{"id":14733,"date":"2020-05-01T20:38:36","date_gmt":"2020-05-01T18:38:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=14733"},"modified":"2020-05-01T20:38:36","modified_gmt":"2020-05-01T18:38:36","slug":"triergole-treibstoffe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2020\/05\/01\/triergole-treibstoffe\/","title":{"rendered":"Triergole Treibstoffe"},"content":{"rendered":"<p>Heute mal wieder ein Grundlagenartikel. Es geht um eine Treibstoffkombination, die bisher nur theoretisch untersucht ist. Treibstoffe kann man vielf&auml;ltig unterteilen, eine Unterteilung ist nach der Anzahl der Komponenten. Man spricht von:<\/p>\n<ul>\n<li>monergolen Treibstoffen: eine Komponente<\/li>\n<li>diergole Treibstoffe: zwei Komponenten<\/li>\n<li>trierfole Treibstoffe: drei Komponenten.<\/li>\n<\/ul>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/72699df406974947b8bc1703bd27ab9c\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Monergole Treibstoffe bestehen nicht aus Oxidator und Verbrennungstr&auml;ger, vielmehr ist die einzige Komponente ein Molek&uuml;l, das leicht zerfallen kann. Praktisch eingesetzte monergole Treibstoffe sind Wasserstoffperoxid und Hydrazin. Die spezifischen Impulse sind eher klein und liegen zwischen 1600 und 2200 m\/s.<\/p>\n<p>Die meisten fl&uuml;ssigen Treibstoffkombinationen sind heute diergol wie LOX\/Kerosin, LOX\/LH2 oder NTO\/Hydrazine. Eine Komponente ist der Oxidator die andere der Verbrennungstr&auml;ger. Die spezifischen Impulse liegen zwischen 2800 und 4600 m\/s.<\/p>\n<p>Bei triergolen Treibstoffen hat man dann drei Komponenten. Alle postulierten Mischungen bestehen aus zwei Verbrennungstr&auml;gern und einem Oxidator. Rein theoretisch k&ouml;nnte es aber auch umgekehrt sein. Dabei m&uuml;ssen die Komponenten getrennt sein Gemische wie FLOX, Salpeters&auml;ure+NTO, Aerozin-50 oder UH25 sind keine triergole Treibstoffe. Sonst m&uuml;sste man Kerosin als ein Kohlenwasserstoffgemisch als \u201epolyergol\u201c ansehen.<\/p>\n<p>Alle Bezeichnungen beziehen sich nur auf fl&uuml;ssige Treibstoffe. Feste Treibstoffe fallen in eine andere Kategorie, da hier Oxidator und Verbrennungstr&auml;ger nicht getrennt sind, sie sind also heterogene Treibstoffe, obwohl sie genaugenommen triergole Treibstoffe sind (heute &uuml;blich ist der Einsatz von Aluminium als Verbrennungstr&auml;ger mit einem Kunststoff als Binder und Verbrennungstr&auml;ger und Ammoniumperchlorat als Verbrennungstr&auml;ger und Oxidator).<\/p>\n<p>Rein theoretisch sollten triergole Treibstoffe Vorteile bilden. Sie liegen weniger an der Chemie, als vielmehr der Physik der Aufstiegskurve. Die Gravitationsverluste sinken ab, wenn eine Rakete schneller beschleunigt. Mittelenergetische Kombinationen wie LOX\/Kerosin sind daher in der Praxis nicht so viel schlechter als LOX\/LH2 wie man vom spezifischen Impuls her annehmen k&ouml;nnte, weil die Brennzeiten bei gleicher Treibstoffmenge und Schub k&uuml;rzer sind, dies senkt die Gravitationsverluste ab. Zudem ben&ouml;tigt der volumin&ouml;se Wasserstoff sehr gro&szlig;e Tanks, was dann die Leermasse erh&ouml;ht. Auch das senkt die Nutzlast ab.<\/p>\n<p>Denkbar w&auml;ren zwei Vorgehensweisen. Zum einen k&ouml;nnte man die beiden Treibstoffe simultan verbrennen. Das ist jedoch sehr aufwendig. Denn praktisch sinnvoll ist nur die Kombination von LH2 mit einem mittelenergetischen Treibstoff, meist schl&auml;gt man Kerosin vor. Aufgrund der Temperatur w&uuml;rde dann aber bei einem gemeinsamen Treibstofff&ouml;rderungssystem dann der Wasserstoff die zweite Komponente zu Eis gefrieren lassen und selbst verdampfen. Das geht also so nicht. Getrennte Tanks m&uuml;ssen es wegen der unterschiedlichen Temperaturen sowieso sein. (W&auml;re das nicht der Fall, so kann man auch mischen, das tat die USAF mit Hydrazin und UDMH und erzeugte so <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/raktreib2.shtml\">Aerozin-50<\/a>. Das hatte seinen Grund, aber nicht in der Performance, sondern weil der Treibstoff sowohl bei hohen Temperaturen wie niedrigen Temperaturen fl&uuml;ssig bleiben musste). Da die einzige sinnvolle Kombination die von Wasserstoff mit einem mittelenergetischen Treibstoff ist, ist f&uuml;r den Wasserstoff wegen des viel gr&ouml;&szlig;eren Volumens sowieso eine eigene Turbopumpe n&ouml;tig. Daher wird man zwei getrennte Systeme f&uuml;r die F&ouml;rderung des Treibstoffs haben, egal ob man sie in der Brennkammer mischt oder nicht. Der wesentliche Unterschied d&uuml;rfte dann im Design des Injektors liegen.<\/p>\n<p>Die am meisten genannte Umsetzung ist aber eine andere: man verbrennt die beide Treibstoffe nacheinander. So nutzt man die kleineren Gravitationsverluste, die es beim Verbrennen von mittelenergetischen Treibstoffen gibt und man nutzt den h&ouml;heren spezifischen Impuls von Wasserstoff auf, der zudem da dieser erst im Vakuum verbrannt wird noch etwas besser ist, als wenn er gleich beim Start auf Meeresh&ouml;he verbrennt.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Die Chemie<\/h3>\n<p>Schauen wir uns aber trotzdem mal die Chemie beider Treibstoffe an. Und zwar die reale Chemie, denn beide Stoffe werden nicht st&ouml;chiometrisch verbrannt, sondern mit einem Unterschuss an Verbrennungstr&auml;ger. Das hat einige Gr&uuml;nde. Zum einen ben&ouml;tigt man den Verbrennungstr&auml;ger zur K&uuml;hlung der Brennkammer. Zum anderen senkt ein &Uuml;berschuss die Verbrennungstemperaturen ab. Weiterhin ist so kein Sauerstoff&uuml;berschuss zu bef&uuml;rchten, der auch die Brennkammerwand angreifen kann und nicht zuletzt ist so die mittlere Molmasse der Abgase, ein wesentlicher Parameter f&uuml;r den spezifischen Impuls, kleiner.<\/p>\n<p>Verbrennt man Wasserstoff und Sauerstoff, so ist die Sache einfach. Beides sind Elemente und es gibt nur eine stabile Verbindung n&auml;mlich das Wasser. Der nicht umgesetzte Wasserstoff bleibt erhalten, der Sauerstoff wird fast quantitativ umgesetzt. Der hohe spezifische Impuls der Kombination LOX\/LH2 beruht nicht nur auf der h&ouml;heren Energie bei der Verbrennung, sondern auch der geringeren mittleren Molmasse der Abgase und Wasserstoff ist mit Atommasse 2 u nochmals um einiges leichter als Wasser mit 18 u.<\/p>\n<p>Wesentlich komplexer ist die Verbrennung von Kohlenwasserstoffen, Kerosin ist ein Gemisch verschiedenster Kohlenwasserstoffe. Selbst wenn man annimmt, das durch die hohen Temperaturen das Kohlenstoffger&uuml;st vollst&auml;ndig zerst&ouml;rt ist bleiben doch noch einige Verbindungen &uuml;brig und nicht nur eine. Wasserstoff hat eine h&ouml;here <a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/lexikon\/chemie\/elektronegativitaet\/2841\">Elektronegativit&auml;t<\/a> als Kohlenstoff, das hei&szlig;t, der Wasserstoff d&uuml;rfte bis auf kleine Reste im Wasser landen. Beim Kohlenstoff d&uuml;rften die beiden vorherrschenden Verbindungen Kohlendioxid und Kohlenmonoxid sein. Weitere organische Verbindungen wie Ameisens&auml;ure oder Formaldehyd werden nur in geringen Mengen vorkommen. Dazu kommen Wasser und kleine Mengen an Wasserstoff und Sauerstoff.<\/p>\n<p>Wenn nun Wasserstoff zugesetzt wird, dann erwarte ich eine Abnahme des Kohlendioxid- und Kohlenmonoxidgehalts. Doch wie sich dis auf den spezifischen Impuls auswirkt, m&ouml;chte ich nicht prognostizieren. Dazu m&uuml;sste man die genauen Reaktionsenthalpien kennen und zudem wird zwar der Anteil der schweren Molek&uuml;le Kohlenmonoxid (Atommasse 28 u) und Kohlenmonoxid (Atommasse 44 u) reduziert und es entsteht Wasser (Atommasse 18 u), aber man verliert auch das leichte Molek&uuml;l Wasserstoff das beim LOX\/LH2 im &Uuml;berschuss vorhanden ist (Atommasse 2 u).<\/p>\n<p>Ich habe es daher simuliert, und zwar mit <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/08\/10\/fcea2\/\">CEA2<\/a>. Die wesentlichen Parameter:<\/p>\n<p>Brennkammerdruck: 80 Bar<\/p>\n<p>Expansionsverh&auml;ltnis: 16<\/p>\n<p>Mischungsverh&auml;ltnis LOX\/Kerosin: 2,5<\/p>\n<p>Mischungsverh&auml;ltnis LOX\/LH2: 5,0<\/p>\n<p>Triergoler Antrieb: 50 % LH2, 50 % Kerosin<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"64*\" \/>\n<col width=\"64*\" \/>\n<col width=\"64*\" \/>\n<col width=\"64*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"25%\">Spezifischer Impuls<\/th>\n<th width=\"25%\">LOX\/Kerosin<\/th>\n<th width=\"25%\">LOX\/LH2<\/th>\n<th width=\"25%\">Mischung<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"25%\">Vakuum<\/td>\n<td width=\"25%\">3.224 m\/s<\/td>\n<td width=\"25%\">4.216 m\/s<\/td>\n<td width=\"25%\">3.894 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"25%\">Meeresh&ouml;he<\/td>\n<td width=\"25%\">3.028 m\/s<\/td>\n<td width=\"25%\">3.978 m\/s<\/td>\n<td width=\"25%\">3.675 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Mischung liegt n&auml;her am Wasserstoff als am Kerosin (600 m\/s mehr als Kerosin, 400 m\/s weniger als Wasserstoff). Schaut man sich die Aufteilung der Abgase an, so wird klar warum: Der Anteil von Kohlenmonoxid und Kohlendioxid (zusammen bei LOX\/RP1 48 %) sinkt auf 11 %, der Anteil freien Wasserstoff von 9 auf 30 %.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Simulation<\/h3>\n<p>Mit diesen Daten habe ich dann eine synthetische Rakete modelliert, die sich an die Atlas anlehnt. Folgende Daten habe ich verwendet:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"128*\" \/>\n<col width=\"128*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"50%\">Parameter<\/th>\n<th width=\"50%\">Wert<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Masse erste Stufe:<\/td>\n<td width=\"50%\">120 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Leermasse erste Stufe:<\/td>\n<td width=\"50%\">8 t LOX\/RP1, 12 t LOX\/Lh2, 10 t LOX\/LH2\/RP1<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Masse zweite Stufe:<\/td>\n<td width=\"50%\">15 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Leermasse zweite Stufe:<\/td>\n<td width=\"50%\">2 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Schub erste Stufe:<\/td>\n<td width=\"50%\">2.000 kN \/ 2200 kN (Meeresh&ouml;he \/ Vakuum)<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Schub zweite Stufe:<\/td>\n<td width=\"50%\">120 kN<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Spezifischer Impuls erste Stufe Vakuum:<\/td>\n<td width=\"50%\">3.050 m\/s \/ 4.000 m\/s \/ 3.700 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Spezifischer Impuls zweite Stufe Vakuum:<\/td>\n<td width=\"50%\">4.350 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Mischungsverh&auml;ltnis LOX\/Verbrennungstr&auml;ger:<\/td>\n<td width=\"50%\">2,5 (RP1), 5 (Lh2), 3,57 (Mischung)<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die spezifischen Impulse entsprechen den obigen, abz&uuml;glich 5 %, da ich von Nebenstromtriebwerken ausgehe und die etwa 5 % des Treibstoffs f&uuml;r die F&ouml;rderung verbrauchen. Sie entsprechen auch g&auml;ngigen Triebwerken mit dieser Technologie wie dem Merlin oder RS-68.<\/p>\n<p>Ich errechne folgende Eckwerte:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"85*\" \/>\n<col width=\"85*\" \/>\n<col width=\"85*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"33%\">Typ<\/th>\n<th width=\"33%\">Nutzlast<\/th>\n<th width=\"33%\">Aufstiegsverluste<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">LOX\/RP1 Diergol<\/td>\n<td width=\"33%\">4.000 kg<\/td>\n<td width=\"33%\">1.636 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">LOX\/LH2 Diergol<\/td>\n<td width=\"33%\">6.400 kg<\/td>\n<td width=\"33%\">1.463 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Triergol, Betrieb nacheinander<\/td>\n<td width=\"33%\">5.800 kg<\/td>\n<td width=\"33%\">1.508 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">Triergol, Mischung<\/td>\n<td width=\"33%\">6.100 kg<\/td>\n<td width=\"33%\">1.382 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Der Effekt von geringeren Aufstiegsverlusten bei h&ouml;herer Nutzlast zeigt sich zumindest in diesem Beispiel nicht. Erstaunlicherweise ist die LOX\/LH2 Option bei diesem Beispiel die beste. Die triergole Mischung ist aber dann, was die Aufstiegsverluste angeht, noch besser und auch die Nutzlast kommt nahe an die von LOX\/LH2 heran. Doch daf&uuml;r hat man einen Tank mehr, der dazu noch isoliert werden muss, (kann beim LOX-Tank aufgrund der Dichte und des gr&ouml;&szlig;eren Bereichs in dem der Sauerstoff fl&uuml;ssig bleibt entfallen) ein weiteres Leitungssystem und eine zus&auml;tzliche Turbopumpe. In der Summe sehe ich also eher einen deutlichen Mehraufwand gegen&uuml;ber LOX\/LH2, aber die Nutzlast ist kleiner.<\/p>\n<p>Das mag bei anderen Verh&auml;ltnissen des Anteils von Kerosin und LH2 (z.B. 70:30) anders sein, wobei man dann auch noch die Mischungsverh&auml;ltnisse der Treibstoffe variieren kann, also den &Uuml;berschuss an Kerosin und Wasserstoff senken oder erh&ouml;hen kann.<\/p>\n<p>Im Diagramm der Aufstiegskurve ist der Effekt der l&auml;ngeren Brennzeit deutlich zu sehen. Die Rakete steigt langsamer auf und erreicht eine kleinere Gipfelh&ouml;he. Das senkt die Aufsteigsverluste.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium\" src=\"\/img\/trergol1.png\" width=\"815\" height=\"630\" \/><\/p>\n<h3 class=\"western\">Der Nutzen<\/h3>\n<p>Bei diesem Beispiel zeigt sich der Nutzen nicht auf den ersten Blick. Triergole Treibstoffe machen bei klassischen Raketen wenig Sinn. Postuliert wurden sie vor allem f&uuml;r einstufige wiederverwendbare Raketen. Dann sinkt das Volumen, das ja auch dem Wiedereintritt widerstehen muss stark ab. Das ganze Vehikel wird kleiner und ein kleineres Vehikel hat eine geringere Leermasse. Das ist im Beispiel schon zu sehen, denn nimmt man die Gesamtmasse, die in den Orbit gelangt, dann sind das:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"128*\" \/>\n<col width=\"128*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"50%\">Kombination<\/th>\n<th width=\"50%\">Masse im Orbit<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">LOX\/Kerosin<\/td>\n<td width=\"50%\">12 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">LOX\/Lh2<\/td>\n<td width=\"50%\">18,4 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Triergol (Mischung)<\/td>\n<td width=\"50%\">16,3 t<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Bei nur 300 kg unterschied ist die Masse im Orbit um 2,3 t kleiner. Das wirkt sich aus, wenn man h&ouml;here Geschwindigkeiten wie f&uuml;r sonnensynchrone Umlaufbahnen oder h&ouml;here Umlaufbahnen (das Beispiel wurde, f&uuml;r einen 200-km-Kreisorbit mit Azimut 90 Grad vom WTR aus gerechnet). Wie beim Space Shuttle nimmt dann die Nutzlast stark ab und dann machen sich die 2 t mehr Leermasse schon bemerkbar.<\/p>\n<p>Dasselbe gilt f&uuml;r eine Bergung. Nimmt man an, das die Leermasse um 50 % h&ouml;her ist wenn geborgen werden soll (Treibstoff f&uuml;r das Verlassen des Orbits, Hitzeschutzschild, h&ouml;here Wandst&auml;rke f&uuml;r h&ouml;here Belastungen), dann sinkt die Nutzlast ab, und zwar auf:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"104*\" \/>\n<col width=\"152*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"41%\">Kombination<\/th>\n<th width=\"59%\">Nutzlast bei 50 % h&ouml;here Leermasse der zweiten Stufe<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"41%\">LOX\/Kerosin<\/td>\n<td width=\"59%\">0<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"41%\">LOX\/Lh2<\/td>\n<td width=\"59%\">0,4 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"41%\">Triergol (Mischung)<\/td>\n<td width=\"59%\">1,3 t<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Und schon ist die triergole L&ouml;sung die beste. Allerdings gibt es auch hier eine alternative L&ouml;sung n&auml;mlich zwei Stufen, jeweils wiederverwendbar, wie einmal f&uuml;r das Space Shuttle geplant. Die erste Stufe mit LOX\/Kerosin (verkleinert deutlich deren Gr&ouml;&szlig;e, die Trenngeschwindigkeit ist kleiner, was den thermischen Stress bei der Landung reduziert und es leichter erm&ouml;glicht den Startplatz in einem Gleitflug zu erreichen) und die zweite Stufe, um die Nutzlast zu maximieren, mit Wasserstoff als Treibstoff.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute mal wieder ein Grundlagenartikel. Es geht um eine Treibstoffkombination, die bisher nur theoretisch untersucht ist. Treibstoffe kann man vielf&auml;ltig unterteilen, eine Unterteilung ist nach der Anzahl der Komponenten. 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Ein Bericht des OMG, so eine Art\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/8003982d62154aaf9914aedb1248c232","width":350,"height":200},"classes":[]}],"jetpack_sharing_enabled":true,"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14733","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/169"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14733"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14733\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14733"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14733"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14733"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}