{"id":13637,"date":"2018-12-08T09:44:04","date_gmt":"2018-12-08T08:44:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=13637"},"modified":"2018-12-08T09:46:24","modified_gmt":"2018-12-08T08:46:24","slug":"einsatzmoeglichkeiten-fuer-miniraumsonden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2018\/12\/08\/einsatzmoeglichkeiten-fuer-miniraumsonden\/","title":{"rendered":"Einsatzm&ouml;glichkeiten f&uuml;r Miniraumsonden"},"content":{"rendered":"<p>Mit den beiden Marcos, die die Daten von Insight bei der Landung &uuml;bertrugen, hat nun auch der Kleinbau die NASA erreicht. Bei normalen Satelliten, welche die Erde umrunden, gibt es ja schon seit Jahren eine Explosion der Startzahlen: in einer Woche hob eine PSLV 31 Satelliten in den Orbit und eine Falcon 9 weitere 64. Letztes Jahr wurden insgesamt 467 Satelliten gestartet, das ist das 1,5-fache des bisherigen Rekordjahrs 1983 (damals dank zahlreicher GAS-Kanister an Bord der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/space-shuttle.shtml\">Space Shuttles<\/a>, die aber nicht im Orbit blieben) und dieses Jahr sind es bis zum 3.11, also ohne diese beiden Starts, auch schon 306 Nutzlasten.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/6d81367ca6f3419abebe51ec7c0d5b34\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><!--more--><\/p>\n<p>Die meisten Satelliten sind Mini-, Mikro und Nanosatelliten. Die Begriffe sind etwas schwammig. Ein Minisatellit wiegt zwischen 100 und 500 kg, ein Mikrosatellit zwischen 10 und 100, ein Nanosatellit zwischen 1 und 10 kg, das sind typischerweise Cubesats. Es gibt noch darunter Picosatelliten, doch die haben mehr emotionalen Wert als das sie n&uuml;tzlich sind. Doch wer wei&szlig;. Vor wenigen Jahren h&auml;tte man auch die Leute von PlanetE f&uuml;r verr&uuml;ckt gehalten die mit 3U-Cubesats Erdbeobachtung durchf&uuml;hren. Vielleicht klappt das in einigen Jahren auch mit Picosatelliten.<\/p>\n<p>Bei Raumsonden liegen die Dinge anders. Ein Cubesat kann das Magnetfeld der Erde oder einfach das Massentr&auml;gheitsgesetz ausnutzen, um richtig orientiert zu sein, also rein passive Methoden. Sie umrunden die Erde in niedriger Entfernung, da ist selbst mit leistungsschwachen Sendern noch eine hohe Datenrate m&ouml;glich. Bei den \u201eFlock\u201c Satelliten von PlanetE &uuml;bertr&auml;gt ein X-Band Sender mit 2 Watt Sendeleistung 12,5 bis 100 MBit je nach Position relativ zur Bodenstation, die eine 5-m-Antenne hat. Das ist eindrucksvoll, doch rechnet man diese Werte aus 435 km Entfernung auf die 1000-fache Distanz, das ist Mondentfernung so sinkt die Datenrate auf 100 Bit\/s. In Marsentfernung, nochmals 200-mal mehr, betr&auml;gt sie dann weit unter 1 Bit\/s.<\/p>\n<p>Kurzum: Raumsonden sind komplexer. Sie m&uuml;ssen in der Regel ihren Kurs und ihre Lage korrigieren k&ouml;nnen, sie brauchen ein leistungsf&auml;higes Sendesystem mit einer gro&szlig;en Antenne und starken Sendern. Das wiegt viel. Junos gesamtes Sendesystem mit einer 3-m-Antenne wiegt 83,2 kg, davon macht die 3 m gro&szlig;e Antenne nur 21,3 kg aus. Der Gro&szlig;teil entf&auml;llt auf die Sender und Verst&auml;rker. Die haben aber auch die 50-fache Leistung der Sender des Flock-Satelliten.<\/p>\n<p>Man kann den Zugewinn an Datenrate auch an den Marsorbitern sehen. <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/mars-odyssey.shtml\">Odyssey<\/a> wurde 2001 gestartet, wiegt trocken 376 kg und der 2005 gestartete <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/mro.shtml\">MRO<\/a> 1.032 kg. Ersterer &uuml;bertr&auml;gt minimal 14 kbit\/s, letzterer 500 kbit\/s. Also dreimal gr&ouml;&szlig;ere Masse, 30-mal h&ouml;here Datenrate. Entsprechendes sieht man beim Vergleich <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/mars-express.shtml\">Mars-Express<\/a> mit dem Nachfolger <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/exomars.sonde.shtml\">Trace Gas Orbiter<\/a>: Die Trockenmasse ist von 680 auf 1.432 kg gestiegen. Die Datenrate bei maximaler Entfernung von 10,7 auf 150 Kbit\/s. Es gibt also eine sehr starke Abh&auml;ngigkeit von Masse zu Datenrate. Die beiden Marcos hatten daher au&szlig;er der Empfangs- und Sendeantenne auch keine Nutzlast mehr an Bord.<\/p>\n<p>Ich habe mir daher gedacht, was man sinnvoll mit kleinen Raumsonden machen kann \u2013 ich habe mir die Kategorie der Mikrosatelliten ausgesucht, so um 100 kg. Es gab ja in der Anfangszeit der Raumsonden gab es auch so kleine Sonden. Man denke an die Pionier-Serie. Keine der Sonden wog bis Pioneer 10 mehr als 65 kg. Es gibt mehrere Einschr&auml;nkungen. Das eine ist wie beschrieben die Kommunikation. Diese Nutzlasten werden als Sekund&auml;rnutzlasten gestartet und d&uuml;rfen daher nicht gro&szlig; sein. Bei der ASAP-5 f&uuml;r Ariane sind es f&uuml;r Mikrosatelliten von maximal 120 kg Gewicht bei Abmessungen von maximal 60 x 60 x 71 cm. Bei der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/vega-c-e.shtml\">Vega<\/a> f&uuml;r maximal 200 kg Masse darf die Nutzlast 120 x 80 x 80 cm gro&szlig; sein. Von dem Volumen geht dann noch die Antenne ab, die so sicher nicht mehr als 60 bis 80 cm Durchmesser hat. Mit 5 Watt Sendeleistung kann man aus 100 Millionen km Distanz mit einer 60-cm-Antenne dann gerade noch 1.147 Bit\/s zu einer 35-m-Empfangsantenne, wie sie die ESA einsetzt, &uuml;bertragen. Das ist die Marsentfernung bei einer Ann&auml;herung. Bei maximaler Marsentfernung kann die Sonde noch 4-mal weiter entfernt sein.<\/p>\n<p>Eine L&ouml;sung sind entfaltbare Antennen. Nicht nur wegen des Gewichts, sondern auch wegen des kleinen Volumens: Typischerweise werden solche Satelliten als Sekund&auml;rnutzlasten an einem Ring bef&ouml;rdert, der am Adapter zwischen Satellit und Oberstufe befestigt wird. Die H&ouml;he ist auf die des Adapters beschr&auml;nkt und die Breite auf den Raum zwischen Adapter und Nutzlasth&uuml;lle. Typisch haben gr&ouml;&szlig;ere Raumsonden eine Nutzlast (Instrumente) von einem F&uuml;nftel bis einem Sechstel der Trockenmasse. Das sind dann bei 100 kg nur 17 bis 20 kg. Diese Maximalmasse muss man dann noch auf eventuell mehrere Instrumente aufteilen. Auch hier gibt es L&ouml;sungen. Eines ist es Instrumente zu kombinieren \u2013 Spektrometer und Kameras brauchen beide eine Optik. Man kann diese zwischen den Instrumenten aufteilen und nur eine Optik f&uuml;r mehrere Instrumente nutzen und mit einem Spiegel zwischen den Detektoren umschalten. Daneben kann man verkleinern \u2013 bei den meisten Instrumenten wiegen die Detektoren wenig. Eine Kamera kann so kleine sein wie beim Raspberry-Pi: Eine Linse auf einem CCD Chip oder es kann ein Detektor an einem 50-cm-Teleskop wie bei der Kamera HiRISE sein, das dann 65 kg wiegt. Die Erste erreicht nicht mal die Aufl&ouml;sung des menschlichen Auges, die zweite sieht aus 300 km H&ouml;he noch 30 cm gro&szlig;e Details.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Startgelegenheiten<\/h3>\n<p>Es gibt prinzipiell zwei Startm&ouml;glichkeiten, wenn ich keinen eigenen Start buchen m&ouml;chte, was die Kosten hochtreibt. Das eine ist ein Mitflug in einen niedrigen Erdorbit (zur ISS oder einen SSO) und das Zweite ein Mitflug in einen &Uuml;bergangsorbit (in den Galileo-<a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/orbits.shtml\">Orbit<\/a> oder GTO). Aus diesen Ausgangsorbits muss die Nutzlast dann eine Fluchtbahn erreichen. F&uuml;r einen GTO-Orbit spricht, dass der Geschwindigkeitsaufwand gering ist, es fehlen etwa 800 m\/s zur Fluchtgeschwindigkeit und 1100 bis 1400 m\/s zu einem Transferorbit zu Venus oder Mars. Zumindest bei Starts vom CSG aus ist aber die Anfangsbahnneigung f&uuml;r viele Bahnen zu gering. Beim Start vom Cape aus trifft das nicht zu. Der Navigationsorbit ist 400 m\/s ung&uuml;nstiger, aber daf&uuml;r ist die Bahnneigung viel gr&ouml;&szlig;er, was einen Rideshare auch vom CSG aus attraktiv macht.<\/p>\n<p>Die meisten Sekund&auml;rnutzlasten wurden bisher in niedrigen LEO oder SSO-Bahnen ausgesetzt. Probleme mit der Bahnneigung gibt es da keine, daf&uuml;r braucht man rund 3 km\/s f&uuml;r eine Fluchtbahn anstatt 800 bis 1200 m\/s.<\/p>\n<p>Eine einfache &Uuml;berschlagsrechnung zeigt, das um 100 kg auf Fluchtgeschwindigkeit zu beschleunigen, ein Antriebssystem mit einem spezifischen Impuls von 3100 m\/s und einem Start\/Leermasseverh&auml;ltnis von 8 zu folgenden Anfangsmassen f&uuml;hrt:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"85*\" \/>\n<col width=\"85*\" \/>\n<col width=\"85*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"33%\">Orbit<\/th>\n<th width=\"33%\"><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">\u0394<\/span>V zur Fluchtgeschwindigkeit<\/th>\n<th width=\"33%\">Anfangsmasse<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">400 km, ISS<\/td>\n<td width=\"33%\">3.179 m\/s<\/td>\n<td width=\"33%\">371 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">800 km SSO<\/td>\n<td width=\"33%\">3.089 m\/s<\/td>\n<td width=\"33%\">355 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">200 x 20.200 km (GPS)<\/td>\n<td width=\"33%\">1.153 m\/s<\/td>\n<td width=\"33%\">155 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">200 x 35.800 km (GTO)<\/td>\n<td width=\"33%\">770 m\/s<\/td>\n<td width=\"33%\">133 kg<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Man sieht, dass man mit 100 kg Nutzlast bei einem <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/raktreib1.shtml\">chemischen Antrieb<\/a> &uuml;ber die Grenzen von 180 bis 300 kg, die je nach Adapter als Sekund&auml;rnutzlast mitgef&uuml;hrt werden k&ouml;nnen, kommt. Eine Alternative sind Ionentriebwerke. Ein Satellit in einem 800 km hohen Orbit, der eine Anfangsleistung von 1,2 kW f&uuml;r Ionentriebwerke hat, erreicht in 317 Tagen Fluchtgeschwindigkeit, wenn er anfangs 180 kg wiegt. Den Treibstoff und Tanks sowie die Masse die Solarzellen f&uuml;r 1,1 kW Leistung liefern, welche die Sonde sonst nicht br&auml;uchte, bleiben dann noch rund 117 kg Erdmasse. Bei 100 kg Endmasse bleibt genug Treibstoff um die Geschwindigkeit um weitere 3,37 km\/s zu &auml;ndern, das ist die typische Geschwindigkeits&auml;nderung, um von der Erdbahn aus eine Vorbeiflugbahn zu Venus oder Mars zu erreichen. Das bedeutet, dass man Raumsonden, wenn sie vom erdnahen Orbit aus ihre Reise antreten, mit einem Ionenantrieb ausstatten sollte mit einem Ionenantrieb ausstatten sollte. Anders als bei gro&szlig;en Raumsonden bewegt man sich auch in dem Bereich der technisch beherrscht wird. Man ben&ouml;tigt also nicht Solarzellen mit Zig kW Leistung und <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/elektrische-antriebe.shtml\">Ionentriebwerke<\/a> mit viel h&ouml;herem Schub als die bisher eingesetzten f&uuml;r die Lagereglung und Orbit&auml;nderungen von Satelliten. Eine Massebilanz w&uuml;rde so aussehen:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"128*\" \/>\n<col width=\"128*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"50%\">System<\/th>\n<th width=\"50%\">Masse<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Raumsonde<\/td>\n<td width=\"50%\">100 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Ionentriebwerk (1,2 kW Verbrauch, 0,044 N Schub, spezifischer Impuls 35.000 m\/s)<\/td>\n<td width=\"50%\">10 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Tank Arbeitsgas Xenon<\/td>\n<td width=\"50%\">11,16 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Arbeitsgas Xenon<\/td>\n<td width=\"50%\">44,64 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Solarzellen f&uuml;r zus&auml;tzliche 1,2 kW Anfangsleistung<\/td>\n<td width=\"50%\">14,2 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Gesamtmasse<\/td>\n<td width=\"50%\">180 kg<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h3 class=\"western\">Aufgaben<\/h3>\n<p>Bedingt durch die geringe Datenrate sollte man die Aufgaben ausw&auml;hlen. Ich sehe im Prinzip folgende drei L&ouml;sungsm&ouml;glichkeiten:<\/p>\n<ul>\n<li>Man ben&ouml;tigt von vorneherein nur eine kleine Datenrate.<\/li>\n<li>Man entfernt sich nur wenig von der Erde oder gewinnt die Daten schnell, l&auml;sst sich aber viel Zeit mit der &Uuml;bertragung.<\/li>\n<li>Man kann auf gr&ouml;&szlig;ere Sonden zur &Uuml;bermittlung der Messdaten zur&uuml;ckgreifen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Entsprechende Konzepte w&auml;ren:<\/p>\n<h4 class=\"western\">Kleine Datenrate<\/h4>\n<p>In den Sechziger bis Siebziger Jahren wurden zahlreiche Sonden gestartet, die das interplanetare Medium &uuml;berwachten. Instrumente die Magnetfelder, Strahlendosis oder die Verteilung von geladenen Teilchen messen, liefern nur wenige Daten. Sonden kamen mit Datenraten von 16 bis maximal 2 Kbit\/s aus. Zudem sind solche Detektoren leicht und passen so zur beschr&auml;nkten Nutzlast. Inzwischen hat sich aber der Schwerpunkt von der Erforschung des Mediums zur Anwendung verlagert. Heute untersucht man nicht mehr das interplanetare Medium, sondern betreibt Vorhersage von Sonnenst&uuml;rmen. Dazu dienen Sonden im <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/raumfahrtbegriffe.shtml\">L1-Librationspunkt<\/a>, die von einem Sturm etwas fr&uuml;her als die Erde getroffen werden. Eine solche Aufgabe k&ouml;nnte auch eine Miniraumsonde &uuml;bernehmen, die zumal so nicht weit von der Erde entfernt ist.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Kleine Entfernung oder Dump-Verfahren.<\/h4>\n<p>Eine kleine Entfernung zur Erde hat man bei einem Mondorbiter. Ebenso w&auml;re ein Kommunikationsrelay in einem Librationspunkt des Mondes denkbar. Bei Sonnenumlaufbahnen w&auml;ren wie schon in Punkt 1 beschrieben, die Librationspunkte noch relativ erdnah. Ich k&ouml;nnte mir aber auch denken, dass zwei Sonden, in einer Sonnenumlaufbahn 90 Grad vor und nach der Erde interessant sein k&ouml;nnten. Sie k&ouml;nnten Sonnenbeobachtung aus zwei anderen Perspektiven betrieben. Bei einer Datenrate im einstelligen Kilobitbereich m&uuml;ssten diese intelligent sein, z.B. die Bilder an Bord auswerten und auf Flares oder Prototuberanzen absuchen und nur diese Bilder senden bzw. den Ausschnitt eingrenzen auf den Bereich, der interessant ist. Die Sonne ist so gro&szlig;, das selbst ein kleines Teleskop ausreicht, um gute Bilder zu erhalten \u2013 es gibt ja gen&uuml;gend Licht, sodass man auch Detektoren mit kleinen Pixeln einsetzen kann, w&auml;hrend normalerweise in der Raumfahrt ein Pixel f&uuml;r ein Instrument 6 bis 14 \u00b5m gro&szlig; ist, sind es in einer Konsumer-Digitalkamera 1,3 bis 1,5 Mikrometer und in Spiegelreflexkameras 4 bis 6 Mikrometern. Entsprechend leichter ist dann die Optik.<\/p>\n<p>Die zweite M&ouml;glichkeit ist das Dump-Verfahren das New Horizons schon bei Pluto durchf&uuml;hrte und nun erneut beim Vorbeiflug an einem <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/new-horizons4.shtml\">KBO in der Silvesternacht<\/a>. Das Prinzip: Man gewinnt alle Daten in einem kurzen Zeitraum, speichert sie an Bord, und &uuml;bertr&auml;gt sie &uuml;ber Monate zur Erde. Ziele kleinerer Sonden k&ouml;nnten Asteroiden sein, die die Erdbahn kreuzen. Sie erreicht man schnell mit geringem Geschwindigkeitsaufwand.. Allerdings sind diese wirklich klein. Der KBO den New Horizons passiert, hat einen Durchmesser von 25 bis 45 km, genau weis man das erst, wenn es Aufnahmen gibt. Erdbahnkreuzer dieser Gr&ouml;&szlig;e gibt es keine. Sie sind alle kleiner. Selbst der K&ouml;rper von 10 bis 20 km Gr&ouml;&szlig;e, der am Ende der Kreide einschlug, ist schon ein riesiger Asteroid dieser Klasse. Die meisten bekannten Asteroiden, die die Erdbahn kreuzen, haben nur wenige Kilometer Durchmesser oder sind noch kleiner. Das Problem: Es gibt dann wirklich wenig Zeit ihn zu beobachten, weil er so klein ist. Nehmen wir an, eine Sonde h&auml;tte die Kamera LORRI von New Horizons, aber mit einem Chip der die beugungsbegrenzte Aufl&ouml;sung der Optik erreicht. Dann hat ein 1 km gr&ouml;&szlig;er K&ouml;rper erst in 1817 km Distanz einen Durchmesser von 200 Pixeln \u2013 ab etwa dieser Gr&ouml;&szlig;e finden bisher Vorbeiflugsonden an, Bilder zu machen. Bei einer Relativgeschwindigkeit von 3 km\/s hat man dann nur 600 s um Bilder und andere Messdaten zu gewinnen. Bei New Horizons bei Pluto stand daf&uuml;r ein ganzer Tag zur Verf&uuml;gung.<\/p>\n<p>Wenn man viel Zeit &uuml;brig hat, kann man nat&uuml;rlich die Sonde auch weiter ins Sonnensystem herausschicken. Eine Umlaufbahn von exakt 3 Jahren Dauer f&uuml;hrt bis in 471 Millionen km Distanz, bei 2 Jahren Umlaufszeit sind es 324 Millionen km. Das Apohel liegt dann im Asteroideng&uuml;rtel. Dort k&ouml;nnte ein Objekt passiert werden, und wenn die Umlaufszeit ein ganzzahliges Vielfaches der Erdumlaufszeit ist, f&uuml;hrt die Bahn wieder zur Erde zur&uuml;ck, nach zwei bis drei Jahren \u2013 dann kann man in Erdn&auml;he die Daten &uuml;bertragen, vorher eben nur eine Vorschau mit reduzierter Datenrate. Das Konzept hatte die leider verlorene Raumsonde <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/contour.shtml\">CONTOUR<\/a>.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Zuarbeiten zu anderen Raumsonden<\/h4>\n<p>Die letzte M&ouml;glichkeit ist, die das die Raumsonde nicht autonom ist. Denkbar w&auml;ren z.B. Landesonden f&uuml;r Venus und Mars die ihre Daten &uuml;ber Orbiter &uuml;bertragen. Diese Orbiter haben dann die n&ouml;tigen leistungsf&auml;higen Sender und sie sind zudem viel n&auml;her an der Sonde und die Datenrate zu ihnen h&ouml;her. Vor allem beim Mars k&ouml;nnte man so ein Netzwerk aus einfachen Messstationen aufbauen. Die h&auml;tten dann wahrscheinlich dann nur eine Panoramakarte und einige Sensoren f&uuml;r metrologische Daten, aber man w&uuml;rde noch mehr Marslandschaften im Bild festhalten. Bei der Venus reichten die 90 kg die die kleinen Pioneer-Landekapseln wogen, nur wenige Sensoren f&uuml;r Atmosph&auml;renmessungen, weil viel Gewicht auf die Druckkapsel entfiel.<\/p>\n<p>Daneben w&auml;ren Sekund&auml;rsonden denkbar. Eine Raumsonde, die Jupiter erreicht oder das Jupitersystem durchfliegt, k&ouml;nnte z.B. eine kleine Sonde abtrennen, die nur batteriebetrieben einen Vorbeiflug an Io durchf&uuml;hrt, der zu weit innen ist, als das man heute einen Vorbeiflug an ihm riskieren w&uuml;rde \u2013 bei Galileo gab es erst welche in der letzten Missionsphase, die geplanten Sonden von ESA und NASA lassen ihn ganz aus, und die Bilder und andere Messdaten zur Hauptsonde funken solange, wie die Batterie vorh&auml;lt \u2013 da der Abstand durch die unterschiedlichen bahnen an Jupiter zunimmt, ist eine Betriebszeit von maximal wenigen Tagen sinnvoll. So lange reicht auch eine Batterie als Stromquelle. Analog k&ouml;nnte eine Vorbeiflugsonde an Uranus so alle f&uuml;nf gr&ouml;&szlig;eren Monde erfassen, himmelsmechanisch bedingt kann sonst eine Raumsonde sich nur einem der f&uuml;nf Monde stark n&auml;hern, da das System um 98 Grad aus der Ekliptik gedreht ist. Ein Zwitter zwischen den beiden obigen Missionstypen w&auml;re ein Titanlander wie Cassini.<\/p>\n<p>Es gint ja eigentlich die Miniraumsonden schon \u2013 die Cruise Stages die Insight, MPL und Phoenix zum Mars brachten wiegen unter 100 kg und sind stark in der Funktion eingeschr&auml;nkt. Nur haben sie eben keine Instrumente. Gerade der Mars w&auml;re meiner Ansicht nach eine gute M&ouml;glichkeit die von mir beschriebenen Landesonden mitzuf&uuml;hren. Da die NASA nun alle Starts mit Atlas V durchf&uuml;hrt, g&auml;be es genug Spielraum neben den Hauptnutzlasten auch noch so kleine Landesonden mitzuf&uuml;hren. Ein solcher Marslander w&auml;re sicher einfach aufgebaut, wahrscheinlich w&uuml;rde er nur Fallschirme und Airbags zum Abbremsen einsetzen und vielleicht geht auch der eine oder andere verloren, aber man kann dann, auch wenn er wenig kostet, mehr wagen und nicht nur sichere (und langweilige) Landegebiete w&auml;hlen, sondern interessante, z. B. den Boden einer der Canyons des Valles Marineris. Aber ich glaube so weit ist die NASA noch nicht, und die ESA scheint ja das Thema komplett zu ignorieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit den beiden Marcos, die die Daten von Insight bei der Landung &uuml;bertrugen, hat nun auch der Kleinbau die NASA erreicht. Bei normalen Satelliten, welche die Erde umrunden, gibt es ja schon seit Jahren eine Explosion der Startzahlen: in einer Woche hob eine PSLV 31 Satelliten in den Orbit und eine Falcon 9 weitere 64. 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Januar 2026","format":false,"excerpt":"Heute wieder ein Grundlagenblog f\u00fcr alle, die die Grundlagen auf der Website noch nicht entdeckt haben, oder sie ihnen zu detailliert sind oder die einfach nur den Blog lesen. 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