{"id":13959,"date":"2019-05-17T08:47:26","date_gmt":"2019-05-17T06:47:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=13959"},"modified":"2019-05-17T08:51:11","modified_gmt":"2019-05-17T06:51:11","slug":"mit-dem-sonnensegel-zu-merkur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2019\/05\/17\/mit-dem-sonnensegel-zu-merkur\/","title":{"rendered":"Mit dem Sonnensegel zu Merkur"},"content":{"rendered":"<p>Bei der Renovierung meines Berechungsprogramms habe ich mir nun auch das Modul f&uuml;r Sonnensegel vorgenommen und damit wieder experimentiert. Ein Ergebnis will ich euch heute vorstellen. Aber fangen wir mal mit den Basics an.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/f31ea9c9a38c440d8a99e7f27bb5873b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><!--more--><\/p>\n<p>Als ich mit der Raumfahrt anfing, so um 1980\/81, galten Ionentriebwerke und Sonnensegel als Antriebe der Zukunft. Nun fast 40 Jahre sp&auml;ter sind Ionentriebwerke als Satellitenantrieb etabliert, es gibt erste Satelliten, die sie als Antriebe nutzen und einige Raumsonden kamen ohne sie nie zu ihren Zielen. Auch wenn der Schritt, der am meisten Nutzlast bringt &#8211; das Hochspiralen vom Erdorbit in einen GEO oder eine Fluchtbahn &#8211; noch aussteht.<\/p>\n<p>Mit Sonnensegeln sieht es dagegen mau aus. Es gab bisher nur wenige Tests und eigentlich nur einer, der von <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/akatsuki.shtml\">Ikarus<\/a> war erfolgreich. Warum?<\/p>\n<p>Nun es gibt einige Gr&uuml;nde. Der Erste ist, dass man mit <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/elektrische-antriebe.shtml\">Ionentriebwerken<\/a> im Kleinen experimentieren kann, sie z.B. als Lageregelungstriebwerke zus&auml;tzlich zum chemischen Antrieb installieren kann. Das geht mit Sonnensegeln nicht. Ein typisches Ionentriebwerk zur Lageregelung hat einen Stromverbrauch von 0,3 bis 1 kW und einen Schub von 0.01 bis 0.04 N. Selbst unter optimalen Umst&auml;nden br&auml;uchte man ein Segel mit 1.200 bis 5.000 m\u00b2 Fl&auml;che um diesen Schub zu erzeugen. Damit w&auml;ren Satelliten kaum noch steuerbar. In niedrigen Erdumlaufbahnen ist es kaum einsetzbar, weil der Abbremsungseffekt durch die Restatmosph&auml;re gr&ouml;&szlig;er als die Beschleunigung ist, von der unbeabsichtigten Drehung mal ganz abgesehen.<\/p>\n<p>Daneben sind die Ionentriebwerke ja nur ein Teilaspekt des Systems &#8222;Ionenantrieb&#8220;. Man ben&ouml;tigt auch viel Strom, um sie zu betreiben. Da wogen fr&uuml;her de ben&ouml;tigten Solarzellen viel mehr als der Rest des Systems, sprich die Triebwerke, Stromwandler, Leitungen und Treibstofftanks. Als ich anfing mich f&uuml;r Raumfahrt zu interessieren, war der Rekord bei Solarzellen bei einer Leistungsdichte von 45,6 W\/kg. Sprich ein Solarmodul das 20 kg wiegt (das ist ungef&auml;hr das Gewicht eines Solarmoduls, dass man sich aufs Dach montieren kann) lieferte damals rund 900 Watt (im Weltraum). Heute liegt man bei fest montierten Arrays bei 85 W\/kg und bei flexiblen (ohne starre Wand, auf der die Zellen befestigt sind) bei 120 W\/kg, 150 bis 170 W\/kg k&ouml;nnten mit gr&ouml;&szlig;eren flexiblen Arrays erreicht werden. Kurz die Stromversorgung ist um den Faktor 2 bis 4 leichter geworden. Entsprechend stieg die Nutzlast bei gleicher Missionszeit an.<\/p>\n<p>Dagegen hat sich bei Sonnensegeln kaum etwas getan. Die Technologie ist einfach und die Herausforderungen sind die gleichen wie vor 40 Jahren. Im wesentlichen ist ein Sonnensegel eine d&uuml;nne reflektierende Folie, die auf einer gro&szlig;en Fl&auml;che Licht reflektiert. Die Beschleunigung erfolgt durch den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Strahlungsdruck\">Strahlungsdruck<\/a> des Lichts, nicht den Sonnenwind, der aus geladenen Teilchen besteht. Leider sind die Lichtteilchen Photonen per Definition masselos, sonst k&ouml;nnten sie nicht Lichtgeschwindigkeit erreichen. Andererseits haben sie nat&uuml;rlich Energie und diese Energie k&ouml;nnen sie auf das Sonnensegel &uuml;bertragen. Nur ist das verdammt wenig. Es sind 9 N pro Quadratkilometer. Damit man einen Vergleich hat: Ein Lageregelungstriebwerk f&uuml;r einen Satelliten liegt bei 12 bis 22 N Schub, ein Ionentriebwerk bei 0,01 bis 0,2 N Schub. Man ben&ouml;tigt daher eine enorme Fl&auml;che f&uuml;r eine wesentliche Beschleunigung.<\/p>\n<p>Weiterhin muss man dieses Segel platzsparend verpacken und im Weltraum entfalten k&ouml;nnen und zwar, ohne das es reist. Bisher gab es kleine Segel. IKAROS als erfolgreicher Versuch hatte ein 14 x 14 m gro&szlig;es Segel mit einer Masse von 15 kg. F&uuml;r die Mission, die ich hier vorstelle, reden wir von 10.000 bis 25.000 m\u00b2 Fl&auml;che, also der hundertfachen Fl&auml;che. Zudem muss es leichter werden. Eine Kenngr&ouml;&szlig;e ist die Fla&auml;chendichte, angegeben in Gramm pro Quadratmeter. Ikaros hatte eine von 76,5 g\/m\u00b2. Technisch umsetzbar sind Segel mit einer Fl&auml;chendichte von knapp unter 20 g\/m\u00b2 inklusive der Verstrebungen. Sie sind ein weiteres Problem. Ein 10.000 m\u00b2 gro&szlig;es <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/sonnensegel.shtml\">Segel<\/a> ist 100 x 100 m gro&szlig;. Wenn es durch zwei Verstrebungen gehalten wird, dann sind die 140 m lang und sie m&uuml;ssen in einen kleinen Container passen. Alternativ nimmt man ein Seil, das kann man durch die Zentrifugalkraft straff ziehen. Nur ist dann die Steuerung schwierig. IKAROS arbeitete so, wurde aber nicht aktiv gesteuert. Vielleicht nimmt man in Zukunft einen Zwitter, ein Seil aus einem Kunststoff, der unter UV-Strahlung hart wird. So kann man aus einem Seil eine Strebe machen.<\/p>\n<p>Auch bei den Materialen gibt es keine Wunder. Es gibt im Prinzip zwei m&ouml;gliche Materialen. Sie sind in der Raumfahrt nicht neu, sondern weit verbreitet. Es sind Mylar und Kapton. Aus Mylar kann man extrem d&uuml;nne und trotzdem rei&szlig;feste Folien herstellen. Das Material kennen viele von den Rettungsfolien als Bestandteil des Erste-Hilfe-Koffers eines KFZ. Aus Kapton kann man nicht so d&uuml;nne Folien herstellen, aber es vertr&auml;gt h&ouml;here Temperaturen. Mit Kapton sollte ein Sonnensegel bis 400\u00b0C aushalten k&ouml;nnen, mit Mylar 200 \u00b0C. Das ergibt bei 85 % Reflexionsgrad aber selbst bei Mylar eine Ann&auml;herung bis auf 40 bis 45 Millionen km. Rein theoretisch sollte man auch extrem leichte Segel herstellen k&ouml;nnen, indem man nachdem man die Folien mit Aluminium bedampft oder besser gesagt &#8222;gesputtert&#8220; hat, den Kunststoff aufl&ouml;st. Doch wie man so d&uuml;nne Alumniumschichten verpackt und wieder entfaltet ohne das sie rei&szlig;en, ist offen.<\/p>\n<p>Demonstriert wurden fertige Konstruktionen die um 20 g\/m\u00b2 wiegen. Damit sind Missionen ins &auml;u&szlig;ere Sonnensystem wenig aktraktiv.<\/p>\n<h2>Besonderheit Merkur<\/h2>\n<p>Merkur ist auch f&uuml;r Ionenantriebe eine Herausforderung. Will man von der Erde aus eine Umlaufbahn erreichen, die der von Merkur entspricht, sodass man sich einfangen lassen kann, so betr&auml;gt der Geschwindigkeitsbedarf &uuml;ber 13 km\/s. Vor allem aber kann man Solarzellen die ja bei Ann&auml;herung an die Sonne an Leistung gewinnen, nur bis zu einem gewissen Grad nutzen. Sie werden immer hei&szlig;er und man muss sie sukzessive von der Sonne wegdrehen, damit sie nicht &uuml;berhitzen und dann gar keine Leistung mehr abgeben. Praktisch kann man die doppelte Leistung wie in Erdn&auml;he herausholen, bevor man dazu &uuml;bergehen muss, die aufgenommene Leistung zu begrenzen.<\/p>\n<p>Bei Sonnensegeln hat man das Problem nicht. Im Gegenteil, je mehr man sich der Sonne n&auml;hert desto schneller wird man.<\/p>\n<p>Also habe ich mich mal hingesetzt und das berechnet. Bei Sonnensegeln kann man die gesamte Simulation auf einen Parameter herunterbrechen, die Fl&auml;che. Ich bin im Folgenden von diesen Annahmen ausgegangen:<\/p>\n<ul>\n<li>Eine Atlas V 401 transportiert 3.000 kg auf eine Fluchtbahn mit einem C3 von 10 km\u00b2\/s\u00b2, das entspricht einem Perihel in ungef&auml;hr 98 Millionen km Distanz. Die Nutzlast ist m&ouml;glich, das wurde durch Simulation &uuml;berpr&uuml;ft. F&uuml;r eine Fluchtbahn betr&auml;gt sie bei der Atlas V nach ULA Angaben 3,3 t.<\/li>\n<li>Die Simulation wird abgebrochen, wenn die Bahn das Aphel von Merkur (69,2 Millionen km) unterschreitet.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Abh&auml;ngig von der Sonnensegelgr&ouml;&szlig;e kommt man dann auf folgende Reisezeiten:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" style=\"float: right;\" src=\"\/img\/sonnensegel-merkur.png\" alt=\"\" width=\"872\" height=\"700\" \/><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<th><strong>Fl&auml;che<\/strong><\/th>\n<th><strong>Simulationszeit<\/strong><\/th>\n<th><strong>Zielbahn Perihel [Mill. km]<\/strong><\/th>\n<th><strong>Zielbahn Aphel [Mill. km]<\/strong><\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>10.000,0<\/td>\n<td>5 J 349 d 8 h 43 m 20 s<\/td>\n<td>51,9<\/td>\n<td>69,1<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>11.000,0<\/td>\n<td>5 J 155 d 23 h 20 m 0 s<\/td>\n<td>51,7<\/td>\n<td>69,1<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>12.000,0<\/td>\n<td>4 J 354 d 2 h 20 m 0 s<\/td>\n<td>51,8<\/td>\n<td>69,1<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>13.000,0<\/td>\n<td>4 J 209 d 2 h 36 m 40 s<\/td>\n<td>52,2<\/td>\n<td>69,1<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>14.000,0<\/td>\n<td>4 J 121 d 17 h 6 m 40 s<\/td>\n<td>50,2<\/td>\n<td>69,1<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>15.000,0<\/td>\n<td>3 J 362 d 9 h 46 m 40 s<\/td>\n<td>51,5<\/td>\n<td>69,1<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>16.000,0<\/td>\n<td>3 J 293 d 19 h 6 m 40 s<\/td>\n<td>49,9<\/td>\n<td>69,1<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>17.000,0<\/td>\n<td>3 J 191 d 15 h 26 m 40 s<\/td>\n<td>51,5<\/td>\n<td>69,1<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>18.000,0<\/td>\n<td>3 J 141 d 7 h 6 m 40 s<\/td>\n<td>49,8<\/td>\n<td>69,1<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>19.000,0<\/td>\n<td>3 J 45 d 20 h 0 s<\/td>\n<td>52,4<\/td>\n<td>69,1<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>20.000,0<\/td>\n<td>3 J 6 d 18 h 30 m 0 s<\/td>\n<td>50,8<\/td>\n<td>69,1<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>21.000,0<\/td>\n<td>2 J 333 d 11 h 36 m 40 s<\/td>\n<td>49,5<\/td>\n<td>69,1<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>22.000,0<\/td>\n<td>2 J 251 d 6 h 33 m 20 s<\/td>\n<td>52,8<\/td>\n<td>69,1<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>23.000,0<\/td>\n<td>2 J 220 d 11 h 23 m 20 s<\/td>\n<td>51,6<\/td>\n<td>69,1<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>24.000,0<\/td>\n<td>2 J 194 d 1 h 30 m 0 s<\/td>\n<td>50,2<\/td>\n<td>69,1<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>25.000,0<\/td>\n<td>2 J 166 d 19 h 3 m 20 s<\/td>\n<td>49,2<\/td>\n<td>69,1<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Damit man einen Vergleich hat: Messenger ben&ouml;tigte 5,5 Jahre zu Merkur, BepiColombo 7,5 Jahre. Da liegt schon das kleinste Segel besser. Wenn man ein Fl&auml;chengewicht von 20 g\/m\u00b2 zugrund legt, h&auml;tte es nur 200 kg Masse. Selbst das gr&ouml;&szlig;te Segel wiegt dann nur 500 kg. Daher k&ouml;nnte selbst ein so schweres Segel wie das von Ikaros nehmen &#8211; auch es w&uuml;rde nur 765 kg bei der kleinsten Version wiegen. Mit 1000 kg, also einem Drittel der Startmasse, f&uuml;r das Segel k&auml;me man auf unter 5 Jahre Reisezeit.<\/p>\n<p>Wer die Bahn von Merkur kennt, wird noch etwas erkennen: Das Perihel liegt nahe bei der des Merkurs von 46 Millionen km. Die Differenz von rund 4 Millionen km im Perihel bedeutet eine Geschwindigkeitsdifferenz von 956 m\/s. Mit dieser Geschwindigkeit n&auml;hert man sich Merkur. Das ist einerseits schnell genug um einen Abstand von einigen Millionen km aufzuholen, andererseits muss man nicht zu viel abbremsen, um in den Orbit zu gelangen. Um in eine 1.400 x 13.800 km Bahn einzuschwenken, braucht man dann nu noch 400 m\/s abbauen. Das hei&szlig;t, von den 2 t Restmasse kommt der gr&ouml;&szlig;te Teil bei Merkur an. Das Sonnensegel w&uuml;rde man abwerfen, wenn die obige Transferbahn erreicht ist.<\/p>\n<p>Das war auch der Zweck der Startbeschleunigung, denn so war schon die Ausgangsbahn elliptisch und sie blieb es auch. Wenn man von einer Kreisbahn aus startet, so wird die Endbahn auch nahezu kreisf&ouml;rmig sein. Dar&uuml;ber hinaus dauert es wesentlich l&auml;nger. Bei 25.000 m\u00b2 z. B. 3 Jahre 182 Tage anstatt 2 Jahre 166 Tage und die Bahn ist eine 67 x 69,1 Millionen km Bahn. Diese m&uuml;sste man nun noch absenken, indem man das Sonnensegel schr&auml;g stellt und den Schubvektor so steuert.<\/p>\n<p>In der Summe ist aber auch so das Resultat sehr erfreulich:<\/p>\n<ul>\n<li>Selbst mit schweren Sonnensegeln (Ikarus) kommt man schneller zu Jupiter als die Raumsonden <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/messenger.shtml\">Messenger<\/a> und BepiColombo<\/li>\n<li>Man kann eine Bahn erreichen, die nahezu der von Merkur entspricht mit geringer Geschwindigkeit zum Planeten<\/li>\n<li>Die Netto-Nutzlast im Merkurorbit ist daher hoch &gt; 1.700 kg bei einem dV von 500 m\/s (MESSENGER: 508 kg, <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/bepicolombo.shtml\">BepiColombo<\/a> 1.425 kg).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Noch zwei Bemerkungen: Weil man Sonnensegel der Sonne nachf&uuml;hren muss, habe ich mit der Berechnung erst in einer Sonnenumlaufbahn begonnen. In einer Erdumlaufbahn m&uuml;sste man sie sonst w&auml;hrend eines Umlaufs drehen. Zudem funktionieren sie wegen der Luftreibung erst bei gro&szlig;en H&ouml;hen (&gt; 700 km).<\/p>\n<p>Die elliptische Umlaufbahn um Merkur ist nicht planetennah und so gewollt. Das Problem ist, das die Sonde bei Merkur nicht nur der Sonnenstrahlung ausgesetzt ist &#8211; die ist als Punktquelle durch einen Schild gut abschirmbar, sondern der bis zu 427 \u00b0C hei&szlig;e Planet viel IR-Strahlung abstrahlt und er ist im merkurn&auml;chsten Punkt der Bahn keine Punktquelle, sondern f&uuml;llt die halbe Hemisph&auml;re aus. MESSENGER und BepiColombo blieben daher auf elliptischen Bahnen mit nicht zu nahen planetenn&auml;chsten Punkten.<\/p>\n<p>Wenn man das weiter spinnt, k&ouml;nnte man bei einem kleinen Orbiter und einem leichten Segel sogar einen Lander mitf&uuml;hren. Wenn er 2 t wiegt (Orbiter 0,6 t, Treibstoff 0,2 t, Segel 0,2 t) kann man mit 600 m\/s Gravitationsverlusten noch 218 kg landen (4.957 m\/s Geschwindigkeits&auml;nderung, Voll-\/Leermasseverh&auml;ltnis 10, spezifischer Impuls 3050). Nicht viel, aber f&uuml;r eine einfache Raumsonde ausreichend. Ich pers&ouml;nlich halte einen Lander f&uuml;r wissenschaftlich wenig versprechend &#8211; man braucht 2 t Startmasse um 200 kg abzusetzen und er wird selbst in mittleren Breiten nur wenige Tage lang arbeiten k&ouml;nnen, bevor er &uuml;berhitzt. Damit er lange arbeitet, m&uuml;sste er sich dauernd bewegen: in 60 Grad Breite z.B. mit 43,6 km\/Tag, was angesichts heutiger Technologie &#8211; die Marsroboter schaffen maximal 100 m\/Tag &#8211; kaum m&ouml;glich ist. Lediglich bei den Polen w&auml;re ein dauerhaftes &Uuml;berleben m&ouml;glich, doch dann br&auml;uchte er eine nukleare Energieversorgung, die von der kleinen Masse abgehen w&uuml;rde. Man k&ouml;nnte an der Nutzlast noch etwas feilen, wenn man die fast 5 km\/s Abbremsung durch zwei Stufen abbaut. Das erh&ouml;ht die Landemasse auf 286 kg.<\/p>\n<h3>Ende Gut alles gut?<\/h3>\n<p>Nicht ganz. Als ich den Artikel bis hierher geschrieben habe, kam ich dann doch noch auf die Idee ein Ionentriebwerk als Vergleich zu nehmen. Vom Gef&uuml;hl her dachte ich, m&uuml;sste ein Sonnensegel es schlagen k&ouml;nnen. Doch wir sind ja alle Profis und da geht es nicht nach Gef&uuml;hl. Bei gleicher Ausgangslage (3.000 kg auf eine Bahn mit einem Perihel in 97 Millionen km Distanz) wird die Nutzlast mit 2000 kg schwer erreichbar. Ich musste alleine , das man den Treibstoff noch unterbringt das Ionentriebwerk mit dem h&ouml;chsten Impuls meiner Datenbank nehmen. Trotzdem nur eines um Gewicht zu sparen. Die Stromversorgung wird genau auf dieses zugeschnitten und besteht aus den auf dem Papier verf&uuml;gbaren gro&szlig;en ATK-Flexarrays mit 170 W\/m\u00b2. Trotzdem machen Tanks und Treibstoff mehr als die H&auml;lfte der 1000 kg aus, die das Modul wiegen darf. Doch damit geht es. Wenn man den Betrieb in der Distanz einschr&auml;nkt, dann erreicht man nach 387 Tagen, also wesentlich schneller eine Bahn, die zu der zu Merkur passt:<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" style=\"float: right;\" src=\"\/img\/ion-merkur.png\" alt=\"\" width=\"828\" height=\"700\" \/><\/p>\n<table class=\"auto-style1\" cellpadding=\"2\">\n<tbody>\n<tr>\n<th class=\"auto-style1\"><strong>Bahnen<\/strong><\/th>\n<th class=\"auto-style1\"><\/th>\n<th class=\"auto-style1\"><\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Bahnform<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">Bahn ist eine Ellipse<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">Bahn ist eine Ellipse<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Perihel\/Perig&auml;um:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">97.938.677,46 km<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">46.288.297,63 km<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Aphel\/Apog&auml;um:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">150.000.000,00 km<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">69.105.601,59 km<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Umlaufszeit:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">277 d 19 h<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">89 d 1 h<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Missionszeit mit Freiflugphase<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">1 J 34 d<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<th class=\"auto-style2\"><strong>Simulationseinstellungen<\/strong><\/th>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style1\">Maximale Simulationsdauer:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">3 J 305 d<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">davon angetrieben:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">320 d 7 h<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Schrittweite:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">1.000,0 s<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Entfernung bei Sim-Ende:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">49,3 Mill. km<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Geschwindigkeit bei Sim-Ende:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">55.116,3 m\/s<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Startgeschwindigkeit:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">26.400,0 m\/s<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<th class=\"auto-style2\"><strong>Simulationsvorgaben<\/strong><\/th>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Schubrichtung:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">Winkel zur Bewegungsrichtung 180,0 Grad<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Abbruchbedingung der Simulation:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">Betrieb bis die Bahn das Zielaphel\/-apog&auml;um unterschreitet<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<th class=\"auto-style2\"><strong>Ionentriebswerksmodul<\/strong><\/th>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Startgewicht:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">3.000,0 kg<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Aktuelles Gewicht:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">2.565,6 kg<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Nutzlast<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">2.000,0 kg<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Stromversorgung:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">39.948,1 Watt @ 1 AE<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Strom beim Start:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">40.300,0 Watt @ 1 AE<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Eigenstromverbrauch:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">1.000,0 Watt<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Maximal nutzbar:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">41.000,0 Watt<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Gewicht Stromversorgung:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">237,1 kg<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Spezifisches Gewicht Stromversorgung:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">170,0 W\/kg<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Treibstoff beim Start:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">467,5 kg<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Treibstoff aktuell:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">33,1 kg<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Tanks:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">51,4 kg<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Tanksanteil:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">11 Prozent<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Treibstoff f&uuml;r max:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">16.214 m\/s<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Anzahl Triebwerke:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">1 St&uuml;ck<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Gewicht Triebwerke:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">94,0 kg<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Gewicht Strukturen:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">150,0 kg<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Stromversorgungsart:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">Solar<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Betrieb des Antriebs nur zwischen:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">0,0 und 131,0 Mill. km<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<th class=\"auto-style2\"><strong>Triebwerkseinstellungen<\/strong><\/th>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Bezeichnung Triebwerk:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">HIPEP High Trust<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Spezifischer Impuls:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">95.714,0 m\/s<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Schub pro Triebwerk:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">0,670 Newton<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Treibstoffverbrauch pro Triebwerk:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">0,605 kg\/d<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Strom pro Triebwerk:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">39.300 Watt<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Gewicht Triebwerk:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">47,00 kg<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Effizienz:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">81,59 Prozent<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style2\">Gesamte Geschwindigkeits&auml;nderung:<\/td>\n<td class=\"auto-style1\">14.973,1 m\/s<\/td>\n<td class=\"auto-style1\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Wie man sieht: es geht trotzdem noch schneller als mit dem Sonnensegel, allerdings wirklich auf &#8222;Kante&#8220; konstruiert. Das Problem ist nicht die Zeit, sondern das Gewicht. So sind gerade mal 33 kg Treibstoff &uuml;brig. Und wenn das Sonnensegel &#8211; weil man sich etwas mehr Zeit l&auml;sst, noch leichter wird, dann ist es in jedem Falle dem Ionentriebwerk hinsichtlich Nettomasse &uuml;berlegen. Die beiden Abbildungen geben die Bahnen einmal f&uuml;r das Ionentriebwerk und einmal f+r ein Sonnensegel mit 25 g\/m\u00b2 (Fl&auml;che 40.000 m\u00b2) wieder.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite kann man mit dem Ionenantrieb auch in den Merkurorbit einschwenken, was dessen Masse um 300 kg, die man sonst f&uuml;r ein chemisches Antriebssystem br&auml;uchte, erh&ouml;ht, dann w&auml;ren die Einschr&auml;nkungen f&uuml;r die Auswahl der Subsysteme nicht ganz so gro&szlig;. Herausfordernd sind sie trotzdem. Realistisch kann man bei Ionentriebwerken bei dieser gro&szlig;en Geschwindigkeits&auml;nderung mit einer Nutzlast von einem Drittel bis maximal der H&auml;lfte der Startmasse bei verf&uuml;gbaren Antrieben und etablierten Solargeneratoren rechnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der Renovierung meines Berechungsprogramms habe ich mir nun auch das Modul f&uuml;r Sonnensegel vorgenommen und damit wieder experimentiert. Ein Ergebnis will ich euch heute vorstellen. Aber fangen wir mal mit den Basics an.<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[124,4350,520,1456,519],"class_list":["post-13959","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-raumfahrt","tag-bepicolombo","tag-ikaros","tag-ionenantrieb","tag-merkur","tag-sonnensegel","entry"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack-related-posts":[{"id":18469,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/11\/13\/operation-fishbowl\/","url_meta":{"origin":13959,"position":0},"title":"Operation Fishbowl","author":"Bernd Leitenberger","date":"13. November 2025","format":false,"excerpt":"Hallo, ich schreibe weiter an meinem Buch, die Auskopplung der Thor und Delta aus dem Buch \u00fcber die US-Tr\u00e4gerraketen. 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