{"id":14075,"date":"2019-07-07T10:10:03","date_gmt":"2019-07-07T08:10:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=14075"},"modified":"2019-07-07T10:10:03","modified_gmt":"2019-07-07T08:10:03","slug":"die-sache-mit-der-optischen-datenuebertragung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2019\/07\/07\/die-sache-mit-der-optischen-datenuebertragung\/","title":{"rendered":"Die Sache mit der optischen Daten&uuml;bertragung"},"content":{"rendered":"<p>Ebenso lange, wie Ionentriebwerke als Antrieb postuliert werden, denkt man &uuml;ber optische Daten&uuml;bertragung nach und in den letzten Jahren gab es da auch vermehrt Ans&auml;tze. Allerdings beschr&auml;nkt auf den Erdorbit. Was mich viel mehr interessiert, ist nat&uuml;rlich, wie es bei der interplanetaren Kommunikation aussieht, denn nat&uuml;rlich ist die Datenrate bei Raumsonden ein wichtiger Parameter.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/d3665461110a4ff0ade292b1e7710931\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><br \/>\nFangen wir mit den Grundlagen an. F&uuml;r die Praxis gibt es vier wichtige Gr&ouml;&szlig;en eines Kommunikationssystems:<!--more--><\/p>\n<ul>\n<li>Was wiegt es \u2013 die Masse muss schlie&szlig;lich transportiert werden und sie begrenzt oft die Gr&ouml;&szlig;e einer Kommunikationseinrichtung (bei ganz gro&szlig;en Antennen aber auch deren Volumen).<\/li>\n<li>Was braucht es an Strom \u2013 damit ist nicht nur die Sendeleistung gemeint, sondern die Gesamtleistung. Ein effizientes System hat einen hohen Wirkungsgrad, setzt also viel von der aufgenommenen Leistung in Sendeleistung um.<\/li>\n<li>Welche Daten&uuml;bertragungsrate ist m&ouml;glich?<\/li>\n<li>Welche Bandbreite steht zur Verf&uuml;gung?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Fangen wir mit dem Letzten an, denn hier ist der Vorteil offensichtlich. Schon abfang der Achtziger Jahre sprach Jesco von Putkammer in seinem Buch \u201e<a href=\"https:\/\/amzn.to\/2JyJqUW\">Der erste Tag der neuen Welt<\/a>\u201c von der Problematik, das es gar nicht genug Bandbreite bei geostation&auml;ren Satelliten gibt. Das liegt an zwei Punkten. Zum einen das Frequenzband. Damals nutzten die meisten Satelliten das C-Band zwischen 4 und 6 GHz. Das sind 2 GHz Bandbreite, &uuml;blicherweise aufgeteilt in Transponder von 30 MHz Bandbreite. Damals wurde analog &uuml;bertragen und ein Transponder konnte 1000 Telefongespr&auml;che &uuml;bertragen oder einen Fernsehkanal. Das waren pro Transponder Datenmengen unter 10 Megabit\/s.<\/p>\n<p>Heute wird digital &uuml;bertragen, wodurch die Datenmenge pro Transponder viel gr&ouml;&szlig;er ist, dazu kommt die Komprimierung der Daten. Doch das ist nur eine bessere Ausnutzung der Technologie. F&uuml;r eine bestimmte zur Verf&uuml;gung stehende Bandbreite gibt es nur eine maximale Daten&uuml;bertragungsrate. Bei WLAN erreicht man im Standard 802.11ac pro MHz Kanalbandbreite maximal 5 MBit mit einer Antenne.<\/p>\n<p>Seit Jesco von Puttkamer eine Krise prognostizierte, weil immer mehr L&auml;nder einen geostation&auml;ren Satelliten haben wollten, vorher gab es kaum regionale Systeme, hat sich viel getan und die Krise ist weitestgehend ausgeblieben. Zuerst wurde das Ku-Band von 12 bis 14 GHz zus&auml;tzlich genutzt, inzwischen ist auch ein weiteres Frequenzband im h&ouml;heren Ka-Band zwischen 27 und 32 GHz freigegeben worden. Die Satelliten kommen sich vor allem aber deswegen nicht mehr ins Gehege als damals, weil die Zeit, in der Satelliten die ganze Kontinente abdeckten vorbei ist. Wenn ein Antennenspot nur Deutschland abdecken soll, kann das Frequenzband mehrfach verwendet werden, wenn eine andere Antenne oder ein anderer Satellit auf Frankreich oder Polen ausgerichtet ist. Mit immer gr&ouml;&szlig;eren Sendeantennen auf den Satelliten wurden die Spots immer kleiner. Das Problem ist heute vielmehr, das auch die neuen Satellitenkonstellationen dieselben Frequenzb&auml;nder benutzen wollen.<\/p>\n<p>Es gibt aber nicht unendlich viele neue Frequenzb&auml;nder. Schon der &Uuml;bergang auf das h&ouml;herfrequente Ka-Band erfolgt nur z&ouml;gerlich, weil je h&ouml;her die Frequenz ist, desto st&auml;rker wird die Strahlung durch die Atmosph&auml;re absorbiert. Bei 20 bis 30 GHz tut dies schon Wasserdampf. Wolken f&uuml;hren damit zum Kommunikationsabbruch. Bei Tests der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/kommunikation-alternativen.shtml\">Kommunikation mit Raumsonden<\/a> war das Band nur zu 80 % verf&uuml;gbar. Beim bisher genutzten X-Band waren es &uuml;ber 97 %. Das kann man begrenzt durch st&auml;rkere Sendeleistung kompensieren. Doch das hat dann wieder Auswirkungen auf die anderen Parameter Gewicht und Stromverbrauch.<\/p>\n<p>Ein weiterer Vorteil h&ouml;herfrequenter Radiob&auml;nder ist, dass eine Antenne einer bestimmten Gr&ouml;&szlig;e einen von der Frequenz abh&auml;ngigen &Ouml;ffnungswinkel hat. Verdoppelt man die benutzte Frequenz, so ist der Winkel halb so gro&szlig; und die abgedeckte Fl&auml;che geht auf ein Viertel zur&uuml;ck. Beim Empf&auml;nger kommen also viermal so viele Photonen an. Solange man die Sende- und Empfangsantennen gen&uuml;gend genau ausrichten kann, das wird nat&uuml;rlich immer aufwendiger, kann man diesen Vorteil voll nutzen.<\/p>\n<p>Kommen wir nun zur optischen Daten&uuml;bertragung. Die erfolgt normalerweise &uuml;ber ND:YAG Laser im nahen Infrarot bei 1550 nm Wellenl&auml;nge. Das entspricht einer Frequenz von grob 2 x 10<sup>14<\/sup> Hz. Also um den Faktor 60.000 h&ouml;her als beim h&ouml;chsten bisher genutzten Frequenzband im Radiobereich von 30 GHz. Das hei&szlig;t Bandbreite hat man mehr als genug, auch wenn die Lichtquelle ein Laser ist, also eine feste Frequenz hat, die ist aber leicht variierbar durch den piezoelektrischen Effekt. Ein Laser ist auch anders als ein Radiostrahl von sich aus geb&uuml;ndelt. Er weitet sich aber trotzdem auf, bei den Laserstrahlen, die man heute routinem&auml;&szlig;ig zu den <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/Mondverschwoerung-Laserreflektor.shtml\">Laserreflektoren<\/a> von ALSEP-Stationen und <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/luna.shtml\">Lunochods<\/a> sendet, sind es einige Kilometer. Die Ursache ist vielf&auml;ltig. Zum, einen streut die Atmosph&auml;re. Zum anderen ist der Strahl nicht ganz parallel. Sender und Empf&auml;nger sind daher mit Teleskopen gekoppelt.<\/p>\n<p>Die Teleskope egalisieren einen Vorteil wieder: sie sind schwer und teuer. Das gilt sowohl f&uuml;r das Bodensegment wie auch Weltraumsegment. Eine Empfangsstation der ESA hat 35 m Durchmesser und kostet rund 30 Millionen Euro. F&uuml;rs gleiche Geld w&uuml;rde man nur ein 4 m gro&szlig;es Teleskop als Empf&auml;nger bekommen. Daneben sind gro&szlig;e Radioantennen viel leichter als Teleskope mit ihren Spiegeln aus Glas. Es reicht ein einfaches Rippenger&uuml;st, das man mit einer d&uuml;nnen Folie &uuml;berzieht. Bei nicht zu hohen Frequenzen kann man auch <a href=\"https:\/\/www.harris.com\/solution\/unfurlable-mesh-reflector-antennas\">entfaltbare Antennen<\/a> (Gr&ouml;&szlig;e im Einsatz: bis 14 m) nehmen die nur ein Drahtnetz nutzen \u2013 Das Netz muss so fein sein, das die L&uuml;cken kleiner sind als die Breite einer Wellenl&auml;nge, bei 10 GHz also 3 cm und die Genauigkeit, mit der die Oberfl&auml;che einem Parabol folgt \u2013 bei entfaltbaren Antennen durch Spannung und streben gew&auml;hrleistet muss kleiner als <sup>1<\/sup>\/<sub>5<\/sub> der Wellenl&auml;nge sein, das sind hier 6 mm. Bei einem optischen Teleskop liegen wir dagegen im Bereich von 200 nm.<\/p>\n<p>Der Hauptvorteil von Radioantennen ist aber die Effizienz. Sowohl von dem Strom, den man einsetzen muss und der nutzbaren ausgesandten Leistung wie auch der Effizienz, mit der pro Fl&auml;che eingestrahlte Photonen detektiert werden. Hier mal ein Vergleich der Kommunikationssysteme von <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/LADEE.shtml\">LADEE<\/a> und LRO Beides sind Mondorbiter.<\/p>\n<table width=\"643\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"2\">\n<colgroup>\n<col width=\"156\" \/>\n<col width=\"277\" \/>\n<col width=\"197\" \/> <\/colgroup>\n<tbody>\n<tr>\n<th width=\"156\">Parameter<\/th>\n<th width=\"277\">LRO<\/th>\n<th width=\"197\">LADEE<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"156\">Sendefrequenz<\/td>\n<td width=\"277\">25,6 GHz (Ka Band)<\/td>\n<td width=\"197\">193.500 GHz, 1.550 \u00b5m Wellenl&auml;nge<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"156\">Datenrate<\/td>\n<td width=\"277\">228,7 Mbit\/s Downlink<\/td>\n<td width=\"197\">622 MBit Downlink, 20 MBit Uplink<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"156\">Sendeleistung<\/td>\n<td width=\"277\">41,9 Watt Sendeleitung 119 Watt Stromverbrauch (mit S-Band Sendern)<\/td>\n<td width=\"197\">0,5 Watt (aber 136,5 Watt Energieverbrauch)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"156\">Durchmesser Sendeantenne<\/td>\n<td width=\"277\">1,00 m<\/td>\n<td width=\"197\">0,10 m<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"156\">Durchmesser Empfangsantenne<\/td>\n<td width=\"277\">18,3 m<\/td>\n<td width=\"197\">4 x 0.4318 m<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"156\">Gesamte Bandbreite:<\/td>\n<td width=\"277\">5 GHz<\/td>\n<td width=\"197\">3,9 THz<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"156\">typische Bandbreite pro Sender<\/td>\n<td width=\"277\">25 &#8211; 400 MHz<\/td>\n<td width=\"197\">50 GHz<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"156\">Gewicht:<\/td>\n<td width=\"277\">56,7 kg (S-Band und Ka-Band zusammen)<\/td>\n<td width=\"197\">29,5 kg<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Betrachtet man nur die Parameter Antennengr&ouml;&szlig;e beim Sender \/ Empf&auml;nger und die Datenrate, so sieht der Vergleich f&uuml;r das optische System sehr gut aus. Die Sendeantenne ist f&uuml;r das Radiosystem 10-mal gr&ouml;&szlig;er, die Empfangsantenne ebenso. Beim Gewicht sieht es anders als. Das System wiegt nur knapp doppelt so viel, wobei die Bilanz in der Realit&auml;t noch besser ist, weil hier auch das S-Band Subsystem in der Bilanz enthalten ist. Ganz besonders auff&auml;llig ist die Bilanz beim Strom. Ein Radiokommunikationssystem kann biss zu 40 % der Leistung als Sendeleistung absetzen, beim Laser ist das weniger als 0,5 %. Das ist vor allem bei Raumsonden ein Problem, denn f&uuml;r 10 Watt Sendeleistung reden wir dann schon &uuml;ber Kilowatt Eingangsleistung und die muss las Abw&auml;rme auch abgef&uuml;hrt werden.<\/p>\n<p>In der Summe sieht es aber positiv aus: 30 kg Gewicht hier, 7 kg da, trotzdem die dreifache Datenrate. Aber das ist im Radiobereich auch nicht das Ende der Fahnenstange. Der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/lro.shtml\">LRO<\/a> sendet als erste Raumsonde zwar dauerhaft im Ka-Band, w&auml;hrend andere Raumsonden es nur sporadisch nutzen, aber er tut das nur, weil die Sendeleistung extrem hoch ist. Skaliert man das Sendesystem der MRO auf dieselbe Distanz und die 34 m Antennen des DSN mit hochempfindlichen Empf&auml;ngern, so sieht der Vergleich so aus:<\/p>\n<table width=\"643\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"2\">\n<colgroup>\n<col width=\"156\" \/>\n<col width=\"277\" \/>\n<col width=\"197\" \/> <\/colgroup>\n<tbody>\n<tr>\n<th width=\"156\">Parameter<\/th>\n<th width=\"277\">MRO<\/th>\n<th width=\"197\">LADEE<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"156\">Sendefrequenz<\/td>\n<td width=\"277\">32,2 GHz (Ka Band)<\/td>\n<td width=\"197\">193.500 GHz, 1.550 \u00b5m Wellenl&auml;nge<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"156\">Datenrate<\/td>\n<td width=\"277\">331 kbit @ 400 Mill km<\/td>\n<td width=\"197\">622 MBit @ 0,4 Mill km<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"156\">Datenrate in 400.000 km Distanz<\/td>\n<td width=\"277\">326 Gbit<\/td>\n<td width=\"197\">622 MBit<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"156\">Sendeleistung<\/td>\n<td width=\"277\">34 Watt Sendeleitung 85 Watt Stromverbrauch<\/td>\n<td width=\"197\">0,5 Watt (aber 136,5 Watt Energieverbrauch)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"156\">Durchmesser Sendeantenne<\/td>\n<td width=\"277\">3,00 m<\/td>\n<td width=\"197\">0,10 m<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"156\">Durchmesser Empfangsantenne<\/td>\n<td width=\"277\">34 m<\/td>\n<td width=\"197\">4 x 0.4318 m<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"156\">Gewicht:<\/td>\n<td width=\"277\">90 kg<\/td>\n<td width=\"197\">29,5 kg<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Das LADEE-System hat also einen h&ouml;heren Stromverbrauch, wiegt zwar dreimal weniger, hat aber auf dieselbe Distanz eine 2000-mal geringere Datenrate. In 400 Millionen km Distanz, der maximalen Distanz zum <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/mro.shtml\">MRO<\/a> w&uuml;rde sie auf 622 Bit\/s zur&uuml;ckgehen.<\/p>\n<p>Die Begrenzungen betreffen vor allem das Bodensegment. Hier sind schon die Empfangsstationen hochempfindlich, man kann bei Radioantennen sie sogar koppeln, was im Optischen noch nicht klappt. Man m&uuml;sste also zuerst mal viel Geld in neue optische Systeme investieren. Diese m&uuml;ssten aber nicht so perfekt sein, wie astronomische Teleskope. Man kann damit leben, dass im Brennpunkt die Signale zusammenkommen, sie m&uuml;ssen aber nicht auch noch r&auml;umlich exakt auf einer Ebene liegen, weil kein Bild gewonnen wird. Das hei&szlig;t, einfache parabolische Spiegel reichen aus. Ebenso muss die Nachf&uuml;hrung nicht auf Millibogensekunden genau sein. Das alles d&uuml;rfte die Kosten f&uuml;r ein solches Teleskop drastisch reduzieren, man sch&auml;tzt auf die H&auml;lfte eines optischen Teleskops f&uuml;r die Astronomie. Trotzdem reden wir immer noch von Teleskopen von 4 bis 10 m Gr&ouml;&szlig;e und damit Kosten bis zu 70 Millionen Euro pro St&uuml;ck.<\/p>\n<p>Nachteilig ist auch der gr&ouml;&szlig;ere Einfluss des Wetters. Das st&ouml;rt schon den Funkverkehr im Ka-Band, obwohl alle Bodenstationen in W&uuml;stengebieten mit wenig Wasserdampf in der Atmosph&auml;re und wenigen Wolken sind. Bei Wolken d&uuml;rfte die Verbindung zu optischen Systemen ganz wegfallen, nicht nur abfallen. Die Sonne ist dagegen weniger ein Problem. Bis maximal 3 Grad konnte man sich bei Experimenten der Sonne n&auml;hern, das ist nicht viel schlechter als bei Raumsonden die, wenn sie von der Erde, aus gesehen hinter der Sonne sind, auch von deren Radiostrahlung gest&ouml;rt werden. Das ist zumindest f&uuml;r normale Kommunikationssatelliten ein K.O.-Kriterium: Niemand will auf Fernsehempfang, Telefongespr&auml;che oder Internet verzichten, wenn der Himmel bedeckt ist. F&uuml;r Raumsonden kein Problem, die k&ouml;nnen die Daten zwischenspeichern und das wird noch unproblematischer mit immer gr&ouml;&szlig;eren SSD. So setzt erstmals die Parker Solar Probe das Ka-Band als prim&auml;res Band ein, weil die Sonde sowieso alle Daten rund um die Sonnenpassage zwischenspeichern muss. Da ist keine Kommunikation m&ouml;glich und das Ka-Band hat gegen&uuml;ber dem X-Band auch schon ein Verf&uuml;gbarkeitsproblem.<\/p>\n<p>Daher konzentrieren sich die Bem&uuml;hungen auf die Innerorbit-Kommunikation, z.B. von der ISS zu einem geostation&auml;ren Satelliten oder einem Erdbeobachtungssatelliten zu einem geostation&auml;ren Satelliten. Dort werden die Daten dann &uuml;ber Radiob&auml;nder zur Erde gesandt. Der Hauptvorteil ist eine h&ouml;here Verf&uuml;gbarkeit, f&uuml;r die man sonst viele Bodenstationen br&auml;uchte. Daneben kann man hier auch wirklich die hohen Datenraten ausnutzen \u2013 bis zu 10 GBit\/s werden f&uuml;r die ISS geplant. Der geostation&auml;re Satellit hat dann zwar das Problem, diese Daten wieder zur Erde zu senden, doch er ist auch viel gr&ouml;&szlig;er. Wenn er optische Daten&uuml;bertragung nutzt, kann er, zumindest wenn es auf dem Globus mehrere Empfangsstationen gibt, die w&auml;hlen, die gerade sch&ouml;nes Wetter hat.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Die Zukunft<\/h3>\n<p>In der Summe ist bei Raumsonden bis heute die Radiotechnik noch &uuml;berlegen. Aber sie ist auch nicht mehr weiter steigerbar. Seit Jahrzehnten liegt der Rekord f&uuml;r frei schwenkbare Radioempfangsantennen bei 100 m Durchmesser. Die gr&ouml;&szlig;ten Empfangsantennen haben 64 bis 70 m Durchmesser. Auch im Frequenzband kann man nicht h&ouml;her gehen, weil die Absorption immer gr&ouml;&szlig;er wird. 40 bis 70 GHz werden nur f&uuml;r Intersatellitenkommunikation genutzt. Es w&uuml;rde auch nichts n&uuml;tzen, wenn man die Empfangsantennen ins Weltall schickt. Hier hat man das Problem, das es zwar leichtgewichtige Mesh-Antennen gibt wegen der Entfaltung, die aber nur f&uuml;r niedrige Frequenzen nutzbar sind. Damit w&auml;ren auch Antennen im Weltraum auf die Gr&ouml;&szlig;e der Nutzlastverkleidung d.h . kleiner als 10 m bei der SLS, oder kleiner als 5-7 m bei aktuellen Tr&auml;gern beschr&auml;nkt.<\/p>\n<p>Demgegen&uuml;ber w&auml;ren gr&ouml;&szlig;ere Teleskope in einer Gr&ouml;&szlig;enordnung, die kompatibel mit heutigen Tr&auml;gern sind, durch Siliziumkarbidbauweise leicht: <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/herschel-planck.shtml\">Herschels<\/a> Hauptspiegel wiegt 415 kg und hat 3,5 m Durchmesser ist also gr&ouml;&szlig;er als der dies 11,4 t schweren <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/hst.shtml\">Hubble-Teleskops<\/a> (Herschel wiegt 3,4 t). F&uuml;r den Mars Communication Orbiter hat man die Daten eines solchen Laserterminals f&uuml;r interplanetare Kommunikation errechnet:<\/p>\n<ul>\n<li>Teleskopdurchmesser Marssonde: 30 cm (dreimal gr&ouml;&szlig;er als bei LADEE)<\/li>\n<li>Sendeleistung 5 Watt Laser bei 1,06 \u00b5m Wellenl&auml;nge (zehnmal gr&ouml;&szlig;er als bei LADEE)<\/li>\n<li>Datenrate: 1 MBit in 2,4 AE Entfernung, 80 MBit in 0,67 AE Entfernung (488.000 x gr&ouml;&szlig;er als bei LADEE)<\/li>\n<li>Empf&auml;nger: 5 m Hale Teleskop (12 x gr&ouml;&szlig;er als bei LADEE)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Gemessen an den Parametern ist das System rund 37-mal effizienter als das System von LADEE. Auf der anderen Seite: Der MRO kommt mit konventioneller Technik, die man sowieso f&uuml;r den R&uuml;ckkanal (Kommandos, Softwareupdates m&uuml;ssen unabh&auml;ngig vom Wetter &uuml;berspielt werden k&ouml;nnen und zudem ist nur mit Radioantennen auch eine Kommunikation wenn auch mit niedriger Datenrate m&ouml;glich, wenn man Rundstrahlantennen nutzt) ben&ouml;tigt auf <sup>1<\/sup>\/<sub>3<\/sub> dieser Datenrate ohne weitere Investitionen ins Bodensegment t&auml;tigen muss.<\/p>\n<p>Ich sehe daher die Zukunft in der Kommunikation im All zwischen Satelliten untereinander oder Raumsonden zu Satelliten. Ein Teleskop mit 4 m Durchmesser, etwas kleiner als das 5-m-Teleskop von Hale w&uuml;rde rund 600 kg wiegen, ein Satellit das es einsetzt rund 2000 kg. Damit w&auml;re eine Datenrate dreimal h&ouml;her als derzeit beim MRO m&ouml;glich oder wenn man es auf <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/new-horizons2.shtml\">New Horizons<\/a> einsetzen w&uuml;rde, die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/new-horizons4.shtml\">derzeit 6,5 Mrd km<\/a> von uns entfernt ist, eine Datenrate von 3 kbit\/s erlaubt. New Horizons sendet mit einer 2-m-Antenne und 10 Watt zu 70 m Empfangsantennen mit 1 kbit\/s. Dabei ist nicht ber&uuml;cksichtigt, dass beim obigen Marsterminal der Empf&auml;nger auf der Erde ist \u2013 im Weltall w&auml;re sicher die Datenrate nochmals h&ouml;her.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ebenso lange, wie Ionentriebwerke als Antrieb postuliert werden, denkt man &uuml;ber optische Daten&uuml;bertragung nach und in den letzten Jahren gab es da auch vermehrt Ans&auml;tze. Allerdings beschr&auml;nkt auf den Erdorbit. 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Januar 2026","format":false,"excerpt":"Bei meinem regelm\u00e4\u00dfigen Besuch des Space Reviews stie\u00df ich auf diesen Artikel: SpaceX, orbital data centers, and the journey to Mars. Ich hatte in meiner Nachlese schon erw\u00e4hnt das Elon Musk, nachdem er dies lange verschoben hat nun plant SpaceX an die B\u00f6rse zu bringen. Ich meinte aber, das l\u00e4ge\u2026","rel":"","context":"In &quot;SpaceX&quot;","block_context":{"text":"SpaceX","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/spacex\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/0ee72da693054bc3b5c3f00214a7e2b3","width":350,"height":200},"classes":[]}],"jetpack_sharing_enabled":true,"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14075","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/169"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14075"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14075\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14075"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14075"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14075"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}