{"id":14351,"date":"2019-10-16T18:59:17","date_gmt":"2019-10-16T16:59:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=14351"},"modified":"2019-10-16T18:59:42","modified_gmt":"2019-10-16T16:59:42","slug":"ich-bin-noch-immer-skeptisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2019\/10\/16\/ich-bin-noch-immer-skeptisch\/","title":{"rendered":"Ich bin noch immer skeptisch \u2026"},"content":{"rendered":"<p>\u2026 ob das Konzept des Satellitenservices sich in der heutigen Form lohnt.<\/p>\n<p>Vor wenigen Tagen startete nach l&auml;ngerer Zeit wieder eine <a href=\"https:\/\/spacenews.com\/northrop-grummans-satellite-servicer-mev-1-eutelsat-satellite-launch-on-ils-proton\/\">Proton mit einem Eutelsat Satelliten und dem MEV 1.<\/a> Wie die Nummer andeutet gibt es auch ein MEV 2, das n&auml;chstes Jahr mit einer Ariane 5 starten soll. MEV ist der erste Satellitenserver. Es wird an Intelsat 901 ankoppeln, ein Satellit der 2001 mit einer Ariane 4 gestartet wurde. Nachdem das Gespann in einen Friedhofsorbit gebracht wurde (f&uuml;r Tests) wird es wieder in den GTO zur&uuml;ckkehren und dort wird das MEV (Mission Extension Vehicle) dann die <a href=\"https:\/\/spaceflightnow.com\/2019\/10\/10\/successful-proton-launch-deploys-eutelsat-satellite-first-mission-extension-vehicle\/\">Lageregelung f&uuml;r den Intelsat 901<\/a> durchf&uuml;hren.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/495ff242945340b8b68c7695e6b6a038\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><!--more--><\/p>\n<p>Aus &ouml;konomischen Aspekten sinnvoll, denn begrenzend f&uuml;r den Einsatz ist der Treibstoff. Ein Satellit in einem geostation&auml;ren Orbit bleibt nicht in diesem. Die Erde hat kein gleichm&auml;&szlig;iges Gravitationsfeld. Es gibt lokale Maxima und Minima, alleine schon durch die Kontinente, aber auch Dichtevariationen im Erdmantel. Als Folge bewegt sich der Satellit von der Soll-Position weg. Der Orbit wird leicht elliptisch und leicht geneigt. Regelm&auml;&szlig;ig z&uuml;nden die Satelliten ihre Triebwerke doch irgendwann ist der Treibstoff am Ende. Es gibt heute Satelliten mit chemischen Treibstoff als als alleinige Ressource, die bestehen beim Start schon zu 2\/3 aus Treibstoff. Rechnet man dann noch die Trockenmasse des Antriebssystems hinzu, dann bleibt f&uuml;r den Rest des Satelliten noch ein Viertel der Startmasse &uuml;brig. Heute setzen immer mehr Satelliten f&uuml;r die Lageregelung schon Ionentriebwerke ein, da dann der Treibstoffverbrauch nur ein Zehntel betr&auml;gt, auch wenn die Trockenmasse h&ouml;her ist und man einen Teil des Stroms braucht. Doch fast alle Satelliten die bis vor wenigen Jahren gestartet wurden, nutzten nur chemischen Treibstoff.<\/p>\n<p>Das MEV nutzt Ionentriebwerke und bei der Reduktion der so ben&ouml;tigten Treibstoffmasse auf ein Zehntel kann man auch dann die mehrfache Masse des MEV bewegen. Nat&uuml;rlich gibt es auch andere Ressourcen, so nimmt die Leistung der Solarzellen laufend ab. Dann muss man einige Sender abschalten oder die Leistung reduzieren (geringere Signalst&auml;rke am Boden oder kleinere Zone mit optimalem Empfang).<\/p>\n<p>Warum nun bin ich skeptisch? Nicht wegen der Gesch&auml;ftsidee, sondern wegen der Gr&ouml;&szlig;e. Das MEV wiegt beim Start 2364 kg. Fast halb so viel wie der Satellit selbst. Bedenkt man, das es keinen chemischen Treibstoff einsetzt, sondern nat&uuml;rlich auch Ionentriebwerke f&uuml;r das Erreichen des GEO, dann ist es in der Masse im Orbit mit dem Intelsat 901 vergleichbar. Der Treibstofanteil f&uuml;r den Service ist &uuml;berschaubar: Um eine kombinierte Masse von 5000 kg j&auml;hrlich um 100 m\/s zu beschleunigen oder abzubremsen braucht man bei einem spezifischen Impuls von 30.000 m\/s nur 16,7 kg pro Jahr, also 200 kg w&uuml;rden f&uuml;r weitere 13 Jahre Betrieb reichen. Viel Strom braucht man auch nicht, wenn die Triebwerke ein Zehntel der Zeit arbeiten reichen etwa 3 kW Leistung.<\/p>\n<p>Ich halte den von Northro<strong>p-Grumman gew&auml;hlten <\/strong>Bus (Geostar-3 der Tochter Orbital f&uuml;r gro&szlig;e Kommunikationssatelliten und maximal 8 kW Leistung schlicht und einfach f&uuml;r &uuml;berdimensioniert. Der Geostar-3 wiegt etwa 1.500 bis 1.800 kg Trocken. Dazu kommt dann noch der Kopplungsmechanismus und nat&uuml;rlich die Ionentriebwerke und ihre Subsysteme. Ich denke f&uuml;r die sp&auml;tere Lageregelung w&uuml;rde der kleinere Geostar 2, vielleicht auch der Geostar 1 (wiegt nur 558 kg) ausreichen. Vor allem aber st&ouml;rt mich die Art der Mission: Diesmal ist es ein Doppelstart in den GTO. Also der klassische Ausgangsorbit. Wenn ich schon Ionentriebwerke habe, dann w&auml;re es sinnvoller sich vom LEO hochzuspiralen. Das dauert nat&uuml;rlich viel l&auml;nger, aber anders als bei neuen Kommunikationssatelliten hat man diese Zeit ja. Wenn dass Koplungsziel noch Treibstoff hat, dann kann man ohne Problem sich Zeit lassen bis man aus dem LEO in den GEO gelangt ist, auch wenn das dann nicht 3,5 Monate dauert sondern eher 8 bis 10. So haben wir aber folgende Situation: Das MEV wiegt etwa halb so viel wie sein Ziel. Damit d&uuml;rften auch die Startkosten und die Herstellungskosten in etwa halb so gro&szlig; wie bei einem neuen Satelliten sein. Der wirtschaftliche Nutzen ist dann wohl eher selten gegeben, am wahrscheinlichsten bei Satelliten die zu ihrer Zeit relativ teuer waren und heute noch mithalten k&ouml;nnen, denn sonst k&ouml;nnte man auch einen neuen Satelliten starten.<\/p>\n<p>Das Konzept halte ich aber grunds&auml;tzlich f&uuml;r gut. Man m&uuml;sste es nur verbessern. Mein Vorschlag: Das MEV wird deutlich leichter und startet von einem LEO aus. Das reduziert sowohl die Herstellungskosten wie auch die Startkosten, man k&ouml;nnte damit auch Nutzlastkapazit&auml;t besser ausnutzen, wenn nur wenig Nutzlast &uuml;brig ist dies f&uuml;r das MEV nutzen. Proton und Falcon 9 erreichen immer zuerst eine erdnahe Parkbahn. In ihr k&ouml;nnte man das MEV aussetzen. Dann z&uuml;ndet die letzte Stufe erneut und die Hauptnutzlast erreicht den GTO. Der Vorteil: da die GTO Nutzlast typisch \u00bd bis <sup>1<\/sup>\/<sub>3<\/sub> der LEO Nutzlast ist kann man so Startkosten sparen und die untere Nutzlast muss nicht wie bei MEV-1 relativ leicht sein (Eutelsat 5 West B als zweiter transportierter Satellit wog nur 2.864 kg). Selbst wenn das MEV wie bei diesem Start 2.364 kg wiegt, senkt die Absetzung im LEO die GTO Nutzlast nur um 1.000 kg ab, das hei&szlig;t man kann noch einen mittelschweren Satelliten mitbef&ouml;rdern.<\/p>\n<p>Immerhin f&uuml;r Intelsat ist der Service relativ risikolos: Sie zahlen pro Betriebsjahr 13 Millionen Dollar an Northrop-Grumman, anders als bei einem Satelliten in den sie erst investieren m&uuml;ssen und der auch noch ausfallen kann. Wenn es nicht funktioniert, m&uuml;ssen sie auch nicht zahlen.<\/p>\n<p>Ich sehe so aber keine gro&szlig;e Zukunft f&uuml;r diese gro&szlig;en Vehikel, auch weil die Lageregelung bei neuen Satelliten ja schon oft durch Ionentriebwerke durchgef&uuml;hrt wird und so ihre Lebensdauer viel h&ouml;her ist. Es gibt ja auch erste Satelliten die vom GTO aus den GEO nur elektrisch erreichen. Der Kundenkreis ist gering f&uuml;r so gro&szlig;e Vehikel mit entsprechend hohen Kosten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 ob das Konzept des Satellitenservices sich in der heutigen Form lohnt. Vor wenigen Tagen startete nach l&auml;ngerer Zeit wieder eine Proton mit einem Eutelsat Satelliten und dem MEV 1. Wie die Nummer andeutet gibt es auch ein MEV 2, das n&auml;chstes Jahr mit einer Ariane 5 starten soll. MEV ist der erste Satellitenserver. 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Und da punkten Ionentriebwerke mit spezifischen Impulsen, die zehnmal h\u00f6her sind als bei chemischen Triebwerken. Wie bei allen anderen \u201ealternativen\u201c Antriebskonzepten wie nuklearen\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/ebe2eec6979b4f928aca02f69c05d636","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18752,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/07\/10\/tritiumbatterien\/","url_meta":{"origin":14351,"position":2},"title":"&#8222;Tritiumbatterien&#8220;","author":"Bernd Leitenberger","date":"10.07.2026","format":false,"excerpt":"Als ich nach dem n\u00e4chsten Starship-Start suchte \u2013 der letzte ist ja schon sieben Wochen her und nach Musk sollten sie ja einmal pro Monat starten fand ich das heutige Thema. 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