{"id":13763,"date":"2019-02-23T08:41:18","date_gmt":"2019-02-23T07:41:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=13763"},"modified":"2019-02-23T08:41:18","modified_gmt":"2019-02-23T07:41:18","slug":"probleme-beim-crossfeeding","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2019\/02\/23\/probleme-beim-crossfeeding\/","title":{"rendered":"Probleme beim Crossfeeding"},"content":{"rendered":"<p>Immer mal wieder wird von den Herstellern Cross-Feeding als M&ouml;glichkeit zur Leistungssteigerung von Tr&auml;gerraketen genannt. Wenn es aber um eine Realisierung geht, wird ganz schnell wieder zur&uuml;ckgerudert. Dabei ist die Treibstoffversorgung aus abwerfbaren Tanks schon lange &uuml;blich. Siehe Space Shuttle oder Breeze.<\/p>\n<p>Das erste Problem ist, das der Treibstoff aus den Boostern gleichschnell verbraucht werden muss, damit der ganze Spa&szlig; nicht aus dem Gleichgewicht kommt. Bei der einfachsten Variante, einem gemeinsamen Leitungssystem, kommt es dann aber zu Problemen: Der Treibstoff flie&szlig;t nicht nur zum Triebwerk, sondern sammelt sich auch in dem Tank, der am weitesten unten liegt. G&uuml;nstig sind dann Raketen mit nur zwei Boostern, wie Delta 4 Heavy oder F9H. Da liegen s&auml;mtliche Tanks auf einer Linie. Beim Neigen kann dann die Rakete so gedreht werden, dass die Tanks immer auf gleicher H&ouml;he liegen.<\/p>\n<p>Bei mehr als zwei Boostern wie bei der Angara 5 kann man aber drehen wie man will, man bekommt bei geneigter Rakete nie alle Tanks auf gleiche H&ouml;he. Dann ist ein gemeinsames Leitungssystem nicht m&ouml;glich. Theoretisch k&ouml;nnte man auch bei der Angara 5 alle Stufen auf einer Linie anordnen. Dazu m&uuml;ssten zwei Booster statt an der Zentralstufe an den anderen beiden Boostern montiert werden. Was mechanisch aber recht ung&uuml;nstig w&auml;re. Die inneren Booster m&uuml;ssten dann auch noch die Kr&auml;fte von den &auml;u&szlig;eren Boostern auf die Zentralstufe &uuml;bertragen. Die daf&uuml;r verst&auml;rkte Struktur bringt dann zus&auml;tzliches Gewicht, so dass sich der Spa&szlig; eher nicht lohnt. Von den dazu n&ouml;tigen Umbauten am Startkomplex ganz zu schweigen.<\/p>\n<p>Einen Ausweg bieten Raketen mit mehreren Triebwerken wie die F9 oder Electron. Hier kann jedem Booster ein Triebwerk oder eine Gruppe von Triebwerken zugeordnet werden. L&auml;sst sich die Anzahl der Triebwerke nicht glatt durch die Zahl der Booster teilen, kann das \u201eunpassende\u201c Triebwerk schon beim Start aus der Zentralstufe versorgt werden.<\/p>\n<p>Bei der F9H k&ouml;nnte dann jeder Booster 4 Triebwerke der Zentralstufe versorgen, und das 9. l&auml;uft mit Sprit aus dem eigenen Tank. Eine andere M&ouml;glichkeit ist die Aufteilung in drei Dreiergruppen. Bei zwei Boostern m&uuml;ssen dann eben drei Triebwerke mit eigenen Sprit laufen. Daf&uuml;r ist dann eine Super Heavy mit drei Boostern m&ouml;glich, bei der das Cross Feeding voll ausgereizt wird. Ob das bei der gro&szlig;en Triebwerkszahl sinnvoll ist, kann man sich allerdings streiten.<\/p>\n<p>Denkbar w&auml;re in der Zentralstufe auch ein Triebwerk mit mehreren Turbopumpen. Jede w&uuml;rde dann den Treibstoff aus einem Booster holen. Das w&auml;re aber teurer, schwerer und weniger zuverl&auml;ssig. Deshalb wurde so ein Triebwerk noch niemals gebaut. Und nur f&uuml;r die Zentralstufe eins neu zu entwickeln lohnt sich nicht. Da w&auml;re es sinnvoller, mehrere kleine Triebwerke einzubauen. Besonders wenn es schon welche in der passenden Gr&ouml;&szlig;e gibt.<\/p>\n<p>Eine Alternative zum gemeinsamen Leitungssystem ist das Umpumpen von Treibstoff in die Zentralstufe. Es ist ja &uuml;blich, nach einiger Zeit die Triebwerke zu drosseln. Am einfachsten geht das, wenn die Turbopumpe weiter mit voller Leistung l&auml;uft, und nur die Zufuhr zur Brennkammer gedrosselt wird. Was nicht vom Triebwerk verbraucht wird flie&szlig;t dann in die Tanks der Zentralstufe. Ideal ist das nicht, weil f&uuml;r das Triebwerk ein viel h&ouml;herer Druck gebraucht wird als zum Umpumpen. Einen Haken hat das allerdings: Bei Triebwerke die mit dem Hauptstromverfahren arbeiten, ist das nicht m&ouml;glich. Dann w&auml;re zum Umpumpen eine extra Turbopumpe n&ouml;tig. Das bedeutet nicht nur zus&auml;tzliches Gewicht, auch zus&auml;tzliche Kosten. Und eine Baugruppe mehr, die ausfallen kann. Zum Umpumpen mit niedrigem Druck wird relativ wenig Energie ben&ouml;tigt. Da w&auml;ren durch Elektromotoren angetriebene Pumpen (wie in der Electron) eine m&ouml;gliche Alternative.<\/p>\n<p>Daraus folgt, dass die F9H die g&uuml;nstigsten Voraussetzungen f&uuml;r Crossfeeding bietet. Das wurde von Spacex auch mal genannt, in letzter Zeit ist allerdings nichts mehr davon zu h&ouml;ren. Warum sollte man auch die Nutzlast weiter steigern, wenn die schon gr&ouml;&szlig;er ist als gebraucht wird? International geht ja der Trend eher zu geringerer Nutzlast, wie bei Ariane 6 oder den verkleinerten Proton-Versionen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer mal wieder wird von den Herstellern Cross-Feeding als M&ouml;glichkeit zur Leistungssteigerung von Tr&auml;gerraketen genannt. Wenn es aber um eine Realisierung geht, wird ganz schnell wieder zur&uuml;ckgerudert. Dabei ist die Treibstoffversorgung aus abwerfbaren Tanks schon lange &uuml;blich. Siehe Space Shuttle oder Breeze. 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