{"id":14836,"date":"2020-06-27T07:55:22","date_gmt":"2020-06-27T05:55:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=14836"},"modified":"2020-06-27T07:55:22","modified_gmt":"2020-06-27T05:55:22","slug":"die-loesung-fuer-ein-ueberfluessiges-problem-wir-versorgen-das-lunar-gateway-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2020\/06\/27\/die-loesung-fuer-ein-ueberfluessiges-problem-wir-versorgen-das-lunar-gateway-ii\/","title":{"rendered":"Die L&ouml;sung f&uuml;r ein &uuml;berfl&uuml;ssiges Problem \u2013 wir versorgen das Lunar Gateway II"},"content":{"rendered":"<p>Wie der aufmerksame Blogleser sicherlich bemerkt hat, gibt es nun etwas weniger Blogs. Neben der endlich erfolgten &Ouml;ffnung der Freib&auml;der und Hallenb&auml;der ist das auch dem geschuldet, das mir nicht so viel eingefallen ist. Aber ich greife mal einen Kommentar von Kay auf meinen Vorschlag f&uuml;r die Versorgung des Lunar Gatways auf:<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/c3c2d3a4ba2848df865dc6c4d8d2c7cd\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><!--more--><\/p>\n<p>\u201e<i>Das Clustern von 3 Zentralstufen eine A62 ist denke ich keine Option.<\/i><\/p>\n<p><i>Sowohl D4H und FH haben gezeigt das es doch nicht so einfach ist mal eben 3 Cores zusammen zu schrauben.<\/i><\/p>\n<p><i>Vermutlich w&uuml;rde die Entwicklung mehr kosten als die Ariane 6 selbst.<\/i><\/p>\n<p><i>W&auml;re es nicht allgemein billiger eine Nutzlast mit einem Kopplungsadapter vorzusehen und im Orbit mit einer Stufe mit Lagerf&auml;higem Treibstoff zu koppeln? Hat man ja schon bei Gemini 8 mit Agena hin bekommen.<\/i><\/p>\n<p><i>Dragon2, Starliner, Progress und Sojus verf&uuml;gen doch bereits &uuml;ber einen entsprechenden Kopplungsadapter.<\/i><\/p>\n<p><i>Bei Ausnutzung der angeblichen max. LEO Nutzlast von 63 Tonnen muss man f&uuml;r den Kopplungsadapter, Pumpen und Struktur was abrechnen. Aber 55Tonnen lagerf&auml;higer Treibstoff sollten doch m&ouml;glich sein. Bei Dragon2 w&uuml;rden die Insassen sogar in Flugrichtung sitzen aufgrund der Anordung der Superdracos.<\/i><\/p>\n<p><i>Aber nicht nur f&uuml;r Bemannte Missionen sehe ich das koppeln als g&uuml;nstige L&ouml;sung.<\/i><\/p>\n<p>Auch Raumsonden k&ouml;nnen so wesentlich schwerer gebaut werden oder schneller am Ziel sein\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2020\/06\/16\/versorgen-wir-das-lunar-gateway\/#comment-89717\">Quelle<\/a><\/p>\n<p>Mir geht es prinzipiell darum, ob es geht und nach einigen Absch&auml;tzungen denke ich geht es. Die Ausgangsbasis f&uuml;r die Berechnungen ist dieselbe wie beim Hauptartikel:<\/p>\n<p>Der Versorger besteht aus:<\/p>\n<ul>\n<li>Orion Service Modul (4,9 t trocken, bis 9 t Treibstoff)<\/li>\n<li>ATV Cargo Beh&auml;lter modifiziert: 4,5 t<\/li>\n<li>Fracht (NASA Forderung): 4,4 t<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei der Oberstufe haben wie als Vorlage die EPS Stufe:<\/p>\n<ul>\n<li>VEB: 1,25 t (ESC-A Version 0,95 t)<\/li>\n<li>Trockenmasse: 1.200 kg<\/li>\n<li>Treibstoffzuladung: 9.700 kg<\/li>\n<\/ul>\n<p>F&uuml;r die Bahn habe ich als Mindestanforderung:<\/p>\n<ul>\n<li>Erreichen einer Erdbahn mit einem Apog&auml;um von 384.400 km<\/li>\n<li>400 m\/s Reserve f&uuml;r Koppelman&ouml;ver und Erreichen des Halo Orbits<\/li>\n<\/ul>\n<h3 class=\"western\">Versorger<\/h3>\n<p>Ich fange mal mit dem Versorger an. F&uuml;r den kann man bei voller Treibstoffzuladung eine Startmasse von 22,8 t errechnen. Das liegt deutlich unter der maximalen Nutzlast einer Ariane 62. Will man ihn nicht modifizieren, das w&auml;re vor allem mehr Treibstoff im Servicemodul, so erscheint mir es die beste L&ouml;sung ihn mit einer Ariane 64 in eine elliptische Bahn zu schicken, dann hat er schon einen Teil der Geschwindigkeit f&uuml;r die Transferbahn abgebaut. Absch&auml;tzungen ergaben ein Apog&auml;um &uuml;ber 2.400 km.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Transferstufe<\/h3>\n<p>Etwas komplexer ist es bei der EPS Stufe. Sie m&uuml;sste zuerst mal vergr&ouml;&szlig;ert werden. Dann braucht sie auch Koppeleinrichtungen und sie muss vom Versorger aus steuerbar sein. Das alles kann die normale EPS nicht. Die VEB habe ich als Vergleich mal als Masse f&uuml;r diese Anforderung genannt. Aber es ist kompliziert. Bei der EPS ist die VEB struktureller Bestandteil der Rakete, so ist alleine deswegen die VEB f&uuml;r die ESC-A Stufe um 300 kg leichter, weil sie hier in die Stufe integriert ist. Daneben enth&auml;lt die VEB vieles, was diese Stufe nicht ben&ouml;tigt. Ich bin daher von etwas anderem ausgegangen. Eine EPS enth&auml;lt eines simple Funkfernsteuerung, mit der man das Triebwerk starten, stoppen und schwenken kann. Die gesamte Navigation und Avionik enth&auml;lt dann der Versorger. Sie braucht aber noch einen Kopplungsadapter der 260 kg wiegt, sowie passive Sensoren die Lasersignale zur&uuml;ckwerfen. Dazu k&auml;me noch ein Adapter zur Rakete selbst, denn Ariane 64 hat als Adapter einen Cone 3936 und keinen russischen Kopplungsadapter. Der wiegt rund 360 kg. Ich rechne mal mit allen Zusatzeinrichtungen mit 900 kg Zusatzgewicht.<\/p>\n<p>Dann w&auml;re dann noch der zus&auml;tzliche Treibstoff. Rechnet man das Aestus-Triebwerk mit Schubrahmen aus der Trockenmasse heraus, so bleiben 900 kg &uuml;brig. Bei 9.700 kg Treibstoff kommt man also auf ein Voll-\/Leerrmasseverh&auml;ltnis von 11. Bei einer druckgef&ouml;rderten Stufe wird dieser Faktor weitestgehend konstant bleiben. Nehme ich nun auch 22,8 t Startmasse, der Orbit soll ja der gleiche sein wie bei dem Versorger, dann ergibt sich folgende Rechnung:<\/p>\n<p>22,8 t Startmasse \u2013 1,2 t EPS Trockenmasse \u2013 0,9 t Ausr&uuml;stung \u2013 9,7 t Treibstoff = 11 t Restmasse<\/p>\n<p>Das leitet dann zu 10 t Treibstoff und 1 t Trockenmasse &uuml;ber. Die Transferstufe h&auml;tte dann folgende Daten:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"128*\" \/>\n<col width=\"128*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"50%\">Parameter<\/th>\n<th width=\"50%\">Wert<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Vollmasse:<\/td>\n<td width=\"50%\">22,8 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Davon Kopplungsausr&uuml;stung<\/td>\n<td width=\"50%\">0,9 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Davon EPS Trockenmasse<\/td>\n<td width=\"50%\">2,2 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Davon Treibstoff<\/td>\n<td width=\"50%\">19,7 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Vollmasse im Orbit<\/td>\n<td width=\"50%\">22,44 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Leermasse im Orbit<\/td>\n<td width=\"50%\">2,74 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Schub:<\/td>\n<td width=\"50%\">28,7 kN<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"50%\">Theoretische Brennzeit<\/td>\n<td width=\"50%\">2187 s<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h3 class=\"western\">Parkorbit<\/h3>\n<p>Damit kann man eine Simulation durchf&uuml;hren. In der Praxis w&uuml;rde man mit einem Ariane 64 Start zuerst die Stufe starten. Hat sei einen Orbit erreicht und ist funktionsf&auml;hig, so w&uuml;rde die Besatzung folgen \u2013 das wird nicht so gehen wie bei Gemini, das diese eine Stunde sp&auml;ter startet, schon alleine, weil es keine zweite Startrampe gibt und heute geht in der Raumfahrt alles viel langsamer als in den Sechziger Jahren.<\/p>\n<p>Der kleinste Zeitraum zwischen zwei Ariane 64 Starts d&uuml;rfte bei einem Monat liegen, also sollte das Perig&auml;um so hoch liegen, das die Stufe nicht in einem Monat nennenswert an H&ouml;he verliert. Setze ich maximal 1 km Sinkrate bei einem kreisf&ouml;rmigen Orbit unter ung&uuml;nstigster Solaraktivit&auml;t so ist bei 240 km Perig&auml;um und 2.500 km Apog&auml;um dieser so stabil das in 7 Monaten das Perig&auml;um nur um 1 km und das Apog&auml;um um 13 km sinkt.<\/p>\n<p>Damit habe ich nun eine Aufstiegssimulation durchgef&uuml;hrt. Der Startazimut betrug 80 Grad, damit man eine etwas h&ouml;here Bahnneigung als bei GTO-Bahnen erh&auml;lt, die Mondbahn ist auch um 5,2 Grad zum &Auml;quator geneigt. Ziel war eine Bahn mit einem Perig&auml;um von 240 km und einem m&ouml;glichst hohen Apog&auml;um. Ich komme bei 22,8 t Nutzlast (+ 3 % Sicherheitsreserve, meine Simulation errechnet meist etwas zu gute Werte auf ein Apog&auml;um von 2400 km.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Von der Erde zum Mond<\/h3>\n<p>In diesem Orbit betr&auml;gt die Perig&auml;umsgeschwindigkeit 8203 m\/s. Ben&ouml;tigt werden f&uuml;r ein Apog&auml;um in 384.400 km Distanz 10.884 m\/s. Die Differenz betr&auml;gt also 2641 m\/s.<\/p>\n<p>Die Transferstufe kann, wenn man das unvermeidliche Anheben des Perig&auml;ums au&szlig;er acht l&auml;sst, maximal 1822 m\/s aufbringen. Der Rest muss dann vom Orion Modul kommen. Mit drei Zwischenbahnen erreicht die Kombination in 14 Stunden eine 351 x 29.134 km Bahn. W&uuml;rde man nur eine Z&uuml;ndung machen so k&auml;me ein 1.234 x 21.152 km Orbit heraus, wegen der dann h&ouml;heren Gravitationsverluste sprich Hubarbeit. Den nehme ich im Folgenden als Vergleich.<\/p>\n<p>Die Stufe h&auml;tte ihre Schuldigkeit getan, nun w&uuml;rde sie abgekoppelt und das Servicemodul w&uuml;rde &uuml;bernehmen. Auch hier verwende ich ein Aestus Treibwerk das hat etwas h&ouml;heren Schub als das AJ-10, das im Original Servicmodul als Resteverwertung aus dem Space Shuttle Programm verbaut wurde. Es war aber im Gespr&auml;ch bevor die USA auf ihrem Triebwerk bestanden. Aufgrund der kleineren Masse erreicht der Versorger in einer Z&uuml;ndung eine Bahn mit einem Perig&auml;um von 411 bzw. 1336 km bei einer Restmasse von 17.540 bzw. 16.100 kg (drei bzw. eine Z&uuml;ndung). Das l&auml;sst noch 764 bzw. 491 m\/s &uuml;brig, um den Haloorbit zu erreichen sowie f&uuml;r die Koppelman&ouml;ver.<\/p>\n<p>Das w&auml;re also m&ouml;glich, man h&auml;tte im g&uuml;nstigsten Falle eine Reserve von 1.600 kg, wobei ich Zuschl&auml;ge aufgrund von Annahmen aber auch relativ knapp gesch&auml;tzt habe.<\/p>\n<p>Eine ganz andere Frage ist ob es so technisch m&ouml;glich ist. Klar ging man bei Gemini so vor, aber das war in einer anderen Zeit, als man andere Risiken einging. Heute w&uuml;rde man erst die gesamte EPS Stufe f&uuml;r bemannte Eins&auml;tze qualifizieren m&uuml;ssen. Sie einfach so zu verwenden geht sowieso nicht, weil die Treibstoffzuladung sich verdoppelt und sie bei Ariane 5 in der VEB befestigt wurde \u2013 ein Erbe weil Ariane 5 mal bemannt (dann ohne EPS) eingesetzt werden sollte. Nun w&auml;re die EPS aber eine regul&auml;re Nutzlast, die man wahrscheinlich kopf&uuml;ber (Stufenende an Stufenende) auf der ULPM befestigen w&uuml;rde. Wenn man sie schon umbaut, w&uuml;rde man auch ein weiteres Antriebssystem einbauen denn die Stufe hat im Original nur ein Haupttriebwerk, damit ist weder eine Lagereglung um alle drei Raumachsen m&ouml;glich, noch kleine Geschwindigkeits&auml;nderungen, das erfolgt bei der Ariane 5 immer durch die VEB. Und ob sich heute Raumfahrtagenturen mit einer preiswerten Funkfernsteuerung zufriedengeben, darf man auch bezweifeln. Wahrscheinlich w&uuml;rden sie wieder ein Servicemodul haben wollen, wie das der Orion nur eben mit mehr Treibstoff. Das ist bei dem knappen Massenbudget aber nicht drin.<\/p>\n<p>Zum zweiten Vorschlag: es gibt eben keine Stufen mit lagerf&auml;higem Treibstoff in der ben&ouml;tigten Gr&ouml;&szlig;e nicht mehr. Sie sind ja wegen der hohen Trockenmasse eh meist zu klein. In der richtigen Gr&ouml;&szlig;e und mit lagerf&auml;higem Treibstoff w&auml;re die Core 2 der Titan, die ist aber pumpengef&ouml;rdert und vor allem wird sie seit &uuml;ber 15 Jahren nicht mehr produziert. Wenn man aber alles erst neu produzieren muss, kann man auch gleich den in der Umsetzung einfacheren ersten Vorschlag von mir nehmen. Zumal schon der erste Satz nicht stimmt: Bei der Delta 4 musste man nicht viel Neues installieren, die war schon f&uuml;r Booster ausgelegt. Nur bei der Falcon heavy, die eben nicht daf&uuml;r ausgelegt war, entpuppte sich das als aufwendig, wobei man wegen der Geheimniskr&auml;merei auch nicht wei&szlig; ob das prim&auml;r an dem Landekonzept oder dem Crossfeeding liegt (das letztere wurde j dann aufgegeben, was f&uuml;r diese Annahme spricht). &Auml;hnliches g&auml;lte f&uuml;r die Ariane 683. Im Gegenteil: die Belastungen sind durch den geringeren Schub der Cores f&uuml;r die Zentralstufe sogar geringer als wie bei zwei Feststoffboostern (Schub 3500 zu 970 kN). Was das mit Raumsonden zu tun hat, entzieht sich mir ganz. Selbst die kleinsten Tr&auml;gerraketen von NASA, ESA und Roskosmos k&ouml;nnen mindestens 3 t auf Fluchtgeschwindigkeit transportieren, die gr&ouml;&szlig;ten etwa 6 bis 8 t und habe ich dann einen hohen Geschwindigkeitsbedarf so kann ich ab dann Ionentriebwerke einsetzen, eine inzwischen durch etliche Missionen bew&auml;hrte Technologie und zudem kosteng&uuml;nstiger als zwei Starts. Mit den Superdracos wird man wegen des miserablen spezifischen Impulses wohl auch nicht mit einer Stufe auskommen, selbst bei 55 t Treibstoff (illusorisch, da die Angaben auf der SpaceX Webseite von den eigenen Fachleuten widersprochen werden &#8211; in GTO erreicht sie nur 15 anstatt 22,2 t), das verr&auml;t schon eine einfache Berechnung mit dem Taschenrechner.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie der aufmerksame Blogleser sicherlich bemerkt hat, gibt es nun etwas weniger Blogs. Neben der endlich erfolgten &Ouml;ffnung der Freib&auml;der und Hallenb&auml;der ist das auch dem geschuldet, das mir nicht so viel eingefallen ist. 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