{"id":13899,"date":"2019-04-27T11:00:41","date_gmt":"2019-04-27T09:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=13899"},"modified":"2019-04-27T11:00:41","modified_gmt":"2019-04-27T09:00:41","slug":"die-energiewende-beim-strom-wie-es-klappen-koennte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2019\/04\/27\/die-energiewende-beim-strom-wie-es-klappen-koennte\/","title":{"rendered":"Die Energiewende beim Strom \u2013 wie es klappen k&ouml;nnte"},"content":{"rendered":"<p>Wir haben derzeit 38,6 % erneuerbare Energien am Strom, immerhin fast die H&auml;lfte. Die Frage ist ob es ohne Kays geliebte Luftverschmutzer-Landschaftszerst&ouml;rer geht oder wir dann 1 bis 1,60 Euro pro kwH zahlen m&uuml;ssen wie Carsten prognostiziert.<\/p>\n<p>Klar ist: Solarenergie ist bei uns nicht die alleinige L&ouml;sung. Sie ist relativ teuer in der Anschaffung. Ich habe gerade die zweite Stufe meines pers&ouml;nlichen Ziels, n&auml;mlich den Kohlendioxidausstross auf Null zu senken und den Auftrag f&uuml;r meine zweite Photovoltaikanlage unterschrieb. Mit 9,92 kWP kostet sie 16.600 Euro, sogar noch teurer als die erste pro kWP, die lag bei 11.305 \u20ac f&uuml;r 6,9 kWP. Ich m&uuml;sste mit beiden Anlagen zusammen 15.000 bis 16.000 kWh im Jahr produzieren. Photovoltaik ist so attraktiv, weil man selbst etwas tun kann. Denn als ich mal suchte, ob ich direkt in einen Windpark investieren kann, fand ich nicht viel. B&uuml;rgerenergien investieren auch vor allem in Photovoltaik. Immerhin: w&uuml;rden das noch mehr Leute machen, man h&auml;tte zumindest am Tag von M&auml;rz bis Oktober eine zuverl&auml;ssige Stromversorgung. Allerdings eben nicht nachts und im Winter liefert sie wenig. Von 1.000 kWh Jahresertrag entfallen auf Dezember und Januar nur 15 bis 20 kWh. Im Juni\/Juli k&ouml;nnen es 130 bis 150 sein kWh, also eine jahreszeitliche Schwankung um den Faktor 8. Photovoltaik kann daher nur eine S&auml;ule der Energiewende sein. Sie wird aus einem Grund auch weiterhin attraktiv sein, wenn 2020 die F&ouml;rderung durch das EEG ausl&auml;uft: Gekoppelt an einen Speicher, im Prinzip eine Batterie kann man vom selbst erzeugten Strom dann selbst nutzen, wenn auch nie 100 % autark sein, au&szlig;er der Speicher ist wirklich sehr gro&szlig;. Dann z&auml;hlt als Preis pro kWh nicht die Einspeiseverg&uuml;tung von derzeit 11 ct\/ kWh, sondern das, was man sonst bei Bezug des Stroms gezahlt h&auml;tte, das sind bei den meisten 28 ct\/kWh.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/f0f21629b7074a6fb9f248d23e321e72\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><!--more--><\/p>\n<p>Windenergie ist viel wirtschaftlicher. Vor allem weht der Wind auch nachts und im Winter mehr als im Sommer. An Land gibt es nat&uuml;rlich die Problematik, dass niemand ein Windkraftwerk in seiner N&auml;he haben will, und in wieweit die Anlagen eine Gefahr f&uuml;r V&ouml;gel sind, ist auch noch in der Diskussion. Aber ich sehe hier auch die Zukunft im Off-Shore-Windparks. Zwischen Meer und Land weht dauernd Wind, weil der Boden sich schneller erw&auml;rmt (Tag) aber auch schneller abk&uuml;hlt (nachts) als das Meer, sodass der Wind zweimal am Tag wechselt. Die Parks liefern mehr und konstanter Energie als Anlagen an Land. Nicht umsonst macht Windkraft heute den gr&ouml;&szlig;ten Anteil an den erneuerbaren Energien aus. Vor allem hat man auf dem Meer noch mehr Fl&auml;che und weitaus weniger Probleme mit der Genehmigung der Anlagen.<\/p>\n<p>Trotzdem werden beide Technologien auch bei gegenseitiger Erg&auml;nzung nicht eine 100 % Versorgung garantieren k&ouml;nnen, au&szlig;er man installiert ein Vielfaches der ben&ouml;tigten Leistung des Durchschnitts, um gegen alle F&auml;lle gewappnet zu sein.<\/p>\n<p>Eine M&ouml;glichkeit sich gegen Schwankungen zu wappnen sind Speicher. Die sind nicht neu. Die gibt es als Pumpspeicherkraftwerke schon lange. Nur ist auch klar. Die Zahl der Standorte f&uuml;r diese Kraftwerke ist begrenzt. Sie werden eine L&ouml;sung f&uuml;r kurze Spitzen sein, aber nicht f&uuml;r mehrere Tage.<\/p>\n<p>Eine L&ouml;sung sind Stromspeicher. Die gibt es schon im Verbund f&uuml;r Photovoltaikanlagen. Sie sind jedoch noch schweineteuer. Ein Angebot, das ich erhielt, mit einem 5 kWh Speicher, h&auml;tte mich 6000 Euro mehr als die PI-Anlage gekostet. Aber die Preise sind fallend. Je mehr Leute sie installieren, desto mehr wird auch das Stromnetz entlastet. Aber sie sind kleine Speicher mit denen man einen oder mehrere Tage den Eigenvierbauch decken kann, aber nicht den des Nachbarn.<\/p>\n<p>Aber es gibt viel gr&ouml;&szlig;ere Speicher und die stecken in Elektromobilen. Die Batterie eines Tesla Model 3 also eines \u201eMittelklasse\u201c Wagens hat 84 kWh Kapazit&auml;t, zehnmal so viel wie ein Speicher f&uuml;r eine PV-Anlage. Nutzt man die Elektroautos, um Strom zu speichern, solange sie nicht genutzt werden so ergeben sie einen gigantischen Speicher, wenn man wirklich mal viele Benziner und Diesel durch sie ersetzt: Es gibt 47,1 Millionen PKW in Deutschland. Sind nur die H&auml;lfte Elektroautos und hat jeder eine Batterie von 85 kWh Kapazit&auml;t, die man zu 50 % nutzen kann, so hat man eine Kapazit&auml;t von 1 TWattstunden, das ist 1\/650 stel der Gesamtstromerzeugung in Deutschland. Damit k&ouml;nnte man also 14 Stunden ohne irgend eine Energieeinspeisung kompensieren. Wenn ich realit&auml;tsnah von maximal 20 % Defizit ausgehe, dann sind es 3 Tage, die sie &uuml;berbr&uuml;cken k&ouml;nnen. Nat&uuml;rlich muss dann eine Abmachung getroffen werden. &Auml;hnlich wie man heute mit seiner PV-Anlage einen &Uuml;berschuss einspeist sollte es eine Regelung geben, dass man einen bestimmten Prozentsatz der Batteriekapazit&auml;t als Puffer nutzen kann. Wer regelm&auml;&szlig;ig sein Auto nutzt und dann ja meist auf denselben Strecken zur Arbeit oder zum Einkaufen \/ Kinder chauffieren (ich kam noch ohne Auto zur Schule, das scheint man heute aber Kindern nicht mehr zumuten zu k&ouml;nnen). Der wei&szlig; ja wie viel Prozent der Kapazit&auml;t der pro Tag nutzt und k&ouml;nnte mit einem Puffer den Rest der Allgemeinheit zur Verf&uuml;gung stellen. Das geht in eine Richtung (Nutzung um &Uuml;berschuss zu Speichern) wie auch in die andere Richtung.<\/p>\n<p>Doch wir werden in jedem Falle einen Energiespeicher brauchen, der weniger Gewicht und Volumen ben&ouml;tigt. Das kann meiner Meinung nach Biomasse sein. Biomasse ist im Prinzip alles, was so w&auml;chst. Und nein, ich will keine &Auml;cker die nur bewirtschaftet werden, um den Ertrag als Biomasse zu nutzen. Ich habe das bei uns schon gesehen. Maispflanzen, die kaum Kolben trugen, aber schnell wuchsen und erst abgeerntet wurden als sie schon eingetrocknet waren. Es reicht alles zu verwenden was sonst als \u201eAbfall\u201c anf&auml;llt: Stroh, Rinde, S&auml;gemehl, kleine &Auml;ste, aber auch die ber&uuml;chtigte G&uuml;lle. Das alles kann man unter Luftabschluss verg&auml;ren, wobei die G&uuml;lle sogar zu was gut ist, denn durch den Stickstoff und Phosphorgehalt wachsen die Bakterien besser. Allerdings kann man so nur einen Teil der G&uuml;lle entsorgen, davon gibt es einfach zu viel. Dabei entsteht Methan und Methan kann man leicht verfl&uuml;ssigen und lagern. Mit dem Methan kann man dann wieder Gaskraftwerke antreiben, die die L&uuml;cke dauerhaft schlie&szlig;en k&ouml;nnen \u2013 1 kg Methan liefern ohne W&auml;rmekopplung rund 4 kWh. Biogas liefert heute schon 67 TWh, mehr als 10 % der Strommenge. Das hei&szlig;t, man kann damit ohne Probleme Schwankungen der anderen regenerativen Energien ausgleichen. Im Extremfall: es reicht f&uuml;r 40 Tage ohne Wind und ohne Sonne. Damit ist Kays neues <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2019\/04\/19\/kohlendioxid-einsparen\/#comment-83858\">Kunstwort der Dunkelflaute<\/a> nichts mehr als ein Gespenst an der Wand.<\/p>\n<p>Doch es geht noch weiter. Klar Strom muss immer dann erzeugt werden, wenn wir ihn brauchen. Doch das bedeutet nicht, das man mit dem &Uuml;berschuss den PV-Anlagen im Sommer und Windanlagen bei kr&auml;ftigem Wind produzieren nicht nutzt. Man kann ihn nutzen, um ihn dauerhaft chemisch zu speichern. Ich halte zwar nicht viel davon, weil die Verluste hoch sind, aber man kann mit dem Strom Wasserstoff aus Wasser gewinnen, speichern und dann im Winter nutzen. Idealerweise in einem Gaskraftwerk mit W&auml;rmekopplung. Derzeit verl&auml;uft es ja wie allgemein bei den staatlichen Regelungen falsch: Wer eine PV-Anlage baut, der darf nur 70 % der Maximalleistung einspeisen. Bei meiner wurde das schon Niveau schon Mitte April um 9:30 erreicht und sie blieb bis 13:30 auf dem Niveau, ich nehme an, im Sommer wird der Zeitraum noch gr&ouml;&szlig;er sein. Der Sinn ist es das Netz zu stabilisieren, doch w&uuml;rde man anstatt den Strom gar nicht erst einzuspeisen nutzen, um Wasserstoff zu gewinnen oder andere Prozesse zu betreiben, die Energie speichern (in einer &Uuml;bergangszeit kann man z.B. aus dem Kohlendioxid die Kohlekraftwerke produzieren durch den Sabatierprozess Methan erzeugen (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Power-to-Gas\">Power to Gas<\/a>). Wir haben also eine Situation, das wir die Schwankungen der nat&uuml;rlichen Ressourcen dadurch ausgleichen, das wir bei &Uuml;berschuss einen Verbrennungstr&auml;ger erzeugen den wir nutzen k&ouml;nnen, wenn regenerative Energien wenig Leistung liefern.<\/p>\n<p>Zum Strompreis: Alle beschweren sich dar&uuml;ber das er so hoch ist und obwohl der Stromerzeugungspreis international in den letzten Jahren gesunken ist, bleibt er bei uns konstant hoch. Und schnell haben einige, wie <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2019\/04\/16\/arbeitsplaetze\/#comment-83726\">Kay<\/a> die regenerativen Energiequellen als Schuldigen ausgemacht. Doch dem ist nicht so. Offizielle Z&auml;hlen von <a href=\"https:\/\/www.vattenfall.de\/infowelt-energie-strompreis\">Vattenfal<\/a>:<\/p>\n<ul>\n<li>54 % staatliche Abgaben<\/li>\n<li>25 % Netzabgaben<\/li>\n<li>21 % Stromerzeugung<\/li>\n<\/ul>\n<p>Von den staatlichen Abgaben entfallen 6,4 ct auf die EEG-Umlage und 5,7 ct f&uuml;r die sonstigen Abgaben. Und auf den Gesamtpreis kommt noch die Mehrwertsteuer drauf, das hei&szlig;t, der Staat verdient noch an seinen eigenen Abgaben, besteuert also die Steuer!<\/p>\n<p>Die erste Ma&szlig;nahme w&auml;re daher die staatlichen Abgaben von der Mehrwertsteuer auszunehmen. Das macht bei 12,1 ct pro kWh so viel aus, das man, wenn man die EEG-Umlage anteilig erh&ouml;ht, man den Anteil von erneuerbaren Energien von 38,6 auf 52,5 % erh&ouml;hen kann. Geht man davon aus, das zu der EEG-Umlage auch noch der Stromgestehungspreis hinzukommt der wird dem Anlagenbetreiber ja bezahlt, dann wird es noch g&uuml;nstiger. Wenn ich 8,5 ct\/kWh als Mittel aus den Verg&uuml;tungen f&uuml;r neue Windkraft- und OV-Anlagen nehme, dann wird schon heute f&uuml;r erneuerbare Energien vom Stromlieferanten mehr berechnet als die Anlagenbetreiber als Verg&uuml;tung bekommen, n&auml;mlich 13,85 ct\/kWh. Der teuerste regenerative Strom ist Solarstrom aus kleinen PV-Anlagen (unter 10 kWh) der mit 11 ct\/kWh verg&uuml;tet wird. Windenergie sogar nur mit 7,4 ct\/kWh. Meiner Ansicht nach wird daher die Energiewende nicht teurer als bisher. Es muss nur aufh&ouml;ren, dass die Stromkonzerne an dem von Dritten eingespeisten Strom noch verdienen (die Netzabgabe f&uuml;r die Einspeisung kommt ja sowieso oben drauf).<\/p>\n<p>Ich glaube daher nicht das der Strompreis daher ansteigt, wenn regenerative Energien noch mehr zunehmen, wenn das was an Abgaben und Stromgestehungskosten auch wirklich den Anlagenbetreibern zugutekommt und nicht dem Staat und dem Stromkonzern. Ich habe auch kein Problem mit der 70 % Verg&uuml;tung. Man kann das aber anders l&ouml;sen, z.b. das der Einspeisez&auml;hler den gesamten Strom entgegennimmt, aber maximal 70 % der Peakleistung z&auml;hlt. Der Rest steht dann der Allgemeinheit zur Verf&uuml;gung und kann genutzt werden, um ihn dauerhaft chemisch zu binden f&uuml;r den Winter.<\/p>\n<p>Wie geht es bei mir weiter? Wenn die zweite Anlage ans Netz geht, habe ich 74 % meines Ziels erreicht. 7,45 t Kohlendioxid pro Jahr eingespart. Weitere 10 % wird die Umstellung meines Reststrombedarfs auf &Ouml;kostrom bringen. Den Rest, rund 15 % oder 1,5 t Kohlendioxid werde ich durch Beteiligung an zwei B&uuml;rgerenergieprojekten \u201eeinsparen\u201c die auch PV-Anlagen auf &ouml;ffentlichen Geb&auml;uden installieren bzw. einen Wind\/Solarpark bei Schopfloch mit betreiben. Ich denek das ich in 6 Monaten, das geschafft haben werde, was die Bundesregierung als Langzeitziel bis 2050 ausgibt, und dabei schon die Zwischenziele bisher alle nicht erreicht hat. Klar billig war es nicht. Zusammen 40.000 Euro wird es kosten. Aber wenn die Bundesregierung ihre 40 Milliarden, die sie der Braunkohle (Luftverschmutzer-Landschaftszerst&ouml;rer) noch nachschmei&szlig;t, analog investieren w&uuml;rde, 1,3 % des bundesdeutschen Ziels w&auml;ren erreicht. Wenn man davon ausgeht, dass die Investition in Gro&szlig;anlagen erheblich effizienter ist sogar 2+ %. So hat man aber wieder nur marode L&auml;nderhaushalte saniert und Stromkonzernen Gewinne beschert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben derzeit 38,6 % erneuerbare Energien am Strom, immerhin fast die H&auml;lfte. Die Frage ist ob es ohne Kays geliebte Luftverschmutzer-Landschaftszerst&ouml;rer geht oder wir dann 1 bis 1,60 Euro pro kwH zahlen m&uuml;ssen wie Carsten prognostiziert. Klar ist: Solarenergie ist bei uns nicht die alleinige L&ouml;sung. Sie ist relativ teuer in der Anschaffung. 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