{"id":140,"date":"2008-04-03T14:23:10","date_gmt":"2008-04-03T12:23:10","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=140"},"modified":"2008-04-03T14:26:03","modified_gmt":"2008-04-03T12:26:03","slug":"der-nutzen-der-raumfahrt-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2008\/04\/03\/der-nutzen-der-raumfahrt-teil-2\/","title":{"rendered":"Der Nutzen der Raumfahrt &#8211; Teil 2"},"content":{"rendered":"\n<p>Kommen wir nun zum zweiten und letzten Teil &uuml;ber den Nutzen der Raumfahrt im Alltag. Was jedem wohl sofort einf&auml;llt sind Kommunikationssatelliten. Und in der Tat waren Kommunikationssatelliten die ersten privat finanzierten Satelliten. Alles begann schon 1958 mit dem Experiment SCORE &#8211; Ein Testflug einer Atlas C w&uuml;rde diese ohne Sprengkopf in einen Orbit bringen. Man nutzte diese Gelegenheit um ein Experiment zu installieren. Ein Bandger&auml;t welches eine Botschaft von Pr&auml;sident Eisenhower auf Kommando abschickte. Dem folgte eine Zeit in der man die m&ouml;glichen Technologien erforschte. Die NASA startete Echo 1 und Echo 2. Diese beiden Satelliten waren v&ouml;llig passiv: D&uuml;nne Metallh&uuml;llen die auf 30 bzw. 49 m Gr&ouml;&szlig;e durch eine Druckgaspatrone aufgeblasen wurden. Doch Echo 1 und 2 verloren nicht nur rasch an H&ouml;he durch den enorm gro&szlig;en Luftwiderstand. Das unverst&auml;rkte Signal war auch sehr schwach. Durch Mikrometeoriten verloren sie zudem bald die Form.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Sehr bald folgten dem aktiv sendende Satelliten. Schon 1962 starteten AT&amp;T den ersten privat finanzierten Satelliten. AT&amp;T zahlte der NASA 3 Millionen Dollar f&uuml;r den Start mit einer Thor Rakete. Telstar hatte eine elliptische Umlaufbahn die in bis zu 5600 km von der Erde weit weg brachte. Das erlaubte nur kurze &Uuml;bertragungen von 10-20 Minuten Dauer. Trotzdem erlaubte Telestar die erste Transatlantik TV &Uuml;bertragung, den damals konnten die Unterseekabel nur eine begrenzte Anzahl von Telefonkan&auml;len &uuml;bertragen, aber nicht einen ganzen Fernsehkanal.<\/p>\n<p>Schon ein Jahr sp&auml;ter gab es die ersten Versuche den geostation&auml;ren Orbit. Der erste Syncom Satellit erreichte keinen Orbit, der zweite gelangte in einen 33 Grad geneigten Orbit, wodurch er am Himmel eine langsame &quot;8&quot; beschrieb. Doch selbst diese kleinen Satelliten (Die Nutzlast war im geostation&auml;ren Orbit 4 mal kleiner als in Telstars Orbit) revolutionierten das Fernmeldewesen. Syncom hatte 240 Telefonkan&auml;le oder alternativ einen Fernsehkanal. Das war erheblich mehr als zur selben Zeit in Form von Unterwasserkabeln verlegt war.<\/p>\n<p>So kam es recht bald zur Gr&uuml;ndung von Intelsat als internationale Organisation mit starker US Beteiligung. Sie sollte Satelliten starten und Verdienste durch die Vermietung von Kan&auml;len einfahren. Neben der Verbilligung von Telefongespr&auml;chen gab es erstmals die M&ouml;glichkeit der Life &Uuml;bertragung. Dies revolutionierte in vielen Bereichen den Alltag. Ohne Life &Uuml;bertragung vom Vietnamkrieg w&auml;ren die Proteste sicher geringer gewesen. Signale die &uuml;ber Satelliten gesendet wurden stellten Diktaturen und ihre Untaten blo&szlig;. Nicht umsonst versucht China daher jegliche Berichterstattung aus Tibet zu unterbinden. Erstaunlicherweise war der erste Einsatz von Life Berichterstattung gar nicht so gew&uuml;nscht. Syncom 3 sollte 1964 die Daten der olympischen Sommerspiele von Tokio in die USA &uuml;bertragen. NBC, welche die &Uuml;bertragungsrechte hatte, wollte dies aber gar nicht. Sie hatten einen Vertrag mit einem Sponsor abgeschlossen und lie&szlig;en Magnetbandkassetten einfliegen. Auf Druck der NASA erkl&auml;rten sie sich bereit pro Tag eine halbe Stunde life zu &uuml;bertragen &#8211; um 4 Uhr morgens&#8230;.<\/p>\n<p>Die 70 er Jahre sahen dann die ersten regionalen Systeme. Comsat in den USA, gefolgt von Anik in Kanada. Diese waren kein Problem. Solange der Betreiber eine US Firma war oder der Satellit keine Konkurrenz zu INTELSAT war. Anik deckte nur den schwach bev&ouml;lkerten Norden von Kanada ab und hatte keinerlei Ambitionen Telefongespr&auml;che zwischen Kanada und anderen L&auml;ndern zu &uuml;bertragen. Doch Europa war ein anderer Fall. Hier wollte die NASA keine Satelliten starten, die kommerziell genutzt wurden. Dies f&uuml;hrte letztendlich zur Entwicklung der Ariane.<\/p>\n<p>Heute haben Satelliten an Bedeutung verloren wenn es darum geht Daten und Telefongespr&auml;che zu &uuml;bertragen. Das erledigen heute billiger Unterseekabel. Ihre St&auml;rke liegt immer noch darin d&uuml;nn besiedelte Gebiete zu versorgen oder Fernsehprogramme zu broadcasten.<\/p>\n<p>Doch es gab auch einige Pleiten. In den 90 ern und dem aufkommenden Handyboom meinten zwei Konsortien, dass sich viele Kunden finden, die gerne weltweit mit Handys telefonieren w&uuml;rden. Jenseits von L&auml;ndern in denen es eine gute Infrastruktur gibt. Doch zum einen &uuml;bersch&auml;tzte man die Anzahl der m&ouml;glichen Kunden und zum andern gab es als das System stand Handys die in mehreren B&auml;ndern arbeiteten, damit kam man in mehr L&auml;ndern in ein Netz. Damit man mit einem Handy &uuml;ber einen Satelliten telefonieren kann, muss er nahe der Erde sein. Daher brauchten Globalstar und Iridium sehr viele Satelliten und es wurde ein kostspieliges System &#8211; zu kostspielig f&uuml;r die Kunden.<\/p>\n<p>die bislang letzte Anwendung der Raumfahrt im Alltag ist das GPS System. Entwickelt seit Ende der 70 er Jahre erlaubt es durch den vergleich von Zeitsignalen mehrerer Satelliten den Ort auf der Erde mit hoher Genauigkeit zu bestimmen. Inzwischen sind Navigationsger&auml;te die GPS nutzen f&uuml;r jeden erschwinglich geworden und das milit&auml;risch genutzte System strahlt nun seine Signale nicht mehr k&uuml;nstlich verschlechtert f&uuml;r zivile Nutzer aus. Europa meint, das ein eigenes System mit noch h&ouml;herer Ortungsgenauigkeit sich selbst finanzieren k&ouml;nnte. Die Zukunft wird zeigen ob dem der Fall ist. <\/p>\n<p>Kommen wir zur&uuml;ck zu Heppenheimers Res&uuml;mee: Das unbemannte Raumfahrt unspektakul&auml;r ist, aber unser leben ver&auml;ndert hat. Das hat sie sicher. Ohne unbemannte Raumfahrt g&auml;be es kein Google Earth, kein Satellitenfernsehen, keine Navigationsger&auml;te. Keine pr&auml;zise Wettervorhersage und wahrscheinlich w&uuml;rde man sich immer noch streiten ob es einen Treibhauseffekt gibt. aber sie ist nicht unbedingt weniger spektakul&auml;r. Sicherlich nimmt die &Ouml;ffentlichkeit von den meisten unbemannten Projekten keine Notiz, doch zumindest Raumsonden schaffen es ab und an in die Prime Time. Wenn ich nur mal zusammenz&auml;hle wie oft ich eine Nachricht von Mars Express und seinen Entdeckungen im Fernsehen gesehen habe und das mit der typischen Berichtung f&uuml;r einen Flug zur ISS vergleiche und dann die kosten abw&auml;ge, dann schneidet Mars Express gar nicht so schlecht ab. Es gilt das gleiche wie in anderen Bereichen: Rede dar&uuml;ber oder Klappern geh&ouml;rt zum Handwerk. Die NASA ist ein Meister darin recht teure bemannte Missionen optimal &ouml;ffentlichkeitswirksam zu pr&auml;sentieren und das gleich sollte man nur bei den vielen unbemannten Projekten auch tun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kommen wir nun zum zweiten und letzten Teil &uuml;ber den Nutzen der Raumfahrt im Alltag. Was jedem wohl sofort einf&auml;llt sind Kommunikationssatelliten. Und in der Tat waren Kommunikationssatelliten die ersten privat finanzierten Satelliten. Alles begann schon 1958 mit dem Experiment SCORE &#8211; Ein Testflug einer Atlas C w&uuml;rde diese ohne Sprengkopf in einen Orbit bringen. 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