{"id":14493,"date":"2019-12-30T20:03:44","date_gmt":"2019-12-30T19:03:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=14493"},"modified":"2021-01-29T11:38:38","modified_gmt":"2021-01-29T10:38:38","slug":"landwirtschaft-und-landwirte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2019\/12\/30\/landwirtschaft-und-landwirte\/","title":{"rendered":"Landwirtschaft und Landwirte"},"content":{"rendered":"<p>Auf zweier meiner &uuml;blichen Wege gibt es seit Neuestem zwei Kreuze in der Landwirt(e) auf die seiner\/ihrer Ansicht nach sie benachteiligte Politik hinweisen. Es geht genauer gesagt um einen Volksentscheid zum Bienenschutz, der hier geplant war, aber nach einem neuen Gesetz von der Landesregierung f&uuml;r den Bienenschutz wohl vom Tisch ist. In einem Kreuz werden die Verbraucher angegriffen sie nach der Meinung des Plakats lieber Gem&uuml;se und Obst aus dem Ausland anstatt einheimisches Obst kaufen und im zweiten wird der Tod der Biene Maja beklagt weil ohne Pestizide und Biozide (&uuml;brigens doppelt gemoppelt \u2013 jedes Pestizid ist immer auch ein Biozid) die Varroamilbe sie ausl&ouml;scht.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/7af8801854a646968c5f7819b70a1dcf\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><!--more--><\/p>\n<p>Offensichtlich h&auml;lt der Landwirt seine Kunden f&uuml;r bl&ouml;d. Die Mittel die Bienen schaden, werden ja auf den Feldern ausgebracht und sind nicht die Stoffe, die eingesetzt werden, um Bienenst&ouml;cke vor den Milben zu sch&uuml;tzen. Es sterben ja an den Mitteln die Bienen, daher der Gesetzentwurf. Zwar ist die Bek&auml;mpfung der Varroamilbe nicht ganz einfach, weil viele Mittel auch auf die Binnen wirken, aber es gibt einige selektive Mittel gegen die Milbe sowohl Biozide wie auch nat&uuml;rliche Mittel wie etherische &Ouml;le oder organische S&auml;uren.<\/p>\n<p>Daneben habe ich in dem Umkreis dieser Felder nie besonders viele Kulturen gesehen, die Bienen &uuml;berhaupt eine Nahrungsquelle geboten h&auml;tten. Andere Landwirte fahren nach Berlin und demonstrieren dort oder versuchen vor dem Supermarkt mit Verbrauchern ins Gespr&auml;ch zu kommen. Auch weil national als langfristiges Klimaziel mehr Biolandwirtschaft vorgegeben wurde.<\/p>\n<p>Fangen wir mit dem Letzteren an. Ich kann hier die Landwirte verstehen. Zum einen bedeutet die Umstellung eines Hofs auf Bio einige Jahre lang Gewinneinbu&szlig;en. In einer &Uuml;bergangsfrist muss man zwar Bio produzieren, wegen der Forderung nach Freiheit von R&uuml;ckst&auml;nden, die man aber noch lange nachweisen kann, und anderen Forderungen wie alleinige F&uuml;tterung mit selbst erzeugtem Futter bei Tieren, das man anfangs gar nicht in der Menge hat, kann man mindestens ein Jahr, teilweise noch l&auml;nger die Ware aber nicht als Bio verkaufen, hat aber h&ouml;here Kosten und Ernteeinbussen. Daneben bef&uuml;rchten die Landwirte, wenn zu viele zu schnell umsteigen das durch die Schwemme dann die Preise f&uuml;r Biolebensmittel sinken und damit die Verdienstspannen.<\/p>\n<p>Das Thema ist vielschichtig. Wir haben zum einen den Verbraucher. In Deutschland hat sich nicht so richtig eine Kultur eingeb&uuml;rgert, wo man f&uuml;r gute Qualit&auml;t auch gute Preise zahlt. Das klappt in einigen Segmenten wie Wein, Schokolade und bei K&auml;se. Aber bei Fleisch und W&uuml;st, erst recht bei Grundnahrungsmitteln wie Mehl oder Zucker z&auml;hlt nur der Preis. Ich finde es erschreckend, wenn man f&uuml;r K&auml;se, der ja auch Milch entsteht, die man gewinnt ohne die Kuh zu schlachten, mehr zahlt als f&uuml;r Gulasch, das man aus dem Fleisch herstell, wof&uuml;r man das Tier schlachten muss. Nachhaltig ist also deutlich teurer als nicht nachhaltig!<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite wird auch zu viel produziert. Noch immer wird Fleisch aus Deutschland exportiert. W&uuml;rde weniger produziert werden, so w&uuml;rde automatisch der Preis und Gewinn ansteigen.<\/p>\n<p>Da ich kaum glaube, dass man den Verbraucher wird &auml;ndern k&ouml;nnen, muss die Politik aktiv werden. Aber nicht mit abstrakten Klimazielvorgaben, sondern konkreten Ma&szlig;nahmen, die auch umsetzbar sind. Hier mal einige Vorschl&auml;ge:<\/p>\n<p>Anstatt eine Bioquote zu etablieren, sollte der konventionelle Landwirt einen Teil der Fl&auml;che unbewirtschaftet lassen. Dort k&ouml;nnen sich dann Blumen und damit Bienennahrung aber auch Lebensraum f&uuml;r viele andere Insekten ausbreiten. Schlussendlich ist ein Bio-Bauenhof ja auch kein Biotop. Auch dort wird Unkraut bek&auml;mpft, auch dort gibt es Monokulturen. Nur geht das eben mehr mechanisch anstatt durch Pestizide. Ich denke sogar 10 % ungenutzte Fl&auml;che sind besser f&uuml;r die Natur als<\/p>\n<p>Man kann auch daran denken einen Teil der freien Fl&auml;che mit Str&auml;uchern zu bepflanzen. Wenn das heimische Arten wie Haselnuss, Wei&szlig;dorn, Schlehe, Vogelbeere, Eberesche, Johannisbeere etc. sind, dann hat man zum einen Bl&uuml;ten im Fr&uuml;hjahr, wenn die Blumen noch nicht bl&uuml;hen, Obst und N&uuml;sse im Herbst als Winternahrung und Brutreviere f&uuml;r V&ouml;gel und R&uuml;ckzugsm&ouml;glichkeiten f&uuml;r Igel und andere Kleins&auml;uger. Alle paar Jahre m&uuml;sste man abm&auml;hen, damit die Hecke nicht zu gro&szlig; wird aber das vertragen die Arten recht gut. Das h&auml;tte auch einen Vorteil f&uuml;r den Landwirt: als Windschutz und von dort aus breiten sich auch Nutz- und Raubinsekten in die benachbarte Monokultur aus. Wenn 10 % der heutigen landwirtschaftlichen Fl&auml;che so genutzt werden, dann w&auml;re das mehr Biotop als wie zusammen an Naturschutzgebieten haben und es h&auml;tte andere positive Effekte. Der D&uuml;ngeeintrag ins Grundwasser w&auml;re geringer, Str&auml;ucher heben den Grundwasserspiegel an. Nur muss man auch dabei bleiben: es gibt ja schon von der EU Subventionen f&uuml;r nicht bewirtschaftete Fl&auml;chen. Doch als wir 2018 hohe Ausf&auml;lle bei der Ernte hatten, war man in Br&uuml;ssel nur zu gerne bereit die Landwirte \u201eals Ausgleich\u201c diese Fl&auml;chen wieder bewirtschaften zu lassen. So sieht aber nicht Naturschutz aus.<\/p>\n<p>Die EU ist bei der Landwirtschaft sowieso der Dreh und Angelpunkt. Die Subventionen sind heute ein wichtiger Teil des Einkommens der Bauern. Wenn wir aber einen Wechsel in der Landwirtschaft haben wollen \u2013 nicht nur wegen der Klimaziele, sondern auch weil durch die Bearbeitung der B&ouml;den mit schweren Maschinen, die aber nur gr&ouml;&szlig;ere Betriebe haben, diese an Fruchtbarkeit durch die Verdichtung verlieren und man sich so die Grundlage zerst&ouml;rt, dann muss auch das Subventionssystem ge&auml;ndert werden. Meine Forderung:<\/p>\n<p>Die Subventionen werden nach umgekehrt proportional nach Betriebsgr&ouml;&szlig;e vergeben: gro&szlig;e Betriebe bekommen gar keine F&ouml;rderung, Familienbetriebe den h&ouml;chsten Satz.<\/p>\n<p>Fleischerzeugende Betriebe sollen zu einem gro&szlig;en Teil (Diskussionswert: 70 bis 80 %) in Sachen Futtermittel autark sein, also ihre Futtermittel selbst erzeugen und ihre G&uuml;lle selbst entsorgen. Es kann nicht sein, das ein Betrieb nur Schweinest&auml;lle hat, Kraftfutter einkauft und G&uuml;lle verkauft. Auch das begrenzt die Massentierhaltung, denn so ben&ouml;tigt man f&uuml;r viele Tiere auch eine gro&szlig;e Agrarfl&auml;che um die Futtermittel anzubauen. Kooperationen mit Landwirten die nur Pflanzen anbauen sind aber in begrenztem Ma&szlig;e m&ouml;glich: Man hat festgestellt, wenn ein Acker ein Jahr lang als Wiese genutzt wird, dies die Humusbildung wieder stark ankurbelt, sodass der Ertrag danach wieder h&ouml;her ist, Dazu ben&ouml;tigt aber ein Landwirt der sonst keine Tiere h&auml;lt, jemanden der die Weise auch beweidet.<\/p>\n<p>Das EU-Siegel f&uuml;r Bio wird zwar gerne als \u201eBio light\u201c angesehen. Aber es hat dazu gef&uuml;hrt das dieser Markt aufbl&uuml;hte, weil es eben nun einen Standard und ein staatliches Kontrollsystem gibt, anstatt einem Dutzend Biolabels mit jeweils anderen Normen. Warum nicht auch so ein Label f&uuml;r das &#8222;Tierwohl&#8220;, der Begriff wird, ja dauernd in die Diskussion gebracht. Bei Tieren w&uuml;rde ich f&uuml;r Erf&uuml;llung des Siegels sagen: gleiche Haltungsbedingungen wie bei Bio (was Auslauf und Futter angeht), aber Erlaubnis Medikamente und Stoffe einzusetzen, die f&uuml;r Bio verboten sind. Bei Pflanzen k&ouml;nnte man die Menge an Bioziden und die Menge an mineralischem D&uuml;nger eingrenzen oder eben die Forderung das wie oben skizziert ein Teil der Fl&auml;che extensiv genutzt wird. Es g&auml;be dann eine Art Siegel f&uuml;r \u201eFaire Landwirtschaft\u201c.<\/p>\n<p>Solche \u201eTierwohl\u201c oder \u201eFair gut\u201c- Siegel gibt es schon, aber von Discountern oder Herstellern. Die Kriterien sind nicht transparent und vor allem sind es eben wie es bei Biomarkt fr&uuml;her war Dutzende von unterschiedlichen Siegeln. Ich glaube &auml;hnlich wie bei Beio w&uuml;rde ide Akzeptanz durch ein europ&auml;isches Siegel deutlich ansteigen.<\/p>\n<p>Dann h&auml;tte der Verbraucher auch die Auswahl. Und wem Bio zu teuer ist, der hat eine Alternative, die trotzdem was f&uuml;r das Tier und die Umwelt tut, aber nicht ganz so teuer ist. Mit Bio ist es ja so eine Sache: f&uuml;r die einen ist das eine Gewissensentscheidung oder sie f&uuml;rchten sich vor R&uuml;ckst&auml;nden. Die anderen, wie ich, kaufen die Lebensmittel, weil sie wissen, das es die Tiere da besser hatten.<\/p>\n<p>Aber die deutsche Politik tut sich schwer mit der Landwirtschaft. Fragt man Politiker so wollen sie ebenso wenig wie die Verbraucher Massentierhaltung, nitratbelastete B&ouml;den weil durch G&uuml;lle &uuml;berd&uuml;ngt. Aber die Politik macht nichts dagegen. Nach wie vor bekommen die meisten Subventionen pro Fl&auml;che gro&szlig;e Betriebe und kleine Betriebe werden nach wie vor jedes Jahr weniger. Ebenso wenig schafft sie es ein verbindliches Kennzeichnungssysteme einzuf&uuml;hren. Dieses Tierwohl Label ist ja seit Jahren in der Diskussion. &Auml;hnlich wie bei der Ampelkennzeichnung wird da aber rumgeeiert oder es gibt eben solche Handelskennzeichnungen, die keiner &uuml;berpr&uuml;ft. Seit Jahren gibt es die Forderung das Schweine nicht ohne Bet&auml;ubung kastriert werden \u2013 aber dieses Jahr gab es wieder eine Verl&auml;ngerung der \u201eAusnahmegenehmigung\u201c, &auml;hnlich wie das man immer noch m&auml;nnliche K&uuml;ken direkt nach dem Schl&uuml;pfen vergasen darf, da sie keine Eier legen. Offensichtlich haben in der Politik eben gerade die falschen Bauern das Sagen. Wie &uuml;berall: die gro&szlig;en Verb&auml;nde oder gro&szlig;en Bauern mit den dicksten Kartoffeln (sprich: Parteispenden) machen die Politik.<\/p>\n<p>Mit Gl&ouml;ckner wird es aber nichts. Sie hat mehrfach die Fristen f&uuml;r die Ferkelkastrierung &#8211; ohne Bet&auml;ubung verl&auml;ngert. Einfach wegen der wirtschaftlichen Gr&uuml;nde. Das hat zwei Dimensionen. Als Mindeststandard sehe ich an das man den Eingriff unter Bet&auml;ubung durchf&uuml;hrt. Wenn man Tierwohl aber ernst meint, dann w&uuml;rde man drauf verzichten. Eber produzieren Androstenon als Hormon, das streng richt. Ein Teil der Bev&ouml;lkerung kann es auch riechen. Aber zum einen kann man durch Haltung die Produktion absenken und zum anderen kann man eine richtige Rasse ausw&auml;hlen. Das gilt auch f&uuml;r das T&ouml;ten von m&auml;nnlichen K&uuml;cken &#8211; sie legen keine Eier und die auf Eier optimierten Rassen setzen zu wenig Fleisch an. Aber es gibt Rassen die k&ouml;nnen beides und dann nimmt man eben diese.<\/p>\n<p>Noch paradoxer wird die Politik des CDU-gef&uuml;hrten Landwirtschaftsministeriums wenn es nur um Platz geht, egal ob f&uuml;r Muttersauen oder Tiere allgemein ist, das bedeutet ja keine Produktionsumstellung, nur eben weniegr Tiere &#8211; angesichts dessen das Deutschland viel mehr Schweine &#8222;produziert&#8220; als man im eigenen Land verbraucht,\u00a0 w&uuml;rde man auch keine Versorgungsknappheit haben, wenn Tiere mehr Platz h&auml;tten. Aber mit Gl&ouml;ckner ist so etwas nicht zu machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf zweier meiner &uuml;blichen Wege gibt es seit Neuestem zwei Kreuze in der Landwirt(e) auf die seiner\/ihrer Ansicht nach sie benachteiligte Politik hinweisen. Es geht genauer gesagt um einen Volksentscheid zum Bienenschutz, der hier geplant war, aber nach einem neuen Gesetz von der Landesregierung f&uuml;r den Bienenschutz wohl vom Tisch ist. 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