{"id":13982,"date":"2019-05-26T21:03:51","date_gmt":"2019-05-26T19:03:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=13982"},"modified":"2019-05-26T21:03:51","modified_gmt":"2019-05-26T19:03:51","slug":"zeit-fuer-eine-concorde-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2019\/05\/26\/zeit-fuer-eine-concorde-2\/","title":{"rendered":"Zeit f&uuml;r eine Concorde 2?"},"content":{"rendered":"<p>Vor einiger Zeit habe ich eine Dokumentation &uuml;ber die Concorde gesehen. Sie endete in einem Ausblick. N&auml;mlich das man heute an Technologien arbeitet, wie ein &uuml;berschallschnelles Flugzeug doch noch wirtschaftlich sein k&ouml;nnte. F&uuml;r mich &uuml;berraschend: das Hauptaugenmerk der heutigen Forschung gilt dem L&auml;rm, denn dessen Reduktion ist das Hauptproblem f&uuml;r einen Einsatz. Die Concorde d&uuml;rfte erst auf dem Meer auf &Uuml;berschallgeschwindigkeit beschleunigen damit es an Land keinen &Uuml;berschallknall gab. So war der Einsatz limitiert auf Flugpl&auml;tze, die am Meer lagen und die man erreichen konnte ohne Land zu &uuml;berfliegen. Also ein Einsatz New York &#x2194; Los Angeles schied wegen des &Uuml;berflugs der USA aus.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/e579dcce61e54cdb9fe88936c008b041\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><!--more--><\/p>\n<p>Ich greife das Thema mal auf, um zu diskutieren ob sich ein neues &uuml;berschallschnelles Flugzeug wirtschaftlich rentiert. Denn daran h&auml;ngt ja alles. Was der Concorde zu schaffen machte war die &Ouml;lkrise und die dadurch ansteigenden Kerosinpreise, die damals um den Faktor 3 bis 4 stiegen, auch wenn sie verglichen mit heute noch niedrig waren. Es ist logisch, das ein Flugzeug das &uuml;berschallschnell fliegt, einen h&ouml;heren Spritverbrauch hat. Hier mal ein Vergleich:<\/p>\n<ul>\n<li>Concorde: 4 x Olympus 593 mit 32 klbf Schub, Treibstoffverbrauch bei Marschgeschwindigkeit 1.139 lb\/lbf\/h<\/li>\n<li>Boeing 707: 4 x Pratt &amp; Whittney J3T mit 18 klbf Schub, Treibstoffverbrauch bei Marschgeschwindigkeit 0,78 lb\/lbf\/h<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Schub der Concorde ist also 78 % h&ouml;her, der Treibstoffverbrauch pro \u201ePfund Schub\u201c 46 %. Daf&uuml;r transportiert die Concorde nur maximal 120 Passagiere anstatt 215 wie bei einer B-707. So ist klar, das ein Flug teurer ist. Alleine die Treibstoffkosten m&uuml;ssen so 4,65-mal h&ouml;her sein, wenn man die geringere Flugzeit (3,25 anstatt 8 Stunden) ber&uuml;cksichtigt immer hin noch 90 % h&ouml;her. Doch das ist nur eine Seite. Das Flugzeug selbst ist ja auch teurer, wahrscheinlich auch der Unterhalt und die Wartung. Das muss man dann auf 120 Passagiere pro Flug umlegen anstatt 215.<\/p>\n<p>Doch an der Wirtschaftlichkeit kann man drehen. Hier mal einige Ideen von mir:<\/p>\n<h3 class=\"western\">Werkstoffe<\/h3>\n<p>&Uuml;blicherweise verwandte man im Flugzeugbau als die Concorde entwickelt wurde Aluminiumlegierungen. Da die Concorde Au&szlig;enhaut sich bei hoher Geschwindigkeit stark aufheizte, war dies nicht m&ouml;glich, weshalb ein Gro&szlig;teil der Concorde aus Stahl gefertigt wurde \u2013 mit entsprechenden Gewichtsnachteilen.<\/p>\n<p>Doch das war in den Sechziger Jahren. Mittlerweile entstehen neue Flugzeuge weitestgehend aus Kohlefaserverbundwerkstoffen, die genauso beanspruchbar wie Edelstahl sind, aber dreimal leichter und sie sind auch thermisch genauso belastbar. Ich denke so k&ouml;nnte man viel Gewicht einsparen.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Triebwerke<\/h3>\n<p>Auch bei den Triebwerken ist die Zeit nicht stehen geblieben. Auch normale Passagierflugzeuge m&uuml;ssen heute Treibstoff sparen. Ich habe mal das J3T der Boeing 707 mit dem Trend 772 verglichen. Das ist nicht gerade das neueste Triebwerk, es wurde 1994 f&uuml;r den Airbus 330 \/ 340 entwickelt. Aber schon es kommt auf 0,58 lb\/lbf\/h Treibstoffverbrauch. Es ist also 34 % effektiver, ben&ouml;tigt entsprechend f&uuml;r dieselbe Strecke weniger Treibstoff. Die Concorde ben&ouml;tigte bis zu 96 t Treibstoff f&uuml;r eine Strecke von 7200 km. Bei einer maximalen Startmasse von 185 t entf&auml;llt also die H&auml;lfte der Masse auf den Treibstoff. Die Reduktion der Treibstoffmenge pro Kilometer strecke ist daher &uuml;berproportional effektiv, denn man verbraucht auch Treibstoff um den Treibstoff zu transportieren der ja die H&auml;lfte der Startmasse ausmacht. Die Reduktion um 34 % wird wenn man ber&uuml;cksichtigt das die H&auml;lfte der Masse Treibstoff ist zu 68 %.<\/p>\n<p>Alternativ kann man bei gleicher Treibstoffzuladung die Reichweite erh&ouml;hen, denn diese ist mit 7200 km zwar gro&szlig; genug, um den Atlantik zu &uuml;berqueren. Heute aber f&uuml;hren viele Fl&uuml;ge in den asiatischen Raum und den erreicht die Concorde nur mit Zwischenstops. Auch der Pazifik ist zu weit um ihn ohne Zwischenstop zu durchqueren. Anstatt also die Treibstoffmenge zu reduzieren k&ouml;nnte man bei gleicher Zuladung auch die Reichweite auf 9.700 km erh&ouml;hen.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Treibstoffart<\/h3>\n<p>Die Concorde verwandte Kerosin. Doch bei einem so hohen Treibstoffverbrauch und so hohen Betriebskosten w&auml;re es auch lohnend &uuml;ber Wasserstoff als Treibstoff nachzudenken. Kerosin hat einen mittleren Brennwert von 34,5 MJ\/kg. Wasserstoff einen von 143,3 MJ\/kg, also viermal h&ouml;heren. Daf&uuml;r ist er als Nachteil weniger dicht \u2013 ber&uuml;cksichtigt man das so ist bei gleichem Volumen der Energiegehalt nur 36 % dessen von Kerosin. Das hei&szlig;t mit Wasserstoff w&uuml;rde ein Nachfolger der Concorde zwar nochmals deutlich weniger Treibstoff pro Kilometer brauchen, w&auml;re aber wenn man die h&ouml;here Effizienz der Triebwerke wieder ber&uuml;cksichtigt wegen der geringeren Menge nur mit derselben Reichweite baubar. Sie w&auml;re sogar etwas k&uuml;rzer (rund 6600 km). Wasserstoff w&uuml;rde sich dann lohnen, wenn 8 t Wasserstoff nicht mehr kosten als 96 t Kerosin.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Moderne Technologien<\/h3>\n<p>Als man die Concorde entwickelte, gab es keine Computersimulationen. Heute gibt es diese. Ich glaube zwar kaum, das dies wesentlich an den Eckdaten wie Treibstoffverbrauch und maximale Geschwindigkeit etwas &auml;ndern kann, denn schon damals wurden Modelle im Windkanal getestet. Doch die Begleiterscheinungen, vor allem der L&auml;rm, d&uuml;rfte man heute besser reduzieren k&ouml;nnen und gerade dies ist ja auch wichtig, wenn man ein Flugzeug haben will, das universell einsetzbar ist und auch &uuml;ber Land fliegen kann.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Auftanken<\/h3>\n<p>Seit Jahrzehnten werden milit&auml;rische Maschinen in der Luft aufgetankt. Inzwischen wird es auch f&uuml;r <a href=\"http:\/\/www.airliners.de\/forscher-passagierjets-tanken-luft-militaer\/35501\">Passagierflugzeuge<\/a> erwogen. F&uuml;r diese sollen sich Einsparungen von 11 bis 23 Prozent beim Treibstoffverbrauch ergeben. F&uuml;r die Passagiere wird der Flug schneller, da die Landung wegf&auml;llt. Das w&auml;re auch eine Option f&uuml;r einen Concordenachfolger. So k&ouml;nnte man auch die geringe Reichweite kompensieren. Weiterhin ist bei einem &uuml;berschallschnellen Flugzeug der Verlust an Zeit bei einer Zwischenlandung viel gr&ouml;&szlig;er und auch der Treibstoffverbrauch um wieder auf Mach 2 zu kommen. Auch wenn man zum Auftanken auf Mach 0,8 bis 0,9 abbremsen muss. Es w&uuml;rde sich lohnen.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Markt<\/h3>\n<p>Rechnet man den Ticketpreis einer Concorde von 1997 auf heute um, so war ein Flug 12.500 Dollar teuer. Selbst mit weniger Spritkosten und geringerem Gewicht \u2013 ein Billigflieger wird ein &Uuml;berschallflugzeug nicht werden. Es gibt zwei Tendenzen, die zum einen den Markt vergr&ouml;&szlig;ern, zum anderen verkleinern. Vergr&ouml;&szlig;ert wird der Markt, weil es heute viel mehr zeitkritische Dinge gibt. Manager sollen dauernd erreichbar sein. Ihre Arbeitskraft ist viel teurer als ein Ticket. Auch hat man heute weniger Zeit. Das spricht f&uuml;r einen &Uuml;berschalljet.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite muss man heute f&uuml;r Besprechungen nicht mehr vor Ort sein. Einfache Besprechungen kann man mit Videokonferenzen machen. Zusammen an Prototypen kann man in virtuellen Umgebungen arbeiten, auch wenn man nicht im selben Raum ist. Selbst an die Anleitung von Arbeitern selbst etwas zu reparieren durch den Experten &uuml;ber VR, anstatt diesen einzufliegen, wird heute schon erprobt.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite meint ja Elon Musk, das man seine Marspl&auml;ne dadurch finanzieren kann, indem seine BFR Passagiere von A nach B transportiert und die braucht dazu nicht 40 % der Startmasse an Treibstoff sondern 90 % und d&uuml;rfte schon weil Raketen viel weniger oft verwendbar sind, viel teurer sein. Sicher ist eine BFR schneller \u2013 interkontinentale Distanzen in 90 Minuten schafft man nur mit einer Rakete. Doch der Gewinn gegen&uuml;ber einem Unterschallflugzeug ist das wichtigste. Eine Concorde sparte schon <sup>2<\/sup>\/<sub>3<\/sub> der Zeit ein. Eine BFR w&uuml;rde dann nur weitere 20 % einsparen. Wenn es also nach Musk geht, dann gibt es einen Markt der sogar noch viel mehr f&uuml;r einen Flug zahlen w&uuml;rde \u2013 allerdings mit Mehrwert \u2013 wie Flug ins All und Schwerelosigkeit. Auf der anderen Seite \u2013 das macht jeder, der das erleben will vielleicht 1 oder zweimal. Flugzeug fliegt man aber regelm&auml;&szlig;ig. Der Markt f&uuml;r ein &Uuml;berschallflugzeug ist gr&ouml;&szlig;er und er ist nachhaltiger.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Nachfolger<\/h3>\n<p>Ich habe zumindest einen Nachfolger gefunden. <a href=\"https:\/\/boomsupersonic.com\/contact#faq-section\">Boom<\/a> soll Mach 2,2 erreichen. Hat eine h&ouml;here Reichweite (Los Anges &#x2194; Sydney) aber nur 55 Passagiere. Vielleicht gerade keine so dumme Idee, denn die Zahl der Kunden die es eilig haben, ist begrenzt und wenn man stundenlang auf den n&auml;chsten Flieger warten muss, ist der Zeitvorteil auch weg. Virgin hat schon Flugzeuge gekauft. So ein kleines Flugzeug w&auml;re auch etwas f&uuml;r Politiker: die d&uuml;sen ja noch immer schnell um die Welt, zu Regierungsbesuchen, Konferenzen und f&uuml;r die z&auml;hlen Flugkosten nicht. F&uuml;r sie reichen auch 55 Passagiere.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Meine Meinung<\/h3>\n<p>Ich denke mit den besprochenen Fortschritten ist ein &Uuml;berschallverkehrsflugzeug heute technisch attraktiver als es die Concorde war. Heute gibt es treibstoffsparende Triebwerke, leichtere Werkstoffe das Gewicht verringern. Mit Wasserstoff kann man das Startgewicht weiter absenken. Selbst bei einer kleinen Reichweite w&auml;ren l&auml;ngere Strecken mit Wasserstoff m&ouml;glich, trotz der niedrigen Dichte, wenn man in der Luft auftankt.<\/p>\n<p>Der wirkliche Knackpunkt ist der L&auml;rm. Er f&uuml;hrte schon dazu, dass die Concorde &uuml;ber Land unterschallschnell flog und dann erst &uuml;ber dem Meer beschleunigte. Damit sind aber viele attraktive Routen \u201everboten\u201c wie Transkontinentalfl&uuml;ge &uuml;ber die USA. Wenn wie die NASA meint, dass man den L&auml;rm eines &Uuml;berschallflugzeugs entscheiden reduzieren kann, dann k&ouml;nnte das Konzept wieder erfolgreich sein. Kleinere Flugzeuge, die angepasst sind an eine kleine Nachfrage, durch Leute denen der Preis egal, ist (Virgin verspricht zwar das es nicht teurer wird als die teuersten Tickets bei Linienfl&uuml;gen, doch ich glaube das nicht) k&ouml;nnten auch wirtschaftlich erfolgreich sein. Denn nat&uuml;rlich sind auch dann die Entwicklungskosten und Herstellungskosten kleiner.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einiger Zeit habe ich eine Dokumentation &uuml;ber die Concorde gesehen. Sie endete in einem Ausblick. N&auml;mlich das man heute an Technologien arbeitet, wie ein &uuml;berschallschnelles Flugzeug doch noch wirtschaftlich sein k&ouml;nnte. F&uuml;r mich &uuml;berraschend: das Hauptaugenmerk der heutigen Forschung gilt dem L&auml;rm, denn dessen Reduktion ist das Hauptproblem f&uuml;r einen Einsatz. 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