{"id":13615,"date":"2018-11-26T06:32:31","date_gmt":"2018-11-26T05:32:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=13615"},"modified":"2018-11-25T19:36:12","modified_gmt":"2018-11-25T18:36:12","slug":"das-kannst-du-nicht-verlangen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2018\/11\/26\/das-kannst-du-nicht-verlangen\/","title":{"rendered":"Das kannst Du nicht verlangen!"},"content":{"rendered":"<p>Das werde ich bald von meinem Ansprechpartner bei meinem Kunden zu h&ouml;ren bekommen. Denn ich habe mir erlaubt meinen Stundensatz zu erh&ouml;hen und den Spruch habe ich schon bei der letzten Erh&ouml;hung geh&ouml;rt. Daher habe ich auch gut recherchiert. Als ich 2008 als freiberuflicher externer Mitarbeiter anfing, habe ich 50 Euro verlangt und da gab es keine Einw&auml;nde. Das habe ich damals mit einer Abfrage &uuml;ber den durchschnittlichen Lohn bei meiner Qualifikation begr&uuml;ndet und die habe ich wieder gestartet \u2013 Ergebnis, ich k&ouml;nnte 87 verlangen. Dann habe ich mich bei der IG-Metall informiert, inwieweit der Lohn durch Tarifabschl&uuml;sse in den letzten 11 Jahren <a href=\"https:\/\/www.gesamtmetall.de\/sites\/default\/files\/downloads\/broschuere_-_tarifentgelte_1990-2018.pdf\">gestiegen ist<\/a>: Ergebnis 36,5 Prozent, dies w&auml;ren bei gleicher Steigerung meines Arbeitslohnes wie bei den tariflich bezahlten Mitarbeitern 81,93 Euro. Also w&auml;hlte ich 82 Euro. Dagegen wird man wohl nichts haben, schlie&szlig;lich werden die Mitarbeiter nach IG-Metall Tarif bezahlt, obwohl sie nicht Mitglied im Arbeitgeberverband sind.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/1ff96ccb669c4e1694192469855fc2b4\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><!--more--><\/p>\n<p>Klar, bei einem Gehalt meines Ansprechpartners nach EG 14 \/nach eigener Auskunft 5000 Euro), nach <a href=\"https:\/\/metall.nrw\/fileadmin\/std_project\/content_data\/Downloads\/Tarif\/Tarifdownload\/Tarifentwicklung_Tabellen\/ERA-Entgelttabellen_2018___2020.pdf\">Tabelle<\/a> 5024 (&uuml;brigens nur bis 12 Monate in der Gruppe, obwohl er mindestens seit 2002 in dem Unternehmen und der Abteilung arbeitet) und einem Stundenlohn von 33 Euro erscheinen 82 viel zu sein. Zeit mal etwas Aufkl&auml;rung zu betrieben.<\/p>\n<p>Das erste was einen Arbeitnehmer von einem Freiberufler unterscheidet sind die Sozialabgaben und steuern. Dabei gibt es zwei F&auml;lle zu unterscheiden. Verdient man bis 17.500 Euro im Jahr, so kann man auf die Erhebung von Umsatzsteuer verzichten, ansonsten muss man 19 % Umsatzsteuer abf&uuml;hren. Umgekehrt gibt es aber auch bei dem niedrigen Einkommen einen Fallstrick. Sobald das Einkommen aus selbstst&auml;ndiger Arbeit, sei es auch gering die anderen Eink&uuml;nfte &uuml;berschreitet berechnet die Krankenkasse den Beitrag nicht nach dem tats&auml;chlichen Einkommen, sondern einem Monatseinkommen von 2283,75 Euro also 27.405 Euro Jahreseinkommen. Das man mehr als 27.405 Euro Einkommen (nicht Umsatz) aus anderen Quellen erzielt setzt ein sehr hohes Verm&ouml;gen voraus, bei 2 Prozent Nettozins (abz&uuml;glich der Kapitalertragsteuer, Soli, Kirchensteuer wird man nicht mehr heute erzielen k&ouml;nnen) br&auml;uchte man ein Verm&ouml;gen von 1,37 Millionen Euro. Auf &auml;hnliche Summe in Form von Immobilienwert kommt man, wenn man Mieten als weitere Einkommensquelle hat. Wenn es ganz dumm l&auml;uft, liegt man &uuml;ber 17.500 Euro muss dann Umsatzsteuer und den hohen Krankenkassenbeitrag bezahlen.<\/p>\n<p>Bei mir sind es mit Pflegeversicherung 406,52 Euro pro Monat, bei 16.030 Euro Jahreseinkommen. Dazu k&auml;men noch 12,575 % f&uuml;r Rentenversicherung und andere Sozialversicherungen ohne die Krankenversicherung, die bezahlt man ja noch ganz. Das ist der Arbeitgeberanteil, den man als Selbstst&auml;ndiger ja auch &uuml;bernehmen muss. Wenn man nicht den erh&ouml;hten Krankenkassenbeitrag zahlt, sind es mit Krankenversicherung 19,575 Prozent, aber dann liegt man in jedem Falle &uuml;ber den 17.500 Euro Verdienst und muss Umsatzsteuer bezahlen, das sind auch weitere 19 % abgaben. Kurzum: Ich komme schon im ersten Schritt auf 43 % Abz&uuml;ge, bei hohem Einkommen w&auml;ren es 38,585 %. Das reduziert den Nettoverdienst schon auf 46,74 Euro bzw., 50,84 Euro\/Stunde.<\/p>\n<p>Doch es geht noch weiter. Arbeitnehmer werden nicht nach Stunden bezahlt, sondern haben ein Monatsgehalt. Feiertage werden dabei als Arbeitstage bezahlt, das sind im Mittel acht bis neun pro Jahr die auf Montag bis Freitag fallen. In dem Betrieb, in dem ich arbeite, haben Arbeitnehmer 30 Tage bezahlten Urlaub, also 6 Wochen. Daneben ist der Deutsche im Mittel 11,5 Tage im Jahr krank. Das Jahr hat 260,7 Arbeits-Wochentage (ohne Samstag und Sonntag, die krumme Zahl kommt dadurch zustande das es 52 Wochen und 1 Tag dauert). Zieht man davon 8,5 Feiertage, 30 Urlaubstage und 11,5 Krankheitstage ab, so bleiben noch 210,7 Tage &uuml;brig, also 23,7 Prozent weniger. Um diese 23,7 Prozent muss man das Tarifgehalt von 33 Euro\/Stunde erh&ouml;hen und kommt auf 40,83 Euro, die ein Arbeitnehmer pro Stunde wirklich verdient. Die Differenz schrumpft zusammen.<\/p>\n<p>Aber das ist noch nicht alles. F&uuml;r den Arbeitnehmer ist mit dem Abstempeln die Arbeit erledigt, bei mir nicht. Es kommen zu in diesem Jahr 183 Stunden bezahlter Arbeit beim Kunden noch einige Besprechungen zu Hause, Telefon- und Mailsupport und die Installation der Entwicklungsumgebung, die mein Kunde gekauft hat, auf dem eigenen Rechner inklusive Zusatzkomponenten. Da ich schon seit L&auml;ngerem mit dem Gedanken der Erh&ouml;hung des Satzes spielte, habe ich mir diese aufgelaufene Zeit dieses Jahr mal notiert und kam auf 22 Stunden. Umgekehrt muss ich f&uuml;r die Steuer eine Ein-\/Ausgaberechnung machen, der Krankenkasse Steuerbescheide und B&ouml;gen zum Beantworten schicken und die Steuererkl&auml;rung ist auch deutlich zeitaufwendiger. Wenn ich daf&uuml;r zwei Arbeitstage also 16 Stunden zus&auml;tzlich rechne, ist das noch eher wenig. Das sind 38 Stunden unbezahlte Arbeit oder 20,7 % der Gesamtheit von 207 Stunden. Um diese reduziert sich mein Verdienst von 46,74 Euro auf 38,72 Euro. Damit verdiene ich netto weniger als mein Ansprechpartner, wenn man es wirklich auf die Stunden bezieht.<\/p>\n<p>Wenn man ber&uuml;cksichtigt, das in den meisten Betrieben noch ein 13-tes Monatsgehalt, manchmal sogar ein vierzehntes bezahlt wird, f&uuml;r das man gar nicht arbeiten muss, steigt die Differenz noch weiter an. Bei 13 Monatsgeh&auml;ltern w&uuml;rde meine Kontaktperson 44,23 Euro verdienen, ich dagegen nur 38,72 Euro pro Stunde. Oder, damit ich auf denselben Verdienst k&auml;me m&uuml;sste ich eigentlich 93,66 Euro pro Stunde verlangen &#8230;<\/p>\n<p>Dabei hat man ein gr&ouml;&szlig;eres Risiko: Der Verdienst ist stark schwankend, mal mehr mal weniger, auch wenn ich, weil mir ein unkompliziertes Leben wichtiger ist, als Verdienst immer unter den schon erw&auml;hnten 17.500 Euro bleibe. Dann f&auml;llt nicht nur Umsatzsteuer an, dann ist man kein Kleinunternehmer mehr und muss eine Buchhaltung betreiben und andere b&uuml;rokratische Sachen erledigen. Die Steuerkl&auml;rung geht dann auch nicht mehr alleine ohne Steuerberater.<\/p>\n<p>Kein Wunder, das ich seit Jahren den Vorschlag habe, das sie mich mit kleinem Zeitvolumen so eine Drittel-Stelle, anstellen. Das w&auml;re sicherer und f&uuml;r mich sogar g&uuml;nstiger. Aber externe Mitarbeiter sind trotz des angeblich hohen Stundensatzes f&uuml;r Betriebe von Vorteil. Wenn \u201edie Krise\u201c (gefl&uuml;geltes Wort meines Ansprechpartners) mal wieder kommt, (die wohl alle paar Jahre zuschl&auml;gt, 2016 wurde auch das Budget f&uuml;r \u201eExterne\u201c um die H&auml;lfte gek&uuml;rzt) wird zuerst mal an den Externen gespart. Au&szlig;erdem ist ein Externer effizienter. Bei jemanden, der pro Stunde bezahlt wird, nicht f&uuml;r die Anwesenheit am Arbeitsplatz, nimmt man an, dass er auch dauernd arbeitet und ich tue das auch. Ich sehe durchaus, dass in der Firma auch mal ein privates Pl&auml;uschchen am Arbeitsplatz stattfindet, die Mittagspause eine Stunde anstatt der in der Arbeitszeit ber&uuml;cksichtigten 30 Minuten dauert, das Handy gecheckt wird oder man im Internet surft und Youtube Videos anschaut. Dazu kommt auch dort die B&uuml;rokratie. Zahlreiche Besprechungen, Meetings, Personalgespr&auml;che, beantworten von Mails. Das Schreiben von Dokumenten f&uuml;r Zertifizierungen. Deswegen ist das Thema jetzt auch f&uuml;r mich vom Tisch, denn ich erhoffte mir einen Vertrag, bei dem ich arbeiten kann wie jetzt, nur eben als Angestellter und mit reduzierter Stundenzahl. Wie man mir sagte, gibt es aber nur Standardvertr&auml;ge und dann w&auml;re ich in diese ganzen unproduktiven Verwaltungssachen eingebunden. Ich programmiere gerne, nur deswegen habe ich die T&auml;tigkeit &uuml;berhaupt, denn sonst w&uuml;rde mir das Geld auch so zum Leben reichen. Aber dann macht das Programmieren eben nur einen Teil der Arbeit aus und auf den anderen Teil kann ich gerne verzichten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das werde ich bald von meinem Ansprechpartner bei meinem Kunden zu h&ouml;ren bekommen. Denn ich habe mir erlaubt meinen Stundensatz zu erh&ouml;hen und den Spruch habe ich schon bei der letzten Erh&ouml;hung geh&ouml;rt. Daher habe ich auch gut recherchiert. 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