{"id":14202,"date":"2019-08-05T09:53:32","date_gmt":"2019-08-05T07:53:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=14202"},"modified":"2019-08-05T09:56:15","modified_gmt":"2019-08-05T07:56:15","slug":"die-saturn-und-n-1-unterschiede-in-der-sicherheitsphilosophie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2019\/08\/05\/die-saturn-und-n-1-unterschiede-in-der-sicherheitsphilosophie\/","title":{"rendered":"Die Saturn und N-1 \u2013 Unterschiede in der Sicherheitsphilosophie"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe mal eine Anzeige gesehen, in der man einen Metallkugelschreiber und einen abgekauten, kurzen Bleistift sah. Darunter stand sinngem&auml;&szlig;, dass die NASA Unsummen f&uuml;r einen Kugelschreiber ausgab, der auch in der Schwerelosigkeit schreiben konnte und Russland das Problem mit einem Bleistift l&ouml;ste.<\/p>\n<p>Ich treffe immer wieder auf die Meinung. Die russische Technik sei zwar veraltet, schwer, aber solide und unverw&uuml;stlich. Es sei eben eine andere Herangehensweise an die Probleme, die der Weltraum an die Technik stellt. Daf&uuml;r w&uuml;rde auch die Benutzung des Bleistifts stehen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/f544f82729c24c509b0ffd9b4abb1f1f\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><!--more--><\/p>\n<p>Ich will diese unterschiedlichen Herangehensweisen an der N-1 demonstrieren, aber auch einige andere Dinge erw&auml;hnen und nicht zuletzt sagen, warum ich die russische L&ouml;sung in vielen F&auml;llen f&uuml;r keine L&ouml;sung halte.<\/p>\n<p>Fangen wir mal mit dem obigen Vergleich an. Das Problem ist, das er einem eine Schlussfolgerung aufdr&auml;ngt, aber man nicht die Fragestellung wei&szlig;. Die NASA wollte einen Kugelschreiber, damit die Astronauten schreiben konnten und es musste ein Kugelschreiber sein, weil normales Papier im Weltraum einige Nachteile hat. Es ist zu d&uuml;nn, nimmt Feuchtigkeit auf und f&auml;ngt an sich zu wellen. Die Handb&uuml;cher bestanden aus beschichtetem Papier. Das kann man aber nicht mit Bleistiften beschriften. Mal davon abgesehen, dass man die auch nachspitzen muss. Dann hat man ein neues Problem, das man l&ouml;sen muss.<\/p>\n<p>Russland hat eigentlich nicht das Problem gel&ouml;st, es hat es umgangen, indem es eben doch Papier oder besser Karton genommen hat, der ist dick genug, dass er nicht wellt. Und das ist die Art wie Russland in den Sechzigern und Siebzigern (wie es heute ist wei&szlig; man leider mangels aktueller Projekte nicht) Probleme \u201el&ouml;ste\u201c. Man <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2017\/10\/28\/robust-ist-nicht-immer-besser\/\">umging sie<\/a>. Raumsonden und Satelliten \u2013 beginnend von Sputnik 1, enthielt die elektronische Ausr&uuml;stung in einem druckdichten Kompartiment, gef&uuml;llt mit Stickstoff, den ein Ventilator umw&auml;lzte. Man setzte sich mit dem Problem des Vakuums also nicht auseinander, entwickelte keine Kunststoffe, die die Temperaturen standhielten und nicht ausgasten oder eine Temperaturregulation, die auch im Vakuum und in der Schwerelosigkeit funktionierten, sondern man schuf erd&auml;hnliche Bedingungen. Das verschaffte vor allem einen Zeitvorteil. Die USA brauchten Jahre und etliche Fehlversuche, bis sie ein Kamerasystem hatten, das im Vakuum einen Film belichten und entwickeln konnte. Russland nutzt bei <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/luna.shtml\">Luna 3<\/a> einen Prozess der zwar unter Schwerelosigkeit arbeitet aber nicht im Vakuum, damit konnte die Sonde schon 1959 erste Aufnahmen der Mondr&uuml;ckseite machen \u2013 wenn auch in bescheidener Qualit&auml;t.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite: die meisten dieser so konzipieren Sonden fielen trotzdem aus, einige sogar deswegen weil diese Abteilung Gas verlor und dann &uuml;berhitzte. US-Sonden waren in der Summe zuverl&auml;ssiger, weil man die weltraumtaugliche Hardware nat&uuml;rlich extensiv unter Weltraumbedingungen testen musste. Das konnten sich die Russen sparen.<\/p>\n<p>Kommen wir zu den Tr&auml;gerraketen. Da sehen wir schon bei der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/semjorka.shtml\">R-7<\/a> einen Unterschied. Zum einen nat&uuml;rlich die vielen Brennkammern. Aber das reichte nicht. Alle Triebwerke waren starr eingebaut. Ein kardanisch aufgeh&auml;ngtes Triebwerk ist deutlich aufwendiger. Man muss Aktoren bauen, um es zu schwenken. Damals meist pneumatisch, wobei die Pneumatik von einer Hydraulik getrieben wurde, die als Antrieb die Treibstoffe selbst nutzte die nach Passage der Turbopumpe hohen Druck hatten. Kardanisch aufgeh&auml;ngte Triebwerke haben dann noch das Problem, das die Turbopumpen schnell bewegliche Rotoren haben. Sie wirken wie ein Kreisel, und wenn die Turbopumpe mit dem Triebwerk gedreht wird, induziert das ein unerw&uuml;nschtes Drehmoment. Alles Probleme, die man l&ouml;sen muss. Russland umging es, indem zu den 20 Hauptbrennkammern in Block A-D noch 12 Steuertriebwerke mit kleinem Schub kamen, die drehbar waren, aber ohne Turbopumpen, rein druckgef&ouml;rdert. Daran hat sich bis heute nichts ge&auml;ndert. Als die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/sojus-varianten.shtml\">Sojus 2.1v<\/a> das NK-33 Triebwerk bekam wurde dieses wieder starr eingebaut. Nun musste man ein zus&auml;tzliches Triebwerk einbauen, das die Drehungen durchf&uuml;hrt. Man entschied sich f&uuml;r das RD-0110, das in der dritten Stufe der Sojus eingesetzt wurde. Eine L&ouml;sung, aber man hat zwei Triebwerke, obwohl man nur eines br&auml;uchte und damit ein h&ouml;heres Risiko.<\/p>\n<p><a name=\"__DdeLink__365_2116315956\"><\/a> Als Russland im Laufe der Sechziger dann im Schub reduzierbare Triebwerke entwickelt nutzte man deren F&auml;higkeit f&uuml;r Richtungs&auml;nderungen baute sie aber immer noch fest ein. So umgesetzt bei der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/proton.shtml\">Proton<\/a>. Das n&auml;chste Problem, das es zu l&ouml;sen galt, war die Z&uuml;ndung einer Stufe in der Schwerelosigkeit. Dann hat man n&auml;mlich das Problem, das sich die Treibstoffe von der Wand l&ouml;sen und es kann vorkommen, dass der Fluss zu den Triebwerken abreist und sie sich abschalten. Das Problem trat erstmals auf als man Oberstufen einsetzte, die erste war Block E bei der Wostok\/Luna. Wie l&ouml;ste man es? Nun, wenn man nicht wei&szlig; wie man in der Schwerelosigkeit Stufen z&uuml;ndet, dann startet man sie gar nicht erst in der Schwerelosigkeit. Bei allen fr&uuml;hen russischen Raketen wurde die Oberstufe gez&uuml;ndet, kurz bevor die Unterstufe Brennschluss hat. Damit diese nicht explodiert ist die Oberstufe &uuml;ber einen Gitterrohradapter verbunden, durch den die Gase entweichen k&ouml;nnen. Das ist eine L&ouml;sung, wenngleich man so die Unterstufe nie ganz ausbrennen lassen kann und so Leistung verschenkt. Die USA setzten es bei der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/titan12.shtml\">Titan II<\/a> auch ein, doch das war eine ICBM, bei der die Brennzeit anders als bei einer Tr&auml;gerrakete minimal ist. Sie sollte nie einen Orbit erreichen. Problem gel&ouml;st? Nein umschifft. Denn wenn man das Problem l&ouml;st, dann kann man eine Stufe auch mehrfach z&uuml;nden und das ist n&ouml;tig f&uuml;r bestimmte Missionen. Die Kosmos B-1 hatte daher nur die F&auml;higkeit elliptische Umlaufbahnen zu erreichen. F&uuml;r eine h&ouml;here kreisf&ouml;rmige Umlaufbahn h&auml;tte man nach dem Ausbrennen der Ersten und Z&uuml;nden der zweiten Stufe eine Freiflugphase ben&ouml;tigt. Bei der Wostok nahm aufgrund der Tatsache und der dadurch n&ouml;tigen Aufstiegsbahn die Nutzlast f&uuml;r h&ouml;here Umlaufbahnen dramatisch ab und Raumsonden hatten da man keine Parkbahn und nach Vermessen dieser Korrekturen durchgeben konnte eine h&ouml;here Bahnungenauigkeit, die dazu f&uuml;hrte, dass Luna 1 den Mond verpasste.<\/p>\n<p>Langfristig ben&ouml;tigte man aber die F&auml;higkeit. F&uuml;r planetare Umlaufbahnen war sie unumg&auml;nglich, ebenso f&uuml;r h&ouml;here Kreisbahnen oder, wenn man das Apog&auml;um nicht genau 180 Grad vom Startort entfernt haben wollte.<\/p>\n<p>F&uuml;r die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/kosmos.shtml\">Kosmos<\/a> C kam man auf die erste L&ouml;sung. Die zweite Stufe hatte zwei Z&uuml;ndphasen. Dazwischen liefen die ganze Zeit kleine Triebwerke, die gen&uuml;gend Schub entwickelten, dass der Treibstoff am Tankboden blieb. Das verbraucht allerdings unn&ouml;tigen Treibstoff. F&uuml;r l&auml;ngere Freiflugphasen wie sie f&uuml;r die Molnija Satelliten und Raumsonden n&ouml;tig waren (typisch 10 bis 30 Minuten Freiflugphase) kam man bei der Molnija-Version auf die folgende Idee: Oberstufe und Satellit gelangen zusammen in den Orbit. Das Gespann darf also nie schwerer als die Nutzlast der dreistufigen Sojus sein. Am Zielpunkt angekommen z&uuml;ndet ein Feststoffantrieb, der die Treibstoffe sammelt und dann das Haupttriebwerk. Es war nur eine Z&uuml;ndung m&ouml;glich und das r&auml;chte sich. Denn das System, dass die Stufe bis dahin stabilisierte, damit sie bei der Z&uuml;ndung nicht falsch ausgerichtet ist, war eine Fehlkonstruktion und so schaltete die Stufe nach der Z&uuml;ndung bald wieder ab und die Nutzlast strandete in einem Erdorbit. Ein zweiter Versuch war nicht m&ouml;glich.<\/p>\n<p>Erst seit Einf&uuml;hrung der Fregat \/ Breeze M hat Russland wiederz&uuml;ndbare Oberstufen. Alle diese \u201eeinfachen\u201c L&ouml;sungen entpuppten sich so in der Praxis nicht als einfach, sondern fehleranf&auml;llig,<\/p>\n<p><a name=\"__DdeLink__449_2116315956\"><\/a> Nach diesem allgemeinen Teil nun zur N-1. Nat&uuml;rlich sind grunds&auml;tzliche Unterschiede zur Saturn V im Design zu erkennen, doch darum geht es nicht in diesem Beitrag. Es ging um die allgemeine Sicherheitsphilosophie. Die war bei Wernher von Braun: testen, testen, testen. Eine ausgereifte Rakete war ihm wichtiger als ein Zeitplan. Selbst im Krieg vergingen zwischen dem ersten erfolgreichen Testflug einer <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/a4.shtml\">A-4<\/a> und ihrem Einsatz zwei Jahre. Koroljow sah das lockerer. Soweit ich geh&ouml;rt habe, hat er sich nie besonders f&uuml;r die Sicherheitsaspekte interessiert. Es gab als inoffizielle Vorgabe, das es zwei reibungslose unbemannte Tests geben musste, bevor man bemann startet. Bei der N-1 h&auml;tte das bedeutet, dass wenn die n&auml;chsten beiden Tests gelungen w&auml;ren, man bemannt gestartet w&auml;re. Und das mit einer Rakete, die bei den vorherigen vier Fl&uuml;gen nicht mal zur Z&uuml;ndung der zweiten Stufe kam. Umgekehrt war der zweite Flug der Redstone im Mercuryprogramm <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/mercury-mr2.shtml\">MR-2<\/a> nicht reibungslos. Die Redstone, eine erprobte Rakete funktionierte, aber verbrauchte den Treibstoff zu schnell. Das l&ouml;ste das Sicherheitssystem aus, das einen vorzeitigen Brennschluss vermutete und es beschleunigte die Kapsel noch mehr, sodass sie weit vom Zielgebiet landete. Die einfachste L&ouml;sung w&auml;re es gewesen, den Zeitgeber f&uuml;r die Ausl&ouml;sung des Fluchtturms anzupassen (was man auch machte). Trotzdem wollte von Braun einen weiteren Testflug in dem er die Teile die diesen Schub&uuml;berschuss verursachten durch andere ausgetauscht hatte und bekam ihn auch \u2013 die anderen Verantwortlichen im Mercuryprogramm hielten ihn f&uuml;r &uuml;berfl&uuml;ssig stellten keine echte Kapsel und nannten in <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/mercury-mrbd.shtml\">MR-BD<\/a>. BD f&uuml;r Booster Development.<\/p>\n<p>Man sieht: beide Chefs hatten sehr unterschiedliche Vorstellungen von Sicherheit. Das merkt man auch bei den Philosophien der Rakete.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Triebwerke<\/h3>\n<p><a name=\"__DdeLink__482_2116315956\"><\/a> Der wohl sicherheitstechnisch kritischste Teil der Rakete sind die Triebwerke. Daher widmete von Braun ihnen auch gro&szlig;e Aufmerksamkeit. Das F-1 war moderner als das H-1, aber es verwandte dieselben Konstruktionsprinzipien wie fr&uuml;here US-Triebwerke. Das Hauptstromverfahren, das sicherlich zumindest theoretisch bekannt war, wurde nicht eingesetzt und die technischen Werte waren moderat. Von den technischen Werten waren schon die ersten <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/nk-33.shtml\">NK-Triebwerke<\/a> besser. Sei es spezifischer Impuls oder Schub\/Gewichtsverh&auml;ltnis. Aber sie wurden extensiv getestet. Es gab insgesamt 2.771 Z&uuml;ndungen, davon 1.110 &uuml;ber die volle Brenndauer mit einer Gesamtdauer von 239.124 s. Sechs Triebwerke wurden jeweils &uuml;ber 5.000 Sekunden lang betrieben. Zweimal wurden aus der normalen Produktion zwei Triebwerke herausgegriffen und auf ihre volle Lebensdauer von 2.250 s und zwanzig Z&uuml;ndungen getestet. Zusammen mit den Akzeptanztests hatten die Triebwerke nach dem letzten Flug 1.280.527 s Betriebsdauer in 3.248 Z&uuml;ndungen akkumuliert. Davon entfielen nur rund 10.000 s auf die 13 Fl&uuml;ge.<\/p>\n<p>Diese Bilanz konnten die NK-Triebwerke nicht aufweisen. Es waren hier 832 Tests mit 86.000 s. Die Zeitdauer und die Testzahl sind beeindruckend, wenn auch nicht so hoch wie beim F-1. Zum Vergleich, das Vulcain absolvierte 280 Tests mit 86000 Sekunden. Die Testzahl ist dabei der wichtigere Parameter, da das Vulcain mehr als f&uuml;nfmal l&auml;nger arbeiten muss, als ein NK. Nicht ignorieren kann man die Triebwerksanzahl. Das Vulcain braucht viel weniger Tests, weil es nur ein Triebwerk ist. Paradoxerweise: je mehr Triebwerke eine Rakete hat, desto zuverl&auml;ssiger muss eines sein, da ein Ausfall meist zu einem Missionsverlust f&uuml;hrt. Man w&uuml;rde also erwarten das bei 30 Triebwerken die NK-Triebwerke st&auml;rker getestet wurden als die F-1 und das ist nicht der Fall.<\/p>\n<p>Ein R&auml;tsel f&uuml;r mich ist die Qualit&auml;tskontrolle. Die ersten NK-Triebwerke waren ohne &Uuml;berholung nur einmal z&uuml;ndbar (das waren auch die F-1, doch man konnte sie ja nach jeder Z&uuml;ndung mit einem neuen Startsystem ausstatten). Die F-1 wurden trotzdem vor jedem Start viermal gez&uuml;ndet, mit zusammen 495 s Brennzeit, (sp&auml;ter maximal 165 s lang betrieben) \u2013 einzeln, zusammen, in der Stufe eingebaut. Bei den NK-Triebwerken baute man jeweils eine Charge von sechs Triebwerken. Davon nahm man zwei heraus und testete diese. Bestanden diese den Test, so wurden die anderen eingebaut, wenn nicht wurden sie verschrottet. Jedes Mal, wenn ich das schreibe, muss ich in Gedanken den Kopf sch&uuml;tteln. So was funktioniert nur bei systematischen Fehlern, nicht bei zuf&auml;llig verteilten Fehlern.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Sicherheitsphilosophie<\/h3>\n<p>Beide Tr&auml;ger hatten in den ersten Stufen eine \u201eEngine-out\u201c Kapazit&auml;t. In der Beziehung war die N-1 sogar besser. Bei ihr d&uuml;rfte schon beim Start ein Triebwerk ausfallen, bei der Saturn V erst nach 30 Sekunden. Zudem hatte die N-1 diese F&auml;higkeit bei den ersten drei Stufen, die Saturn V nur bei den ersten zwei. Allerdings hatte die N-1 auch f&uuml;nf Stufen. Das Handling war aber unterschiedlich. Bei der Saturn V wegen der schwenkbaren Triebwerke wurden diese schr&auml;g gestellt, um die Asymmetrie auszugleichen. Bei der N-1 mit fest eingebauten Triebwerken muste man das zugeh&ouml;rige entgegengesetzte ebenfalls Triebwerk abschalten.<\/p>\n<p>Doch das ist nur ein Aspekt. Man muss auch gew&auml;hrleisten, dass der Ausfall keine Folgen hat. Im Extremfall kann ein Triebwerk explodieren und so die Nachbartriebwerke besch&auml;digen, wie bei der N-1 mehrmals passiert. Die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/hercules.shtml\">N-1<\/a> verlies sich auf das Sicherheitssystem Koord. Das F-1 hatte in den Leitungen unterhalb der Turbopumpe Schalter. Es waren drei mit leicht unterschiedlichen Ausl&ouml;seschwellen einige Bar unterhalb des Nenndrucks. Sobald der Nennschub erreicht war, wurden sie hineingedr&uuml;ckt und damit aktiv. Sank er dann ab so gab es, sobald zwei Schalter umsprangen an die IU ein Signal (bei der Saturn IB wurden die Triebwerke sogar selbst abgeschaltet), die dann Aktionen traf. Denn wie schon geschrieben \u2013 erst nach 30 Sekunden d&uuml;rfte ein Triebwerk gefahrlos ausfallen musste die Steuerung eine Entscheidung treffen \u2013 Fluchtturm ausl&ouml;sen, Rakete aufs Meer steuern, Triebwerk abschalten. Kord bei der N-1 hatte auf den ersten Blick eine &auml;hnliche Aufgabe, nur das es hier f&uuml;nf Parameter pro Triebwerk waren. Doch KORD war mit der Aufgabe auch &uuml;berfordert. Die IU der Saturn V musste 5 Signale von 5 Triebwerken verarbeiten, KORD 150 von 30 Triebwerken. Was mich wundert \u2013 und das hat nichts damit zu tun, das die erste Stufe der N-1 nie als Ganzes getestet zu tun, ist das man keinerlei Vorbereitungen traf, das ein Triebwerk das explodiert nicht die anderen besch&auml;ftigt \u2013 so was gab es bei den F-1 auch nicht, aber da hatte man ja den Fokus darauf gerichtet, dass ein Ausfall gar nicht erst vorkommt.<\/p>\n<p>Ich schreibe eigentlich nur &uuml;ber die erste Stufe, weil man die oberen Stufen ja nie in Aktion sah. Sie sind aber auch unkritischer, weil dann die Atmosph&auml;re passiert ist. Man kann dann alle Triebwerke abschalten, das Raumschiff abtrennen und landen. So wurden auch die J-2 weitaus weniger intensiv getestet als die F-1.<\/p>\n<p><a name=\"__DdeLink__550_2116315956\"><\/a> In meinem neuen <a href=\"https:\/\/amzn.to\/2YLO0bP\">Buch<\/a>, in dem auch die N-1 ein Kapitel von 60 Seiten Umfang bekommen hat, benutzte ich die Formulierung, das das russische Mondprogramm \u201emit der hei&szlig;en Nadel gestrickt\u201c war. Und das trifft es. Recherchiert man, so findet man so viele Vers&auml;umnisse, Wagnisse. Nur mal als Erg&auml;nzung: Am Mond angekommen sollte ein Astronaut &uuml;ber die Oberfl&auml;che der Sojus zum Mondlander klettern, dort dann einsteigen und zusammen mit der letzten Stufe Block D landen. Die reichte aber nicht f&uuml;r die komplette Landung aus, sondern war in geringer H&ouml;he ausgebrannt und nun wurde sie abgetrennt und das Mondlandertriebwerk gez&uuml;ndet. Also ich m&ouml;chte das nicht machen. Nach dem R&uuml;ckstart w&auml;re der Kosmonaut erneut ausgestiegen &uuml;ber den Mondlander zur Sojus geklettert, zusammen mit den Gesteinsproben und dort wieder eingestiegen \u2013 aus Gewichtsgr&uuml;nden gab es keinen Kopplungstunnel zwischen Sojus und Mondlander. Wenn das in einem Science-Fiction Film erschienen w&auml;re, es w&auml;re zu abenteuerlich gewesen, doch so war es geplant, einfach, weil die N-1 nicht die Nutzlast hatte, die die Saturn hatte und man Gewicht einsparen musste.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Fazit<\/h3>\n<p>In der Summe finden wir das Wernher von Braun der Sicherheit gro&szlig;en Rahmen einr&auml;umte. Bei den ersten Raketen, A-4, Redstone, Jupiter vor allem durch Zuverl&auml;ssigkeit, also intensive Erprobung. Das ist das Level, das heute zahlreiche russische Raketen haben \u2013 einfach durch die lange Einsatzhistorie. Betrachtet man die ersten Jahre, so sieht das deutlich anders aus. Die Saturn, gebaut f&uuml;r bemannte Eins&auml;tze wurde dagegen so konstruiert, dass sie von Anfang an m&ouml;glichst sicher war. Das geschah durch Redundanz \u2013 die hatte die N-1 bis auf den Ausfall ganzer Triebwerke nicht, daher habe ich es hier auch komplett weggelassen &#8211; intensive Pr&uuml;fungen und zumindest bei den Triebwerken konservative Betriebsparameter. Daf&uuml;r waren die stufen sehr leichtgewichtig, auch besser als die der N-1.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe mal eine Anzeige gesehen, in der man einen Metallkugelschreiber und einen abgekauten, kurzen Bleistift sah. Darunter stand sinngem&auml;&szlig;, dass die NASA Unsummen f&uuml;r einen Kugelschreiber ausgab, der auch in der Schwerelosigkeit schreiben konnte und Russland das Problem mit einem Bleistift l&ouml;ste. Ich treffe immer wieder auf die Meinung. Die russische Technik sei zwar [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[4377,4073,313,909],"class_list":["post-14202","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-raumfahrt","tag-koroljow","tag-n-1","tag-saturn-v","tag-wernher-von-braun","entry"],"a3_pvc":{"activated":false,"total_views":933,"today_views":0},"jetpack_featured_media_url":"","jetpack-related-posts":[{"id":14192,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2019\/08\/03\/wernher-von-braun-und-sergej-korolow\/","url_meta":{"origin":14202,"position":0},"title":"Wernher von Braun und Sergej Korolow","author":"Bernd Leitenberger","date":"3. August 2019","format":false,"excerpt":"Die Welle der Mondlande-dokus hat auch eine sehr interessante Doku hervorgebracht, und zwar \u201eMondm\u00e4nner mit Hammer und Sichel\u201c. Es geht dabei um den Wettlauf im All, von Gagarin bis zur N-1. Vor allem um die dreht es sich. Das Format ist relativ authentisch. Nie zuvor habe ich von Russen, und\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/fc8f8fae3486407ba191d9f6e79f5c25","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":13379,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2018\/05\/09\/die-nutzlasten-der-nicht-gebauten-saturn\/","url_meta":{"origin":14202,"position":1},"title":"Die Nutzlasten der nicht gebauten Saturn","author":"Bernd Leitenberger","date":"9. Mai 2018","format":false,"excerpt":"Wie bei vielen anderen Raketen waren einmal leistungsst\u00e4rkere Versionen der Saturn V geplant. Schaut man in die Archive, so findet man viele Pl\u00e4ne, die meisten setzen jedoch umfangreiche \u00c4nderungen voraus so der Einsatz von FLOX als Oxidator in der ersten Stufe oder eine nukleare Oberstufe. Ich habe das Thema \u201eSaturn\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/7f9f0465c933497ebc396f676650eb5d","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18419,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/10\/02\/der-neue-rekordhalter-bei-der-bemannten-raumfahrt\/","url_meta":{"origin":14202,"position":2},"title":"Der neue Rekordhalter bei der bemannten Raumfahrt","author":"Bernd Leitenberger","date":"2. Oktober 2025","format":false,"excerpt":"\u2026 ist unfreiwillig Oleg Popolow. Die Geschichte zeigt, wo Russland heute in der Raumfahrt steht. Sie beginnt am 22. September 2022. Russland f\u00fchrt seit rund sieben Monaten Krieg gegen die Ukraine und hat Tausende Gefallene, Verwundete und gefangene Soldaten zu beklagen. Um die Verluste auszugleichen, wurde an diesem Tag eine\u2026","rel":"","context":"In &quot;M\u00fcnchhausens Kolumne&quot;","block_context":{"text":"M\u00fcnchhausens Kolumne","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/satire\/muenchhausen\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/6566478af4c24587a85b9f439288056d","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18683,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/06\/01\/die-glorreichen-10-programmiersprachen-2\/","url_meta":{"origin":14202,"position":3},"title":"Die glorreichen 10 \u2013 Programmiersprachen (2)","author":"Bernd Leitenberger","date":"1. Juni 2026","format":false,"excerpt":"Der heutige Teil schlie\u00dft nahtlos an den ersten Teil an, der gestern erschien. Es geht um 10 Kriterien anhand derer man Programmiersprachen kategorisieren kann. Maschinennah oder universell, aber komplex Als eine maschinennahe Sprache bezeichnet man eine Sprache, die nahe den M\u00f6glichkeiten von Prozessoren ist. Das Paradebeispiel ist C. Alle Prozessoren\u2026","rel":"","context":"In &quot;Die Glorreichen 10&quot;","block_context":{"text":"Die Glorreichen 10","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/allgemein\/die-glorreichen-10\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/7f5d9cf5265047179df05b778bf455b5","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18539,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/02\/24\/die-thor-delta-entwicklung-kompakt\/","url_meta":{"origin":14202,"position":4},"title":"Die Thor-Delta Entwicklung &#8211; kompakt","author":"Bernd Leitenberger","date":"24. Februar 2026","format":false,"excerpt":"Was die Delta von allen anderen Tr\u00e4gerasketen, nicht nur der USA, sondern auch weltweit, unterscheidet ist die enorme Anzahl an Versionen. Selbst wenn man die milit\u00e4rischen Varianten ausklammert, gibt es elf Versionen bei der Buchstabennummerierung und (wenn man die Delta 3 ausklammert, weil sie keine Delta-Stufe mehr einsetzt) acht Versionen\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/59224b87a3b84e6fb74064a0157d7cfa","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18637,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/04\/14\/galileo-galilei\/","url_meta":{"origin":14202,"position":5},"title":"Galileo Galilei","author":"Bernd Leitenberger","date":"14. April 2026","format":false,"excerpt":"Auch heute wieder ein kleiner Ausschnitt aus dem aktuellen Manuskript an dem ich arbeite. Als ich an ihm arbeitete, fielen mir die Paralellen zur heutigen Trumpregierung auf und ich habe meinen Text unten noch um einen Absatz \u00fcber heute erg\u00e4nzt, der im Buch fehlt und dort auch nicht erscheint, es\u2026","rel":"","context":"In &quot;Allgemein&quot;","block_context":{"text":"Allgemein","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/allgemein\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/e4f9253ed58c476b8b2cfc206b9a6fb5","width":350,"height":200},"classes":[]}],"jetpack_sharing_enabled":true,"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14202","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/169"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14202"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14202\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14202"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14202"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14202"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}