{"id":13699,"date":"2019-01-15T15:13:40","date_gmt":"2019-01-15T14:13:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=13699"},"modified":"2019-01-17T09:55:07","modified_gmt":"2019-01-17T08:55:07","slug":"die-crux-mit-den-konstellationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2019\/01\/15\/die-crux-mit-den-konstellationen\/","title":{"rendered":"Die Crux mit den Konstellationen"},"content":{"rendered":"<p>Ich m&ouml;chte heute mal meine Einw&auml;nde zu den geplanten Satellitenkonstellationen auf technischer Seite formulieren. Es g&auml;be nat&uuml;rlich noch andere Sichtweisen, wie die organisatorische (wie lange brauche ich um die Konstellation aufzubauen, welchen Aufwand muss ich auch im Bodensegment treiben) und nat&uuml;rlich wirtschaftliche. Doch ich fange mal mit der Konkurrenz an, den etablierten geostation&auml;ren Satelliten.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/fce9db6cf18d4e86a2f3417ac6da2adf\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><!--more--><\/p>\n<h3 class=\"western\">Die Evolution von geostation&auml;ren Satelliten<\/h3>\n<p>Alles begann mit dem Early Bird, noch von der NASA finanziert. Er wurde sp&auml;ter an Intelsat &uuml;bertragen, die ihn nachbauen lies. Die F&auml;higkeiten wuchsen dann an, es wurden immer mehr Telefongespr&auml;che oder Fernsehkan&auml;le gleichzeitig m&ouml;glich und die kosten f&uuml;r die Nutzer sanken. Die INTELSAT IV Generation hatte dann schon Antennen, die nicht mehr die ganze Erde abdeckten, sondern einzelne Kontinente. Das erh&ouml;hte die Empfangsst&auml;rke.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/img\/antennen-abdeckung.png\" width=\"642\" height=\"513\" class=\"alignleft size-medium\" \/><a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/deutsche-satelliten.shtml\">Symphonie 1+2<\/a>, die beiden deutsch-franz&ouml;sischen Satelliten l&auml;uteten dann ein neues Zeitalter ein. Nicht nur als erste Konkurrenz zum internationalen (aber von den USA dominierten) Konsortium Intelsat, sondern auch der Beginn der Regionalsatelliten. Sie sollten nicht mehr Kontinente verbinden, stattdessen Services in Europa bereitstellen, sp&auml;ter wurde einer nach Indien verschoben. Dazu geh&ouml;rten zahlreiche Innovationen, die heute jeder geostation&auml;re Satellit hat wie ein ausfahrbarer Solargenerator, Apog&auml;umanstrieb mit fl&uuml;ssigem Treibstoff, <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/ausrichtung-satelliten.shtml\">Dreiachsenstabil<\/a><a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/ausrichtung-satelliten.shtml\">i<\/a><a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/ausrichtung-satelliten.shtml\">sierung<\/a>. Vor allem aber Parabolantennen die viel besser die Signal b&uuml;ndeln. Damit konnte man das Empfangsgebiet st&auml;rker eingrenzen. Das hat mehrere Vorteile. Zum einen verteilt sich das Signal auf eine kleinere Fl&auml;che. Man braucht also eine viel kleinere Empfangsantenne f&uuml;r dieselbe Signalst&auml;rke &uuml;ber dem Hintergrundrauschen. Zum zweiten kommen sich so mehrere Satelliten nicht ins Gehege, wenn sie verschiedene Gebiete abdecken. Vor allem aber kann man so eine Frequenz mehrfach nutzen, wenn der Empfangsbereich jeweils ein anderer ist.<\/p>\n<p>Geostation&auml;re Satelliten haben zwei zugewiesene Frequenzb&auml;nder, die sie n&uuml;tzen d&uuml;rfen. Zwischen 4 und 6 GHz im C-Band und zwischen 12 und 14 GHz im K-Band. Rechnet man mit einer Codierung von 1 Bit\/Hz Frequenz, sind das bei insgesamt 4 GHz Bandbreite maximal 4 GBit\/s. Wahrscheinlich durch effiziente Codierung etwas besser, andererseits muss man auch L&uuml;cken zwischen jedem Transponder lassen, um St&ouml;rungen zu vermeiden. Ein Transponder mit einer Bandbreite von 30 MHz kann man heute f&uuml;r etwa 1 Million Dollar pro Jahr mieten.<\/p>\n<p>In den Achtzigern startete mit Astra dann die &Auml;ra der Direktfernsehsatelliten. Mit noch gr&ouml;&szlig;eren Parabolantennen deckten diese Satelliten nun nicht mehr Europa sondern nur noch einen Teil Europas ab, dazu kamen st&auml;rkere Sender. Als Folge schrumpfte die Gr&ouml;&szlig;e einer Empfangsantenne von 3 m, und damit Anschaffungskosten von rund 20.000 DM auf 90 cm und Anschaffungskosten von 1.000 DM, heute sind sogar bei noch kleineren Beams noch kleinere Antennen ausreichend. Heute kann ein Satellit mit einer 3 m gro&szlig;en Sende-\/Empfangsantenne einen Winkel von 0,5 Grad im K-Band eingrenzen, das sind beim &Auml;quator nur noch ein Gebiet von 180 km Durchmesser, zu den Polen hin nimmt der Durchmesser zu.<\/p>\n<p>Mit dem Internet begann auch die Nutzung von Satelliten als Relay. Dabei erfolgte anfangs der Downstream &uuml;ber den Satellit, der Upstream aber meist &uuml;ber das terrestrische Netz, also die Telefonleitung. Das hatte mehrere Gr&uuml;nde. Zum einen sparte man sich so einen Teil der Zeitverz&ouml;gerung ein \u2013 im minimalen Fall geht das Signal einmal in 36.000 km Distanz und wieder zur&uuml;ck, was rund 0,4 s dauert. Bei einer Anfrage und Antwort f&auml;llt diese Verz&ouml;gerung zweimal an, einmal beim Senden der Anforderung und einmal beim Empfang der Antwort. Daneben war es anfangs so, dass die Daten im Upstream relativ gering waren \u2013 Emails, HTTP-Anfragen. Heute gibt es nat&uuml;rlich immer noch Internet &uuml;ber Satellit, aber symmetrisch, also auch der Upstream &uuml;ber Satellit. Heute wird viel mehr im Upstream &uuml;bertragen. In die Cloud oder auf Instagramm Fotos. Dank gr&ouml;&szlig;erer Empfangsantennen ist das kein Problem.<\/p>\n<p>Der gr&ouml;&szlig;te Vorteil eines geostation&auml;ren Satelliten ist, dass er ein Gebiet dauerhaft, 24 Stunden am Tag versorgen kann. Mit mehreren Antennen kann man das relativ genau eingrenzen.<\/p>\n<p>Der Nachteil ist, dass er erst mal in den geostation&auml;ren Orbit kommen muss. Vergleichen mit dem LEO-Orbit sinkt schon die Nutzlast in den Transferorbit auf einen Bruchteil ab. Dann braucht der Satellit noch weiteren Treibstoff, um den Geo Orbit zu erreichen und auch dort ist kein Ende. Die Position ist nicht stabil, das ungleichm&auml;&szlig;ige Gravitationsfeld f&uuml;hrt dazu, dass man laufend nachkorrigieren muss. Bei 12 bis 15 Jahren Betriebsdauer, wie sie heute Standard sind, besteht der Satellit zu 2\/3 aus Treibstoff und Antriebssystem. Trotzdem braucht er gro&szlig;e Antennen, wenn die Empf&auml;nger (f&uuml;r Endnutzer) klein sein sollen. Die wiegen viel. Die gr&ouml;&szlig;te Einschr&auml;nkung f&uuml;r die Nutzung als Internetterminal ist aber die gro&szlig;e Distanz und damit die Signalverz&ouml;gerung, Bei der &Uuml;bermittlung von Fernsehsignalen ist das weitaus weniger st&ouml;rend und zudem ben&ouml;tigt man dort keinen R&uuml;ckkanal und kann beliebig viele Benutzer mit den gleichen Daten versorgen, w&auml;hrend sich sonst die Nutzer die Bandbreite teilen m&uuml;ssen. Daher ist das noch immer die vorherrschende Nutzung geostation&auml;rer Satelliten.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Mittlere Orbits<\/h3>\n<p>Daher gibt es schon einige Konstellationen im mittleren Orbit \u2013 immerhin noch 6.000 bis 8.000 km hoch. Dann kommt man nicht mit einem Satelliten aus. O3B besteht aus 16 Satelliten von nur 700 kg Masse in 8.000 km H&ouml;he. Das ist mehr als viermal n&auml;her \u2013 mit kleinerer Signalverz&ouml;gerung. Trotzdem deckt jeder Satellit in dieser H&ouml;he noch ein gro&szlig;es Gebiet ab. O3B hat als Kunden zum einen Airlines und die Schifffahrt und zum anderen L&auml;ndern rund um den &Auml;quator, denn die Satelliten umkreisen die Erde wie die geostation&auml;ren Satelliten &auml;quatorial. In dieser H&ouml;he w&uuml;rde eigentlich wie im geostation&auml;ren Orbit ein Satellit alle 180 Breitengrade ausreichen, um eine kontinuierliche Abdeckung zu gew&auml;hrleisten. Es sind mehr, um mehr Bandbreite zur Verf&uuml;gung zu stellen und weil der Empfang besser ist wenn sich der Satellit nahezu senkrecht &uuml;ber der Empfangsstation befindet. O3B nutzt die N&auml;he, um in das h&ouml;herfrequente Ka-Band zwischen 26,5 und 40 GHz zu wechseln. Je h&ouml;her ein Frequenzband ist, desto kleinere Antennen braucht man f&uuml;r ein gegebenen Abstrahlwinkel oder eine Vorgabe an Signalabstand &uuml;ber dem Hintergrundrauschen. Als Nebeneffekt gibt es mehr Bandbreite in h&ouml;heren B&auml;ndern. Allerdings ist auch die Signalabschw&auml;chung durch die Atmosph&auml;re, vor allem Wasserdampf h&ouml;her. Das obere Ka-Band nutzen auch alle LEO-Konstellationen.<\/p>\n<p>Hinsichtlich der Eigenschaften sind so mittlere Orbits ein Zwitter zwischen den Anforderungen. In 8.000 km H&ouml;he ist die Verz&ouml;gerung schon viermal kleiner \u2013 hin und zur&uuml;ck unter 200 ms. Andererseits bewegt sich der Satellit so langsam &uuml;ber den Horizont, dass man ihn viel leichter mit einer mechanisch drehbaren Antenne verfolgen kann als im geostation&auml;ren Orbit. Eine Passage von Horizont zu Horizont dauert knapp 6 Stunden.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Leo Konstallationen<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/img\/oneweb-spacex-vergleich.png\" width=\"966\" height=\"486\" class=\"alignright size-medium\" \/>Machen wir einen Sprung zu den LEO-Konstellationen. Oneweb wird ihre Satelliten in 1100 bis 1200 km H&ouml;he platzieren. Es gibt ja schon solche Satellitenflotten in &auml;hnlichen Orbits. Iridium in 780 km H&ouml;he mit 77 Satelliten, davon 66 aktiv, Globalstar in 1414 km H&ouml;he mit 24 Satelliten. Man sieht \u2013 je h&ouml;her der Orbit, desto weniger Satelliten braucht man. Technisch muss f&uuml;r eine dauerhafte Verbindung ein Satellit &uuml;ber dem Horizont aufgehen, wenn der Letzte gerade hinter dem Horizont verschwindet. In der Praxis eher etwas fr&uuml;her, weil nahe des Horizonts zum einen Hindernisse sein k&ouml;nnen (Berge, Nachbarh&auml;user) und zum anderen am Horizont wegen Reflexionen und der dichteren Atmosph&auml;renschicht der Empfang schlecht ist. Bei Iridium kann man erst oberhalb 8.2 Grad &uuml;ber dem Horizont einen Empfang gew&auml;hrleisten, dieser Winkel steigt zum Pol hin auf 20 Gad an. In 1200 km H&ouml;he entspricht Anteil der Erdoberfl&auml;che, in dem ein Satellit sichtbar ist, einem Winkel von fast 66 Grad. Sechs Satelliten pro Bahn w&uuml;rden also ausreichen f&uuml;r eine Abdeckung einer Bahnebene. Eine Bahnebene ist aber noch keine komplette globale Abdeckung. Die Erde rotiert einmal in 24 Stunden. Jeder Satellit passiert einen Punkt zweimal am Tag, einmal, wenn er auf der Sonnenseite ist und einmal auf der Nachtseite. Bei 66 Grad Breite des Empfangsgebietes (gemessen als Winkel, entsprechend ~ 7300 km auf der Erdoberfl&auml;che braucht man dann mindestens drei Bahnebenen. Zusammen ohne Reservesatelliten also 18 Satelliten. Die Gr&ouml;&szlig;enordnung ist die gleiche wie bei Globalstar in etwas h&ouml;herer Bahn.. Wobei die Angaben immer von Horizont zu Horizont sind, wie schon geschrieben ist es sinnvoll, wenn sich die Empfangsgebiete &uuml;berlappen, wodurch man mehr Satelliten braucht.<\/p>\n<p>Doch 700 Satelliten sind nicht einige Reservesatelliten mehr, sondern etliche mehr. Warum so viele?<\/p>\n<p>Es gibt eine Reihe von Gr&uuml;nden. Wie schon geschrieben ist der Empfang am besten, wenn der Satellit nahe des Zenits ist. Dann ist auch das elektronische Schwenken der Antenne einfacher. Sendeantennen werden Phased array Antennen sein, die nicht mechanisch dem Satelliten nachgef&uuml;hrt werden, sondern elektronisch geschwenkt werden. Bei Radarantennen, die nach diesem Prinzip funktionieren, kann man den Winkel um maximal 60 Grad &auml;ndern, wirtschaftlich sind Winkel kleiner 30 Grad. 30 Grad sind aber nur ein Sechstel der Hemisph&auml;re von 180 Grad. Also ben&ouml;tige ich pro Bahnebene die sechsfache Satellitenzahl und da dies auch f&uuml;r die Breite also Abweichung in Ost-Westrichtung gilt (bei einer Passage nicht direkt &uuml;ber dem Empfangspunkt, sondern etwas westlich oder &ouml;stlich) auch entsprechend mehr Bahnebenen, dann komme ich leicht auf 18 x 6\u00b2 = 648 Satelliten, was ziemlich exakt die Satellitenanzahl von Oneweb ist. Als Vorteil muss ein Satellit aber dann auch nur ein Gebiet von 30 Grad Breite abdecken, so kann der Sender viel leistungsschw&auml;cher sein, und da dies immer um die Zenitposition herum ist, ist auch die Abschw&auml;chung durch Wetterph&auml;nomene nicht so stark.<\/p>\n<p>Das zweite ist, das jeder der nun kleinen Satelliten nur eine begrenzte Kapazit&auml;t hat. Denn nat&uuml;rlich wird ein 200 kg schwerer Satellit nicht die Kapazit&auml;t eines 1,5 t schweren geostation&auml;ren Satelliten haben.<\/p>\n<p>Daneben m&uuml;ssen die Daten auch an eine Bodenstation gesendet werden, dort m&uuml;ssen sie ja ins normale Internet eingespeist werden. Es g&auml;be zwei L&ouml;sungen f&uuml;r das Problem. Zum einen reichen, wenn man die Bodenstationen mit gro&szlig;en, beweglichen Antennen ausstattet, 18 St&uuml;ck, wenn sie an den richtigen Stellen sind. Dann w&uuml;rden die Daten von einem Satelliten zum n&auml;chsten &uuml;bertragen werden, bis sie bei dem ankommen, der am n&auml;chsten zur Bodenstation ist, der dann nat&uuml;rlich einen leistungsf&auml;higen Downlink hat, denn er muss die Daten von bis zu 36 Satelliten &uuml;bermitteln. Dann muss eine Bodenstation aber nur einen Satelliten tracken. Alternativ baut man mehrere Antennen um mehrere Satelliten zu tracken, man wird nicht jeden Satelliten verfolgen k&ouml;nnen, und das dauernde Schwenken bei so vielen Satelliten auf den jeweils n&auml;chsten Satelliten ist auch nicht praktikabel. Der Satellit ben&ouml;tigt dadurch aber trotz seiner kleinen Masse dann eine zweite Kommunikationsausr&uuml;stung mit hoher Kapazit&auml;t zur Bodenstation zus&auml;tzlich zu den Endnutzern.<\/p>\n<p>SpaceX will zwei Ebenen etablieren. Eine erdnahe in rund 400 km H&ouml;he \u2013 nah am Kunden, reduziert die Kosten f&uuml;r Hardware beim Kunden und erh&ouml;ht die Datenrate bei gleicher Sendeleistung, daf&uuml;r aber vielen Satelliten und einer zweiten Ebene in der H&ouml;he von OneWeb, die wohl vor allem f&uuml;r die &Uuml;bertragung der Daten zur Bodenstation zust&auml;ndig ist. Dort wird auch ein f&uuml;r den Satelliten-Satelliten-Kommunikationsweg ein sehr hochfrequentes Band eingesetzt, das auf der Strecke Erde-Satellit wohl ziu stark ged&auml;mpft w&uuml;rde.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Die Wirtschaftliche Crux<\/h3>\n<p>Der Riesenunterschied zwischen einem geostation&auml;ren Satelliten und der Flotte ist der, das ein geostation&auml;rer Satellit einen Transponder verkauft, der eine bestimmte Region mit einer bestimmten Datenrate dauerhaft versorgt. Sobald man die meisten Transponder verkauft hat, ist der Satellit wirtschaftlich. Sie werden ja auch nach Bedarf gebaut und gestartet. Dabei orientiert man sich nach der Nachfrage. Ein Satellit, der bei etwa 10 Grad Ost steht, kann z.B. Deutschland versorgen, aber auch Norwegen oder Libyen oder die Antarktis. Es wird aber sicher mehr Kunden in Deutschland geben als in der Antarktis. 70 % der Erdoberfl&auml;che sind Wasser oder Eis. Da gibt es nat&uuml;rlich auch dicht besiedelte Regionen an der K&uuml;ste oder auf Inseln wie Japan. Doch der Gro&szlig;teil der Ozeanfl&auml;che ist kaum besiedelt. Ein geostation&auml;rer Satellit kann sich die Regionen aussuchen, die gut besiedelt sind und wo es gen&uuml;gend zahlende Kunden gibt. Eine Flotte bietet zwar anders als ein geostation&auml;rer Satellit eine weltweite Abdeckung an, aber der springende Punkt. Die Kunden in dicht besiedelten Gebieten zahlen im Prinzip f&uuml;r eine Satellitenabdeckung der ganzen Erdoberfl&auml;che mit. Mehr noch: Je mehr Kunden es in einem Gebiet wird, desto kleiner wird die verf&uuml;gbare Bandbreite pro Kunde. Auf der anderen Seite gibt es die meisten potenziellen Kunden zwar in heute noch nicht gut erschlossenen Gebieten, f&uuml;r die es auch keine Satellitenabdeckung mangels Nachfrage gibt, aber diese haben selten die Kaufkraft f&uuml;r diese Technologie. Bevor jemand mit den Funkl&ouml;chern in Deutschland kommt: &uuml;ber geostation&auml;re Satelliten kann man schon seit 15 Jahren Internet haben, zu konkurrenzf&auml;higen Preisen, daf&uuml;r braucht man keine Flotte, was mein Hauptargument best&auml;tigt.<\/p>\n<p>Telesat, ein weiteres Start-up setzt daher wie Globalstar auf eine andere Strategie. Globalstar unterscheidet sich von Iridium nicht nur in der Bahnh&ouml;he und Satellitenzahl. Die Bahnen sind auch nur 52,4 Grad zum &Auml;quator geneigt. Warum die polnahen Regionen abdecken, wenn dort keiner wohnt? Telesat hat 60 Satelliten in polaren Bahnen und weitere 50 in 37,4 Grad geneigten Bahnen. Diese decken den Bereich bis in mittlere Breiten, ab. Dort sind viele der bev&ouml;lkerungsreichen L&auml;nder S&uuml;damerikas und Asiens. Man konzentriert sich also auf den Bereich, der auch wirtschaftlich sinnvoller ist. Der Vorteil: Die Empfangszonen &uuml;berlappen sich st&auml;rker je kleiner die Bahnneigung ist, die Abdeckung ist besser.<\/p>\n<p>Daneben brauche ich auch zunehmend mehr Bodenstationen zum Empfang mit mehr Satelliten. Die noch dazu wenn man nicht extrem lange und Bandbreite verschlingende Satelliten-Satelliten&uuml;bertragungen haben will, gleichm&auml;&szlig;ig &uuml;ber den Globus verteilt sein m&uuml;ssen. Das Letztere ist sowieso ein Idealzustand, vor allem im Pazifik gibt es gro&szlig;e Gebiete ohne das weit und breit auch nur eine kleine Insel ist.<\/p>\n<p>Ich sehe das wie bei Iridium als ein Vabanque-Spiel. Man muss erst ein Netz aufbauen, um zu sehen, ob es wirtschaftlich ist. Vorher kann man nur &uuml;ber potenzielle Nutzerzahlen spekulieren. Bei Iridium waren es schlie&szlig;lich nur ein Bruchteil der potenziellen Nutzer was die Firma an den Rande des Bankrotts brachte. Und genau die Gefahr sehe ich auch bei OneWeb und Starlink. Je gr&ouml;&szlig;er die Investitionskosten sind, desto h&ouml;her die Chance des Scheiterns. OneWeb sollte dieses Jahr mit den ersten Starts beginnen. In einigen Jahren wissen wir mehr. Nach diesem <a href=\"http:\/\/www.mit.edu\/~portillo\/files\/Comparison-LEO-IAC-2018-slides.pdf\">Autor <\/a>ist das vermeintlich kleinste System von Teledisc zumindest das effektivste System.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich m&ouml;chte heute mal meine Einw&auml;nde zu den geplanten Satellitenkonstellationen auf technischer Seite formulieren. Es g&auml;be nat&uuml;rlich noch andere Sichtweisen, wie die organisatorische (wie lange brauche ich um die Konstellation aufzubauen, welchen Aufwand muss ich auch im Bodensegment treiben) und nat&uuml;rlich wirtschaftliche. 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