{"id":14624,"date":"2020-02-22T07:29:19","date_gmt":"2020-02-22T06:29:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=14624"},"modified":"2020-02-22T07:29:19","modified_gmt":"2020-02-22T06:29:19","slug":"die-loesung-fuer-ein-ueberfluessiges-problem-die-mittlere-entfernung-fuer-eine-kartierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2020\/02\/22\/die-loesung-fuer-ein-ueberfluessiges-problem-die-mittlere-entfernung-fuer-eine-kartierung\/","title":{"rendered":"Die L&ouml;sung f&uuml;r ein &uuml;berfl&uuml;ssiges Problem: die mittlere Entfernung f&uuml;r eine Kartierung"},"content":{"rendered":"<p>Heute will ich mich wieder einem Problem widmen, das wohl f&uuml;r niemanden au&szlig;er mir eines ist. Es geht um die Kartierung eines der erdnahen Planeten. Mit RADAR geht das bei allen, mit Kameras bei Mars und Merkur, wobei ab und an auch das Wetter bei Mars einen Strich durch die Rechnung machen kann. Ich denke dabei an einen polaren Satelliten, der bei jedem Umlauf einen festen Streifen aufnimmt. Jeder Streifen &uuml;berlappt sich leicht und nach x Tagen ist der ganze Planet erfasst. Das ist zwar auch nicht optimal, denn so &uuml;berlappen sich die Streifen jenseits des &Auml;quators immer mehr und ab dem 60 Breitengrad vollst&auml;ndig und die Datenmenge entspricht so <span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">\u03c0\/2 also rund 57 % <\/span><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">mal <\/span><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">mehr als die Fl&auml;che.<\/span><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/6b7454dec4b54205bfab02186acecb96\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">Das grundlegende Problem: der Abstand der Planeten schwankt und das nicht linear. Ich habe hier mal den Abstand der Venus von der Erde &uuml;ber eine gemeinsame Periode (582 Tage) wiedergegeben. Man sieht nicht nur den variablen Abstand, sondern das dieser sich auch unterschiedlich schnell &auml;ndert. Die Venus ist nur kurz in Erdn&auml;he aber erheblich l&auml;nger in Erdferne.<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium\" src=\"\/img\/erde-venus.png\" width=\"800\" height=\"650\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">F&uuml;r die Daten&uuml;bertragung ist das Hauptproblem, das die Datenrate quadratisch abnimmt. Das hei&szlig;t bei unter 40 Millionen km Minimalabstand und bis zu <\/span><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">257<\/span><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\"> Millionen km Maximalabstand schwankt die Datenrate um den Faktor 4<\/span><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">1<\/span><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">! Ein Tag um den Minimalabstand erlaubt es also mehr Daten zu &uuml;bertragen als in einem Monat im Maximalabstand (wobei da dann die Sonne zwischen <\/span><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">E<\/span><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">rde und Venus steht, dann in der Regel sogar gar kein Funkkontakt <\/span><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">m&ouml;glich,<\/span><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\"> da die Radioemissionen der <\/span><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">Sonne<\/span><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\"> die Verbindung st&ouml;ren).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">Fr&uuml;her musste man damit leben, entweder dann die <\/span><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">B<\/span><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">reite des Streifens anpassen, oder wenn dies nicht geht, z.B . bei der <\/span><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">Venus, weil diese so langsam rotiert<\/span><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">, das man einen <\/span><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">vers&auml;umten<\/span><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\"> Teil kaum aufholen konnte, eben die Aufl&ouml;sung reduzieren. Heute ist das anders. SSD-Platten sind unempfindlich und wiegen wenig. Eine 4 Terabyte SSD fasst die Daten von 46 <\/span><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">Tagen, wenn diese mit 1 MByte\/s geschrieben werden<\/span><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\"> und das ist schon eine hohe Datenrate f&uuml;r <\/span><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">eine<\/span> <span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">Raumsonde.<\/span> <span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">Man k&ouml;nnte also die Breite des Streifens und die Aufl&ouml;sung so <\/span><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">anpassen, dass<\/span><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\"> man die mittlere Datenrate &uuml;ber die Mission nutzen kann und mehr Daten nahe der Konjunktion &uuml;bertragen als nahe der Opposition.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">Nun muss man nur noch den mittleren Abstand ermitteln, also den Abstand, den man hat, wenn man weder Daten speichert noch ausliefert. Schon der mittlere Abstand &uuml;ber die Zeit ist nicht einfach zu bestimmen, da er zeitlich so variabel ist. Der Abstand f&uuml;r die Datenrate ist noch dazu ein anderer. Dazu ein Beispiel vom Mars, der zwischen 100 und 400 Millionen km von der Erde entfernt sein kann:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">Wenn man die Daten in 100 Millionen km Distanz in 1 Sekunde &uuml;bertragen kann, dann dauert es in 400 Millionen km (400 \/100]\u00b2* 1 = 16 Sekunden. Eine &Uuml;bertragung nur bei diesen Punkten mit einem festen Paket dauert dann zusammen 1 + 16 = 17 s. Im Mittel also 8,5 s. Das entspricht, da die Datenrate quadratisch abnimmt Wurzel(8,5)*100 = 291 Millionen km. Die mittlere Distanz ist dagegen (100 + 400) \/ 2 = 250 Millionen km. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">Das die so ermittelten Distanzen eher weiter entfernt sind zeigt auch das zweite Bild, diesmal bei Mars &uuml;ber eine Periode von 15 Jahren erstellt. Das Balkendiagramm gibt an, wie viele Tage in dieser Zeit f&uuml;r die Entfernung zwischen x und x+10 Millionen km entfallen. Man sieht das die meisten Tage bei der gr&ouml;&szlig;ten Distanz auflaufen und dann kommt die n&auml;chste Ann&auml;herung. Die Periode dazwischen dagegen eher unterdurchschnittlich ist. Bei Mars habe ich 15 Jahre genommen, weil der Abstand mit einer Periode von abwechselnd 13 und 15 Jahren schwankt. Die Umlaufbahn des Mars ist elliptischer als die der Erde mit minimalen und maximalen Sonnenentfernungen von 206 und 249 Millionen km (bei der Erde nur 147,5 \/ 151,5 Mill. km). Daher kann der Mars bei der n&auml;chsten Ann&auml;herung nur 206 Millionen km entfernt sein (Abstand dann unter 56 Mill. km) und bis zu 102 Mill. Km entsprechend schwankt auch der maximale Abstand.<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium\" src=\"\/img\/erde-mars.png\" width=\"800\" height=\"600\" \/><\/p>\n<h3 class=\"western\">Was hei&szlig;t das nun konkret?<\/h3>\n<p><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">Nehmen wir einen Radarorbiter, der die Venus in 5 Jahren kartieren soll. Acht Stunden pro Tag wird gesendet, mit durchschnittlich 500 kbit\/s (erreichbar mit einer 2 m Sendeantenne, 100 Watt Sender und 35 m Empfangsantenne, bei einem Abstand von 200 Millionen km). W&auml;hrend der 5 Jahre soll die doppelte Venusoberfl&auml;che erfasst werden, das l&auml;sst Platz f&uuml;r &Uuml;berlappungen und Wiederholungen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">Die gesamte Datenmenge betr&auml;gt 26,28 Tbit. Das sind, wenn man 50 Bit pro Bildpunkt rechnet (Radardaten sind umfangreicher als fotografische Daten) 525 Milliarden Bildpunkte die eine Fl&auml;che von 1445 Mill. Km\u00b2 (wie erw&auml;hnt gibt es &Uuml;berlappungen der Streifen) abbilden, also 363 Bildpunkte pro Quadratkilometer oder eine Aufl&ouml;sung von ~ 52 m pro Bildpunkt. Bei Abtastung &uuml;ber 12 Stunden pro Tag w&auml;re, das ein Streifen von 2,6 x 7 km der kontinuierlich abgetastet wird.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">Nimmt man im Worst Case Fall, dass man die gesamten Daten eines halben Umlaufs speichern muss, so ben&ouml;tigt man bei einer gemeinsamen Periode von 582 Tagen einen Datenspeicher mit einer Kapazit&auml;t von 524 GByte, also ziemlich genau genauso gro&szlig; wie eine Konsumer-SSD.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">Die Vorteile dieses Konzepts sind neben der konstanten Aufl&ouml;sung nat&uuml;rlich die, das man so auch Daten nochmals &uuml;bertragen kann, wenn sie aus welchen Gr&uuml;nden auch immer nicht empfangen werden. Dann kann man sie einfach nochmals &uuml;bermitteln und erst dann l&ouml;schen. So kann man auf das K-Band ausweichen das bisher wegen der Problematik, dass es zwar h&ouml;here Datenraten erlaubt, aber die Ausf&auml;lle viel &ouml;fters vorkommen, wenig genutzt wird. In der Praxis w&uuml;rde man bei Vorliegen eines gro&szlig;en Datenspeichers wahrscheinlich anders vorgehen und um den Zeitpunkt der n&auml;chsten Ann&auml;herung kontinuierlich senden, eventuell sogar unter Zuhilfenahme der 70 m Antennen und die Sonde bei der gr&ouml;&szlig;ten Entfernung weitestgehend autonom Daten sammeln lassen, um Kosten f&uuml;r das Bodensegment einzusparen. Schlie&szlig;lich ist bei der Venus 1 Tag um den n&auml;chsten Abstand herum gleichbedeutend mit 41 Tagen in maximaler Entfernung, was die Datenmenge betrifft, die &uuml;bertragen werden kann.<\/span><\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"85*\" \/>\n<col width=\"85*\" \/>\n<col width=\"85*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"33%\"><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">Planet<\/span><\/th>\n<th width=\"33%\"><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">Mittlerer Abstand<\/span><\/th>\n<th width=\"33%\"><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">Mittlerer Quadrierter Abstand<\/span><\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\"><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">Merkur<\/span><\/td>\n<td width=\"33%\"><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">157<\/span><\/td>\n<td width=\"33%\"><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">162<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\"><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">Venus<\/span><\/td>\n<td width=\"33%\"><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">169<\/span><\/td>\n<td width=\"33%\"><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">183<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\"><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">Mars<\/span><\/td>\n<td width=\"33%\"><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">254<\/span><\/td>\n<td width=\"33%\"><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">274<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute will ich mich wieder einem Problem widmen, das wohl f&uuml;r niemanden au&szlig;er mir eines ist. 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