{"id":13801,"date":"2019-03-12T10:17:10","date_gmt":"2019-03-12T09:17:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=13801"},"modified":"2019-03-12T10:26:31","modified_gmt":"2019-03-12T09:26:31","slug":"gravitationsverluste-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2019\/03\/12\/gravitationsverluste-3\/","title":{"rendered":"Gravitationsverluste"},"content":{"rendered":"<p>So zum zweiten Mal &#8211; ich war gerade an dem Artikel, als vor einer Woche die Crucial SSD sich verabschiedete in die Speicherh&ouml;lle &#8211; ein Grundlagenartikel zur Raumfahrt, der dann auch seinen Weg auf die Website <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/gravitationsverluste.shtml\">finden wird<\/a>.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/5219c6c340704493b703a3443b1b4128\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Es geht um die Gravitationsverluste bei der Aufstiegsbahn einer Bahn. Es sind eigentlich zwei Verluste. Die erste Art ist physikalisch gesehen kein Verlust in der Praxis aber doch. Es ist die Hubarbeit im Gravitationsfeld.<!--more--><\/p>\n<h3>Hubarbeit im Gravitationsfeld<\/h3>\n<p>Im Gravitationsfeld hat jeder K&ouml;rper zwei Energieformen. Das eine ist die potentielle Energie, die sich in dem Abstand vom Gravitationszentrum &auml;u&szlig;ert. Je h&ouml;her die Entfernung ist, desto mehr Arbeit wurde aufgebracht. Das wei&szlig; jeder, wer mal einen Berg bestiegen hat oder nur etliche Treppen hoch gelaufen ist.<\/p>\n<p>Die kinetische Energie ist dagegen bei einem Objekt auf der Erdoberfl&auml;che gleich Null. Es bewegt sich ja nicht relativ zum Gravitationszentrum. F&uuml;r eine Umlaufbahn muss diese dagegen gro&szlig; sein, die Zentrifugalkraft muss schlie&szlig;lich die Gravitationskraft aufheben. Diese Energieformen sind ineinander umwandelbar. Wer ein Pendel anst&ouml;&szlig;t, wird in den Endpunkten keine Geschwindigkeit haben (kinetische Energie=0) und die h&ouml;chste potentielle Energie. Am tiefsten Punkt ist die kinetische Energie maximal (h&ouml;chste Geschwindigkeit) und die potenzielle Energie minimal.<\/p>\n<p>So geht das auch im Gro&szlig;en. Angenommen, wir feuern eine Kanone senkrecht ab, so hat sie anfangs die h&ouml;chste Geschwindigkeit, wird immer langsamer, um eine Gipfelh&ouml;he zu erreichen und dort kommt sie kurzzeitig zur Ruhe. Sie hat nun die maximale potentielle Energie. Beim Fallen zur&uuml;ck zur Erde kommt sie dann mit derselben Geschwindigkeit wieder an, mit der sie abgeschossen wurde &#8211; zumindest wenn wir den Luftwiderstand au&szlig;er Acht lassen.<\/p>\n<p>Ein Satellit muss aber die Lufth&uuml;lle hinter sich lassen, sonst vergl&uuml;ht er, das hei&szlig;t man braucht eine Mindesth&ouml;he, die er erreichen muss. Wir k&ouml;nnten nun die Rakete mit einer Kanone hochschie&szlig;en und erst auf der Gipfelh&ouml;he, der sp&auml;teren H&ouml;he der Umlaufsbahn zu z&uuml;nden. Dann w&auml;re die Sache ganz einfach: die Endgeschwindigkeit besteht aus der sp&auml;teren Orbitgeschwindigkeit und der Geschwindigkeit, die man braucht, um die Starth&ouml;he zu erreichen. Das ist errechenbar nach:<\/p>\n<p><strong>E<\/strong> <sub> <strong>pot<\/strong> <\/sub> <strong>= (<\/strong> <sup> <strong>1<\/strong> <\/sup>\/ <sub> <strong>r<\/strong> <\/sub> &#8211; <sup> <strong>1<\/strong> <\/sup>\/ <sub> <strong>r+x<\/strong> <\/sub> <strong>)*GM<\/strong><\/p>\n<p>GM: Das Produkt aus Masse und Gravitationskonstante, bei der Erde ~ 3,98&#215;10 <sup>14<\/sup> m\u00b3\/s\u00b2<\/p>\n<p>r: mittlerer Erdradius (6378.000 m)<\/p>\n<p>x: Gipfelh&ouml;he in Metern<\/p>\n<p>Die kinetische Energie berechnet sich nach:<\/p>\n<p><strong>E<\/strong> <sub> <strong>kin<\/strong> <\/sub> <strong>= \u00bd v\u00b2<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe in beiden F&auml;llen die Masse des K&ouml;rpers weggelassen, da sie sich bei dem Gleichstellen der Gleichungen herausk&uuml;rzt.<\/p>\n<p>Setzt man E <sub>kin<\/sub> = E <sub>pot<\/sub> so folgt:<\/p>\n<p><strong>v = Quadratwurzel(2*E<\/strong> <sub> <strong>pot<\/strong> <\/sub>)<\/p>\n<p>Macht man dies f&uuml;r eine 200 km hohe Umlaufbahn, so kommt man auf E <sub>pot<\/sub> = 1.897.294 J\/kg und umgerechnet in die kinetische Energie sind das 1.377 m\/s Startgeschwindigkeit. Auf diese Geschwindigkeit m&uuml;ssen wir eine Kanonenkugel beschleunigen, dass sie 200 km H&ouml;he erreicht.<\/p>\n<p>Wie gesagt ist die Energie nicht verloren: Die Kreisbahngeschwindigkeit in 200 km H&ouml;he ist kleiner als auf der Erdoberfl&auml;che und die Differenz in der kinetischen Energie ist genau die potentielle Energie.<\/p>\n<p>In der Praxis ist dem aber nicht so. Denn wenn wir den Geschwindigkeitsvektor betrachten, so haben wir einen Geschwindigkeitsvektor um anfangs H&ouml;he zu gewinnen, der vom Erdmittelpunkt durch die Erdoberfl&auml;che verl&auml;uft. Bei einer Orbitalbahn dagegen einen Vektor, der parallel zur Erdoberfl&auml;che verl&auml;uft. Die beiden stehen senkrecht aufeinander, das hei&szlig;t von der Geschwindigkeit, die ich in der Vertikalen habe, kann ich nichts in die n&ouml;tige Zentrifugalgeschwindigkeit &uuml;bernehmen. Der einzige Nutzen ist eine um rund 130 m\/s niedrigere Kreisbahngeschwindigkeit.<\/p>\n<p>Es ist daher aus nachvollziehbaren Gr&uuml;nden anzustreben, dass die Umlaufbahn m&ouml;glichst erdnah ist. Wenn sie das nicht ist, dann ist es g&uuml;nstiger, wenn man zuerst eine erdnahe Umlaufbahn erreicht. Dort kompensiert die Zentrifugalkraft die Gravitationskraft. Beschleunigt man dann nochmals, so weitet sich die Bahn auf, bis man die sp&auml;tere Zielh&ouml;he erreicht. Dort angekommen kann eine zweite Z&uuml;ndung die Bahn zirkularisieren. Man kann leicht durch Rechnung zeigen, dass dieser &#8222;Zweiimpuls-&Uuml;bergang&#8220; energetisch viel g&uuml;nstiger ist, als direkt die Bahnh&ouml;he zu erreichen. Bei sehr hohen Bahnen ist das sogar w&auml;hrend der begrenzten Brenndauer einer Rakete nicht m&ouml;glich. Denn der Aufbau der Zentrifugalkraft also ein Geschwindigkeitsvektor parallel zur Erdoberfl&auml;che ist nur in der Zielh&ouml;he oder H&ouml;he m&ouml;glich. Das ergibt sich aus der Logik. Nehmen wir an eine Rakete, soll eine 200 km hohe Kreisbahn erreichen, hat aber schon in 100 km H&ouml;he Brennschluss. Dann kann sie zwar die Geschwindigkeit erreichen, die man f&uuml;r die Bahn ben&ouml;tigt, aber da nun die erste Umlaufbahn beginnt und die aktuelle Position in der Ellipse sein muss, wird der erdn&auml;chste Punkt mindestens bei 100 km H&ouml;he liegen, eventuell sogar noch tiefer.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/ariane-1-sso.png\" alt=\"Ariane 1 SSO\" width=\"968\" height=\"600\" \/>Raketen, die nicht zu einem Zweiimpuls-Man&ouml;ver f&auml;hig sind, das sind z. B. <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/ariane.shtml\">Ariane 1-4<\/a> und die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/ariane-5-evolution.shtml\">Ariane 5 ECA<\/a> m&uuml;ssen die sp&auml;tere Orbith&ouml;he erreichen, indem sie schon beim Start eine sehr hohe Vertikalbeschleunigung aufbauen. Die Nutzlast nimmt dann rapide ab. Bei einer Ariane 1 betrug die Nutzlast f&uuml;r einen 800 km hohen SSO nur 2,6 t. W&auml;re die letzte Stufe zu einem Zweiimpuls-Man&ouml;ver f&auml;hig gewesen, es w&auml;ren 4 t gewesen und die Aufstiegsverluste um fast 1000 m\/s geringer. Man sieht an den unterschiedlichen Aufstiegsbahnen sehr deutlich die Differenz. Die Gerade bei dem Zweiimpulsman&ouml;ver steht f&uuml;r die Zeit der Freiflugphase f&uuml;r die keine Daten vorliegen, da sie antriebslos ist. Sehr deutlich ist aber das die Stufe zuerst in niedriger H&ouml;he Brennschluss hat und dann nur noch bei Erreichen von 800 km H&ouml;he nochmals kurz z&uuml;ndet.<\/p>\n<h3>Aufstiegsverluste<\/h3>\n<p>Immerhin kann man obigen Teil reduzieren. Eine Rakete wird beim Aufsteigen nicht zuerst senkrecht aufsteigen und erst in der Bahnh&ouml;he dann sich um 90 Grad drehen. Sie wird sich vom Start weg langsam drehen und so langsam die horizontale Geschwindigkeit aufbauen, w&auml;hrend der vertikale Geschwindigkeitsanteil kleiner wird. Man erh&auml;lt dann eine Kurve, wie diese im Bild unten einer <a href=\"\/falcon9.shtml\">Falcon 9<\/a> beim einem Nachtstart.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch Verluste, die entstehen unweigerlich. Nehmen wir eine Rakete, die anfangs senkrecht mit einer Geschwindigkeit von 13 m\/s\u00b2 startet. Die Erdgravitation soll (vereinfacht) bei 10 m\/s liegen. Nach einer Sekunde hat die Rakete dann um (13 m\/s\u00b2 &#8211; 10 m\/s\u00b2)* 1 s = 3 m\/s Geschwindigkeit erreicht &#8211; &uuml;ber <sup>2<\/sup>\/ <sub>3<\/sub> des Zuwachses gingen durch die Erdgravitation verloren! Allerdings wird die Rakete leichter, denn sie verbraucht ja Treibstoff. Das bedeutet: in der zweiten Sekunde beschleunigt sie etwas schneller, sagen wir 13,1 m\/s\u00b2 &#8211; der Gewinn ist dann auch gr&ouml;&szlig;er und liegt bei 3,1 m\/s\u00b2. Eine Rakete kann bei Brennschluss der ersten Stufe eine Beschleunigung von 50 m\/s\u00b2 erreichen &#8211; dann sind 40 m\/s\u00b2 reine Nettobeschleunigung oder 80 % des Gesamtbetrags. Zudem wird die Erdgravitation mit steigender Entfernung immer kleiner, die Beschleunigung betr&auml;gt:<\/p>\n<p><strong>g = GM \/ r\u00b2<\/strong><\/p>\n<p>Sie sinkt also mit zunehmender H&ouml;he quadratisch ab.<\/p>\n<p>Das sind die Hauptaufstiegsverluste einer Rakete. Man kann aus der Beobachtung ableiten, das eine Rakete m&ouml;glichst schnell die Orbitalgeschwindigkeit erreichen soll. Dann ist die mittlere Beschleunigung h&ouml;her, und der Abzug durch die Erdgravitation kleiner.<\/p>\n<p>Leider muss der Wert durch eine Simulation ermittelt werden, da sowohl die Beschleunigung nicht linear ist als auch die Geschwindigkeit und der zur&uuml;ckgelegte Weg. Einfach die Brenndauer mit der Erdbeschleunigung g zu multiplizieren, um die Geschwindigkeit zu errechnen, klappt nicht.<\/p>\n<p>Man kann aber etwas ableiten &#8211; es ist g&uuml;nstig, schnell den Treibstoff zu verbrauchen. Da bei einem gew&uuml;nschten konstanten Startschub der Treibstoffverbrauch nach<\/p>\n<p><strong> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"\/img\/launch_streak.jpg\" alt=\"Falcon 9\" width=\"970\" height=\"647\" \/>Schub = Treibstoffdurchsatz * spezifischem Impuls<\/strong><\/p>\n<p>vom spezifischen Impuls (Anstr&ouml;mgeschwindigkeit der Gase) abh&auml;ngt, sind hier Raketen mit niedrigem spezifischen Impuls im Vorteil. Das gleicht daher ein bisschen den niedrigen spezifischen Impuls aus.<\/p>\n<p>Alternativ kann man nat&uuml;rlich schneller starten (h&ouml;here Startbeschleunigung), auch das resultiert die Brenndauer und zudem ist der Verlust durch die Erdbeschleunigung anfangs schon kleiner.<\/p>\n<p>Kombiniert man beide Aussagen, so kommt man zu der Erkenntnis, dass eine Rakete eine m&ouml;glichst hohe Startbeschleunigung haben soll und in der ersten Stufe, die vor allem die Vertikalbeschleunigung aufbaut, der spezifische Impuls nicht so wichtig ist.<\/p>\n<p>Sortiert man die bekannten Raketentypen nach den Aufstiegsverlusten, so haben die geringsten Aufstiegsverluste reine Feststoffraketen &#8211; hohe Startbeschleunigung und niedriger spezifischer Impuls &#8211; sie erreichen teilweise nur 1.000 m\/s Verlust, wie die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/vega-rakete.shtml\">Vega<\/a>. Dann folgen schubstarke Raketen mit niederenergetischen Treibstoffen wie die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/atlas.shtml\">Atlas<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/thor.shtml\">Thor<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/titan12.shtml\">Titan II<\/a> noch ohne schwere Oberstufen. Sie kommen auf 1.300 bis 1.500 m\/s mehr Geschwindigkeit als f&uuml;r die Bahn n&ouml;tig. Am hinteren Ende liegen Raketen mit LOX\/LH2-Erststufen und schubschwachen Oberstufen &#8211; f&uuml;r diese ist das Kriterium zwar nicht ganz so wichtig, aber auch nicht vernachl&auml;ssigbar. Die erste Version der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/ariane5.shtml\">Ariane 5<\/a> brauchte fast 2.500 m\/s mehr als f&uuml;r die Orbitalgeschwindigkeit eigentlich n&ouml;tig.<\/p>\n<h2>Aufstiegszeit<\/h2>\n<p>Da die Rakete allerdings mit einer Geschwindigkeit von 0 startet und erst die Geschwindigkeit in der vertikalen und Horizontalen aufbauen muss, braucht sie eine endliche Zeit um die Bahnh&ouml;he zu erreichen. Hat sie vorher Brennschluss, wie dies bei ganz kurzen Brennzeiten sein kann, dann liegt der erdn&auml;chste Punkt der Bahn zu tief. Diesen kann man im Apog&auml;um durch eine zweite Z&uuml;ndung anheben. Doch wenn dies nicht m&ouml;glich ist, z.B. weil die Oberstufe nicht erneut z&uuml;ndbar ist, was bei einem Feststoffantrieb normal ist, dann hat man ein Problem. Feststoffantriebe haben daher oft Freiflugphasen. So die Vega bei einem 700-km-Orbit eine 62 s lange Phase ohne Antrieb zwischen dem Ausbrennen der zweiten Stufe und Z&uuml;ndung der dritten Stufe. In diesen 62 Sekunden steigt sie von 101 auf 143 km H&ouml;he. Freiflugphasen sind, da die Geschwindigkeit durch die Erdgravitation abnimmt ebenfalls ung&uuml;nstig. Die Vega wird w&auml;hrend dieser Zeit um 84 m\/s langsamer. Insgesamt &uuml;berwiegt aber der Vorteil der hohen Anfangsbeschleunigung, sofern die Freiflugphase nicht zu lange dauert.<\/p>\n<p>Betrachtet man die Raketen, die keine Freiflugphasen haben, dann kristallisiert sich heraus, das man mindestens 300 s braucht, um einen Orbit zu erreichen. Diese Brenndauer hatten fr&uuml;he Tr&auml;ger wie die R-7, Atlas, Titan ohne zus&auml;tzliche Oberstufen. Demgegen&uuml;ber liegen Tr&auml;ger wie Ariane 5 oder Saturn V die rund 600 s f&uuml;r einen Orbit brauchen und dann 600 bis 1000 m\/s mehr aufbringen m&uuml;ssen, um eine Umlaufbahn zu erreichen bei hohen Aufstiegsverlusten. In meiner Simulation hatte ich gro&szlig;e Probleme f&uuml;r die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/chinesische-traegerraketen.shtml\">Feng Bao 1<\/a>, eine Rakete mit nur 268 s Brennzeit eine Aufstiegsbahn zu modifizieren. Die Bahn des Satelliten, den sie startete, war denn auch elliptisch mit einem Perig&auml;um in nur 170 km H&ouml;he. F&uuml;r elliptische Bahnen ist die Gesamtbrenndauer nicht so wesentlich wie f&uuml;r kreisf&ouml;rmige niedrige Bahnen. Das liegt daran, dass die Nutzlast dann kleiner ist. Bei einer Kreisbahn erreicht die Rakete die Mindestgeschwindigkeit (Kreisbahngeschwindigkeit) erst zu Brennschluss. Eine elliptische Bahn hat eine &Uuml;berschussgeschwindigkeit (eine 200 x 36000 km GTO Bahn z.B. rund 2.500 m\/s mehr als f&uuml;r die 200 km hohe Kreisbahn erforderlich). Sobald aber die Orbitalgeschwindigkeit erreicht wurde, hat man eine erste stabile Bahn. W&auml;hrend die Rakete nun noch die Zusatzgeschwindigkeit f&uuml;r die Ellipse aufbaut, hebt sie die Bahn an. Das gilt sowohl f&uuml;r sehr kurze Aufstiegszeiten wie auch f&uuml;r Oberstufen mit sehr langen Brennzeiten wie der EPS der Ariane 5G (1.100 s) oder der Breeze M der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/proton.shtml\">Proton<\/a> (3274 s). Die Voraussetzung ist dann f&uuml;r solche schubschwachen Oberstufen, das sie bei der Z&uuml;ndung nahezu Orbitalgeschwindigkeit haben. Das ist bei Ariane 5 und Proton gegeben.<\/p>\n<h2>Off-Perigee<\/h2>\n<p>Eine Vorgehensweise, die bei den Titan IIIC Starts eingesetzt wurde f&uuml;r Starts in sehr hohe Umlaufbahnen wie den GEO war ein Start &#8222;Off-Perigee&#8220;. Das ist eine Aufstiegsbahn, die zwar das Apog&auml;um in der richtigen H&ouml;he hat. Das Perig&auml;um liegt aber zu tief. Es kann sogar noch unterhalb der Erdoberfl&auml;che liegen (beim Start liegt es im Erdmittelpunkt). Das geht, wenn wie bei diesen milit&auml;rischen Satelliten die Oberstufe die Anhebung des Apog&auml;ums durchfuhrt und dies ein Bestandteil der Mission ist. Bei einem kommerziellen Satelliten mit einem eigenen Antrieb ist dies riskant, da bei einer geostation&auml;ren &Uuml;bergangsbahn die Z&uuml;ndung weniger als 5 Stunden nach dem Start erfolgen muss. In dieser kurzen Zeit muss der Satellit kontaktiert, in Betrieb genommen und f&uuml;r die Z&uuml;ndung korrekt ausgerichtet werden. Vers&auml;umt man das Apog&auml;um, so ben&ouml;tigt man in jedem falle mehr Treibstoff, gelingt die Z&uuml;ndung nicht innerhalb von 10 Stunden, so vergl&uuml;ht der Satellit beim Durchlaufen des ersten Perig&auml;ums. Heute sind solche Man&ouml;ver daher un&uuml;blich.<\/p>\n<h2>Folgerungen<\/h2>\n<p>Man erkennt aus den Tatsachen, warum Feststoffbooster als Starthilfe so popul&auml;r geworden sind. Sie liefern eine hohe Startbeschleunigung und sind schnell ausgebrannt. Damit reduzieren sie die Aufstiegsverluste.<\/p>\n<p>Um den Effekt zu zeigen, habe ich eine k&uuml;nstliche einstufige Rakete simuliert.<\/p>\n<p>Sie besteht aus folgenden Komponenten:<\/p>\n<ul>\n<li>Shuttle Externer Tank (748,5 t voll, 27,5 t leer)<\/li>\n<li>n SSME mit Schubger&uuml;st (3,2 t + 1,8 t pro St&uuml;ck)<\/li>\n<li>Keine Nutzlastverkleidung (Masse in der Nutzlast mit eingeschlossen)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Zahl der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/shuttle-ssme.shtml\">SSME<\/a> wird variiert. Man ben&ouml;tigt mindestens 5 SSME, damit die Kombination abheben kann. Mit jedem weiteren Triebwerk steigt die Anfangsbeschleunigung und sinkt die Brenndauer. Allerdings gibt es dann noch das Problem der Brennzeit zu ber&uuml;cksichtigen. Schon mit 5 SSME w&auml;re der Treibstoff nach 300 s aufgebraucht. Mit jedem SSME wird die Zeit k&uuml;rzer. Dann gibt es aber das obige Problem, dass die Kombination ausgebrannt ist, bevor sie einen Orbit erreicht. Ich habe daher, sobald die Kombination (ohne Nutzlast) nur noch 200 t wiegt, die SSME-Triebwerke bis auf zwei abgeschaltet. Das soll eine zweite Stufe simulieren die eine geringere Beschleunigung hat. Zudem vermeidet es eine unangenehme Spitzenbeschleunigung. Die 200 t entsprechen einer Spitzenbeschleunigung bei 5 Triebwerken von rund 5 g, die heute als akzeptables Maximum gelten.<\/p>\n<p>Hier die Ergebnisse:<\/p>\n<table>\n<colgroup>\n<col \/>\n<col \/>\n<col \/>\n<col \/>\n<col \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr>\n<th class=\"auto-style1\">Anzahl SSME<\/th>\n<th class=\"auto-style1\">Startbeschleunigung<\/th>\n<th class=\"auto-style1\">Gesamtgewicht Orbit<\/th>\n<th class=\"auto-style1\">Nutzlast Orbit<\/th>\n<th class=\"auto-style1\">Aufstiegsverluste<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td class=\"auto-style1\">5<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">1,3 m\/s<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">93,5 t<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">41 t<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">1752 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style1\">6<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">3,5 m\/s<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">99,5 t<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">42 t<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">1509 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style1\">7<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">5,5 m\/s\u00b2<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">108,5 t<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">46 t<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">1174 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style1\">8<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">7,7 m\/s\u00b2<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">109,5 t<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">42 t<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">1103 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Man sieht das sowohl die Nutzlast in den Orbit (netto) wie auch brutto (jedes Triebwerk erh&ouml;ht die Masse um 5 t) ansteigt. Bei 8 Triebwerken sinkt die Nettonutzlast wieder ab, jedoch nur deswegen, weil nun die Brenndauer bei 286 s liegt, reduziert man den Schub, das ist bei den SSME ja m&ouml;glich, sodass man auf 30 s l&auml;ngere Brennzeit kommt, so steigt die Nutzlast auf 43 t \/ 110,5 t an.<\/p>\n<p>Man sieht, dass das Erh&ouml;hen des Startschubs zuerst die Aufstiegsverluste deutlich abnehmen, dann immer weniger. Bei einer &#8222;normalen&#8220; Rakete w&auml;re der Nutzlastgewinn h&ouml;her, da man dann nicht das Totgewicht der Triebwerke, die man beim Start braucht, in den Orbit schleppen w&uuml;rde. Das leitet mich zu meiner zweiten Simulation &uuml;ber. Bei dieser kommt nun auf einen <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/shuttle-srb-et.shtml\">Shuttle-ET<\/a> mit den Triebwerken (wie oben) eine weitere Oberstufe mit den Daten der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/saturn5.shtml\">Saturn<\/a> S-IVB, allerdings um die Brennzeit zu reduzieren, mit dem modernen J-2X Triebwerk. Dabei ist diesmal auch eine Verkleidung, sodass eine typische zweistufige Rakete simuliert wird, bei der ich nur die erste Stufe zunehmend schubst&auml;rker gemacht habe:<\/p>\n<table>\n<colgroup>\n<col \/>\n<col \/>\n<col \/>\n<col \/>\n<col \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr>\n<th class=\"auto-style1\">Anzahl SSME<\/th>\n<th class=\"auto-style1\">Startbeschleunigung<\/th>\n<th class=\"auto-style1\">Gesamtgewicht Orbit<\/th>\n<th class=\"auto-style1\">Nutzlast Orbit<\/th>\n<th class=\"auto-style1\">Aufstiegsverluste<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td class=\"auto-style1\">6<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">1,0 m\/s<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">93,8 t<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">80 t<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">1519 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style1\">7<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">2,6 m\/s<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">98,8 t<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">85 t<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">1276 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style1\">8<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">4,3 m\/s\u00b2<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">101,8 t<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">88 t<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">1115 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style1\">9<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">6,0 m\/s\u00b2<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">102,8 t<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">89 t<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">1025 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style1\">10<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">7,6 m\/s\u00b2<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">102,8 t<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">89 t<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">970 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Wie man sieht, ist bei einer zweistufigen Rakete die Situation etwas anders. Das Gesamtgewicht im Orbit und die Nutzlast steigt von einer geringen Startbeschleunigung (1,0) auf eine etwas h&ouml;here (2,6 m\/s &#8211; das ist in etwa die normale Beschleunigung vieler Raketen mit fl&uuml;ssigen Treibstoffen, die mit 1,25 g starten) deutlich an. Danach nur noch wenig. Die Version mit 10 <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/shuttle-ssme1.shtml\">SSME<\/a> ist, wenn man die genauen (nicht gerundeten) Werte nimmt, sogar um 200 kg schlechter als die Version mit 9 SSME, da jedes SSME mit Zusatzgewicht am Schubrahmen die Stufe um 5 t schwerer macht (das SSME wiegt 3,15 t ben&ouml;tigt aber noch einen Schubrahmen, der zur Befestigung und &Uuml;bertragung der Kr&auml;fte dient, der typisch ein Drittel des Triebwerksgewichts wiegt).<\/p>\n<p>Vor allem ist es nat&uuml;rlich eine &ouml;konomische Frage. Ein SSME kostet zwischen 50 und 60 Millionen Dollar. Das bedeutet, f&uuml;r 50\/60 Millionen Dollar mehr bekommt man anfangs 5 t mehr Nutzlast, dann noch 3 t, dann 1 t und schlie&szlig;lich gar keine mehr. So verwundert es nicht, wenn heute Raketen mit der niedrigstm&ouml;glichen Beschleunigung starten, denn auch wenn man h&ouml;here Aufstiegsverluste hat, so schlagen sie sich, weil die zweite Stufe viel abfedert, nicht so sehr in Nutzlastverlusten nieder. Das SSME ist zugegeben ein sehr teures Triebwerk. Das RS-68 der Delta kostet bei etwas h&ouml;herem Schub nur knapp die H&auml;lfte eines SSME. Doch die Aussage bleibt erhalten, nur das Optimum verschiebt sich je nach Triebwerkskosten und Leistungsdaten etwas. Schlussendlich machen bei einer Erststufe die Triebwerke typisch <sup>2<\/sup>\/ <sub>3<\/sub> der Gesamtkosten aus.<\/p>\n<p>Das f&uuml;hrt dann zu optimierten Raketen, die ohne Feststoffbooster gar nicht mehr abheben k&ouml;nnten wie die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/delta-1000.shtml\">Delta 2<\/a>, Ariane 5 und <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/ariane6.shtml\">6<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/H-II.shtml\">H-II<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So zum zweiten Mal &#8211; ich war gerade an dem Artikel, als vor einer Woche die Crucial SSD sich verabschiedete in die Speicherh&ouml;lle &#8211; ein Grundlagenartikel zur Raumfahrt, der dann auch seinen Weg auf die Website finden wird. Es geht um die Gravitationsverluste bei der Aufstiegsbahn einer Bahn. Es sind eigentlich zwei Verluste. Die erste [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-13801","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-raumfahrt","entry"],"a3_pvc":{"activated":false,"total_views":221,"today_views":0},"jetpack-related-posts":[{"id":18841,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/08\/19\/raumfahrtgrundlagen-fuer-dummys-die-raketengrundgleichung\/","url_meta":{"origin":13801,"position":0},"title":"Raumfahrtgrundlagen f&uuml;r Dummys \u2013 Die Raketengrundgleichung","author":"Bernd Leitenberger","date":"19.08.2026","format":false,"excerpt":"Im heutigen, zentralen Teil der Grundlagen geht es um die Raketengrundgleichung, nach dem ersten, der die Raketengrundgleichung aufstellte, auch \u201eZiolkowski\u2011Gleichung\u201c genannt. 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