{"id":14720,"date":"2020-04-22T00:38:46","date_gmt":"2020-04-21T22:38:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=14720"},"modified":"2020-04-21T18:40:45","modified_gmt":"2020-04-21T16:40:45","slug":"ionenantriebe-optionen-fuer-die-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2020\/04\/22\/ionenantriebe-optionen-fuer-die-zukunft\/","title":{"rendered":"Ionenantriebe \u2013 Optionen f&uuml;r die Zukunft"},"content":{"rendered":"<p>Als Abschluss meiner kleinen Serie will ich mal skizzieren, wo die Reise bei Ionenantrieben hingehen k&ouml;nnte, hinsichtlich Nutzlast, Reisedauer und wie man die einzelnen Subsysteme optimieren kann.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Zusammenh&auml;nge<\/h3>\n<p>Bei einem Ionenantrieb gibt es weitaus mehr gegenseitige Abh&auml;ngigkeiten als bei einem chemischen Antrieb. Anders als bei diesem sind z.B. Schub und spezifischer Impuls voneinander abh&auml;ngig. Dazu kommt die Abh&auml;ngigkeit von Stromversorgung und Reisezeit. Zwar ist auch beim chemischen Antrieb die Betriebszeit auch vom Schub und spezifischen Impuls abh&auml;ngig, aber bei Betriebszeiten von einigen Minuten bis maximal einige Stunden spielt dies bei der Inbetriebnahme von Satelliten praktisch keine Rolle.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/82f254afb73a4fe2a6313d289e87d424\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><!--more--><\/p>\n<h3 class=\"western\">Der Status Quo<\/h3>\n<p>Ich habe hier aus meiner letzten Reihe mal ein Massenbreakdown f&uuml;r zwei m&ouml;gliche Eins&auml;tze skizziert. Einmal f&uuml;r einen Transfer LEO \u2192 GEO (etwa 5 km\/s) und einem von der Erde zum Mars (etwa 14 km\/s)<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"85*\" \/>\n<col width=\"85*\" \/>\n<col width=\"85*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"33%\">System<\/th>\n<th width=\"33%\">GEO Transfer<\/th>\n<th width=\"33%\">Marstransfer<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Nutzlast<\/td>\n<td width=\"33%\">64,9 %<\/td>\n<td width=\"33%\">53, 2 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Treibstoff<\/td>\n<td width=\"33%\">14,3 %<\/td>\n<td width=\"33%\">24,9 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Tanks<\/td>\n<td width=\"33%\">2,2 %<\/td>\n<td width=\"33%\">4,7 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Ionentriebwerke<\/td>\n<td width=\"33%\">4,4 %<\/td>\n<td width=\"33%\">4,2 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Stromversorgung<\/td>\n<td width=\"33%\">13,2 %<\/td>\n<td width=\"33%\">13,9 %<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Ich glaube das man mit der H&auml;lfte bis zwei Drittel der Startmasse bei einem integrierten System (bei einer separaten Stufe sieht es schlechter aus, die <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/307906178_VEnUS_an_electric_orbit_raising_stage_for_VEGA\">VENuS <\/a>hat z. B etwa 40 % Maximalnutzlast) wenig an der Nutzlast drehen w&uuml;rde, vielmehr wird man in Zukunft an dem Hauptnachteil, der Reisedauer was &auml;ndern, sprich sie verk&uuml;rzen. Dazu ben&ouml;tigt man mehr Schub, das bedeutet entweder mehr oder leistungsst&auml;rkere Ionentriebwerke, die wiederum mehr Strom ben&ouml;tigen.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Ionentriebwerke<\/h3>\n<p>Ein Ionentriebwerk ist f&uuml;r seinen kleinen Schub erstaunlich schwer. Ein Triebwerk f&uuml;r 0,1 bis 0,2 N Schub wiegt um die 10 kg. Auch wenn es Unterschiede in der Technologie gibt, sind sie nicht relevant f&uuml;r die Gesamtbilanz. Das XIPS 25 und RIT-2X haben z.B. beide um 0,15 N Schub.Nur wiegt eines 13,9 und eines 8,8 kg. Das ist zwar pro Triebwerk ein ziemlicher Unterschied. Bedenkt man aber, das diese gerade mal 4 % am Gesamtgewicht ausmachen, dann ist dies nicht relevant.<\/p>\n<p>Was relevant ist, ist der spezifische impuls. Steigt er, so sinkt der Treibstoffverbrauch. Allerdings steigt auch bei gleichem Schub der Stromverbrauch an. Die meisten Ionentriebwerke f&uuml;r Satelliten haben heute spezifische Impulse, die meist zwischen 25 und 40 km\/s liegen. F&uuml;r bemannte Marsmissionen arbeitet die NASA an Prototypen mit 60 bzw. 80 km\/s. Das erreicht man mit einer h&ouml;heren Spannung, die zu einer st&auml;rkeren Beschleunigung der Ionen bei gleicher Strecke f&uuml;hrt. Ein Triebwerk hat dann bei gleichem Durchmesser \u2013 der legt fest, wie viel Treibstoff pro Sekunde das Triebwerk verlassen kann, da die Felddichte bei einem bestimmten Typ relativ konstant ist, einen h&ouml;heren Schub und Stromverbrauch. Die ESA hat (nur auf dem Papier) auch mehrere Beschleunigungsstufen hintereinander geschaltet und kommt so auf 190 km\/s spezifischen Impuls. Bei etwa diesem Wert liegt auch die in der Literatur genante praktisch umsetzbare Obergrenze f&uuml;r Ionentriebwerke.<\/p>\n<p>Es gibt ein Optimum des spezifischen Impulses f&uuml;r jede Aufgabe, das von technischen Parametern wie verf&uuml;gbarem Strom, Nutzlastanteil, Massen der Subsysteme aber auch der Reisedauer abh&auml;ngt. F&uuml;r die Vega Missionen gibt es z.B. bei einer GEO Mission je nach Betriebsdauer folgenden optimalen spezifischen Impuls:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"128*\" \/>\n<col width=\"128*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"50%\">Reisedauer<\/th>\n<th width=\"50%\">Spez im&uuml;puls<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">100 Tage<\/td>\n<td width=\"50%\">25,4 km\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">200 Tage<\/td>\n<td width=\"50%\">37,8 km\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">300 Tage<\/td>\n<td width=\"50%\">47,1 km\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">400 Tage<\/td>\n<td width=\"50%\">54,8 km\/s<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Man sieht: der Zusammenhang ist nicht linear (eine Verdopplung der Zeit entspricht nicht einem doppelt so hohen spezifischen Impuls). Im Trend gilt: je l&auml;nger man Zeit hat desto besser schneidet ein Triebwerk mit hohem spezifischen Impuls ab. Analoges gilt nat&uuml;rlich auch f&uuml;r die Geschwindigkeits&auml;nderung, weshalb die NASA ja auch Triebwerke mit hohem spezifischen Impuls testet.<\/p>\n<p>Viele Triebwerke sind anpassbar, indem man die Spannung variiert, kann man den spezifischen Impuls erh&ouml;hen oder absenken, allerdings gekoppelt auch an eine Variation des Schubs. F&uuml;r Antriebszwecke wird man sie daher beim Optimum betrieben. Der Modus mit kleinem Schub und niedrigerem spezifischen Impuls eignet sich f&uuml;r Lage&auml;nderungen oder um den Orbit aufrechtzuerhalten.<\/p>\n<p>Die heutigen Triebwerke reichen f&uuml;r den Einsatz im Erdorbit vollkommen aus, auch f&uuml;r den Flug von normalen nicht zu schweren Raumsonden zu Mond, Mars und Venus, sofern man sich zwei oder mehr Jahre Zeit l&auml;sst. Soll es schneller gehen oder ben&ouml;tigt man mehr Geschwindigkeit, wie zu den &auml;u&szlig;eren Planeten so w&auml;ren Triebwerke mit h&ouml;herem spezifischen Impuls besser, wie der <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2020\/04\/19\/mit-der-vega-zum-merkur\/\">Aufsatz &uuml;ber die Mission zum Merkur<\/a> zeigt, steigt sonst der Treibstoffanteil deutlich an.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Treibstoff und Tanks<\/h3>\n<p>Jedes Triebwerk setzt Treibstoff um. Bei Ionentriebwerken, die ja in dem Sinne nichts verbrennen, sollte man besser von Arbeitsmedium sprechen, aber weil sich die Analogie zum chemischen Treibstoff etabliert hat, bleibe ich beim Begriff Treibstoffe. Bei praktisch allen Triebwerken ist dies heute das Edelgas Xenon. Die chemische Natur des Arbeitsmediums spielt keine Rolle, so war bis in die Achtziger Jahre Quecksilber das meistverwendete Arbeitsmedium, in den Sechzigern arbeitete man mit C&auml;sium. Da Quecksilber aber giftig ist und die Triebwerke f&uuml;r die Qualifikation &uuml;ber ihre Lebenszeit getestet werden m&uuml;ssen, ist man zum teureren Xenon &uuml;bergegangen. SpaceX will Krypton einsetzen. Wie sich die geringere Atommasse von Krypton auf den spezifischen Impuls auswirkt, konnte ich nicht herausfinden. Der Hauptvorteil von Krypton ist, das es erheblich billiger als Xenon ist, das als ich es <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2019\/08\/19\/xenon-teuer-und-selten\/\">mal untersuchte<\/a> rund 1.864 Euro pro Kilogramm kostet. Die rund 900 kg Treibstoff f&uuml;r eine Marsmission kosten also rund 1,7 Millionen Euro. Krypton k&ouml;nnte daher, wenn man vergleichbare spezifische Impulse erreicht, durchaus eine Alternative sein. Nach den physikalischen Gesetzen w&uuml;rde bei gleicher Ladungsmenge und gleicher Spannung Krypton etwa 25 % niedrigere Impulse ergeben.<\/p>\n<p>Es gibt f&uuml;r die Verwendung von Krypton einfach zu wenige Quellen.<\/p>\n<p>Beides sind aber Gase und bei Gasen h&auml;ngt die Tankmasse bedingt durch die Physik nur von Materialeigenschaften des Tanks und Druck im Tank ab. Da der Druck unabh&auml;ngig von der Atommasse ist, hat Krypton den Nachteil, dass die Tanks 56 % schwerer sind. Allerdings spielt die Tankmasse wie man in der obigen Bilanz sieht, bei 2 bis 4 % Massenanteil nicht die gro&szlig;e Rolle. Tanks aus CFK-Werkstoffen k&ouml;nnen bis 11 % des Tankinhalts aus Xenon wiegen. Mischtechnologien (Titantechnologien mit CFK-Ummantelung liegen bei etwa 17 % und Metalltanks bei etwa 20 % des Inhalts. Eine gro&szlig;e Steigerung ist hier kaum denkbar, eher setzt man aus Preisgr&uuml;nden lieber schwerere, daf&uuml;r aber billiger Tanks ein. Wir haben also den gleichen Trend zur Kostenersparnis wie beim Einsatz von Krypton, das wie schon erw&auml;hnt dann auch die Tanks schwerer macht (genauer gesagt: bei gleichem Druck ist die F&uuml;llmasse pro Tank geringer).<\/p>\n<h3 class=\"western\">Stromversorgung<\/h3>\n<p>Sieht man von extrem langen Betriebszeiten und sehr hohen <span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">\u0394v<\/span> ab, so macht heute die Stromversorgung den Hauptanteil der Masse des Gesamtsystems aus. Das Ionentriebwerke in den letzten Jahrzehnten langsam, aber sicher popul&auml;rer wurden liegt prim&auml;r an der Verbesserung der Stromversorgung. Definiert man als Leistungsparameter einer Energiequelle den Quotienten aus abgegebener elektrischer Leistung und Gewicht die die Energiequelle hat, so gab es enorme Verbesserungen in den letzten Jahrzehnten. Anfang der Achtziger Jahre erreichten Solararrays mit Tr&auml;gerstruktur 22 W\/kg, ohne Tr&auml;gerstruktur 46 W\/kg. Heute liegen die entsprechenden Werte bei 80 W\/kg und 120 W\/kg, f&uuml;r Arrays ohne Tr&auml;gerstruktur sollen bei gro&szlig;eren Arrays auch 150 W\/kg erreichbar sein.<\/p>\n<p>F&uuml;r Ionenantriebe mit ihrem hohen Strombedarf sind allerdings eher die Arrays mit Tr&auml;gerstruktur wcjtig, da die flexiblen Arrays immer kreisf&ouml;rmig sind und die Geometrie so ihre maximale Gr&ouml;&szlig;e bestimmt. Dagegen kann ein Fl&uuml;gel mit Tr&auml;gerstruktur zwar schmal sein, aber im Prinzip unbegrenzt lang. In der Praxis beschr&auml;nkt der verf&uuml;gbare Platz nat&uuml;rlich die Fl&uuml;gelgr&ouml;&szlig;e. Damit man einen Vergleich hat: ein Solarmodul, das f&uuml;r Fotovoltaikanlagen verwendet wird, hat rund 1,65 m\u00b2 Fl&auml;che, w&uuml;rde bei den besten Solarzellen etwa 29 % Wirkungsgrad haben und so im All rund 648 Watt liefern. Das sind bei einer typischen Masse von 20 kg rund 32,4 W\/kg. Module f&uuml;r Satelliten sind also etwa zwei bis dreimal leichter als die Module, die man sich aufs Dach packt.<\/p>\n<p>Es ist offen, ob man hier noch viel bei Solargeneratoren machen kann. Viel ist ja schon geschehen, indem man die Tr&auml;gerstruktur aus teuren aber leichten Werkstoffen gefertigt hat oder sie ganz wegl&auml;sst, dann wird das Modul wie ein F&auml;cher auseinandergefaltet. Wenn man hier noch etwas tun kann, dann liegen die Hoffnungen eher auf Solarkonzentratoren. Es gibt hier zwei Techniken. Die eine ist es neben dem Solarzellenfl&uuml;gel oben und unten zwei einfache polierte spiegelnde Metalloberfl&auml;chen anzubringen, die im schr&auml;gen Winkel ausgerichtet sind. Sie wirken als Spiegel und reflektieren die Sonnenstrahlung auf die Solarzellen, die so mehr Leistung bringen. W&auml;hrend ein Quadratmeter eines Moduls rund 5 kg wiegt, wiegt eine 0,5 mm dicke Aluminiumplatte 1,4 kg pro Quadratmeter (0,5 mm klingen nach wenig, das ist aber immer noch 30 bis 50-mal dicker als Aluminiumfolie und die Au&szlig;enhaut des Mondlanders hatte nur etwa die Dicke von 0,3 mm. (Bierdosen haben eine von 0,1 mm). Damit sollen auch fl&auml;chige Solararrays 170 W\/kg erreichen. Noch h&ouml;here Leistungswerte erreicht man, indem man die Tr&auml;gerstruktur nicht vollst&auml;ndig mit den relativ schweren Solarzellen bedeckt, sondern nur einen Teil der Fl&auml;che und dar&uuml;ber Linsen positioniert, die dann das Licht b&uuml;ndeln. Diese Technik soll bis 300 W\/kg gut sein. Beides sind aber hypothetische Werte. Eine Technologiemission, die reale Erfahrungswerte liefern sollte, wurde gestrichen.<\/p>\n<p>Haben wir einen sehr hohen Energiebedarf, dann kann man &uuml;ber Kernreaktoren nachdenken. Sie haben bei den heute typischen Leistungsbedarfs von Ionenantrieben von 10 bis 40 kW schlechtere Leistungswerte als Solarzellen, holen bei gro&szlig;en Leistungen aber auf, weil das Hauptgewicht auf die Abschirmung und den K&uuml;hlkreislauf entf&auml;llt und nicht den Reaktorkern. Zudem ist bei kleinen Kernreaktoren der Wirkungsgrad niedrig. Der <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Safe_affordable_fission_engine\">SAFE Reaktor<\/a> erreicht schon an die 200 W\/kg bei 100 kW Leistung. Allerdings wird sich so ein Reaktor nur lohnen, wenn es auch die Nachfrage gibt, ansonsten stehen die Entwicklungskosten in keinem Verh&auml;ltnis zum Nutzen.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Der Nutzen<\/h3>\n<p>Wie man an der obigen Aufstellung sieht, spielt der Treibstoffanteil heute bei einem Transfer innerhalb des Erdorbits, aber auch einmaligem Hinflug zum Mars nicht die gro&szlig;e Rolle. Er ist wegen des <span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">\u0394v<\/span> der einzige konstante Anteil. Reisedauer und Stromversorgung h&auml;ngen zusammen und damit auch die Masse der Triebwerke. In meinen Beispielen habe ich zwischen drei und acht Triebwerken eingesetzt. Nat&uuml;rlich w&auml;ren alle Missionen auch mit einem Triebwerk und 5 kW Stromversorgung (entsprechend rund 80 kg f&uuml;r Stromversorgung und Triebwerk) durchf&uuml;hrbar. Sie dauern dann eben viel l&auml;nger. Umgekehrt: Eine Verdopplung der Leistungsdichte bei der Stromversorgung w&uuml;rde bei den obigen beiden Missionen bei gleicher Reisedauer maximal 7 % mehr Nutzlast bringen. Alternativ k&ouml;nnte man den spezifischen Impuls bei gleicher Reisedauer verdoppeln, was den Treibstoffverbrauch halbieren w&uuml;rde \u2013 das bringt erheblich mehr Gewinn. Daher sind f&uuml;r bemannte Marsmissionen, bei denen die R&uuml;ckreise noch dazukommt, auch Triebwerke mit h&ouml;herem spezifischen Impuls geplant. Sie w&auml;ren auch bei h&ouml;herem <span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">\u0394v<\/span> wie bei der Merkurmission, dasselbe gilt auch f&uuml;r Fl&uuml;ge zu Jupiter und weiter hinaus sinnvoll, um den Treibstoffanteil abzusenken. Speziell bei Fl&uuml;gen ins &auml;u&szlig;ere Sonnensystem w&auml;ren Kernreaktoren von Vorteil, denn sie haben keine Leistungsabnahme mit steigender Sonnenentfernung.<\/p>\n<p>Solarkonzentratoren jeder Form k&ouml;nnen nicht eingesetzt werden, wenn es ins innere Sonnensystem geht, denn sie verst&auml;rken ja die solare Strahlung und wenn diese zu stark wird, sinkt der Wirkungsgrad von Solarzellen rapide ab.<\/p>\n<p>F&uuml;r kleine Systeme w&auml;ren die flexiblen Solararrays, die es aber nur bis maximal 10 kW Peakleistung gibt, eine Alternative zu Solargeneratoren mit fester Tr&auml;gerstruktur. Die VENuS Oberstufe (eine Studie f&uuml;r die Vega) setzt z.B. diese ein. Sie wurden auch bei den Marsmissionen <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/insight.shtml\">Insight<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/phoenix.shtml\">Phoenix<\/a> und den <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/cygnus-dragon.shtml\">Cygnus Kapseln<\/a> eingesetzt.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite werden die kommerziellen Triebwerke heute f&uuml;r die Lageregelung, maximal die Anhebung des Apog&auml;ums aus einem GTO entwickelt. Die Anforderungen sind daher schon vom <span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">\u0394v<\/span> her viel kleiner \u2013 &uuml;ber die Lebensdauer etwa 3 km\/s. Zudem ben&ouml;tigt man, wenn man typisch 80 bis 100 m\/s in einem Jahr &auml;ndern muss, viel weniger Schub als, wie bei einem Antrieb, wo wir von 5 bis 15 km\/s pro Jahr reden. Es werden also viel schubschw&auml;chere Triebwerke ben&ouml;tigt. Der geringe Schub hat noch den Nebeneffekt, das sie weniger Strom ben&ouml;tigen, denn der geht ja von der Gesamtleistung, die vor allem f&uuml;r den Betrieb der Verst&auml;rker und Sender ben&ouml;tigt wird, ab.<\/p>\n<p>Wenn man Ionenantriebe als echten Antrieb einsetzt, dann w&auml;re es sinnvoll, neue Triebwerke in einer Leistungsklasse von 10 bis 40 kW zu entwickeln. Dann kommt man mit einem bis vier pro Antriebsmodul aus, anstatt wie bisher sehr viele einzusetzen (Dawn z. B. f&uuml;nf St&uuml;ck). Weiterhin ist wegen des h&ouml;heren <span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\">\u0394v<\/span> vor allem bei Planetenmissionen es sinnvoll, das der spezifische Impuls etwas h&ouml;her liegt als derzeit, so ein Bereich von 40 bis 60 km\/s w&auml;re sicher angenehm und auch machbar. Das RIT-2X hat 60 km\/s zumindest experimentell schon erreicht. Diese Initiative m&uuml;sste aber mangels kommerzieller Nachfrage von den Raumfahrtagenturen selbst ausgehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Abschluss meiner kleinen Serie will ich mal skizzieren, wo die Reise bei Ionenantrieben hingehen k&ouml;nnte, hinsichtlich Nutzlast, Reisedauer und wie man die einzelnen Subsysteme optimieren kann. Zusammenh&auml;nge Bei einem Ionenantrieb gibt es weitaus mehr gegenseitige Abh&auml;ngigkeiten als bei einem chemischen Antrieb. Anders als bei diesem sind z.B. Schub und spezifischer Impuls voneinander abh&auml;ngig. 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