{"id":14246,"date":"2019-08-24T09:25:11","date_gmt":"2019-08-24T07:25:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=14246"},"modified":"2019-08-24T18:50:14","modified_gmt":"2019-08-24T16:50:14","slug":"direkter-aufstieg-parkbahn-oder-off-perigee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2019\/08\/24\/direkter-aufstieg-parkbahn-oder-off-perigee\/","title":{"rendered":"Direkter Aufstieg, Parkbahn oder Off-Perigee?"},"content":{"rendered":"<p>In meinem heutigen Grundlagenartikel will ich mich mit den M&ouml;glichkeiten besch&auml;ftigen eine GTO-Bahn oder einen GEO zu erreichen. Eine weitere Option, den supersynchronen Orbit habe ich schon mal besprochen.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/9f972093f22f4be38448237f99d6f55e\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><br \/>\nZuerst mal eine Begriffserkl&auml;rung:<!--more--><\/p>\n<h3 class=\"western\">Direkter Aufstieg<\/h3>\n<p>Die Rakete erreicht den GTO beim Start. Also eine Bahn mit einem Perig&auml;um, das stabil ist (meist oberhalb 180 km, aber stark vom Raketentyp abh&auml;ngig, es k&ouml;nnen auch &uuml;ber 500 km sein) und einem Apog&auml;um in 35.800 km H&ouml;he. Technisch von Bedeutung ist, dass die letzte Stufe daf&uuml;r nur einmal z&uuml;nden muss, was deren Konstruktion vereinfacht. Ariane 1-5 haben bisher nur direkte Aufstiege absolviert, auch wenn die bei der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/ariane5.shtml\">Ariane 5 G<\/a> eingesetzte EPS-Oberstufe wiederz&uuml;ndbar ist. Praktisch haben direkte Aufstiege nur eine Bedeutung beim Start vom CSG aus, da dieses so &auml;quatornah ist, das man im direkten Aufstieg schon eine GTO-Bahn mit einer niedrigen Inklination erh&auml;lt.<\/p>\n<p>Da man die Inklination abbauen muss und diese ohne weitere Ma&szlig;nahmen in etwa der geografischen Breite des Startorts entspricht, ist der direkte Aufstieg nur f&uuml;r &auml;quatornahe Startpl&auml;tze ideal, also dem CSG. Theoretisch w&auml;re noch die mobile Startplattform von Sea Launch und das Alcanthara Space Center noch dazu zu z&auml;hlen.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Parkbahn<\/h3>\n<p>F&uuml;r Starts von Weltraumbahnh&ouml;fen die n&ouml;rdlicher liegen wie von Cape Kennedy aus, Baikonur oder den chinesischen und japanischen Startzentren hat sich die Parkbahnmethode eingeb&uuml;rgert. Dabei wird eine Bahn eingeschlagen, die zuerst in einen niedrigen stabilen Erdorbit f&uuml;hrt. Das ist ebenfalls einer mit einem stabilen Perig&auml;um. Das Apog&auml;um kann aber je nach genauer Mission etwas h&ouml;her liegen. Bei der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/delta-1000.shtml\">Delta 2<\/a> brannte die Delta-Oberstufe aus und hinterlie&szlig; die Oberstufe in einem leicht elliptischen Erdorbit. Wenn der &Auml;quator &uuml;berquert wird, je nach Lager des Startsortes nach 10 bis 20 Minuten Freiflugphase z&uuml;ndet die Oberstufe erneut und erreicht einen GTO.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Off-Perigee<\/h3>\n<p>Eine seltene Methode, soweit ich wei&szlig; nur bei Titan 3C Starts vorgekommen ist der Start off-Perigee. Damit ist gemeint, das der GTO kein stabiles Perig&auml;um hat. Als Folge w&uuml;rde der Satellit beim ersten Durchlaufen des Perig&auml;ums vergl&uuml;hen, doch dazu kommt es nicht. Denn beim Erreichen des Apog&auml;ums wird die Bahn zirkularisiert. Diese Methode wird nur beim direkten Bef&ouml;rdern in den GEO eingesetzt. Das ist bis heute bei milit&auml;rischen Nutzlasten der Fall. Kommerzielle Starts nutzen dazu einen eigenen Antrieb und sind auf eine stabile &Uuml;bergangsbahn angewiesen, weil das Inbetriebnehmen des Satelliten l&auml;nger dauert, als die wenigen Stunden die man bis zum Erreichen des Apog&auml;ums hat.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Technisches<\/h3>\n<p>Technologisch ben&ouml;tigt man f&uuml;r den direkten Aufstieg nur eine Z&uuml;ndung. Also muss auch die letzte Stufe nur eine Z&uuml;ndung durchf&uuml;hren. Wenn die Treibstoffe nicht selbst entz&uuml;ndlich sind, erleichtert das die Konstruktion. Arianes Oberstufe mit dem HM-7 Oberstufe setzt eine Feststoffkartusche ein, die entz&uuml;ndet mit ihrem hei&szlig;en Gas de Treibstoffe und liefert das Startgas f&uuml;r die Turbinen zur Treibstofff&ouml;rderung. Andere nur einmal einsetzbare Methoden sind selbst entz&uuml;ndliche Vorl&auml;ufe in den Treibstoffleitungen.<\/p>\n<p>Bedeutender ist zumindest bei Off-Perigee Bahnen die Flugzeit. In den 10 bis 20 Minuten in einer Parkbahn kann nur wenig Treibstoff verdampfen, aber in den 5 Stunden bis zum Erreichen des Perig&auml;ums schon. Da aber die Transtage als letzte Stufe der Titan 3C nur lagerf&auml;hige Treibstoffe einsetzt, spielt dies auch keine Rolle, f&uuml;r den Transport durch Centaur, DCSS oder ULPM ist aber eine Isolation n&ouml;tig.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Performance<\/h3>\n<p>Es gibt zwei Aspekte zu ber&uuml;cksichtigen. Der unmittelbare Vorteil der Parkbahn ist das wir zwei Geschwindigkeitsvektoren haben, die sich addieren. Der erste aus der Parkbahn hat eine Bahnneigung, die etwas kleiner als die des Startorts ist, da die Rakete schon nach Start s&uuml;dw&auml;rts fliegt und w&auml;hrend die die Orbitalgeschwindigkeit erreicht so die Bahnneigung abnimmt. Beim Start von Cape Kennedy aus sind das typisch etwa 27 bis 28 Grad. Die Wiederz&uuml;ndung am &Auml;quator addiert einen Geschwindigkeitsvektor mit der Bahnneigung von 0 Grad. Die resultierende Bahnneigung ist dann geringer, typisch beim Start vom CCAF aus 21 Grad. Da man diese Bahnneigung abbauen muss, um einen GEO mit Null Grad zu erreichen, ist dies von Vorteil. Das macht bei 6 Grad Unterschied alleine 120 m\/s aus.<\/p>\n<p>Bei der Parkbahn kommt aber auch noch hinzu, das das Perig&auml;um stabil sein muss. Das ist zwar auch beim direkten Aufstieg der Fall, aber da muss eine Geschwindigkeit von rund 10,25 km\/s erreicht werden. Schon mit 7,8 km\/s hat man aber die Geschwindigkeit f&uuml;r eine niedrige Erdumlaufbahn erreicht. Sobald diese erreicht wird, steigt das Perig&auml;um aus kinetischen Gr&uuml;nden automatisch an. Das hei&szlig;t, bei einem direkten Aufstieg muss bis zu diesem Bahnabschnitt die Umlaufbahn nicht stabil sein. Bei einer Ariane 5 ES liegt das Perig&auml;um dann noch in -420 km H&ouml;he, w&auml;hrend es bei der GTO-Bahn auf 450 km steigt. W&uuml;rde man zuerst eine stabile Bahn anstreben, so reduziert das die Nutzlast um 582 kg, das sind rund 6,7 %. Im Prinzip ist der direkte Aufstieg die Nutzung des Off-Pergiee Prinzips. Der Nutzen ist um so h&ouml;her, je l&auml;nger die Brennzeit der Oberstufe ist, also je schubschwacher sie ist.<\/p>\n<p>Bei OFF-Perigee kommt noch etwas hinzu. Der GEO hat eine Bahnneigung von Null Grad. Dazu wird im Apog&auml;um die Restbahnneigung abgebaut. Gleichzeitig das Perig&auml;um angehoben. Der Anteil, der auf die Winkelanpassung entf&auml;llt, ist um so kleiner je h&ouml;her die Geschwindigkeitsdifferenz zum GEO ist und diese ist um so gr&ouml;&szlig;er, je niedriger das Perig&auml;um liegt. Bei der Titan 3C habe ich dies einmal ausgerechnet. Ohne Ma&szlig;nahmen w&uuml;rde das Perig&auml;um in 41 km H&ouml;he liegen, ganz niedrig kann es wegen des in allen Stufen relativ hohen Schubs nicht sein, doch das bringt immer noch 48 kg. Das sind immerhin 3 % der nominellen GEO-Nutzlast von 1.600 kg.<\/p>\n<p>Im GTO angekommen ist die Inklination aber auch bei Parkbahnen nicht gleich Null. Da sich inzwischen durch die Marktf&uuml;hrerschaft von Arianespace der GTO mit niedriger Bahnneigung als Standard eingeb&uuml;rgert hat (&auml;quivalent einem dV von 1500 m\/s zum GEO) geben viele Launch Service Provider ihre Nutzlast f&uuml;r einen Parkorbit mit demselben dV an, meist einem supersynchronen Orbit, da das Ver&auml;ndern der Bahnneigung in einem LEO viel zu energieaufwendig ist. Bei der Atlas 401 sind das 4.750 zu 3.460 kg, beim gr&ouml;&szlig;ten Modell Atlas 551 8900 zu 6880 kg (normaler GTO mit dV 1800 m\/s, 15009 m\/s GTO). Also 28 % bzw. 23 % weniger. Ich vermute auch die Differenz der Website bei SpaceX mit 8300 kg GTO und dem des Chefs f&uuml;r Tr&auml;gerraketen Koenigsmann vorgetragen beim IAF, also vor Fachpublikum von 6.500 kg beruht auf diesem Umstand. Auch dies sind 22 % weniger.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meinem heutigen Grundlagenartikel will ich mich mit den M&ouml;glichkeiten besch&auml;ftigen eine GTO-Bahn oder einen GEO zu erreichen. Eine weitere Option, den supersynchronen Orbit habe ich schon mal besprochen. 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