{"id":13516,"date":"2018-10-01T00:10:58","date_gmt":"2018-09-30T22:10:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=13516"},"modified":"2019-01-13T19:25:45","modified_gmt":"2019-01-13T18:25:45","slug":"die-sternstunde-der-nasa-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2018\/10\/01\/die-sternstunde-der-nasa-2\/","title":{"rendered":"Die Sternstunde der NASA"},"content":{"rendered":"<p>Heute, am 1.10.2018 wird die US-Weltraumagentur NASA 60. Die NASA wurde zwar schon einige Wochen vorher per Gesetzesbeschluss gegr&uuml;ndet, doch am 1.10.1958 nahm sie offiziell ihre Arbeit auf. Ich will dieses Jubil&auml;um nutzen um eine kleine Reihe von Aufs&auml;tzen zu bringen mit den Titeln \u201eDie Sternstunde der NASA\u201c, \u201eder schw&auml;rzeste Tag der NASA\u201c und \u201edie gr&ouml;&szlig;te Panne der NASA\u201c, die an jeweils unterschiedliche Dinge erinnern.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/ebe2cd836eb94c9686af67d15986c387\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><!--more--><\/p>\n<p>Heute geht es um die beste Leistung der NASA in diesen letzten 60 Jahren. Die Bezeichnung \u201eStunde\u201c sollte man nicht w&ouml;rtlich nehmen, es geht vielmehr um ein Ereignis, aber \u201eSternstunde\u201c h&ouml;rt sich eben gut an. Also was war die beste Leistung der NASA?<\/p>\n<p>Man kann das nat&uuml;rlich verschieden interpretieren. F&uuml;r mich pers&ouml;nlich w&auml;re das Voyagerprogramm ein hei&szlig;er Favorit. Kein anderes Programm hat uns so viele Erkenntnisse gebracht und Erstleistungen aufgestellt, und das bei moderaten Kosten. Dabei war der Sprung von der Betriebsdauer, die bisher erreicht wurde, zu der Anforderung f&uuml;r Voyager enorm \u2013 und beide Sonden arbeiten jetzt noch, 41 Jahre nach dem Start noch immer. Allerdings wei&szlig; ich, dass sich die meisten vor allem f&uuml;r bemannte Raumfahrt interessieren und die verbraucht auch das die meisten Gelder.<\/p>\n<p>Also was ist da die Sternstunde? Ich denke 90 % werden auf die Mondlandung bei Apollo 11 tippen. Ich sehe das anders. Apollo 11 war der Endpunkt einer Entwicklung die aus vier bemannten Vorbereitungsmissionen und noch mehr unbemannten Missionen bestand. Die Landung war nicht ohne Risiko, aber die Astronauten hatten die Schritte zigmal im Simulator ge&uuml;bt und man hatte alle vorherigen Schritte bis zur Landung bei den vorherigen Missionen absolviert. Die Crews von Apollo 15 waren 8.500 Stunden im Simulator, bei Apollo 11 werden es nicht weniger Stunden gewesen sein. Das sind pro Crewmitglied fast 1.500 Stunden oder rund 190 Arbeitstage. Sie ist nur der H&ouml;hepunkt eines Programms das acht Jahre vorher begann.<\/p>\n<p>Als die Sternstunde der NASA sehe ich die Rettung von Apollo 13 an. Denn die war nicht geplant. In den Simulationen war ein Unfall dieser Art nicht vorgesehen. Als die ersten Telemetriewerte nach der Explosion des Sauerstofftanks eintrudelten, glaubten die Flugkontrolleure an ein Versagen der Me&szlig;sensoren. Nach ihrer Logik konnte so viel gar nicht auf einmal kaputtgehen \u2013 der Sauerstofftank, die Brennstoffzellen, die Orientierung der Kapsel. So viele unabh&auml;ngige Systeme k&ouml;nnen nicht einfach simultan ausfallen. Es dauerte lange bis man den Werten glaubte. Doch danach arbeitete das Team an einer L&ouml;sung. Das erste war es so viel wie m&ouml;glich von den Ressourcen des CM zu retten. Denn von denen lebte die Besatzung, nachdem die Brennstoffzellen zu wenig Strom lieferten. Man fuhr das LM hoch, was in Rekordzeit erfolgen musste.<\/p>\n<p>Gleichzeitig schaute man in Computersimulationen, welche Optionen man hatte die Mission zu verk&uuml;rzen. Es gab, das stellte sich innerhalb einer Stunde nach dem Unfall raus, zwei Optionen. Man konnte jetzt das Triebwerk des Servicemoduls z&uuml;nden und die Bahn praktisch umkehren. Dann w&auml;re die Besatzung in 3 Tagen wieder auf der Erde. Daf&uuml;r h&auml;tte man aber fast den ganzem Treibstoff des Servicemoduls verbrauchen m&uuml;ssen und das LM abwerfen m&uuml;ssen. Die zweite Option war eine Z&uuml;ndung des LM nach Passage des Mondes, was die R&uuml;ckreise nur leicht verk&uuml;rzt. Das war weniger riskant, da man nicht wusste ob das Triebwerk des Servicemoduls oder die Tankleitungen was abbekommen hatten und zudem man nicht wusste ob die Ressourcen im Servicemodule bis zur Landung reichen w&uuml;rden. Daf&uuml;r musste man das LM in Betrieb lassen bis der Mond passiert war, damit es die genauen Daten f&uuml;r die Ausrichtung gab. Sehr schnell war man sich einig die zweite Option durchzuf&uuml;hren. Das Hauptargument war, das das LM so als Rettungsboot fungieren konnte. Man wusste zwar zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht was im Servicemodul kaputt war, doch eines war sicher, das LM war nicht betroffen. Zwei Stunden nach dem Ungl&uuml;ck stand der Rettungsplan. Von den Ressourcen des LM lebte man jetzt. Das bedeutete auch, dass man sobald die Z&uuml;ndung nach Passage des Monds erfolgt war alles abschalten musste um Strom zu sparen. Denn die Batterien des LM waren nur f&uuml;r eine kurze Betriebszeit ausgelegt. Mehr noch. Sie mussten nun auch noch die Batterien des CM aufladen, von denen man in den vergangenen Stunden schon Leistung bezogen hatte.<\/p>\n<p>Man erarbeitete in Rekordzeit eine L&ouml;sung um die Lithiumhydroxidkanister des Kommandomoduls, die nicht in die Fassungen des Mondmoduls passten, zu integrieren. Schlie&szlig;lich sollten diese nur die Luft von zwei Personen &uuml;ber einen Tag filtern und nicht die von drei Personen &uuml;ber vier Tage. Unkritisch, das zeigten schon erste Berechnungen, waren Wasser und Sauerstoff. Die Astronauten hatten nach der Abschaltung des LM drei ungem&uuml;tliche Tage. Zum einen wurde es sehr kalt im Raumschiff \u2013 die Konzeption von Apollo war es die meiste Strahlung gar nicht erst aufzunehmen und die Abw&auml;rme der elektrischen Systeme und Brennstoffzellen zur Heizung zu nutzen. Ohne diese Abw&auml;rme sanken die Temperaturen auf 6 Grad. Die Bodenkontrolle tat ein &uuml;briges, um die Situation unangenehmer zu machen \u2013 um den Kurs bestimmen zu k&ouml;nnen, baten sie, den Urin nicht mehr abzupumpen. Er st&ouml;rte die Bestimmung. Gemeint war das dies kurzzeitig erfolgen sollte, doch die Besatzung verstand das als permanente Anweisung.<\/p>\n<p>Die Rettung war m&ouml;glich weil Apollo mit enorm viel Manpower betrieben wurde. Als die erste Mondlandung stattfand, hatte das Programm schon den Zenit &uuml;berschritten \u2013 was die Finanzierung und die beteiligte Personenzahl anbetrifft. Die trat wie bei jedem Programm zum Abschluss der Entwicklung auf. F&uuml;r die Produktion braucht man deutlich weniger Personen. Noch weniger zum Betrieb, denn als Apollo 13 startete war die Produktion schon am Auslaufen. Die NASA verfolgte jedoch schon damals eine Strategie die auch bis heute f&uuml;r die hohen Kosten bemannter Raumfahrt verantwortlich ist. Sie zahlte daf&uuml;r, dass die US-Firmen einen qualifizierten Mitarbeiterstamm weiter besch&auml;ftigten. Sie waren w&auml;hrend der Missionen auf Abruf bereit und so konnte die Missionskontrolle sehr schnell die wesentlichen Daten bekommen wie es mit den Ressourcen stand und daraufhin Strategien ausarbeiten.<\/p>\n<p>Noch einmal gab es eine &auml;hnliche Situation. Wenige Jahre sp&auml;ter startete das Raumlabor Skylab. Dabei entfaltete sich durch aerodynamische Kr&auml;fte der Mikrometeoritenschutzschild vorzeitig und riss dabei ein Solarpanel mit ab. Die Station hatte so nur 60 % ihrer Stromversorgung \u2013 und das war gravierender \u2013 der Mikrometeoritenschutzschild diente auch als Sonnenschutz. So stiegen die Temperaturen in der Station rasch an. Mehrmals tauschte man die komplette Atmosph&auml;re aus, weil man bef&uuml;rchtete, aus Kunststoffen k&ouml;nnten gef&auml;hrliche Gase ausgasen. Problematischer war aber das um die Aufheizung zu begrenzen man die Station so drehte, dass sie m&ouml;glichst eine kleine Angriffsfl&auml;che bot. Man hatte sie aber os konstruiert, das sie sich automatisch so orientiert, das die L&auml;ngsachse in Bahnrichtung zeigt \u2013 das reduziert die Abbremsung, richtet die Solarpaneele zur Sonne aus und erleichtert das ankoppeln. Vor allem aber spart es Treibstoff. Skylab hatte nur ein Kaltgassystem an Bord. Nach zwanzig Tagen, so ergaben Rechnungen, w&auml;re der Lageregelungstreibstoff ersch&ouml;pft. Innerhalb von 5 Tagen fand man zwei L&ouml;sungen um den Mikrometeoritenschutzschild zu ersetzen. Eine provisorische in Form eines Schirms der durch eine Luftschleuse f&uuml;r Experimente geschoben wurde und dann einen Teil der Oberfl&auml;che bedeckte. Er wurde mit der ersten bemannten Mission zur Station gebracht und einen zweiten, der die ganze Oberfl&auml;che bedeckte. Er wurde wie ein Segel aufgespannt. Er musste erst gen&auml;ht werden und die Astronauten mussten den EVA-Einsatz \u2013 ohne Fixierungsgriffe \u2013 unter Wasser an einem Modell ein&uuml;ben. Das tat die Ersatzcrew, da die Prim&auml;rcrew schon genug mit den Flugvorbereitungen zu tun hatte. Sie gab dann der Prim&auml;rcrew die anweisungen was sie zu tun hatte.\u00a0 Er wurde bei der zweiten bemannten Mission installiert. Skylab 2, die erste bemannte Mission startete so f&uuml;nf Tage sp&auml;ter als geplant, bis dahin hatte man schon die H&auml;lfte des Treibstoffs verbraucht. Am ersten Tag nach dem Ankoppeln wurde der Schirm entspannt und die Temperaturen sanken auf immer noch hohe, aber ertr&auml;gliche 28 Grad Celsius, Vorher lagen sie bei &uuml;ber 40 Grad. Skylab 3 montierte dann den Spinnaker und die Temperaturen sanken auf das Normalniveau. Die Experimente an Bord von Skylab waren ein voller Erfolg. Die dritte Besatzung blieb sogar l&auml;nger an Bord als geplant und bis heute kann Skylab mehr Stunden f&uuml;r wissenschaftliche Arbeit pro Woche und Astronaut aufweisen als die ISS, wo die Astronauten vor allem mit sich und dem In-Schuss-Halten der Station besch&auml;ftigt sind.<\/p>\n<p>Ich glaube beide Ereignisse w&auml;ren heute nicht mehr so m&ouml;glich. Schon im Apolloprogramm begann die B&uuml;rokratisierung der NASA. Das schlie&szlig;t aber schnelle Reaktionen fast immer aus. Als man die Probleme von Skylab kannte trommelte man alle zusammen die mit dem Programm beauftragt waren. Ein NASA-Mitarbeiter hatte nach der Suche nach Schneidwerkzeugen mit denen man den zweiten Fl&uuml;gel der eingeklemmt war ausfahren konnte eine kleine Firma aufgetrieben, die Schneidscheren f&uuml;r Stromkabel an Stangen fernbedient per Seilzug herstellte. Doch die war nicht in Houston ans&auml;ssig. Also fragte man bei der Firma nach welche die Station baute und die sowieso Leute zur Besprechung schickte ob sie nicht einen Abstecher machen w&uuml;rden und an einem Regionalflugplatz Ingenieure dieser Firma mitnehmen w&uuml;rde &#8211; das war damals (1973) noch ohne Formulare und Antr&auml;ge m&ouml;glich.<\/p>\n<p>Das waren meine Vorschl&auml;ge f&uuml;r Sternstunden der NASA. Was habt ihr f&uuml;r welche? &Uuml;bermorgen geht es in der kleinen Serie zum 60-sten Geburtstag um die schw&auml;rzesten Stunden der NASA. Ihr d&uuml;rft mal raten welche ich f&uuml;r den hei&szlig;esten Kandidaten halte. Passend zum Jubil&auml;um ist inzwischen \u201eDas Mercuryprogramm\u201c ist inzwischen beim zweiten Korrekturleser angekommen. Es sieht also so aus als w&uuml;rde das Buch &uuml;ber das erste NASA-Programm rechtzeitig zum 60-sten Jubil&auml;um des Mercuryprogramms am 26.11.2018 erscheinen k&ouml;nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute, am 1.10.2018 wird die US-Weltraumagentur NASA 60. Die NASA wurde zwar schon einige Wochen vorher per Gesetzesbeschluss gegr&uuml;ndet, doch am 1.10.1958 nahm sie offiziell ihre Arbeit auf. 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