{"id":14210,"date":"2019-08-08T09:29:28","date_gmt":"2019-08-08T07:29:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=14210"},"modified":"2019-08-08T09:37:02","modified_gmt":"2019-08-08T07:37:02","slug":"die-kohlendioxidsteuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2019\/08\/08\/die-kohlendioxidsteuer\/","title":{"rendered":"Die Kohlendioxidsteuer"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem man bei der Europawahl massiv Stimmen verloren hat und auch weil die Fridays for Future Demos auch in den Schulferien weitergehen (soviel zum Thema Schulschw&auml;nzen&#8230;.) gibt es nun jeden Tag neue Vorschl&auml;ge f&uuml;r Klimasteuern und Klimaabgaben. Heute soll die Mehrwertsteuer f&uuml;r Fleisch angehoben werden von 7 auf 19. Letzte Woche war von einer Abgabe auf Inlandsfl&uuml;ge, die der Verband f&uuml;r Luftverkehr sogar selbst ins Spiel brachte, nachdem einige Wochen vorher diskutiert wurde, Kerosin zu besteuern und Frankreich eine solche Abgabe eingef&uuml;hrt hat und ich k&ouml;nnte das noch beliebig fortsetzen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/6c3b98814a2248a8a748d5b84c3fe882\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><!--more--><\/p>\n<p>Zeit also meinen Senf dazuzugeben. Wir Deutsche neigen ja dazu, alles ganz fein zu regeln. Es gibt zig Verordnungen und Vorschriften und es sind so viele, weil man zig Ausnahmen trifft, um ja nicht irgendeine Minderheit zu benachteiligen. Das geht los bei Bauvorschriften und endet bei der Steuer. F&uuml;r einen Wandel zu mehr regenerativen Energien und mehr Energieeffizienz denke ich ist aber der einfachste Weg eine Steuer oder Abgabe oder weil es ja sch&ouml;n klingen soll wie \u201eSolidarit&auml;tszuschlag\u201c so etwas wie der \u201e<b>Klimabonus<\/b>\u201c auf fossile Brennstoffe.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Das Konzept des Klimabonuses<\/h3>\n<p>Das Konzept ist nicht neu und funktioniert in einem anderen Sektor bereits: n&auml;mlich im Finanzsektor. Da ist die Kapitalertragssteuer samt Soli- und Kirchensteuer automatisch f&auml;llig und wird bei jeder Zinszahlung oder Verkauf mit Gewinn einbehalten. An ein solches System denke ich f&uuml;r den Klimabonus. Der Hauptposten sind fossile Energien. Sie werden entweder bei uns gef&ouml;rdert (Kohle, zum geringen Teil auch Erdgas und Erd&ouml;l) oder importiert. Bei dem, der sie als erstes verkauft, ist dann die Abgabe f&auml;llig die er auf die Preise draufschlagt. In der folgenden Kette des Weiterverkaufens f&auml;llt dann keine Steuer (Klimabonus) an. So erreicht die Steuer auch alle und nicht wie die &Ouml;kostromabgabe nur die Privathaushalte w&auml;hrend die Industrie weitestgehend befreit ist.<\/p>\n<p>Nicht ganz so einfach ist es bei nicht fossilen Brennstoffen wie Holz (Pellets), Biogas oder andere Dinge, die man verbrennen kann. W&uuml;rde man die komplett frei vom Klimabonus belassen, dann ist es nicht schwer zu prophezeien, dass dann bald massenhaft Holz woanders eingeschlagen und zu uns importiert wird. Mein Vorschlag: Nachhaltig bewirtschaftete Ressourcen sind befreit vom Klimabonus. Dazu geh&ouml;ren Holzpellets aus Abf&auml;llen, Biogas aus Biomasse von deutschen Ackerfl&auml;chen. Das gilt nicht f&uuml;r importierte Biomasse oder Holz, das nur geschlagen wird, um verheizt zu werden.<\/p>\n<p>Das meiste Kohlendioxid und andere Klimagase werden nat&uuml;rlich von den fossilen Rohstoffen freigesetzt. Doch das ist nicht die einzige Quelle. Eine zweiet ist Methan. Bei uns durch K&uuml;he freigesetzt, in Asien durch den Reisanbau. Hier kann man einen Durchschnittswert f&uuml;r die Klimabilanz ermitteln und pro Kilogramm berechnen. Das ist f&auml;llig bei dem Schlachten von K&uuml;hen, wie auch Milch die in der Molkerei abgegeben wird und beim Import von Reis. Man wird sicher auch eine Klimabilanz f&uuml;r importierte Sojabohnen oder Palm&ouml;l \/ Palmkern&ouml;l erstellen k&ouml;nnen und entsprechend einen Wert, der f&uuml;r jedes Kilo f&auml;llig wird. Das h&auml;tte auch den Nebeneffekt, dass dieses Kraftfutter teurer wird und man vielleicht man wieder die K&uuml;he weiden l&auml;sst, wenn es billiger wird und das die Lebensmittelindustrie weniger billiges Palm&ouml;l in ihren Produkten verwendet.<\/p>\n<p>Betroffen durch das Erheben an der Quelle sind dann alle. Egal ob man den Energietr&auml;ger direkt umsetzt, wie Braunkohle zur Stromgewinnung oder Methan oder man ihn aufbereitet wie Erd&ouml;l zu Benzin, Diesel und Kerosin oder er Grundmaterial ist wie die Erd&ouml;lfraktionen in der chemischen Industrie.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Die H&ouml;he<\/h3>\n<p>Die H&ouml;he ist nat&uuml;rlich wie immer bei Abgaben problematisch. Anders als bei Steuern f&auml;llt sie ja bei jedem an. Doch auch hier gibt es ein Vorbild: Die EEG Umlage muss ja auch jeder zahlen, au&szlig;er nat&uuml;rlich die Industrie. Ich halte am Anfang eine Summe von 25 \u20ac\/t erzeugtes Kohlendioxid f&uuml;r angemessen. Das ist das, was man bei Organisationen wie Atmosfair f&uuml;r die Kompensation der gleichen Menge Kohlendioxid zahlen muss und was auch die Verschmutzungsrechte im Zertifikathandel kosten. Das ist f&uuml;r eine vierk&ouml;pfige Familie beim Bundesdruschschnitt von 11 t CO<sub>2<\/sub>\/Jahr 1100 Euro. F&uuml;r einen Single 275 Euro.<\/p>\n<p>Ich habe mir mal die M&uuml;he gemacht mit den Daten des <a href=\"https:\/\/uba.co2-rechner.de\/de_DE\/\">Kohlendioxidrechners<\/a> des Bundesumweltamtes zu errechnen, wie sich dies auf verschiedene Stoffe auswirkt:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"85*\" \/>\n<col width=\"85*\" \/>\n<col width=\"85*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"33%\">Stoff<\/th>\n<th width=\"33%\">Kohlendioxid<\/th>\n<th width=\"33%\">Aufpreis<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Heiz&ouml;l (leicht) j1 1000 l<\/td>\n<td width=\"33%\">3,18 t<\/td>\n<td width=\"33%\">8 ct\/l<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Erdgas (1000 kWh)<\/td>\n<td width=\"33%\">0,23 t<\/td>\n<td width=\"33%\">0,6 ct\/kWh<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Braunkohlenstrom (1000 kWh)<\/td>\n<td width=\"33%\">0,98 t<\/td>\n<td width=\"33%\">2,45 ct\/kWh<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Erdgas (1000 kWh)<\/td>\n<td width=\"33%\">0,64 t<\/td>\n<td width=\"33%\">1,2 ct\/kWh<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Erdgas mit Kraft\/W&auml;rmekopplung<\/td>\n<td width=\"33%\">0,42 t<\/td>\n<td width=\"33%\">1,05 ct\/kWh<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Benzin (100 l)<\/td>\n<td width=\"33%\">0,27 t<\/td>\n<td width=\"33%\">6,8 ct\/l<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Diesel (100 l)<\/td>\n<td width=\"33%\">0,31 t<\/td>\n<td width=\"33%\">7,8 ct\/l<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Das ist nicht so viel. Bei Strom ist die &Ouml;kostromumlage heute schon um ein Vielfaches h&ouml;her (7 ct\/kWh) und bei Heiz&ouml;l, Benzin und Diesel liegt das im Rahmen der normalen Schwankungen in den letzten Jahren. Alleine der Heiz&ouml;lpreis hatte in dem letzten Jahr ein Minimum von 55 ct\/l und ein Maximum von 80 ct\/l. Der Effekt ist aber, das Stoffe die viel klimasch&auml;dliches Gas aussto&szlig;en, teurer werden. Der Preisunterschied in der Gestehung zwischen Erdgas und Braunkohlestrom liegt bei 3 ct\/kWh. Das schrumpft so auf 1,6 bis 1,8 ct zusammen und dann wird man die vielen Gaskraftwerke, die man hat und die man heute nur kurzeitig abf&auml;hrt dauerhaft nutzen wird und Stromkonzerne von alleine auf die Braunkohle verzichten, ohne das man ihnen auch noch 40 Mrd. Euro daf&uuml;r zahlt.<\/p>\n<p>Langfristig wird die Geb&uuml;hr aber steigen m&uuml;ssen, auch um den Druck zu erh&ouml;hen. Ich denke aber eine Abgabe an der Quelle, analog der Quellensteuer ist die sinnvollste Umsetzung mit am wenigsten B&uuml;rokratie und am wenigsten Vermeidungsm&ouml;glichkeiten.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Kompensationsm&ouml;glichkeiten<\/h3>\n<p>Derzeit gibt es drei M&ouml;glichkeiten den eigenen Kohlendioxidverbrauch zu kompensieren:<\/p>\n<ul>\n<li>Investition in erneuerbare Energien, wie Windkraft und Solarenergie. Man kann wenn man den Begriff nicht nur auf Strom beschr&auml;nkt, auch Biogasanlagen hinzunehmen. Damit spart man bei sich zwar kein Kohlendioxid ein, produziert aber Strom oder Gas das ander Nutzen und spart somit bei ihnen Klimagase ein. Das ist recht teuer. Ich habe in Solarenergie investiert und 10 t Kohlendioxid &uuml;ber 25 Jahre Anlagenlaufzeit kosteten mich &uuml;ber 40.000 Euro, also rund 160 \u20ac\/t Kohlendioxid. Wenn man nicht in Kleinanlagen investiert, sondern gro&szlig;e Farmen d&uuml;rfte es g&uuml;nstiger werden. Windkraft ist per se g&uuml;nstiger, was man auch an der niedrigeren Verg&uuml;tung beim Einspeisen 7 zu 11 ct\/kWh sieht. Ich denke da ist noch Potenzial vor allem, wenn die Parks und Solarfarmen nicht bei uns, sondern in klimatisch g&uuml;nstigeren Gegenden stehen. Es wird aber immer eine teure Angelegenheit sein, teuerer als die beiden anderen Alternativen.<\/li>\n<li>Kohlendioxid-Emmissionszertifkate: Das sind Berechtigungen Kohlendioxid zu emittieren. Sie werden als Zertifikate an der B&ouml;rde gehandelt, bzw. wurden, denn da der Preis in f&uuml;nf Jahren von 5 auf 20 Euro gestiegen ist, haben die Banken sie nun wieder zur&uuml;ckgekauft und bieten nur noch den Ankauf an. Ein Emissionszertfikat ist ein typisches Finanzprodukt, denn diese Branche hat schon lange vor der Computerbranche das Virtuelle erfunden und handelt mit virtuellen Produkten. In diesem Falle: Staaten bekommen nach dem Klimaabkommen ein Kohlendioxidkontingent zugewiesen, als Klimaziel. Liegen sie darunter so k&ouml;nnen sie die nicht emittiere Menge verkaufen an andere Staaten, die dr&uuml;ber liegen. Da das immer seltener der Fall ist, zeigt sich im Anstieg der Preise. Aber es ist doch Nonsens. Ziel muss es sein Kohlendioxid, soweit es geht, zu vermeiden und nicht Rechte zwischen Staaten umzuschichten. Derzeit kostet ein soclhes Zertifikat um die 20 \u20ac\/t Kohlendioxid.<\/li>\n<li><a name=\"__DdeLink__448_1674335215\"><\/a> Echte Kompensation: gedacht f&uuml;r das schlechte Gewissen beim Fliegen (obgleich wenn man es genau betrachtet pro Kilometer geflogene Strecke nicht mal schlechter als die Autofahrt): Man investiert einen Obolus und eine Organisation nutzt das Geld, um in Entwicklungsl&auml;ndern Kohlendioxid einzusparen oder Wald aufzuforsten. Das geht relativ effizient weil in Entwicklungsl&auml;ndern teilweise die Technologie noch wirklich schlecht ist: Es wird &uuml;ber offenem Feuer gekocht, wobei nur ein Teil der Hitze genutzt wird oder es werden dort Anlagen f&uuml;r die Gewinnung von Biogas aus Abf&auml;llen der Landwirtschaft finanziert. Als Folge spart man dort Kohlendioxid ein. Die vier bei <a href=\"https:\/\/klima-kollekte.de\/fileadmin\/user_upload\/Stiftung_Warentest_CO2-Kompensation_Februar_2018.pdf\">Finanztest 3\/2018<\/a> als gut bis sehr gut bewerteten Anbieter bieten die Kompensation einer Tonne Kohlendioxid f&uuml;r 15 bis 23 Euro an.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Mein Vorschlag: Man sollte die Investitionen in alternative Energien und die echte Kompensation anrechnen lassen k&ouml;nnen, aber mit dem Faktor, den man aktuell als Kohlendioxidsteuer zahlt. Bei der Investition in erneuerbaren Energien liegt man dar&uuml;ber, das bedeutet man investiert, wenn die Abgabe 25 \u20ac\/t betr&auml;gt und man 160 \u20ac\/t investiert netto nur 135 \u20ac\/t, die Investitionen lohnen sich also eher. Bei den Kompensationen ist es gerade anders rum. Hier k&ouml;nnten die Organisationen damit werben das man zwar 25 \u20ac\/t Kohlendioxid geltend machen kann, man mit dem Geld in Wirklichkeit aber 1,1 bis 1,7 t Kohlendioxid vermeidet. Allerdings f&auml;llt mir spontan nichts ein, wie man das Abrechnen der Kompensation unb&uuml;rokratisch hinbekommt. Das Absetzen von der Steuer geht ja nur wenn man Steuern zahlt und das tun viele Geringverdiener die ja auch betroffen sind nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem man bei der Europawahl massiv Stimmen verloren hat und auch weil die Fridays for Future Demos auch in den Schulferien weitergehen (soviel zum Thema Schulschw&auml;nzen&#8230;.) gibt es nun jeden Tag neue Vorschl&auml;ge f&uuml;r Klimasteuern und Klimaabgaben. Heute soll die Mehrwertsteuer f&uuml;r Fleisch angehoben werden von 7 auf 19. 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