{"id":14215,"date":"2019-08-09T20:26:37","date_gmt":"2019-08-09T18:26:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=14215"},"modified":"2019-08-09T20:29:20","modified_gmt":"2019-08-09T18:29:20","slug":"raumfahrtsplitter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2019\/08\/09\/raumfahrtsplitter\/","title":{"rendered":"Raumfahrtsplitter"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich heute Teil 2 &uuml;ber die Kohlendioxidsteuer, pardon, den <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2019\/08\/08\/die-kohlendioxidsteuer\/\">Klimabonus<\/a>, bringen n&auml;mlich, wie man die Gelder verwenden k&ouml;nnte, doch da sich schon beim ersten Teile eine rege Diskussion &uuml;ber gerade diese Frage entwickelt hat, denke ich ist das nicht n&ouml;tig.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/375c6db4c1914da98fc09b6aac74885c\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<p>Ich will daher nur meinen Senf zu zwei Schlagzeilen geben, die in den letzten Tagen erschienen. Der Erste hat mich etwas ratlos hinterlassen, weil zwei grundverschiedene Dinge in einen <a href=\"https:\/\/spacenews.com\/arianespace-and-spacex-offering-new-dedicated-rideshare-services\/\">Artikel gepackt<\/a> wurden: Demnach sollen Arianespace und SpaceX \u201eRideshare\u201c Missionen, also Mitfahrgelegenheiten anbieten.<!--more--><\/p>\n<p>Das erste, die GO-1 Mission von Arianespace ist mit Sicherheit so etwas nicht. Wie im Artikel geschrieben transportiert Ariane 64 4.500 kg (nach Users Manual: 5.000 kg) in den geostation&auml;ren Orbit und auch die Aussage, das man als Vorteil verkauft das der Satellit in 6 Stunden anstatt 6 Monaten im Orbit ist spricht die Betreiber von Kommunikationssatelliten an und f&uuml;r die ist Zeit gleich Geld. Die 6 Monate sind auch ein Extrembeispiel f&uuml;r Satelliten mit Ionenantrieben, mit dem chemischen Antrieb ist das in einigen Tagen erledigt.<\/p>\n<p>Ich glaube nicht dass es viele dieser Missionen geben wird. Das hat einige Gr&uuml;nde. Das Erste ist, das schon der Satellit daf&uuml;r konzipiert sein muss. Er braucht viel weniger Treibstoff, der Hauptantrieb kann entfallen. Das ist eine grundlegende Designentscheidung genauso, wie die ob er einen Chemischen oder Ionenantrieb einsetzt. W&uuml;rde sich ein Kunde entscheiden so w&auml;re er darauf angewiesen, dass der Satellit im GEO landet. Okay, das ist auch mit der Proton, Atlas V und Falcon m&ouml;glich, bei der Falcon Heavy zumindest bei der STP-2 Mission demonstriert, so denke ich auch bei der Falcon (ohne Heavy) m&ouml;glich. Aber die haben ziemlich unterschiedliche Nutzlasten. Bei Proton, Atlas und Ariane 64 sind sie bekannt, bei der Falcon 9 muss man sch&auml;tzen, da die Oberstufe unbekannt ist.<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"85*\" \/>\n<col width=\"85*\" \/>\n<col width=\"85*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"33%\">Rakete<\/th>\n<th width=\"33%\">Nutzlast GTO 0 Grad Bahnneigung<\/th>\n<th width=\"33%\">Nutzlast GEO 0 Grad<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Ariane 64<\/td>\n<td width=\"33%\">11.500 kg<\/td>\n<td width=\"33%\">5.000 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Proton Breeze M<\/td>\n<td width=\"33%\">6.180 kg<\/td>\n<td width=\"33%\">3.000 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Atlas 521<\/td>\n<td width=\"33%\">4.890 kg<\/td>\n<td width=\"33%\">2.632 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Atlas 551<\/td>\n<td width=\"33%\">6.880 kg<\/td>\n<td width=\"33%\">3.904 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Falcon 9<\/td>\n<td width=\"33%\">6.500 kg (27 \u00b0 GTO)<\/td>\n<td width=\"33%\">1.700 kg (gesch&auml;tzt)<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Falcon 9 kann keinen 0-Grad-GTO erreichen, das macht einen Geschwindigkeitsunterschied von 300 m\/s, und d&uuml;rfte die Netto-Nutzlast (ohne zus&auml;tzlichen Treibstoff und Tanks) f&uuml;r einen vergleichbaren Orbit auf 5.700 bis 5.800 kg reduzieren. Deutlich ist die st&auml;rkere Nutzlastabnahme der Falcon und Ariane gegen&uuml;ber der Proton und Atlas. Das liegt an der Oberstufe. Ich vermute die Ariane 6 wird wie Ariane 5 eine sehr schwere Oberstufe einsetzen. Anders komme ich auch bei meinen Simulationen nicht auf die niedrige Nutzlast. Ich sch&auml;tze das Trockengewicht auf 7 t ein. Bei den Nutzlastangaben folge ich nicht den 4.500 kg von Spacenews sondern dem Ariane 6 Users Manual.<\/p>\n<p>Gegenrechnung: Bei einem spezifischen Impuls von 3050 m\/s. Einem Strukturfaktor von 7 w&uuml;rde ein Satellit der 5.000 kg in dem GEO wiegt, 9.144 kg in den GTO entsprechen, darin transportiert Ariane 6 aber 11.500 kg. Es ist also ung&uuml;nstiger. Vor allem lohnt es sich nur bei sehr gro&szlig;en Satelliten. Daher wohl das Anbieten von \u201eRideshares\u201c um die Nutzlast voll auszunutzen. Ich kann mir nur vorstellen, das potenzielle Kunden aus der Regierung kommen, die von vorneherein die Ariane 6 buchen. Der direkte Transport in den GEO ist seit Jahrzehnten bei US-Milit&auml;rsatelliten &uuml;blich, er war es auch bei den GPS-Satelliten (der aktuelle Block hat aber einen integrierten Antrieb) und ist es in Europa beim Galileosystem.<\/p>\n<p>Eine Mitfahrgelegenheit w&auml;re allerdings von Vorteil, jedoch nicht f&uuml;r die Ariane 64, sondern die kleinere Ariane 62. Die wird man bevorzugt f&uuml;r SSO-Missionen einsetzen und das ist ein Orbit, den auch viele Sekund&auml;rnutzlasten einsetzen. Ariane 4+5 hatten daf&uuml;r eine Plattform (ASAP-4 \/ ASAP-5), mit der man Kleinsatelliten mitf&uuml;hren konnte. Da Ariane 5 aber seit 2009 keinen SSO mehr anfliegt, kam sie lange nicht mehr zum Einsatz.<\/p>\n<p>Der GEO-Transport k&ouml;nnte interessanter werden, wenn die verbesserte Oberstufe ULPM zur Verf&uuml;gung steht. Eine solche die anstatt Aluminiumlegierungen CFK-Werkstoffe einsetzt, wird derzeit entwickelt und k&ouml;nnte bis 2024\/25 zum Einsatz kommen. Sie soll die Nutzlast um mindestens 1 t, (Ziel: 2 t) anheben. Wenn man mal ausblendet, dass man das <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2018\/06\/04\/macht-es-beim-ersten-mal-richtig\/\">gleich so h&auml;tte machen k&ouml;nnen<\/a>, dann hebt das die Nutzlast in jeden Orbit an. Nehmen wir mal 1,5 t als Mittel f&uuml;r den Nutzlastgewinn an, so sieht das so aus:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"64*\" \/>\n<col width=\"64*\" \/>\n<col width=\"64*\" \/>\n<col width=\"64*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"25%\">Orbit<\/th>\n<th width=\"25%\">Nutzlast bisher<\/th>\n<th width=\"25%\">Nutzlast neu<\/th>\n<th width=\"25%\">Zuwachs<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"25%\">SSO 500 km<\/td>\n<td width=\"25%\">14.900 kg<\/td>\n<td width=\"25%\">16.400 kg<\/td>\n<td width=\"25%\">+ 10 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"25%\">GTO<\/td>\n<td width=\"25%\">11.500 kg<\/td>\n<td width=\"25%\">13.000 kg<\/td>\n<td width=\"25%\">+ 13 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"25%\">GEO<\/td>\n<td width=\"25%\">5.000 kg<\/td>\n<td width=\"25%\">6.500 kg<\/td>\n<td width=\"25%\">+ 30 %<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Der Gewinn steigt also &uuml;berproportional an. Umgerechnet auf den GTO entsprechen 6,5 t im GEO dann schon 11,87 t im GTO, also nur noch 1 t weniger als direkt in den GTO transportiert werden. Gelingt das 2-t-Ziel f&uuml;r die Reduktion der Leermasse, dann sind es 12,8 zu 13,5 t, also nur noch ein kleiner Unterschied. Dann kann das durchaus interessant werden \u2013 der Satellit wird ja auch kosteng&uuml;nstiger, wenn er einfacher aufgebaut ist und Systeme wegfallen. Allerdings wird man dann schon wieder zwei Nutzlasten in den GEO bef&ouml;rdern, und dann m&uuml;sste man noch rund 500 bis 700 kg f&uuml;r eine Sylda abziehen, was die Bilanz dann doch wieder etwas tr&uuml;bt. F&uuml;r kommerzielle Nutzer denke ich wird es bei GTO bleiben. Doch sch&ouml;n w&auml;re es, auch Nutzlasten als Rideshare in den GTO zu bef&ouml;rdern. Die k&ouml;nnten dann immer noch dort ihre Bahn anheben. 300 kg in den GTO entsprechen rund 160 kg in den GEO, das ist eine Gr&ouml;&szlig;enordnung die die Oneweb-Satelliten haben. Auch kleine Forschungssatelliten von 100 bis 150 kg Masse leisten im LEO gute Dienste, warum also nicht im GEO.<\/p>\n<p>Bei SpaceX sind dagegen wahrscheinlich Rideshares in LEO und SSO gemeint, das die Firma jemals einen GEO-Transport durchf&uuml;hrt, halte angesichts nur zwei Stufen und der Trockenmasse der letzten Stufe (von mir auf 5 t gesch&auml;tzt) f&uuml;r unwahrscheinlich. F&uuml;r gerade diese Missionen haben sie ja die Falcon Heavy entwickelt. Umgekehrt d&uuml;rfte sie selbst bei einer Landlandung mindestens 11 t in einen SSO bef&ouml;rdern, da bleibt viel Reserve f&uuml;r Mitfahrgelegenheiten.<\/p>\n<p>&Auml;hnlich ratlos war ich beim Lesen des <a href=\"https:\/\/spacenews.com\/oneweb-disputes-virgin-orbit-lawsuit-says-launcherone-is-too-expensive\/\">folgenden Artikels<\/a> &uuml;ber OneWeb und Virgin Orbits. OneWeb hat ja bei Virgin Starts seiner Satelliten gebucht, ich vermute f&uuml;r Reservesatelliten. Eine Bahnebene wird jeweils von ein Sojus gef&uuml;llt (34 bzw. 36 Satelliten), f&auml;llt einer aus so wird LauncherOne bis zu zwei Reservesatelliten starten. OneWeb hat seinen Vertrag gek&uuml;ndigt und wird nur 4 anstatt 39 Starts abnehmen. Nun will OneWeb 47 Millionen f&uuml;r die Vertragsk&uuml;ndigung. Insgesamt scheint der Vertrag vertrackt zu sein und die Standpunkte und Argumente total entgegengesetzt, So hat Oneweb schon 66 Millionen Dollar gezahlt, obwohl die Starts nur 18 wert sind, und rechnet mit 234 bis 832 Millionen f&uuml;r die restlichen. Was wiederum nicht zu dem 6 Millionen Dollar pro Start passt, den Virgin Orbit angibt. Auch unverst&auml;ndlich ist das dies nun zwei bis dreimal der Marktpreis sein soll \u2013 als der Vertrag abgeschlossen wurde, sicher nicht. Die einzige verf&uuml;gbare Rakete die Electron ist auch teurer, doch es gibt einige chinesische Firmen die Feststoffraketen entwickelt, <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/diginomics\/china-feiert-raumfahrt-privates-unternehmen-startet-rakete-16302083.html\">letzten Monat <\/a>schaffte die erste einen erfolgreichen Start drei andere scheiterten in den letzten zwei Jahren daran. Sie alle visieren einen Startpreis von 10.000 bis 20.000 Dollar pro Kilogramm an, was dann 3 bis 6 Millionen Dollar f&uuml;r die 300 kg der Launcher One sind. Dabei d&uuml;rften die 10.000 Dollar aber als Ziel f&uuml;r die verbesserten Typen mit mehr Nutzlast (durch Startbooster) sein. Also ich finde den Preis nicht zu hoch. SpaceX will ja auch f&uuml;r eine 300 kg Nutzlast 4,5 bis 6 Millionen Dollar haben.<\/p>\n<p>Als Argument w&uuml;rde ich eher die Versp&auml;tung sehen \u2013 die LauncherOne sollte ja l&auml;ngst im Einsatz sein, doch da auch Oneweb hinterherhinkt und bisher nur 10 Testsatelliten startete zieht dieses Argument wohl nicht.<\/p>\n<p>Zeitgleich plant Virgin gro&szlig;: man will nun mehrere <a href=\"https:\/\/spacenews.com\/virgin-orbit-offers-vision-of-responsive-smallsat-constellation-launch\/\">Flugzeuge an unterschiedlichen Flughafen haben<\/a>, um mehr Starts zur gleichen Zeit durchf&uuml;hren zu k&ouml;nnen, ersetzt also eine gro&szlig;e Rakete durch mehrere zeitgleiche Starts der LauncherOne. Angesichts rund einem Dutzend Firmen die Kleintr&auml;ger in der Nutzlastkategorie entwickeln, davon f&uuml;nf weitere schon mit einem Testflug oder im Einsatz w&uuml;rde ich eher kleinere Br&ouml;tchen backen &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich heute Teil 2 &uuml;ber die Kohlendioxidsteuer, pardon, den Klimabonus, bringen n&auml;mlich, wie man die Gelder verwenden k&ouml;nnte, doch da sich schon beim ersten Teile eine rege Diskussion &uuml;ber gerade diese Frage entwickelt hat, denke ich ist das nicht n&ouml;tig. Ich will daher nur meinen Senf zu zwei Schlagzeilen geben, die in den [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[899,4384,3829],"class_list":["post-14215","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-raumfahrt","tag-ariane-6","tag-launcherone","tag-oneweb","entry"],"a3_pvc":{"activated":false,"total_views":459,"today_views":0},"jetpack-related-posts":[{"id":18502,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/01\/22\/der-ariane-kompatible-orbit\/","url_meta":{"origin":14215,"position":0},"title":"Der Ariane-Kompatible Orbit","author":"Bernd Leitenberger","date":"22. 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