{"id":14419,"date":"2019-11-20T11:07:36","date_gmt":"2019-11-20T10:07:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=14419"},"modified":"2024-06-10T08:52:27","modified_gmt":"2024-06-10T06:52:27","slug":"die-wiederbetankung-im-orbit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2019\/11\/20\/die-wiederbetankung-im-orbit\/","title":{"rendered":"Die Wiederbetankung im Orbit"},"content":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_14419\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"14419\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Den Blog hatte ich schon seit L&auml;ngerem im Kopf, doch PlatzX macht ihn unerwartet aktuell, doch dazu sp&auml;ter mehr. Es geht um das Wiederauftanken im Orbit. Auftanken ist auf der Erde einfach. Dazu muss eigentlich nur die Fl&uuml;ssigkeit auf einem h&ouml;heren Schwerkraftsniveau sein und sie l&auml;uft von alleine bergab, wenn man das Ventil zum Tank &ouml;ffnet. Ist das nicht der Fall, z.\u00a0B. bei einem unterirdischen Reservoir wie bei einer Tankstelle, so kann man sie mit Druck in die Leitung pressen oder durch eine Pumpe ansaugen (Saugen ist ja auch eine Druckdifferenz, nur ist dort wo angesaugt wird der Druck kleiner durch das Ansaugen als dort, wo die Fl&uuml;ssigkeit unter \u201eNormaldruck\u201c steht.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/e92a8f10d3074b7bac71e0751226b8a4\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><!--more--><\/p>\n<p>Unter Schwerelosigkeit sieht das anders aus. Fl&uuml;ssigkeiten nehmen dann die Form mit der geringsten Oberfl&auml;che ein und das ist eine Kugel und selbst bei einem vollen Tank wird diese Kugel nicht &uuml;berall die Wand ber&uuml;hren (auch bei einem vollen Tank bleibt immer etwas Leerraum, weil die Tanks zur Treibstofff&ouml;rderung und zur Erh&ouml;hung der Stabilit&auml;t unter einem geringen Druck stehen. Erst recht ist das aber der Fall, wenn schon ein Teil des Treibstoffs verbraucht ist. Ein Satellit im GEO braucht f&uuml;r die ersten Antriebsman&ouml;ver z.B. zwei Drittel seines anf&auml;nglichen Vorrats. Den Rest f&uuml;r zahlreiche Bahn- und Lagekorrekturen &uuml;ber die Lebensdauer und da ist der Tank dann schon zu <sup>2<\/sup>\/<sub>3<\/sub> leer. &Ouml;ffnet man nun das Ventil zum Triebwerk, so kann es sein, dass keine Fl&uuml;ssigkeit in die Leitung str&ouml;mt, sondern Gas. Der Treibstofffluss reist ab, das Triebwerk startet nicht oder es tritt nur eine Komponente (Oxidator oder Verbrennungstr&auml;ger) ein und es kann zu Besch&auml;digungen des Triebwerks bis zur Explosion kommen. Das will man nicht haben.<\/p>\n<p>F&uuml;r druckgef&ouml;rderte Stufen hat man daher schon seit Langem eine Technologie im Einsatz, die man prinzipiell auch f&uuml;r das Umpumpen von Treibstoffen nutzen kann. Bei druckgef&ouml;rderten Stufen stehen die Tanks unter relativ hohem Druck, typisch 10 bis 15 bar, bei normalen Stufen reichen 0,5 bis 2 bar Tankdruck aus. Die Tanks sind auch beim Start nur teilweise gef&uuml;llt (typisch zwei Drittel). Den Rest des Volumens macht Druckgas aus, &uuml;blicherweise Helium, das ist das leichteste Gas. Fl&uuml;ssigkeitsraum und Gasraum sind getrennt durch eine Gummimembran, die an der Wand befestigt ist. Das Gummi ist dehnbar und dehnt sich so weit aus, bis die Gasblase den ganzen Innenraum ausf&uuml;llt, den die Fl&uuml;ssigkeit &uuml;brig l&auml;sst, denn diese ist ja nicht komprimierbar. So f&uuml;llt die Fl&uuml;ssigkeit immer den verf&uuml;gbaren Raum voll aus und l&auml;sst man Treibstoff ab, z.\u00a0B. weil ein Triebwerk z&uuml;ndet, so dehnt sich die Gummimembran durch die Druckdifferenz weiter aus. Bis auf kleine Reste kann man so auch den Treibstoff fast vollkommen nutzen.<\/p>\n<p>Bei einer Wiederbetankung befindet sich am Auslass nun einfach kein Triebwerk, sondern eine Leitung, die zu einem Adapter f&uuml;hrt. An ihn wird bei der Ankopplung eine zweite Leitung zu einem Tank angeschlossen. Vor dem Betanken muss man in diesem Ziel-Tank den Druck abbauen, damit sich die Gummiblase entspannt und dort ein Unterdruck herrscht. Dann str&ouml;mt durch den &Uuml;berdruck im Quell-Tank von alleine die Fl&uuml;ssigkeit in den zweiten Tank, bis man das Ventil schlie&szlig;t oder die Blase den gesamten Innenraum des Ausgangstanks ausf&uuml;llt. Solange der Zieltank gen&uuml;gend gro&szlig; ist, muss man auch den Druck nicht vollst&auml;ndig ablassen. Es reicht aus, das die Druckdifferenz, selbst wenn das Gasvolumen im Quelltank ansteigt und damit der Druck absinkt immer noch gegeben ist. Man kann noch nachhelfen, indem man den Druck im Quelltank durch Gaseinleitung aufrechterh&auml;lt. Beim <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/atv-aktuell.shtml\">ATV<\/a> wo immer auch Gas bef&ouml;rdert wird ist das ohne zus&auml;tzliche Ausr&uuml;stung m&ouml;glich.<\/p>\n<p>Diese Technologie haben die Sowjets beim Betanken von Saljut 6 eingef&uuml;hrt und verfeinert. Das europ&auml;ische ATV benutzt sie auch. Die Schwierigkeit liegt weniger im Prinzip, als vielmehr, dass zwei Leitungen beim Ankoppeln verbunden werden m&uuml;ssen und das dicht, ohne das jemand eingreift oder bei der Kopplung etwas besch&auml;digt wird. Ich vermute auch das die NASA an so etwas dachte, als sie bei der ersten Ausschreibung f&uuml;r die <a href=\"https:\/\/www.nasa.gov\/feature\/fast-track-to-the-moon-nasa-opens-call-for-artemis-lunar-landers\">Mondlander f&uuml;r das Artemis-Programm<\/a> die Forderung nach einer Auftankung im Orbit stellte. Denn im Servicemodul der Orion werden druckgef&ouml;rderte Triebwerke (AJ10) eingesetzt. Es w&auml;re eine einfache M&ouml;glichkeit der Nutzlaststeigerung, da die Orion ausgelegt ist, mit der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/sls.shtml\">SLS Block I<\/a> einen Mondorbit zu erreichen. Da die SLS Block IB dann aber etwa 10 t mehr Nutzlast hat, die man dann als Treibstoff f&uuml;r einen Mondlander nutzen k&ouml;nnte, der so schwerer sein kann, w&auml;re das eine elegante L&ouml;sung. Auch ein Mondlander wird wahrscheinlich druckgef&ouml;rdert sein. Zum einen reichen diese Triebwerke f&uuml;r den geforderten Schub vollkommen aus, zum Zweiten sind sie relativ einfach im Schub variierbar, was bei der Landung f&uuml;r die Schwebephase n&ouml;tig ist und zum Dritten sind sie zuverl&auml;ssiger als Triebwerke mit Turbopumpen, was bei bemannten Missionen sehr wichtig ist \u2013 alle bemannten US-Missionen haben daher f&uuml;r die Orbitalgef&auml;hrte nur druckgef&ouml;rderte Triebwerke eingesetzt.<\/p>\n<p>Anders sieht es bei \u201enormalen\u201c Stufen aus, also solchen die einen Turbopumpenantrieb haben. Auch sie stehen unter Druck aber nur einem geringen von typisch kleiner als 3 Bar. Eine Gummiblase gibt es nicht und die Tanks sind l&auml;nglicher \u2013 bei druckgef&ouml;rderten Triebwerken nimmt man meist Kugeltanks oder Zylindertanks mit Kugeldomen und kurzer Zylinderh&ouml;he \u2013 so muss sich die Gummiblase nicht zu sehr ausdehnen, denn auch die Dehnf&auml;higkeit von Gummi ist begrenzt, zumal der typische Oxidator Stickstofftetroxid chemisch sehr aggressiv ist. (Er ist ein Oxidationsmittel und mit Spuren von Wasser, die es immer gibt auch eine aggressive S&auml;ure) Ob man eine Gummimembran bei dem bei gr&ouml;&szlig;eren Stufen &uuml;blichen Oxidator Sauerstoff einsetzen kann, wage ich zu bezweifeln. Zum einen wird Gummi von alleine durch die Luft und den enthaltenen Sauerstoff spr&ouml;de. Zum anderen hat fl&uuml;ssiger Sauerstoff eine Temperatur von -183\u00b0C und bei dieser Temperatur wird selbst Gummi hart wie Beton. In einer langen zylinderf&ouml;rmigen Stufe wird daher sich der Treibstoff in der Mitte ansammeln und nicht am Ende, wo die Leitungen zum Tank sind. Das Abrei&szlig;en des Treibstoffflusses ist bei einem <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/triebwerke.shtml\">pumpengef&ouml;rderten Antrieb<\/a> folgenreicher. Die F&ouml;rderung &uuml;bernimmt der Gasgenerator, der durch Verbrennung eines Teils des Treibstoffs ein Arbeitsgas erzeugt, das wiederum eine Gasturbine antreibt und diese Gasturbine dann eine Pumpe. Es gibt hier viele bewegliche Teile, wie Propeller, und wenn nun der Fluss ausbleibt, kann das leicht zu Besch&auml;digungen f&uuml;hren.<\/p>\n<p>Doch schon seit Jahrzehnten gibt es wiederz&uuml;ndbare Oberstufen, die mit diesem Problem zu k&auml;mpfen haben und es gibt L&ouml;sungen sie unter Schwerelosigkeit zu z&uuml;nden. Die Erste ist es, an den Tanks wo die Tankleitungen sitzen, S&uuml;mpfe anzubringen. Das sind Vertiefungen mit einer besonders behandelten Oberfl&auml;che. Sie bindet einen Teil des Treibstoffs adh&auml;siv, vergleichbar, wie ein Schwamm Fl&uuml;ssigkeit bindet. Man kennt das Ph&auml;nomen auch aus dem Alltag, wenn raue Oberfl&auml;chen mehr Wasser binden als glatte Oberfl&auml;chen. &Ouml;ffnet man die Ventile zum Triebwerk. So treibt der Druck zuerst diese Fl&uuml;ssigkeit in die Leitungen, sie reicht aus, das Triebwerk mit niedrigem Schub zu starten. Die dadurch erzeugte Schubkraft beschleunigt die Stufe leicht und die Beschleunigung (nichts anderes ist ein Druck) f&uuml;hrt dann dazu das der Treibstoff zum Stufenende getrieben wird. So eine L&ouml;sung setzten die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/agena.shtml\">Agena<\/a> oder die Astris Stufe der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/europa.shtml\">Europa <\/a>ein.<\/p>\n<p>Die zweite L&ouml;sung f&uuml;r eine Wiederz&uuml;ndung solcher Stufen ist es, diesen ben&ouml;tigten Schub durch eigene Raketentriebwerke zu erzeugen. Stufen haben solche kleinen Triebwerke auch f&uuml;r andere Zwecke, so muss die Lage w&auml;hrend der Freiflugphase stabilisiert werden, damit die Stufe f&uuml;r die Wiederz&uuml;ndung korrekt ausgerichtet ist. Diese Triebwerke k&ouml;nnen mit eigenem Treibstoffvorrat nach obigen \u201eBlow-Down\u201c Prinzip arbeiten oder mit Treibstoff aus dem Haupttank, daf&uuml;r reicht wegen des geringen Schubs oft auch schon verdampfender Treibstoff in Gasform aus. Sie z&uuml;nden vor der Z&uuml;ndung der Stufe. Daneben kann auch der Treibstoff selbst daf&uuml;r genutzt werden. Entweder, indem man bei nicht lagerf&auml;higen Treibstoffen den Tankdruck ansteigen l&auml;sst und den nicht ben&ouml;tigten &Uuml;berdruck vor der Z&uuml;ndung durch D&uuml;sen abzulassen. Diese m&uuml;ssen dann nur in die gleiche Richtung wie das Triebwerk zeigen. (Anders als bei Triebwerken wird dabei der Treibstoff nicht verbrannt) Alternativ kann man auch Treibstoff \/ Gas durch das Haupttriebwerk expandieren. Bei Triebwerken, die Wasserstoff verbrennen ist, das sowieso vor dem Start n&ouml;tig. Dann durchstr&ouml;mt der Treibstoff das Triebwerk, verdampft durch die h&ouml;here Temperatur und k&uuml;hlt so auch das Triebwerk vor. Dieses \u201eChill-Down\u201c wird bei vielen Triebwerken eingesetzt so beim J-2 und Vinci. Die S-IVB Stufe hatte (auch aus Redundanzgr&uuml;nden) alle drei Systeme an Bord: Eigene Vorbeschleunigungstriebwerke, D&uuml;sen am Tank, die Wasserstoff gegen die Bahnrichtung entlassen konnten und das J-2 wurde vor dem Start gechillt.<\/p>\n<p>Im Prinzip k&ouml;nnte man diese Verfahren auch f&uuml;r eine Betankung einsetzen. Nur ist der Schub nicht erw&uuml;nscht, er m&uuml;sste aber &uuml;ber die gesamte Betankungsdauer aufrechterhalten werden. Er &auml;u&szlig;ert sich, selbst wenn er nur gering ist, &uuml;ber die Dauer des Vorgangs in einer Bahn&auml;nderung und die ist meist nicht beabsichtigt. Denkt man an das Wiederauftanken nicht durch spezielle Frachttransporter wie das ATV oder die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/progress.shtml\">Progress<\/a> die fest mit dem Ziel (Raumstation Saljut, Mir oder ISS) verbunden sind, sondern eine Auftankung eines ansonsten selbstst&auml;ndigen Gef&auml;hrts (wie z.B. bei einem Flugzeug &uuml;ber eine flexible Leitung) dann ist offensichtlich das dies keine L&ouml;sung ist \u2013 der Schub w&uuml;rde nur bei dem Gef&auml;hrt wirken, das den Treibstoff anfangs hat und die Leine dadurch abrei&szlig;en oder aus der Verankerung gezogen. Wie SpaceX so ihr Starship im Orbit auftanken will, wird spannend werden. Derzeit gibt es auf jeden Fall keine eingesetzte Technologie bei anderen Raumschiffen, die dies erm&ouml;glichen w&uuml;rde. Eine L&ouml;sung, die ich sehe ist, das man den Treibstoff nicht aus den Tanks des Starships nimmt, das ohne Nutzlast ja noch etwa 100 t Resttreibstoff in den Tanks hat, sondern im Nutzlastraum aus einem mitgef&uuml;hrten Drucktank nach dem obigen Prinzip des Blow-Downs, den man mit einem Adapter am Tank eines zweiten Starships anbringt. Dann ist die Vorgehensweise die gleiche wie sie heute beim Auftanken von Sarja durch ein ATV oder eine Progress. Zumindest w&auml;re, das meine L&ouml;sung, wenn ich mich diesem Problem stellen m&uuml;sste.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Das Starship als Mondlandungsgef&auml;hrt<\/h3>\n<p>Dieser <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/grundlagen-der-raumfahrt.shtml\">Grundlagenartikel<\/a>, auf den ich auch wegen der Nachf&uuml;llpl&auml;ne von SpaceX f&uuml;r ihr Starship kam, wird &uuml;berraschend aktuell. Nach <a href=\"https:\/\/spaceflightnow.com\/2019\/11\/19\/spacex-offering-starship-to-nasa-for-lunar-landing-missions\/\">SpaceFlightNow<\/a> bewirbt sich SpaceX um Auftr&auml;ge im Rahmen des Commercial Lunar Payload Services, oder CLPS, Programms. Dazu will man ein Starship auf der Oberfl&auml;che des Mondes landen. Das hat mich verwirrt. Zum einen ist dieses Programm gedacht f&uuml;r den Transport von kleinen Experimenten (die Mindestanforderung liegt bei 10 kg Nutzlast auf die Mondoberfl&auml;che) gedacht. Es ist ein Programm bei dem Firmen mit relativ wenig Geld einsteigen k&ouml;nnen, denn so wiegen auch ihre Gef&auml;hrte nicht viel und k&ouml;nnen wie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Beresheet\">Beresheet<\/a> als Sekund&auml;rnutzlast bei einem GTO-Start mitfliegen, was die Startkosten reduziert. Beresheet wog beim Start 585 kg und ohne Treibstoff (also minimale Landemasse) 150 kg. Demgegen&uuml;ber wiegt das Starship ohne Treibstoff 120 t und da SpaceX als Ziel hat das ein Start so viel kostet wie heute ein Falcon Start (also maximal 90 Millionen Dollar) ist das nicht preiswert. Die ersten drei Firmen, die bisher SpaceX Kontrakte bekamen, erhielten zwischen 76 und 97 Millionen Dollar von der NASA. Angemessen f&uuml;r 10 kg Nutzlast aber sicher nicht ausreichend f&uuml;r auch nur einen Start des Starships.<\/p>\n<p>Es gibt nun eine <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Commercial_Lunar_Payload_Services\">zweite Runde<\/a> mit gr&ouml;&szlig;eren Landern bei der auch auch Blue Origin und Boeing beteiligt. Blue Origion will 3,6 t mit ihrem \u201eBlue Moon\u201c Lander zum Mond bringen bei einem Start mit der New Glenn die 53 t in den LEO schafft. Allerdings sind das Gef&auml;hrte f&uuml;r eine bemannte Landung und Shotwell machte im Artikel klar, das die ersten Starship Landungen unbemannt erfolgen sollen. Kurzum: es passt weder zu den \u201eleichten\u201c noch den \u201eschweren\u201c Mondlandern die die NASA f&ouml;rdern will.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Analyse<\/h3>\n<p>Zuerst mal hab ich mich gefragt, ob Musk nun v&ouml;llig den Verstand verloren hat oder Marihuana, das er ja raucht, vielleicht doch nicht so harmlos ist, wie ich dachte. Den ersten offensichtlichen Einwand sieht jeder, der sich die untere Abbildung anschaut:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium\" src=\"\/img\/starship-mond.jpg\" width=\"900\" height=\"506\" \/>Ein Vehikel, das so schmal ist, kann leicht umkippen und die Mondoberfl&auml;che ist, da muss man sich nur mal die Aufnahmen der Landepl&auml;tze anschauen, ist nicht so eben wie in er Grafik. Bei Landungen auf ebenen Plattformen der Droneschiffe sind bei SpaceX schon Stufen umgekippt, bei einer kraterbedeckten Oberfl&auml;che ist das noch wahrscheinlicher. Die Abbildung t&auml;uscht in einem weiteren Punkt. Man sieht dort einen Menschen und einen Kran. Das Starship wird aber unbemannt starten und es sind auch unbemannte Fl&uuml;ge im Rahmen des CLPS Programms vorgesehen. Einen Kran kann man mitf&uuml;hren, ben&ouml;tigt ihn aber f&uuml;r Orbitaleinsatz nicht, (ohne Schwerkraft macht ein Seil zum Abseilen keinen Sinn) w&uuml;rde ihn also nur f&uuml;r diesen Einsatzzweck entwickeln m&uuml;ssen, was zus&auml;tzlich Geld kostet.<\/p>\n<p>Der offensichtlichste Nachteil ist das <span style=\"font-size: medium;\">\u0394<\/span><span style=\"font-size: medium;\">v<\/span> Budget. Ich habe es mal simuliert, mit den bekannten Eckdaten des Starships: 120 t Masse, drei Raptor Vakuumtriebwerke (die anderen drei haben einen niedrigen spezifischen Impuls und kleinere D&uuml;sen und sind f&uuml;r die Landung auf der Erde gedacht) mit einem spezifischen Impuls von 3727 m\/s. Ich habe eine direkte Landung angenommen. Ohne Schwebephase errechne ich bei einer Landung mit einer anf&auml;nglichen minimalen Geschwindigkeit von 2400 m\/s ungef&auml;hr ein <span style=\"font-size: medium;\">\u0394<\/span><span style=\"font-size: medium;\">v<\/span> von 2600 m\/s. Das entspricht dem <span style=\"font-size: medium;\">\u0394<\/span><span style=\"font-size: medium;\">v<\/span> das auch die <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/surveyor.shtml\">Surveyors<\/a> hatten (2700 m\/s). Nimmt man 200 m\/s f&uuml;r die Schwebephase an, ist man bei 2800 m\/s f&uuml;r die Landung. Da der R&uuml;ckstart im Prinzip genauso verl&auml;uft, nur dort die Schwebephase entf&auml;llt, braucht man f&uuml;r die R&uuml;ckkehr zur Erde auch 2600 m\/s. (Apollo hatte deutlich h&ouml;here <span style=\"font-size: medium;\">\u0394<\/span><span style=\"font-size: medium;\">v<\/span> Budgets, aber auch ein anderes Landeverfahren. Addiert man das <span style=\"font-size: medium;\">\u0394<\/span><span style=\"font-size: medium;\">v<\/span> f&uuml;r das Erreichen des Mondorbits und die Landung so kommt man auf 3100 bis 3200 m\/s). Also Landung auf dem Mond und R&uuml;ckstart (sonst ist das Starship ein Totalverlust) erfordern mindestens 5400 m\/s. Dazu kommt noch der &Uuml;bergang in eine translunare Bahn, das sind 3150 m\/s &uuml;ber der Kreisbahngeschwindigkeit eines 100 nmi (185 km) Standardorbits. Zusammen sind dies ohne andere Man&ouml;ver f&uuml;r Kurskorrekturen also ein <span style=\"font-size: medium;\">\u0394<\/span><span style=\"font-size: medium;\">v<\/span> von 8550 m\/s.<\/p>\n<p>Nun ben&ouml;tigt man keine Simulation mehr. Man kann die Ziolkowski Formel nehmen. F&uuml;r alle zum Nachrechnen:<\/p>\n<p>v = va * ln Voll\/Leer)<\/p>\n<p>v = Zielgeschwindigkeit (hier: 8550 m\/s)<\/p>\n<p>va = Ausstr&ouml;mgeschwindigkeit des Antriebs (hier: 3727 m\/s<\/p>\n<p>Voll: Vollmasse (gesucht)<\/p>\n<p>Leer: Leermasse (hier: 120 t)<\/p>\n<p>Wir m&uuml;ssen also die Gleichung auf Voll umstellen. Das geht in drei Schritten:<\/p>\n<ul>\n<li>Dividieren durch Va:<\/li>\n<\/ul>\n<p>v\/va = ln (Voll\/Leer)<\/p>\n<ul>\n<li>Exponentieren:<\/li>\n<\/ul>\n<p>e<sup>(v\/va)<\/sup> = Voll\/Leer<\/p>\n<ul>\n<li>Multiplizieren mit Leer:<\/li>\n<\/ul>\n<p>Leer * e<sup>(v\/va)<\/sup> = Voll<\/p>\n<p>wer mir nicht glaubt, oder seine Mathematikkenntnisse inzwischen verloren hat, kann es ja mit Wolfram Alpha nachpr&uuml;fen. Setzen wir die Werte ein:<\/p>\n<p>Voll = e<sup>(8550\/3727)<\/sup>*120<\/p>\n<p>Voll = 1189,8<\/p>\n<p>Man ben&ouml;tigt also 1189,8 oder aufgerundet 1200 t im Erdorbit um 120 t zum Mond und zur&uuml;ck zu bringen. Nicht verwunderlich, denn bei Blue Origin sind es ja auch nur 3,6 von 53 t die auf dem Mond landen und die kommen nicht mal zur&uuml;ck. Bei 100 t Nutzlast pro Flug und 120 t Masse des Starships ben&ouml;tigt dann PlatzX 11 Auftanksfl&uuml;ge, um ein Starship zum Mond zu bringen. Wenn sie es dort zur&uuml;cklassen, sinkt die Startmasse auf 592 t und f&uuml;nf Tankfl&uuml;ge.<\/p>\n<p>Wenn (Betonung auf Wenn), sie tats&auml;chlich den Start des dreimal schwerer als eine Falcon 9 Gef&auml;hrts f&uuml;r denselben Preis hinbekommen, dann sind das aber immer noch 12 x 90 = 1080 Millionen Dollar pro Flug.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Ich wollte nur noch erw&auml;hnen &#8230;<\/h3>\n<p>Das dies nur ein Problem ist. Die Auftankfrage habe ich ja schon erl&auml;utert. Daneben d&uuml;rfte das Gef&auml;hrt rund 4 Tage zum Mond unterwegs sein, steht dort dann auch noch l&auml;ngere Zeit rum und soll dann wieder starten. Beide Treibstoffe sind nur bei tiefen Temperaturen fl&uuml;ssig. W&auml;hrend der interplanetaren Phase kann man durch einen Schild gut die Sonnenstrahlung die W&auml;rme abschirmen, aber auf dem Mond kommt die Strahlung von der ganzen Oberfl&auml;che, also nicht einer Punktquelle und ein Schild w&auml;re bei der vorherigen Phase an der Seite und nicht am Heck. Das ist nicht wenig, denn die Oberfl&auml;che heizt sich auf bis zu 120\u00b0C hoch.<\/p>\n<p>Schon vorher gibt es Probleme. Denn insgesamt sechs bzw. zw&ouml;lf Fl&uuml;ge pro Mission setzen eine hohe Flugfrequenz voraus, sollte der Treibstoff nicht schon vorher im Erdorbit verdampfen, denn auch die Erde strahlt reichlich Infrarotstrahlung ab, wenn auch weniger als der Mond. Bisher plant SpaceX in ihren <a href=\"http:\/\/www.spaceref.com\/news\/viewsr.html?pid=52712\">Unterlagen<\/a>, die sie f&uuml;r die Absch&auml;tzung des Umwelteinflusses und Beeintr&auml;chtigung des Flugverkehrs vorlegen m&uuml;ssen, aber maximal 24 Starts pro Jahr vom Kennedy Space Center aus. Das hei&szlig;t, im Extremfall muss der Treibstoff 5 Monate lang fl&uuml;ssig gehalten werden.<\/p>\n<p>Die Alternative, das Starship aufzutanken, dann den Orbit anzuheben und dies zu wiederholen, ist auch nicht umsetzbar. Da ein Starship ohne Treibstoff nicht mal einen exzentrischen elliptischen Orbit erreicht, kann man so nicht verfahren, das geht nur bei vergleichsweise leichten Stufen. Zudem &auml;ndert dies nichts an dem Treibstoff, den man f&uuml;r die Mondlandung und die R&uuml;ckkehr braucht und diese Menge muss man in jedem Falle aktiv k&uuml;hlen.<\/p>\n<p>Und dann noch die Frage, ob das Starship &uuml;berhaupt sicher landen kann, ohne umzukippen. Aber ist eigentlich nichts neues. Vor mehr als drei! Jahren nahm ich schon Musks Aussage \u201eD<a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2016\/05\/02\/dragon-2-is-designed-to-be-able-to-land-anywhere-in-the-solar-system\/\">ragon 2 is designed to be able to land anywhere in the solar system<\/a>\u201c unter die Lupe. Inzwischen wissen wir das sie nicht mal auf der Erdoberfl&auml;che landen kann und SpaceX wieder zur Seelandung &uuml;bergangen ist. Und nun dasselbe mit dem Starship \u201eThe Starship will be similarly capable of vertical landings on Earth, or on other planetary surfaces.\u201c. Gleicher Text, nur anderes Raumschiff. PlatzX, Shotwell und Musk halten die &Ouml;ffentlichkeit wohl f&uuml;r ziemlich doof oder vergesslich. Auf der anderen Seite h&auml;ngen sie bei einer einfachen Kapsel wie der \u201eCrewed Dragon&#8220; drei Jahre hinter den Pl&auml;nen hinterher obwohl diese von der Dragon abgeleitet ist die 2011 erstmals flog und alle Ank&uuml;ndigungen f&uuml;r diese Dragon wie <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/08\/07\/red-dragon\/\">Red Dragon<\/a> zum Mars oder Gray Dragon zum Mond (geschweige denn der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2017\/04\/01\/nachlese-ses-10-und-die-orange-dragon\/\">Orange Dragon zur Venus<\/a>) wurden gestrichen.<\/p>\n<p>Ach ja und die Astronomen hat SpaceX auch wieder mit ihren neuen Skylink-Satelliten erfreut:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/twitter.com\/lcjohnso\/status\/1196370554414125056\/photo\/1\">https:\/\/twitter.com\/lcjohnso\/status\/1196370554414125056\/photo\/1<\/a><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pbs.twimg.com\/media\/EJpcrN7WsAA7myI?format=jpg&#038;name=medium\" width=\"1016\" height=\"1024\" class=\"alignnone size-medium\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_14419\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"14419\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Den Blog hatte ich schon seit L&auml;ngerem im Kopf, doch PlatzX macht ihn unerwartet aktuell, doch dazu sp&auml;ter mehr. Es geht um das Wiederauftanken im Orbit. Auftanken ist auf der Erde einfach. Dazu muss eigentlich nur die Fl&uuml;ssigkeit auf einem h&ouml;heren Schwerkraftsniveau sein und sie l&auml;uft von alleine bergab, wenn man das Ventil zum Tank [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[4419,388,4385,4420],"class_list":["post-14419","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-raumfahrt","tag-betankung","tag-mondlandung","tag-starship","tag-wiederbetankung","entry"],"a3_pvc":{"activated":true,"total_views":904,"today_views":0},"jetpack_featured_media_url":"","jetpack-related-posts":[{"id":18605,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/03\/13\/artemis-berechnungen\/","url_meta":{"origin":14419,"position":0},"title":"Artemis-Berechnungen","author":"Bernd Leitenberger","date":"13. 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