{"id":13660,"date":"2018-12-21T11:43:25","date_gmt":"2018-12-21T10:43:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=13660"},"modified":"2018-12-21T11:43:25","modified_gmt":"2018-12-21T10:43:25","slug":"die-loesung-fuer-ein-ueberfluessiges-problem-wie-teuer-war-der-pyramidenbau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2018\/12\/21\/die-loesung-fuer-ein-ueberfluessiges-problem-wie-teuer-war-der-pyramidenbau\/","title":{"rendered":"Die L&ouml;sung f&uuml;r ein &uuml;berfl&uuml;ssiges Problem: Wie teuer war der Pyramidenbau?"},"content":{"rendered":"<p>Als kleinen kurzweiligen Zwischenblog heute ein Thema auf das ich durch eine Radiosendung kam. Da sagte der Gast &uuml;ber den Berliner Flughafen. \u201eDas ist ein Milliardengrab, fr&uuml;her hat man die Pyramiden gebaut, heute den BER\u201c. W&auml;hre noch zu erg&auml;nzen, dass die Pyramiden immer noch stehen, aber ob in 5.500 Jahren der BER noch da ist?<\/p>\n<p>Aber er brachte mich auf diesen Blog: Was hat der Bau einer Pyramide, ich nehme mal die gr&ouml;&szlig;te, die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Cheops-Pyramide#Der_Bau_der_Pyramide\">Cheops Pyramide<\/a>, gekostet?<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/a81c8f2490ca4d6fac8cafff30daa027\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><!--more--><\/p>\n<p>Nun gibt es von den &Auml;gyptern leider keine Aufzeichnungen wie sie etwas gemacht haben und aus dieser Zeit noch weniger. Paradoxon am Rande: W&auml;hrend man relativ viel von anderen bauw&uuml;tigen Herrschern in &Auml;gypten wei&szlig;, wie Ramses dem II, gibt es au&szlig;er der Pyramide von Cheops nur eine kleine Statue noch als Zeichen seiner Regentschaft.<\/p>\n<p>Offen ist schon, wie viele Personen an der Pyramide arbeiteten. Die &auml;lteste Darstellung stammt von Herodot, der aber auch schon 2000 Jahre nach Fertigstellung schrieb (das w&auml;re als w&uuml;rde man heute &uuml;ber die Regentschaft Augusts schreiben, und zwar nicht auf der Basis von arch&auml;ologischer Forschung, sondern wie damals aufgrund von &Uuml;berlieferungen und H&ouml;ren-Sagen). Er schreibt von zehnmal zehntausend Menschen, die pro Jahr 3 Monate lang arbeiteten. Die Zahl wird heute als zu hoch angesehen, aber in einem sind sich die &Auml;gyptologen einig: Die Angabe \u201e3 Monate im Jahr\u201c ergibt Sinn. Denn &Auml;gypten war damals abh&auml;ngig von der Nil&uuml;berflutung, der Schlamm auf den Feldern ablagerte, der sie d&uuml;ngte. Sie bauten sogar ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nilometer\">Nilometer<\/a> anhand dessen sie die H&ouml;he der &Uuml;berflutung vorhersagen konnten. W&auml;hrend dieser Zeit ruhte aber die Feldarbeit. Da ist es nat&uuml;rlich sinnvoll, die Leute nur w&auml;hrend dieser Zeit zur Arbeit zur Arbeit zu verpflichten. Denn so bleibt ihre Feldarbeit w&auml;hrend der Vegetationsperiode nicht liegen.<\/p>\n<p>Moderne &Auml;gyptologen sch&auml;tzen die Zahl der Besch&auml;ftigten auf 20.000 bis 25.000. Eine neuere <a href=\"https:\/\/www.cheops-pyramide.ch\/baustelle\/pyramiden-bauarbeiter.html\">Sch&auml;tzung<\/a> sogar nur 6.700 Arbeitern, aber allesamt qualifizierte. Das es Sklaven waren, scheint angesichts der Funde von Grabst&auml;tten f&uuml;r die Arbeiter unwahrscheinlich. Man hat auch eine ganze Stadt gefunden, in der sie arbeiteten. Ich nehme f&uuml;r diese Berechnung einen Mittelweg: 6.700 qualifizierte Handwerker, die ganzj&auml;hrig abreiten und &uuml;ber 3 Monate weitere 15.000 ungelernte Bauern, die vor allem f&uuml;r den Transport der Stein ben&ouml;tigt werden, macht einen Gesamtstamm von 10.500 Arbeitern &uuml;ber ein ganzes Jahr. Die Baudauer ist auch nur absch&auml;tzbar. Ich habe mal die 20 Jahre angenommen.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Moderne Berechnung<\/h3>\n<p>Nehmen wir mal an, Cheops h&auml;tte die Leute in Euros bezahlen m&uuml;ssen. Heute zahlt man locker 44 Euro pro Handwerkerstunde. Bei 8 Stunden pro Tag und 225 Arbeitstagen pro Jahr kostet so jeder Arbeiter 79.200 Euro, die gesamte Mannschaft dann 831,6 Millionen Euro pro Jahr und die ganze Pyraminde 16,63 Milliarden Euro. Okay, da w&auml;re der Flughafen BER mit <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/flughafen-berlin-brandenburg-ber-kosten-steigen-auf-7-3-milliarden-euro-a-1195101.html\">7,3 Milliarden Euro billiger<\/a>.<\/p>\n<p>Aber der Vergleich hinkt. Sozialversicherungen gab es damals nicht. Als Herrscher braucht Cheops auch keine Mehrwertsteuer bezahlen, auch wenn es so was sicher schon in Form von Abgaben gab und andere Steuern auch nicht \u2013 beide Steuern w&uuml;rden ja wieder bei ihm ankommen. Real bleibt bei einem Handwerker maximal ein Drittel h&auml;ngen, sonst w&uuml;rden sie auch nicht lieber schwarz f&uuml;r 20 Euro\/Stunde arbeiten, wenn ihr normaler Lohn schon besser w&auml;re. Gehen wir von 14 Euro Nettolohn pro Stunde aus, so reduzieren sich die Baukosten schon auf 5,292 Milliarden Euro. Und Uhrlaub, samstags frei und sonntags frei gab es sicher damals auch nicht. Eher w&uuml;rde ich Zust&auml;nde wie vor der Industrialisierung annehmen mit 60 Stunden pro Woche. Selbst bei uns war noch vor 60 Jahren die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wochenarbeitszeit#Historische_Entwicklung_der_Wochenarbeitszeit_in_Deutschland\">48 Stunden-Woche <\/a>&uuml;blich. Nimmt man 312 Arbeitstage pro Jahr und 10 Stunden Arbeitszeit pro Tag, so sinken die Stundenl&ouml;hne bei gleichem Jahreslohn auf 6,17 Euro und die Kosten sinken auf 2.334 Milliarden Euro.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Bezahlung in Naturalien<\/h3>\n<p>Geld als Konzept mit einem festen Wert wurde erst 1.700 Jahre nach dem Bau der Pyramiden erfunden. Sicher gab es damals schon das Konzept, das es wertvolle Dinge gab, die wertvoll waren, weil sie selten waren wie Gegenst&auml;nde aus Gold, Halb- oder Edelsteine. Nicht umsonst wurden die Pharaonen mit Goldmasken bestattet, verziert mit Lapislazuli, Achat und Bergkristall. Aber in der Praxis herrschte damals die Tauschwirtschaft. Auch die Arbeiter wunden in Naturalien entlohnt. Die W&auml;hrung in &Auml;gypten war Getreide. Getreide ist bei dem Klima die einzige Pflanze, deren Fr&uuml;chte l&auml;nger lagerbar sind. Davon schreibt schon die Bibel als Josef dem Pharao den Rat gibt, Getreidespeicher f&uuml;r sieben kommende schlechte Jahre anzulegen. F&uuml;r &Auml;gypter war Getreide wohl die W&auml;hrung. Bauern mussten einen Teil ihrer Ernte abliefern und der Pharao entlohnte mit Getreide. <a href=\"https:\/\/amzn.to\/2QGJY16\">Katzen<\/a> wurden zu G&ouml;ttern erhoben, weil sie den Verlust durch M&auml;use in den Getreidespeichern reduzierten und noch Tausende Jahre sp&auml;ter war &Auml;gypten die Kornkammer des r&ouml;mischen Reichs. Wir wissen, das ein einfacher Arbeiter 5 Krug Bier pro Tag bekam. Dazu wird es sicher Getreide f&uuml;r das Backen von Brot oder Brot selbst gegeben haben. Die Entlohnung stieg an. K&ouml;nnte ein Arbeiter vielleicht noch die 5 Krug Bier am Tag trinken (zumindest wenn es ein alkoholarmes Bier war), so war die Entlohnung eines hohen Beamten mit 57 Krug so hoch, das klar war das man dies nicht nur verbrauchte sondern auch gegen andere Dinge eintauschte. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Geschichte_des_Bieres\">Wikipedia<\/a> berichtet dagegen von zwei Kruge Bier und drei bis vier Broten. Was dann eher genau der N&auml;hrmenge entspricht die jemand braucht um die Arbeit durchzuf&uuml;hren, aber davon kann er sicher nichts f&uuml;r den Tausch entbehren.<\/p>\n<p>Ich nehme mal die 5 Krug Bier an, wenn ein Krug 1 l hat, entspricht das heute rund 15 Euro, soviel kostet zumindest ein 5 l Fass. Nehmen wir an genauso viel, w&uuml;rde auf das Brot entfallen, dann w&uuml;rde jeder Arbeiter 30 Euro pro Tag kosten. Allerdings gibt es auch noch andere Ausgaben. Er braucht eine Behausung, man braucht Werkzeuge und qualifizierte Arbeitskr&auml;fte bekommen nat&uuml;rlich auch einen h&ouml;heren Lohn. Verdoppelt man aber nur die 30 Euro, so ist man schnell bei dem oben berechneten Lohn von 6,17 Euro\/Stunde bei 10 Arbeitsstunden pro Tag, wenn man bedenkt, dass die Arbeiter sicher auch an den freien Tagen (immerhin 53 pro Jahr habe ich angesetzt) bezahlt wurden, liegen die Kosten sogar noch h&ouml;her. Ein Indiz, dass man wohl schon vor 5.500 Jahren nicht von 6 Euro\/Stunde leben konnte.<\/p>\n<p>Auf Basis dessen w&uuml;rde ich realen Kosten der Pyramide irgendwo zwischen 3 und 5 Milliarden Euro ansetzen \u2013 also wirklich ein Milliardengrab (im wahrsten Sinne des Wortes). Klingt nicht nach so viel, vor allem, wenn die Summe &uuml;ber 20 Jahre verteilt wird. Aber &Auml;gypten hatte damals ja nicht so viele Einwohner wie heute. Man sch&auml;tzt die Einwohnerzahl im alten Reich auf <a href=\"https:\/\/www.selket.de\/kemet\/land-und-bewohner\/\">2 Millionen<\/a>. Gemessen an der Einwohnerzahl entsprechen so 3 bis 5 Milliarden einer heutigen Ausgabe von 123 bis 205 Milliarden Euro f&uuml;r die gesamte BRD, f&uuml;r Berlin alleine das in etwa genauso viele Einwohner, wie das alte &Auml;gypter hat, liegt der Pyramidenbau dann wirklich in der Gr&ouml;&szlig;enordnung der Ausgaben f&uuml;r den Flughafen BER.<\/p>\n<p>Da allerdings heute schon die Landebahnen im sumpfigen Gel&auml;nde <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/finanzen\/news\/zweifel-an-standfestigkeit-versinkt-der-berliner-pannen-flughafen-im-sand_aid_871092.html\">versinken<\/a>, h&auml;tte es den Berlinern wohl auch nichts genutzt statt des Flughafens eine Pyramide zu bauen \u2013 die w&auml;re erst recht versunken.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Das Konzept Geld<\/h3>\n<p>Was mich bei dem Blog besch&auml;ftigt hat, ist, warum das Konzept des Geldes als gepr&auml;gte M&uuml;nze so sp&auml;t aufkam. Die &auml;ltesten stammen von K&ouml;nig Kr&ouml;sus in <a href=\"https:\/\/amzn.to\/2A7xJ3u\">Phrygien<\/a>. Bei einem anderen Beitrag bin ich auf die L&ouml;sung gekommen. Nat&uuml;rlich gab es schon Edelmetalle als Tauschobjekt und man konnte sie auch dem Wert der Sache anpassen, indem man sie in kleine Stangen goss und dann Teile abzwackte. (Ein Konzept, das sich lange hielt: unsere \u201eMark\u201c kommt von einer Marke, die auf einer Stange angebracht war, sodass man eine definierte Menge abschneiden konnte, ebenso das Konzept den Wert nach dem Gewicht festzulegen. Ein englisches Pfund war mal wirklich ein Pfund Silber, durch Inflation muss man <a href=\"https:\/\/www.goldseiten.de\/kurse\/Silbercharts-GBP.php?s=kg\">heute<\/a> aber &uuml;ber 185 englische Pfund f&uuml;r ein Pfund 0,456 kg) zahlen). Das Problem: ohne Waage konnte man nicht den genauen Wert bestimmen. Kr&ouml;sus pr&auml;gte die M&uuml;nzen, weil man in einem Fluss jede Menge Gold als Schwemmgold fand und er so unermesslich reich war, eben reich wie Kr&ouml;sus. Dieses Sprichwort leitet sich davon ab, dass die M&uuml;nzen &uuml;berall im Mittelmeerraum als W&auml;hrung genutzt wurden. Viele H&auml;ndler in anderen Regionen kannten Kr&ouml;sus nicht, aber er musste unermesslich reich sein, wenn seine M&uuml;nzen &uuml;berall kursierten.<\/p>\n<p>Das Konzept versank wieder in der Versenkung, als die Perser das Phrygerreich eroberten. Erst Alexander der Gro&szlig;e pr&auml;gte wieder M&uuml;nzen im gro&szlig;en Stil. Warum? Gold das in Form von M&uuml;nzen kursiert ist nicht in meiner Schatzkammer, so werden wohl alle Herrscher vor Kr&ouml;sus und noch einige Jahrhundert nach ihm gedacht haben. Und Gold ist leichter hortbar als andre Wertgegenst&auml;nde, die in Form von Abgaben erhoben wurden. Aber der Vorteil f&uuml;r den Handel ist enorm. Erstmals konnte man einen gro&szlig;en Wert mobil transportieren, Grundst&uuml;cke kaufen und verkaufen. Warum da nicht ein Herrscher auf den Trichter gekommen ist, zumindest alle seien Angestellten nur mit M&uuml;nzen zu bezahlen und andere Abgaben gegen die Rohstoffe f&uuml;r M&uuml;nzen also die Edelmetalle einzutauschen, um die weitere zu pr&auml;gen, um die Umlaufmenge zu erh&ouml;hen, wundert mich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als kleinen kurzweiligen Zwischenblog heute ein Thema auf das ich durch eine Radiosendung kam. Da sagte der Gast &uuml;ber den Berliner Flughafen. \u201eDas ist ein Milliardengrab, fr&uuml;her hat man die Pyramiden gebaut, heute den BER\u201c. W&auml;hre noch zu erg&auml;nzen, dass die Pyramiden immer noch stehen, aber ob in 5.500 Jahren der BER noch da ist? 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