{"id":13558,"date":"2018-10-17T00:25:27","date_gmt":"2018-10-16T22:25:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=13558"},"modified":"2018-10-14T19:07:21","modified_gmt":"2018-10-14T17:07:21","slug":"das-modulkonzept-mit-dem-prometheus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2018\/10\/17\/das-modulkonzept-mit-dem-prometheus\/","title":{"rendered":"Das Modulkonzept: mit dem Prometheus"},"content":{"rendered":"<p>As kleiner Abschluss meiner Reihe &uuml;ber moderne Modulbauweisen will ich mich einem realistischen Konzept widmen. Derzeit wird ja das Prometheus-Triebwerk entwickelt. Es ist in vielem ideal f&uuml;r eine modulare Rakete<\/p>\n<ul>\n<li>es soll vergleichsweise preiswert sein (1 Million \u20ac\/Triebwerk)<\/li>\n<li>es ist auf eine hohe Produktionszahl (50 bis 100 Triebwerke\/Jahr) ausgelegt.<\/li>\n<li>es hat vergleichsweise wenig Schub (1.000 kN).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ich habe dies einmal zu einem Bestandteil eines Modulkonzepts gemacht. Ich habe als Startmasse 65 t angenommen, das erm&ouml;glicht es, das als kleinste Version vier Booster reichen, um eine Zentralstufe zu starten. Wenn man mit der Modulmasse heruntergeht, dann reichen auch drei, dann gibt es aber ein Problem bei gro&szlig;en Nutzlasten. Ich halte es dann besser, wie bei Ariane 4,0 einfach Treibstoff wegzulassen. Man spart ein Modul ein, das ist preiswerter, als Nutzlast zu verlieren.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/6fa088f42fce4162a94cfceac90cb624\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><!--more--><\/p>\n<p>Bei 60 t Treibstoff w&auml;re ein Modul mit 2 m Durchmesser angemessen. Die Tanks w&auml;ren 23,2 m lang gewesen, die Rakete also sehr schlank (mit Triebwerkssektion und aerodynamischer Spitze etwa 30 m), aber da man die Raketen b&uuml;ndelt, und so eine Rakete mit mindestens doppeltem Durchmesser erh&auml;lt, ist das besser.<\/p>\n<p>Die Trockenmasse habe ich mit 5 t angesetzt. Das ist konservativ, aber wenn ich eine preiswerte Rakete bauen will, dann lieber eine die man billig produzieren kann mit schlechtem Strukturfaktor, als eine leichte die teuer ist. Zum Vergleich: die Thor LT wog 70,3 t voll und 3,7 t trocken.<\/p>\n<p>Der Aufbau ist relativ einfach. Eine Stufe ist die Zentralstufe oder zweite Stufe, die ersten Stufen sitzen au&szlig;en. Ich habe zuerst drei Versionen untersucht:<\/p>\n<ol>\n<li>3 Au&szlig;enblocks (Teilbef&uuml;llung mit 57 t Startmasse)<\/li>\n<li>4 Au&szlig;enblocks<\/li>\n<li>6 Au&szlig;enblocks.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Nutzlasten habe ich f&uuml;r GTO-Bahnen berechnet mit meiner Aufstiegssimulation vom CSG aus. Da nicht bekannt ist ob man das Prometheus im Vakuum z&uuml;nden kann habe ich es einfach 1 s vor Ausbrennen der Au&szlig;enblocks gez&uuml;ndet. Ich komme auf folgende Nutzlasten:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"85*\" \/>\n<col width=\"85*\" \/>\n<col width=\"85*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"33%\">Au&szlig;enblock<\/th>\n<th width=\"33%\">LEO (200 km)<\/th>\n<th width=\"33%\">GTO (200 x 35.800 km)<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">3<\/td>\n<td width=\"33%\">7.000 kg<\/td>\n<td width=\"33%\">1.000 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">4<\/td>\n<td width=\"33%\">12.900 kg<\/td>\n<td width=\"33%\">3.600 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">6<\/td>\n<td width=\"33%\">20.400 kg<\/td>\n<td width=\"33%\">6.600 kg<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Der rapide Anstieg der Nutzlasten liegt daran das noch die 5 t schwere Zentralstufe zur Nutzlast gez&auml;hlt werden muss. Die starke Nutzlastabnahme zwischen LEO und GTO liegt an den nur zwei Stufen mit einem spezifischen Impuls von 3530 m\/s (360 s).<\/p>\n<p>Man k&ouml;nnte nun noch einiges optimieren. So k&ouml;nnte die Zentralstufe die eine kleinere Beschleunigung braucht zumindest bei der letzten Version einen l&auml;ngeren Tank haben, was bei 20 t mehr Treibstoff und 1 t mehr Trockenmasse die Nutzlast f&uuml;r den GTO auf 7,2 t anheben w&uuml;rde. Ich halte mehr davon eine verl&auml;ngerte (ausfahrbare D&uuml;se) zu nehmen. Mit einem Expansionsverh&auml;ltnis, das von 28 auf 250 steigt, dann ist die D&uuml;se 2 m breit also so breit wie ein Modul steigt der spezifische Impuls um 200 m\/s, das erh&ouml;ht die Nutzlast auf 8,1 t was mehr als ausreichend f&uuml;r die gr&ouml;&szlig;ten Satelliten heute ist.<\/p>\n<p>Will man die Nutzlast weiter steigern so w&auml;re eine optionale Stufe mit etwa 10 t Masse und ebenfalls einem Methan-LOX Triebwerk mit 100 kN Schub sinnvoller, vor allem f&uuml;r die kleinen Versionen. Bei der Version mit 3 Boostern steigert sie die GTO-Nutzlast auf 4,5 t. Bei den gr&ouml;&szlig;eren Versionen ist der Gewinn kleiner, bei der mit 6 Boostern z.B. von 6,6 auf 10 t. Realistisch ist der Gewinn kleiner, da ich die Stufe mit nur 700 kg Leergewicht modelliert habe. Da k&auml;me aber noch die Elektronik, Batterien, Sender und Lageregelungssystem hinzu. Bei Ariane 1-5 war das immerhin 300 bis 900 kg schwer. Mit einer 15 t schweren Stufe sind es 11,2 t. Gr&ouml;&szlig;ere Stufen bringen weniger, eine 20 t Stufe liefert 1,4 t Nutzlast. F&uuml;r die kleinen Versionen mit 3 und 4 Boostern w&auml;re sie zu gro&szlig;. Bei der 3-Modul-Version w&uuml;rde man sie weglassen. Sie hat auch zu wenig Nutzlast f&uuml;r GTO, w&uuml;rde aber f&uuml;r alle ESA-Nutzlasten in LEO ausreichen.<\/p>\n<p>Methan als Treibstoff habe ich genommen, weil man so im Prinzip die gleiche Technologie wie f&uuml;r Prometheus und die unteren Stufen nehmen kann. Eine Oberstufe w&auml;re auch f&uuml;r Fluchtmissionen n&ouml;tig.<\/p>\n<p>Im Prinzip k&ouml;nnte man auch die gr&ouml;&szlig;eren Raketen ringf&ouml;mig aufbauen. Mit 9 Boostern kommt man auf die Nutzlast der Ariane 5 ECA und mit 12 auf die der Ariane 6. Das w&auml;re dann ein weiterer Ring mit 3 bzw. 6 Boostern, die aber geneinsam mit den inneren 6 abgetrennt werden. Man sieht aber schon \u2013 der Gewinn wird immer kleiner. Dann w&uuml;rde man eher andere Stufungskonzepte wie 9:2:1 vorziehen (9 Booster in Ring 1+2, zwei Booster in Ring 1, eine Zentralstufe, jeweils nacheinander gez&uuml;ndet), das erreicht trotz einem Booster weniger als die 12-1 Variante fast 2 t mehr Nutzlast als 12:1. Andere Optionen w&auml;ren es bei den kleinen Versionen die Booster voll zu betanken und daf&uuml;r die Zentralstufe am Boden zu z&uuml;nden. Da das Prometheus im Schub senkbar ist auf 30 % w&uuml;rde ein Schub von 60 % bei zwei Boostern und 40 % bei drei Boostern ausreichen um abzuheben auch wenn alle Tanks voll sind. Altrnativ nutzt man 110 % Schub, auch dies liefert das Triebwerk bei den Au&szlig;enboostern. Bei drei Boostern muss man dann keinen Treibstoff weglassen. Kurzum &#8211; es gibt noch etliche M&ouml;glichkeit selbst bei nur drei Boosterkombinationen mit einer Oberstufe, Treibstoffzuladung und Paralellstufung die Nutzlast anzupassen.<\/p>\n<p>Doch wenn man das Modulkonzept wirklich ernst nimmt, wird man die gro&szlig;en Konfigurationen (Doppelstarts) meiden und stattdessen mehr Einzelstarts durchf&uuml;hren. 14 Einzelstarts pro Jahr mit im Mittel 6 Modulen ergeben auch so die n&ouml;tige Anzahl von Triebwerken (84 pro Jahr).<\/p>\n<p>Prometheus soll die Kosten auf 5.000 $\/kg in GTO senken, das w&auml;re 50 % der Kosten der Ariane 6 und ein Drittel der Ariane 5. Wenn ein Modul maximal 4,7 Millionen Euro kostet, ist das machbar \u2013 und der Preis w&auml;re auch machbar, denn das Triebwerk soll ja nur 1 Million kosten und ist normalerweise das teuerste Teil der Rakete.<\/p>\n<p>Ich denke das Konzept ist sogar relativ einfach technisch machbar, und selbst wenn man noch eine Oberstufe mit einem weiteren Triebwerk entwickelt &#8211; es waren nur zwei Stufen anstatt drei wie bei der Ariane 6.<\/p>\n<p>Hier eine &Uuml;bersicht der Nutzlasten der Versionen:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"85*\" \/>\n<col width=\"85*\" \/>\n<col width=\"85*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"33%\">Au&szlig;enblock<\/th>\n<th width=\"33%\">LEO (200 km)<\/th>\n<th width=\"33%\">GTO (200 x 35.800 km)<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">2 (41 t Treibstoff)<\/td>\n<td width=\"33%\">2.700 kg<\/td>\n<th width=\"33%\"><\/th>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">3 (51 t Treibstoff)<\/td>\n<td width=\"33%\">7.000 kg<\/td>\n<td width=\"33%\">1.000 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">3 + 10 t Oberstufe<\/td>\n<td width=\"33%\"><\/td>\n<td width=\"33%\">4.500 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">4<\/td>\n<td width=\"33%\">12.900 kg<\/td>\n<td width=\"33%\">3.600 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">4 + 10 t Oberstufe<\/td>\n<td width=\"33%\"><\/td>\n<td width=\"33%\">6.900 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">6<\/td>\n<td width=\"33%\">20.400 kg<\/td>\n<td width=\"33%\">6.600 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">6 + 21 t mehr Treibstoff<\/td>\n<td width=\"33%\"><\/td>\n<td width=\"33%\">7.200 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">6 + verl&auml;ngerte D&uuml;se<\/td>\n<td width=\"33%\"><\/td>\n<td width=\"33%\">8.100 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">6 + 10 t Oberstufe<\/td>\n<td width=\"33%\"><\/td>\n<td width=\"33%\">10.100 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">6 + 15 t Oberstufe<\/td>\n<td width=\"33%\"><\/td>\n<td width=\"33%\">11.200 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">6 + 20 t Oberstufe<\/td>\n<td width=\"33%\"><\/td>\n<td width=\"33%\">11.400 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">9<\/td>\n<td width=\"33%\"><\/td>\n<td width=\"33%\">9.800 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">12<\/td>\n<td width=\"33%\"><\/td>\n<td width=\"33%\">12.400 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">9 + 2<\/td>\n<td width=\"33%\"><\/td>\n<td width=\"33%\">14.300 kg<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2 class=\"western\">Fazit<\/h2>\n<p>Mit einem Modultyp und einer Oberstufe von 10 bis 15 t Gewicht kann man mit 2 bis 6 Modulen 2,7 bis 20,4 t in den LEO und 3,6 bis 11,2 t in den GTO bringen. Damit deckt man nicht nur g&auml;ngige Satellitenmassen in den GTO ab (wenn man z.B. sich auf die 10 t Oberstufe festlegt, 3,6 t, 4,5 t, 6,6 t, 10,1 t in GTO sondern mit 2 oder 3 Boostern auch die Nutzlast der Vega oder Sojus in den LEO. Damit k&ouml;nnte man alle Raketen der ESA ersetzen, w&auml;re nicht mehr auf Doppelstarts angewiesen und w&uuml;rde auf hohe St&uuml;ckzahlen kommen. Eine D&uuml;senverl&auml;ngerung (hier nur an einem Modell untersucht) w&uuml;rde noch mehr Nutzlastgewinn bringen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>As kleiner Abschluss meiner Reihe &uuml;ber moderne Modulbauweisen will ich mich einem realistischen Konzept widmen. Derzeit wird ja das Prometheus-Triebwerk entwickelt. 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