{"id":14472,"date":"2019-12-18T00:40:41","date_gmt":"2019-12-17T23:40:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=14472"},"modified":"2019-12-17T18:42:24","modified_gmt":"2019-12-17T17:42:24","slug":"der-ibm-pc-junior","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2019\/12\/18\/der-ibm-pc-junior\/","title":{"rendered":"Der IBM PC Junior"},"content":{"rendered":"<p>In meiner Retro-Serie &uuml;ber Computer aus den Zeiten, als noch nicht die Warmduscher den Computer entdeckt hatten, will ich an einen heute fast komplett vergessenen Rechner von IBM erinnern: den IBM PC Junior, abgek&uuml;rzt PCjr.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/65094f4f28744d0cabd1f011656aed52\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><!--more--><\/p>\n<p>Wie immer hat die Geschichte eine Vorgeschichte. 1980\/981 wurde der IBM PC entworfen und kam am 12.8.1981 auf dem Markt. Der IBM PC wurde dann zwar zu einem erfolgreichen Computer, aber das Ausgangsger&auml;t hatte IBM wohl wirklich als Heimcomputer geplant: Das Grundger&auml;t hatte als Anschl&uuml;sse einen f&uuml;r die Tastatur und einen f&uuml;r einen Kassettenrekorder! Selbst das BASIC im ROM konnte nur auf Kassette speichern. MS-DOS f&uuml;r den Betrieb von Disclaufwerken musste man separat kaufen. Da das nicht das Einzige war \u2013 man ben&ouml;tigte auch noch eine Karte mit der Druckerschnittstelle, den Diskettenkontroller und ein mindestens Laufwerk, dazu eine Textgrafikkarte und einen Monitor war der IBM PC als Komplettger&auml;t aber nicht billig und kostete bei Markteinf&uuml;hrung in Deutschland rund 11.000 DM. Da n&uuml;tzte es auch nichts, wenn die US-Version der CGA-Grafikkarte das Bild auf einem NTSC-f&auml;higen Fernseher ausgeben konnte.<\/p>\n<p>Als Heimcomputer war aber auch so der Computer ungeeignet. Nicht nur war er zu teuer. Es fehlten auch die Soundf&auml;higkeiten. Der kleine Lautsprecher im Geh&auml;use gab nur reine T&ouml;ne aus. Joysticks konnte man auch nicht anschlie&szlig;en.<\/p>\n<p>Zwei Jahre sp&auml;ter unternahm IBM einen echten Versuch, den Heimcomputermarkt zu erobern. Allerdings wurde kein komplett neuer Rechner entworfen, sondern der IBM PC umgestaltet.<\/p>\n<p>Die erste auff&auml;llige &Auml;nderung war das Geh&auml;use es war deutlich kleiner. Es gab nur einen Einschub f&uuml;r Erweiterungskarten und der hatte einen anderen Standard als der IBM PC. Es gab zwei Modelle. Eines ohne Diskettenlaufwerk, das zweite mit einem eingebauten 5,25 Zoll Slimline-Laufwerk das 360 KByte speichern konnte. Derartige Laufwerke setzte IBM auch beim Portable PC ein, doch dort aufgrund der geringeren Masse und Gr&ouml;&szlig;e. Mit nur einem Diskettenlaufwerk h&auml;tte man schwer mit dem Rechner arbeiten k&ouml;nnen, weil auf einer Diskette meistens das Betriebssystem und das Anwendungsprogramm waren, die Daten aber auf einer zweiten Disk gespeichert wurden.<\/p>\n<p>Der originale IBM PC ben&ouml;tigte eine Karte f&uuml;r die Darstellung, die ihr Videoram in einem gesch&uuml;tzten Bereich oberhalb von 640 KByte einblendete. Der IBM PC hatte die F&auml;higkeiten der Color Graphic Adapter Karte und einen Ausgang f&uuml;r einen NTSC-Fernseher. (Es gab auch Modi mit 80 Zeichen, doch die w&auml;ren auf einem Fernseher unleserlich gewesen). Der Videospeicher ging beim IBM PC jr aber vom Arbeitsspeicher ab. Das war von Bedeutung, weil das Ger&auml;t in der Basisversion mit 64 KByte RAM ausgeliefert wurde. Selbst die fortgeschrittene Version mit Diskettenlaufwerk hatte nur 128 KByte RAM, die auf einer Steckkarte sa&szlig;en. Das war definitiv zu wenig. Zeitschriften best&ouml;tigten ihm das er nicht f&uuml;r \u201eBusiness Computing\u201c geeignet war. Beim Grundger&auml;t fiel zwar MS-DOS weg (der BASIC Interpreter war im Cartridge-ROM verbaut), doch wer MS-DOS 2.x lud, hatte schon mal 30 KByte speicher weniger. Selbst bei einer gen&uuml;gsamen Anwendung wie Wordstar war dann der Speicher extrem knapp. Mit Zusatzkarten konnte man den Rechner zwar theoretisch auf 640 KByte aufr&uuml;sten, doch das kostete nochmals extra. F&uuml;r die Soundf&auml;higkeiten hatte man einen dreistimmigen Soundchip von Texas Instruments verbaut. Er war in den F&auml;higkeiten vergleichbar mit Soundprozessoren in anderen Heimcomputern. Joystickanschl&uuml;sse hatte er trotzdem nicht, daf&uuml;r einen Anschluss f&uuml;r einen Light Pen. Ebenso fehlte eine Druckerschnittstelle.<\/p>\n<p>Stattdessen gab es zwei Anschl&uuml;sse f&uuml;r Cartridges, jedes mit maximal 64 KByte ROM. Cartridges gab es damals bei vielen Heimcomputern und sie hatten ihre Wurzeln in den Modulen f&uuml;r Spielkonsolen. F&uuml;r den Hersteller hatten sie den Vorteil, dass der Laie sie nicht wie Disketten kopieren konnte. Aber die ROM Cartridges waren auch teurer als Disketten. Die CPU war wie beim IBM PC eine 4,77 MHz AMD D8088, eine Second Source Version des Intel 8088. Was der Anwender recht bald bemerkte, war das Keyboard mit \u201eNotebook-Tasten\u201c: Die Tasten hatten einen sehr geringen Hub und kaum haptisches Feedback, anders als man es von IBM gewohnt war. Die Tastatur war kabellos, wahrscheinlich, damit man den Rechner an den Fernseher anschlie&szlig;en konnte und da ist der Abstand zum Fernseher gr&ouml;&szlig;er als zum Monitor. Sie &uuml;bertrug die Daten &uuml;ber Infrarotimpulse, &auml;hnlich wie eine Fernbedienung und das entpuppte sich als fehleranf&auml;llig.<\/p>\n<p>Vergleicht man den Rechnern mit 8 Bit Rechnern dieser Zeit wie dem C-64 so f&auml;llt Folgendes auf:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Grafik war leicht besser (320 x 200 Pixel in 4 Farben anstatt 256 x 192 Pixel)<\/li>\n<li>Es fehlte der Anschluss eines Joysticks<\/li>\n<li>Es fehlte eine Druckerschnittstelle<\/li>\n<li>Der 8088 Prozessor war in realen Spielen nicht wesentlich schneller als ein 8-Bit-Prozessor dieser Zeit, das lag an der niedrigen Taktfrequenz und der Beschneidung des Busses auf 8 Bit.<\/li>\n<li>Die Hauptvorteile eines IBM PC \u2013 die Erweiterbarkeit mit ISA-Karten und die Unterst&uuml;tzung von zwei Laufwerken hatte der PCjr nicht.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das bedeutete: verglichesn mit einem Heimcomputer punktete er nicht mit besserer Technik. Verglichen mit einem IBM PC, fiel auf, das man mit nur einem Laufwerk und so wenig Speicher kaum arbeiten konnte. Das war auch nicht beabsichtigt, denn die meisten Programme schrieben damals aus Performancegr&uuml;nden direkt in den Bildschirmspeicher. Da der Videospeicher aber nicht dort lag wo er beim IBM PC war, fielen diese auf die Schnauze. Insbesondere die Killerappilation der damaligen Zeit: Lotus 1-2-3 lief nicht.<\/p>\n<p>Daf&uuml;r war er aber teuer. Das Grundger&auml;t erschein im M&auml;rz 1984 mit 64 KByte RAM kostete 699 Dollar, die erweiterte Version mit 128 KByte RAM und einem Diskettenlaufwerk kostete 1269 Dollar. Zum Vergleich: der C-64 war im Oktober 1982 auf den Markt gekommen und bei der Einf&uuml;hrung kostete 595 Dollar, war zu dem Zeitpunkt aber schon auf 299 Dollar gefallen. Zwar kostete ein Diskettenlaufwerk beim C64 mehr als der Rechner selbst, aber selbst mit Floppylaufwerk war ein C64 nur so teuer wie die billigste Version des PCjr und eine ad&auml;quate Konfiguration war mehr als doppelt so teuer. Das Ger&auml;t war f&uuml;r einen Heimcomputer deutlich zu teuer und spielte preislich eher in der Liga der professionellen 8 Bit Rechner wie der Commodore CBM Serie oder dem Apple II.<\/p>\n<p>Beim IBM PC wandte sich IBM an Gesch&auml;ftsleute. Die kannten IBM schon und IBM hatte bei Computern vor allem wegen des Services einen guten Ruf. Daher wurde der IBM trotz des hohen Preises und obwohl auch er technisch eher schlechter war, als andere 16 Bit Rechner wie der DEC Rainbow oder Victor Sirius, sich gut verkaufen. Im Heimcomputermarkt hatten aber andere Firmen wie Commodore, Texas Instruments, Sinclair (in den USA: Timex) und Atari sich aber schon etabliert. Nur mit dem Namen \u201eIBM\u201c konnte man bei diesem Kundenkreis keinen PC verkaufen, der viel teurer war als die Konkurrenz.<\/p>\n<p>Apple reagierte, senkte den Preis des Apple IIe und brachte mit dem Apple IIc eine \u201eAll in\u201c Variante mit eingebautem Diskettenlaufwerk und Monitor heraus. Ein Apple IIc kostete mit Monitor, 128 KB RAM und einem Disklaufwerk mit 1295 Dollar fast genauso viel wie ein IBM PCjr, war aber voll kompatibel zum Apple II, hatte zudem einen Monitor.<\/p>\n<p>IBM reagierte und bot im Herbst 1984 zum Weihnachtsgesch&auml;ft kostenlose Aufr&uuml;stungen an. Die Rechner hatten 512 KByte RAM, ein normales Keyboard und es gab Bundles mit Software oder Preisnachl&auml;sse. So verkaufte IBM zu Weihnachten 1984 alleine 200.000 Einheiten, vorher waren es nur 50.000 gewesen. Doch im Januar 1985 endeten die Bundles und die Rechner verkauften sich nicht mehr. Dauerhaft subventionieren wollte IBM die Rechner nicht, so stellten sie im M&auml;rz 1985 die Produktion ein. Gleichzeitig dr&auml;ngten immer mehr kompatible Rechner auf den Markt. F&uuml;r den Preis, den IBM f&uuml;r den PcJr haben wollte, konnte man auch einen Kompatiblen mit zwei Laufwerken, Monitor und 256 KB RAM bekommen \u2013 eine Konfiguration, mit der man arbeiten konnte.<\/p>\n<p>In Deutschland wurde der Rechner &uuml;brigens nie verkauft, viele Zeitschriften haben ihn nicht mal testen k&ouml;nnen (ich habe vergeblich nach einem Test in der ct\u2018 gesucht). Der Grund erscheint heute seltsam: aber Computer wurden damals zuerst in einem Land eingef&uuml;hrt und erschienen erst lange Zeit sp&auml;ter auf anderen M&auml;rkten. Der IBM PC erschien erst nach einem Jahr auf dem deutschen Markt, der Apple II ebenso. Es gab aber auch Ausnahmen \u2013 die gute Marktposition die Commodore mit dem CBM System auf dem deutschen Markt hatte, wurde auch damit begr&uuml;ndet, das die Firma sich nicht so viel Zeit lies, die Rechner in Europa einzuf&uuml;hren und so vor Apple pr&auml;sent war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meiner Retro-Serie &uuml;ber Computer aus den Zeiten, als noch nicht die Warmduscher den Computer entdeckt hatten, will ich an einen heute fast komplett vergessenen Rechner von IBM erinnern: den IBM PC Junior, abgek&uuml;rzt PCjr.<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[1810,4438,4439],"class_list":["post-14472","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-computer","tag-ibm-pc","tag-ibm-pc-junior","tag-ibm-pcjr","entry"],"a3_pvc":{"activated":false,"total_views":1175,"today_views":0},"jetpack_featured_media_url":"","jetpack-related-posts":[{"id":18380,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/09\/03\/die-glorreichen-10-das-war-mal-weg-pc-hardware\/","url_meta":{"origin":14472,"position":0},"title":"Die glorreichen 10 &#8211; Das war mal weg: PC Hardware","author":"Bernd Leitenberger","date":"3. 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