{"id":14557,"date":"2020-01-24T10:24:55","date_gmt":"2020-01-24T09:24:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=14557"},"modified":"2020-01-24T10:24:55","modified_gmt":"2020-01-24T09:24:55","slug":"viel-kohle-fuer-wenig-kohle-bonpflicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2020\/01\/24\/viel-kohle-fuer-wenig-kohle-bonpflicht\/","title":{"rendered":"Viel Kohle f&uuml;r wenig Kohle, Bonpflicht"},"content":{"rendered":"<p>Heute ein kleiner Meinungsblog als Zwischen- und L&uuml;ckenf&uuml;ller. Es geht um zwei Themen die gerade so durch den Medienwald schwirren. Das erste ist der Kohlekompromiss. Beschlossen letztes Fr&uuml;hjahr, als erste Folge der Fridays for Future, gab es vor kurzer Zeit ein Treffen der Ministerpr&auml;sidenten der betroffenen L&auml;nder mit der Kanzlerin. Denn die wollten sofort Geld sehen, sonst stimmen sie dem Kompromiss nicht zu und kurze Zeit darauf die Retourkutsche der Kohlekommission, die den Kompromiss eigentlich erarbeitet hatte. Die Komission machte klar, das das was beschlossen wurde nicht der Kompromiss war, den man ausgearbeitet hatte. War eigentlich auch so erkennbar. Als Kompromiss betrachte ich eine Einigung bei dem jeder seinen Standpunkt nicht vollst&auml;ndig durchgesetzt hat, alle zufrieden und doch irgendwie unzufrieden sind. Aber 20 Jahre Restlaufzeit, 40 Milliarden Euro f&uuml;r eine Industrie ohne Zukunft mir nur 20.000 Arbeitspl&auml;tzen \u2013 das ist kein Kompromiss, das ist eine Vermeidung von Stress, indem man Geld ausgibt, das der Steuerzahler berappen muss.. Ich sehe noch ein, das es Regionen gibt, die an der Kohle h&auml;ngen, sie wird ja punktuell abgebaut. Dort muss man Leute umschulen oder einfach neue Industrien ansiedeln \u2013 die Regionen liegen ja nicht in L&auml;ndern mit niedriger Arbeitslosenquote. Aber die Einrichtung eines Arbeitsplatzes kostet im Mittel 200.000 Euro, nat&uuml;rlich stark abh&auml;ngig von der Industrie. IT-Arbeitspl&auml;tze die ja meist B&uuml;roarbeitspl&auml;tze sind, sind billiger als Arbeitspl&auml;tze in einer Automobilfabrik oder Chemieanlage. Da ja die IT-Branche boomt und man sicher in diese Branche investiert, auch weil sie nicht von Ressourcen au&szlig;er \u201eHuman Capital\u201c abh&auml;ngig ist, w&uuml;rde ich 200.000 Euro als die Obergrenze ansehen. Macht bei 20.000 Arbeitspl&auml;tzen dann 4, und nicht 40 Milliarden. Was mich &auml;rgert: im selben Zeitraum verlor die Windkraft durch Hemmnisse, wie schleppende Bearbeitung der Antr&auml;ge und neue H&uuml;rden wie vergr&ouml;&szlig;erter Abstand zu Siedlungen (deren Gr&uuml;&szlig;e auch auf 5 H&auml;user heruntergesetzt wurde) 26.000 Arbeitspl&auml;tze. Getan wurde f&uuml;r diese Zukunftsbranche nichts.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/9000f217df7c4e828fa4a7072549aad6\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><!--more--><\/p>\n<p>Dann die lange Restlaufzeit. Das gleiche wie bei Atomkraftwerken. Warum? Wenn ich eine Solaranlage installiere, dann bekomme ich EEG Umlage &uuml;ber 20 Jahre. Der Staat rechnet also damit, dass 20 Jahre hier eine &uuml;bliche Nutzungsdauer ist, und ich denke Unternehmen denken in noch k&uuml;rzeren Zeitr&auml;umen, schlie&szlig;lich m&uuml;ssen die Anlagen ja finanziert und der Kredit zur&uuml;ckgezahlt werden. Als ich noch zur Berufsfachschule ging, entstand im Nachbarort Altbach ein neues Kohlekraftwerk. Das war 1982. Inzwischen habe ich noch das Abi gemacht, zweimal studiert, lange als Lebensmittelchemiker und Programmierer gearbeitet und mich nun aus dem Vollzeiterwerbsleben zur&uuml;ckgezogen \u2013 aber das Kohlekraftwerk arbeitet immer noch. Ich sehe die Dampffahne jeden Tag.<\/p>\n<p>Wie mancher wei&szlig;, halte ich wenig von der FDP. Mit ihrer Politik, die nur auf die Gesetze des Markts fokussiert wird, ist sie f&uuml;r mich das Paradebeispiel einer Politik der sozialen K&auml;lte. Aber bei der Kohle zeigt sich das dies manchmal funktioniert. Letztes Jahr wurde erstmals weniger Strom aus Kohle und Kernkraft als aus Windkraft und Photovoltaik produziert. Der Grund: schon vor dem Klimapaket mussten Kraftwerksbetreiber Emissionszertifikate erwerben um ihren Kohlendioxidaussto&szlig; zu \u201ekompensieren\u201c. Im Prinzip basiert dieser Emissionshandel darauf, dass es L&auml;nder gibt, die weniger Kohlendioxid aussto&szlig;en, als nach Kyoto-Protokoll erlaubt und diesen \u201e&Uuml;berschuss\u201c auf dem Markt verkaufen. Mit jedes Jahr sinkenden Quoten werden diese Zertifikate immer teuer. Ein <a href=\"https:\/\/www.comdirect.de\/inf\/zertifikate\/DE000DR1WBM0\">Zertifikat der Commerzbank<\/a> kostete vor 5 Jahren noch 5 Euro, inzwischen 20 Euro. Bei Braunkohle sind es 1.175 g CO<sub>2<\/sub> \/ kWh. (die im Internet oft auffindbaren, niedrigeren werte von 411 g CO<sub>2<\/sub>\/kWh beziehen sich nur auf den Energiegehalt, ber&uuml;cksichtigen, aber nicht, dass ein Braunkohlekraftwerk nur 38 % des Energiegehalts in Strom umwandelt. Daten nach der <a href=\"https:\/\/www.ffe.de\/download\/wissen\/186_Basisdaten_Energietraeger\/Basisdaten_von_Energietraegern_2010.pdf\">Forschungsstelle f&uuml;r Energiewirtschaft<\/a>). 20 Euro pro Tonne bedeutet das jede kWh Braunkohlestrom um 2,35 ct\/kWh teurer wird und Steinkohle um 1,86 ct\/kWh. Das <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2019-12\/klimapaket-co2-kompromiss-energiekosten-verbraucher\">Klimapaket<\/a> addiert weitere 10 Euro pro Tonne, in den n&auml;chsten Jahren auf 25 Euro ansteigend, entsprechend etwa weiteren 1 bis 2,5 ct\/kWh und dann ist Kohlestrom nicht mehr billig. Die Betreiber von Kraftwerken werden Gaskraftwerke nutzen die derzeit, weil Erdgas teurer als Kohle ist, meist Stillstehen und nur angefahren werden um Spitzen abzumildern dann wieder voll in Betrieb nehmen. Ebenso werden sie darauf achten m&ouml;glichst die ineffizientesten Kraftwerke abzuschalten. Das Kohleproblem hat sich erledigt, und zwar ganz ohne politische Auflagen oder Subventionen.<\/p>\n<p>Das Zweite ist die Bonpflicht, die seit Januar gilt. Im Vorfeld wurde ja diskutiert sie wieder abzuschaffen, weil die Bons aus Thermopapier sind, das eben nicht als Altpapier entsorgt werden darf. Inzwischen schimpfen alle auf die Bons, weil die meisten Bons die man bekommt wenn man nur wenige Artikel kauft nicht gelsen werden (beim Supermarkt kontrolliere ich gerne nach, weil immer wieder der Scanner einen Artikel mehrmals erfasst, oder die Kassiererin bei den Backwaren geirrt hat). Angeblich ist das um Steuerhinterziehung zu vermeiden. So was wird es vor allem dort geben, wo der Kunde nicht direkt mit der Kasse in Ber&uuml;hrung kommt. Mir fallen als bonlose Bezahlvorg&auml;nge spontan da nur die Gastronomie ein und Kleinbetriebe wie eine Fahrradreparaturwerkst&auml;tte. Ich glaube kaum, dass eine Verk&auml;uferin beim B&auml;cker erst die Summe an der Kasse ausrechnet, dann kassiert und auf \u201eStorno\u201c dr&uuml;ckt. Klar ist auch, dass man wahrscheinlich keine Bonpflicht f&uuml;r einzelne Branchen einf&uuml;hren kann also nur f&uuml;r die Gastronomie. Aber man h&auml;tte es auch anders l&ouml;sen k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Es geht ja darum, das der Bezahlvorgang elektronisch registriert wird, niemand wird erwarten das ein Kunde wenn er keinen Bon dann zum Finanzamt rennt und den Verk&auml;ufer wegen Steuerhinterziehung anzeigt. Aber man wird wohl in der Finanzverwaltung denken, dass wenn der Bon Pflicht ist, der Kunde einen fordert, weil er das nun &uuml;berall gew&ouml;hnt ist. Falsch \u2013 die meisten wollen keinen Bon. Wenn es darum geht, dem Kunden zu signalisieren, dass alles Okay ist, sodass wenn er das Signal nicht bekommt, eine Abrechnung einfordert, dann geht das auch anders. Wenn die Kasse T&ouml;ne von sich geben kann z.B. ein hoher Ton f&uuml;r \u201eokay\u201c und ein tiefer f&uuml;r \u201eStorno\u201c, &auml;hnlich wie fr&uuml;her bei Quizshows. Es w&uuml;rde auch einer, wie das fr&uuml;her &uuml;bliche Klingeln, wenn die Schublade aufging, reichen. Ich vermute aber das die meisten Kassen k&ouml;nnen das nicht. Das zweite w&auml;re eine Anzeige \u2013 selbst ein \u201eOKAY\u201c w&auml;re in einer 7-Segment-Anzeige noch einigerma&szlig;en lesbar. Bei einer Matrixanzeige in jedem Falle.<\/p>\n<p>Das Gegenargument des Thermopapiers als Umweltschaden verstehe ich allerdings nicht. Es gibt ja auch noch Matrixdrucker mit Normalpapier. Fr&uuml;her druckten Nadeldrucker Endlospapier. F&uuml;r den Bondruck m&uuml;sste man nur die Breite auf die Bonbreite begrenzen und den Drucker kompakter bauen. Leiser und schneller geht es mit Tintenstrahler, wobei bei dem Druckvolumen sich wohl Ger&auml;te mit Tintenvorratsbeh&auml;ltern wie es sie seit einigen Jahren gibt, lohnen. Auch hier kann man ein kleines Ger&auml;t f&uuml;r Kassen entwickeln. Nachteilig ist, dass die Ausdrucke anfangs nicht wischfest sind. Doch ein kleines Heizelement nach dem Druckkopf k&ouml;nnte das l&ouml;sen. Sie sind auch sp&auml;ter nicht feuchtigkeitsfest, doch das ist Thermopapier auch nicht und es bleicht noch dazu aus. Man muss nur Druckeralternativen in die Kassen integrieren. Sofern es nur Zahlen sind, gibt es immer noch das fr&uuml;her in Tischrechnern &uuml;bliche Walzenverfahren \u2013 es gibt eine Walze aus vielen R&auml;dern, eine pro Stelle. Auf denen findet man die Zahlen und einige Zeichen wie \u201e+\u201c und \u201e-\u201c. Durch Rotation wird die Walze an die Druckposition gefahren und dann durch ein Farbband gedruckt \u2013 ist billig umsetzbar und der Bon ist dokumentenecht.<\/p>\n<p>Daneben finde ich Thermopapier heute bei dem Umweltbewusstsein, wo man sonst alles M&ouml;gliche regelt, selbst den Verbot von Plastikstrohhalmen als ein Relikt aus vergangenen Zeiten, das l&auml;ngst durch eine &ouml;kologische Alternative ersetzt werden sollte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ein kleiner Meinungsblog als Zwischen- und L&uuml;ckenf&uuml;ller. Es geht um zwei Themen die gerade so durch den Medienwald schwirren. Das erste ist der Kohlekompromiss. Beschlossen letztes Fr&uuml;hjahr, als erste Folge der Fridays for Future, gab es vor kurzer Zeit ein Treffen der Ministerpr&auml;sidenten der betroffenen L&auml;nder mit der Kanzlerin. 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