{"id":13838,"date":"2019-04-01T00:10:20","date_gmt":"2019-03-31T22:10:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=13838"},"modified":"2019-03-31T10:14:32","modified_gmt":"2019-03-31T08:14:32","slug":"es-werde-licht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2019\/04\/01\/es-werde-licht\/","title":{"rendered":"Es werde Licht"},"content":{"rendered":"<p>Schaut man in Jesco von Puttkamers Buch \u201e<a href=\"https:\/\/amzn.to\/2WCx9Ud\">Der erste Tag der neuen Welt<\/a>\u201c, so findet sich dort auch eine Prognose der Industrialisierung des Weltraums. Produktion von G&uuml;tern im Weltraum um das Fast-Vakuum und die Schwerelosigkeit zu nutzen. Riesige Kommunikationssatelliten, f&uuml;r Empf&auml;nger in der Armbanduhr, und auch Energiefarmen, die dann die Energie als Mikrowellen zur Erde schicken, wo sie riesige Antennenareale empfangen und wieder in Strom umwandeln. Wie wir alle wissen, kam das nie. Inzwischen haben wie so etwas wie eine Weltraumindustrie 2.0, also eine Vielzahl von kleinen Start-ups aber auch gro&szlig;en Unternehmungen f&uuml;r neue Projekte im Weltraum. Bisher decken diese aber noch die alten Anwendungsgebiete ab, nur meist kleiner. Erdbeobachtungssatelliten sind dann eben noch tonnenschwer sondern einige Kilo bis einige hundert Kilo schwer und daf&uuml;r zahlreicher. Kommunikationssatelliten wie von OneWeb oder Teledisc wiegen nur einige Hundert Kilo und werden in Serie gebaut. Aber die Anwendungen sind die gleichen wie vor Jahrzehnten: Kommunikation und Erdbeobachtung.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/44b86096885c4efb9c48e7c8bb86f64d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><!--more--><\/p>\n<p>Nun ist das japanische Unternehmen SpaceDawn angetreten ein neues Feld zu erschlie&szlig;en. Die Firma will erstmals die Energie im Weltraum nutzen, nur nicht so wie von Puttkamer prophezeit, sondern direkt, indem sie Ballungsr&auml;ume beleuchtet. Das geht &uuml;ber riesige verspiegelte Fl&auml;chen, die im geostation&auml;ren Orbit stationiert wird. Ein Satellit dort hat mit Ausnahme von zwei kurzen Perioden um die Tag\/Nachtgleiche um den 21.3. und 21.9 dauernd Sonnenlicht. Das wird mit dem Spiegel auf die Zone der Erde gelenkt, die man belichten will.<\/p>\n<p>Die Firma hat schon eine F&ouml;rderung von der JAXA bekommen und wird in zwei bis drei Jahren einen ersten Versuchssatelliten zusammen mit dem Astronomiesatelliten Astro-I (ein Satellit wird erst nach dem Start in Japan mit einem Namen versehen) starten. Neben dem kostenlosen Start bringt die JAXA ihre Expertise in Sonnensegeln ein. Die JAXA startete zusammen mit der Raumsonde <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/akatsuki.shtml\">Akatsuki<\/a> auch das Sonnensegel Ikaros. Auf der Technologie der Sonnensegel soll auch der erste Satellit von SpaceDawn Dawn-1 basieren. Wie diese hat er ein entfaltbares Segel aus Mylarfolie, bedampft mi Aluminium als reflektierender Schicht. Ebenfalls von <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/sonnensegel.shtml\">Ikaros<\/a> &uuml;bernommen wurden die D&uuml;nnfilmzellen im inneren Teil des Segels als Oberfl&auml;chenschicht, die den Satelliten mit Strom versorgen. Neu wird vor allem die Gr&ouml;&szlig;e sein: bei einer Startmasse von ungef&auml;hr 500 kg wird das Segel 200 kg wiegen. Das ist zehnmal mehr als bei Icaros. Dawn-1 hat die prim&auml;re Aufgabe die neu zu entwickelnden St&uuml;tzverstrebungen zu erproben \u2013 bei den geplanten Gr&ouml;&szlig;en kommt man nicht mit Peitschenauslegern wie Ikaros aus. Stattdessen sollen einzelne Segmente beim Entfalten einrasten und das muss problemlos &uuml;berall erfolgen. Ebenso wird die Steuerung des Sonnensegels erprobt. Es soll sich vom LEO in den GEO heraufspiralen. Zur Bahnkorrektur sind Ionentriebwerke vorgesehen. Die Erde beleuchten wird Dawn-1 noch nicht.<\/p>\n<p>Weitere drei bis vier Jahre sp&auml;ter soll dann der erste operative Satellit Dawn-2 folgen. Er wiegt mit 3.000 bis 4.000 kg schon deutlich mehr, und das Segel macht nun schon <sup>2<\/sup>\/<sub>3<\/sub> bis \u00be der Masse aus. Dawn-2 wird die Beleuchtung aus dem All erproben aber auch die Stabilisierung mit Sekund&auml;rsonnensegeln, die schr&auml;g zum Hauptsegel stehen und so das Hauptsegel drehen anstatt Ionentriebwerken.<\/p>\n<p>Dawn 2 wird eine Fl&auml;che von rund 1000 km\u00b2 beleuchten. Das ergibt sich vor allem daraus, das man nachts viel weniger Licht braucht als am Tage. Bei senkrechter Einstrahlung der Sonne erreicht man eine Helligkeit von 160.000 Lux. Ziel ist eine Helligkeit von 10 Lux, wie sie in vielen L&auml;ndern vorgeschrieben ist (in der EU aber nur f&uuml;r Verkehrsreiche Stra&szlig;en). Durch den Faktor von 16.000 zwischen beiden Werten deckt die Fl&auml;che von Dawn-2, die dann wohl bei 0,1 km\u00b2 liegen w&uuml;rde, eine viel gr&ouml;&szlig;ere Fl&auml;che auf der Erde ab. Zum Teil unvermeidlich, denn das B&uuml;ndel spaltet sich auf dem Weg zur Erde auf \u2013 dazwischen liegen ja 36.000 km und ganz plan wird es auch nicht sein. Zum Teil resultiert das auch an der Tatsache das die meisten Ballungsgebiete nicht am &Auml;quator, sondern n&ouml;rdlich oder s&uuml;dlich davon liegen. Zuletzt kann man den Satellit auch so drehen, das er ein Gebiet nicht senkrecht beleuchtet, sondern schr&auml;g und so eine gr&ouml;&szlig;ere Fl&auml;che abdeckt. Trotzdem rechnet die Firma noch nicht damit, mit Dawn-2 Gewinn einzufahren, er wird ebenfalls als \u201eexperimental\u201c beschrieben.<\/p>\n<p>Die operativen Satelliten werden dann Dawn-3 und folgende sein. Sie sollen mehr als nur eine hochskalierte Version von Dawn-2 sein. Die Gr&ouml;&szlig;e ist unbekannt. Ein Sprecher sagte, er setze auf neue Tr&auml;ger, die in der Entwicklung seien und die Satelliten von 30 bis 50 t Gewicht transportieren k&ouml;nnen. Die Herstellungskosten und Operationskosten w&auml;ren durch den Zentralk&ouml;rper, einem normalen Satelliten, bestimmt. Daher w&uuml;rden die Satelliten im Verh&auml;ltnis zur Fl&auml;che billiger, wenn sie gr&ouml;&szlig;er w&uuml;rden. Dawn 3 und folgende sollen auch die F&auml;higkeit haben Hotspots zu setzen, also bestimmte Gebiete st&auml;rker zu beleuchten. Damit d&uuml;rften aber wohl keine Fu&szlig;ballstadien, sondern immer noch Gebiete von Hunderten bis Tauenden Quadratkilometern Gr&ouml;&szlig;e gemeint sein. Wie das gehen soll, lies der Sprecher offen. Von ihnen erhofft man sich auch mehr Einnahmen, indem ein Satellit mehrere Zonen versorgt. Als Beispiel wurde die Kombination Japan und die US-Ostk&uuml;ste genannt. Ein zwischen beiden Zonen platzierter Satellit w&uuml;rde sich jeden Tag einmal drehen, da wenn es an der Ostk&uuml;ste Nacht ist, in Japan es Tag ist und umgekehrt, so kann de Satellit die doppelte Zeit genutzt werden. Wie das geschehen soll, ist offen. Eine L&ouml;sung w&auml;re eine elliptische geostation&auml;re Bahn, wie bei IUE \u2013 bei dieser bewegt sich ein Satellit in Form einer \u201e8\u201c &uuml;ber die Regionen, die er beleuchten soll.<\/p>\n<p>Erst diese Generation wird Geld einspielen, wobei das Modell langfristig orientiert ist. Erst nach 10 Jahren wird ein Satellit seien Herstellungskosten eingespielt haben. Danach wird er praktisch aber unbegrenzt betrieben werden k&ouml;nnen. Als erster Kunde hat sich die japanische Regierung gemeldet, die auch das Projekt finanziell unterst&uuml;tzt. Japan ist durch die dichte Besiedelung und den <a href=\"http:\/\/pdwb.de\/di_japan.htm\">Ballungsraum Tokio<\/a> ein ideales Startprojekt. Zudem steigen dort nach dem Beschluss aus der Atomkraft auszusteigen die Strompreise kr&auml;ftig an. Ebenso w&auml;ren potenzielle Kunden zahlreiche Entwicklungsl&auml;nder, die zwar meist billigen Strom haben, aber kein fl&auml;chendeckendes Netz der Stra&szlig;enbeleuchtung. Das k&ouml;nnten sich diese sparen und dessen Kosten w&uuml;rden die eines Satelliten bei Weitem &uuml;bersteigen. Zur Zeit unrentabel ist es in den USA und dem gr&ouml;&szlig;tem Teil von Europa, weil au&szlig;erhalb von Deutschlands die Strompreise meist zu gering sind und das Netz gut ausgebaut.<\/p>\n<p>Interesse hat auch das US-Milit&auml;r bekundet, das bereit ist, f&uuml;r die Spotlight-Technologie F&ouml;rdergelder zu vertreten. Warum d&uuml;rfte wohl offensichtlich sein \u2013 damit kann man auch bei Nacht Krieg f&uuml;hren oder den Gegner durch Schlafentzug zerm&uuml;rben. Ebenso sollen variable Geometrien erprobt werden \u2013 also die Anpassung des beleuchten Gebietes an die Besiedlung anstatt einem rechteckigen oder kreisrunden Spot.<\/p>\n<p>Noch gibt es keine Gegner, wahrscheinlich nehmen die noch kleine Firma nicht ernst, aber f&uuml;r mich liegen einige Gegenargumente auf der Hand. Natursch&uuml;tzer, die sich schon heute &uuml;ber die Stra&szlig;enlaternen als Insektenkiller wenden, d&uuml;rften &uuml;ber den Plan nicht erfreut sein. Auch mancher Bewohner d&uuml;rfte sich nicht dr&uuml;ber freuen, denn es gibt dann keine Unterscheidung mehr zwischen Hauptstra&szlig;e, die viel Licht braucht und Wohngegend mit sp&auml;rlicher Beleuchtung. Das ist mit dem Konzept nicht umsetzbar. Was aber nach einem Firmensprecher denkbar ist, ist eine Kombination beider Systeme: eine Fl&auml;chenbeleuchtung durch den Satelliten mit niedriger Helligkeit und dann eben noch Stra&szlig;enleuchten an Hauptverkehrsstra&szlig;en. Wenn der Satellit auch 1 Lux kann, das ist die Empfehlung f&uuml;r Wohngegenden in Deutschland und etwa viermal heller als der Vollmond, dann w&uuml;rde selbst der kleine Dawn-2 schon die zehnfache Fl&auml;che von Berlin beleuchten k&ouml;nnen. Das w&auml;re dann auch lukrativer denn nat&uuml;rlich steigen die Einnahmen mit der Fl&auml;che.<\/p>\n<p>Hobbyastronomen k&ouml;nnen ihrem Hobby in Ballungsr&auml;umen noch weniger nachgehen und selbst professionelle Astronomen die weitab der Ballungsr&auml;ume ihre Sternwarten haben d&uuml;rften zwar nicht durch die direkte Beleuchtung betroffen sein, aber durch die Tatsache, dass dann dort ein helles Objekt am Himmel ist. Dawn-2 wird auch bei schr&auml;gem Blick, sodass man nicht direkt angestrahlt wird, sehr hell strahlen und damit die Beobachtung alles, was um ihn herum sichtbar ist unm&ouml;glich machen. Dawn 3 und weitere Satelliten werden dann noch gr&ouml;&szlig;er und heller sein. Da sie geostation&auml;r sind, sind so ganze Zonen des Himmels dauerhaft nicht mehr beobachtbar.<\/p>\n<p>Ob das klappt, ist offen, aber immerhin es w&auml;re die erste Firma, die ein neues Anwendungsgebiet f&uuml;r die kommerzielle Raumfahrt erschlie&szlig;t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schaut man in Jesco von Puttkamers Buch \u201eDer erste Tag der neuen Welt\u201c, so findet sich dort auch eine Prognose der Industrialisierung des Weltraums. Produktion von G&uuml;tern im Weltraum um das Fast-Vakuum und die Schwerelosigkeit zu nutzen. 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