2013 sie wird ja laufend von der Erde angezogen \u2013 das eine Mindesth&ouml;he, in der die Luftreibung nicht zu gro&szlig; ist. Ich habe f&uuml;r die Simulation einer Titan 3C als Sattelh&ouml;he 120 km angenommen. Bei der Simulation transportiert die Titan 3C 3.8 t in eine 143 x 35790 km Bahn. Bei einer stabilen Bahn mit 200 km Perig&auml;um sind es nur 3,6 t. Allerdings muss man auch mehr Geschwindigkeit aufbringen, um die GEO-Bahn zu erreichen.<\/p>\n<p>Mehr Geschwindigkeit ist aber hier besser: denn beim Start vom Cape aus erreicht die Titan in meiner Simulation eine minimale Bahnneigung von 22,1 Grad. Diese Inklination muss auch abgebaut werden und aufgrund der Gleichung f&uuml;r das kombinierte Man&ouml;ver wirkt sich die Geschwindigkeits&auml;nderung f&uuml;r die Bahnneigungs&auml;nderung um so weniger aus, je h&ouml;her die Geschwindigkeitsdifferenz zum GEO ist. In diesem falle sind es 1705 m\/s (200&#215;35800) und 1709 m\/s \u2013 die 4 m\/s schlagen sich nur in 8 kg Treibstoff nieder \u2013 man erh&auml;lt also ein sattes Plus von rund 190 kg Nutzlast in den GTO oder rund 100 kg in den GEO.<\/p>\n<p>Ist das riskant? Wenn man genauer nachdenkt eigentlich nicht. Die Nutzlast w&uuml;rde zwar vergl&uuml;hen, wenn die Stufe nicht wiederz&uuml;ndet, aber sie w&auml;re auch auf einer stabilen Bahn verloren wenn die Stufe nicht wiederz&uuml;ndet. Denn alleine k&ouml;nnte sie die Geschwindigkeit nicht aufbringen (off-perigree wurde nur f&uuml;r Satelliten genutzt, die keinen integrierten Apog&auml;umsantrieb hatten und daher auf die letzte Stufe angewiesen waren. F&uuml;r kommerzielle Satelliten ist es allerdings nichts, denn die Betreiber m&uuml;ssten diese innerhalb weniger Stunden in Betrieb nehmen und 5 Stunden nach dem Start beim ersten Durchlaufen des Apog&auml;ums den integrierten Antrieb z&uuml;nden.<\/p>\n<h3>Ben&ouml;tigt man die Wiederz&uuml;ndung?<\/h3>\n<p>Die ESA hat sich f&uuml;r die ESC-B stark gemacht, weil sie die F&auml;higkeit zur Wiederz&uuml;ndung betonte. Es gibt mehrere Gr&uuml;nde daf&uuml;r. Nur wegen der h&ouml;heren SSO-Nutzlast sicher nicht. Da man daf&uuml;r sowieso einen Einzelstart ben&ouml;tigt und Ariane immer f&uuml;r den Start zweier Satelliten in den GTO ausgelegt war ist sie eigentlich immer mehr als leistungsf&auml;hig gewesen. Bei Ariane 1-3 wurde immer die Ariane 1 als leichtestes Modell f&uuml;r SSO genutzt. Bei Ariane 4 die kleinsten Versionen Ariane 40 und 42P. Bei Ariane 5 die Ariane 5G und beim letzten Start musste man sogar Ballast zuladen, damit die EPC an der richtigen Stelle niedergeht. Inzwischen bucht man daf&uuml;r die Sojus, die mit rund 7 t in den SSO mehr als genug Nutzlast hat. F&uuml;r ATV Missionen hat man auch die wiederz&uuml;ndbare EPS-Stufe eingesetzt, doch die Orbith&ouml;he von 260 km erreicht auch die nicht wiederz&uuml;ndbare ESC-A Oberstufe. Es bleiben zwei Anwendungsgebiete. Das eine sind Raumsondenstarts. Auch diese kann man direkt starten \u2013 die NASA tat das bis zum Start von Mariner 10. Das schr&auml;nkt die Startfenster etwas ein. Das Hauptproblem, das aber die ESA hat, hat mit der Wiederz&uuml;ndung nichts zu tun. Planetare Umlaufbahnen k&ouml;nnen h&ouml;here Startbahnneigungen erfordern und niedrige Bahnneigungen so bis zu 30 Grad bewirken das die Ariane beim Start S&uuml;damerika &uuml;berquert und das ist verboten. Deswegen macht Bepi-Colombo auch einen Erdvorbeiflug, denn Ariane 5 k&ouml;nnte sie problemlos zur Venus bef&ouml;rdern, doch das darf sie nicht, weil die daf&uuml;r notwendige Aufstiegsbahn verboten ist.<\/p>\n<p>Es bleibt wirklich ein Einsatz: Die Galileo-Satelliten haben keinen eigenen Antrieb. Sie m&uuml;ssen mit einer zweiten Z&uuml;ndung in rund 23.500 km H&ouml;he ihre Bahn zirkularisieren. Allerdings kann man auch eine Gegenrechnung aufmachen. Die Geschwindigkeit f&uuml;r den Galileoorbit ist nur etwas h&ouml;her als f&uuml;r den GTO. Ich errechne mit meiner Simulation eine Nutzlast von 10.300 kg f&uuml;r die Ariane 5 ECA. Wenn man nun in die Satelliten einen normalen Apog&auml;umsantrieb einbaut und diesen die Differenz aufbringen l&auml;sst, so senkt das die Nutzlast bei einem Strukturfaktor von 8 und 1447 m\/s Geschwindigkeitsdifferenz auf 5800 kg ab. Ein Satellit wiegt 738 kg, das w&auml;ren also sieben St&uuml;ck pro Start. Derzeit bringt die Ariane 5 ES nur vier pro Start in den Orbit. Beim letzten Start waren es 3379 kg f&uuml;r vier Satelliten und 427 kg f&uuml;r den Dispenser. Bei sieben Satelliten d&uuml;rfte der Dispenser sogar 634 kg wiegen. Man m&uuml;sste also die Mehrkosten f&uuml;r den Apog&auml;umsantrieb gegen die eingesparten Kosten f&uuml;r die Raketenstarts rechnen.<\/p>\n<p>Allerdings ist es nicht ganz so einfach, denn Galileo besteht aus 10 Satelliten pro Bahnebene, jeder Start kann nur eine Bahnebene bedienen. Das geht bei der Kombination von Sojus und Ariane (2 x Ariane + 1 Sojus oder 3 x Sojus + 1 Ariane) ganz gut, bei sieben Satelliten pro Start aber nicht. Man m&uuml;sste auf 5 reduzieren und ob es sich dann noch lohnt? Immerhin eine Absch&auml;tzung kann man machen: Die Startkosten f&uuml;r zwei Ariane und einen Sojus liegen pro Bahnebene bei knapp 400 Millionen Euro, bei drei Sojus und einer Ariane sind es 384 Millionen Euro. Zwo Ariane Starts mit der ESC-B w&uuml;rden nur 328 kosten. Wenn die Apog&auml;umsantriebe f&uuml;r 10 Satelliten also nicht mehr als 60 Millionen Euro kosten, lohnt es sich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt zwei Methoden eine h&ouml;here, kreisf&ouml;rmige, Umlaufbahn zu erreichen (\u201ehoch\u201c kann man ab etwa 300 km Erdabstand ansehen). Das eine ist der direkte Aufstieg und das zweite ist der Zweiimpuls, oder Hohmann-&Uuml;bergang. 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Das Starship mit der Seriennummer S33 und die SuperHeavy mit der Seriennummer B14 hoben mit 37 Minuten Versp\u00e4tung um 4:37 nachmittags lokaler Zeit ab. Der Flug selbst hatte einen genehmigten Startzeitraum von 10. bis zum 17. Januar 2025 mit jeweils einem Startfenster pro\u2026","rel":"","context":"In &quot;SpaceX&quot;","block_context":{"text":"SpaceX","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/spacex\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/60231369830445f0b5712ad7af8fdc7a","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":13379,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2018\/05\/09\/die-nutzlasten-der-nicht-gebauten-saturn\/","url_meta":{"origin":13502,"position":5},"title":"Die Nutzlasten der nicht gebauten Saturn","author":"Bernd Leitenberger","date":"9. Mai 2018","format":false,"excerpt":"Wie bei vielen anderen Raketen waren einmal leistungsst\u00e4rkere Versionen der Saturn V geplant. Schaut man in die Archive, so findet man viele Pl\u00e4ne, die meisten setzen jedoch umfangreiche \u00c4nderungen voraus so der Einsatz von FLOX als Oxidator in der ersten Stufe oder eine nukleare Oberstufe. Ich habe das Thema \u201eSaturn\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/7f9f0465c933497ebc396f676650eb5d","width":350,"height":200},"classes":[]}],"jetpack_sharing_enabled":true,"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13502","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/169"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13502"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13502\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13502"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13502"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13502"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}