{"id":13840,"date":"2019-04-02T08:52:19","date_gmt":"2019-04-02T06:52:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=13840"},"modified":"2019-04-02T15:22:29","modified_gmt":"2019-04-02T13:22:29","slug":"evident-und-empirisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2019\/04\/02\/evident-und-empirisch\/","title":{"rendered":"Evident und Empirisch"},"content":{"rendered":"<p>Ich nehme die beiden W&ouml;rter mal als Aufh&auml;nger, um auf die Unterschiede in verschiedenen Wissenschaften hinzuweisen, was die Vorgehensweise, aber auch was eine \u201ewissenschaftlich abgesicherte Tatsache\u201c ist. Ich fange mal mit meinem Prim&auml;rstudium an: Lebensmittelchemie.<\/p>\n<p>Die Lebensmittelchemie ist \u2013 wie vielleicht auch der Laie erraten kann \u2013 ein Teilgebiet der Chemie. Als ich studierte, war das Institut auch im gleichen Geb&auml;ude wie die Chemie untergebracht, nach meinem Studium wurde es nach Hohenheim ausgegliedert, da dort die Ern&auml;hrungswissenschaften sind. In der Chemie f&uuml;hrt man Experimente durch, um Dinge aufzukl&auml;ren. Zum Beispiel, welche Vorg&auml;nge beim Braten ablaufen, welche Verbindungen entstehen. Es gibt etliches, was man in den Lebensmitteln so untersuchen kann wie Abbauprozesse, Reifungsprozesse, Ver&auml;nderungen beim Kochen oder Bildung von Aromen. In dem Institut, in dem ich studierte war, das Spezialgebiet die <a href=\"http:\/\/www.chemie.de\/lexikon\/Maillard-Reaktion.html\">Maillardreaktion<\/a>, eine Reaktion, die aus Zuckern und Aminos&auml;uren braune, aromatische Verbindungen bildet, die beim Anbraten von Fleisch oder beim Backen von Brot entstehen. Jeder Doktorand untersuchte einen Weg genauer. Da es 20 Aminos&auml;uren und etliche Zuckermolek&uuml;le gibt, gibt es etliche Reaktionswege und nicht nur einen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/bfd0102ffa844c2fbc24219b118f44ef\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><!--more--><\/p>\n<p>Das zweite Standbein, und die Hauptt&auml;tigkeit eines Lebensmittelchemikers, wenn er nicht zu den wenigen geh&ouml;rt die in der Forschung landen, ist die Analytik also das Untersuchen von Lebensmitteln. In meiner Studienarbeit habe ich beides gemacht: Prim&auml;r habe ich eine neue Untersuchungsmethode f&uuml;r die Analyse von Pyridoxin, <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/vitaminfragen.shtml\">Vitamin<\/a> B<sub>6<\/sub> entwickelt, basierend auf schon existierenden Vorschriften. Ich habe aber auch die Ver&auml;nderungen von Vitamin B<sub>6<\/sub> untersucht, um festzustellen, wie schnell man arbeiten muss, was man beachten muss und ob es empfindlich gegen&uuml;ber bestimmten Randbedingungen ist. Gottseidank war dem nicht so, mit einer Ausnahme: Eine Probenl&ouml;sung, die ich f&uuml;r einen Test am Fenster platzierte verlor durch das Licht innerhalb von Stunden einen Gro&szlig;teil des Pyridoxins. Ich beschreibe das so ausf&uuml;hrlich, weil das Ergebnis eine neue Vorschrift war, basierend auf den Experimenten. Diese muss nun von anderen Autoren nicht einfach so &uuml;bernommen werden. Sie k&ouml;nnen sie &uuml;berpr&uuml;fen, z. B. zu einem Lebensmittel das kein Vitamin B<sub>6<\/sub> enth&auml;lt eine definierte Menge zusetzen und es nach der Vorschrift untersuchen und dann die gefundene Menge mit der zugesetzten vergleichen oder man kann diese Methode mit einer anderen schon etablierten Vorschrift vergleichen und sie sollte die gleichen Ergebnisse liefern.<\/p>\n<p>In der Chemie ist jede Ver&ouml;ffentlichung durch andere experimentell &uuml;berpr&uuml;fbar und das sie &uuml;berpr&uuml;ft wird ist auch die Regel. Das ist das was man in der Lebensmittelchemie als \u201ewissenschaftlich abgesichert\u201c versteht.<\/p>\n<p>Ich mache nun einen Sprung zur Medizin. Die Medizin hat die Aufgabe Krankheiten zu leiten. Auch in der Medizin gibt es wissenschaftlich abgesicherte Tatsachen. Doch die sind meist auf die molekulare Ebene beschr&auml;nkt. Die Biochemie, von der man als Lebensmittelchemiker eine Ahnung haben sollte, kl&auml;rt die Stoffwechselvorg&auml;nge im K&ouml;rper auf, aber auch die Funktionsweise von Zellen. Sie ist eine Zwischendisziplin zwischen Chemie und Medizin, aber eher an der Chemie angesiedelt. Da auch ihre Erkenntnisse abgesichert sind, k&ouml;nnen auf ihnen Pharmaunternehmen aufbauen. Heute werden neue Medikamente nicht mehr per Zufall gefunden, sondern synthetisierte Stoffe mit Supercomputern mit allen m&ouml;glichen Schl&uuml;sselmolek&uuml;len wie Enzymen oder Rezeptoren verglichen, ob sie irgendeine feste Bindung aufbauen und sich so als Medikament eignen.<\/p>\n<p>Bei den meisten Krankheiten, die komplexe Ursachen haben und von denen ganze Organe betroffen sind, hat man aber das Problem, das die Ursache und die Prozesse so komplex sind, dass es keine wissenschaftliche Aufkl&auml;rung in der Art, gibt wie in der Chemie. Die Wahl der Medizin ist daher die Studie. Man sucht sich also ein Kollektiv und f&uuml;hrt mit ihm \u201eExperimente\u201c durch in dem Sinne, dass man eine Therapie ausprobiert. Das klappt noch wirklich gut bei Krankheiten. Dann hat man ein homogenes Kollektiv, das eine Gemeinsamkeit hat, die Krankheit. Idealerweise nimmt man Personen mit &auml;hnlicher Krankheitsgeschichte und anderen &Auml;hnlichkeiten wie gleiches Geschlecht, Gewicht oder Alter. Vergleicht man diese Gruppe mit einer Kontrollgruppe mit einer schon etablierten \u201ekonservativen\u201c Therapie. So kommt man noch mit kleinen Gruppen aus. Denn man vergleicht zwei Therapien und der ber&uuml;chtigte <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/placebos-und-nahrungsergaenzungsmittel.shtml\">Placeboeffekt<\/a> schl&auml;gt dann bei beiden Therapien zu. Mit Kollektiven in der Gr&ouml;&szlig;e von etwa 100 Personen kann man so eine neue Therapie erproben. Im Idealfall ist die neue Therapie wirksamer und das beweist man anhand von statistischen Mitteln. Der eine Patient reagiert besser auf die Therapie als der andere, das hei&szlig;t, die Ergebnisse schwanken um einen Mittelwert. Die Statistik erlaubt dann eine Aussage ob sich die beiden Ergebnisse (konservative und neue Therapie) signifikant unterscheiden. Auch dieses Resultat wird dann noch durch andere &Auml;rzte &uuml;berpr&uuml;ft und gibt es gen&uuml;gend Erfahrungen, so wird sie neue Therapie experimentell eingef&uuml;hrt und ersetzt dann nach noch mehr Patienten vielleicht die alte Therapie oder erg&auml;nzt sie f&uuml;r bestimmte Spezialf&auml;lle. Wesentlich problematischer ist es, wenn man nicht mit einer existierenden Therapie vergleicht, sondern diese neu ist, das hei&szlig;t, die Kontrollgruppe bekommt keine Therapie. Dann wird man beobachten, dass durch den Placeboeffekt sich auch bei der Kontrollgruppe eine Besserung einstellt und um eine Therapie von diesem abzugrenzen, der je nach Anwendungsgebiet mit 20 bis 50 Prozent der Wirkung eines Medikaments angesetzt wird, braucht man wirklich viele Patienten. Vor allem wenn die Aussage sich nicht auf Kranke, sondern die Bev&ouml;lkerung bezieht, also Alte und Junge, M&auml;nner und Frauen, Schwangere und Kinder bezieht, dann ist leicht zu erkennen, dass man enorm gro&szlig;e Gruppen braucht f&uuml;r eine Aussage. Schon f&uuml;r klinische Studien, die gegen den Placeboeffekt abgrenzbar sein m&uuml;ssen, braucht man nach Angaben des deutschen &Auml;rzteblattes um 1.000 Teilnehmer. Das k&ouml;nnen dann nur Pharmaunternehmen finanzieren. Um die angebliche Wirkung von Vitaminen gegen Erk&auml;ltung zu kippen, mussten Wissenschaftler dann schon viele Studien zusammentragen, um auf &uuml;ber 10.000 Personen zu kommen.<\/p>\n<p>Damit bin ich bei meinem dritten Wissensgebiet angekommen. Der Ern&auml;hrungswissenschaft. Sie ist eigentlich ein Spezialgebiet der Medizin mit Kontakten zu Lebensmittelchemie (was die Zusammensetzung der Lebensmittel angeht), Biochemie (wegen der Wirkung) und Lebensmitteltechnologie (wegen der Verarbeitung). Das Grundproblem, das die Ern&auml;hrungswissenschaft hat, ist aber das sie Aussagen &uuml;ber die Gesundheit f&uuml;r alle treffen muss. Also jede Altersgruppe, jedes Geschlecht, von der Geburt bis zum Tod. Die Medizin kann sich dagegen auf eine kurze Zeit f&uuml;r die Therapie und ein eingeschr&auml;nktes Kollektiv mit einer Gemeinsamkeit, der Krankheit beziehen. Es ist eigentlich nicht m&ouml;glich, aus einem kleinen kollektiv und einen kurzen Beobachtungszeitraum, auf alle Menschen und das ganze Leben zu schlie&szlig;en. In der Ern&auml;hrung versucht man das Manko auszugleichen, indem man dann verschiedene Studien sichtet und nach Gemeinsamkeiten abklopft. Heraus kommt dann das ein Fakt \u201e<b>evident<\/b>\u201c ist. Damit ist gemeint, dass es um die \u201egewissenhafte, ausdr&uuml;ckliche und umsichtige Gebrauch der aktuell besten Beweise\u201c geht. Im Prinzip: man kann es nicht beweisen, man vermutet aber aufgrund zahlreicher Untersuchungen von Studien folgenden Ursachen-Wirkungszusammenhang.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium\" src=\"\/img\/Cholesterinlandkarte.jpg\" width=\"588\" height=\"533\" \/>Als Lebensmittelchemiker habe ich aus den bisherigen Erfahrungen eine Abneigung gegen die \u201eEvidenz\u201c. Die leitet sich zum einen von den popul&auml;ren Ern&auml;hrungsirrt&uuml;mern ab. In meinem Studium habe ich schon geh&ouml;rt, das die meisten davon nicht bewiesen sind, sei es das Salz Bluthochdruck verursacht, Zucker Diabetes, oder Cholesterin Arteriosklerose. Alle diese sind inzwischen gekippt worden. Als letztes hat selbst die FDA ihre Einstellung zu Cholesterin gekippt. Nach den Ma&szlig;st&auml;ben eines Lebensmittelchemikers waren alle Studien auf denen diese Behauptungen basierten nicht wissenschaftlich abgesichert. Nehmen wir mal Cholesterin. Schon als ich studierte wa durch Isotopenmarkierungen, einem Werkzeug der Biochemie bekannt, das 80 bis 90 Prozent des K&ouml;rpereigenen Cholesterins nicht aus der Nahrung sondern vom K&ouml;rper selbst stammt und bei jeder Mahlzeit mit den Vedauungss&auml;ften ein vielfaches des Cholesterins ausgesch&uuml;ttet wird, das in der Nahrung vorhanden ist. Daraus folgten Chemiker, dass das bisschen extern zugef&uuml;hrte Cholesterin keine Auswirkung haben m&uuml;sste. Die &Auml;rzte hingegen passten noch Jahrzehnte sp&auml;ter laufend ihre Grenzwerte nach unten ab, bis sie schlie&szlig;lich zu folgendem Ergebnis kamen: Die Landkarte zeigt, wie viel Prozent der Bev&ouml;lkerung in Deutschland, nach den Grenzwerten der &Auml;rzte, einen &#8222;therapiebed&uuml;rftigen&#8220; Cholesterinspiegel haben. Da nun aber nicht 50 % der Bev&ouml;lkerung krank sind, scheint das dann endlich eine Wende ausgel&ouml;st zu haben.<\/p>\n<p>Das zweite ist, das heute das Wort \u201eevidenz\u201c inflation&auml;r benutzt wird. Es gibt etliche Studien von Herstellern finanziert um etwas \u201ezu beweisen\u201c. Meist um etwas teuer zu verkaufen. Statistisch sind die oft schon in den Grundparametern fraglich, wie zu wenige Teilnehmer (ich habe schon Studien mit 16 oder 40 Teilnehmern gesehen) oder das Ergebnis ist statistisch nicht gesichert. Ein Beispiel findet sich in meinem <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2017\/03\/30\/elasten-wie-man-scharten-und-knochen-gold-macht\/\">Elastenbeitrag<\/a>. Dann suchen sich die Hersteller alle Studien zu dem Thema zusammen, selbst nur Literaturreviews werden dann zu Studien und sagen dann, die Tatsache w&auml;re \u201eevident\u201c es g&auml;be ja so viele Ergebnisse dazu. Wenn aber jede Einzelstudie einen Mangel hat, so wird das Zusammenfassen den Mangel nicht beheben sondern nur verst&auml;rken.<\/p>\n<p>Aber es gibt noch ein Wort, das hat bei mir einen noch schlechteren Klang. Es ist das Wort \u201e<b>empirisch<\/b>\u201c. An und f&uuml;r sich ist empirisch ja nicht schlecht, und fr&uuml;her stand ich ihm positiv gegen&uuml;ber. Empirisch hei&szlig;t im Prinzip \u201eaus Erfahrung\u201c. Empirisch kommen 70 % aller Z&uuml;ge zu sp&auml;t. Das ist Erfahrungswissen. Es kann sein, dass man trotzdem einen erwischt der p&uuml;nktlich kommt. Mit \u201eempirisch\u201c habe ich meine Aussagen verziert, wenn ich gerade mal den genauen Nachweis nicht im Kopf hatte und ihn erst nachschlagen musste. Das hat sich radikal ge&auml;ndert, als ich Informatik studierte. Wir teilten ein Geb&auml;ude mit den Sozialwissenschaften, welche die ersten zwei Stockwerke belegten. Da kommt man ins Gespr&auml;ch oder h&ouml;rt an der Bushaltestelle Gespr&auml;che und Sozialwissenschaften verwenden den Begriff inflation&auml;r. Praktisch alles, was dort an Erkenntnissen gefunden wird, ist \u201eempirisch\u201c. Es gibt sogar die Disziplin der \u201eEmpirischen Feldforschung\u201c (das hei&szlig;t Leute f&uuml;llen Fragebogen aus). Wer dieses Studium kennt, das geringe Anspruchsniveau und wie sicher dort \u201eErkenntnisse\u201c sind, der wei&szlig;, warum ich inzwischen das W&ouml;rtchen \u201eempirisch\u201c mit \u201evermutet\u201c &uuml;bersetze.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich haben andere Wissenschaften eine wieder andere Sicht. Ich denke aus Sicht der Physik wo ich alle Erkenntnisse in eine Formel packen kann wirkt die Chemie sehr unwissenschaftlich. Es gibt nat&uuml;rlich Reaktionsformeln, Enthalpien, aber die wichtigsten Mechanismen, wie bestimmte chemische Gruppen reagieren, lassen sich nicht in Formeln packen, ebenso wenig wie die Bedingungen f&uuml;r die Synthese in der Industrie gew&auml;hlt werden. Die basieren zwar auch auf Erkenntnissen, aber eben auch auf Erfahrungswissen (wo man dann von der \u201eEmpirik\u201c wieder eingeholt wird). Ich denke immer noch mit Grauen an mein erstes Praktikum mit Physikern. Ich war in einem Extraraum mit diesen zusammen. Sie hatten eine vereinfachte Form des Praktikums und mussten nicht den ganzen Trennungsgang durchlaufen und konnten die wenigen Substanzen, die sie hatten, mit \u201eVorproben\u201c feststellen. Die Anf&uuml;hrungszeichen, weil das bei uns eigentlich nur Indizien waren, die Hinweise lieferten, denn in unseren komplexen Proben gab es gen&uuml;gend St&ouml;rsubstanzen, die man erst abtrennen musste. Bei den Physikern mit dein einfacheren Proben funktionierten sie dagegen einwandfrei.<\/p>\n<p>Warum ich das erw&auml;hne? Weil man die komplett unterschiedliche Herangehensweise sieht. Physiker haben ihre Naturgesetze. Die gelten und es gibt also ein Ergebnis: ist vorhanden oder eben nicht. Sie haben also ihren Zettel stur abgearbeitet nach Vorschift ohne jegliches Gesp&uuml;r f&uuml;r die Probe. Also mal eine Vorgehensweise leicht variieren, wie etwas mehr einer Substanz nehmen, etwas l&auml;nger erhitzen etc. Mein einschneidendes Erlebnis: Ein Physiker hatte eine himmelblaue Probe. Die Farbe kam von wasserfreiem Kobaltchlorid. Das Blau ist charakteristisch. Also sage ich ihm: \u201eDu hast Kobalt drin, kannst Du schon mal abgeben\u201c. Er macht die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Boraxperle\">Boraxp<\/a><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Boraxperle\">erle<\/a>. Vermischt man Kobaltsalze mit Borax und schmilzt man das so bekommt man eine tiefblaue Farbe, das Blau kennt der eine oder andere vielleicht von altem Porzellan. Was macht er? Er nimmt viel Probe und wenig Borax und erhitzt \u2013 die Perle wird schwarz. Also kein Gesp&uuml;r f&uuml;r die Situation. Das ist eine Methode um Spuren von Kobalt nachzuweisen. Bei ihm ist die ganze Probe blau, nur eine Spur kann also nicht vorhanden sein, da ist massig Kobalt drin. Dann wird eben aus dem Blau durch die Intensit&auml;t ein Schwarz. Ich wiederholte das dann. Nahm nur einen Kr&uuml;mel der Probe mit viel Borax und bekam eine wundersch&ouml;n k&ouml;nigsblaue Perle.<\/p>\n<p>Das Beispiel zeigt, wie verschieden die Anforderungen von zwei Naturwissenschaften an die sind, die sie aus&uuml;ben. Die eine hat einen strikten Ablauf gegeben durch mathematische Gleichungen und die andere verlangt Erfahrungswissen, Probieren, Experimentieren. Nat&uuml;rlich funktioniert auch in der Physik nicht alles, die Naturgesetze wechselwirken ja und decken so manch kleinen Effekt zu. Dann abreitet man im Fast-Vakuum, oder bei 3 Kelvin um die St&ouml;reinfl&uuml;sse zu reduzieren. In der Chemie gibt es das auch Reaktionen, die vollst&auml;ndig quantitativ erfolgen, wie die Knallgasreaktion. Aber die meisten chemischen Substanzen sind komplexer aufgebaut und haben mehrere M&ouml;glichkeiten zu reagieren. Bei industriellen Synthesen erh&auml;lt man selten nur ein Produkt. Wenn man Ortho-Dichlorbenzol herstellt, denn man als Ausgangsprodukt f&uuml;r weitere Synthesen braucht, wird man immer auch para-Dichlorbenzol erhalten. Die Industrie fand sogar daf&uuml;r eine Anwendung: als <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dichlorbenzole\">WC-Stein<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich nehme die beiden W&ouml;rter mal als Aufh&auml;nger, um auf die Unterschiede in verschiedenen Wissenschaften hinzuweisen, was die Vorgehensweise, aber auch was eine \u201ewissenschaftlich abgesicherte Tatsache\u201c ist. Ich fange mal mit meinem Prim&auml;rstudium an: Lebensmittelchemie. Die Lebensmittelchemie ist \u2013 wie vielleicht auch der Laie erraten kann \u2013 ein Teilgebiet der Chemie. 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