{"id":14464,"date":"2019-12-16T09:43:56","date_gmt":"2019-12-16T08:43:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=14464"},"modified":"2019-12-16T09:46:18","modified_gmt":"2019-12-16T08:46:18","slug":"der-commodore-c128-zu-viel-computer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2019\/12\/16\/der-commodore-c128-zu-viel-computer\/","title":{"rendered":"Der Commodore C128 \u2013 zu viel Computer"},"content":{"rendered":"<p>Als ich meinen letzten Beitrag &uuml;ber Verbesserungsm&ouml;glichkeiten des Amstrad CPC geschrieben habe, dachte ich auch an den Commodore C128, aber da der Artikel sowieso recht lange wurde habe ich mir ihn f&uuml;r diesen Beitrag aufgespart. Commodore Fans sind ja eine Klasse f&uuml;r sich. Alle naselang wird ein Beitrag von mir &uuml;ber den <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/02\/08\/die-schlechtesten-computer-der-commodore-c64\/\">C64<\/a> in einem Forum herausgegraben und dann regnet es Kommentare. Es kann ja nicht sein, das am C64, dem zu seiner Zeit weltweit am meisten verkauftesten Computer irgendwas schlecht ist. Nun am C128 ist zumindest technisch wenig zu m&auml;keln.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/2cddcd90154e4c5db752e64585d25452\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><!--more--><\/p>\n<p>Der C128 erschien fast zeitgleich mit dem Amstrad CPC 6128 und er war wie dieser einer der letzten 8 Bit Rechner die neu erschienen. Viele kamen mit 128 KByte Speicher, die aber meist nicht sinnvoll genutzt wurden, so beim erw&auml;hnten Amstrad CPC &amp;128, aber auch beim Sinclair Spectrum 128 oder Atari 130 XE. Bei letzteren Rechnern war der Nutzen noch geringer, denn man konnte nicht mal CP\/M laufen lassen. Beim Amstrad konnte man wenigstens unter CP\/M den zus&auml;tzlichen Speicher sinnvoll nutzen.<\/p>\n<p>Der C128 unterschied sich von den obigen Computern, denn er war ein Rechner, der eigentlich aus drei Rechnern bestand:<\/p>\n<ul>\n<li>Einem Modus, in dem er einen C64 perfekt simulierte, allerdings auch mit dessen Einschr&auml;nkungen. So gab es nicht mehr RAM (auch nicht unter BASIC, beim C64 verdeckte das ROM Teile des RAM, die dann unter BASIC nicht nutzbar waren) und die Taktfrequenz war nicht h&ouml;her als beim C64<\/li>\n<li>Er hatte einen Z80 Coprozessor und konnte so CP\/M auff&uuml;hren<\/li>\n<li>Ein neuer C128 Modus, der das ganze RAM ansprach, die doppelte Taktfrequenz bot und zahlreiche verbesserte und neue Bausteine nutzte.<\/li>\n<\/ul>\n<h3 class=\"western\">C128 Modus<\/h3>\n<p>Betrachtet man die Technik des C128, so hatte dieser eigentlich die meisten Kritikpunkte die ich bei meinem <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2019\/12\/13\/der-schneider-amstrad-cpc-6128-und-das-joyce-man-haette-mehr-draus-machen-koennen\/\">letzten Artikel<\/a> monierte umgesetzt. Er sprach den Speicher &uuml;ber eine MMU an die auch fortschrittliche Z80 Derivate, wie der <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Hitachi_HD64180\">HD64180<\/a> boten. Eine MMU ist viel flexibler als das Bank-Switching, bei dem immer ein ganzer Block an geraden Blockgrenzen ausgewechselt wird. Unter BASIC waren von den 128 KByte die ersten 64 KByte f&uuml;r das Programm vorgesehen und die anderen 64 KByte f&uuml;r Variablen. Bei beiden gab es noch einen Abzug f&uuml;r den Stack und Sprungvektoren bzw. Memory Mapped I\/O Adressen, sodass je 61 KByte &uuml;brig blieben \u2013 das ist bis auf 6 KByte der ganze Speicher. Das ist beeindruckend und ich keine keinen anderen Rechner, der so viel RAM frei hatte.<\/p>\n<p>Der C128 hatte auch einen neuen Videoprozessor. Schon der VIC des C64 war gut. Er beherrschte Sprites und verwaltete als Videoprozessor den Speicher selbst, w&auml;hrend Videocontroller wie er im CPC 6128 den Speicher nur ausgaben und die CPU sich um die Inhalte k&uuml;mmern musste. Die Aufl&ouml;sung des 16 KByte gro&szlig;en Bereichs war schon beim Start mit 640 x 200 Pixel gut, wurde dann bei sp&auml;teren Exemplaren immer besser, da der Videospeicher vergr&ouml;&szlig;ert wurde. Das war auch schon beim ersten Modell m&ouml;glich, wenn man die Speicherchips ausgewechselt hat. Er hatte zudem einen 80 Zeichen Modus, den brauchte man, wenn man mit dem Rechner wirklich arbeiten wollte. Dann ben&ouml;tigte man aber auch einen Monitor, weil ein Fernseher diese Aufl&ouml;sung nicht packte. Der Videospeicher war aus eigenen VRAM-Chips aufgebaut und so vom Hauptspeicher getrennt.<\/p>\n<p>Neben der MMU gab es noch einen weiteren Coprozessor f&uuml;r DMA-Zugriff. Den ben&ouml;tigte man vor allem beim Anschluss eines Diskettenlaufwerks. Die Floppys 1570 \/ 1571 (ein\/zweiseitiges Beschreiben) waren deutlich schneller als die C64 Floppy. Bei der lag das daran, das Commodore zwar den Bus und die Elektronik von den gr&ouml;&szlig;eren Laufwerken der CBM Serie &uuml;bernommen hatte, aber von den acht Leitungen des IEC Busses beim C64 nur eine zum Rechner f&uuml;hrte, sodass diese Floppy qu&auml;lend langsam war. Die 1570 beschrieb Disketten einseitig und erreichte 3.000 Bytes\/s, die 1571 doppelseitig mit 5.200 Bytes pro Sekunde im Burst-Modus. Wie bei vorherigen Rechnern hatten beide Floppys einen eigenen Rechner, obwohl Commodore auch einen FDC, den WD 1771 einsetzte. (ich m&ouml;chte nicht meckern, aber mein CPC schaffte beim Kopieren bei einem Kopf eine bei zwei K&ouml;pfen &uuml;blicherweise zwei Spuren\/s, was 4600 bzw. 9.000 Bytes pro Sekunde entspricht \u2026 und das ohne DMA-Chip). Das ROM war 64 KByte gro&szlig;, wobei 16 KB auf das ROM im C64 Modus entfielen, 32 KByte auf den BASIC-Interpreter und 16 KByte auf den Kernel, BIOS und Monitor. Sp&auml;ter gab es von Comomdore noch eine Maus zum Rechner und eine Windows &auml;hnliche Umgebung namens GEOS.<\/p>\n<h3 class=\"western\">CP\/M Rechner?<\/h3>\n<p>Die Hinzunahme der Z80 CPU machte aus dem Commodore C128 einen CP\/M Rechner, der mit 128 KByte Speicher auch CP\/M Plus laufen lassen konnte, die neueste <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Apple_CP\/M\">CP\/M Version<\/a> die aus dem 64 KByte nutzbaren Speicher eine sehr gro&szlig;e TPA freischaufelte. Daf&uuml;r gab es ein prominentes Vorbild. 1980 ver&ouml;ffentlichte Microsoft die Z80 Softcard. Sie war daf&uuml;r gedacht das Microsoft den Apple II Markt f&uuml;r sich erschloss. Es gab von Microsoft n&auml;mlich keine Software f&uuml;r den Apple, alles war f&uuml;r CP\/M entwickelt worden. Die Softcard enthielt einen Z80 Prozessor und einige Zusatzbausteine, mit denen er Zugriff auf den Apple Bus hatte. Er nutzte den Arbeitsspeicher des Apple.<\/p>\n<p>Die Z80 auf dem C128 funktionierte nach demselben Prinzip. Beide L&ouml;sungen hatten eine Einschr&auml;nkung: Da die Z80 den zweiten 6502\/8502 Prozessor f&uuml;r die Ein-\/Ausgabeoperationen nutzte und dieser nicht abgeschaltet wurde konnte die Z80 nur die H&auml;lfte der Taktzyklen selbst nutzen und lief so mit 2 anstatt 4 MHz. F&uuml;r den Apple erschienen daher bald Konkurrenzprodukte zur Softcard die eigenen Speicher auf der Karte hatten und eine schnellere CPU mit bis zu 6 MHz. Selbst wenn diese etwas teurer waren als die Softcard, die 1980 150 Dollar kostete \u2013 ein Achtel des Preises eines Apple II+, so war dies gemessen am hohen Preis des Apple II eine sinnvolle Aufr&uuml;stung. Aber 1985 war die Situation eine andere. 8 Bit Rechner n&auml;herten sich ihrem Ende. Neue Software f&uuml;r CP\/M erschien kaum noch. Zudem war ein C128 billiger als ein Apple. Eine aufwendige L&ouml;sung mit eigenem RAM f&uuml;r die Z80 h&auml;tte den Preis des Rechners deutlich erh&ouml;ht. Zum anderen gab es mit dem CPC 6128 ja einen Komplettrechner mit CP\/M und nativ verbautem Z80A. Ein CPC 6128 kostete mit Monitor und einem Diskettenlaufwerk 1.598 DM. Der C128 kostete bei der Einf&uuml;hrung 1198.-, dazu kam ein Laufwerk vom Typ VC 1570\/1571 f&uuml;r 750 bzw. 950 DM. Mit eingebautem Laufwerk VC 1570, damit noch am ehesten mit dem CPC 6128 kostete der Rechner 1.785 DM, dazu kam f&uuml;r den Vergleich aber noch ein Gr&uuml;nmonitor, den es ab 300 DM gab. Zusammen wurde man also 2.085 DM los und damit ein Drittel mehr als beim CPC 6128, hatte daf&uuml;r aber eine nur 2 MHz schnelle Z80 CPU. Kurz: wer von vorneherein plante CP\/M einzusetzen, der kaufte sich keinen C128.<\/p>\n<h3 class=\"western\">C64 Klon?<\/h3>\n<p>Kompatibilit&auml;t ist ein zweischneidiges Schwert. Zum einen erschlie&szlig;t sich so ein Computer einen gro&szlig;en Softwarepool des vorherigen Modells \u2013 und der C64 war ein Verkaufsschlager, so gab es viele Software f&uuml;r ihn, wegen der schweren Programmierung, die von BASIC kaum unterst&uuml;tzt wurde, waren dies vor allem Spiele. Der Nachteil ist, dass man wegen der Kompatibilit&auml;t von den neuen M&ouml;glichkeiten nichts nutzen konnte. Ein Nachteil, denn auch die oben erw&auml;hnten Konkurrenten aufwiesen. Der C64 wurde vor allem gekauft, um zu spielen. Mancher Teenager zog den Eltern zwar das Geld f&uuml;r den Computer aus der Nase, mit dem Argument er br&auml;chte ihn f&uuml;r die Schule oder um programmieren zu lernen, doch das BASIC, das von der rein textbasierten CBM Reihe unver&auml;ndert &uuml;bernommen wurde, unterst&uuml;tzte das Ger&auml;t kaum und programmieren war so f&uuml;r Leute, die es unter BASIC und nicht Assembler tun, wollten kein Spa&szlig;. Kurz: wer einen C64 haben wollte, kaufte auch einen C64, zumal der zu dieser Zeit mit unter 600 DM weniger als die H&auml;lfte eines C128 kostete.<\/p>\n<h3 class=\"western\">C128 Rechner?<\/h3>\n<p>Bleibt als wesentlicher Kaufgrund f&uuml;r den C128 sein Hauptbetreibmodus als 128-KByte-Rechner. Immerhin hat Commodore viel gelernt, und so das Geh&auml;use ergonomisch designt mit Tastatur und separatem Zehnerblock. Nach vorne abgeschr&auml;gt. Mit 80 Zeichendarstellung war er auch optisch gut f&uuml;rs Arbeiten gedacht. Zum Verh&auml;ngnis wurde dem Rechner sein sp&auml;tes Erscheinen. Zu dem Zeitpunkt war schon der Atari ST erschienen. Er war zwar (mit Monochrommonitor und Floppy) mit 2.995 DM teurer als ein C128D mit Monitor, aber f&uuml;r den Mehrpreis von etwa 900 DM bekam man einen Rechner mit einer 8 MHz 16 Bit CPU, 512 KByte RAM und einem Monitor mit wirklich beeindruckendem Bild (und doppelt so hoher Aufl&ouml;sung). Ebenso sanken die Preise f&uuml;r PC-Kompatible immer weiter. Anfang 1986 erschien der Amstrad (Schneider) PC 1512, ein PC-Kompatibler mit 512 KByte RAM und einer 8 MHz 8086 CPU und einem Diskettenlaufwerk. Er kostete 1.998 DM und lag damit unter dem Preis eines &auml;quivalent ausgestatteten C128. Die CPC-Serie als 8 Bit Konkurrenten habe ich schon erw&auml;hnt. So erschienen lange nicht so viele Programme zum Arbeiten f&uuml;r den C128 wie f&uuml;r diese Rechner was ihn f&uuml;r dieses Klientel unattraktiv machte. Angeblich sollen nur 20 Spiele f&uuml;r den C128 erschienen sein.<\/p>\n<p>&Uuml;brig blieb ein Rechner mit einem komfortablen BASIC, das zwar schneller war als das des C64, aber nur um etwa ein Drittel schneller, trotz doppeltem Takt im C128 Modus, wahrscheinlich wegen des Bankswitchings bei jedem Zugriff auf Variablen- Damit lag der C128 in etwa gleichauf mit der CPC Serie, die ebenfalls ein schnelles BASIC mit Compretereigenschaften hatte und auch &auml;hnlichen Komfort boten.<\/p>\n<p>F&uuml;r Commodore hatte der C128 aber einen bedeutenden Nachteil. An dem C64 konnte man zwar viel an der Hardware kritisieren, aber sie war einfach aufgebaut und der Rechner konnte billig produziert werden und lieferte im Verkauf gute Margen. Beim C128 hatte man zahlreiche teure Spezialbausteine verbaut, die MOS nur f&uuml;r diesen Rechner herstellte. Die Marge war immer niedriger als beim C64. So stellte Commodore die Produktion schon 1989 wieder ein \u2013 der C64 wurde produziert bis auch Commodore selbst, die Verluste mit dem Amiga einfuhr \u2013 1994 ihren Betrieb einstellen musste. Der C128 war ein toller Computer, aber er kam zu sp&auml;t, war zu teuer und war zwar \u201eDrei Rechner in einem\u201c, bediente aber die Bed&uuml;rfnisse der drei Anwendergruppen nicht richtig. In der Historie muss man sagen, das nach dem C64 die 8-Bit Reihe bei Commodore chaotisch war und keines der erschienenen Ger&auml;te an den Erfolg des C64 ankn&uuml;pfen konnte. Die Firma brachte 1984 den C16 und 116 heraus \u2013 Rechner mit 16 KB RAM und einer echten (C16) oder Gummitastatur (C116). Das war unsinnig \u2013 zu dem Zeitpunkt erschienen neue 8 Bit Rechner nur noch mit dem vollen Speicherausbau. Speicher war billig, der Preis des C64 sank so innerhalb eines Jahres von 1.495 auf 700 DM, man konnte mit der Kastrierung des Speichers auf 16 KByte also wenig einsparen und der Markt f&uuml;r diese Ger&auml;te war extrem klein. Der Commodore Plus 4 war ebenfalls ein Flop. Bei ihm wurde das Entwurfsziel w&auml;hrend der Entwicklung von einem billigen Einsteigerger&auml;t zu einem C64 mit eingebauter Software (Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Grafikprogramm) ge&auml;ndert. Das Problem: Als er 1984 erschien, war einer 1300 DM teuer, also doppelt so teuer wie ein C64. Die Software war aber schwierig zu bedienen und machte in Tests keinen guten Eindruck. Anders als der C128 war er zudem nicht kompatibel zum C64. Kurzum: der Plus 4 war ein Rechner, der teuer war, dessen Nutzen aber beschr&auml;nkt war und der noch dazu mit der Software des C64 nichts anfangen konnte. 1986 wurden die letzten Exemplare verramscht.<\/p>\n<p>Von den drei Rechnern verkaufte sich der C128 mit gesch&auml;tzt 3 bis 4 Millionen St&uuml;ck gut. Er konnte nicht an die Rekorde des C64 ankn&uuml;pfen, liegt aber in einer Liga mit den Verk&auml;ufen des Amigas, Sinclair Spektrum und der CPC Serie, die auch alle bei 3 bis 4 Millionen liegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich meinen letzten Beitrag &uuml;ber Verbesserungsm&ouml;glichkeiten des Amstrad CPC geschrieben habe, dachte ich auch an den Commodore C128, aber da der Artikel sowieso recht lange wurde habe ich mir ihn f&uuml;r diesen Beitrag aufgespart. Commodore Fans sind ja eine Klasse f&uuml;r sich. 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