{"id":14701,"date":"2020-04-11T18:07:50","date_gmt":"2020-04-11T16:07:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=14701"},"modified":"2020-04-11T18:08:52","modified_gmt":"2020-04-11T16:08:52","slug":"die-vega-als-traeger-fuer-geo-nutzlasten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2020\/04\/11\/die-vega-als-traeger-fuer-geo-nutzlasten\/","title":{"rendered":"Die Vega als Tr&auml;ger f&uuml;r GEO-Nutzlasten"},"content":{"rendered":"<p>Wir haben in der Raumfahrt ja zwei gegenl&auml;ufige Trends. Zum einen gibt es seit einigen Jahren die ersten \u201eAll Electric\u201c Satelliten, zum anderen werden gerade Tr&auml;ger entwickelt mit immer gr&ouml;&szlig;eren Nutzlasten, nachdem man die letzten 25 Jahren mit 25 t Maximalnutzlast (Delta 4H, Titan 4B, Ariane 5E, Proton) auskam, werden nun gr&ouml;&szlig;ere Tr&auml;ger entwickelt. Die Falcon Heavy gibt es schon, die Vulcan soll bis 35 t erreichen, die OmegA liegt in derselben Gr&ouml;&szlig;enordnung (keine LEO Nutzlast ver&ouml;ffentlicht) und die New Glenn wird 45 t erreichen. Es scheint aber, dass es eher den Bedarf an gro&szlig;en Tr&auml;gern zu geben scheint, denn den ersten \u201eAll Electric\u201c Satelliten sind seitdem keine weiteren nachgefolgt und SpaceX entwickelt nun ja das Starship mit 100 t LEO Nutzlast.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/501eafa1b6fb4542a3a7130127e183ce\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><!--more--><\/p>\n<p>Wie &uuml;blich hat man ein typisches Henne-Ei Problem. Wenn es keine preiswerte Startm&ouml;glichkeit f&uuml;r diese \u201eAll Electric\u201c Satelliten gibt, kann man genauso gut die normale Bauweise mit chemischen Treibstoff nehmen, denn als Nachteil ben&ouml;tigt jeder Ionenantrieb viel Zeit um die Endbahn zu erreichen, und in der Zeit bringt er kein Geld ein \u2013 das kann bei einem gro&szlig;en Kommunikationssatelliten schon 2-3 Millionen Dollar pro Monat an Verdienstausfall sein. Und alle Tr&auml;ger sind eben derzeit f&uuml;r gro&szlig;e Satelliten ausgerichtet und selbst f&uuml;r Doppelstarts die ja nur Arianespace anbietet sind die Satelliten zu leicht. Bezahlt man f&uuml;r den Start eines 2 t schweren Satelliten baer genauso viel wie f&uuml;r einen 6 t schweren, so braucht man keinen Ionenantrieb.<\/p>\n<p>Bei den derzeitigen \u201eAll Electric\u201c Satelliten ersetzt der Ionenantrieb aber nur den Apog&auml;umsantrieb. Nach wie vor wird der Satellit aber in einer GTO-Bahn ausgesetzt. So nutzt man die F&auml;higkeiten nur zum Teil. Das dV von einem LEO in einen GTO entspricht etwa 2500 m\/s, das von einem GTO in den GEO je nach Bahnneigung (CSG \/ CCAF) 1500 bzw. 1800 m\/s. Das hei&szlig;t, wenn man vom LEO aus startet, kann man noch wesentlich besser den Ionenantrieb ausnutzen. Typisch entspricht die Nutzlast in einen GTO 40 bis 50 % der LEO Nutzlast, vom GTO, in den GEO verliert, man weitere 40 % Nutzlast und das Antriebssystem mit Druckgastanks wiegt ja auch noch was. Rechnet man das auch noch aus der Masse in den GEO ab, so gelangt nur 20 bis 25 % der Masse vom LEO als reiner Satellit in den GEO. Ionentriebwerke ben&ouml;tigen zwar auch Treibstoff, Druckgastanks, Triebwerke und vor allem eine Stromversorgung, aber hier sind problemlos 50 % Nutzlast m&ouml;glich, wenn man viel Zeit hat, auch mehr. Man kann also die Masse verdoppeln und hat immer noch im Orbit ein Antriebssystem f&uuml;r weitere nun kleinere Bahnkorrekturen.<\/p>\n<p>Eine Vega wird sicher nicht die gro&szlig;en Kommunikationssatelliten ersetzen k&ouml;nnen \u2013 das Gro&szlig; wiegt zwischen 4,5 und 6 t, im GTO und unter Abzug des Systems f&uuml;r den chemischen Treibstoff also 2,2 bis 3 t. Dazu ist ihre Nutzlast zu klein. Doch mit Sicherheit hat sie die Nutzlast, um einen der derzeit entwickelten Small Geo Satelliten (mit 2.500 kg Startmasse immer noch so schwer wie vor 30 Jahren die gr&ouml;&szlig;ten Kommunikationssatelliten) zu transportieren, vielleicht auch einen der unteren Mittelklasse von 3 bis 4 t Startmasse.<\/p>\n<p>Ich will zwei F&auml;lle untersuchen: zuerst das Naheliegende \u2013 ein im Satelliten integrierter Antrieb. Die Vega transportiert diesen Satelliten dann nur in eine gering geneigte etwas h&ouml;here LEO-Bahn und er spiralt sich selbst dann hoch. Der grundlegende Vorteil dieser L&ouml;sung ist, dass jeder Satellit sowieso eine Stromversorgung ben&ouml;tigt und wenn er im GEO angekommen ist, ben&ouml;tigt er weitere Korrekturkapazit&auml;t, da verschiedene Gravitationseinfl&uuml;sse durch Mond und Sonne aber auch die nicht ganz gleichf&ouml;rmige Massenverteilung der Erde ihn von seiner Position wegziehen. Diese m&uuml;ssen durch kleine Schubimpulse wieder ausgeglichen werden und das kostet Treibstoff und begrenzt die Lebensdauer eines Satelliten. Die Stromversorgung des Ionenantriebs kann daf&uuml;r genutzt werden, um Strom f&uuml;r die Bordsysteme zu liefern und diese Korrekturen durchzuf&uuml;hren. Der Antrieb f&uuml;r den LEO \u2192 Transfer muss dazu nur um einige kleinere Triebwerke erg&auml;nzt werden, da dann kein so hoher Schub mehr ben&ouml;tigt wird, Lager&auml;nderung aber nicht nur in der Hauptachse n&ouml;tig sind.<\/p>\n<p>Fall zwei w&auml;re ein Satellit und eine Antriebsstufe die Ionenantriebe nutzt. Sie koppelt im GEO angekommen ab. Sinnvollerweise wird man diese mehrfach verwenden, um die Kosten wieder hereinzuspielen. Eine separate Antriebsstufe h&auml;tte den Vorteil das der Satellit \u201enormal\u201c sein k&ouml;nnte, man nur den Gro&szlig;teil des Treibstoffs wegl&auml;sst. Er w&auml;re damit auch von anderen Tr&auml;gern startbar. Daf&uuml;r ist die L&ouml;sung teurer, weil ich eine eigene Stufe habe, daher auch die &Uuml;berlegung sie erneut zu verwenden.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Basisparameter<\/h3>\n<p>Ich habe mit den mir zur Verf&uuml;gung stehenden Daten die Nutzlast einer Vega E (mit P120C und Z40 Stufe) f&uuml;r einen 500 km hohen Orbit bei Flugazimut 90 Grad (Bahnneigung etwa 5 Grad) berechnet und komme auf 3.900 kg. Die Vega lag f&uuml;r denselben Orbit bei rund 2.400 kg und die Versprechung der ESA sind 50 % mehr Nutzlast, das ist also stimmig. Ich gehe im Folgenden von 3.500 kg aus, um einen kleinen Puffer f&uuml;r eine zu optimistische Berechnung zu haben.<\/p>\n<p>Bei einem Ionenantrieb sind die wesentlichen Designparameter wie ben&ouml;tigte Leistung (diktiert Gr&ouml;&szlig;e und Masse der Solarpaneele), ben&ouml;tigte Zeit um eine gegebene Geschwindigkeits&auml;nderung durchzuf&uuml;hren und spezifischer Impuls (legt Treibstoff- und Tankmasse fest) miteinander verbunden, sodass man Vorgaben f&uuml;r mehrere Parameter machen muss, um die anderen zu bestimmen. Ich habe die Gesamtmasse von Stromversorgung und Treibstoff festgelegt zu 1.250 kg und dann f&uuml;r verschiedene Betriebszeiten (die Reisedauer ist l&auml;nger, da dazu noch Zeiten im Erdschatten hinzukommen) den optimalen spezifischen Impuls errechnet:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"85*\" \/>\n<col width=\"85*\" \/>\n<col width=\"85*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"33%\">Betriebsdauer<\/th>\n<th width=\"33%\">Opt. spez Impuls<\/th>\n<th width=\"33%\">Nutzlast<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">90<\/td>\n<td width=\"33%\">24.300 m\/s<\/td>\n<td width=\"33%\">1.971 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">120<\/td>\n<td width=\"33%\">28.600<\/td>\n<td width=\"33%\">2.200 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">150<\/td>\n<td width=\"33%\">32.400<\/td>\n<td width=\"33%\">2.335 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">180<\/td>\n<td width=\"33%\">35,800<\/td>\n<td width=\"33%\">2.495 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">210<\/td>\n<td width=\"33%\">38.900<\/td>\n<td width=\"33%\">2.555 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">240<\/td>\n<td width=\"33%\">41.800<\/td>\n<td width=\"33%\">2.626 kg<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Wie man sieht, wird die zus&auml;tzliche Nutzlast bei steigender Reisedauer immer kleiner. Ber&uuml;cksichtigt man die spezifischen Impulse von existierenden Triebwerken, so bietet sich eine Reisedauer von 150 Tagen beim Einsatz eines RI-2X und 210 Tagen beim Einsatz eines T-7 ein. Ich bin im Folgenden vom RIT-2X mit 0,15 N Schub ausgegangen. Von diesem ben&ouml;tigt man 9 St&uuml;ck f&uuml;r den Transfer. Die maximale Geschwindigkeits&auml;nderung soll 5.000 m\/s betragen. Maximal 4600 m\/s werden f&uuml;r einen Transfer ben&ouml;tigt, der Rest ist f&uuml;r Drehungen und als nicht nutzbare Reserve vorgesehen. Dann sieht eine Architektur f&uuml;r einen integrierten Antrieb so aus:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"128*\" \/>\n<col width=\"128*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"50%\">System<\/th>\n<th width=\"50%\">Gewicht<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Solargenerator mit 1kW Mehrleistung und 5 % Leistungsverlust (38 kW BOL)<\/td>\n<td width=\"50%\">475 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Treibstoff:<\/td>\n<td width=\"50%\">516 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Tanks:<\/td>\n<td width=\"50%\">78 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Ionentriebwerke mit Hochspannungswandlern:<\/td>\n<td width=\"50%\">159 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Brutto Nutzlast:<\/td>\n<td width=\"50%\">2.372 kg<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Durch das Verwenden existierender Triebwerke (man kann ja nicht 9,374 Triebwerke einsetzen) ergeben sich leichte Abweichungen zum ersten Wert. Mit diesen Daten habe ich nun eine Simulation durchgef&uuml;hrt. Mit Zeiten im Erdschatten wird die Nutzlast den Orbit nach rund 164 Tagen erreicht haben, bei einem Gesamt dV von 4.553 m\/s.<\/p>\n<p>Beim Vergleich mit einem normal angetriebenen Satelliten bin ich von folgenden Daten des konventionellen Satelliten ausgegangen:<\/p>\n<p>10 Jahre Betriebszeit, dV-&Auml;nderung w&auml;hrend dieser Zeit chemisch 400 m\/s, mit Ionenantrieb 800 m\/s<\/p>\n<p>ben&ouml;tigte elektrische Leistung BOL 10 kW. Der Ionenantrieb ben&ouml;tigt 5 weitere Triebwerke f&uuml;r die Lageregelung in den anderen Raumachsen.<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"128*\" \/>\n<col width=\"128*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"50%\">System<\/th>\n<th width=\"50%\">Gewicht<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Gewicht brutto<\/td>\n<td width=\"50%\">2.372 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Ionenantrieb: zus&auml;tzlicher Treibstoff<\/td>\n<td width=\"50%\">58 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Ionenantrieb: 5 weitere Triebwerke<\/td>\n<td width=\"50%\">88 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Mehrgewicht Tank<\/td>\n<td width=\"50%\">9 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Netto Nutzlast<\/td>\n<td width=\"50%\">2.217 kg<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Dieselben Systeme ben&ouml;tigt auch der chemisch angetriebene Satellit, hier f&uuml;r ein dV um den Orbit zu erreichen von 1.500 m\/s und einem spezifischen Impuls von 3.000 m\/s f&uuml;r den Apog&auml;umantrieb berechnet:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"128*\" \/>\n<col width=\"128*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"50%\">System<\/th>\n<th width=\"50%\">Gewicht<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Gewicht netto<\/td>\n<td width=\"50%\">2.217 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Solargenerator 10 kW<\/td>\n<td width=\"50%\">125 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Tank:<\/td>\n<td width=\"50%\">404 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Treibstoff:<\/td>\n<td width=\"50%\">2.427 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Startgewicht:<\/td>\n<td width=\"50%\">5.173 kg<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Vega E k&ouml;nnte also in unter 170 Tagen einen Satelliten in den GEO bringen, der einem &uuml;ber 5 t schweren chemischen Satelliten entspricht. Da nur 58 kg Treibstoff f&uuml;r 10 Jahre Betrieb ben&ouml;tigt werden und der Solargenerator um den Faktor 3 leistungsst&auml;rker als sp&auml;ter ben&ouml;tigt ist, w&auml;re es ohne Problem m&ouml;glich eine viel l&auml;ngere Lebensdauer als 10 bis 15 Jahren, die heute &uuml;blich sind und von den Treibstoffvorr&auml;ten begrenzt ist, zu erreichen. Die L&ouml;sung mit den im Satelliten integrierten Systemen w&auml;re also attraktiv sowohl was Reisedauer wie auch Massebilanz und Einfluss auf die Betriebsdauer angeht.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Die Transferstufe<\/h3>\n<p>Die Transferstufe ist eine separate Stufe die einen normalen Satelliten in den GEO bringt, bei diesem wird nur ein Gro&szlig;teil des Treibstoffs weggelassen. Damit dieses Konzept &uuml;berhaupt sinnvoll ist, muss die Stufe mehrmals verwendet werden, denn so spart man sich ab dem zweiten Transport die Stufe und ersetzt nur den verbrauchten Treibstoff. Sie ist allerdings dadurch auch komplexer, ben&ouml;tigt z.B. einen Kopplungsadapter mit durchgezogenen Druckgasleistungen zum Transfer des Treibstoffs (das ist das Druckgas Xenon oder Krypton) und Sensoren, mit denen sie autonom ankoppeln kann. Der Satellit w&auml;re idealerweise dann auch mit einem Ionenantrieb ausgestattet, da bei einem Druckgas man nie den einen Tank vollst&auml;ndig leeren kann, wenn sich im anderen Tank durch den Transfer ein Gegendruck aufbaut. Man kann aber durch die Wahl der Tankabmessungen das Gleichgewicht so einstellen, dass der verbleibende Treibstoff f&uuml;r die Lageregelung &uuml;ber die Sollbetriebszeit auf Satellitenseite und der transferierte Treibstoff f&uuml;r die Impuls&auml;nderung der Stufe auf der anderen Seite reicht.<\/p>\n<p>Ionentriebwerke kann man nicht ewig betrieben. Die meisten Typen haben eine Mindestbetriebsdauer von 10.000 Stunden bis 15.000 Stunden. Das sind 416 bzw. 625 Tage. Bei den obigen 164 Tagen f&uuml;r den Hinflug und (gesch&auml;tzt) 80 Tagen f&uuml;r den R&uuml;ckflug (k&uuml;rzer, da der Satellit als Masse wegf&auml;llt) kann ein Satz Ionentriebwerke f&uuml;r zwei Fl&uuml;ge eingesetzt werden. Ich bin von zwei S&auml;tzen ausgegangen, das l&auml;sst dann 4 Transfers zu.<\/p>\n<p>Um Treibstoff zu sparen, da die Stufe ja auch noch den R&uuml;ckflug absolvieren muss, habe ich diesmal das T-7 mit einem spezifischen Impuls von 4.000 s, aber leicht reduziertem Schub (220 anstatt 250 mN) eingesetzt. Davon ben&ouml;tigt man dann 6 St&uuml;ck. F&uuml;r die Stufe sieht die Massebilanz dann so aus:<\/p>\n<table width=\"643\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"313\" \/>\n<col width=\"312\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"313\">System<\/th>\n<th width=\"312\">Gewicht<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"313\">Gewicht Brutto<\/td>\n<td width=\"312\">3.500 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"313\">Solargenerator 40 kW<\/td>\n<td width=\"312\">500 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"313\">Tank:<\/td>\n<td width=\"312\">78 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"313\">Treibstoff:<\/td>\n<td width=\"312\">520 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"313\">10 T-7 mit Spannungswandlern<\/td>\n<td width=\"312\">260 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"313\">Strukturen und Kopplungsadapter<\/td>\n<td width=\"312\">500 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"313\">Gesamtmasse stufe:<\/td>\n<td width=\"312\">1.850 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"313\">Masse Satellit<\/td>\n<td width=\"312\">1.650 kg<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Der erste Satellit wird also sehr viel leichter sein. In 190 Tagen erreicht die Stufe den GEO und in 104 Tagen wieder den LEO. Sie verbraucht daf&uuml;r 541 kg Treibstoff. Rechnet man mit 550 kg pro Transfer, so sieht beim n&auml;chsten Transfer die Massenbilanz so aus:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"128*\" \/>\n<col width=\"128*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"50%\">System<\/th>\n<th width=\"50%\">Gewicht<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Gewicht brutto<\/td>\n<td width=\"50%\">3.500 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Tankmehrgewicht:<\/td>\n<td width=\"50%\">83 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Treibstoffmehrgewicht<\/td>\n<td width=\"50%\">550 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Masse Satellit<\/td>\n<td width=\"50%\">2.867 kg<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Der Satellit kann also 2.867 kg wiegen, deutlich mehr als im ersten Transfer. &Uuml;bertragen auf die gleichen Eckwerte wie oben ergibt sich folgende Bilanz:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"85*\" \/>\n<col width=\"85*\" \/>\n<col width=\"85*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"33%\">System<\/th>\n<th width=\"33%\">Gesamtgewicht Ionenantrieb<\/th>\n<th width=\"33%\">Gesamtgewicht chemischer Treibstoff<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Mehrleistung Solargenerator 5 kW<\/td>\n<td width=\"33%\">68 kg<\/td>\n<td width=\"33%\">&#8211;<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Tank und Triebwerke<\/td>\n<td width=\"33%\">177 kg<\/td>\n<td width=\"33%\">445 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Treibstoff<\/td>\n<td width=\"33%\">43 kg<\/td>\n<td width=\"33%\">2.672 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Nettomasse Satellit<\/td>\n<td width=\"33%\">2.579 kg<\/td>\n<td width=\"33%\">2.579 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Bruttomasse Satellit<\/td>\n<td width=\"33%\">2.867 kg<\/td>\n<td width=\"33%\">5,696 kg<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Dieser Satellit entspricht also einem fast 5,7 t schweren herk&ouml;mmlichen Kommunikationssatelliten. Das ist dann schon ein mittelschwerer Satellit. F&uuml;r vier Transfers errechnet sich so eine Gesamtmasse von 20,4 t, das sind immerhin zwei Ariane 5 oder 6 Starts. Beim anvisierten Startpreis von 32 bzw. 120 Millionen Euro f&uuml;r Vega E und Ariane 6 entspricht das Kosten von 128 zu 240 Millionen Euro. Die Vega-L&ouml;sung w&auml;re also rund 112 Millionen Euro g&uuml;nstiger. Diese 112 Millionen Euro m&uuml;ssten zum einen die Kosten der Stufe wie auch den Verlust an Einnahmen \u2013 bei 20 Transpondern sind dies mindestens 16 Millionen Dollar in einem halben Jahr die der Transfer dauert, kompensieren. Die viermalige Verwendung ist ein unterer Sch&auml;tzwert. Die RIT-2X sind f&uuml;r 20.000 Stunden qualifiziert, das entspricht bei zwei S&auml;tzen acht Transfers. Man wird mit steigender Alterung der Solarzellen dann weniger Triebwerke gleichzeitig betrieben k&ouml;nnen, aber das macht die L&ouml;sung noch attraktiver, da der erste Satellit nur einem etwa 3,1 t schweren konventionellen Satelliten entspricht und die folgenden dann immer schweren Satelliten entsprechen und sich die Kosten der Stufe auf noch mehr Transfers umlegen. Bei acht Transfers reden wir schon von 43 t im konventionellen Fall, was vier Ariane 6 Starts entspricht und die sind um 224 Millionen Euro teurer.<\/p>\n<h3 class=\"western\">\u2026 und ein normaler Commsat<\/h3>\n<p>Ich habe bisher mein Hauptaugenmerk darauf gerichtet, dass die Umsetzung zwar m&ouml;glich ist \u2013 so wurden existierende Triebwerke genommen, die Gr&ouml;&szlig;e der Solarrays auf 10 kW pro Fl&uuml;gel (aber vier Fl&uuml;gel) begrenzt. Doch was ist, wenn man einen normalen Kommunikationssatelliten nimmt, mit einer kleineren elektrischen Leistung, sagen wir mal 15 kW. Nat&uuml;rlich dauert es so l&auml;nger. Mit vier T5 Triebwerken (je 3,3 kW Leistung) sieht die Massebilanz so aus:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"128*\" \/>\n<col width=\"128*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"50%\">System<\/th>\n<th width=\"50%\">Gewicht<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Gewicht brutto<\/td>\n<td width=\"50%\">3.500 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Ionentriebwerke mit Spannungswandlern (T5 x 4)<\/td>\n<td width=\"50%\">67 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Solargenerator<\/td>\n<td width=\"50%\">Im Satellitengewicht enthalten<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Treibstoff (nur dV Man&ouml;ver)<\/td>\n<td width=\"50%\">410 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Treibstoff Bahnerhaltung<\/td>\n<td width=\"50%\">90 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Tanks<\/td>\n<td width=\"50%\">75 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Satellitenmasse:<\/td>\n<td width=\"50%\">2.826 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Chemisches &Auml;quivalent<\/td>\n<td width=\"50%\">6.278 kg<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Das entspricht dann schon fast den schwersten heutigen Satelliten. Es dauert dann allerdings sehr lange \u2013 ich errechne 1 Jahr 7 Monate, um von der 6500 km hohen LEO Bahn in den GEO zu kommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben in der Raumfahrt ja zwei gegenl&auml;ufige Trends. Zum einen gibt es seit einigen Jahren die ersten \u201eAll Electric\u201c Satelliten, zum anderen werden gerade Tr&auml;ger entwickelt mit immer gr&ouml;&szlig;eren Nutzlasten, nachdem man die letzten 25 Jahren mit 25 t Maximalnutzlast (Delta 4H, Titan 4B, Ariane 5E, Proton) auskam, werden nun gr&ouml;&szlig;ere Tr&auml;ger entwickelt. 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