{"id":13669,"date":"2018-12-25T17:43:26","date_gmt":"2018-12-25T16:43:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=13669"},"modified":"2018-12-25T17:43:26","modified_gmt":"2018-12-25T16:43:26","slug":"schnell-und-langsam-zum-mond","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2018\/12\/25\/schnell-und-langsam-zum-mond\/","title":{"rendered":"Schnell und langsam zum Mond"},"content":{"rendered":"<p>Nein, heute gibt es keinen weihnachtlichen Blog. Ich bin alleine und da hat Weihnachten nicht die Bedeutung wie f&uuml;r andere, die Familie haben. Aber Siegfried von Marquard. Dauer-Troll auf verschiedenen Webseiten hat mir heute ein Steilvorlage f&uuml;r ein Thema geliefert. Er hat mal wieder versucht bei mir einen Kommentar zu hinterlassen, ist bei mir aber gesperrt, sodass er nur bei mir zur Vorlage landete. Diesmal hat er sich selbst &uuml;bertroffen. Ich zitiere mal:<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/27eef526a3c44d9ca0dc65d30cffcf56\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><!--more--><\/p>\n<p><em>\u201eInnerhalb von ca. 8 Tagen gelangt man nicht vom Mond und zur&uuml;ck zur Erde. Dazu sind astrophysikalisch gesehen mindest &#8230; Mit dem 3. Keplerschen Gesetz, wonach sich die Quadrate der Radien der Flugbahnen\/Ellipsen, wie die Kuben der Umlaufzeiten verhalten (r1\u00b3;r2\u00b3=T1\u00b2:T2\u00b2) gelangt man zu akkurat 28 Tagen, wie die Mondumlaufzeit um die Erde.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Aaaalso damit hat Siegfried Marquard etwas geschafft, was Mathematiker seit zwei Jahrtausenden versuchen \u2013 die Quadratur des Kreises! Eine schnelle Bahn zum Mond ist hyperbolisch, das ist in erster N&auml;herung eine Gerade zwischen Erdmittelpunkt und Mond. Der Mond selbst hat in ebenfalls erster N&auml;herung eine Kreisbahn. Wenn wir also die Bahn vom Erdmittelpunkt zur Mondumlaufbahn mal als \u201eRadius\u201c bezeichnen und die Mondumlaufbahn als \u201eKreis\u201c dann hat Siegfried Marquard beweisen das gilt:<\/p>\n<p>Radius = Kreisumfang<\/p>\n<p>und, da der Kreisumfang ja auch sein soll:<\/p>\n<p>Kreisumfang = 2 * \u03c0 * Radius<\/p>\n<p>folgt:<\/p>\n<p>\u03c0 = 0,5<\/p>\n<p>Wie Siegfried Marqurd beweisen hat, ist \u03c0 also keine gebrochene rationale Zahl mit unendlichen Dezimalstellen, sondern ein einfacher Bruch.<\/p>\n<p>Aber damit sind wir beim Thema wie komme ich schnell zum Mond und wie brauche ich wenig Energie?<\/p>\n<p>Schnell ist relativ einfach. Nach der Vis Viva Gleichung kann man die Geschwindigkeit an jedem Bahnpunkt errechnen, auch hyperbolischen, also nicht geschlossenen Bahnen. Dann just nur die Halbachse negativ.<\/p>\n<p>V\u00b2 = GM * (2\/r \u2013 1\/a)<\/p>\n<p>v: Geschwindigkeit<\/p>\n<p>r: Abstand<\/p>\n<p>a: Halbachse der Bahn (f&uuml;r Marquard: Warum hei&szlig;t es Halbachse?, machen sie ihre Berechnung mal mit dem Mond oder einem Satelliten und dem, was sie f&uuml;r die Halbachse halten)<\/p>\n<p>GM: Produkt aus Masse des Himmelsk&ouml;rpers und der Gravitationskonstante<\/p>\n<p>Man erkennt leicht, dass wenn man a und GM als konstant ansieht, was ja ohne Korrekturman&ouml;ver auch gilt, dass die Geschwindigkeit abnehmen muss, je weiter man sich entfernt.<\/p>\n<p>Will ich bei gegebenem Abstand r die Geschwindigkeit maximieren, um m&ouml;glichst schnell zum Mond zu kommen, so muss ich den Term 1\/a verkleinern. Also die Halbachse m&ouml;glichst gro&szlig; machen. Wird 1\/a negativ (Hyperbel) so ist der Effekt sogar noch gr&ouml;&szlig;er.<\/p>\n<p>Das Berechnen der Flugzeit ist nicht so ganz einfach, f&uuml;r Ellipsen gibt es noch eine einfache Formel, f&uuml;r Hyperbeln muss man iterativ die wahre Anomalie errechnen. Ich habe das mal ausgehend von einer 170 km hohen Kreisbahn berechnet:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" style=\"float: right;\" src=\"\/img\/mond-swingby-3.png\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"700\" \/><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<th>Startgeschwindigkeit<\/th>\n<th>Altes Apog&auml;um<\/th>\n<th>Endgeschwindigkeit<\/th>\n<th>Zeit bis Mond<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>11.000 m\/s<\/td>\n<td>958.291,52 km<\/td>\n<td>2.420,9 m\/s<\/td>\n<td>2 d 8 h 27 m 12 s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>11.500 m\/s<\/td>\n<td>-89.415,69 km<\/td>\n<td>4.333,1 m\/s<\/td>\n<td>1 d 2 h 17 m 26 s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>12.000 m\/s<\/td>\n<td>-48.892,35 km<\/td>\n<td>5.534,9 m\/s<\/td>\n<td>19 h 54 m 23 s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>12.500 m\/s<\/td>\n<td>-36.095,23 km<\/td>\n<td>6.552,5 m\/s<\/td>\n<td>16 h 37 m 31 s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>13.000 m\/s<\/td>\n<td>-29.833,77 km<\/td>\n<td>7.446,6 m\/s<\/td>\n<td>14 h 30 m 12 s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>13.500 m\/s<\/td>\n<td>-26.126,46 km<\/td>\n<td>8.279,7 m\/s<\/td>\n<td>12 h 59 m 13 s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>14.000 m\/s<\/td>\n<td>-23.679,58 km<\/td>\n<td>9.066,1 m\/s<\/td>\n<td>11 h 49 m 50 s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>14.500 m\/s<\/td>\n<td>-21.946,67 km<\/td>\n<td>9.816,7 m\/s<\/td>\n<td>10 h 54 m 34 s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>15.000 m\/s<\/td>\n<td>-20.657,11 km<\/td>\n<td>10.538,1 m\/s<\/td>\n<td>10 h 9 m 8 s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>15.500 m\/s<\/td>\n<td>-19.661,58 km<\/td>\n<td>11.236,1 m\/s<\/td>\n<td>9 h 30 m 55 s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>16.000 m\/s<\/td>\n<td>-18.870,95 km<\/td>\n<td>11.914,7 m\/s<\/td>\n<td>8 h 58 m 9 s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>16.500 m\/s<\/td>\n<td>-18.228,75 km<\/td>\n<td>12.576,6 m\/s<\/td>\n<td>8 h 29 m 39 s<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die erste Bahn ist wie man an dem Apog&auml;um sieht noch elliptisch, alle folgenden sind dann hyperbolisch (negatives Apog&auml;um und damit negative Halbachse). Wie man an der Geschwindigkeit, mit der der Mond erreicht wird, sieht, steigt diese rapide an, entsprechend sinkt auch die Zeitdauer, um den Mond zu erreichen ab. 16,5 km\/s erreichte bisher eine Raumsonde New Horizons. Sie sollte nach achteinhalb Stunden die Mondbahn kreuzen.<\/p>\n<p>Es geht also (fast) beliebig schnell zum Mond. Das Licht schafft die Strecke in weniger als 4 Sekunden. Der Zeitgewinn wird aber immer kleiner. Damit man einige Vergleichswerte hat: 11,5 km\/s haben typisch Raumsonden zur Venus oder Mars beim Start. 13,5 km\/s w&auml;re die Geschwindigkeit f&uuml;r einen direkten Flug zu Merkur und 14,5 km\/s hatten die Voyagers beim Start. Ulysses war mit knapp 15,4 km\/s unterwegs.<\/p>\n<p>Doch wenn man nicht auf dem Mond aufschlagen oder vorbeifliegen will, ist man eigentlich an einer m&ouml;glichst geringen Geschwindigkeit am Mond interessiert. Daher noch mal eine Tabelle, diesmal mit der Differenz zur Fluchtgeschwindigkeit einer Bahn um den Mond:<\/p>\n<table>\n<colgroup>\n<col \/>\n<col \/>\n<col \/>\n<col \/>\n<col \/>\n<col \/>\n<col \/>\n<col \/>\n<col \/> <\/colgroup>\n<tbody>\n<tr>\n<th>Start-V, Offset angepasst<\/th>\n<th>Altes Apog&auml;um<\/th>\n<th>Differenz Mondflucht<\/th>\n<th>Monddistanz<\/th>\n<th>Neues Perig&auml;um<\/th>\n<th>Neues Apog&auml;um<\/th>\n<th>Differenz Kreisbahn<\/th>\n<th>Periode<\/th>\n<th>Teiler zur Mondbahn<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>10.950,0 m\/s<\/td>\n<td>402.789,71 km<\/td>\n<td>162,4 m\/s<\/td>\n<td>100,00 km<\/td>\n<td>111.507,01 km<\/td>\n<td>1.791.863,08 km<\/td>\n<td>697,2 m\/s<\/td>\n<td>107 d 23 h 35 m 49 s<\/td>\n<td>3,94<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>10.960,0 m\/s<\/td>\n<td>456.376,77 km<\/td>\n<td>206,2 m\/s<\/td>\n<td>100,00 km<\/td>\n<td>30.289,09 km<\/td>\n<td>678.242,33 km<\/td>\n<td>708,7 m\/s<\/td>\n<td>24 d 22 h 32 m 27 s<\/td>\n<td>1,10<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>10.970,0 m\/s<\/td>\n<td>525.896,02 km<\/td>\n<td>249,2 m\/s<\/td>\n<td>100,00 km<\/td>\n<td>110,24 km<\/td>\n<td>547.644,43 km<\/td>\n<td>722,4 m\/s<\/td>\n<td>17 d 2 h 1 m 19 s<\/td>\n<td>1,61<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>10.980,0 m\/s<\/td>\n<td>619.693,32 km<\/td>\n<td>291,6 m\/s<\/td>\n<td>100,00 km<\/td>\n<td>-6.360,79 km<\/td>\n<td>487.060,59 km<\/td>\n<td>738,1 m\/s<\/td>\n<td>14 d 2 h 41 m 27 s<\/td>\n<td>1,94<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>10.990,0 m\/s<\/td>\n<td>753.176,81 km<\/td>\n<td>333,4 m\/s<\/td>\n<td>100,00 km<\/td>\n<td>-999,64 km<\/td>\n<td>449.216,81 km<\/td>\n<td>755,6 m\/s<\/td>\n<td>12 d 17 h 48 m 18 s<\/td>\n<td>2,15<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>11.000,0 m\/s<\/td>\n<td>958.291,52 km<\/td>\n<td>374,5 m\/s<\/td>\n<td>100,00 km<\/td>\n<td>11.191,75 km<\/td>\n<td>422.732,77 km<\/td>\n<td>774,6 m\/s<\/td>\n<td>12 d 3 h 41 m 36 s<\/td>\n<td>2,26<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" style=\"float: right;\" src=\"\/img\/mond-swingby-2.png\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"700\" \/>Man sieht: Die Differenz zur Fluchtgeschwindigkeit und auch um in eine Kreisbahn, (hier in 100 km Abstand) einzuschwenken, steigt mit zunehmender Ankunftsgeschwindigkeit an, und zwar schneller als die Startgeschwindigkeit. Ich erkaufe also eine schnellere Ankunft mit einem h&ouml;heren Energieaufwand. Im obigen Beispiel sind es zwischen erstem und letztem Tabellenwert 50 m\/s mehr beim Start und 77 m\/s beim Einschwenken in die Umlaufbahn. Daf&uuml;r braucht die erste Bahn 3 Tage 14 Stunden, die letzte nur noch 2 Tage 9 Stunden.<\/p>\n<h3>Geschwindigkeiten minimieren<\/h3>\n<p>Schaut man sich die Tabelle der erzeugten Bahnen an, so sieht man neben den meist hyperbolischen Bahnen auch andere. In der Tabelle sowohl welche in denen das Perig&auml;um abgesenkt wurde (negativer Zahlen bedeuten, es liegt unter der Erdoberfl&auml;che, wie auch welche in denen es angehoben wurde, z.B. bei 10950 m\/s.<\/p>\n<p>Das erm&ouml;glicht es den Energieaufwand zu minimieren, um in einen Mondorbit einzuschwenken. Die Vorgehensweise ist folgende:<\/p>\n<p>Die erste Mondtransferbahn ist eine, bei der der Mond die Sonde so umlenkt, das wieder eine Erdumlaufbahn resultiert. Die sollte folgende Eigenschaften haben:<\/p>\n<ul>\n<li>Perig&auml;um angehoben.<\/li>\n<li>Periode und Mondperiode sollten gemeinsamen Teiler mit der Mondbahn haben.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Apog&auml;um ist dagegen relativ unwichtig. Wenn es zu hoch ist, so gen&uuml;gt bei dieser Distanz ein relativ kleiner Schubsto&szlig; um es wieder abzusenken. Mit etwas Probieren bekommt man folgende Bahn:<\/p>\n<p>Die neue Bahn hat ein Perig&auml;um in 60.839 km H&ouml;he und ein Apog&auml;um in 722.911 km. Das Wichtige daran ist aber, dass die Umlaufdauer ein 2\/3-faches der Mondumlaufbahn ist. Das Resultat, wenn es kein Antriebsman&ouml;ver gibt, zeigt die Simulation der Bahn &uuml;ber 45 Tage. Der Mond lenkt die Bahn um, und zwar in eine 30.217 x 539.211 km Bahn. Es kommt also zu einer erneuten Begegnung. Schon jetzt k&ouml;nnte man in eine Umlaufbahn einschwenken, doch tut man dies nicht, so resultiert eine 58.305 x 426.114 km Bahn, also mit einem niedrigeren Apog&auml;um und h&ouml;herem Apog&auml;um. Man sieht dies auf der Grafik. W&uuml;rde man die Sonde sich selbst &uuml;berlassen, sie w&uuml;rde noch mehrfach den Mond passieren, in einem Jahr Insgesamt f&uuml;nfmal, doch die g&uuml;nstigste Bahn ist die zweite. Der Lohn:<\/p>\n<p>beim ersten Mal hat die Sonde eine Geschwindigkeit von 642 m\/s &uuml;ber der Fluchtgeschwindigkeit, entsprechend 933 m\/s zu einer Kreisbahn. Warte man 40 Tage, so sinkt sie auf 51,2 m\/s bei der zweiten Begegnung. Das reduziert die Geschwindigkeit f&uuml;r eine Kreisbahn auf 680 m\/s. Das ist nicht viel, weil man f&uuml;r eine 100-km-Kreisbahn alleine 678 m\/s ben&ouml;tigt, was den Gro&szlig;teil ausmacht.<\/p>\n<p>Es gibt sogar noch g&uuml;nstigere Bahnen. Beim Spielen kam ich auf eine Bahn ausgehend von einer 250 km Bahn bei der erde mit einem Vorbeiflug in 107,2 km Distanz vor dem Mond (in Bewegungsrichtung) bei einer Startgeschwindigkeit von 10993 m\/s. Sie hat ein Perihel in 147.020 km und ein Aphel in 426.635 km Distanz. Die Umlaufzeit betr&auml;gt exakt 2\/3 der Mondumlaufbahn und so erreicht sie erneut den Mond nach zwei Uml&auml;ufen des Mondes oder drei Uml&auml;ufen mit nur 24 m\/s &Uuml;berschuss. Man muss nur noch leicht die Bahn drehen, da der zweite Vorbeiflug in 18.000 km Distanz erfolgen w&uuml;rde.<\/p>\n<p>Anders sieht die Rechnung mit der &Uuml;berschussgeschwindigkeit aus, wenn man eine h&ouml;here Bahn anstrebt, denn dann macht die &Uuml;berschussgeschwindigkeit mehr am Gesamtenergieaufwand aus. F&uuml;r eine 3.000 km hohe Bahn sind es nur noch 432 m\/s zu viel bei der zweiten Bahn gegen&uuml;ber 558 m\/s bei der ersten Begegnung.<\/p>\n<p>F&uuml;r heutige Verh&auml;ltnisse, in denen die Reisezeit keine Rolle spielt, ja die lange Reisezeit sogar den Vorteil hat, dass man zwischen erster und zweiter Begegnung man die Sonde durchchecken und in Betrieb nehmen kann, ist der Vorteil eher gegeben als in den Sechziger Jahren bei Ranger, Lunar Orbiter und Surveyor, die allesamt ein automatisches Programm abspulten.<\/p>\n<p>Das ist auch ein Grund f&uuml;r die langsamen Bahnen, die man heute bei Reisen zum Mond hat. Seit <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/clementine.shtml\">Clementine<\/a> (1994) ist es &uuml;blich das eine Raumsonde nicht direkt zum Mond fliegt, sondern zuerst in einen Erdorbit. Den weitet sie mit dem eigenen Antrieb mehrmals auf, um dann beim letzten Umlauf dann in eine Umlaufbahn einzuschwenken. Dieses Faktum ist auch Herrn Marquard entgangen, woraus er den Schluss zog, dass alle unbemannten Missionen mit Flugzeiten zum Mond von weniger als 28 Tagen Dauer auch nicht stattgefunden haben! Der Hauptgrund ist aber das die Sonden mit eigentlich zu leistungsschwachen Raketen gestartet wurden. Die Tr&auml;ger waren wie die PSLV oder Titan II eigentlich f&uuml;r erdnahe Bahnen vorgesehen. Da aus physikalischer Sicht man immer die Gesamtmasse im Orbit betrachten muss, nimmt die Nutzlast, da die Trockenmasse der letzten Stufe ja konstant bleibt, sehr stark ab, wenn man die Zielgeschwindigkeit erh&ouml;ht. Bei Chandrayaan 1 wiegt die letzte Stufe 920 kg. Chandrayaan dagegen beim Start 1.390 kg und ohne Treibstoffe 523 kg. Bei einem typischen Verh&auml;ltnis von Voll\/Leermasse von 7 f&uuml;r das Antriebssystem macht dieses davon 145 kg aus. Der eigene Antrieb spart also viel Gewicht ein. Mit der Oberstufe w&auml;re die Nutzlast auf 830 kg f&uuml;r eine Mondtransferbahn gesunken. Allerdings gelangte Chandrayaan 1 nicht in eine erdnahe Umlaufbahn sondern eine subsynchrone Umlaufbahn mit einem Apog&auml;um von 22.864 km. In dieser Umlaufbahn verbraucht die Sonde weiteren Treibstoff, um erst eine Mondtransferbahn zu erreichen. Doch in der Summe darf sie schwerer sein als bei einem direkten Start.<\/p>\n<p>Das Problem: bei fast 1.400 kg Startmasse von <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/chandrayaan-1.shtml\">Chandrayaan-1<\/a> hat sie nur ein Triebwerk mit 400 N Schub. F&uuml;r die 990 m\/s, die noch zur Mondtransferbahn fehlen, m&uuml;sste es 2940 s lang brennen. Doch, w&auml;hrend es arbeitet, gewinnt die Sonde an H&ouml;he und verliert Geschwindigkeit. Bei nur einer Brennphase, also einem direkten Flug kommt man auf eine Endmasse von 817 kg. Das Perig&auml;um steigt auf 1818 km H&ouml;he und anstatt 990 m\/s muss man 1425 m\/s aufbringen also 435 m\/s mehr. Bei zwei Brennperioden sinkt der Zusatzaufwand schon auf 44 m\/s und die Endbahn hat ein 360 km hohes Perig&auml;um. Die Nutzlast steigt auf 990 kg. Bei drei Brennperioden sind es 25 m\/s mehr Aufwand, ein Perig&auml;um in 305 km H&ouml;he und die Nutzlast 997 kg.<\/p>\n<p>Ist der Schub noch kleiner, wie bei Ionenantrieben, so kann es Monate dauern den Mond zu erreichen, wie bei <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/smart-1.shtml\">Smart-1<\/a>.<\/p>\n<p>Zur&uuml;ck zum Mondvorbeiflug. Die Technik die Umlaufbahn durch einen Vorbeiflug zu &auml;ndern wurde mehrmals genutzt. Japan nutzte das klassische Swing-By bei ihren Sonden <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/hiten.shtml\">Hiten<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/nozomi.shtml\">Nozomi<\/a>, um Geschwindigkeit aufzunehmen. Die Anhebung der Bahn wurde beim Transfer von <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2013\/06\/07\/vor-15-jahren-ueber-den-mond-in-den-geo-orbit-asiasat-3a-hgs-1\/\"> Asiasat-3<\/a> in den GEO genutzt. Sollte Russland mal auf die Idee kommen von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kosmodrom_Plessezk\">Plessezk<\/a> aus geostation&auml;re Satelliten zu starten, so kann man zeigen, das von diesem hohen Breitengrad der Umweg &uuml;ber den Mond energetisch g&uuml;nstiger ist, als die Bahnneigung im GTO abzubauen. Eine Bahn, die den Mond erneut anfliegt, wurde f&uuml;r den Impaktor von <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/lcross.shtml\">LCROSS<\/a> genutzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nein, heute gibt es keinen weihnachtlichen Blog. Ich bin alleine und da hat Weihnachten nicht die Bedeutung wie f&uuml;r andere, die Familie haben. Aber Siegfried von Marquard. 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Als ich an ihm arbeitete, fielen mir die Paralellen zur heutigen Trumpregierung auf und ich habe meinen Text unten noch um einen Absatz \u00fcber heute erg\u00e4nzt, der im Buch fehlt und dort auch nicht erscheint, es\u2026","rel":"","context":"In &quot;Allgemein&quot;","block_context":{"text":"Allgemein","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/allgemein\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/e4f9253ed58c476b8b2cfc206b9a6fb5","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18654,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/05\/08\/zwei-hypothetische-galileoprojekte\/","url_meta":{"origin":13669,"position":5},"title":"Zwei hypothetische Galileoprojekte","author":"Bernd Leitenberger","date":"8. Mai 2026","format":false,"excerpt":"Heute ein Blog, in dem ich zwei Galileoprojekte unter die Lupe nehme, die zumindest diskutiert wurden. Galileo durchlief vor dem Start ja einige Umplanungen. Diese waren vor allem dadurch bedingt, dass die Sonden von 1.500 auf \u00fcber 2.500 kg Gewicht anwuchsen und so die geplante Startm\u00f6glichkeit mit einem Space Shuttle\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/4c32cea80e8e49b69bdc5bc974151b2d","width":350,"height":200},"classes":[]}],"jetpack_sharing_enabled":true,"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13669","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/169"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13669"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13669\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13669"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13669"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13669"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}