{"id":14436,"date":"2019-12-03T11:25:32","date_gmt":"2019-12-03T10:25:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=14436"},"modified":"2019-12-03T11:26:53","modified_gmt":"2019-12-03T10:26:53","slug":"das-mondprogramm-mit-der-sls-wie-es-meiner-ansicht-nach-laufen-koennte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2019\/12\/03\/das-mondprogramm-mit-der-sls-wie-es-meiner-ansicht-nach-laufen-koennte\/","title":{"rendered":"Das Mondprogramm mit der SLS \u2013 wie es meiner Ansicht nach laufen k&ouml;nnte"},"content":{"rendered":"<p>Die NASA will ja zur&uuml;ck zum Mond, aber so wie es aussieht mit der SLS, wie sie heute ist, nur noch erg&auml;nzt um eine neue Oberstufe, die EUS. Urspr&uuml;nglich war die Sache ja so gedacht: Wir bauen jetzt erst mal die erste Version der SLS, genannt Block I, noch ohne Oberstufe, sodass sie nur Erdorbitmissionen durchf&uuml;hren kann. Einfach weil das Budget f&uuml;r eine normale Raketenentwicklung nicht die Mittel hergibt. Die steigen n&auml;mlich an, bis zu einer Spitze vor dem Abschluss der Entwicklung. Die Fertigung ist dann deutlich preiswerter \u2013 bei der Saturn V kostete die Entwicklung und die produzierten Exemplare zusammen &uuml;ber 9 Mrd. Dollar, die 15 gefertigten Raketen machen davon aber nur 3 aus. Bei der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/sls.shtml\">SLS<\/a> sollte die Finanzierung &uuml;ber viele Jahre dagegen konstant belieben. So kam man zum einen auf das Konzept der Resteverwertung und zum anderen hat man den Kostenfaktor Oberstufe erst mal weggelassen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/84b9487e7db346778f3f565a0b69f53f\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><!--more--><\/p>\n<p>Sp&auml;ter sollte eine Oberstufe hinzukommen und dann sollten neue Booster die derzeitigen abl&ouml;sen. Die erste Version fliegt mit einer umgebauten <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/delta-3und4.shtml\">Delta 4<\/a> Zweitstufe und kann 28 t zum Mond transportieren. Das wiegt netterweise eine Orion mit Servicemodul und Treibstoff. Die n&auml;chste Version mit neuer Oberstufe wird das dann auf 37 bis 40 t anheben.<\/p>\n<p>Beides ist aber weniger, als die Apollo-Hardware wog, das waren zwischen 46 und 48 t. Schon die Orion mit Servicemodul ist so schwer wie das Apollo-CSM, kann anders als dieses aber keinen Mondlander noch in den Mondorbit mitf&uuml;hren. Die L&ouml;sung f&uuml;r die NASA ist es, die Starts aufzuteilen: einen f&uuml;r die Orion und einen f&uuml;r den Mondlander. Dazu gibt es das Lunar Gateway, eine Miniraumstation im Mondorbit, in der die Astronauten dann wohl warten m&uuml;ssen, bis auch der Mondlander da ist.<\/p>\n<p>An und f&uuml;r sich l&auml;uft es bei meinen Konzept genauso, nur das ich das Lunar Gateway f&uuml;r &uuml;berfl&uuml;ssig halte. Man kann den Mondlander vor der bemannten Mission starten und im Mondorbit parken. Die meisten Umlaufbahnen um den Mond sind durch St&ouml;rungen von Erde und Sonne, aber auch Massekonzentrationen unter bestimmten Regionen instabil, doch nicht alle. In solchen Orbits befindet sich der LRO und Chandrayaan 1 \u2013 die Sonde konnte nach ihrem Ausfall noch nach Jahren durch Vermessung gefunden werden. In einem solchen \u201efrozen Orbit\u201c kann man den LM parken. Das Ankoppeln im Mondorbit hat schon Apollo demonstriert, nur w&auml;re es hier mit getauschten Rollen. Alternativ gibt es inzwischen gen&uuml;gend sensorische Hilfsmittel, um das automatisch durchzuf&uuml;hren, von Radar &uuml;ber Lasersensoren oder Kameraauswertungen. Die Besatzung w&uuml;rde dann umsteigen (diesmal alle Astronauten) und wie gehabt landen, sp&auml;ter zur Orion zur&uuml;ckkehren und den Mond wieder verlassen. Der einzige Unterschied zu Apollo ist, das der Mondlander separat gestartet und in den Mondorbit gelangt, anstatt das er mitgef&uuml;hrt wird.<\/p>\n<p>Bei 37 t Masse ist er auf dem ersten Blick deutlich gr&ouml;&szlig;er aus als der von Apollo, der unter 16 t wog. Aber nur auf den ersten Blick. Er muss ja auch einen Mondorbit erreichen, und das kostet Treibstoff. Bei einem spezifischen Impuls von 3150 m\/s (dem des AJ-10), 1000 m\/s f&uuml;r das Erreichen des Mondorbits und wie bei Apollo 2280 m\/a f&uuml;r die Landung, betr&auml;gt die Landemasse noch 13,06 t. (Apollo: 7 t). Bei dem gleichen Voll\/-Leermasseverh&auml;ltnis der Abstiegsstufe wie beim Apollo LM (4,84) bleiben noch 6,8 t f&uuml;r die R&uuml;ckkehrstufe &uuml;brig. Das sind zwar rund 50 % mehr als bei Apollo (dort wog sie 4,4 t) aber es sind ja auch mehr Astronauten, drei oder vier. Sie muss gr&ouml;&szlig;er sein und ich glaube die extrem leichte Bauweise des LM entspricht nicht den heutigen Sicherheitsvorschriften.<\/p>\n<p>Die Stromversorgung w&uuml;rde ich solar auslegen. Der Lander kann ja relativ gro&szlig; sein, die SLS hat eine 8,38 m gro&szlig;en Nutzlastverkleidung, da kann er einen maximalen Durchmesser von 7,6 m haben, der maximale Durchmesser des LM von Apollo betrug nur 4,2 m. Nimmt man eine sechseckige Konstruktion, die Form hatte in etwa (er war ziemlich unregelm&auml;&szlig;ig aufgebaut) der LM so entspricht dies einer Dachfl&auml;che von 35 m\u00b2, die belegt mit Solarpaneelen maximal 11 kW Leistung abgeben, bei flachem Lichteinfall weniger, doch es w&uuml;rde sicher reichen. Aufladbare Batterien als Absicherung und f&uuml;r die Zeit, wo die Paneele keinen oder zu wenig Strom liefern, w&auml;ren eine Erg&auml;nzung dazu.<\/p>\n<p>Mein Pl&auml;doyer w&auml;re das man mit einem Lander die ganze Ausr&uuml;stung und das Equipment transportiert und einen Zweiten ohne Aufstiegsstufe, aber als Wohnquartier landet. Beim Ersten gehen von der Wohnfl&auml;che n&auml;mlich noch die Treibstofftanks und der Antrieb ab. Zudem muss er sehr leicht aufgebaut sein, weil er ja noch in den Orbit startet. Der zweite Lander h&auml;tte dagegen 6,8 t f&uuml;r ein Wohnmodul &uuml;brig. Die Struktur selbst (nimmt man die Trockenmasse des MPLM als Ma&szlig;) wiegt relativ wenig, bei einem Zylinder von 7,6 m Durchmesser und 2,5 m H&ouml;he w&auml;ren das 3,6 t, das l&auml;sst noch 3,2 t f&uuml;r Vorr&auml;te, Einrichtung, Equipment &uuml;brig. Die rund 47 m\u00b2 Wohnfl&auml;che sind zwar nicht &uuml;ppig, aber es ist ja nicht f&uuml;r dauernd.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich wird man nur etwa 14 Tage auf dem Mond bleiben. Das ist bedingt durch die Dauer eines <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Synodische_Periode\">synodischen<\/a> Mondtags (der Zeit von Sonnenaufgang zu Sonnenaufgang von 29,5 Tagen. Die H&auml;lfte davon entf&auml;llt auf die Nacht, sodass wenn man in der D&auml;mmerung landet und wieder startet man maximal 14, eher 12-13 Tage als maximale Aufenthaltsdauer hat. Bei den erweiterten Missionen von Apollo waren es dagegen nur 48 Stunden.<\/p>\n<p>Wenn man l&auml;nger auf dem Mond bleiben will, ben&ouml;tigt man eine andere Energieversorgung. Schlie&szlig;lich scheint die Sonne fast 15 Tage lang nicht. Es gibt zwei M&ouml;glichkeiten. Das eine sind <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/cassini-rtg.shtml\">RTG<\/a>, wie sie auch bei Raumsonden eingesetzt werden. Sie sind erprobt und sicher. Der Nachteil: sie liefern wenig elektrische Leistung, selbst mit der noch nicht qualifizierten Sterling Technologie maximal 20 % der W&auml;rmeenergie als elektrische Leistung. Weiterhin sind sie teuer \u2013 das Plutonium 238 ist extrem teuer in der Herstellung. Sofern die elektrische ben&ouml;tigte Leistung nachts niedrig ist, die Besatzung in der Zeit (aus)ruht ist das eine Alternative. F&uuml;r Marsmissionen will die NASA dagegen kleine Atomreaktoren <a href=\"https:\/\/www.nasa.gov\/directorates\/spacetech\/kilopower\">entwickeln<\/a>, die 1 bis 10 kW Leistung haben. Kleine Kernreaktoren sind zwar auch ineffektiv, was die Umwandlung von elektrischer Leistung in Strom angeht, aber sie sind billiger zu produzieren. Daf&uuml;r m&uuml;sste man sie erst entwickeln. Bei den RTG k&ouml;nnte man diese theoretisch auch wieder zur Erde zur&uuml;ckbringen, was dann allerdings auf Kosten des mitgef&uuml;hrten Mondgesteins geht. Ich w&auml;re daher eher f&uuml;r die kleinen Kernreaktoren, zumal man diese auch in anderen Szenarien z.B. f&uuml;r Raumsonden oder Ionenantriebe nutzen k&ouml;nnte.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Optimierung<\/h3>\n<p>Es g&auml;be einiges zu optimieren. Da die Orion schon mit Block I eine Mondmission (Einschwenken in die Umlaufbahn) durchf&uuml;hren kann, k&ouml;nnte man den nicht ben&ouml;tigten, aber mitgef&uuml;hrten bei der h&ouml;heren Startmasse von Block IB m&ouml;glichen Treibstoff (etwa 6 t) in den Mondlander umpumpen. Die NASA stellte diese Forderung auch bei der ersten Ausschreibung auf, verzichtete aber darauf, als die Firmen sagten, das w&auml;re zu schwer umsetzbar.<\/p>\n<p>Anstatt einem druckgef&ouml;rderten Triebwerk k&ouml;nnte der Mondlander auch pumpengef&ouml;rderte Triebwerke einsetzen. Das hat gleich mehrere Vorteile: Der spezifische Impuls ist gr&ouml;&szlig;er, damit die Nettomasse die gelandet wird. Man ben&ouml;tigt keine Druckgastanks, das spart bei diesen Gewicht ein und das Triebwerk ist bei gegebenem Schub ebenfalls leichter. Nimmt man den Gewinn, denn das <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/ariane5.shtml\">Aestus<\/a> mit Turbopumpe h&auml;tte, als Ma&szlig;stab, so w&uuml;rde bei der Landestufe der Gewinn so aussehen:<\/p>\n<ul>\n<li>700 kg durch weniger Treibstoffverbrauch<\/li>\n<li>1000 kg durch leichtere Tanks<\/li>\n<li>100 kg durch ein leichteres Triebwerk<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zusammen w&auml;ren das 1,8 t mehr Landemasse &#8211; bei 6,8 t Masse f&uuml;r die Oberstufe durchaus ein Gewinn. Das Risiko ist gering, da das Triebwerk ja schon ben&ouml;tigt wird, um in den Mondorbit einzuschwenken \u2013 f&auml;llt es aus so w&uuml;rde der Lander verloren gehen, bevor die Besatzung &uuml;berhaupt gestartet ist. Scheitert die Z&uuml;ndung beim Abstieg, dann kann man wieder ankoppeln. F&uuml;r die Aufstiegsstufe kann man, muss man wegen des geringeren dV aber kein pumpengef&ouml;rdertes Triebwerk einsetzen, aufgrund der kleineren Masse und des kleineren dV ist der Gewinn hier auch kleiner.<\/p>\n<p>Da der unbemannte zweite Lander, (das Habitat) automatisch landet, d&uuml;rfte er bei der Landung unverbrauchten Treibstoff haben, denn man bei der bemannten Landung f&uuml;r eine Schwebephase vorgesehen hat. Man k&ouml;nnte ihn einsparen und so die Landemasse noch etwas vergr&ouml;&szlig;ern oder ihn umpumpen, wenn der zweite bemannte Lander nahe bei ihm landet. Das Letztere erfordert dann aber schon viel Pr&auml;zision will man nicht 100 m oder l&auml;ngere Leitungen mitf&uuml;hren. So w&auml;re ich f&uuml;r das Erste. Die rund 150 m\/s die bei <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/apollo-artikel.shtml\">Apollo<\/a> f&uuml;r den Zweck vorgesehen waren, entsprechen immerhin 630 kg Treibstoff, mithin eine um 10 % h&ouml;here Nutzlast.<\/p>\n<p>Selbst wenn man nicht &uuml;ber die Mondnacht bleibt, k&ouml;nnte man ein Habitat, aber auch die Ausr&uuml;stung mehrmals nutzen. Eine zweite Mission, die bei dem Habitat landet, k&ouml;nnte neue Ausr&uuml;stung mitbringen, die beim ersten Flug aus Gewichts- oder Platzgr&uuml;nden nicht mitf&uuml;hrbar war und damit die Forschungsm&ouml;glichkeiten erweitern. Prinzipiell w&uuml;rde man bei dieser Option einen SLS-Start und einen Mondlander einsparen, ich sch&auml;tze, basierend auf den Kosten von Apollo, das die etwa 25 % der Mittel einspart. Auf der anderen Seite denke ich wird man m&ouml;glichst viele verschiedene Regionen besuchen wollen.<\/p>\n<p>Apollo landete ja nur auf der Mondvorderseite. Das lag daran, dass die Missionen eng mit der Missionskontrolle verzahnt waren. Sie waren mehr als Backup, viele Dinge wurden am Boden berechnet und zu den Astronauten durchgegeben. Daneben gab es zahllose kleinere und gr&ouml;&szlig;ere Probleme, die man mit Hilfe von Experten in den hinteren R&auml;umen l&ouml;ste. Heute ist zum einen die Hardware zuverl&auml;ssiger und die Computerpower alles an Bord zu berechnen steht zur Verf&uuml;gung. Sie w&uuml;rde auch f&uuml;r Marsmissionen ben&ouml;tigt werden, bei der eine Funkverbindung lange Verz&ouml;gerungen aufweist. Daher denke ich wird man auch auf der Mondr&uuml;ckseite landen. Man w&uuml;rde dann, wie dies die Chinesen taten, einen Satelliten f&uuml;r die Kommunikation platzieren. Entweder in einem lunaren Librationspunkt oder als Satellit um den Mond, der bei einer elliptischen Umlaufbahn auch gleichzeitig Kontakt zur Erde und zur Mission hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die NASA will ja zur&uuml;ck zum Mond, aber so wie es aussieht mit der SLS, wie sie heute ist, nur noch erg&auml;nzt um eine neue Oberstufe, die EUS. 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