{"id":14633,"date":"2020-03-01T12:01:34","date_gmt":"2020-03-01T11:01:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=14633"},"modified":"2020-03-01T12:01:34","modified_gmt":"2020-03-01T11:01:34","slug":"der-29-ste-februar-und-der-kalender","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2020\/03\/01\/der-29-ste-februar-und-der-kalender\/","title":{"rendered":"Der 29.ste Februar und der Kalender"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich den Blog schon gestern schreiben, doch ich kam nicht dazu. Wie auch immer, ich denke er ist auch ganz n&uuml;tzlich au&szlig;erhalb des Schalttages. Es geht um den Kalender, bzw. wie man zu unserem heutigen Kalender kam. Das Thema ist nat&uuml;rlich komplex, hat doch praktisch jede Kultur einen Kalender entwickelt, und ich bin weit davon weg in dem Thema Experte zu sein, aber ein paar Grundlagen kann ich doch vermitteln.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/d745ebbc0c0d4203889cffae33acb648\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><!--more--><\/p>\n<p>Kalender in jeder Form sind ja eine k&uuml;nstliche Einteilung der Zeit. Nat&uuml;rlicherweise gibt es nur drei Vorgaben, von denen zwei Bedeutung f&uuml;r das t&auml;gliche Leben haben:<\/p>\n<ul>\n<li>Der Tag , also eine Erdumdrehung legt die Zeiten fest in denen man etwas tun kann oder eben nicht.<\/li>\n<li>Das Jahr also einer Sonnenumrundung der Erde legt in vielen Regionen fest, wann man auss&auml;hen und ernten kann.<\/li>\n<li>Der Monat, also eine Mondumrundung entspricht dem visuellen Verlauf des Mondes um die Erde, verbunden mit Phasenwechseln.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Jahr ist mit 365 Tagen ziemlich lang und so haben alle Kulturen noch ein k&uuml;rzeres Zeitma&szlig; zwischen Tag und Jahr eingef&uuml;hrt und das war der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Monat\">Monat<\/a>. Der Name klingt nicht nur nach Mond, er leitet sich direkt davon ab. Der Mond umrundet die Erde in 27.322 Tagen. In allen Kulturen ist der Monat aber l&auml;nger. Man orientiert sich nicht nach der Umlaufperiode des Mondes (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Siderisch\">siderischer<\/a> Monat), sondern den Mondphasen (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Synodische_Periode\">synodischer Monat<\/a>). Der synodische Monat ist 29,53 Tage lang. Der Unterschied liegt darin, das Erde und Mond sich drehen. Nach einem Tag hat sich der Mond in der Bahn etwas weiter gedreht, das hei&szlig;t die Erde muss sich noch etwas weiter drehen (das dauert rund 53 Minuten) damit er f&uuml;r einen Beobachter wieder an derselben Position am Himmel steht, das gilt auch f&uuml;r die leicht zu bestimmenden Zeitpunkte des Aufgehens und Untergangs. Wer mal Lust hat, kann das selber beobachten \u2013 jeden Tag geht der Mond etwa eine Stunde sp&auml;ter auf bzw. ist an einem bestimmten Punkt am Himmel eine Stunde sp&auml;ter. Das summiert sich &uuml;ber eine Bahnperiode eben zu eineinhalb Extratagen. Dazu kommt, und das ist auff&auml;lliger, das der Mond ja nach Stellung von Erde und Sonne Phasen zeigt, also in einem Monat einen Zyklus von Vollmond zu Neumond und wieder zu Vollmond durchl&auml;uft. Auch dieser folgt dem synodischen Monat. Der siderische Monat gibt dagegen die Periode wieder, in der Erde und Mond relativ zu einem Fixpunkt wie den Sternen die gleiche Position haben. W&auml;hrend die siderische Periode bei allen anderen Himmelsk&ouml;rpern au&szlig;er Sonne und Mond die wichtigere ist, spielte sie bei der Kalenderfindung keine Rolle, denn ohne Teleskop ist das beim Mond relativ schwer zu beobachten, weil der Mond die Umgebung &uuml;berstrahlt. Wichtiger aber noch: da die Mondachse zum Erd&auml;quator um 5,2 Grad geneigt ist steht der Mond f&uuml;r einen Beobachter nicht nach 27,32 Tagen wieder bei denselben Sternen, sondern man sieht durch den schr&auml;gen Blickwinkel andere Sterne.<\/p>\n<p>Die Phasen sind auff&auml;llig. Auch wenn es f&uuml;r einen Laien schwer ist, zu sagen ob an einem Tag Vollmond ist oder es schon ein Tag danach (oder davor ist), so gibt es noch ein zweites Indiz f&uuml;r diesen Tag \u2013 an diesem Tag sind Sonne und Mond auf entgegengesetzten Seiten der Erde, d.h. der Mond und Sonne sind nie gleichzeitig zu sehen. Der Mond geht am anderen Horizont auf, wenn die Sonne untergeht und umgekehrt und das ist leicht beobachtbar.<\/p>\n<p>Etwas schwerer ist es mit dem Jahr. Die Position der Sonne relativ zu den Sternen ist nur bei einer Sonnenfinsternis beobachtbar und da haben die Leute meistens anderes zu tun. Allerdings variiert innerhalb eines Jahres der Verlauf der Sonne &uuml;ber das Firmament, und damit auch der Punkt wo sie am Horizont auf oder untergeht,also ihn schneidet. Viele Kulturen bauten daher Einrichtungen, um diesen Zeitpunkt zu bestimmen. Stonehenge diente dazu, ebenso Maja Tempel. Das Prinzip: Man ben&ouml;tigt zwei Fixpunkte der dritte Punkt ist der Beobachter. Nur an einem Tag ist die Sonne vom Beobachter dann nur in Verl&auml;ngerung der beiden Fixpunkte zu sehen. Geht bei Stonehenge die Sonne also zwischen zwei Steinen auf oder unter oder f&auml;llt das Licht in einem Mayatempel durch einen schmalen Spalt direkt auf eine Markierung an der entgegengesetzten Wand, dann ist der Tag gekommen. Ihn kann man nutzen um einen anderen Kalender zu korrigieren z.B. Extratage einzuf&uuml;hren. Genutzt wurden als Fixtage meist die Sommer- oder Wintersonnenwende. Oft wird ja gesagt, man habe diesen Aufwand getrieben, um den Aussaatzeitpunkt zu finden. Ich bezweifele dies. Zum einen w&uuml;rde man dann die Tag- und Nachtgleiche am 21.3. nehmen. Die Sommersonnenwende ist zu sp&auml;t und um die Wintersonnenwende macht man garantiert keine Landwirtschaft. Zum anderen ist die Abh&auml;ngigkeit der Landwirtschaft von den Jahreszeiten, die ja immer als Argument angef&uuml;hrt wird, gerade in den Zivilisationen wie als erste hoch entwickelt waren viel geringer als man denkt. In Mesopotamien waren drei Ernten pro Jahr m&ouml;glich, relativ unabh&auml;ngig vom Wetter. Selbst bei uns wo die Jahreszeiten viel st&auml;rker ausgepr&auml;gt sind geht es einfacher. So treiben bestimmte Pflanzen relativ zuverl&auml;ssig zu einem bestimmten Zeitpunkt aus. Bei uns wird seit Jahrzehnten z.B. die Apfelbl&uuml;te also so ein Biomarker protokolliert. Auf entsprechenden <a href=\"https:\/\/www.swr.de\/wissen\/apfelbluete\/uebersicht-apfelbluete-100.html\">Karten<\/a> kann man nicht nur sehen wie die in Deutschland von Tag zu Tag nach Norden fortschreitet, sondern auch, wie sie durch die Klimaerw&auml;rmung immer fr&uuml;her kommt.<\/p>\n<p>So hatten viele fr&uuml;he Kulturen auch keinen Kalender auf Basis des Sonnenjahres, sondern einen auf Basis des Mondjahres. Da in ein Jahr nicht ohne Rest zw&ouml;lf oder gar dreizehn Mondmonate passen, laufen diese Kalender auseinander. Reine Mondkalender, die abwechselnd 29 und 30 Tage haben, sind selten, der islamische Kalender ist aber so einer. Ramadan f&auml;llt daher fast jedes Jahr in einen anderen Monat da ein Kalander aus je 6 Monaten mit 29 und 30 Tagen um 11 Tage zu kurz ist. Verbreiteter waren die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lunisolarkalender\">Lunarsoalren Kalender<\/a> also Kalender, die Mond und Sonne zusammenbrachten. Das ging entweder &uuml;ber einen sehr langen gemeinsamen Zyklus, so sind 19 Sonnenjahre in etwa genauso lang wie 235 Mondmonate oder man schob einfach zum Jahresende Schalttage ein.<\/p>\n<p>Das heutige Kalendersystem, der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Solarkalender\">solare Kalender<\/a> ist damals nicht so popul&auml;r gewesen, aber es war in &Auml;gypten verbreitet denn die &Auml;gypter waren von den Jahreszeiten abh&auml;ngig. Schon mehrere Tausend Jahre vor Christus bauten sie das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nilometer_von_Elephantine_(Satis-Tempel)\">Nilometer<\/a>, eine Messvorrichtung in einem Tempel an der Grenze zu Nubien, dem heutigen Sudan. Deutete sich die Nilflut an, so wurden Boten mit einer Prognose zum Pharao geschickt, damit der diese offiziell einl&auml;uten konnte, denn er war ja Gottk&ouml;nig. Der Nil &uuml;berschwemmte nicht nur die Felder, sorgte also f&uuml;r Wasser er lies auch fruchtbaren Schlamm zur&uuml;ck und war so f&uuml;r die Fruchtbarkeit wichtig. Sp&auml;ter bekamen die &Auml;gypter heraus, das dies ein periodisches Ereignis war, die Nilflut hat ihre Ursachen in der Fr&uuml;hjahrsschmelze in &Auml;thiopien. Daraufhin entwickelten sie ein Kalendersystem, das auf astronomischen Beobachtungen basierte und eben die 365 Tage mit einem Schalttag alle vier Jahre umfasste. Die Beobachtungen betrafen &uuml;brigens nicht die Sonne, sondern die Auf- und Unterg&auml;nge von markanten Sternen. So war Sirius dann nachts sichtbar, wenn die Nilflut zu erwarten war.<\/p>\n<p>Julius C&auml;sar weilt in &Auml;gypten, wo ihn Kleopatra bezirzte. Sie versuchte ihn aber auch mit der &auml;gyptischen Kultur zu beeindrucken, milit&auml;risch h&auml;tte das Land ja keine Chance gegen Rom und seine Expansionsgel&uuml;ste gehabt. Und den Kalender hat Julius C&auml;sar &uuml;bernommen. Vorher hatte Rom einen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/R&ouml;mischer_Kalender\">lunarsolaren Kalender<\/a> mit 355 Tagen, dem alle zwei Jahre Schaltmonate von 22 bis 23 Tagen L&auml;nge eingef&uuml;gt wurden. Der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Julianischer_Kalender#Sp&auml;tere_&Auml;nderungen\">julianische Kalender<\/a> hat 365 Tage und alle vier Jahre einen Schalttag, eben den 29 Februar. Ihm zu Ehren wurde ein Monat in Juli umbenannt. Die Priester haben die Regel aber falsch verstanden und f&uuml;hrten einen Schalttag alle drei und nicht alle vier Jahre ein. Das hat Augustus korrigiert und dreimal den Schalttag ausfallen lassen, weshalb man auch nach ihm einen Monat benannte.<\/p>\n<p>Damit w&auml;re die Story fast komplett erz&auml;hlt, leider ist das Jahr aber 365,2422 Tage lang und nicht 365,25. Pro Jahr entsteht so eine Differenz von 11 Minuten, die zu einem Tag alle 128 Jahre zu viel f&uuml;hrt. Das fiel zuerst nicht auf, aber &uuml;ber die Jahrhunderte summiert sich das auf und es fiel auf bei der Berechnung von Ostern. Das ist ja <a href=\"https:\/\/www.timeanddate.de\/kalender\/ostern-datum-berechnen\">astronomisch definiert<\/a> und rutsche im Jahr immer weiter nach vorne. So hat Papst Gregor der VI die bisher letzte Kalenderreform angesto&szlig;en, indem er 1582 die Regel ab&auml;nderte: nun entfiel jedes Jahrhundert ein Schalttag, und zwar immer dann, wenn ein neues Jahrhundert beginnt. Das h&auml;tte die Abweichung auf 3,4 Minuten reduziert, nun aber nicht vorr&uuml;ckend, sondern nacheilend. So w&auml;re alle 423 Jahre wieder ein Schalttag n&ouml;tig. Als zweite Ma&szlig;nahme gibt es so bei auf 400 teilbaren Jahrhunderten (so auch im Jahr 2000) trotzdem einen Schalttag. Der Kalender geht nun so genau, dass man erst nach etwa 7200 Jahren einen Schalttag weglassen muss. Der gregorianische Kalender wurde daher auch relativ z&uuml;gig nicht nur von katholischen Regionen &uuml;bernommen. Allerdings m&ouml;gen andere Kirchen gar nicht, wenn man ihnen den Kalender vorschreibt, so blieb die orthodoxe Kirche beim julianischen Kalender, ebenso einige Schweizer, bei denen daher jetzt durch das Corona Virus Fasching ausf&auml;llt \u2013 bei uns l&auml;ngst vorbei, steht der dort erst an. Denn eine der Folgen des julianischen Kalenders war, dass bis zum Jahr 1582 der Kalender um 10 Tage gegen&uuml;ber dem Sonnenjahr vorging. So wurden kurzerhand festgelegt, das auf den 4.10.1592 gleich der 15.10.1582 folgte. Wer die &Auml;nderung nicht mitmachte, musste nicht nur mit den 10 Tagen mehr leben, nein das wurde auch noch laufend mehr. So fand die russische Novemberrevolution im Oktober im gregorianischen Kalender statt, und nachdem Russland den Kalender &uuml;bernahm, feiern sie die Novemberrevolution auch heute immer im Oktober.<\/p>\n<p>Der julianische Kalender ist &uuml;brigens immer noch in Verwendung: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Epoche_(Astronomie)\">Bahnelemente von Himmelsk&ouml;rpern<\/a>, die ja sich periodisch wiederholen, werden im julianischen Datum angegeben, wobei hier ein Jahrhundert 36525 Tage hat.<\/p>\n<p>Immerhin ein Trost f&uuml;e alle \u2013 die komplexe Schaltregel m&uuml;ssen sich die meisten Blogleser nicht merken, weil der n&auml;chste ausgefallene Schalttag erst 2100 ist. Das d&uuml;rften die meisten Blogleser nicht mehr erleben.<\/p>\n<p>Auf den Blog kam ich durchs Radio, wo die auf dem Schalttag schon die ganze Woche herumkauten. Weil die Moderatorin meinte, man bek&auml;me so einen \u201eSamstag\u201c geschenkt, habe ich mir mal den Kalender f&uuml;r 2020 angesehen, wenn dieser Schalttag nicht da w&auml;re, dann muss man in Gedanken immer einen Tag abziehen, also wenn ein bestimmter Termin auf einen Freitag f&auml;llt, dann w&auml;re es ohne Schalttag der Donnerstag und siehe da \u2013 es gibt positive und negative Folgen. Der 1. Mai rutscht auf einen Freitag, also ein sch&ouml;ner Br&uuml;ckentag. In katholischen Bezirken, in denen man Christi Himmelfahrt feiert, ist der Einfluss aber eher negativ \u2013 das rutscht so von Freitag auf Samstag. Ebenso rutscht der dritte Oktober auf den Samstag und der 26.12 ist auch am Samstag. Nur wenig tr&ouml;stlich ist, dass dann der 6.1.2021 ein Freitag ist. In der Summe hat der Schalttag den Arbeitnehmern, die samstags nicht arbeiten m&uuml;ssen, also zwei freie Tage gekostet, wo Himmelfahrt Feiertag ist, sogar drei und daf&uuml;r zwei verl&auml;ngerte Wochenenden beschert, wenn man den Freitag nutzt. Ansonsten l&auml;ge der am Donnerstag und man m&uuml;sste den Br&uuml;ckentag freinehmen. Allerdings ist das eben kein weiterer freier Tag, sondern nur ein g&uuml;nstiger gelegener freier Tag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich den Blog schon gestern schreiben, doch ich kam nicht dazu. Wie auch immer, ich denke er ist auch ganz n&uuml;tzlich au&szlig;erhalb des Schalttages. Es geht um den Kalender, bzw. wie man zu unserem heutigen Kalender kam. 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